CD-Reviews Mai 2017
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.   0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
SNAKECHARMER - Second Skin
Frontiers Records/Musikvertrieb
So, nun habe ich auch meine neue Gotthard-Scheibe. Ist für mich "Silver" noch immer sehr enttäuschend, überzeugt schon der Einstieg "Sounds Like A Plan" des zweiten Snakecharmer-Albums mehr, als nur ein Ton der letzten Gotthard-Scheibe. Auf "Second Skin" wird mit Hingabe und Freude gerockt. Dies mit einer "leck mich am Arsch"-Attitüde, die Lust macht auf mehr. Der Erstling der Truppe um Bassist Neil Murray (ehemals Whitesnake), Trommler Harry James (Thunder) und Sänger Chris Ousey (Heartland) war sicherlich ganz okay, aber eben auch nicht mehr. "Second Skin" überzeugt mit einem ganz anderen Level und durch coole Rockriffs, die nie altbacken klingen, aber das Flair alter Whitesnake und Bad Company versprüht. Es braucht nicht mal die Cabrio-Fahrt gegen den Sonnenuntergang, sondern einfach eine laut aufgedrehte Heimanlage, und die Sonne scheint dem Hörer regelrecht aus dem Arsch. So muss zeitloser Hard Rock klingen, und wer bei den oben zitierten Helden ins Schwärmen geratet und Thunder zu seinen Helden zählt, kommt an Snakecharmer nicht vorbei. "Are You Ready To Fly" hat diese leichte Hammondschwere und diese typischen Murray-Grooves. "Follow Me Under" weist ein "Schlechte Laune, noch nie gehört"-Flair aus und vertreibt sofort den Trübsal eines 08/15-Jobs. Lagerfeuerromantik mit US-Hard Rock gepaart erklingt bei "I'll Take You As You Are" und könnte der songtechnische Sohn von XYZ, Great White und Badlands sein. Bluesigen Hard Rock gibts mit "Forgive & Forget" und zum Abschluss mit "Where Do We Go From Here" eine sich aufbauende Rockgranate. Das Interessante ist, dass die Scheibe sich bei jedem Anhören mit neuen Finessen präsentiert und so noch immer mehr zu bieten hat. Meine Güte, wie kann sich eine Band nur derart steigern? Unglaublich!
Tinu 

Punkte: 9.6 von 10
SEETHER - Poison The Parish
Spinefarm Records/Universal
Qualität und Direktheit, zwei Eigenschaften, die die Musik des südafrikanischen Trios beschreiben. Die vor allem in den USA gefeierte Band erfreut sich auch in Europa eines gewissen Bekanntheitsgrades und dies absolut zurecht. Selten hört man Musik, die so authentisch und ehrlich ist wie die von Seether. Ein weiterer Grund, sich mit dieser Band zu befassen. So ist auch ihr neues Werk Pflicht für jeden Hard Rock Fan. Ihr 7. Studioalbum wurde komplett von Sänger und Gitarrist Shaun Morgan produziert und durch sein neues Label Canine Riot herausgegeben. Wer der Band schon länger folgt, wird beim neusten Baby merken, dass die Aggression der alten und die Melancholie der neueren Platten harmonisch verschmelzen und als Ergebnis erhalten wir ein sehr emotionales Werk, welches man sich nicht entgehen lassen darf. Ein Hauch von Düsterheit fehlt natürlich auch auf Poison the Parish nicht was man schon beim Hören der ersten beiden Singleauskopplungen hört und es ist fast so, als könnte man Morgans alte Dämonen wieder sprechen hören, die die früheren Alben so beeinflusst haben. Bei der dritten und vierten Single, welche am 05. und 06. Mai je auf Die Texte laden wie immer zum Nachdenken ein und lassen dem Hörer einen Interpretationsspielraum. Alles, was Fans an der Band und ihrer Musik lieben, ist auch auf dieser Scheibe dabei. Wie auf den allermeisten Alben, egal welches Genres, gibt es auch auf diesem ein paar weniger interessante Lieder, was jedoch immer eine subjektive Meinung darstellt und rein auf musikalische Präferenzen bezogen ist. Qualitativ sind alle Lieder von der ersten bis zur letzten Sekunde auf höchstem Niveau. Zündet Kerzen an, lehnt euch zurück und lasst euch in die tiefe Melancholie entführen! Ein weiterer Lieblingsrelease in diesem Jahr! Wer die Band mag, dem empfehle ich eine Deluxe Version vorzubestellen, welche noch 3 Bonustracks erhält!
Monika M. 

Punkte: 9.5 von 10
NITROGODS - Roadkill BBQ
Steamhammer/Musikvertrieb
Eine alte Musikerweisheit besagt, dass die besten Songideen auf Tour entstehen. Und tourfreudig war das Trio in letzter Zeit. Kein Club, der nicht vom Motörhead-, Thunderhead-, Country-, Punk und High Energy-Rock von Nitrogods sicher war. "Roadkill BBQ" ist die logische Weiterentwicklung und als Album Nummer drei das bisherige Highlight. Sei es der rotzige Opener "Rancid Rock" oder der Status Quo-Smasher "Roadkill BBQ", von Beginn weg geben die Deutschen Gas ohne Ende. Gitarrist Henny Wolter (ehemals Thunderhead, Primal Fear, Sinner), Trommler Klaus Sperling (ehemals Primal Fear, Sinner, Freedom Call) und der singende Bassist Oimel Larcher hauen so locker wie nie zuvor Lieder aus dem Ärmel, als sei es das Leichteste im Leben. Gepaart mit einem Qualitätslevel, das Seinesgleichen sucht. Dass "Boogeyman" mit einem feinen Slideguitar-Zitat versehen ist, ist vorhersehbar. Meistens dominieren aber fette Abgehnummern wie "Wheelin'", "Bad Place Wrong People", "A Los Muertos", "Race To Ruin" oder "Father". Fast alle Tracks bewegen sich knapp um die 3-Minuten Grenze herum, machen Spass und erinnern durch das Flair immer wieder an Motörhead. Nicht, dass "Roadkill BBQ" deswegen nun ein billiger Abklatsch ist, nein, das Trio überzeugt mit dem, was es am besten kann: Auf drei zählen und auf der Überholspur mit einem breiten Grinsen allen den gestreckten Mittelfinger zeigen. Für die "Special Edition" wurden noch zwei zusätzliche Nummern geschrieben, bei denen speziell das affengeile, etwas langsamere "Did Jesus Turn Water Into Beer" (was für ein geiler Titel!) überzeugt. Zusätzlich wird die Special Box noch mit einem schmucken Flachmann veredelt. Nitrogods haben sich erneut gesteigert und mit "Roadkill BBQ" den besten Output seit Bestehen der Band abgeliefert!
Tinu 

Punkte: 9.5 von 10
BURNING WITCHES - Burning Witches
Pledge Music
Metal, hellyeah, Metal! Eidgenössisch-zeitgenössischer Metal von fünf gestandenen Musikerinnen aus der Aargauer-Region. Wow, hatten die fünf Metallerinnen von Burning Witches bereits mit der 2-Track-Single ('Black Widow' & 'Burning Witches') für Furore gesorgt, so hauen sie den Metal-Hammer nun vollends in den Metal-Olymp. Seraina (Vocals), Romana (Guitars), Alea (Guitars), Jay (Bass) und Lala (Drums) hauen uns einfach goilen Metal mit Einflüssen aus dem Power-, Speed-Metal-Bereich, aber auch Elementen aus dem traditionellen Metal, gepaart mit verdammt viel Groove und Power. Es erinnert mich an die 'gute, alte' Zeit des US-Metals, US-Power-Metals, es erinnert mich, um euch einige musikalische Anhaltspunkte geben zu dürfen, an Bands wie Phantom Blue, Chastain, Hellion, Jag Panzer, Heretic, Medieval Steel, Nervosa und Konsorten. Jetzt würden wahrscheinlich einige sagen, der ist jetzt endgültig durchgeknallt. Mag sein, wenn durchgeknallt das Gefühl ist, welches ich beim Hören dieser Debutscheibe bin, dann bin ich per sofort absolut gerne durchgeknallt. Da stimmt einfach alles, von der Power, von der Melodie, von der Härte, vom Cover-Artwork, vom Bandnamen, perfekt. Powervolle wie auch melodiöse Gitarrenlines, Soli, Arpeggi, Tappings, Hammer-Ons & Pull-Offs, Vibratos kombiniert mit dem eben sehr erdigen, powervollen Metal zelebriert von Romana und Alea, von der Lala an den Drums stetig nach vorne gepeitscht, gepowert, wie ein Heer gestandener Amazonen, Jay am Bass supportet die Flanken links und rechts des Heeres von Metal-Warriors & -Witches, während Seraina mit ihrer gewaltigen Stimmkraft stetig das Heer zusammenhält, nach vorne peitscht, treibt, powert, aber auch in ruhigeren, verschnaufspausemässigen Parts stets gekonnt die Truppe zusammenhält. Für mich sind die elf Songs auf 'Burning Witches' das erste Highlight des Jahres 2017, ein phantastisches Debut, welches Lust auf verdammt mehr von den Burning Witches macht. Heilige Scheisse, ist das ein Klassealbum! Freu' mich jetzt schon auf die CD-Taufe am 27.05.2017 im Dynamo, Zürich. Hellyeah, freu' ich mich! Habe fertig!
Leopold 

Punkte: 9.5 von 10
FIRESPAWN - The Reprobrate
Century Media/Universal
Hier treffen sich sozusagen the who is who of the Swedish Death-Metal scene zu einem wahnsinnsgoilen Massaker, welches mich mit der Kettensäge schwingend morgens um 2:00 Uhr vor Nachbar's Türe stehend wiederfindet und headbanged, gepaart mit Firespawn-Growls eine angenehme Horrornacht wünscht. Durch den Überraschungseffekt vergrössern sich die Glupschaugen meines Nachbarns drastisch bis diese herausquollen und nur noch an Venen hängend mir auf links und rechts auf die Schultern kriechen und im Takte der 'The Reprobrate' headbangen. Was will er eigentlich damit sagen? Well, well, das ist endlich wieder mal eine Death-Metal-Mucke, welche mich absolut überzeugt und in Ekstase versetzt. Heiliger Scheiss, ist diese 10-Track-Silberling, die zweite Veröffentlichung nach 'Shadows Realms' der Schweden-Fraktion eine verdammt goile Granate! LG Petrov (Entombed A.D.) an den Vocals, gewohnt goil growlend, Matte Modin (Raised Fist) an den Drums mit sattem Double-Bass nach vorne peitschend massakrierend, Alex Impaler (Necrophobic) am Bass die Dehnbarkeit von Basssaiten testend, Victor Brandt (Entombed A.D.) & Fredrik Folkare (Unleashed) an den deathigen Klampfen, im schwedischen, traditionellen Death-/Thrash-Stil am Shredden und solieren, einfach sowas goil von Soli und Arpeggi sowie Tappings, was dieses Quintett vom Band lässt. Der Blutkelch ist stets gefüllt, mit Genuss lasse ich 'The Reprobrate' in mich einfliessen. Ja, ich bin Firespawn infisziert. Einfach nur noch goil und Freude herrscht, hat mal ein Berner Mountaneer geschrieen. Nein, es war nicht mein Nachbar. Der schleicht sich seit ein paar Tagen komischerweise nur noch so um's Haus herum ... Jedesmal wenn ich Firespawn growle, zuckt er so komisch zusammen. Komisch, die Menschen heutzutage ... Empfohlen, und zwar amtlich, hellyeah!
Leopold 

Punkte: 9.5 von 10
GOD DETHRONED - The World Ablaze
Metal Blade/Sony Music
Hellyeah, einer meiner Faves seit 1990 unterwegs, unverwüstlich, einfach goiler Death-Metal. Bekannt sind ja die sehr guten Releases aus dem Hause Metal Blade, so auch mit 'The World Ablaze', dem elften Longplayer aus dem Hause God Dethroned, welches der Vierer um Henri Sattler (Vocals & Leadguitar sowie Gründungsmitglied), Michiel vd Pflicht (Drums), Mike Ferguson (Lead Guitar) und Jeroen Pomper (Bass) uns präsentieren. Death-Metal as its best, zehn Tracks auf welchen keine Wünsche offen gelassen werden, der jedem Death-Metaller seine persönlichen Massaker-Träume realisieren lässt, will sagen, so klingt interessanter, intelligenter (jawohl) und einfach goiler Death-Metal, von den bombastisch treibenden Drums-Attacken, dem untermalenden, klar wummernden Bass sowie den beiden messerscharf brutalen aber klar abgemischten Gitarren, shredmasters themselves, gepaart mit filigranen und virtuosen Soli aller erdenklichen Spielarten und zuletzt dem sehr goilen Growls & Shouts von Henri, welches eben goilen Death-Metal ausmacht. Anhaltspunkte, nur ansatzweise, denn God Dethroned sind God Detroned, könnte man Cannibal Corpse, Morbid Angel, Deicide, Malevolent Creation und Konsorten nennen. Perfektes Cover-Artwork sowie den einfach gelungenen Schriftzug runden die ganze Sache einfach perfekt ab. Death-Metallers können hier blind zugreifen, alle anderen werden zugreifen werden, denn God Dethroned schreiben seit 1990 Metal-Geschichte. Freue mich auf deren Live-Shows, fuckin' hell, wird das ein Fest!
Leopold   
Punkte: 9.5 von 10
THE MONOLITH DEATHCULT - Versus 1
Hammerheart Records
The Monolith Deathcult haben nicht nur einen der coolsten Bandnamen der Geschichte, sondern verfügen (zumindest via ihre sozialen Kanäle) auch über einen scharfen, schwarzen Humor und intelligen Null-Respekt Jedem und Allem gegenüber. Dem gegenüber stehen hier 48 Minuten monumentale Klangebilde, predigend und anklagend. Düsterer, geil old school-fies gezockter Death Metal, morbide Chöre, marschierende Beats, gemeine Samples, opulente Elektroniksoundtüftlereien und diese zum hinknieen cool intonierten Subbassgrowls (wie sie eigentlich nur Niederländer hinkriegen) machen "Versus 1" zu einem beängstigend eindringlichen Album. Ihr morbider Witz schielt zwar ständig um sämtliche Ecken, der Grundtenor bleibt aber (durch diesen gewissen Wahn gekennzeichnet) sehr beklemmend. Von brachialem Industrialfeeling bis hin zu den ausgewalzten Death/Doom-Passagen, der extrem drückenden Produktion und den kongenialen Soli (z.B. im Mittelteil von "Uchronian March Of The Deathcults") liefern The Monolith Deathcult auf allen Ebenen Qualität. Irgendwo zwischen den letzten beiden Strapping Young Lad-Alben und einem sehr gesunden Schuss Brutalität angesiedelt, gefallen mir diese überlangen, unterhaltsamen sechs Songs (plus Intro) nur schon aufgrund ihrer Andersartigkeit. Härte mit Stil, Zeitgeist und Eiern, reinhören!
Hardy  

Punkte: 9.2 von 10
HAREM SCAREM - United
Frontiers Music/Musikvertrieb
Bei Harem Scarem wusste man eine Zeitlang nie, was uns ein neues Album bringen wird. Sind es die gewohnt tollen Melodien, oder doch eher neue Versuche mit Einflüssen zu experimentieren, welche den Hörgenuss immer wieder trüben? Doch Sänger Harry Hess scheint die Belange der Kanadier wieder voll im Griff zu haben. Es sind die rockigen Momente, wie es scheint, welche den Opener "United" schon mal sofort zum Hit machen. Ein rockiges Riff, eine fette Rhythmusabteilung und der sofort ins Ohr gehende Melodiebogen machen von der ersten Sekunde an Freude. So gehts auch weiter mit "Here Today Gone Tomorrow". Ja, wir haben sie wieder, die Hitfabrik aus Toronto, die nie zu schwülstig wird, sondern immer mit feinen Melodien, handwerklichem Geschick und der richtigen Portion Härte überzeugt. Neben Harry ist es Pete Lesperance (Gitarre), der seit Jahr und Tag die Geschicke der Truppe lenkt und mit dem lockeren, fast Beatles-liken "Gravity" das Bein zum Wippen bringt. Mit einer Talisman-artigen Riffigkeit bei "Sinking Ship" und einem schon fast aggressiv singenden Harry bei "No Regrets" folgen weitere Hits, die zwischendurch mit der Ballade "One Of Life's Mysteries" eine kleine, emotionale Abkühlung erfahren. Mit "Things I Know" erklingen wieder kleine Experimente, die heute aber den Sound von Harem Scarem einfach besser abrunden und nicht zerstören, wie früher. "Heaven And Earth" beinhaltet dann alles, was ein Hit von Harry und seinen Jungs ausmacht. Dieser Track kann auch als exzellenter Anspieltipp erwähnt werden. Wenn Ihr diesen Song hört, weiss man (fast) alles über Harem Scarem. "Indestructible" beendet das Album mit zuerst ruhigen Parts, die dann in einen wahrhaftig hymnenhaften Refrain übergehen. "United" ist ein Klassealbum geworden, welches bald zu einem Klassiker werden könnte!
Tinu 

Punkte: 9.2 von 10
ASTRAL DOORS - Black Eyed Children
Metalville/Musikvertrieb
Das ist halt so eine Sache, wenn eine Band zu Beginn der Karriere gleich zwei absolute Killer-Alben hinlegt und es nachher nicht mehr schafft, dieses Niveau wieder zu erreichen! «Of The Son And The Father» (2003) sowie «Evil Is Forever» (2005) setzten die Messlatte derart hoch, dass «Astralism» (2006) als drittes Werk fast nur scheitern konnte. Das ist insgesamt natürlich etwas übertrieben formuliert und «New Revelation» (2007) als letztes Werk für den alten Rennstall "Locomotive Records" war schon mehr als das letzte Aufbäumen auf zweifellos hohem Niveau. Danach, also nach dem Wechsel zu "Metalville", verloren Astral Doors für meine Begriffe jedoch den einstigen Glanz. Die Mucke wurde mehrheitlich austauschbar und langweilte zusehends. Das schmerzte natürlich, war halt aber so. Nun schreiben wir das Jahr 2017, also zehn Jahre nach den "Locomotive"-Zeiten. Nils Patrik Johansson hatte sich in der Zwischenzeit ja mit Civil War, dem Auffangbecken für gestrandete Sabaton-Musiker, eine zweite musikalische Heimat geschaffen (und mittlerweile ja wieder verlassen), die mir stilistisch aber wenig bis gar nicht zusagt. So schwankten meine Gefühle zu «Black Eyed Children» auf und ab, respektive die kompositorische Erwartung daran stieg ziemlich an. Der Hinweis auf dem Infoblatt, von wegen dass sich die Band nun von einer düsteren wie härteren Seite zeige, hinterliess zunächst mal ein paar Fragezeichen auf meiner Stirne.

Doch schon der gelungene Opener «WE Cry Out», der unter anderem mit wirklich geilen Twin-Guitars auffährt, lässt mich aufhorchen und hoffen. «Walls», wo die angesprochene Härte noch nicht wirklich zu vernehmen ist, punktet aber ebenso mit coolen Soli von Joachim Nordlund und «God Is The Devil» überrascht derweil mit AOR-Soundsprengseln auf Keyboard-Seite und weiteren sechssaitigen Leckereien. Als dann bei «Die On Stage» ein ähnliches Intro wie bei «The Trojan Horse» oder eben «Evil Is Forever» erklingt, wage ich kaum weiter zu atmen! Kommt jetzt endlich das, auf was ich schon so lange warte? Da sich das Intro etwas in die Länge zieht, werde ich voll auf die Folter gespannt. Leider folgt danach nicht das erhoffte Total-Crazy Killer-Riff, respektive die hirnrindezerfressende Abrissbirne. Dennoch ist das Ganze ja schon mal nicht schlecht bis hierhin, und überhaupt sind es wohl eher meine überhöhten Erwartungen, die gebremst werden müssen, denn «Black Eyed Children» liegt insgesamt unbestreitbar wieder voll auf Kurs. Getragen von der bisher klar knackigsten Produktion und abwechslungs-reichen Songs führt letztlich alles hin zum imposanten Titeltrack als letzter offizieller Song, da nur die limitierte Box mit «Jesus Christ Movie Star» noch einen Bonustrack beinhaltet. Das Düstere und Harte habe ich allerdings nicht wahr genommen, sondern mich sehr erfreut wieder dem eigentlichen Signature-Sound von Astral Doors zuwenden können. Man kann gar von einem veritablen "Comeback" sprechen, das sich auch live keine Blösse geben wird.
Rockslave 

Punkte: 9.0 von 10
HATE - Tremendum
Napalm Records/Universal
Wow, was kommt einem da zugeschlichen? Das polnische Quartett von Hate offeriert uns mit 'Tremendum' eine wahrhaftige Black-Metal-Offenbarung, neun Black-Metal-Hammersongs, welche es in sich haben. Musikalisch sind die Warschauer ihrem Black-Metal treu geblieben, aber sie bedienen sich auf 'Tremendum' progressiver, intelligent verschachtelnden Songstrukturen, ohne jedoch den berühmt-berüchtigten roten Faden zu verlieren. Atf Sinner (Vocals & Guitars) und Pavulon (Drums), welche an Live-Shows durch Domin (Guitars) und Apeiron (Bass) ergänzt werden, zeigen einen richtungsweisenden Black-Metal auf, welche für mich mit 'Tremendum' bereits sogar ein Kultstatus erreicht - wie z.B. Morbid Angel's 'Alter Of Madness' - obwohl jetzt wohl einige sagen werden, dass ich mich sehr gewagt aus dem Fenster lehne, aber hej, hört euch 'Tremendum' mehrmals an, man entdeckt bei jedem erneuten Anhören immer wieder neue Elemente. Wahnsinnsgoile Soligitarren, welche das Spektrum entscheidend vergrössern, Drums die einfach blackiger beinahe nicht mehr eingespielt werden können, da passt einfach alles, von den deathigen Vocals wie Growls, welche perfekt zu diesem dunklen Masterpiece passen. Die textlichen Hintergründe, welche in altertümlichen Mysterien und Auffassungen anzusiedeln sind, bis zum perfekten Cover-Artwork, welches den Black-Metal goil wiederspiegelt. Man wird jetzt mir ankreiden dürfen, dass ich selten eine schlechte Bewertung abgebe, was wohl stimmen mag, aber wenn was goil ist, dann soll es auch eine goile Benotung erhalten und Hate haben es allemals mit 'Tremendum' verdient. Habe fertig!
Leopold 

