Livereview: Battle of Metal 2005
12. November 2005, Pratteln Z7
by HaRdY
Bereits zum siebten Mal seit 1999 fand das Battle of Metal im Z7 statt. Veranstaltet von Andrea Andreani (Silversun Productions/http://mypage.bluewin.ch/skylar/index.html) und Lukas Truniger (Headline Studio) fanden sich sechs Schweizer Bands mit ihren möglichst zahlreich mitgereisten Fanscharen im baslerischen Konzert-Tempel ein und buhlten um solch attraktive Preise wie einen 2-tägigen Studioaufenthalt, einen Support-Gig in Pratteln sowie als dritten Platz Gratis-Tickets für die gesamte Band an ein Konzert ihrer Wahl im Z7. Die Stimmung war familiär und gelöst und ausser einem vollkommen verstrahlten Fan, der es sich nach dem exzessiven, ja fast schon oscarverdächtigen Auskotzen der letzten 13 Bierchen nicht nehmen liess, die entstandene Schweinerei mittels eines Wassereimers und dazu gehörendem Lappen wieder aufzunehmen, passierten keine weiteren nennenswerten Anekdoten. Die Running Order wurde im Vorfeld ausgelost und damit Bühne frei!

Morbus Gravis
Als erste Band des Abends mussten die sympathischen Tessiner vor einer noch arg spärlich bevölkerten und zurückhaltenden Kulisse die Rolle des Anheizers übernehmen und boten dennoch ihre gewohnt energiegeladene und mit viel Bewegung vorgetragene Show. Wie bereits vor zwei Wochen im C4, brillierten die Ragazzi mit einer technisch über alle Zweifel erhabenen Instrumentierung in einer Schnittmenge aus modernem Death Metal sowie treibendem Metalcore, und der eindrucksvolle Fronter Idris punktete mit coolem Stageacting sowie seinem kräftigen und variablen Organ, von dem sich noch so mancher Möchtegern-Sänger ruhig ein paar Scheiben abschneiden dürfte! Die Reaktionen aus den spärlichen Reihen waren zwar wohlwollend, jedoch noch sehr verhalten. Kamen die Zuschauer während des Auftritts doch erst nach und nach in die Halle und neben zeitraubenden Begrüssungsritualen, Nahrungsversorung und Akklimatisierung stellten Morbus Gravis wohl eher eine musikalische Hintergrunddarbietung dar. Jammerschade, da die Jungs für mich die klaren Gewinner dieses Contests gewesen wären, aber aufgrund der Position des Openers und der wenigen eigenen Fans (längster Anfahrtsweg) schlichtweg verheizt wurden. Technical underdogs from hell!

Sybreed
Den Genfern merkte man die vielen Tour-Aktivitäten an, kamen die Songs doch wie aus einem Guss und auch die souveräne Show von Bass (bangend) und Gitarre (groovend) zeugte von einem eingespielten Team. Die vielen elektronischen Einspielungen kamen auf den Punkt genau und verhalfen der Darbietung zwischen Fear Factory und My Chemical Romance (Gesang) zu einer druckvollen Soundwand. Die Leute tauten jedenfalls langsam auf und schienen Gefallen an den Westschweizern zu finden. Mich persönlich zog der depressiv wirkende Sänger jedoch ziemlich runter und auch die Songs für sich wirkten reichlich uninspiriert. Aber bekanntlich darf das ja jeder halten, wie es ihm beliebt. Sauberer, souveräner Auftritt, aber zu klinisch und durch den extrovertierten Sänger ein bisschen gelangweilt wirkend.

Second Function
Die Zürcher gewannen schon mal ausser Konkurrenz den Sympathiepreis des Abends. "Entschuldigte" sich Sanger/ Gitarrist Flo Bühler doch bereits im Vorfeld über den Exoten-Status ihrer Band, war doch die Mucke nicht gerade derart hartmetallisch, wie der Rest der aufspielenden Bands. Nichtsdestotrotz konnte das Trio mit seinen gitarrenlastigen, griffigen Songs, dem melodischem Gesang und den durchdachten Strukturen einige Farbkleckse hinterlassen. Dass Weniger manchmal durchaus auch mehr sein kann, bewies der druckvolle Sound, der durch die pumpenden Bassläufe und das kurzweilige Drumming fast schon Partylaune hervor rief, jedoch von der hauptsächlich anwesenden Schwarzwurzelgemeinschaft (noch) ignoriert wurde. Ironischerweise waren es gerade Second Function, die den ersten Moshpit des Abends für sich verbuchen konnten und mit mehreren längeren Ansagen ihren Spass am Auftritt kund taten. Unterhaltsam alleweil, darum auch klar Daumen nach oben!