Punkte: 9.0 von 10
WARRANT - Louder Harder Faster
Frontiers Music/Musikvertrieb
Wer erinnert sich nicht gerne an die Hard Rock-Scheiben der US-Truppe Warrant "Dirty Rotten Filthy Stinking Rich" und "Cherry Pie"? Trommler Steven Sweet, Bassist Jerry Dixon, die beiden Gitarristen Joey Allen und Erik Turner sowie Shouter Jani Lane hievten ihre Songs mit einer schon fast sportlichen Show in die amerikanischen Charts und konnten speziell mit den Balladen "Heaven", "Sometimes She Cries" oder "I Saw Red" punkten. Daneben rockten die Jungs aber auch locker los. Das dritte Album "Dog Eat Dog" legte härtetechnisch einige Briketts nach und konnte trotzdem den Grunge-bedingten Untergang der Truppe nicht stoppen. Die sensible Art von Jani führte 2011, dank Drogen und Alkohol, zum Tod des Sängers. Man darf nicht vergessen, dass Warrant immer aktiv waren, mal mit und mal ohne Jani. Knapp sechs Jahre später hat sich der ehemalige Lynch Mob-Sänger Robert Mason als neuer Schreihals bei Warrant etabliert und liefert mit den restlichen Jungs ein Album ab, das härtegrademässig zwischen den ersten beiden und dem dritten Album liegt. Eine Spielart, welche den Songs verdammt gut ins Gesicht steht und bei der auch die Gitarrenparts bedeutend kerniger ans Tageslicht treten. "Only Broken Heart" vermittelt dabei schon fast einen leichten Thin Lizzy-Touch, während "Perfect" auch auf einem der ersten beiden Album seinen Platz gefunden hätte. Einfach eine Spur härter gespielt. Dass die Jungs noch immer tolle Schmusesongs schreiben, beweist "U In My Life". Stimmlich sehr gut umgesetzt, erklingt "Faded" und "Choose Your Fate" versprüht positive Lebensfreude mit genügend Schmackes. Wie auch das abschliessende "Let If Go". Logisch sind Warrant auf eine Art und Weise eine neue Band. Dies liegt klar an den stimmlichen Unterschieden zwischen Robert und Jani. Aber, Warrant sind nach wie vor eine wirklich geile Rock-Band, die heute irgendwo zwischen Night Ranger, Cinderella und Lynch Mob musiziert. Dabei sollten die Jungs auch die Rocker anziehen, welche früher Warrant als zu starke Weichspülertruppe abstempelten.
Tinu 

Punkte: 9.0 von 10
DISBELIEF - The Symbol Of Death
Listenable Records
Disbelief sind eine dieser Bands die meinen tiefen Respekt haben. Denn obwohl von konstanten Musikerwechseln gebeutelt, legen Sänger Carsten "Jagger" Jäger und Bassist Jochen Trunk seit über 20 Jahren konstant exquisite Qualitätsarbeit vor und sieben laange Jahre nach "Heal!" ein weiteres, würdiges Opfer des extremen, beseelten Death Metals auf den Altar der Musikgötter. Einmal mehr mit einer unglaublichen Bandbreite an Tempi, Emotionen und eindringlichen Sounds ausgestattet, ist auch "The Symbol Of Death" bei aller Zugänglichkeit kein Album zum schnell mal nebenbei hören, sondern entfaltet seine wahre Power erst beim eintauchen und verzweifelt nach Luft schnappen. Jagger war, ist und bleibt einer meiner Lieblingsvokalisten, kaum ein anderer Sänger bringt diese fast schon fanatische Überzeugung derart nonchalant, brutal und glaubwürdig rüber. Jede Silbe ein Statement, jeder Keucher eine Geschichte, jedes Brüllen ein Ausrufezeichen. Dass die Instrumentalisten das Level ebenfalls halten und so "The Symbol Of Death" nach meinem persönlichen Highlight "Navigator" (2007) zu einem der besten Alben von Disbelief machen legitimiert daher meine hohe Punktzahl. Ein arschcooles Album, das erarbeitet werden will und mit seiner warmen, leicht nebligen, wohlausbalancierten Produktion für eine ganze Latte an Durchläufen immer wieder frische Details bereit hält. Intelligenter Death Metal mit/für Seele, Herz und Bauch, reinhören!
Hardy 

Punkte: 9.0 von 10
THE DEAD DAISES - Live & Louder
Spitfire Music/Musikvertrieb
Es ist eigentlich schon fast logisch, dass nach drei fetten Studio-Alben der Amis nun erstmal ein Live-Album nachgeschoben wird. Seit ihrem Aufkommen in der Szene spielte sich die Truppe um Frontmann John Corabi förmlich den Arsch ab (inklusive in Kuba!) und empfiehlt sich seither als einer der heissesten aktuellen Rock-Acts unter der Sonne. Nach ein paar Umbesetzungen zwischen dem Debüt und «Make Some Noise» (2016) hat sich jetzt offenbar der richtige Haufen gefunden. Wobei es mich an dieser Stelle schon noch wundert, ob sich "Oberspringer" Marco Mendoza diesmal durch etwas mehr Sitzleder als sonst auszeichnen wird. «Live & Louder» wurde letztes Jahr auf der UK/Europa-Tour mitgeschnitten, und wer genau hinhört, wird bemerken, aus welcher Stadt der eine oder andere Track stammt. Da hier mittelgrosse, aber dafür meist gut gefüllte Hallen bespielt wurden, war es vor allem für die Fans, die bei einem der Konzerte selber dabei waren, ein unvergessliches Erlebnis. Mir ging es dabei ebenso, und obwohl diese Hammer-Band auch ab Konserve überzeugt, muss man die Jungs einfach live sehen. Dazu kommt, dass nicht nur das eigene Material kickt, sondern alten Heulern wie «The Fortunate Son» (von Creedence Clearwater Revival) und vor allem «Midnight Moses (von The Sensational Alex Harvey Band) neues Leben eingehaucht wird. Ganz zu schweigen davon, was jeweils vom 94er Mötley Crüe Album, da damals ja von Mr. Corabi eingesungen, künftig noch alles kommen könnte. Kurz um, «Live & Louder» ist der livehaftige Partykracher schlechthin!
Rockslave 

Punkte:
keine Wertung
LONELY ROBOT - The Big Dream
InsideOut Music/Universal
Der britische Gitarrist John Mitchell ist ein sehr vielseitiges Talent. Nicht nur, dass er auf dem neuen und zweiten Lonely Robot-Album den Gesang, die Gitarren, Bass und Keyboards eingespielt hat. Kennt man den sympathischen Prog Rock-Fan als Gitarrist bei Arena, Kino, Frost und The Urban. Seine fliegenden gefühlvollen Soli bei Arena sind Weltklasse, und seine ebenso gefühlvolle Stimme hier ist genau so wunderbar. Was die Soli betrifft, gibt es auf diesem Rundling jede Menge davon. Natürlich gibt es hier Wunderbare Tracks wie "Sigma" mit viel Arena-Einschlag, die grosse Klasse haben, hört euch nur den fantastischen Refrain an. Auch das etwas Gitarren-Riff betontere "Everglow" ist ein grandioser Prog Rock-Song. Und beim Acht-Minuten-Track "The Big Dream" spielt John mal wieder ein Solo zum Abheben und Niederknien, einfach fantastisch. Dasselbe gilt auch für "Hello World Goodbye", ein Song, der dich wegträgt in die Sphären des wunderbaren John Mitchell. Den Ausklang in Form einer wunderbaren Klavierballade macht das wunderschöne "Epilogue (Sea Beams)". Das Zweite Werk von Lonely Robot setzt nach dem grandiosen Debut "Please Come Home" von 2015 die starke und gefühlvolle Prog Rock-Linie fort und ist wirklich gelungen. Freunde von Arena, Pendragon, Porcupine Tree und ähnlichen Bands sollten sich "The Big Dream" unbedingt zulegen.
Crazy Beat    
Punkte: 8.9 von 10
22 - Are You Creating: Limb 1
Indie Recordings/Irascible
Die Norweger veröffentlichen 2010 ihr Debut-Album "Flux" und beehren uns hier mit ihrem Zweiten Werk "Are You Creating: Limb 1", das den ersten Teil eines Konzepts darstellt, welches dann fortgeführt wird. Die Musik würde ich irgendwo einordnen bei Art Rock, Rock, Art Pop. Sänger Per Kristian Fox Trollvik erinnert oft an Queen, ihre Chöre und Freddie Mercury. Der ganze Sound ab und zu auch an Muse. Sehr spannende Musik mit viel Abwechslung und einem sehr gefühlvollen Gesang. Dies ist ein wirklich wunderbares Stück Musik der sympathischen Norweger. Mal klingen sie theatralisch, dann wieder völlig schräg und fast schrill, bombastisch und dann wieder rockig. Gut zu hören bei "Adam Kadmon Body Mass Index", was für ein crazy Songtitel. Dem entgegen das ruhige "Ectypes", erinnert etwas an Porcupine Tree. Die Vielseitigkeit ist enorm bei den Nordländern. Auch hier braucht's einige Durchläufe, um das Ganze zu sortieren und zu begreifen, aber dann öffnet sich die Welt von 22 dem Zuhörer, man kommt fast nicht mehr los davon. "Are You Creating: Limb 1" ist wirklich ein grossartiges Album, das nicht nur Queen-Fans gefallen wird. Unbedingt reinhören, es wird euch garantiert gefallen.
Crazy Beat  
Punkte: 8.9 von 10
SIENA ROOT - A Dream Of Lasting Peace
MIG
Nicht wenige Stimmen rufen schon eine Weile, dass der Bereich des Retro Rock völlig überladen sei. Gemessen an der Menge der Bands da draussen ist das sicher nicht abwegig, aber so lange die Qualität stimmt und das Ganze glaubwürdig dargeboten wird, besteht keine Gefahr, dass sich dieses Genre bald einmal totläuft. Mit Graveyard haben wir zum Beispiel bereits eine Combo, die ihren ersten Rückzug schon wieder rückgängig gemacht hat, und die Fans der deutschen Band Zodiac hoffen insgeheim, dass dies eines Tages auch mit ihren Helden geschehen wird. Siena Root aus Schweden stecken dafür noch mitten drin und liefern mit «A Dream Of Lasting Peace» das mittlerweile sechste Studioalbum ab. Mir war es bisher einmal vergönnt, die Truppe im mittlerweile geschlossenen "Kinski" in Zürich live zu sehen. Man wähnte sich dabei echt in einer Zeitmaschine, zumal das Publikum sehr hippiemässig aussah. Da kam echter Spirit der 70er auf und genau das ist auch auf dieser Scheibe im Überfluss zu hören. Wie beim älteren Material auch schon, werde ich wieder an die ganz frühen Deep Purple zu Zeiten von Rod Evans (v) und Nick Simper (b) erinnert, dazu finden sich bluesige Vibes aus der Zeit von Jimi Hendrix, Fetzen der frühen Pink Floyd oder The Doors. Wichtiges Instrument ist dabei natürlich die unerlässliche Hammond-Orgel, die von Erik "Errka" Petersson gespielt wird. Gänsehaut hoch drei erzeugt dabei der Hammer-Song «Make Believe», der so glatt auf dem Purple-Debüt «Shades Of Deep Purple» von 1968 stehen könnte. Nicht minder trieft es vor meinen alten Helden beim flotten «Growing Underground», wo man spätestens jetzt, wo sich der herrlich bollernde Bass von Sam Riffer in Szene setzt, die Vinyl-Ausgabe dieser weiteren Genre-Perle anpeilt!
Rockslave  
Punkte: 8.8 von 10
THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA - Amber Galactic
Nuclear Blast/Warner
Obwohl meine Wenigkeit mitunter natürlich auch massig auf 80er Classic Rock Mucke steht, brauchte es im Falle von The Night Flight Orchestra drei Alben, dass die Zwanziger-Münze doch noch runter fiel. Die Zweitband der Soilwork-Recken Björn Strid (v) und David Andersson (g) startete 2012 mit dem Debüt-Album «Internal Affairs» und liess vor zwei Jahren den ebenso töften Zweitling «Skyline Whispers» folgen. Wäre ich 2014 auch beim "Sweden Rock"-Festival zugegen gewesen, hätte ich die Truppe, zu der auch noch Bassist Sharlee D' Angelo (Arch Enemy), Drummer Jonas Källsbäck (Gathering Of Kings, Mean Streak) und Keyboarder Richard Larsson gehören, sogar live sehen können. Was einige Zeit vor dem Erstling aus feuchtfröhlicher Stimmung heraus geboren wird, klingt natürlich ganz anders als das, was die Melodic Deather Soilwork sonst durch die PA pusten. The Night Flight Orchestra fischen frisch und fröhlich im Teich der 80er, lassen sich aber nicht in ein bestimmtes Schema pressen. In der kunterbunten Schnittmenge von Journey, Toto, (alte) Whitesnake, (alte) KISS, Asia, Aldo Nova, Boston, ein bisschen ELO wie sogar Abba (!)und durchaus auch mal funkig vorgetragenen Klängen der 70er, wie beim Debüt-Titeltrack, musizieren die Jungs ohne Scheuklappen einfach drauf los. Wieselflinke Guitar-Soli lassen einen zudem mehrmals aufhorchen. Bei vielen anderen Combos würde man sich hiermit zu einer billigen Weekend-Tanzband degradieren, doch TNFO bringen das Ganze derart fluffig auf den Punkt, dass wohl vor allem ältere Semester wie ich ständig irgendwelche Vergleiche zu den oben genannten Gruppen wie vielen weiteren mehr ziehen und dabei nicht mehr aufhören können zu grinsen. «Amber Galatic» trägt dabei die gleichen abwechslungsreichen Vibes der Vorgänger-Alben, und erneut zieht man den Hut vor den guten alten Zeiten. Die zehn neuen Songs würden mit rund fünfzig Minuten Spielzeit gerade noch Platz auf einer Vinylscheibe haben, doch mit einem Bonus-Track plus leerer vierter Seite wird es nun doch eine DLP. Wer also auf den Rock-Sound der 80er abfährt und open minded an «Amber Galactic» heran geht, wird von diesem knackig produzierten Album begeistert sein!
Rockslave    
Punkte: 8.7 von 10
FACE DOWN HERO - False Evidence Appearing Real
Yonah Records
Seit gut zehn Jahren tief im Thrash Metal verwurzelt, scheut man sich bei Face Down Hero aber trotzdem nicht, beim sechsten Studioalbum "False Evidence Appearing Real (FEAR)" über den Tellerrand hinaus zu blicken und auch ausserhalb des Thrash Inspirationen zu suchen. Dies fängt bereits beim Coverartwork an, das auf den ersten Blick doch eher einer Alternativ-Rockband wie Billy Talent zugeschrieben werden könnte, aber die Gruppe wollte sich stilistisch nicht limitieren lassen und so ist die Überraschung schon beim ersten Ton perfekt. Die insgesamt neun Titel sind modernster Thrash Metal, der sofort in Ohr und Bein geht und sich durch variantenreiches und vielschichtiges Soundmaterial sowie Songwriting auszeichnet. Musikalische Grenzen gibt es keine, wie der Titel "Goodbye To All Heroes" eindrucksvoll belegt. Die Italienerin Stefania Salladini (Nibelheim, Antagonism) verleiht dem Song mit ihrer Stimme eine ganz besonders süsse Note. Im darauf folgenden "Peddlars Of Fear" wird wieder geknüppelt, dass die Knochen nur so fliegen. Die fleissigen Hessen lassen sich nichts vorschreiben, ausser in einem: Sie sind höchst konsequent. Sie haben ihr neuestes Werk wiederum mit Ihrem langjährigen Produzenten Martin Buchwalter (Destruction, Tankard, Suidakra u.a) zusammengeschustert und es gehört mit Abstand zum ambitioniertesten Material ihrer Laufbahn. Wer's verpasst, ist selber schuld!
Oliver H.    
Punkte: 8.7 von 10
DUEL - Witchbanger
HeavyPsych Sounds
Ein Jahr nach Veröffentlichung ihres Debuts "Fears Of The Dead" legen die vier Texaner nach und machen genau dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Egal, ob man es nun Proto Metal, traditionellen Heavy Rock oder Stoner Rock mit Doom-Anleihen nennt, das Quartett bewegt sich in der gewählten Nische dermassen selbst- und treffsicher, dass eine Bauchlandung eigentlich ausgeschlossen erscheint. Die ersten beiden Songs sind hochwertiges Kraftfutter, wie man es von der Band nicht anders erwartet, aber die erste Überraschung folgt auf dem Fuss. Das zunächst verhältnismässig ruhige "Snake Queen" erfährt in der Mitte eine unerwartete Kehrtwende in Richtung klassische Black Sabbath, wodurch der Track ungemein aufgewertet wird. Und in "Astro Gypsy" recyceln sie relativ dreist das Riff von ZZ Tops "Just Got Paid", aber man verzeihe den Jungs in Anbetracht des Endresultates, schliesslich können auch sie das musikalische Rad nicht ständig neu erfinden, ausserdem stammen sie aus dem gleichen Bundesstaat wie das Trio aus Houston, also bleibt alles in der Familie. Im Unterschied zum Vorgänger wagen es die vier Musiker diesmal allerdings, etwas doomiger und ungemütlicher zu klingen, das eine oder andere Riff erweckt immer wieder kurze Erinnerungen an Sabbath und Pentagram, und diese sehr leichte Kurskorrektur in Richtung bissigere und düsterere Sounds steht der Band ungemein gut. "Witchbanger" ist somit der würdige Nachfolger von "Fears Of The Dead" geworden, dessen Existenz übrigens einem Schreiberling des grossen Metal-Magazins aus Dortmund offensichtlich entgangen ist, denn dieser erklärt den zweiten Wurf der Band kurzerhand zu deren Debut. Wenn ich mir meine eigenen Patzer der letzten paar Jahre vor Augen führe, dann ist es durchaus tröstlich für mich zu sehen, dass selbst gestandene, professionelle Musikjournalisten hin und wieder ins Fettnäpfchen treten, dies nur als kleine Anekdote am Rande. In besagtes Fettnäpfchen werden hingegen die Jungs von Duel mit ihrer neuen Scheibe nicht treten, ganz im Gegenteil.
Mirko B.    
Punkte: 8.6 von 10
CHUCK NORRIS EXPERIMENT - Chück Me
Transubstans Records
Also das Coverartwork an sich ist ja schon mal der Hammer. Hier wurden sehr geschmackvoll "Too Fast For Love" und "Shout At The Devil" von Mötley Crüe miteinander kombiniert und auf Chuck Norris Experiment adaptiert, worauf auch der Umlaut im Titel deutet, das ist genau die Sorte augenzwinkernder Bildwitz mit Niveau, die mir so lieb und teuer ist! Auch musikalisch macht die Band einen Schritt zurück, allerdings zu den eigenen Wurzeln und nicht etwa in Richtung Glam Rock der Achtziger. Galten Mötley Crüe lange Zeit als Inbegriff der Schwanzrock-Band schlechthin, kann man, um in der Welt der genitalen Assoziationen zu bleiben, Chuck Norris Experiment getrost als Paradebeispiel für eine Dicke Eier Rock-Band bezeichnen. Schon der letzte Langdreher "Right Between The Eyes" wurde als Versöhnungsakt für das allzu seichte "Dead Central"-Album von 2010 verstanden, und auf diesem bewährten Weg stapfen die fünf Schweden nun unbeirrt weiter, noch rockiger und noch rotziger als zuvor, und das ist gut so. Selbst wenn auf "Chück Me" mit "Long Way Back" und "Bastards" gleich zwei Balladen vertreten sind, dominieren die punkig eingefärbten Hard Rock-Schoten das Geschehen. Kennt ihr den Mastino Napoletano, diese eindrucksvolle, massige italienische Hunderasse? Mit seinem rassetypischen Dickschädel geht der einfach geradeaus, egal, wer oder was da gerade im Weg steht. Genau so funktionieren die Songs auf diesem Longplayer. Die Riffs sind simpel aber effizient, die Soli knapp aber definitiv Rock'n'Roll pur, und dazu verkündet Chuck Ransom mit seiner Schmierschmirgelstimme seine Statements und Lebensweisheiten, deren Inhalt man sich schon alleine beim Lesen von Titeln wie "It Won't Be Pretty", "Murder On My Mind", "Bad Hombres" oder "Piece Of Ass" ausmalen kann. Die Band ist also immer noch auf Kurs, positiv - primitiv, wie es sich für die Truppe gehört. Wer damals CNE wegen dem "Dead Central"-Ausrutscher den Rücken zugekehrt hat, sollte spätestens jetzt die dargereichte Hand in Form dieses Albums annehmen. Diesen Monat müssen sich CNE halt den Rotz'n'Roll Wanderpokal mit Mammoth Mammoth teilen, aber das ist ja auch eine Art Auszeichnung, oder?
Mirko B.    
Punkte: 8.6 von 10
STORMBURST - Raised On Rock
AOR Heaven/Non Stop Music
Bei Stormburst stehen mit Bassist Kent Jansson und Keyboarder Peter Östling zwei Members von Six Feet Under in Diensten. Wer nun aber Sounds der richtig harten Sorte erwartet, liegt komplett falsch. Die durch Gitarrist Thomas Hansson (Steam, Coastline), Drummer Peter 'Zeke' Ytterberg (Keen Hue, Moonshine Highway) und Sänger Lars-Ake 'Platis' Nilsson (Keen Hue) komplettierte Formation ist im melodiösen Hard Rock zu Hause. Drei Jahre nach der Gründung werden Stormburst nun mit dem Debut "Raised On Rock" vorstellig. Obwohl die Jungs den Blick immer wieder Richtung AOR wenden, verlieren sie den Hard Rock nie aus den Augen. Dabei klingen sie mehr amerikanisch als skandinavisch, lassen sich doch Parallelen zu Firehouse oder Danger Danger ausmachen. Wie dem auch sei, die Truppe glänzt vor allem durch ausgezeichnetes Songmaterial. Kaum ein Track, der nicht durch einprägsame Hooks glänzt und eine eingängige Struktur aufweist. Aber auch die voluminöse Stimme, die knackigen Riffs und die satten, aber unaufdringlichen Keyboards tragen zum Gelingen der Scheibe bei. Im übersättigten Melodic-Genre sind Stormburst definitiv ein kleines Highlight.
Chris C.    
Punkte: 8.6 von 10
DREAM EVIL - Six
Century Media/Universal
Bei den Schweden von Dream Evil spielte zu Beginn ein gewisser Gus G., der später bei Ozzy und seiner eigenen Truppe Firewind für Furore sorgte. Gründungsmitglied Fredrik Nordström (Gitarre), bekannt als Produzent für Dimmu Borgir, HammerFall oder In Flames wollte 1999 seine eigene Truppe zum Leben erwecken. Zusammen mit Sänger Niklas Isfeldt und Bassist Peter Stalfors musiziert er noch heute bei Dream Evil. Die Musik tendiert in Richtung HammerFall, wird aber mit mehr Härte gewürzt. Auch bei Dream Evil sind es die Refrains, welche immer wieder den packenden Moment der Schweden ausmachen. Wie es der Titel erahnen lässt, ist dies die sechste Scheibe von Dream Evil. Erwachsener klingen die zwölf Tracks, bei denen die Gitarren stark im Mittelpunkt stehen und durch eine wirklich gute Produktion abgerundet werden. Das leicht schleppende "Creature Of The Night" sticht dabei sehr heraus und zeigt, zu welchen Glanzmomenten die Truppe fähig ist. Mit solchen Nummern im Gepäck, und die gab es früher schon, bleibt die Frage unbeantwortet, wieso die Band heute nicht in einem Atemzug mit HammerFall genannt wird. Beide Truppen könnten den Metal-Sektor beherrschen und allen Freunden von Accept über Judas Priest bis hin zu Saxon viel Freude bereiten. Wie auch mit dem sehr Klischee beladenen Song "Six Hundred And 66". Die weiteren Hits "The Murdered Mind" und "Too Loud" zeigen, dass man mit solchen Tracks Bloodbound zu unbedeutsamen Schlager-Metallern abstempelt. "Six" ist ein weiteres Album geworden, welches schwedischen Metal in seiner reinsten und wirkungsvollsten Art präsentiert. Das Album ist sicher kein "Painkiller", "Strong Arm Of The Law", oder "Creatures Of The Night" geworden, aber ein Album, welches in der heutigen Zeit genussvoll beweist, dass es noch immer Musiker gibt, die wissen, was man einem Song geben muss, damit er sofort zündet.
Tinu    
Punkte: 8.5 von 10
ROYAL HUNT - 2016 (Live)
Frontiers Records/Musikvertrieb
Wer sich mit der Geschichte der königlichen Jägern auskennt, wird wissen, was sich hinter dem Albumtitel "2016" versteckt. Vor zwanzig Jahren erschien das Live-Album "1996", vor zehn Jahren "2006" und somit kann "2016" nichts anderes sein als ein weiteres Live-Werk. Aufgenommen auf der letzten Tour in Russland, genauer gesagt in Moskau, zeigt es die Truppe in bester Spiellaune. Nach dem Instrumental "Material Arts" gehts gleich los mit "River Of Pain" und packt schon zu Beginn den ersten Hit aus. Soundtechnisch vorzüglich auf CD gebrannt und mit einem André Andersen (Keyboards) in bester Spiellaune. Als alleiniger Songschreiber diktiert er auch das Geschehen, lässt aber Gitarrist Jonas Larsen trotzdem den Platz, um sich solomässig austoben zu können. Über allem thront aber der einzig wahre Sänger DC Cooper. Auch wenn Royal Hunt schon mit Mark Boals (ehemals Yngwie Malmsteen) und John West (Artension) die Bühnen verzauberten, so ist und bleibt es DC, welcher dem Royal Hunt-Sound genau die Stimme leiht, welche die verspielten Tracks benötigen. Zwischen all den orchestralen Keyboard-Teppichen und den solistischen Saitendarbietungen benötigt es einen Shouter, welcher sich auch in den Höhen zurecht findet und selbst Judas Priest-Songs problemlos singen kann. Trotz aller Verspieltheit ist es eben auch ein griffiges Riff, wie bei "Lies", welches der Band sehr gut zu Gesicht steht. Oder auch die Überhits "Wasted Time" und "Message To God" sowie das unglaubliche "Half Past Loneliness", die aus diesem Konzert eine homogene Angelegenheit machen. Die Songs dauern meistens über sieben Minuten, halten trotzdem die Stimmung hoch und werden nie langweilig, was für die Qualität der Tracks spricht. "2016" ist ein weiteres Highlight aus dem Hause Royal Hunt und überzeugt nicht nur durch grosses Spielkönnen, sondern auch durch tolle Publikumsresonanzen.
Tinu 

Punkte:
keine Wertung
HARPYIE – Anima
Metalville/Musikvertrieb
“Anima“ ist das vierte Werk der Deutschen Kombo, die sich dem Folk Metal/Mittelalter Rock verschrieben hat. Dabei sind die Barden erfrischend unkonventionell und überzeugen gerade durch ihre leicht schroffe, ungeschliffene Art. Harpyie haben Ecken und Kanten und verfolgen eine deutlich härtere Linie als die meisten vergleichbaren Bands. Ausserdem setzen sie für den neuen Silberling deutlich mehr auf symphonischen Bombast, der streckenweise fast schon Soundtrack-Charakter annimmt. In diesem Album geht es darum, den Menschen durch die Augen eines Tieres zu betrachten. Dabei stellt sich dir Frage, ob es nicht gerade das animalische in uns ist was uns zum Menschen macht… Für das gesprochene Intro konnte Autor und Satiriker Dietmar Wischmeyer gewonnen werden. Ein weiterer Gast ist Ben Metzner (Feuerschwanz), der Dudelsack und Flöten übernimmt. Wie auch schon zuvor zeigen sich Harpyie in ihrer Playlist äusserst vielseitig. So gibt es neben dem bombastischen Opener und Titeltrack “Anima“ auch klassische Blödeltracks, wie das russisch angehauchte “Rasputin“ oder das einschlagende “Berserker“, die zum Mitgröhlen und Mitfeiern animieren. Doch es geht auch sanfter: Bei Löwenherz wird das Tempo deutlich gedrosselt und es folgt eine schöne Ballade. Sehr schön sind auch die Streicher, wie zum Beispiel bei “Dynamit“, das an die Letzte Instanz erinnert, oder dem sehnsuchtsvollen “Vom Alten Eisen“. Fazit: “Anima“ ist durchwegs animierender Mittelalter Rock mit vielen Folk Metal Elementen. Leider driftet es hin und wieder etwas gar zu sehr auf die Blödel-Barden-Schiene à la Feuerschwanz ab, doch sind auch ein paar sehr solide Highlights mit von der Partie. Das Album macht auf jeden Fall Spass und ch kann es daher nur empfehlen.
Patricia H.     
Punkte: 8.5 von 10
NEO NOIRE - Element
Czar Of Crickets Productions
Hör' ich da so erfrischende Grunge-Elemente aus 'Element'? Nach der Single 'Walkers' folgt nun mit 'Element' das Debutteilchen der Schweizer Thomas (Vocals, Guitars), Frederyk (Vocals, Guitars), Franky (Bass) und David (Drums). Eigentlich darf man ja schon bereits sagen, dass es auch bei NEO NOIRE um eine the who is who Schweizer-Rock-Metal-Urgesteine-Members-Band handelt, da Thomas (ex-Gurd, Erotic Jesus, Underground), Frederyk (Zatokrev, Crown, The Leaving), Franky (ex-Disgroove), David (ex-Slag In Cullet) tätig waren bzw. noch tätig sind und mit Neo Noire ihr Faible für Alternative Rock, Grunge, Psychedelic-Rock mit Einflüssen aus dem Rock, Blues, Metal, Hardrock und Punk, voll ausleben. Die Produktion ist sauber und druckvoll, die acht Songs kommen erfrischend, teils progressiv und sehr psychadelic rüber, die Gitarren solieren mal dezent mal vordergründig hart, dann wiederum sehr gefühlvoll, beinahe träumerisch, getragen durch die Bassläufe und den sehr rockigen Drums. Der Gesang ist klar, nicht weinerlich, dafür druckvoll und passt hervorragend zu den Tracks auf 'Element'. Bin positiv überrascht, was uns hier präsentiert wird, da brauchen sich Neo Noire nicht zu scheuen, im internationalen Bereich. 'Element' wäre doch ein Paradebeispiel an Schweizer Musikkultur, ein perfektes Album des Monats auf SR3 (ex-DRS3). Votet für Neo Noire, denn die hätten's verdient, die vier Basler und es wäre ihnen gegönnt. Das Czar Of Crickets Productions ist ein feines Label mit einem sehr guten Gespür für geniale, heimische Bands. Hierbei kommen alle Metaller mit Weitsicht auf ihre Kosten - nein, ist keine Werbung - dies sind Facts, und eigentlich bedienen Neo Noire für alle ihre musikalischen Leckerbissen. Auch das Cover-Artwork passt perfekt zum musikalischen Erguss. Bin begeistert.
Leopold    
Punkte: 8.5 von 10
HELKER - Firesoul
AFM Records/Musikvertrieb
Eine der besten Dio-Tribute-Bands kommt aus Argentinien und nennt sich Helker. Zumindest mit den englischen Versionen ihrer Alben klingt diese Gruppe wie eine hochklassige Ehrerbietungs-Band. Die gleichzeitig erscheinende spanische Version "Alma de fuego" liegt hier leider nicht vor, könnte aber den Verehrungscharakter ein wenig schmälern. Dio-artig ist hier nicht nur die Stimme, sondern auch das Songwriting. Wobei Helker hier eigentlich alles richtig machen. Denn die Lieder überzeugend, so dass viele ähnlich gelagerte Bands sich wundern, wieso das ihnen nicht dermassen toll gelingt. Vielleicht liegt es daran, dass Helker aus ihren Vorbildern keinen Hehl machen und im Gegenteil als Bonustrack das von Dio eingesungene Black Sabbath-Stück "Neon Knights" covern. Helker aber nur auf den kleinen Sänger zu beschränken, wird ihnen nicht gerecht. Dafür sind Lieder wie "Fight", "Stay Away" oder "Where You Belong" zu gut. Die Argentinier verstehen es definitiv, über die ganze Albumlänge zu unterhalten. Sie variieren geschickt die Geschwindigkeit, Härte und Intensität. So ist etwa "Empty Room" zwar balladesk, steigert sich aber zu einer epischen Nummer mit Gänsehaut-Gitarren-Solo. Helker haben definitiv von den Besten gelernt und verdienen es, gehört zu werden. Wer wissen möchte, wie Dio anno 2017 klingen würde, erhält mit "Firesoul" eine hochwertige Antwort.
Roger W.    
Punkte: 8.5 von 10
VANDEN PLAS - The Seraphic Live Works (CD & DVD)
Frontiers Records/Musikvertrieb
Ich habe mich dazu schon mehrfach geäussert und mache es gerne nochmals. Das Thema? Natürlich der Umstand, warum es Vanden Plas nach über dreissig Jahren seit der Gründung und einigen sackstarken Alben leider nicht geschafft haben, sich in der längst verdienten Liga von Dream Theater und Co. zu befinden. Was um die Jahrtausendwende vor allem in Frankreich abging, liess sich in der Folge nicht in grössere wie anderweitig anhaltende Erfolge ummünzen. Trotzdem haben Frontmann Andy Kuntz und seine Jungs die Flinte nicht ins Korn geworfen und stets das gemacht, was sie für richtig hielten und ihnen Spass bereitet hat. Dazu zählt unter anderem die Musical-Umsetzung des Albums «Christ 0» von 2006, das zwei Jahre später in München und vier Jahre später in Kaiserslautern aufgeführt wurde. Im gleichen Jahr folgte mit dem Album «The Seraphic Clockwork» der Wechsel von "InsideOut-Music" zu "Frontiers Records". Trotz ansprechender Mucke konnten in unseren Breitengraden jedoch weiterhin nur kleine Konzerte abgehalten werden. Letztes Jahr gereichte es immerhin zu einem Auftritt im Mini-Z7, was aber letztlich nach wie vor Bände spricht. Die vorliegende Live-Scheibe «The Seraphic Live Works» wurde hingegen 2011 am "ProgPower USA"-Festival in Atlanta mitgeschnitten. Dort spielten die deutschen Prog-Metaller mitunter auch 2003. Die Zeitabstände zur Gegenwart zeigen aber, dass sich, gemessen am aktuellen Status, leider nichts verändert hat. Trotz hochstehender Mucke, die der von Dream Theater oder Pagan's Mind wirklich in Nichts nachsteht, wird diese Hammerband wohl nichts mehr reissen können. Diese Erkenntnis schmerzt, ist aber Fakt, und so erfreut sich halt die kleine, aber eingeschworene Fanbase bestimmt an «The Seraphic Live Works». Allen anderen Proggies seien Vanden Plas und ihr bemerkenswerter Backkatalog, vor allem die ersten Alben, eh schwerstens ans Herz gelegt.
Rockslave 

Punkte:
keine Wertung
MAGNACULT – Infinitum
Graviton Music Services
Niederländer können auch grooven, was das Zeug hält! Magnacult sind dafür der lebende Beweis – ihre dritte Scheibe „Infinitum“ bebt und bockt, was das Zeug hält. Groove/Death/Thrash Metal könnte eine etwaige Umschreibung der Musik der Jungs sein, vergleichbar mit unseren Landsleuten von Darkmoon oder den Amis von Devildriver, will heissen: Geprügel mit Melodien, viel kraftvollem Geschrei und Gebrüll, dazwischen aber auch leisere Töne und eine im Kontrast sehr zerbrechliche Frauenstimme bei „Holy-Um“, wobei man hier gerade etwas arg in die Opera-Richtung abdriftet – macht aber nix, denn interessanterweise wird so nur die Vielfältigkeit auf angenehme Weise betont. Magnacult haben mit ihrem ‚Make it or break it‘-Album eine wuchtige Einschlagsnarbe in der härteren Musiklandschaft hinterlassen. Man kann gespannt auf die Live-Darbietung der Tracks sein, und schauen, ob das Rohe, Kraftvolle auch bei Konzerten rüberkommt.
Toby S. 
Punkte: 8.5 von 10
THE THIRTEENTH SUN - Stardust
Aural Music
Das Debut der Rumänen hat es in sich. Die Jungs schaffen den musikalischen Spagat zwischen Prog Metal mit hartem Gesang, Growls und Prog Rock. Da treffen ruhige Klavierpassagen auf wütende Metalparts mit Doublebass und megaschnellen Gitarrenriffs. Stösst den Zuhörer beim ersten Durchlauf schon vor den Kopf. Aber nach und nach findet man Gefallen an den verrückten Breaks und Stilwechseln. Sänger Radu, der auch die Leadgitarre spielt, singt hier mit einer enormen Bandbreite. Seit 2011 schrauben Radu und Keyboarder Marius Muntean an den Songs rum, und es hat sich echt gelohnt. Gerade so spannende Nummern wie "Glowing Sun" zeigen das. Die verspielte Instrumental/Prog Rock-Nummer ist wirklich gelungen. Oder noch eindrücklicher beweist das "Melting Skies", ist schwer zu beschreiben, muss man sich anhören. Genauso wie die tolle Schlussnummer "Universus". Auf der einen Seite sehr gefühlvoll, atmosphärisch, mit schönen Gesangsmelodien, eben Prog Rock, später dann dreht man auf, die Gitarren werden härter, der Gesang lauter, sehr beeindruckend, was die Rumänen hier loslassen. Ich kann diesen Rundling allen vielseitig hörenden Proggies nur empfehlen. Mal was anderes, crazy, spannend und mitreissend gut.
Crazy Beat 
Punkte: 8.4 von 10
SEVEN KINGDOMS - Decennium
Napalm Records/Universal
Es kommt ab und an vor, dass man ein neues Album einer Band in die Hände kriegt, die man bis dahin noch gar nicht kannte, und es einen absolut fesselt und beeindruckt. "Decennium" von Seven Kingdoms ist genauso ein Beispiel hierfür, denn die Scheibe der Amerikaner hat einfach das gewisse Etwas, was einen begeistert und nicht mehr so schnell loslässt. Schneller Power Metal mit tollen Melodien, eine Frau am Mikro und Refrains, die sofort ins Ohr gehen, sind das Geheimnis der Band aus Florida. Nun mag man sagen: Das gibt's doch schon alles. Klar, ist die Musik, die Seven Kingdoms spielen, nichts Neues, aber dennoch schaffen sie es, dass der Hörer sofort Zugang zu ihren Songs bekommt, und schon alleine die Stimme von Sängerin Sabrina Cruz hebt sich von den üblichen Power Metal-Frauengesang Bands etwas ab. Zwar haben Seven Kingdoms musikalisch mit ihren Landsleuten Evanescence überhaupt nichts am Hut, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Gesang von Sabrina mit dem von Amy Lee verglichen werden kann. Und genau diese Kombination aus Power Metal und dieser Stimme ist es, die auch mich sofort getroffen hat. Angefangen mit "Stargazer", weiter mit "Undying" und "Kingslayer" bis hin zu "Neverending", das mich mit seinem eingängigen Refrain seit Tagen verfolgt, auf dieser Platte gibt es keine schlechten Songs. Seven Kingdoms haben hier bestimmt keinen zukünftigen Klassiker erschaffen, aber "Decennium" ist ein Album, welches zu jeder Sekunde Spass macht und das ich mit Sicherheit auch in Zukunft noch gerne hören werde.
Sascha Sch.    
Punkte: 8.2 von 10
MAMMOTH MAMMOTH - Mount The Mountain
Napalm Records/Universal
Stellt euch einen quadratischen Raum vor, vielleicht zehn mal zehn Meter. In jeder Ecke steht eine kleine Stereoanlage. Aus der ersten Ecke dröhnen die Werke von Motörhead, aus der zweiten die von Danko Jones, in der dritten Ecke rocken Gluecifer drauflos, und in der vierten Ecke vernimmt man den Pub Rock von Rose Tattoo. Und in der Mitte des Raums bangen vier verrückte Kerle um die Wette, saufen Bier und hüpfen von einer Ecke zur anderen. So in etwa könnten sich die australischen Rotzrocker die Inspiration für ihre sechste Veröffentlichung (EPs mitgezählt) geholt haben. Konnten mich die letzten paar Releases nicht restlos überzeugen, ist die Band diesmal endlich bei mir angekommen, und das obwohl die 'stumpf ist Trumpf'-Karte auch hier konsequent ausgespielt wird. Mag es an der etwas klareren Produktion liegen, oder sind es doch die Songs, die in all ihrer Einfachheit dennoch irgendwie ausgereifter klingen? Wahrscheinlich eine Kombination aus beidem. Fakt ist, "Mount The Mountain" ist ein echtes musikalisches Multitool. Egal ob zum wach werden am Morgen, Autofahren, Party machen, Frust abbauen, sich besaufen oder sich vor einem Bewerbungsgespräch aufputschen, die Scheibe funktioniert immer. Die vier räudigen Kerle demonstrieren diesmal auf eindrückliche Weise, wie man aus ein paar wenigen Riffs richtig gute Songs schreibt, ohne sich selbst zwingend wiederholen und zitieren zu müssen, das ist ein Spagat, an dem schon viele Bands gescheitert sind. Höchstens "Cold Liquor" fällt verglichen mit den anderen Nummern qualitativ etwas ab. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Jungs bei dieser Aufnahme schon ordentlich einen sitzen hatten, aber dafür vergreifen sie sich im Anschluss an "Can't Get You Out of My Head" von Kylie Minogue als Bonustrack und machen daraus eine derart rotzige Schweinerock-Nummer, dass die kleine Australierin Mühe haben wird, ihr Pop-Nümmerchen wiederzuerkennen. Geile Scheibe!
Mirko B.    
Punkte: 8.2 von 10
MALEVOLENCE - Self Supremacy
BDHW Records
Die Hardcore-Metal-Kings aus Sheffield sind diesen Frühling mit ihrem Zweitling "Self Supremacy" am Drücker. Bereits 2013 sorgten sie mit ihrem Debutalbum "Reign Of Suffering" für ordentlich Furore, und dies nicht nur im Untergrund. Ihr Mix aus brutalen und elektrisierenden Musikstilen lässt Fans aus dem Metal- und Hardcorebereich näher zusammenrücken und die eine Leidenschaft teilen. Malevolence haben sich innert Kürze einen Namen als energiegeladene Liveband geschaffen, die schon etliche Clubs in Europa in Grund und Boden gespielt hat. Der Titeltrack "Self Supremacy" eröffnet die Platte druckvoll und aggressiv. Krachende Gitarrenriffs wechseln sich intelligent in Melodie und Tempo ab, und die wilden Mosh-Parts erhalten hammerharte Unterstützung durch die wütenden Vocals von Alex Taylor. Die elf Songs sind kurzweilig und machen extrem Bock, die angestaute Energie in einer gewaltigen 'Wall Of Death' wieder loszuwerden. Ihr kompromissloses Soundgewand hat das Interesse von Bands wie Dying Fetus oder Comeback Kid geweckt, die sie sogleich als Supportact für ihre Tour verpflichtet haben. Einzig "4AM On West Street" fällt völlig aus dem Rahmen, da der Song ein rein akustisches Gitarreninstrumental im südländischen Stil ist. Den Track verträgt es aber gut, da er auch als Intro fürs darauf folgende "Slave To Satisfaction" gesehen werden kann, der in alter Malevolence-Manier weiterdröhnt. Eine Band also, mit der auch in Zukunft gerechnet werden darf!
Oliver H.    
Punkte: 8.2 von 10
WHILE SHE SLEEPS - You Are We
Arising Empire/Warner
While She Sleeps ist eine britische Metalcore-Band aus Sheffield, die bereits ihr 10-jähriges Jubiläum feiern kann. Durch den Release der Debut-EP "The North Stands For Nothing" aus dem Jahre 2010, die bereits mehrfach neu aufgelegt wurde, konnte die Gruppe grosse Aufmerksamkeit in ihrer Heimat England erringen. While She Sleeps spielen grundsätzlich klassischen Metalcore, verzichten aber in ihren Songs auf zu viele Cleanparts bei den Vocals. Trotzdem wird die Truppe um Lawrence 'Loz' Taylor gerne mit anderen bekannten Vertretern des Genres wie Bring Me The Horizon, Architects und Cancer Bats verglichen. Die Musiker selbst zählen unter anderem Underoath, Alexisonfire, Slipknot und Gallows als musikalische Einflüsse auf. Nebst der Metalcore-typischen Instrumentalisierung ist die Gruppe dafür bekannt, melodische Gitarrenriffs und Pianoparts in ihre Songs einzubauen. Dies lässt den Sound von While She Sleeps stellenweise sogar etwas progressiv wirken. Die Band hat das vorliegende Album "You Are We" nicht nur selbst finanziert, sondern hat extra dafür ein leeres Lager im Herzen ihrer Heimat Sheffield zu einem Multi-Funktions-Studio umgebaut. Durch die Arbeit mit Carl Bowen, der auch schon den Vorgänger "Brainwashed" produziert hatte, klingen die Songs der neuen Platte noch stärker, fokussierter und entschlossener als zuvor. Mit "Hurricane2 und "Civil Isolation" setzt die Band ihre Bahn als eine der inspirierendsten, aufrührerischsten und bedeutendsten Stimmen der britischen Musik weiter fort und beweist dabei sowohl ihre weiter vorangeschrittene musikalische Entwicklung als auch ihr prägnantes soziales Gewissen. Eindeutig kann "You Are We" als das universellste und persönlichste Album in der Karriere der Band gesehen werden. Ein starkes Stück.
Oliver H.  
Punkte: 8.1 von 10
DIMMU BORGIR – Forces Of The Northern Night (live)
Nuclear Blast/Warner
Die Einen mögen Cradle Of Filth die Anderen Dimmu Borgir, was beide Kapellen gemeinsam haben ist der grosse kommerzielle Erfolg und der Hang zur Theatralik. Gerade jedoch bei Dimmu Borgir ist der Erfolg nicht wirklich auf grosse Begeisterung in der Black Metal Szene gestossen und viele Stimmen aus dem Untergrund schreien lauthals, dass die Norweger schon lange kein Black Metal mehr sind und ihre Seelen dem Kommerz verkauft haben. Wenn man an die BM-Philosophie der frühen 90er Jahre zurück denkt, kann man dies durchaus so stehen lassen andererseits muss man aber auch neidlos anerkennen, dass die Herren einige wuchtige und düstere Kompositionen ablieferten, welche nachhaltig die Szene geprägt haben. Die Alben „Stormblast“ (1996) und „Enthrone Darkness Triumphant“ (1997) gehören meiner Ansicht nach in jede Sammlung von Freunden der finsteren Klänge. Seit dem letzten Release „Abrahadabra“ sind nun schon einige Jahre ins Land gezogen und die Stille hat sich in der Dunkelheit ausgebreitet bis nun endlich ein neues Lebenszeichen zu vernehmen ist. „Forces Of The Northern Night“ ist jedoch nicht ein neues Studio-Album, sondern der Mitschnitt von dem Auftritt in Oslo 2011 zusammen mit dem Norwegischen Radio Orchester und Chor, sprich nahezu 100 Musiker performen Songs von Dimmu Borgir aus den unterschiedlichen Epochen der Band. Dies katapultiert den Bombast von Dimmu Borgir in neue Spähren und sorgt für einen Hörgenuss erster Güte, zumal die Symbiose aus Band, Orchester und Chor nahezu perfekt umgesetzt ist.