Tribes Of Can
Ebenfalls aus Zürich stammten die Gentleman Black Metaller von TOC. Das nicht gerade unanspruchsvolle Material fiel leider einem nicht gerade differenzierten Mix zum Opfer, der für nicht mit dem TOC-Material vertraute Ohren für reichlich gequälte Gesichtsausdrücke sorgte. Der Schlagzeugsound kam wie aus der leibhaftigen Blechbüchse und von den Gitarren war von meinem Standpunkt aus hauptsächlich nur die Leadmelodie zu vernehmen. Der Rest ging in einem "lustigen" Sound-Gulasch zum einen Ohr rein und dem Anderen wieder raus. Ziemlich wenig Aktion auf der Bühne war auch nicht gerade der richtige Ausgleich dazu, aber für den PA-Sound kann die Band ja nichts. Der stimmgewaltige und sympathische Sänger konnte aber positiv punkten und dem Volk hat's ebenfalls gefallen, wurden die Bemühungen des Fünfers doch mit mächtig Applaus quittiert. Würde die Band mal gerne mit akzeptablem Sound anhören.

Atritas
Die fünf Beppis hatten zwar Heimvorteil ohne Ende, boten aber dennoch eine starke Performance unter Ausnützung fast sämtlicher Black Metal Chlichées wie Corpsepaint, Fackeln, Feuerspucken, brachiale Nietenutensilien etc., und überzeugten durch Bewegungsdrang und Sauberkeit des Vorgetragenen. Die typischen Schrummel-Gitarren sind zwar nicht mehr gerade als innovativ zu bezeichnen, lieferten aber gehörig Druck und passten hervorragend zur satanischen Aufmachung des Fünfers. Keyboarderin Hysteria war nicht mal halb so hysterisch, wie ich gehofft hatte, sondern im Gegenzeil extrem ruhig und schien mir mit dem Legen der simplen Bombast-Teppiche irgendwie unterfordert zu sein (vielleicht den Künstlernamen in Zukunft in Hysteria Paradoxon umbenennen? ;>). Die Lokalmatadoren schöpften dennoch aus dem Vollen und mit Hilfe der unterstützenden Lichtshow verhalf dieser Auftritt der Band zu einem coolen Konzert auf grosser Bühne und reichlich feiernden Fans..., Respekt!

Arise
Als letzte Band des Abends enterten Arise die Bühne und legten auch gleich ohne weitere Umschweife los. Moderner Hardcore, Hawaii-Hemdchen und poppige Frisuren passen insofern zusammen, als dass sie nicht zusammen passen, aber kombiniert mit groovigem Drumming, Stakkato-Riffing und einem agilen Sänger sieht man anscheinend gerne darüber hinweg. Für mehrere Hingucker hatten Arise also schon mal gesorgt. Ihr Sound war jedoch nicht gerade meine Baustelle, denn die Längen der Songs machten den Auftritt nicht unbedingt kurzweilig und ein hyperaktiver Sänger wetzt diese Scharte leider nicht vollständig aus. Die tollen Soli des Leadgitarristen konnten aber noch einige Kartoffeln aus dem Feuer holen und durch die Bank gesehen konnte auch dieser Auftritt als positiv abgehakt werden.

Fazit: Cooler Anlass, der auf einen Schlag eine Auswahl der aktuell stärksten Untergrundbands aus der Schweiz bietet und für genreübergreifende Kontakte innerhalb und ausserhalb der Szene sorgen kann. Als Nachteil empfinde ich die (unfaire) Abstimmungsart mittels dB-Meter, die der Band mit den meisten loyalen Fans den ersten Platz sichern kann, obwohl sie die beschissenste Darbietung des Abends abgeliefert haben könnte. Aber schlussendlich hatte jede Gruppe die Möglichkeit mindestens einmal in ihrer Karriere auf einer international bekannten Bühne zu stehen und unter professionellen Bedienungen sowie einem gediegenen Ambiente einen Gig zu zocken..., ist eben schon geil. Bis zum nächsten Mal!