Die Kompositionen von Dimmu Borgir sind schlicht dazu „geboren“ mit der Klassik zu harmonieren, selbst „Mourning Palace“ das nun schon 20 Jahre auf dem Buckel hat erwacht dank dem Orchester zu neuem Glanz und Grösse. Natürlich muss man ein Freund des Bombast sein um „Forces Of The Northern Night“ wirklich geniessen zu können, wer sich dafür begeistern kann, für den ist diese Veröffentlichung schlicht ein Muss. Leider war es mir vergönnt die DVD/BluRay sichten zu dürfen, zumal gerade diese Version noch zusätzlich den Auftritt von Dimmu Borgir in Wacken (2012) mit dem Czech National Symphony Orchestra zu bieten hat, jedoch angesichts der Ausschnitte auf bekannten Video-Portalen, kann ich nur dazu raten „Forces Of The Northern Night“ in Bild und Ton zu geniessen. Warum es so lange dauerte, bis diese Live Performance der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde ist mir nicht bekannt, jedoch scheint es so, als wäre „Forces Of The Northern Night“ die wuchtige Vorspeise zu dem angekündigten neuen Studiowerk von Dimmu Borgir, welches dieses Jahr noch erscheinen soll.
R.K.  
Punkte: keine Wertung
TRANCE - The Loser Strikes Back
Rockport Records
Ha, die alten Trance gibt's auch noch, was haben wir deren Album "Victory" rauf und runter gehört. Die Jungs aus Deutschland starteten schon 1981 mit Trance und sind immer noch da. Natürlich nicht mehr ganz original. So fehlt doch Original-Shouter Lothar Antoni mit seiner markanten Reibeisen-Stimme schon. Obwohl der neue, Joe Strubel, seine Sache auch sehr gut macht. Das beweist der Gute schon beim Opener "Thunderbird Rising", ein starker, zeitloser Metalsong mit starker Gesangsmelodie und ebensolchem Refrain. Und es geht gleich so weiter mit "I Want To Live". Sie können noch rocken, die beiden Ur-Trancer Markus Berger und Thomas Klein. Ganz Trance-typisch dann die tolle Nummer "Star Invaders" - genau so liebt man die Deutschen. Aber auch genau hier vermisst man dann auch Antoni am Mic. Aber egal, es rockt trotzdem. Auch noch stark die Saxon-angehauchte Up Tempo-Nummer "Live And Heavy", hier macht Joe Strubel einen ganz tollen Job, dieser Song ist sicher ein Highlight auf diesem Rundling. Auch das treibende "The Loser strikes Back" mit coolem Priest-Gitarrenriff knallt kraftvoll aus den Boxen. Hört man sich dann den Elf-Minuten-Track "Trust And Glory" an, hat man das Gefühl, auf ein Axel Rudi Pell-Album geswitcht zu haben, da man hier sehr ähnliche Song-Strukturen findet. trotzdem ein sehr spannender 11-Minüter. Trance haben in ihrer Laufbahn ja auch einige tolle Balladen komponiert. Und die darf natürlich auch hier nicht fehlen und heisst "Finding You". Tolle Powerballade, bei der Strubel voll überzeugt und seine Stimme teilweise Gänsehaut erzeugt. Welcome back, Trance!
Crazy Beat   
Punkte: 8.1 von 10
KOBRA AND THE LOTUS - Prevail I
Napalm Records/Universal
Die klassisch ausgebildete Sängerin Kobra Paige ist ohne Frage der Blickfang der Band und gewissermassen auch die Lebensversicherung der Kanadier. Aber Kobra And The Lotus nur auf ihre Sängerin zu reduzieren wäre nicht gerecht, denn auch Gitarrist Jasio Kulakowski und die Rhythmus-Fraktion mit Drummer Lord Marcus Lee und Bassist Brad Kennedy machen auf "Prevail I" ordentlich Dampf und liefern ihrer Frontfrau einen kraftvollen und melodischen Sound, den diese mit ihrer Stimme nur noch veredeln muss. Schon direkt der Opener "Gotham" bildet eine bombastische Soundwand und bleibt sofort beim Hörer hängen. Mit "Trigger Pulse", "You Don't Know", "Specimen X (The Mortal Chamber)" und "Light Me Up" steigern sich Kobra Paige und ihre Mannschaft dann stetig und zeigen, wie richtig guter, schneller und melodiöser Metal gespielt werden muss, um einen auf direktem Wege in seinen Bann zu ziehen. Unglaublich, was die Band da an Ohrwürmer zaubert. Leider kann die zweite Hälfte der Platte mit der ersten und den angesprochenen Songs nicht ganz mithalten, ist aber immer noch deutlich besser als so vieles diverser Genre-Kollegen. Vielleicht täuscht der Eindruck aber auch aufgrund der hohen Qualität der ersten fünf Nummern, und der Anspruch des Hörers war dadurch schon viel zu hoch. Insgesamt ist "Prevail I" eine klasse Scheibe geworden, die auch nach mehrmaligem Anhören immer noch wahnsinnig viel Spass macht und deren Songs einen noch Tage lang begleiten. So muss das sein! Da die Band rund 20 Songs im Kasten hatte, wurde "Prevail" auf zwei Alben aufgeteilt. "Prevail II" wird dann voraussichtlich im Herbst veröffentlicht werden, und ich bin gespannt, ob sich die Songs, um Abwechslung zu schaffen, musikalisch etwas von denen auf "Prevail I" unterscheiden. Man wird es sehen. Aber hier gilt, starkes Album, starke Band!
Sascha Sch.   
Punkte: 8.0 von 10
LICHTGESTALT – Tempus Fugit
Pride & Joy Music
Lichtgestalt ist eine Band, die ihren eigenen Weg geht und sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt. Die Kombo spielt eine Mischung aus NDH, Dark Rock, düsteren Gothic Anwandlungen und der Leichtigkeit von Mittelalterrock – eine bestechende Kombination, die voll aufgeht und das Album ungeheuer vielseitig und abwechslungsreich macht! Tatsächlich ist die Mischung etwas gewöhnungsbedürftig, gewinnt aber deutlich mit mehrmaligem Hören… Doch die Kombination aus fetten Gitarrenriffs, wahnwitzigen Synthie-Melodien und dem unverkennbaren Gesang von Thomas C. Hertz ist bestechend anders und überraschend gut! Der Opener “So kalt dein Lächeln“ hat zwar was Gothic-mässiges, ist aber doch nicht wirklich schwarz genug. Stattdessen hat es schon fast eine punkige Attitüde – zusammen mit dem aberwitzigen elektronischen Melodielinie ist es aber ein durchaus amüsanter Track. Mit “Judas“ wird es noch eine Spur düsterer. Der Titeltrack “Tempus Fugit“ beginnt relativ zahm und prunkt dann mit massiven Gitarrenriffs und sehr schönen Melodiebögen. Textlich sitzen Lichtgestalt fest im Sattel – Hier wird erfreulicherweise nämlich nicht die Sprache auf Biegen und Brechen ins passende Versmass gewurstelt, wie es bei so vielen Deutsch Rockern der Fall ist. “Böse Fee“ ist sehr eingängig und bietet absoluten Mitgröhlfaktor. “Blutmond“ hat zwar die klassische Gothic Attitüde, ist aber sehr rockig und verspielt. “Messer Gabel Schere“ erinnert am Anfang ein wenig an “Amok“ von Eisbrecher und ist definitiv einer der besten Tracks der Playlist. “Lilith“ schraubt das Tempo etwas herunter und hat ein paar Momente von In Extremos “Still die Gier“. Der nächste Track “Virus Mensch“ geht dann wieder deutlich mehr in Richtung NDH. Bei “Bis mein Auge bricht“ wird dann zwischendurch auch mal in Englisch gesungen, allerdings ist der Track eher einer der schwächsten des Albums. Ganz zuletzt folgt noch eine sehr schöne Ballade mit “Der Letzte Boxer“, bei der auch Kindergesang mit dabei ist.Fazit: “Tempus Fugit“ ist ein äusserst abwechslungsreiches Album und ist mit seinen lediglich 43 Minuten Spielzeit keine Sekunde langweilig. Kann es nur empfehlen!
Patricia H.     
Punkte:
8.0 von 10
NIGHTBRINGER – Terra Damnata
Seasons Of Mist/Irascible
Da pulsiert im einen Augenblick noch der dreijährige Vorgänger und schon gibt es das nächste Werk der Amerikaner. Ja, da habe ich die Langzeitwirkung damals unterschätzt. Und bereits der Opener hat es in sich, hier ist nichts mehr zu spüren von der ansteigenden Dynamik, nein. Gleich voll auf die Zwölf, die Gitarren reissen sämtliche Ansprüche an Harmonie ein und der Schlagzeuger intoniert ein wahres Gewitter. Erst nach drei Minuten gibt es ein kurzer Augenblick zum Durchatmen, auch wenn die Spannung kaum nachlässt. Aber wenigstens das Tempo lässt kurz nach um die angeschlagenen Herzen ein wenig Erholung zu gönnen. Die aufkeimende Stille gegen Ende des Liedes hinterlässt dann auch tatsächlich den Eindruck, durch verlassene Ruinen zu wandeln. Beim zweiten Track bekommen die Keyboards mehr Platz, was die Atmosphäre epischer werden lässt, ganz wie man es von den alten Alben kennt. Genauso ausladend zelebrieren die Herren ihre unterschiedlichen Gesangsstile, Langeweile kommt nicht auf. Ein wenig klassischer und einfacher greifbar sind die Riffs bei ‘Midnight’s Crown’, aber auch bei diesem Song wird die Nacht in ihrer ganzen Herrlichkeit gepriesen, was sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht. Okkult, bis ins letzte Detail durchdacht, Terra Damnata ist eine Naturgewalt und kein Album. So ein dichtes, exzessives, eigenständiges Album muss man einfach haben!
Tristan     
Punkte:
8.0 von 10
THE UNITY - The Unity
Steamhammer/Musikvertrieb
Man nehme Love.Might.Kill, ersetze Gitarrist Christian Stöver durch Gamma Ray-Saitenderwisch Henjo Richter, baue das Ganze als neue Truppe zweier Gamma Ray-Mucker auf (zusammen mit Trommler Michael Ehré) und fertig ist die neue Supertruppe. Auch wenn ich Michael und Henjo seit Jahren schätze, hat The Unity einen kleinen faden Beigeschmack - musikalisch ist man nicht weit weg von Love.Might.Kill, also wieso einen neuen Bandnamen kreieren? Marketingtechnische Gründe? Gamma Ray-Musiker machen nun gemeinsame Sache, weil der Bandleader Kai Hansen bei der grossen Helloween-Reunion mitmacht? Aber lassen wir das Business auf der Seite und konzentrieren uns auf das Musikalische. "Rise And Fall" ist ein sehr guter Einstieg, vielleicht etwas orchestraler, als das Bisherige von Love.Might.Kill, hinterlässt aber schon mal einen sehr guten Eindruck. Speziell die Gitarrenfraktion mit Henjo und Stefan Ellerhorst überzeugt mit einem tollen Solo-Duell. Es sind die Gitarrenriffs, wie zum Beispiel in "No More Lies", die sofort zünden. Wie auch die grundsolide Rhythmussektion, welche ein festes Fundament zaubert. Als kleines Sahnehäubchen setzt Sänger Gianba Manenti dem Ganzen noch die Krone auf. Was auch interessant ist, ist, dass die Jungs sich an einer Coverversion von Crossroads vergreifen, also der Truppe, in welcher Stefan Ellerhorst spielte. "The Wishing Well" erschien damals auf dem Debütalbum "The Wild One". Geil geworden sind auch "Never Forget" und "Redeemer". Vergleiche ich das The Unity-Debut mit dem letzten Love.Might.Kill-Album, schneidet das LMK-Werk besser ab. "The Unity" ist sehr hörenswert geworden, strotz vor musikalischen und handwerklichen Höhepunkten, aber wer sich mit der Historie der Musiker auskennt, wird automatisch Vergleiche ziehen. Für "Neueinsteiger" ist The Unity sicher eine ganz tolle Band, die man sich anhören muss.
Tinu     
Punkte:
8.0 von 10
INGLORIOUS - II
Frontiers Records/Musikvertrieb
Nur 15 Monate nach ihrem selbstbetitelten Debut kommen Inglorious nun mit ihrem Zweitwerk, ganz simpel "II" benannt, um die Ecke. Anders als beim Vorgänger war diesmal Gitarrist Andreas Eriksson (Ex-Crazy Lixx) mit in den Songwriting-Prozess involviert, und so war "II" bereits nach einer Woche geschrieben. Ob es nun allein daran liegt, oder auch ein Reifeprozess der Band reinspielt, kann ich nur mutmassen. Auf jeden Fall ist "II" deutlich zugänglicher und eingängiger als das Debut. Stilistisch bleibt das englisch-schwedische Quintett ihren Anfängen aber voll und ganz treu und bietet erneut feinsten 70er-Hard Rock mit starken Blues Rock-Einflüssen. "I Don't Need Your Loving" gibt einen tollen Einstieg und auch das energiegeladene "Taking The Blame", "Tell Me Why" oder "I Got The Feeling" gehen ins Ohr. Was mich am ersten Album etwas gestört hatte, nämlich, dass Nathan James Gesang häufig ins Schreien übergegangen ist, hat sich auf "II" auch deutlich gebessert. Sein immenses Stimmorgan lebt er natürlich wieder voll aus und überzeugt durchweg. Einzig bei "Making Me Pay" gerät es wieder grenzwertig ans Schreien. Insgesamt eine wirklich starke Scheibe, die beweist, dass das Pushen von Frontiers tatsächlich berechtigt war. Wer die Chance hat, Inglorious live zu erleben, sollte diese unbedingt nutzen, denn ihr gesamtes Potenzial entfalten Nathan James und Co meiner Meinung nach erst auf der Bühne so richtig.
Juliane E.     
Punkte:
8.0 von 10
VAMPIRE – With Primeval Force
Century Media/Universal
Schweden und Death Metal – irgendwo her kenn ich das doch, aber woher nur? Nuja, Ernst beiseite, Vampire zocken trotz Ihres Namens keinen Dark/Gothic/Romantic/Wasweissichwas, sondern old schooligen, hausgemachten Death Metal mit kreischenden Gitarren, düster wirkenden Melodie-Einschüben sowie kleinen Einsprengseln aus vermutlich Horror-Filmen – halt so, wie man sich das von früher her mehr oder weniger gewohnt ist. Wer sich an alten Venom, Celtic Frost oder Possessed erfreut, der kann mit den Schweden hier und ihrem Zweitwerk kaum was falsch machen – zumal die Chose ordentlich produziert worden ist und der Sänger nicht andauernd unverständlich grunzt, sondern tatsächlich relativ gut verständlich vor sich hin schreit/brüllt. Aber auch die Instrumentalfraktion kann echt was, und stellt dies auch immer wieder gerne unter Beweis, sei es mittels (wie erwähnt) Solo-Läufen oder Timing der Rhythmusfraktion – tight as fuck. Wie gesagt, wer Death Metal alter Schule mag und auch Melodien etwas abgewinnen kann, sollte sich „With Primeval Force“ antun – allen anderen kann ein Reinhören nicht schaden. Mir persönlich kann ein weiterer Gang zum Kühlschrank auch nicht schaden, denn da ist Bier drin.
Toby S.    
Punkte:
8.0 von 10
SOUL DEMISE - The Red Line
Apostasy Records
Auch die aktuelle Scheibe der Bayern ist vorbildlich aufgemachter, abwechslungsreicher Melodic Death Metal amerikanischwedischer Prägung, mit vielen "Twists and Turns" versehen und von Tue Madsen mixtechnisch modern und akkurat in Szene gesetzt. Ich kann wirklich nichts Schlechtes über Soul Demise erzählen, denn sie verstehen ihr Handwerk und wirken bei allem Fokus und hörbarer Professionalität cool und entspannt... ist einfach nicht meine Musik. Aber die Riffs sägen, die tollen Soli überzeugen und auch die abwechslungsreiche Vokalakrobatik ist stimmig ins Gesamtbild integriert. Und auch wenn mir persönlich das bestimmte Quentchen Schmutz, Aggression und Fiesheit fehlt, dürften Anhänger von Kapellen wie z.B. neuere At The Gates, The Eyes Of A Traitor, alte In Flames oder The Duskfall durchaus auf ihre Kosten kommen. Cooles Album, welches mir den einen und anderen Flashback verpasst hat und wirklich nicht an meinem etwas anderen Musikgeschmack scheitern sollte. Reinhören!
Hardy     
Punkte:
8.0 von 10
GAME OVER - Blessed Are The Heretics
Scarlet Records
Wow, nach ihrem Erstling 2012 'For Humanity' schieben die vier Italiener aus Ferrera mit 'Blessed Are The Heretics' ein 6-Track-Hammerteil im Bereiche des Power-/Speed-/Thrash-Metal nach. Mir, als 'alter' Thrasher, gefällt's verdammt gut, denn wenn man das etwas angestaubte Genre Speed-Metal zu neuem Leben erwecken will, dann stehen Game Over in der ersten Reihe. So erfrischend melodiöser Speed-Metal, um Anhaltspunkte zu gewähren, so kämen hier Vergleiche zu Annihilator ('Alice In Hell'-Zeiten), Helstar, Agent Steel, Meliah Rage, Powermad, Havok ohne weiteres zustande, um den Sound mal etwas zu definieren. Renato (Bass & Vocals), Luca & Alessandro (Guitars) und Anthony (Drums) frönen dem melodiösen Speed-Metal mit trashigen Elementen, will sagen speedig-thrashige Double-Bass, speedig-thrashige Bass- und Klampfen-Elemente, gepaart mit teilweise sehr passenden, melodiösen Soli, sei es gespielt, arpeggiert, getappt, pull-offs, hammer-ons, hellyeah, einfach goil erfrischende Mucke. Gesungen wird teils in englischer wie italienischer Sprache, wobei die italienische Sprache recht gut zum Sound passt, so wie auch das Cover-Artwork, in schwarz-weiss gehalten, ghosts of death, könnte man sagen. Macht auf jeden Fall Lust und Laune auf mehr. Gefällt.
Leopold     
Punkte:
8.0 von 10
CONTORSION - United Zombie Nations
Non Stop Music Records
Die 5er Fraktion um Dani (Bass), Jon (Guitars) & Sime (Guitars), Mättu (Drums) sowie Marc (Vocals) servieren uns mit ihrem bisher dritten Player 'Unitd Zombie Nations' eine thrashige Overtüre aus heimigen, helvetischen Gefilden. Es sind 12 Thrash-Granaten, wenn ich sagen darf, im Bay-Areaischen Style, so à la TESTAMENT, EXODUS, und Konsorten, um einen Anhaltspunkt geben zu dürfen. Ist es doch sehr erfrischend und beruhigend, dass es auch goile, helvetische Thrash-Kapellen aus eidgenössischem Lande gibt, welche den Vergleich mit internationalen Acts nicht zu scheuen brauchen, eben speziell zu erwähnen Contorsion. Mättu prügelt die Drums sowas nach vorne, treibend und aggressiv, moshend und radikal schnell, Dani begleitet Mättu auf seinem Feldzug durch die nebligen Niederungen gekonnt und ergänzend aggressiv und treibend wie Mättu. Selbstredend stehen Jon & Sime den beiden Thrashern in nichts nach, die shredden, moshen und thrashen wie eine unablässig rollende Angriffswelle konstant ebenfalls aggressiv nach vorne, kombinier mit typischen Thrash-Soli, erinnert zeitweise ein wenig an die ganz alten Metallica, aber will unbedingt noch sagen, dass Contorsion sehr, sehr eigenständig sind, keine Frage. Auch Marc steht mit seinen Vocals und Shouts in nichts nach, erinnert mich zeitweise an etwas an Chuck Billy von Testament (im positiven Sinne wohlbemerkt), sondern setzt verdammt thrashige Akzente zum dritten Longplayer. Nur schon das goil gestaltete Cover-Artwork ist einfach verdammt gelungen. Yep, das Gesamtpaket stimmt und somit empfehle ich allen Thrashern - und solche, die es noch werden wollen - sollen hier unbedingt zugreifen. Alle anderen sollen mal ein Ohr voll riskieren und ich bin überzeugt, sie werden alle headbangen.
Leopold     
Punkte:
8.0 von 10
SLUT MACHINE - Slut Machine
Apollon Records
Mit 'Slut Machine' präsentieren uns die vier Norweger aus Bergen erneut ihr Debutalbum aus dem Jahre 1997. Die Band gibt's eigentlich schon seit 1993. Eine verdammt lange Zeit, aber endlich ist es da, das lang ersehnte Album, als Re-Release. Well, im Jahre 1997 hatten sie einen Deal mit Roadrunner Records, aber der Release kam dann leider doch irgendwie nicht zustande. Man entschloss sich den Deal aufzulösen. In den nordischen Länder wurde dann doch noch das Album in Kleinstauflage zu einem späteren Zeitpunkt via MNW vertrieben. Nach nur einem Gig, und erst noch in ihrer Heimatstadt Bergen, war's dann auch schon wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Aber wie sagt ein Sprichwort so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Nun gut, neun Hardcore-Songs in guter Produktion wird hier uns um die Ohren gehauen, so dass eigentlich jede Party gerettet ist. Um Anhaltspunkte zu geben, es geht so in die Richtung à la Mucky Pup, Stuck Mojo, M.O.D. und Konsorten. Hardcore-Freaks werden hier sich bedienen, Fans des harten Musikgenres werden ebenfalls zugreifen, aber auch Party-, Skater- und andere Freaks. Als Thrash- & Death-Metal-Freak werd' ich natürlich auch zugreifen. Der Vierer mit Abs (Vocals), Jorgen Traen aka. Sir Duperman (Guitars), Espen Lien (Bass) und Rune Kongstad (Drums) lassen den Hardcore in neuem Gewand, aber mit viel goilem Old School-Parts alt-neu aufleben.
Leopold  
Punkte: keine Wertung
EVO - Warfare
High Roller Records/Musikvertrieb
Ein räudiges Rock'n'Roll-Album veröffentlichen EVO mit "Warfare". Die stilistische Ausrichtung ist nur logisch, wenn man auf die Vergangenheit der beiden Bandköpfe schaut. Multiinstrumentalist Evo war Kopf der Metal/Punk-Crossover-Band Warfare, während sein Partner und Bassist Paul Gray bei Tank eine wichtige Rolle spielte. Auf "Warfare" zelebrieren die beiden rumpelnden, authentischen Rock, der Motörhead atmet, aber wie bei "Doctor Of Insanitiy" auch mal ein Saxophon integrieren darf. Dazu kommen immer wieder mit viel Slang gesprochene Zwischenrufe. Das muss nicht immer schön klingen, besitzt aber viel Charme und noch viel mehr Energie. Wer allzu viel Abwechslung scheut, und auch den Sound von live-artigen Produktionen liebt, kann nichts falsch machen. Hier wird nichts glattgebügelt, sondern munter drauflos gerockt. Dazu passen die hochwertigen Gastmusiker, welche unter anderem mit den beiden Gitarristen Fast Eddie Clarke (Ur-Motörhead) und Lips (Anvil) nichts anbrennen lassen. Ach ja, zum Schluss wird es mit "Stardust" dann doch noch diabolisch langsam. Der Gesang erinnert hier sogar an die Verrücktheit eines Jon Oliva (Savatage), welcher aber nicht auf der Gästeliste auftaucht. Wer Punk'n'Roll in seiner ursprünglichsten Form mag, kann mit "Warfare" nichts falsch machen. Die Lieder sind bei weitem keine Welthits, aber grundsolide.
Roger W.     
Punkte:
8.0 von 10
CACHEMIRA - Jungla
HeavyPsych Records
Das spanische Trio Cachemira (deutsch: Kaschmirwolle) ist in der jetzigen Form noch keine zwei Jahre zusammen und haut jetzt schon sein Debut raus. Und wenn man bedenkt, dass die Aufnahmen mit einem Vierspur-Tonbandgerät zu grossen Teilen im eigenen Übungsraum bzw. dem Hall zuliebe in einem benachbarten, grossen Raum stattgefunden haben, dann kann ich vor dieser Do It Yourself-Attitüde und dem Resultat nur den Hut ziehen. Der psychedelisch angehauchte Heavy/Blues Rock der Band geht gut ins Ohr, vor allem, wenn die Jungs immer wieder zu ausgedehnten Jamsessions ansetzen und alles aus ihren Instrumenten rausholen. Dabei ist der eher zurückhaltende, sehr sparsam eingesetzte Gesang von Gitarrist Gaston Lainé wirklich nur noch Mittel zum Zweck, Gitarre, Bass und Drums spielen bei dieser Band eindeutig die Hauptrolle. Das will allerdings nicht bedeuten, dass die drei durchgehend Vollgas geben, ganz im Gegenteil. Sie kennen die Vorzüge der Dynamik nur zu gut und spielen diese auch konsequent aus, was sie von den Vibes her immer wieder in die Nähe von The Doors rückt. Davon abgesehen orientiert man sich zuweilen auch am Proto Metal/Garage Rock der frühen Siebziger, "Goddess" beispielsweise hätte durchaus aus der Feder der Amerikaner Dust stammen können, was wiederum für die Vielseitigkeit des Trios spricht. Die in fünf Tracks gepackten 31 Minuten vergehen natürlich wie im Flug, hinterlassen aber aufgrund der leidenschaftlichen Intensität des Songmaterials schon nach dem ersten Durchlauf einen bleibenden Eindruck. Die Heavy Psych/Stoner Rock-Gemeinde kann sich jedenfalls freuen, mit Cachemira betritt eine Band den Ring, welche die Szene mit eigenen Akzenten bereichert und somit die ganze Geschichte am Laufen hält.
Mirko B.      8
Punkte:
8.0 von 10
NECROWRETCH – Satanic Slavery
Season Of Mist/Irascible
Wer der Meinung ist, dass früher Alles besser war, der sollte seine Aufmerksamkeit diesem Bastard aus Death-, Black- und Thrash Metal unbedingt sein Gehör schenken. Die Franzosen prügeln auf ihrem dritten Werk herrlich altbacken durch die Botanik ohne dabei jedoch abgestanden zu tönen. Der Schwerpunk Death Metal wurzelt irgendwo in den frühen 90er Jahren zwischen Morbid Angel und Deicide, stimmlich regiert heiseres Black Metal Gekeife und natürlich bewegt sich die Temponadel meist im Geschwindigkeitsrausch. Doch es wäre eine Ungerechtigkeit Necrowretch zu unterstellen, dass hier bloss ein alter Teppichklopfer monoton auf verstaubte Textilien eindrischt, denn die Jungs verstehen es durchaus Dynamik in ihre Songs zu transferieren, im richtigen Moment auch mal das Tempo zu drosseln, ein Solo oder gar so was ähnliches wie eine Melodie ertönen zu lassen. Klar „Satanic Slavery“ wird nicht als Klassiker in die Musikgeschichte eingehen, aber eine gewisse Faszination muss ich dem Werk zugestehen, zumal das anhören einfach verflucht viel Spass macht. Wer sich gerne ein Bild von dem Gebolze machen will ist mit „Evil Names“, „Verses From The Depths“ und dem Titeltrack „Satanic Slavery“ gut beraten, doch die gesamte Scheibe präsentiert sich auf eindrücklich hohem Niveau und die knapp 40 Minuten sind schlicht ein Freudenfest für Nostalgiker und ein fetter Mittelfinger gegen alle Trends und aktuell moderne Einflüsse in der Metalszene.
R.K.     
Punkte:
8.0 von 10
COSMOSQUAD - Morbid Tango
Marmaduke Records
Haha, klasse das Album mit einem Tango, passend zum Titel, zu beginnen. Aber schon nach einer Minute geht's dann los. Die crazy Proggies Shane Gaalaas (Drums), Kevin Chown (Bass) und Jeff Kollman (Gitarre) lassen es krachen auf höchstem Niveau. Ein Auf und Ab der Tempos und ein Hin und Her aller möglichen Genres. Von Prog über Jazz zu rockigen Parts. Die drei sind musikalisch ein Hammerteam. Es braucht viel Zeit, bis sich die elf instrumentalen Kracher dem Zuhörer öffnen und man die Nummern geniessen kann. Es gibt Tracks wie das teilweise sehr treibende "Cyclops", sehr starkes Gitarrenriff und natürlich noch vieles mehr. Die Herren bringen so viele abwechslungsreiche Parts in einem Song unter, wie sonst eine Progband in einem ganzen Album. Die Songs unterscheiden sich trotzdem allesamt voneinander. So gefällt die funky Nummer "The Ballad Of Rick James" besonders gut und klingt für Cosmosquad-Verhältnisse recht straight und leicht verdaulich. Oder ganz stark die Drums bei "The Crosses", die knallen ohne Ende. Oder dann am Anfang von "Still Life" die akustische Klampfe, herrlich anzuhören, bevor man dann volle Kanne ins Jazzige abdriftet. Oder die klasse Prog-Nummer "Beyond Death's Door", einfach herrlich, was die drei da musikalisch abliefern. Ich muss zugeben, vor lauter Eintauchen in die Cosmosquad-Welt ist mir fast entgangen, dass hier ja ein reines Instrumental-Werk vor mir liegt. Gutes Zeichen. Also: "Morbid Tango" ist ein spannendes Auf und Ab musikalischer Vielfalt und Stimmungen, sehr interessant und jedem Proggie sehr zu empfehlen.
Crazy Beat     
Punkte:
8.0 von 10
INCUBUS - 8
Sony Music
Seit 1991 treiben die mittlerweile auf fünf Members (vier Members bei der Bandgründung) angewachsene Alternativ-Rock Formation ihr Unwesen, konstant, kontinuirlich, rockig. Der Groove ist immer noch da, auf den elf Tracks auf '8', welches logischerweise die achte, offizielle Veröffentlichung von Incubus präsentieren. Alternative Rock kombiniert mit Elementen aus dem Nu Metal-, Crossover, Funkrock-, Rock-, aber auch teilweise poppigen, bluesigen Elementen garniert, dennoch stets lärmend, genug lärmend, um sich einen Namen im Rock-Olymp zu erhaschen. Die elf Songs sind sehr variantenreich gehalten, Incubus heutzutage nur einem Genre zuzuschreiben, das wäre unfair der Band gegenüber. Brandon (Gesang, Gitarre, Percussion), MIke (Gitarre, Gesang), Jose (Schlagzeug, Percussion), Chris (DJ, Keyboards) und Ben (Bass, Gesang) schöpfen ihre Ideen grenzenlos aus dem Musiktopf. Fans von Incubus können hierbei getrost zugreifen, alle anderen Metaller aller Genres sollen eine Hörprobe vor dem Kauf sich zumindest eingestehen, da die Mucke sehr vielseitig ist. Das Cover-Artwork von '8' ist sehr unaufgeregt, lässt viel Raum zum Sinnieren, so wie auch die Tracks auf dem Album. Sehr interessant, selbst beim mehrmaligen Anhören geht man soundtechnisch zusammen mit der Band auf Entdeckungsreise. Passt und gibt Punkte wie der Albumtitel.
Leopold     
Punkte:
8.0 von 10
BEASTMAKER - Inside The Skull
Rise Above Records
Das Heavy/Doom-Trio aus Fresno, Kalifornien geht im Mai dieses Jahres auf Rundreise mit Zakk Wyldes Black Sabbath-Coverprojekt 'Zakk Sabbath'. Vortreffliche Wahl, kann ich da nur sagen, den Fans wird es gefallen. Oder wie Sänger/Gitarrist Trevor Church es im Infoblatt treffend ausdrückt, klingen Beastmaker so, als ob Black Sabbath und Danzig ein Kind der Finsternis gezeugt hätten. Dazu gebe man noch eine gehörige Portion Power aus der Welt der elektrischen Verzerrung, sprich Distortion, Overdrive und Big Muff, und eine wohldosierte Prise Trouble dazu, und schon kommt man der ganzen Sache sehr nahe. Auf diese Weise erfindet man das musikalische Rad zwar nicht neu, aber das ist ja auch nicht immer und zu jeder Zeit erwünscht, schon gar nicht in einem dermassen traditionsbewussten Genre wie dem Doom Rock. Dass die Jungs dabei auf altbewährte Riffs und Melodiefolgen zurückgreifen, liegt in der Natur der Sache und verhindert selbstredend den Aufstieg in die erlauchte Liga der originellsten Bands aller Zeiten. Vor allem die Nähe zu frühen Trouble fällt auch auf dem Zweitwerk immer wieder auf, dennoch überzeugt "Inside The Skull" in seiner Gesamtheit als eigenständiges Werk sehr gut, auch wenn jetzt nicht jeder einzelne Song zwingend die ultimative Essenz des Doom Rock darstellt. Gegenüber ihrem letztjährigen Debut "Lusus Naturae" ist "Inside The Skull" zweifellos eine enorme Steigerung. Sound- sowie spieltechnisch und kompositorisch hat man mehr als nur einen Zahn zugelegt und dabei die Trademarks, welche die Band ausmachen, beibehalten. Damit haben sie den richtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Absolut empfehlenswerte Scheibe also, und für Fans von Trouble, The Skull oder Iron Man schon fast ein Pflichtkauf.
Mirko B.  
Punkte:
7.9 von 10
DISTILLATOR - Summoning The Malicious
Empire Records
Als das uneheliche Kind von Metallica und Slayer aus der Mitte der 80er wird das Trio von Distillator beschrieben. Die Holländer veröffentlichen mit "Summoning The Malicious" den zweiten Teil einer Trilogie. Textlich dreht sich alles um die Vergangenheit, das Heute und was morgen sein wird. Musikalisch wird die Messlatte mit dem Vergleich zu Metallica und Slayer sehr hoch angesetzt. So muss "Summoning The Malicious" beweisen, dass es zumindest den Anschein erweckt, den alten Recken in ihrer Frühphase das Wasser reichen zu können. Um nicht zu schreiben, in der Blütezeit von Ulrich und Araya? Meine Befürchtungen, dass ich es hier erneut mit einem cleveren Info-Sheet einer Plattenfirma zu tun habe, das in keinster Weise den Tatsachen entspricht, entpuppen sich als unbegründet. Schon der Opener "Blinded By Chauvinism" überrascht mit kernigen Riffs und einem Gesang, der an eine Mischung aus Tom Araya (Slayer) und Schmier (Destruction) erinnert. Stilistisch würde ich Metallica weglassen und dafür eher Death Angel, vage Testament, mit einer riffigen Spur Slayer und solistischen Meisterleistung von Destruction in die Waage werfen. Metallica schimmern sicherlich bei den langsameren Momenten durch, wie bei "Estates Of The Realm". Aber als direkter Vergleich würde ich sie nicht sehen. Die Kreator-Momente bei "Enter The Void" sind auch nicht zu verachten, erschallt dieser Hasswürfel doch mit mehr Härte denn Geschwindigkeit. Das Gute an Distillator ist, dass das Trio nicht durchwegs aufs Gaspedal drückt, sondern verstanden hat, was früher die Klassiker ausmachte. Auch mit der Härte spielen und einen melodischen Part einbetten, wie beim Solo von "Enter The Void". Mit diesem Streich ist den Dutch-Boys etwas ganz Gutes gelungen. Ein Klassiker wird die Scheibe vielleicht nicht, aber zumindest ein Album, das schon mal am Lack der Helden kratzt. Denn mit dem Running Wild-Riff in "Megalomania" spielen sich Distillator auch in die Herzen der ganz alten Piraten-Fans.
Tinu  
Punkte:
7.8 von 10
FARSOT – Fail·lure
Lupus Lounge/Prophecy Productions
Ich finde es immer wieder spannend, wie sich Black Metal über die vergangenen Jahrzehnte weiterentwickelt und immer breiter gefächert hat. Die Zeiten wo das Genre geprägt von Hass und lodernden Feuern nur durch den Untergrund gepflügt ist, sind längst vorbei. Auch Farsot hat seine Wurzeln unüberhörbar im Black Metal, jedoch sind die sechs Kompositionen auf „Fail·lure“ keine reinen Ausgeburten der Hölle, sondern viel mehr eine Reise zu den eignen inneren Abgründen der Schwermut. Schon beim Opener „Vitriolic“ trieft die Melancholie aus jeder Note und die beklemmende Atmosphäre einer verlorenen Seele wird über die knapp 50 Minuten Spielzeit eindrücklich aufrecht erhalten. Dabei rasen Farsot nicht dauernd im Expresszug durch die Dunkelheit, sondern es sind oftmals diese ausufernden teils akustischen Parts die den gewillten Hörer in seinen Bann ziehen, beste Beispiele dafür die Songs „Circular Stains“ und „With Obsidian Hands“. Grundsätzlich hat „Fail·lure“ viel zu bieten, wenn man sich den Songs öffnen kann, jedoch braucht dies auch ein paar Durchläufe und wie bereits erwähnt einen ausgeprägten Hang zur Melancholie. „Fail·lure“ könnte man als Soundtrack zu den eigenen dunkelsten Stunden definieren, wo man mit sich und der Welt alleine in der Einsamkeit die Zuflucht gefunden hat. Was mir persönlich so ein wenig fehlt, ist der absolute emotionale Höhepunkt, eine Melodie die sich in die geschundene Seele brennt und diese nachhaltig zeichnet. Trotzdem ist das Kopfkino welches Farsot hier erschaffen durchaus beachtlich und ich könnte mir vorstellen, dass grade Freunde von spezielleren BM-Bands (wie z.B.: Schammasch) die auch mal über den Tellerrand hinaus schauen sehr fasziniert von „Fail·lure“ sein werden.
R.K.  
Punkte:
7.8 von 10
SIDEBURN - #8
Fastball Music/Non Stop Music
Nach mittlerweile zwei Dekaden im Schweizer Rock-Musicbusiness darf man Sideburn nun getrost als Ur-Gestein bezeichnen. Gestählt durch unzählige Support-Gigs für Szene-Grössen wie KISS, Dio, Motörhead, Def Leppard, Uriah Heep, Gotthard, Krokus, Y&T, Ted Nugent, Doro und einige mehr, zelebrieren Leadsänger Roland Pierrehumbert und sein wilder Haufen nach wie vor ihren partymässigen Hardrock, der vor allem unverkennbare Vibes von AC/DC ausweist. Mit dem Titel «#8» wird in der Tat auf das mittlerweile achte Studioalbum verwiesen, und wo Sideburn drauf steht, ist auch Sideburn zu hören. Das ist vor allem der Reibeisenstimme von Roland geschuldet, die sich in der Schnittmenge zwischen Angry Anderson (Rose Tattoo) und Mick Hudson (Steve Whitney Band) befindet. Dann und wann erinnert der Sound an die längst verblichenen Whitneys, bleibt sich nach all den Jahren jedoch weitgehend treu. Und da steckt halt nach wie vor etwas der Teufel drin, denn obwohl Sideburn jede Festhütte zum Beben bringen können, fehlt irgendwie der letzte Zwick, um wirklich was reissen zu können. Ein energiemässig direkter Vergleich zu Airbourne verdeutlicht dies, aber! Hört man sich zum Beispiel den töften Rocker «Save Your Soul» an und schielt rüber zu Angus Young und Co., lässt sich bis auf den unerreichbaren Drum-Sound von Altmeister Phil Rudd kein Qualitätsunterschied ausmachen. Leider fehlen auf «#8» trotz soweit ansprechendem Material weitere grosse Momente. Wirklich? Nun, die an sich mutige wie wirklich überraschend auftauchende Cover-Version des Motörhead-Klassikers «No Class» zeigt hingegen auf, wie geil dass die Welsch-Schweizer eigentlich wären, wenn sie nur etwas mehr auf das Pedal treten würden! Der Basssound von Nick Thornton klingt da beispielsweise schlicht hammermässig! Zum Schluss folgt mit dem Bonus-Track «Wings Of Liberty» mein persönlicher Favorit (!), weil da die grossen Vorbilder praktisch nicht zu hören sind.
Rockslave
  
Punkte:
7.7 von 10
CORRODED - Defcon Zero
Despotz Records
Der Song "Time And Again" von ihrem Debut schaffte es zum Titelsong einer schwedischen TV-Show. 2010 gewannen sie bei den Bandit Rock Awards den Preis 'Breakthrough Of The Year'. Das zweite Album "Exit To Transfer" stieg direkt auf Platz 6 der schwedischen Album-Charts ein und der Song "Age Of Rage", welcher für das EA Games-Spiel Battlefield geschrieben wurde, erreichte in der Heimat Goldstatus. Man kann also ohne Zweifel sagen, Corroded sind in Schweden schon eine angesagte Nummer. Musikalisch kann ich das durchaus nachvollziehen, denn ihr leicht modern angehauchter, radiotauglicher Metal, auf dem neuen Album "Defcon Zero" stark in die Richtung Shinedown gehend, weiss zum grössten Teil mit eingängigen und einprägsamen Refrains und einer sehr sympathischen Stimme von Sänger Jens Westin zu überzeugen. Beim ersten Song "Carry Me My Bones" habe ich noch das Gefühl, dass die Band noch nicht so genau wusste, wohin die Reise auf Album Nummer vier gehen soll, oder vielleicht liegt das auch daran, dass der Song etwas schwach und blutleer daherkommt, aber schon beim anschliessenden "Gun And A Bullet" scheinen Corroded ihren Weg gefunden zu haben. Im weiteren Verlauf, vor allem mit "Vessels Of Hate", "Feel Fine" und dem alles in Grund und Boden stampfenden "Burn It To The Ground" wird die Scheibe dann immer geradliniger und zugänglicher. Zwar kann, in meinen Augen, "Defcon Zero" das Niveau nicht konstant auf dem Level dieser erwähnten Songs halten, als komplettes Werk macht die Platte aber definitiv sehr viel Spass und hat einige hartnäckige Ohrwürmer zu bieten. Wer Corroded bisher noch nicht kannte und sich zu einem Fan von Shinedowns neuestem Album zählt, sollte auf jeden Fall auch mal die Schweden antesten.
Sascha Sch.
  
Punkte:
7.7 von 10
DRAGONY - Lords Of The Hunt - 10th Anniversary Extended EP
Limb Music
Die österreichischen Symphonic-Metaller feiern ihr 10-jähriges Bestehen mit einer 41-minütigen EP. Auf dieser sind neben zwei neuen Liedern auch Demos, ein Cover und eine Karaokeversion zu finden. Das Ganze ist zu einer kurzweiligen, unterhaltsamen CD zusammengefasst, welche die Band im besten Licht erscheinen lässt. Diese EP macht also durchaus Sinn, obwohl die Österreicher bisher erst zwei Alben veröffentlicht haben, Fragezeichen darf man aber beim Titelsong stellen. Denn "Lords Of The Hunt" verbindet auf hohem Niveau äusserst deutliche Sabaton-Einflüsse mit Meat Loaf. Dass darf man toll finden, muss es aber nicht. Das andere neue Lied "Call Of The Wild" besitzt dagegen eine sehr starke Rhapsody-Schlagseite. Wer es schafft, beim Hören all diese offensichtlichen Vorbilder auszuklammern, kann sich in diese EP durchaus reinsteigern. Zumal die Zusammenstellung sehr viel Abwechslung bringt, und im wiederum von Rhapsody beeinflussten "The Longest Night" eine melancholische Seite offenbart. Poppig wird's beim 90er Jahre-Hit "One And Only" von Chesney Hawkes. Ebenfalls toll ist die Karaoke-Version von "Shadowrunners", welcher in dieser Form das Können der Band noch deutlicher hervorhebt als der Rest der Lieder. Im Vergleich zum Original wirkt die gesangslose Version sogar noch deutlich besser und könnte künftig live dem Sänger eine willkommene Pause bringen. Abgeschlossen wird diese Geburtstags-CD durch das eingängige, schnelle "Wings Of The Night", welches etwas an ganz alte Edguy erinnert. Wer Dragony entdecken möchte, kriegt mit dieser EP eine gute Gelegenheit dazu. Für künftige Alben der Österreicher wünsche ich mir eine ähnlich kurze Spielzeit, viel Mut zur Abwechslung und die Kraft und Kreativität, sich endlich von ihren Vorbildern zu verabschieden. Das Potential ist weiterhin da. Es muss in den kommenden zehn Jahren nur noch ausgeschöpft werden.
Roger W.   
Punkte: keine Wertung
MOONBOW - War Bear
Ripple Music
Die Hard-Rocker aus Kentucky um Sänger Matt Bischoff rocken hier sehr old school durch die 10 Songs. Meist im Mid Tempo-Bereich mit sehr schweren Gitarren der Marke Candlemass und Black Sabbath. Die schweren Riffs ziehen sich durch das ganze Album hindurch, und der Gesang von Matt erinnert etwas an Blaze Bayley. Man spielt hier auf durchgehend gutem Niveau, mit interessanten Gitarrenläufen und Riffs wie bei "Bloodwash", ein spannender Track, etwas düster, treibend und mit starker Gesangsmelodie, auch hier spürt man die Geister von Black Sabbath deutlich. Dasselbe auch beim folgenden "Death Of Giants". Irgendwie spannende Mischung von Sabbath-Riffs und Bayley-Gesang. Man bleibt grundsätzlich bei dieser Mischung durch das ganze Album hindurch. Cool auch der schwere, basslastige Track "Alone Eyes Roam", der von einem starken Riff begleitet wird, sehr speziell, aber eben sehr cool. "California King" dann eine für Moonbow-Verhältnisse mässige Abgeh-Rock-Nummer mit etwas AC/DC-Riff-Anleihen. Auch das etwas bluesige "Son Of Moses" kommt gut und bringt Abwechslung in das Album. Wer auf schwere Riffs steht im Mid Tempo-Bereich und es auch ein wenig old school mag, ist bei Moonbow genau richtig und sollte "War Bear" mal locker abchecken.
Crazy Beat    
Punkte:
7.6 von 10
EISREGEN - Fleischfilm
Massacre Records/Musikvertrieb
Das 12. Werk der Thüringer Extreme Metaller darf man auf jeden Fall als morbid bezeichnen. Track um Track scheinen die Texte düsterer zu werden und das makabre, aber dennoch faszinierende Erlebnis entführt den Hörer in die eigene, tief versteckte Dunkelheit. Blutig und gewalttätig sind Worte, die mir sofort in den Sinn kommen. Fleischfilm ist das erste Konzeptalbum der Band und ist vom wilden italienischen Kino der 70er und 80er Jahre inspiriert. Trotz vieler elektronischen Elemente ist diese Platte weit vom Mainstream entfernt und hat durchaus die Stärke, es mit kultigen Werken aus der NDH Bewegung aufzunehmen, ja, sogar diese in die Ecke zu zwängen. Musikalisch sehr ansprechend und textlich nicht jedermanns Sache, soviel zur Warnung! Packend von Anfang an, lässt man sich gerne in die Brutalität entführen.
Monika M.    
Punkte:
7.5 von 10
MAHAKALA - The Second Fall
Supreme Music Creations
Metalbands aus Griechenland sind ja äusserst selten, mir fällt da auf Anhieb nur die bekannteste, Rotting Christ, ein. Daher finde ich es mal aufregend, etwas von einer griechischen Band zu hören, die vom Plattenlabel angekündigt wird als eine Mischung aus der Doom Metal-Band Trouble, Grand Magus und Angel Witch, wobei der Fokus hierbei auf dem amerikanischen Doom liegen soll. Das würde ich, auch nach häufigem Anhören, nur bedingt unterschreiben. Zwar sind auf dem zweiten Album von Mahakala mit "Better To Reign In Hell (Than Serve In Heaven)" mit seinem typischen Candlemass-Aufbau und "Redemtion Denied" Songs dabei, die sich ohne weiteres in die Doom Metal-Ecke stellen lassen, aber der Rest der Scheibe fällt da absolut aus dem Rahmen und bietet stellenweise richtig guten und flotten Metal. Der grosse Pluspunkt auf "The Second Fall" ist hier zweifelsfrei der druckvolle, starke Sound. Vor allem beim an Ozzy Osbourne erinnernden "Purgatorium" und dem Opener "Army Of The Flies" kommt das optimal zur Geltung. Aber man muss der Band auch zugestehen, dass sie es schaffen mit etwas Abwechslung, "The Second Fall" sehr spannend zu halten. Das beste Beispiel hierfür ist die gerade einmal knapp über zwei Minuten dauernde Ballade "Darkness In Their Eyes", die einen nicht nur durch den Text, sondern auch durch die unterstützenden Geigen fesselt und zu einem echten Highlight der Platte wird. Aber auch generell muss man sagen, dass es Mahakala geschafft haben, auf ihrem neuen Album nur gute bis sehr gute Songs abzuliefern, und auch wenn "The Second Fall" kein 'Überhit' geworden ist, behält die Scheibe auch nach einer Weile ihren Reiz und bleibt einfach stark. Hier muss man definitiv mal reinhören, es lohnt sich!
Sascha Sch.    
Punkte:
7.5 von 10
ALFAHANNE – Det Nya Svarta
Indie Recordings/Irascible
Manchmal frage ich mich, ob nur die Band sich geändert hat oder ob der eigenen Geschmack nicht zwischendurch grosse Sprünge macht. Wenn ich bedenke wie wenig Spass mir die Schweden mit ihrem Debüt vor drei Jahren gemacht haben, ist die Freude am aktuellen Album fast schon unerklärlich. Der Punk ist als Grundelement in allen Songs zu hören, was stellenweise (‘Avgrundsgravitation’) an Lifelover erinnert, ohne allerdings gleich auf dem Bahngleis zu balancieren. Die punkigen Elemente sind allgemein präsenter, was vielleicht mit zu einem kompakteren Eindruck führt. Genrefremde Einflüsse sind in fast allen Liedern hörbar, drängen sich aber nicht auf und passen sich ganz gut in den eigentlich recht minimalistischen Aufbau ein. So überrascht ‘Mitt Mörker Är Mörkare Än Ditt’ einerseits mit dem Gitarrenrhythmus, anderseits auch mit dem Synthesizer und den Telefonaufnahmen. Ein wenig schneller wird es beim nachfolgenden Track, bei dem die Gitarren und der Sprechgesang wieder im Mittelpunkt stehen. Beim Titeltrack könnte Type O Pate gestanden haben, so tragend wie der Bass hier eingesetzt wird. Ein Album, das durch seine scheinbare Leichtigkeit überrascht, aber dennoch nicht an Dichte oder Tiefe vermissen lässt. Spannend.
Tristan    
Punkte:
7.5 von 10
CRYONIC TEMPLE - Into The Glorious Battle
Scarlet Records
Die Heavy und Power Metal Band aus Dalarna, Schweden, zählt zu wichtigsten Gruppierungen der neuen Power Metal Welle der frühen 2000er Jahren. Dabei durften sie schon auf vielen bekannten Festivals spielen und Shows von Grössen wie Uriah Heep oder Saxon eröffnen. Nach einer neunjährigen Pause melden sie sich mit ihrem ersten Konzeptalbum zurück, welches obschon es eine Geschichte in der Zukunft behandelt, soundtechnisch trotzdem vertraute Elemente aufzeigt. Ein grosser Teil anderer Einflüsse untermalen den typischen Power Metal und wir erhalten ein spannendes Werk, welches möglicherweise auch Fans des Symphonischen Metals ansprechen dürfte.
Monika M.
    
Punkte:
7.5 von 10
STAHLMANN – Bastard
AFM Records/Musikvertrieb
Stahlmann produzieren seit jeher soliden NDH – stahlhart eben! Doch während andere Genrekollegen eher Rammstein nacheifern, tummeln sich Stahlmann vielmehr in der selben Nische wie Eisbrecher oder auch Megaherz. Hier wird deutlich mehr Wert auf ansprechende und teils sogar tiefgründige Lyrics gesetzt als beim Grossteil der Konkurrenz und auch elektronische Elemente sind hier weit dichter gesät. Klar gibt es auch hier einige relativ einsilbige Mitgröhl Tracks in klassischer Rammstein-Manier, wie zum Beispiel der Opener “Leitwolf“ oder auch das bitterböse “Judas“, doch bildet dieses Schema X eher die Ausnahme. Ein weiterer Punkt, der Stahlmann aus dem dunklen Meer der Szene abhebt sind die kraftvollen und soliden Melodien. Die Stahlmänner haben aber auch eine sanftere Seite – bei den Tracks “Nichts Spricht Wahre Liebe Frei“ und “Von Glut Zur Asche“ wurde das Tempo deutlich runtergeschraubt und sie gehören zu den Highlights des Silberlings. Allerdings bietet das Album jetzt auch nicht wirklich viel Neues. Stahlmann gehen stur ihren Weg und der Erfolg gibt ihnen recht! Fazit: Wer auf NDH mit elektronischen Highlights und knallharter Attitüde steht, der liegt bei Stahlmann auf jeden Fall richtig.
Patricia H.    
Punkte:
7.5 von 10
COASTLAND RIDE - Distance
Avenue of Allies Music
Die Wurzeln dieser schwedischen Formation reichen bis ins Jahr 1997 zurück, als sich die drei Herren Markus Nordenberg (Vocals, Keyboards), Anders Rybank (Keyboards, Guitars, Bass, Drums, Background Vocals) und Mikael Bohlin (Guitars, Bass, Drums, Background Vocals) aus Sundsvall zusammentaten. Ein erstes Album erschien 2003. Die Sache verlief aber im Sand. Erst 2011 wurde die Geschichte wieder aufgenommen. Das Debut-Album wurde mit drei Bonustracks aufgestockt und remastert wiederveröffentlicht. Gleichzeitig erschien das zweite Album "On Top Of The World". Nun steht die Band mit "Distance" zum dritten Mal auf der Matte. Musikalisch bewegt man sich im klassischen AOR, was nicht nur unspektakulär klingt, sondern auch ist. Um sich vom 08/15-Sound abzuheben, entpuppen sich die drei Herren aber als vielseitig und abwechslungsreich. Einerseits wildert man im Westcoast-Bereich, anderseits hat man aber auch härtere Songs im Programm. Vor allem diese bescheren Coastland Ride einen gewissen Drive, der auch das Prädikat Hard Rock verdient. "Dead For Seven Days", "Nation Of Grace" und "Princess' Little Wonderland" begeistern durch knackige Gitarren, die auch die versierte Stimme von M. Nordenberg besonders gut zur Geltung bringen. Obwohl die Formation schon lange existiert, dauerte es beinahe 20 Jahre, bis die Geschichte auch on stage zu geniessen war. So geschehen letztes Jahr als sechsköpfige Formation. Als klassische AOR-Band haben Coastland Ride definitiv Berechtigung, ob man damit aber den grossen Erfolg verbuchen kann, ist mehr als fraglich.
Chris C.    
Punkte:
7.5 von 10
FULL OF HELL - Trumpeting Ecstasy
Profound Lore
Hello from another crypt of blood-death-noise-core area. Die vier Grindcore-Zombies aus Maryland, Transylvania ... äh, Pennsylvania (U.S.A.), zelebrieren einen verdammt sauberen abgemischten, brutal gespielten Death-Grindcore par excellence. Mit 'Trumpeting Ecstasy' servieren uns die Grindcorer bereits ihr 5. Album. Dylan, Spencer, Dave und Sam experimentieren mit ihrem Grindcore bis an die Leistungsgrenzen des besagten Stils. Beeinflusst sind sie von eben hauptsächlich Grindcore, gepaart mit Industrial-, Black- & Death- sowie Hardcore-Elementen und jagen uns mit ihren elf Songs gnadenlos durch die Grindcore crypt. Wie gewohnt zeichnet sich der Sound auf 'Trumpeting Ecstasy' mit grindigen, double-basslastigen, getriggerten Drums, schnell, brutal, gnadenlos, der Bass wummert in bester Lemmy-Manier (= soundtechnischer Erkennungswert) durch die Songs wie zähflüssiges Lava, die Gitarre ist bretterhart und grinded ebenfalls von Note zu Note in Lichtgeschwindigkeit und die Vocals sind einfach Kult-Growls from hell, hellyeah! Grindcorer sollen - nein - müssen hier zugreifen, ansonsten mal antesten, da alles sehr gut daher kommt, vom Sound bis zum Logo und Cover-Artwork. The crypt of Pennsylvania is calling your name, brothers of grindcore!
Leopold    
Punkte:
7.5 von 10
EMPIRE - Trading Souls (Re-Release)
Pride & Joy Music
"Trading Souls" der Band Empire war für mich erstmal völlig nichtssagend. Und mit dem amateurhaften, langweiligen Cover-Artwork machte es auch keinen sonderlich vielversprechenden Eindruck. Umso grösser war jedoch die Überraschung, als ich den Opener "One In A Million" anhörte - cooler Hard Rock mit tollen Melodien und super Gesang, welcher von keinem geringeren als Tony Martin (Ex-Black Sabbath) kommt. Es handelt sich hier um ein Re-Release des 2003 erschienenen Albums. Ob es produktionstechnische Änderungen oder Unterschiede zum Original gibt, kann ich leider nicht beurteilen, aber die Scheibe hat auf jeden Fall noch einen schönen Old School-Sound. Als spontaner musikalischer Vergleich fällt mir da Casanova ein. Während "Teenage Deadhead" schöne Parts mit Akustik-Gitarre hat, gibt's bei "Big World, Little Man" die volle E-Gitarrendröhnung sowie ein paar Orgel-Keyboards im Hintergrund. "Perfect Singularity" wirkt anfangs etwas mystisch und kann mit coolem Chorus voll überzeugen. Sehr gelungen ist auch die Ballade "Did You Ever Love Me". Allen voran steht Tony Martin's grossartige Stimme, die Songs selbst könnten hier und da aber gern noch etwas mehr Power vertragen. Um ein Meisterwerk handelt es sich bei "Trading Souls" zwar nicht, aber angesichts der mauen Erwartungshaltung durch das Cover ist die positive Überraschung gross. Fans von melodischem Hard Rock, die auf moderne High Tech-Produktion nicht viel Wert legen, sollten dieses Re-Release definitiv im Auge behalten und gerne ein Ohr riskieren.
Juliane E.    
Punkte: keine Wertung
VALBORG - Endstrand
Lupus Lounge/Prophecy Productions
Groove, Industrial, Progressive, Death, Black, Doom, Electronic, und viele musikalische Einflüsse mehr ... eine brutalere Version von Rammstein, Laibach und Kraftwerk, als Anhaltspunkt, wohlbemerkt. Das Bonner-Trio, bestehend aus Jan Buckard (Bass, Vocals), Christian Kolf (Guitars, Vocals), Florian Toyka (Drums), aus alemannischen Gefilden, mit deutschem Gesang, Growls, Shouts, untermalt mit schwerfälligen, zähflüssigen Drums, wummerndem, zähflüssigem Bass und schweren, zähflüssigen Gitarrenparts, düster, melancholisch, doomig, blackig, deathig, untermalt mit elektronischen Effekten aller möglichen Arten, sehr extremen Texten - bei den US-Amerikanern würde es nur noch konstant 'Piepsen' - aber die Texte passen total zum Soundteppich von Valborg. Das Cover-Artwork spricht ganz klar die soundlichen Gefilde, welche die geneigte und den geneigten Zuhörer/-in erwartet. Kraftwerk meets Rammstein meets Laibach, könnte man es umschreiben. Aber was ganz wichtig ist: Es groovt stets. Auch wenn's wie eine Weltuntergangsszenario klingt, mit diesem Sound erwarte ich gerne den viel prophezeiten Weltuntergang, der Sound von Valborg wäre aber auch passend zu einem Horror-Science-Fiction-Knallermovie oder -comic. Antesten ist mal angesagt, ... und doch bin ich je länger je mehr angetan von Valborg. Mir gefällt's, bin selber etwas überrascht ob mir, aber dieser Teutonen-Groove ist einfach nur goil. Tauche nun wieder ein in meine Weltuntergangsstimmung, aber Valborg ist auf jeden Fall dabei, denn nach dem grossen Knall möchte ich einfach die passende Mucke dazu haben. Das soll nichts Negatives sein, im Gegenteil, ich geh' positiv auf den Weltuntergang zu. Crazy? Yep, but I like it, groove-masters!
Leopold 
Punkte:
7.5 von 10
OLD SEASON - Beyond The Black
Pure Steel Records/Musikverrieb
Auf etwas mehr als einer Stunde Tonmaterial zeigen die Iren, was sie draufhaben und können sich mit ihrem neusten Werk hoffentlich einen Namen machen. Das zweite Album der talentierten Truppe hört sich von Anfang bis Ende gut und macht Lust auf ein Konzert. Die Songstrukturen scheinen einem mit dem Genre vertrauten Hörer bekannt und die Lieder stechen einzeln wenig aus dem Gesamtbild raus. Dennoch muss man die Band für schöne Melodien und die gute Atmosphäre loben, die das ganze Album durch konstant dieselbe Qualität aufweisen. Der teilweise epische Heavy Metal mit Doom Elementen fällt auf jeden Fall ins Ohr und macht gute Laune. Alles in Allem ist der Sound ansprechend, wenn auch nicht sehr abwechslungsreich und es fällt anfangs schwer, die Lieder auseinanderzuhalten.
Monika M.    

Punkte:
7.5 von 10
BITERS - The Future Ain't What It Used To Be
Earache Records/Non Stop Music
Neuere Bands, die sich dem Retro Rock verschrieben haben, gibt es mittlerweile doch einige. Die bereits 2010 gegründete Band Biters dürften sich davon allerdings etwas abheben. Nach ihrem 2015er Debüt "Eltectric Blood" feiert das Quartett aus Atlanta, Georgia auch auf ihrem zweiten Album "The Future Ain't What It Used To Be"die Glam-und Punkrock Helden der 70er. "Let It Roll" ist dafür ein cooler Einstieg und erinnert etwas an neuere Hellacopters, während "Stone Cold Love" das ultimative T.Rex Feeling erzeugt. Ein knackiges ZZ Top Riff gibt's bei "Vulture City". Ein Highlight ist definitiv die herrliche Piano-Ballade "Hollywood", in der es um die Träume und Hoffnungen geht, symbolisiert durch einen Stern auf dem Hollywood Boulevard. Dennoch scheint die Truppe um Sänger und Gitarrist Tuk Smith sehr heimatverbunden zu sein, wie im Schlusstrack "Goin' Back To Georgia" zu hören ist. Passend zum Retro-Look ist übrigens auch das Albumcover ausgefallen. "The Future Ain't What It Used To Be" entpuppt sich als eingängige Scheibe mit durchaus mehreren Facetten, auch wenn sich abseits von den genannten Stücken einige wieder sehr ähneln. Gefällt mir!
Juliane E.
 
Punkte:
7.3 von 10
SEMBLANT - Lunar Manifesto
EMP Label Group
Die Brasilianer von Semblant sind in ihrer Heimat und in den USA schon länger kein Geheimtipp mehr. Hierzulande haben sie sicherlich noch Boden gut zu machen, was ihnen mit "Lunar Manifesto" durchaus gelingen könnte. Sie selbst bezeichnen sich als Gothic Metal-Band, spielen aber eher dunklen und progressiven Symphonic Metal, der mit dem Doppelgesang von Mizuho Lin und Sergio Mazul oft an Nightwish, Lacuna Coil, Evanescence und bei den härteren Tracks auch an Cradle Of Filth erinnert. Der Sechser präsentiert ein spannungsgeladenes, vor Energie strotzendes Werk, das durchaus seine Berechtigung auf eine folgsame Hörerschaft hat. Der klare Gesang von Frontfrau Mizuho in Kombination mit der harten rauchigen Stimme von Sergio ergibt eine musikalische Symbiose, die für reichlich Abwechslung sorgt. Krachende Gitarrenriffs und deftige Drumsalven zementieren den Sound der Südamerikaner und lassen die elf Songs druckvoll aus den Boxen dröhnen. "The Shrine" ist der Track der Platte, den man sich nicht entgehen lassen sollte, denn er beinhaltet alles, was ein geiles Metalstück eben haben muss. Hört selbst.
Oliver H. 
Punkte:
7.3 von 10
SHADOWMAN - Secrets And Lies
Escape Music/Non Stop Music
2004 erschien ersmals ein Output der britischen Formation Shadowman. Dabei konnte "Land Of The Living" durchaus positive Kritiken einfahren. Glücklicherweise fand die Kollaboration von Steve Overland von FM (Vocals) und Steve Morris von Heartland (Guitars, Keyboards) eine Fortsetzung. Das anfängliche Projekt entwickelte sich schon mit dem zweiten Album "Different Angles" zu einer stabilen Formation, da die Rhythmussektion von Thunder, Chris Child (Bass) und Harry James (Drums) sich Shadowman anschloss. Mit "Secrets And Lies" geht die Geschichte nun bereits in die fünfte Runde, nach wie vor in der gleichen Besetzung. Schon aus Erfahrung mit ihren Hauptbands haben die Musiker offensichtlich den 'good old British Melodic Hard Rock' im Blut. In dieser Kombination funktioniert das Hervorragend. FM und Heartland werden mit Thunder kombiniert. Das bedeutet, Shadowman haben einen deutlichen Blues-Einschlag. Die frühen Whitesnake lassen grüssen. Perfekt dazu passt die Stimme von Steve Overland, die Parallelen zu David Coverdale erkennen lässt, und die solide Gitarrenarbeit von Steve Morris. Leider hat die Band aber kaum Material verfasst, das durch Hooks und einprägsame Melodien zu glänzen vermag. Sicher, nebst den ganzen unspektakulären Tracks ist dann doch der eine oder andere Song dabei, der das Prädikat 'gut' verdient. Diese sind aber nicht besonders zahlreich. Somit wird schlussendlich der Anschluss an die Spitze des AOR-Genres klar verfehlt.
Chris C. 
Punkte:
7.2 von 10
TYTAN - Justice Served
High Roller Records/Musikvertrieb
Nach einer speziellen Mischung aus Heavy Metal, Symphonic Metal, 70er-Hard Rock und einer Prise Motörhead klingen die wiederbelebten Tytan. Diese wurden nach 1981 vom Angel Witch-Urbassisten Kevin Riddles gegründet und nach eine Single und einem Album wieder aufgelöst. Riddles ist denn auch das einzige verbliebene alte Mitglied dieser seit ca. 2010 reanimierten Gruppe. "Justice Served" heisst das erste Album nach der Wiederbelebung und ist damit erst das zweite überhaupt. Musikalisch lassen hier Tytan absolut nichts anbrennen. Die grösste Stärke zeigen sie in der ungewöhnlichen Stilvielfalt, die nervendste Schwäche in der Stimme von Tom Barna. Dieser besitzt zwar ein eigentümliches Gesangsorgan, klingt aber über weite Strecken sehr dünn. Dies wird umso deutlicher, wenn er wie beim Eröffnungslied "Love You To Death" melodisch singen sollte oder beim rumpelnden "Hell's Breath". Viel weniger stört er bei schnellen Lieder wie "Fight To Fight" oder der Motörhead-Verneigung "Spitfire". Aber auch bei den balladesken 70er-Rock-Klängen von "Midnight Sun" macht Barna keine schlechte Figur. Spannend ist auch, wie Tytan bei "Billy Who" plötzlich Hammond-Orgel-Klänge und ein kurzes Schlagzeugsolo einbauen. "Justice Served" ist sicher nicht der Überhit. Es hat aber durchaus Charme, und bei "One Last Detail" sogar einen richtigen Schuss purer Rock'n'Roll. Würden Tytan über einen Sänger verfügen, welche sämtliche Stile beherrschen würde, hätte dieses Album sogar Hitpotential. So aber wird es wohl schnell vergessen werden. Wer Hard Rock und Heavy Metal ohne Scheuklappen mag, kann gerne ein Ohr riskieren. Wer Tytan von früher kannte, der wird sowieso neugierig auf "Justice Served" sein. Zumal mit "Forever Gone" nur eines von elf Liedern aus alten Tagen recycelt wurde.
Roger W.   
Punkte:
7.0 von 10
LIV SIN - Follow Me
Liv-Sin Music
Wieso Sister Sin das Zeitliche als Band segneten, kann ich bis heute nicht verstehen. Die schwedische Truppe um Front-Lady Liv Jagrell war auf dem Sprung, den ganz grossen Bands das Fürchten zu lernen. Vieles erinnerte von der Attitüde her an die alten Warlock-Tage um Doro Pesch, auch wenn Sister Sin eine grosse Portion rockiger und vielleicht auch punkiger zu Werke gingen. Also eher Motörhead-like denn Judas Priest als Mentor. Dass Liv nicht lange untätig sein wird, war klar und so überrascht es nicht, dass sie mit "Follow Me" und der Truppe Liv Sin um die Ecke schiesst. Gibt es denn Unterschiede zu Sister Sin? Eigentlich kaum, in meinen Ohren ist Liv Sin nichts anderes als die logische Weiterführung von Sister Sin. Noch immer röhrt Liv sehr bösartig mit einer erschlagenden Attitüde und behauptet sich als eigentlich zierliche Person in der von Männern dominierten Rock/Metal-Welt. Neben Liv sind es die beiden Gitarristen Patrick und Chris, welche sich stark in den Vordergrund spielen. Es macht Spass, wenn Liv mit "Let Me Out" einen hammerharten Hassbolzen aus den Boxen pfeffert. Was der Scheibe aber zugleich auch die Luft zum Atmen nimmt. Bei Sister Sin haben es die Schweden verstanden, auch mit einer Cover-Version wie "24/7" (U.D.O.) einem Album auch eine feine Note, sprich Abwechslung, zu verleihen. Heute scheint alles nur auf Härte und noch mehr Härte aufgebaut zu sein. Auch scheint das Material nicht mehr die Klasse zu haben, welches Liv noch mit ihrer Sister Sin-Zeit Album für Album ablieferte. Da hilft auch die Coverversion von Fights "Immortal Sin" nicht viel. Wäre "Follow Me" ein Debüt-Album, würde ich vor Freude laut aufheulen. Leider hat die nach wie vor sensationell aussehende Lady schon andere Klassiker-Scheiben veröffentlicht, mit denen sie die Messlatte sehr hoch gelegt hat. Liv Sin ist eine kräftige Spur härter und auch böser als Sister Sin. Sicherlich sind die Stücke wieder mehr auf den Punkt gebracht, als dies bei der letzten Sister Sin-Veröffentlichung "Black Lotus" der Fall war. Trotzdem ist Liv mit der neuen Combo noch nicht da angekommen, wo ich mir die Sängerin wünsche...
Tinu   
Punkte:
7.0 von 10
SILVER DUST - The Age Of Decadence
Fastball Music
Seit 2013 ist die Formation Silver Dust aus der französischsprachigen Schweiz unterwegs. Die Musiker hören auf die illusteren Namen Lord Campbell, Tiny Pistol, Kurghan und Mr. Killjoy. Ihren Sound bringen sie in Verbindung mit dem magischen Universum von Filmemacher Tim Burton. Etwas Mystisches, Theatralisches spiegelt sich dann auch in der Musik von Silver Dust wider. Power Rock / Metal wird mit elektronischen und klassischen Einflüssen vermengt. Düsterer Gothic Metal wäre die vielleicht passende definition. Die harten Gitarrenriffs begeistern dabei auf ganzer Linie und bilden den roten Faden. Die äusserst satte Produktion ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Die progressive Ausrichtung und die Vielseitigkeit bewirken aber auch einen unruhigen und holprigen Hörgenuss. Gesangstechnisch switcht man zwischen kraftvollen Powervocals, Death Metal mit Crowls und hohem Falsett-Gesang. Vor allem letzteres klingt schlicht grauenhaft. An künstlerischer Kreativität mangelt es den Jungs mit Sicherheit nicht. Aber besonders die diversen Tracks mit französischen Texten können überhaupt nicht überzeugen. Von einem Blindkauf ist dringend abzuraten, ein Antesten ist aber auf jeden Fall empfehlenswert.
Chris C.   
Punkte:
7.0 von 10
LIFE OF AGONY - A Place Where There's No More Pain
Napalm Records/Universal
Vorschusslorbeeren bringen das Risiko mit sich, im Vorfeld Euphorie zu verbreiten, die zu gegebener Zeit nicht ganz so vorhanden ist. Im Fall von Life Of Agony's neuestem Streich trifft dies aus meiner Sicht leider auch zu. Durch Rolling Stone und Kerrang, als eines der meist erwarteten Metal-Alben des Jahres angepriesene "A Place Where There's No More Pain", ist zumindest beim ersten Reinhören ein kleiner Dämpfer. Das Album ist wie aus einem Guss, das steht nicht zur Debatte, aber es lässt die Rotzigkeit und Wildheit eines "Broken Valley"-Albums vermissen. Ein "River Runs Red" habe ich natürlich nicht mehr erwartet, das ist klar aber eine zu unterschwellige Dunkelheit begleitet das gesamte Werk und die zutiefst persönlichen Texte sind düster und zerrissen. Logisch ist auch, dass die letzten Jahre nicht spurlos an Mina Caputo & Co. vorbeigezogen sind, aber dennoch ist das Album rein musikalisch gesehen zu straight, zu glatt geraten und lässt die geballte Ladung LOA-Power vermissen, für die ihre Musik früher stand. Sicherlich werden ihre Konzerte nach wie vor energiegeladen und Songs wie "A New Low", "A Place Where There's No More Pain" oder "World Gone Mad" echte Livegranaten sein. Für Personen ohne Vorerfahrung, was diese Band angeht, ist "A Place Where There's No More Pain" ein durchaus guter Einstieg in den Rockzirkus. Auffallend anders, übers ganze Album gesehen ist sicherlich die kleine Hommage an den leider verstorbenen Peter Steele (Type O' Negative) im Riff zu "Bag Of Bones" und der wirklich ruhige Abschluss "Little Spots Of You", der in einem Herzstillstand mündet. Life Of Agony liefern nach 12 Jahren eine Platte ab, die nicht an der Tatsache vorbei kommt, an Energie und Einfallsreichtum eingebüsst zu haben.
Oliver H.   
Punkte:
7.0 von 10
WOLFBRIGADE - Run With The Hunted
Southern Lord
Mit ihren zehn Songs auf 'Run With The Hunted' präsentieren uns die fünf Schweden aus Stockholm - Jocke (Guitars), Erik (Guitars), Johan (Bass), Dadde Stark (Drums) und Mikael 'Micke' Dahl (Vocals) - schnellen, melodiösen Crustore, Hardcore und Punk. Auf ihrem 9. Longplayer - nebst diversen EP's und Singles - hauen uns die Wikinger gut produzierten Hardcore mit viel Melodie und Tempo um die Ohren. Man hört den Old School Punk und Hardcore wohl sehr gut aus ihren Einflüssen heraus, und dennoch hauen uns die fünf Schweden die zehn Songs nur so erfrischend um die Ohren. Da bleibt kein Poger stehen, das gibt Bewegung in der Masse. Die Gitarren sind recht verzerrt, melodiös und auch punkig schroff gehalten, der Bass sägt sich eher hardcorelastig treibend durch die Songs, die Drums rumpeln, scheppern, treiben sehr punkig das Quintett nach vorne und Micke's Gesang ist sehr punkig aggressiv, beinahe death-growlig gehalten. Hardcorerer & Punks werden ihren Spass an 'Run With The Hunted' haben, ja, sogar sehr viel Spass und deren Sound geht immer für eine Party. Selten so erfrischend Punk/Hardcore gehört, goil. Goiles Cover-Artwork, wie die Mucke von Wolfbrigade: Voll in die Fresse!
Leopold   
Punkte:
7.0 von 10
STEAK - No God To Save
Ripple Music
Die Londoner Steak erteilen der Stoner Rock-Gemeinde wieder mal eine saftige Lektion in Sachen Heavyness, dachte ich zumindest anfangs. Die ersten beiden Tracks hauen tatsächlich auch heftigst ins Mett, doch mit "Clones" beginnt danach eine Reihe von Songs, die immer wieder vom ursprünglich eingeschlagenen Weg abweichen. Nicht, dass sie plötzlich wirklich leise klingen würden, denn beim Mix hat jemand offensichtlich seine schützende Hand über die weit aufgedrehten Lautstärke- und Kompressionsknöpfe gehalten. Vielmehr empfinde ich es so, dass man sich bezogen aufs Songwriting des Öfteren etwas zu sehr in zwar gut gemeinte, aber in meinen Ohren deplatziert wirkende melancholische Passagen verzettelt, welche selbst den flottesten Songs wie beispielsweise "Living Like A Rat" unvermittelt den Wind aus den Segeln nehmen. Ausgerechnet das finale, akustische "The Ebb" macht mir schlussendlich klar, wieso ich mit "No God To Save" am Ende des Tages dann doch nicht so warm werde, wie ich es erwartet hätte. Anstatt brachiale und ruhige Passagen in den einzelnen Songs zu kombinieren, hätte ich es begrüsst, wenn sie die Jungs in separaten Tracks verwurstelt hätten. Das, kombiniert mit einem etwas natürlicheren Sound, hätte für wesentlich mehr Dynamik gesorgt, und aus dem Rundling wäre eine echte Perle geworden. Diesmal ist es halt ein Svarovski-Stein geworden, durchaus wertig und hübsch glänzend, aber nicht das Mass der Dinge. "No God To Save" ist ein gutes, grundsolides Album, an dem Genrefans ihre Freude haben werden. Ich behaupte aber, dass in der Band noch mehr steckt, als sie bis jetzt von sich gezeigt hat, aber das ist ja auch erst ihr zweites Album. Warten wir's ab und harren der Dinge, die da noch kommen mögen.
Mirko B.   
Punkte:
7.0 von 10
CUSTARD - A Realms Of Tales
Pure Steel Records/Musikvertrieb
Epischer Power Metal gibt es von den deutschen True-Metallern Custard. Dieser ist nicht immer gleich zwingend, zeigt die Gruppe aber auf ansprechendem Niveau. Bereits 1987 gegründet, veröffentlichen die fünf Männer seit 1999 in mehr oder weniger regelmässigen Abständen Alben. Auf "A Realms Of Tales" durften die Fans fünf Jahre warten. Sie werden dabei nicht enttäuscht. Denn wer als eines der Album-Highlights das zähe, sich entwickelnde "The Little Match Girl" präsentieren kann, versteht definitiv etwas von Songwriting. Gerade bei diesem Lied erinnern mich die Deutschen gar an die amerikanischen Halloween. Die anderen neun Lieder bedienen sich mal mehr oder weniger an Standard/Power Metal, bauen aber immer wieder geschickt dezente Folkeinflüsse ein und verfügen über eingängige Refrains. Das ist alles nicht schlecht und überzeugt auch immer wieder. Und trotzdem gelingt es Custard nicht, mich aus der Reserve zu locken. Irgendwie habe ich diesen Sound schon packender gehört. Damit verkommen für mich Custard zu einer hochwertigen, aber trotzdem austauschbaren Gruppe. Schaffen es die Deutschen aber, live zu überzeugen, kann die Fangemeinde mit Hilfe dieses Albums durchaus zuwachs erhalten. Freunde von Epic Metal dürfen gerne ein Ohr riskieren.
Roger W.   
Punkte:
7.0 von 10
VAIN - Rolling With The Punches
MBM
Davy Vain wird sich immer mit dem Vergleich zu seinem sensationellen Debütwerk "No Respect" aus dem Jahre 1989 konfrontiert sehen. Was der Ami damals auf Tonträger brannte, sucht noch heute Seinesgleichen und gehört nach wie vor zum Besten, was es aus dem Sleaze-Rock zu geniessen gibt. Nicht alles was danach erschien konnte gefallen, aber mit "On The Line" und "Enough Rope" machte er wieder auf sich aufmerksam. Auf "Rolling With The Punches" gibt es erneut einige ganz geile, sofort in die Beine gehende Rock-Tracks, die man so schnell nicht mehr aus der Gedankenstube bringt. So begeistert "Sacrifice", der sich auch gut auf "No Respect" gemacht hätte. Es ist wieder eines dieser Riffs und einer dieser Refrains, die passen und eine unglaubliche Magie verbreiten. Wie auch das fast punkige "Long Gone", das, wie früher, mit einem mitreissenden Gitarrenpart verzaubert. Ebenso "Deliver The Passion", "Don't Let It Happen To You" und das schwerfällige "Bury Some Pain". Soundtechnisch reicht "Rolling With The Punches" allerdings nicht an den Meisterstreich von 1989 heran. Auch sind heute nicht alle Lieder auf dem gleichen Level und widerspiegeln auch auf eine gewisse Weise die Gesichtszüge des Sängers, die einiges erzählen könnten und nicht mehr so frisch aussehen. Davy versucht mit seiner Truppe die alten glorreichen Zeiten zu reproduzieren, was ihm nicht immer gelingt. Trotzdem ist der neueste Streich ein gutes Album geworden, wenn auch nicht auf dem gleichen Niveau wie "No Respect". Hier hätte vielleicht das eine oder andere im Studio dem Track der Scheibe positives verliehen. Sprich die Songs klingen teils nach einem Schnellschuss. Schade, denn Davy hat auch in der Vergangenheit bewiesen, dass er, wenn er sich dafür auch die Zeit nimmt, noch immer tolle Lieder schreiben kann.
Tinu   
Punkte:
7.0 von 10
BELOW - Upon A Pale Horse
Metal Blade/Sony Music
2011 haben sich in Schweden ein paar Freunde zusammen getan, um eine Band zu gründen. Nachdem sie sich in Diskussionen einig darüber waren, dass die Doom Metal-Bands von heute nicht mehr auf Melodien, sondern eher auf Retro-Sound setzen, beschlossen sie, Below ins Leben zu rufen und machten es sich zur Aufgabe, dies zu ändern. Nach einer 4-Track-EP kam dann im Jahr 2014 ihr Debut-Album "Across The Dark River" auf den Markt, welches unter eingefleischten Doom Metal-Fans für grosse Freude und in der Presse für sehr gute Kritiken sorgte. Auch auf dem neuen Album "Upon A Pale Horse" gehen Below ihren Weg weiter und zeigen, dass es immer noch Bands gibt, die den Geist der alten Candlemass-Scheiben einfangen und zeitgemäss wiedergeben können. Aber mir fällt es leider trotzdem sehr schwer, das neue Werk "Upon A Pale Horse" zu bewerten. Ich bin nicht wirklich ein grosser Doom Metal-Fan und kann das Schaffen von Below dadurch bestimmt nicht angemessen würdigen. Für mich wird das Album ab dem dritten Song einfach zu eintönig. Das ist aber nur meine Meinung beziehungsweise mein Musikgeschmack. Ich bin mir absolut sicher, dass Doom Metal-Fans die Platte von Below komplett abfeiern werden und in den Schweden eine Art neue Helden ihrer Musikrichtung sehen. "Upon A Pale Horse" ist auch wahrhaftig nicht schlecht und hat hier und da ganz ordentliche Passagen, die auch mit schönem Druck aus den Boxen kommen. Aber insgesamt ist das nicht meine Schiene. Da mein Musikgeschmack aber nichts mit der Arbeit der Schweden zu tun hat, versuche ich, die Platte ganz objektiv zu bewerten. Doom-Metaller haben Below ohnehin schon auf dem Schirm und sollten hier auf jeden Fall reinhören.
Sascha Sch.   
Punkte:
7.0 von 10
CORPUS CHRISTIIi – Delusion
Folter Records
Aus Portugal kommt das Duo von Corpus Christii. Und da sie seit 1998 Musik machen, kann man tatsächlich auch von einem bestimmten Bekanntheitsgrad sprechen. Nach fast zwanzig Jahren können sie auch einige Alben vorweisen, die letzten drei auch über relativ grosse Labels. Die ersten beiden Tracks sind solide, machen auch Bock auf ein Konzert. Richtig gut wird dann aber ‘Become The Wolf’, und das nicht nur wegen dem gedrosselten Tempo. Nein, der Riff wie auch der Refrain kombinieren den rockigen Ursprung der Musik mit klirrenden Gitarren und Blastbeats, super. Bei ‘I See, I Become’ überrascht der Sänger mit stellenweise Deutschen Texten, während die disharmonischen Gitarren leider nicht einfach im Ohr bleiben. Genauso hält es ‘Seeker Of All’, das mit Breaks und Rhythmenwechsel ziemlich vertrackt wirkt. Auch bei ‘Carrier Of Black Holes’ geben sich die Portugiesen aussergewöhnlich progressiv, was an sich nicht verkehrt ist, aber halt auch nicht hängen bleibt. Und dies ist leider über das ganze Album gesehen die grösste Schwäche: Trotz aller Abwechslung, die man zu Hören kriegt, ein wirklicher Grund zum erneuten Auflegen finde ich leider nicht. Wohlgemerkt, die Lieder gefallen. Aber als Album hat es zu wenig Wiedererkennungswert.
Tristan   
Punkte:
7.0 von 10
THE SONIC DAWN - Into the Long Night
HeavyPsych Sounds
Das Trio aus Copenhagen hat sich ganz dem psychedelischen Rock verschrieben, wobei es nicht davor zurückschreckt, selbst Elemente aus dem Jazz oder gar aus der Surfmusik der frühen Surfmusik einzubauen ("As Of Lately"). Überhaupt trifft auf diesem Rundling so manches zusammen, was in den Sechzigern und beginnenden Siebzigern den braven Eltern den Angstschweiss auf die blasse Stirn trieb und sie in ein Wechselbad der Gefühle zwischen Verzweiflung, Unverständnis und Empörung stiess. Mal findet man ganz kurz Hendrix toll, dann erinnert man sich an akustische Led Zeppelin-Eskapaden und gleichzeitig erklärt man der Welt, dass "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" von den Beatles immer noch wegweisend ist, und über den Stellenwert von The Doors wird schon gar nicht erst diskutiert ("Summer Voyage"). In "L'Espion" lehnen sich die drei sogar dermassen weit zum Fenster hinaus, dass sie einen waschechten, beschwingten Soundtrack zu einem klassischen Film Noir der französischen Sechzigerjahre abliefern. Natürlich hat das Ganze in seiner sehr entspannten Machart mit Metal oder Hard Rock absolut nichts zu tun, aber irgendwie wirken die neun Songs in ihren knappen 36 Minuten wirklich erfrischend. Wahrscheinlich liegt es an der sehr kompetenten, leichtfüssigen Umsetzung und der enormen Vielseitigkeit. Hier wird einem die kunterbunte Traumwelt der Hippie-Bewegung wieder einmal sehr deutlich und in all ihren Facetten vorgeführt, zu dieser Musik kann man wunderbar entspannen und bleibt dabei dennoch hellwach, weil zum Einschlafen einfach zu viel passiert. "Into the Long Night" ist definitiv nix für Headbanger, aber wer es hin und wieder etwas ruhiger und fröhlicher mag, ist mit dieser Scheibe gut beraten.
Mirko B.   
Punkte:
7.0 von 10
GIÖBIA - Magnifier (Re-Release)
HeavyPsych Sounds
"Magnifier" ist die vierte, ursprünglich im September 2015 über das deutsche Label Sulatron Records erschienene Veröffentlichung der Psychedelic-Rocker aus Mailand. Nun veröffentlicht Heavy Psych Sounds Records dieses kleine Juwel für Psychedelic/Space Rock-Freaks neu gemastert und um einen Coversong ergänzt ("Magic Potion" von den Londonern The Open Mind) neu. Bei dieser Band sind die drogengeschwängerten Sixties wirklich omnipräsent, sei es musikalisch, auf das Artwork bezogen und nicht zuletzt auch bezüglich der schon fast in Vergessenheit geratenen Selbsteinordnung der Band, welche als Genre Acid Rock angibt. Im Zentrum der acht Tracks steht dabei immer der Gesamtsound, oft vernimmt man die Vocals von Sänger/Gitarrist Stefano Bazu Basurto nur noch ganz leise im Hintergrund, gerne auch verzerrt oder verfremdet, lediglich als weiteren Klang inmitten all der wabernden Gitarren, Synthesizern, Sitars und sonstigen Instrumenten. Überhaupt greift das Quartett soundtechnisch in die Vollen. Von verträumten Klanglandschaften über genretypisches Space Rock-Gefiepe, Krautrock-Reminiszenzen und schwelgerischem Shoegaze-Sound bis hin zu Fuzz und Big Muff-Kanonaden ist wirklich alles dabei. Magnus Opus des Albums ist ganz klar der fünfzehnminütige LSD-Trip "Sun Spectre", der unweigerlich an die sehr experimentierfreudigen Pink Floyd der ausgehenden Sechziger angelehnt ist. Das Ding ist hypnotisch bis zum Abwinken, wenn man sich voll und ganz darauf konzentriert, fängt man selbst im topnüchternen Zustand an Dinge zu sehen, die real gar nicht da sind, ein Rausch ganz ohne Reue und Nebenwirkungen. Innerhalb der auserwählten Nische geniessen Giöbia zu Recht einen sehr guten Ruf, und "Magnifier" hat diesen vor anderthalb Jahren ein weiteres Mal verfestigt. Wären wir auf Space Rock und Heavy Psych spezialisiert, hätte es von mir dafür satte neun Punkte gegeben, aber das Leben funktioniert nun mal nicht im Konjunktiv.
Mirko B.    
Punkte: keine Wertung
DOUBLESTONE - Devils Own / Djævlens Egn
Ripple Music
Doublestone ist ein Retro/Stoner Rock-Trio aus Dänemark, das mit "Devils Own / Djævlens Egn" das zweite Pferd ins Rennen schickt. Die teils in Englisch, teils in Dänisch gesungenen Nummern erwecken zunächst den Eindruck, sie seien allzu simpel gestrickt und hier versuche eine Band fieberhaft, aber vergeblich, deklarierten Faves wie u.a. Kadavar, Horisont, Mos Generator, Black Sabbath oder Devil nachzueifern. Beim genaueren Hinhören erweisen sich die Tracks dann aber doch noch als wertige Retro Rock-Nummern, in denen weit mehr steckt, als es zunächst den Anschein macht. "Man On The Hill" ist so ein Beispiel, da wiederholt man immer das gleiche Riff, was nach ein paar Minuten wirklich einfallslos wirkt, in der zweiten Hälfte nimmt der Track dann plötzlich die nicht mehr erwartete Fahrt an, so bringt man Spannung ins Spiel. Ähnlich verhält es sich mit "Djævlens Egn", da versuchen sie sich zunächst am typischen Trübsal-Sound von Uncle Acid And The Dead Beats, geben dem Song in der zweiten Hälfte aber doch noch eine schwungvolle Kehrtwende. Egal, ob in der Vorgehensweise oder in der Melodieführung, da haben Black Sabbath ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Dasselbe gilt für den angenehm warmen, organischen Sound, bei dem offensichtlich weitgehend oder vielleicht sogar vollkommen auf Overdubs verzichtet worden ist. Das verleiht dem Ganzen jenes authentische Live-Feeling, welches für die Outputs aus dieser Szene unabdingbar ist. Die urwüchsige Energie von Berlins Finest Kadavar erreichen sie zwar nicht, aber diese Scheibe ist für Fans von doomig angehauchtem Retro/Stoner Rock allemal empfehlenswert, da kann man seine sauer verdienten Kröten weitaus dümmer ausgeben.
Mirko B.   
Punkte:
7.0 von 10
TODAY IS THE DAY – Temple Of The Morning Star
The End Records
Interessant, echt interessant – normalerweise würde ich mir aus dem, was Today Is The Day kreieren, nicht viel machen und vermutlich mit Schwung in die Tonne namens undefinierbarer Krach schmeissen. Aber irgendwie fasziniert mich diese Soundcollage, ich kann nicht einmal genau sagen, wieso. Ist es der Gesang, welcher mehr ein seltsames, hohes Schreien im Hintergrund ist? Die hektischen Gitarren und eher wirren Schlagzeugparts? Das Einfügen von Schnipseln aus Filmen? Dass ich nicht weiss, was als nächstes kommt? Und vor allem, wie es kommt? Ich kann es beim besten Willen nicht sagen – was ich aber hier niederschreiben kann, ist: Today Is The Day machen eine Art experimenteller Musik, welche definitiv NICHT für jedermann/jedefrau geeignet ist. Man muss sich auf diese verdreht wirkende Art der Musik einlassen können, vermutlich am besten mit bewusstseinserweiternden Substanzen (hab ich jetzt nicht getestet, ich kann mir aber vorstellen, dass es hilft). Hier trifft Ambient auf Metal auf Core auf Indie auf Industrial auf Post auf wasweissich. Wie gesagt: Gewohnte Strukturen trifft man hier so gut wie gar nicht an. Am besten, man schmeisst alle Erwartungen über Bord und versucht, so unvoreingenommen an die Sache heranzugehen, wie möglich – dann kann man auch Struktur im Chaos erkennen.
Toby S.   
Punkte:
7.0 von 10
MASTERCASTLE - Wine Of Heaven
Scarlet Records
Das 6. Studioalbum der Italienischen Band Mastercastle klingt vielversprechend, macht Freude während dem Hören und geht danach in die Vergessenheit. Ansprechende Melodien und eine angenehme Gesamtatmosphäre machen diese Scheibe aus. Die 41 Minuten sind recht langatmig, und obschon die Riffs sofort ins Ohr fallen, erinnert man sich nach dem Hören höchstens an den Titelsong, welcher ein Wenig heraussticht. Schade, dass die Band das grosse Potential nicht ausschöpft. Alles wurde absolut richtig gemacht, aber das Resultat ist kurzlebig. Dennoch verdient das Album aufgrund der guten musikalischen Leistung ein Lob.
Monika M.   
Punkte:
7.0 von 10
CRYPT ROT - Embryonic Devils
Southern Lord
Ho, ho, ho, was kommt denn da von der Gruft uns raufgeschossen? Der 5er aus Ashtabula, Ohio, schenkt uns reinen powervollen Black-/Death-Metal ein. Mit ihrem 10-Song Debut und einem recht gelungenen Cover-Artwork zeigen sie uns den Weg zur nächsten Gruft, will sagen, da wird gedeathted, geblacked, gethrashed, gespeeeded, gepunked und einfach mal volles Röähr. Old School sozusagen komibiniert mit heutiger Technik, passt diesmal sehr gut, sogar. Zeitweise erinnert es mich an alte Venom-, Carnage-, Dissection- und Bathory-Tage, dennoch sind Cryp Rot sehr eigenständig. Ryan (Vocals & Guitars), Joe (Guitars), Matt (Drums) und Aaron (Bass) jagen die schwarzen Töne quer durch Deine Gehirngänge, kombinieren gekonnt thrashige, NWOBHM-Einflüsse, punkige, grindcorige Elemente mit Old School Death- & Black-Metal. Da wird gescreamt, gegrowlt, gedoublebasst, gethrashed, gedeathed, geblacked was das Zeug hält, aber auch Melodien und Harmonien finden den Weg in die Songs, speziell in den Gitarrensoli, Unisono-Gitarrenparts, aber auch in den breakigen Elementen, wo sie die Songs mit überraschenden Effekten auflockern, mit eingespielten, gesprochenen Parts sowie düsteren, Horrorfilm ähnliche Elementen einstreuen. Freunde genannter Stilrichtungen kommen voll auf ihre Kosten, aber wie immer, antesten und reinhören lohnt sich immer. Die Gruft ist geschlossen, das Debutalbum ist gelungen.
Leopold   
Punkte:
7.0 von 10
WIND ROSE - Stonehymn
Inner Wound Recordings
Das dritte Album der italienischen Folk/Power-Metaller Wind Rose klingt genauso, wie eine Band dieses Genre klingen sollte: episch, flötig, treibend und doch tanzbar. Wind Rose machen hier vieles Richtig, werden wohl aber an der unübersichtlichen Zahl an ähnlich klingender Konkurrenz scheitern. Denn trotz der vorhandenen Klasse schaffen es die Italiener nicht, ihrer Vision den entscheidenden Kick zu verleihen. Wenn das Quartett auf der Bühne dann noch auf massig Playback-Geräusche setzt, hat die Band bei mir endgültig verloren. Gerade live wäre der Ort, wo die acht Lieder und das Intro zünden müssten. Dazu fehlen aber trotz der Soundtrack-artigen Lieder die grossen Refrains und Melodien. Zur Unterstützung bräuchte es bewegte Bilder - und die sind teuer. Auf CD entstehen zumindest Vorstellungen von langen Reisen und 'Herr der Ringe-Welten'. Wie es noch besser geht, machen Blind Guardian vor, wobei im Direktvergleich Wind Rose den Folkfaktor hoch- und den Thrash Metal runterfahren. Freunde der folkigen Film/Heavy Metal-Musik könnten in Wind Rose ihren Underground-Soundtrack finden. Alle anderen dürften ihr Urteil bei einem Konzert von Wind Rose bilden und sich dann endgültig für oder gegen den Kauf von "Stonehymn" entscheiden.
Roger W.   
Punkte:
7.0 von 10
1476 – Our Seasons Draw Near
Prophecy Procutions
Das Duo stammt von der Küste Neu Englands und hat es sich zum Ziel gesetzt, mit seiner Musik die schroffe und mystische Natur seiner Heimat einzufangen. Diesmal haben sich 1476 vom Winter inspirieren lassen – Musik mal rau wie ein peitschender Wintersturm, mal ruhig und leise wie sanfter Schneefall. Doch es geht dabei auch um die innere Kälte, die manche mit sich herum tragen… Melancholische Melodien und düstere Atmosphäre prägen das Klangbild. Musikalisch bewegen sie sich irgendwo zischen Art Rock, Neofolk und Progressive Rock. Erst letztes Jahr hat die Band ihr Album “Wildwood“ als Re-Release herausgegeben. Im Gegensatz zum Vorgänger ist die Klangqualität hier deutlich klarer und die Kompositionen wirken allgemein strukturierter und kontrastreicher. Der Fokus liegt diesmal deutlich stärker auf der melancholischen Schiene, wobei auch ein paar überraschend harte Momente mit dabei sind - wie zum Beispiel bei “Ettins“, das in vergleichsweise fast schon brutaler Post-Black-Metal Manier daher kommt. Die Stimmungen, die dieses Album kreiert, sind so wechselhaft wie das Wetter selbst und doch ähneln sich die einzelnen Tracks doch sehr… Fazit: Wer auf progressiven Avantgarde Metal mit melancholischer Atmosphäre steht, der kommt hier voll auf seine Kosten. Mir persönlich fehlen hier die Höhen und Tiefen - das Ganze wirkt ein wenig zu glatt, auch wenn das Album ein paar schöne Momente bietet.
Patricia H.    
Punkte:
7.0 von 10
HELL OR HIGHWATER – Vista
Spinefarm Records
Alternative/Grunge/Stoner/Modern Rock aus den Staaten – kennt man, liebt oder hasst man. Verkauft sich in der Regel gut, weil die Chose allgemein eher seicht und radiotauglich gehalten ist. Dies ist im Falle von Hell Or Highwater nicht viel anders: Die Amis produzieren eben genannte Mucke, allerdings mit einem kleinen Haken: Sie haben immer wieder Tracks, die härter durch die Botanik pflügen („Colors“, „Don’t Stop. Get Up.“, „I Want It All“) und einen Sänger, der über ein echt geiles Reibeisenorgan verfügt – sofern er es denn auspackt. Wenn, dann klingt es einfach Hammer – da wünscht man sich einfach noch einen Zacken mehr an Härte seitens der Instrumentalfraktion, und ich persönlich wäre verdammt glücklich. Leider ist das Leben kein Wunschkonzert, und so nimmt man, was eben so kommt – im Falle von „Vista“ ist dies Folgendes: Gute bis sehr gute Rocksongs, ein Sänger, der stellenweise ein wirklich geiles Organ zum besten gibt, teilweise eher zu modern wirkende Einschübe („Revolution“). Ich kann diese Scheibe nicht absolut empfehlen, aber sie ist zu gut, um sie einfach in die Tonne zu treten. Deshalb: Wer Rockmusik im teilweise eher seichteren Gebiet mag und teilweise dennoch derber abrocken möchte, der sollte sich Hell Or Highwater einfach mal antun. Wer es aber generell derber und ungeschliffener mag, der sollte sich vielleicht eher Blessed Hellride oder Gloomball antun.
Toby S.   
Punkte:
7.0 von 10
BJÖRN RIIS – Forever Comes To An End
Karisma Records
Der Airbag-Mitbegründer und Gitarrist Bjørn Riis steht mit seinem zweiten Soloalbum am Start. Dessen Titel macht deutlich, dass in thematischer Hinsicht alles beim Alten geblieben ist und in den Kompositionen somit vorwiegend die Schattenseiten der Existenz Einzug finden. Umso überraschender dürfte der ungewohnt rasante Einstieg sein - da hat Björn Riis doch tatsächlich den Distortion-Schalter erwischt. Darunter mischt sich bald schon der leicht zerbrechliche Gesang des norwegischen Sängers Sichelle Mcmeo Aksum. Mit dem Einsatz des Pianos, der gut hörbaren Basslinien und der Sologitarre läuft Björn Riis im Heimathafen ein und verlässt diesen so schnell auch nicht wieder. Sanft fliessen die Songs vor sich hin und steigern sich zwischendurch zu kleinen Feuerwerken. Eine kleine Dreckschleuder feuert dazwischen auch mal ein etwas härteres Riff in die Szenerie und sorgt damit für willkommene Farbtupfer. Dem 10-Minüter 'Winter' stehen diese besonders gut. Dass er mit seinem Gitarrenspiel auf den Spuren von Tommi Iommi, Zakk Wylde, Steven Rothery und David Gilmour wandelt, versucht Björn Riis keinesfalls zu verheimlichen - es ist sein Markenzeichen und dies setzt er auf "Forever Comes to an End" einmal mehr gekonnt in Szene.
Patricia L.   
Punkte:
7.0 von 10
IDES Of GEMINI - Women
Rise Above Records
Kauzig waren die Amis Ides Of Gemini schon immer, daran ändert auch ihr Drittwerk nichts, obschon es um ein kleines Bisschen mehr Eingängigkeit bemüht ist. "Women", der Titel deutet es schon an, beschäftigt sich textlich ausschliesslich mit Frauen, egal ob reale oder mystische. Die zehn doomig angeschwärzten Tracks kommen zäh daher und erinnern in ihrer unkonventionellen Machart oft eher an rituelle Beschwörungen als an eigentliche Songs, was vor allem dem schon fast schamanischen Gesang von Frontfrau Sera Timms zu danken ist. Dieser Umstand rückt die Band eher in die Nähe des Dark Wave als des klassischen Dooms, da ändert auch die wirklich simple Gitarrenarbeit von Bandleader Jason Bennett nichts daran, der kontemplative Gesang und das perkussive Spiel von Drummer Scott Batiste sind in ihrer Dominanz absolut richtungsweisend. Wenn an anderer Stelle ein schreibender Kollege bemerkt, Ides Of Gemini erinnerten eher an Siouxie And The Banshees als an Black Sabbath, dann kann ich dem nur beipflichten. Der durchgehend melancholische Unterbau der Songs erzielt, gepaart mit dem schmerzerfüllten Klagegesang, die anvisierte Wirkung, "Women" ist hypnotischer, psychedelischer Doom Rock, ein fernab jeglicher Anbiederungen vertontes Stammesritual, irgendwie faszinierend aber zugleich sehr zäh, gedehnt und schwer verdaulich.
Mirko B.   
Punkte:
6.9 von 10
GALLEY BEGGAR - Heathen Hymns
Rise Above Records
Manchmal muss man auf das Ausschlussverfahren zurückgreifen, um eine Band einigermassen musikalisch einordnen zu können, und sei es nur in groben Zügen. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass das britische Sextett den wenigsten von euch ein Begriff sein wird, denn trotz der gemeinsamen Thematik spielen sie definitiv keinen Pagan Metal. Für lupenreine Folk Music sind sie andererseits wieder zu elektrisch, da kann auch der noch so fleissige Einsatz diverser akustischer Instrumente nicht darüber hinwegtäuschen. Und das Etikett Folk Rock, das sie sich in der Not selber aufgeklebt haben, beschreibt auch wieder nur eine von vielen Facetten, welche die Band charakterisieren, denn dazu sind die Ausflüge in psychedelische und dem Art Rock nahestehende Gefilde einfach zu vorherrschend. Vielleicht trifft es den Nagel am ehesten auf den Kopf, wenn ich mit der gebotenen Vorsicht behaupte, dass sich Galley Beggar an den keltisch-akustischen Eskapaden von Led Zeppelin oder aber auch an ruhigeren Cream-Nummern orientieren und dabei noch andere Einflüsse wie beispielsweise Camel oder Jethro Tull mit einfliessen lassen. Damit wäre auch schon mal klargestellt, dass sich die Band hart an der Grenze zur MetalFactory-Kompatibilität bewegt, denn trotz des vielversprechenden Albumtitels regt hier nichts zu Feiern und Headbangen an. Vielmehr geht es der Truppe darum, in ihren Songs Geschichten zu erzählen und den Zuhörer zum Träumen und Nachdenken gleichermassen zu animieren. Alles in allem eine ziemlich feine Sache, allerdings nur für Zeitgenossen, die es auch mal ausufernd meditativ und laid back mögen, denn energetische Ausbrüche sucht man auf "Heathen Hymns" vergeblich.
Mirko B.
  
Punkte:
6.8 von 10
ANGRY WHITE ELEPHANT - Vs. The Wooden Cobra
Woodhouse Records
Wer Limp Bizkit gut fand und auch ansonsten Nu Metal zugetan ist, der darf hierbei getrost die Ohren spitzen, denn aus dem totgeglaubten Genre erhebt sich mit Angry White Elephant eine neue Band, die im April ihr Debutalbum "vs. The Wooden Cobra" raushaut. Die ganze Aufmachung des Albums erinnert schwer an ihre Musikerkollegen aus den Staaten, aber weit gefehlt. Angry White Elephant kommen aus Deutschland. Ihr Mix aus Metal und Hip Hop klingt irgendwie frisch und dennoch kennt man das Grundgerüst des Sounds aus frühen Tagen. Tiefer gestimmte Gitarren leiten durch die Songs, die immer wieder durch Turntable-Eskapaden und Rap-Lyrics unterbrochen werden. Stimmlich bewegt sich Sänger Christian Jesse irgendwo zwischen Mike Muir von Suicidal Tendencies und Zack de la Rocha von Rage Against The Machine, wenn er nicht gerade wütende Growls einstreut. Wenn es um Scratch-Einlagen geht, so kennt man im Hause Angry White Elephant kaum Zurückhaltung. Dem Plattenteller wird über die 13 Songs einiges abverlangt, ebenso der für meinen Geschmack viel zu hoch scheppernden Snare-Drum, die mit der Zeit doch ganz schön die Nerven strapaziert. Man erinnere sich an dieser Stelle an Dog Eat Dog's "All Boro Kings", wobei ich mir nicht anmassen würde, beide Bands in denselben Topf zu schmeissen. Bei ihren Texten verzichten Angry White Elephant auf versteckte oder unterschwellige Statements, sondern packen das Übel direkt an der Wurzel. Kritik an der Gesellschaft und die Gier nach immer mehr sind nur einige Themen, die die Dortmunder aufgreifen. Alles in allem ist "vs. The Wooden Cobra" ein Album, das klassischen Nu Metal gut mit dem eigenen Stil vereint. Das Ergebnis kann sich hören lassen, besticht aber nicht durch musikalische Innovation oder Raffinesse.
Oliver H.
Punkte: 6.8 von 10
PEACE OF MIND - MMXVI (Compilation)
Dead Serious Records
Das Hardcore-Quartett aus Südthüringen macht diesen Frühling wieder von sich reden. Seit ihrer Gründung 2015 geht es für Peace Of Mind kontinuierlich aufwärts. Nicht nur Talent, sondern auch eine gesunde Arbeitsmoral, Zeit und Herzblut steckt in dem Projekt. Ihr Album "MMXVI" vereint die beiden EP-Veröffentlichungen und ist ausserdem erstmals auf CD zu haben. Die Truppe ist durch und durch auf Krawall gebürstet und spielt Hardcore im Stile von neueren Bands wie Expire, Backtrack oder Trapped Under Ice. Bloss kopieren reicht den Jungs aber nicht, und sie mischen zusätzliche Elemente aus dem Beatdown und Metal hinzu. Anspieltipp des Albums ist mit Sicherheit der Song "My Pending Decay", der wirklich alles mitbringt, was ein guter Hardcore-Track mitbringen sollte: ein Text, der leicht mitzusingen ist, fette Breaks und eine Melodie, die schnell ins Ohr geht. Das vorliegende Werk wirkt durchdacht und ist für ein Hardcore-Album doch recht abwechslungsreich ausgefallen. "MMXVI" ist insgesamt eine powergeladene Scheibe, die für Anhänger und Neulinge dieses Genres gleichwohl zu empfehlen ist. Peace Of Mind sind Hardcore mit Mosh-Garantie!
Oliver H.    
Punkte: keine Wertung
DANZIG - Black Laden Crown
AFM Records/Musikvertrieb
Ich muss zugeben, dass Danzig nach "How the Gods Kill" völlig von meinem Radar verschwunden sind, wir sprechen hiermit immerhin von einem Vierteljahrhundert völliger Schinkengott-Abstinenz. "Danzig 4" hatte mich damals mit seiner experimentellen Ausrichtung hin zu Industrial-Klängen alles andere als überzeugt, und die daraufhin drastisch eingebrochenen Verkaufszahlen auch späterer Releases zeigen mir heute noch, dass ich mit dieser Meinung wohl nicht ganz alleine da stand. Nun meldet sich die Band sieben Jahre nach dem letzten regulären Studioalbum "Deth Red Sabaoth" zurück, und ich merke sehr schnell, dass ich da wohl nichts verpasst habe. Beim eröffnenden Trauermarsch "Black Laden Crown" schläft mir schon mal das Gesicht ein, und das darauf folgende "Eyes Ripping Fire" vermag es auch nicht, mich wieder zu wecken. Erst beim dritten Track "Devil On Hwy 9" werde ich dann endlich langsam aus meiner Lethargie gerissen, doch danach stelle ich ernüchtert fest, dass sich schlussendlich alles irgendwie wiederholt. Die Riffs, die Gesangslinien, die Phrasierung, alles schon mehrfach gehört, die Tracks unterscheiden sich wirklich nur marginal voneinander. Abgesehen von ein paar wenigen Lichtblicken ("Devil On Hwy 9", "But A Nighmare"), und selbst die sind nicht unbedingt gleissend hell, ist nicht wirklich viel Weltbewegendes auf diesem Album. Und dafür hat der gute Glenn satte sieben Jahre gebraucht, zumal er mit Joey Castillo (Queens Of The Stone Age), Johnny Kelly (Ex-Type O Negative), Dirk Verbeuren (Megadeth) und Karl 'Rockfist' Rosqvist gleich vier namhafte Drummer im Studio - und mit Tommy Victor (Gitarre, Prong) einen weiteren treuen und fähigen Begleiter an seiner Seite hatte. Ach ja, Victor hat zugleich auch den Bass eingespielt, nur schade hört man ihn nicht. Da hatte ich definitiv mehr erwartet. Irgendwie erinnert mich diese Scheibe an die Tiefpunkte von Black Sabbath, sprich "Never Say Die" und "Forbidden", also relativ uninspiriert, krampfhaft bemüht und dünn produziert. Ich will ja nicht unnötig schwarzmalen, aber sollte ich noch so lange leben, stehen mir wohl die nächsten 25 Danzig-freien Jahre bevor. "Black Laden Crown" bleibt somit wie die allermeisten Releases zuvor eine Veröffentlichung nur für eingefleischte Fans und Komplettisten.
Mirko B. 

Punkte: 6.6 von 10
SPOIL ENGINE - Stormsleeper
Arising Empire/Warner
Das zunächst interessant klingende 4. Studioalbum der belgischen Truppe enttäuscht leider mit jeder Minute mehr. Obschon die Songstrukturen und Instrumentals Stärke aufweisen, schaffen sie es nicht, mich zu überzeugen. Die Vocals helfen leider nicht darin, das Geamtbild zu verbessern. Es kommt mit vor, als hätte die Gruppe wahllos Ideen zusammegewürfelt und hoffnungslos versucht, grosse Vertreter des Melodic Death Metal Genres nachzuahmen. Bis auf etwa drei Lieder, die wirklich nett zu Hören sind, ist das Album nach einem Hördurchlauf zum Glück wieder in Vergessenheit geraten. Bestimmt werden sich viele Fans finden, denn Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Ich persönlich kann mich nicht als Fan dieses Albums zählen. Pluspunkte gibt es für gut überlegte Ansätze.
Monika M. 

Punkte: 6.5 von 10
TOXPACK - Schall und Rauch
Napalm Records/Universal
Wer seinen Deutsch/Punk/Heavy Metal-Mix gerne mit prolligen Texten gewürzt hat, ist mit dem achten Album der Berliner Toxpack gut bedient. Eingängig und innerhalb des Szeneuniversums abwechslungsreich rocken sich die fünf Jungs durch die 15 Lieder. Das klingt durchaus gut, besitzt Atmosphäre und eine gewaltige Stinkefinger-Attitüde. Diese darf die Band nun auch gegen mich ausleben. Denn die musikalische Klasse, die sehr deutlich beim Instrumental "Profectio" gelebt wird und auch sonst immer durchschimmert, wird durch die Texte langweilig gemacht. Irgendwann weiss ich einfach, dass Toxpack krasse Kerle sind, die nur auf sich selber hören. Klar soll das autobiographisch sein. Aber irgendwann sollte dieser Selbstfindungsprozess auch mal abgeschlossen sein. Wie es anders geht, zeigen Toxpack gleich selber mit "In Trümmern". Hier prangern sie die Kriege unserer Oberschicht an. Auch Schade, dass sie sich teilweise textlich bei ihren Vorbildern bedienen und einzelne Zeilen annähernd kopieren. Bleibt zu hoffen, dass das bei diesem achten Album unbewusst gemacht wurde. "Schall und Rauch" ist nicht schlecht, verliert aber mit zunehmender Laufdauer an Schlagkraft. Hier wäre weniger wohl mehr gewesen. Wer Toxpack kennt, wird dieses Album sowieso kaufen. Deutschrocker können ein Ohr riskieren, während Neulinge besser auf die bekannten Szeneprimusse zurückgreifen. Bei denen klingt die gleiche Liedfomel doch noch ein Zacken knackiger.
Roger W.   
Punkte: 6.5 von 10
DØDSENGEL - Interequinox
Debemur Morti Productions
Na da rumpelt es aber ordentlich. Und neben dem fett produzierten, okkult studierten oder aber naturromantisch angehauchten Black Metal ist es zwischendurch wieder ganz erfrischend, die dumpfen, monotonen Blastbeats des Ursprungs zu hören. Und dies von einer Band, die gerade mal neun Jahre existiert. Die ersten vier Songs bestehen hauptsächlich aus repetitiven Gitarren und Blastbeats, was zusammen mit dem Gesang irgendwie zu Liedern verschmilzt. Wirklich überraschen tun dann aber die sphärischen Klänge bei ‘Emerald Earth’, wo die Gitarre fast schon psychedelische Ansätze zeigt und der Sänger sich auch mit klarem Gesang versucht. Wobei das Ergebnis nach einer kuriosen Variante King Diamond klingt. Ähnliches kann man von ‘Illusions’ und ‘Palindrome’sagen, wenngleich der Gesang hier leider fehlt. Und auch bei ‘Panphage’ sowie ‘Rubido’ überzeugt die Band mit Individualität. Schade, dass sich das nicht durchsetzen kann, denn am Schluss bleiben interessante Ideen, die einem halt nicht umhauen.
Tristan 
Punkte: 6.0 von 10
DAYS OF JUPITER - New Awakening
Metalville/Musikvertrieb
Da posaunt das Infoblatt wiedermal von der nächsten megagrossen Superband. Okay, die Schweden von Days Of Jupiter spielen mit ihrem dritten Album einen interessanten Sound, der irgendwo zwischen Treat, WET und moderneren Truppen liegt. Sprich für die Traditionalisten zu modern und für die Leute, welche jedem Trend hinterherjagen, zu altbacken. Somit setzen sich die Herren zwischen sämtliche Stühle und Bänke. Erneut sind Janne Hilli (Gesang), Jörgen Hellström (Gitarre), Marcus Lindman (Gitarre), Janne Karlsson (Bass) und Magnus Larsson (Schlagzeug) sehr gute Handwerker. Allerdings scheinen sie keine Architekten zu sein, also Leute, welche ein Konstrukt bauen, sprich tolle Songs schreiben. Es wird zwar alles mit viel Hingabe und teils auch Herzschmerz zelebriert, doch am Ende des Tages bleibt kaum was hängen. Da sind Eclipse oder One Desire einfach cleverer beim Songwriting. Also meine Herren, ab in den Proberaum und das einfache Einmaleins des Komponierens bei den grossen Bands abkupfern. Das hat noch niemandem geschadet.
Tinu   
Punkte: 5.5 von 10
SHIBALBA – Psychostasis - Death of Khat
Agonia Records
Die Zweitband von Acherontas-Sänger und Gitarrist V. Priest veröffentlicht mit "Psychostasis - Death of Khat" ein weiteres, schwer verdauliches Werk. Wer ins Ritual einsteigen möchte, muss den Fokus nun voll auf das Erleben richten. Für die richtige Stimmung empfehlen Shibalba Mondlicht, Räucherstäbchen und Kopfhörer, welche alles drum herum abschotten. Mit Knochen und Schädeln, tibetischen Hörnern und Klangschalen, zeremoniellen Gongs, aus Horn und Knochen gefertigten Trompeten, schamanistischen Gesängen, sowie modernen Synthiesounds gestalten Shibalba die Klanglandschaft, welche das Unterbewusstsein des Individuums in Traumwelten einführen und in eine höhere Sphären geleiten soll. Geist und Seele sind nicht unvergänglich und werden beim Tod des Körpers (Khat) getrennt. Glaubt man der altägyptischen Tradition, wird das Herz des Verstorbenen beim Einzug in das Totenreich von den Göttern Thot und Anubis gewogen (Psychostasie). Wenn das Herz zu leicht ist, deutet dies die Unzulänglichkeit des Toten an, und es wird an die Totenfresserin Ammut verfüttert. Deshalb sollen wir den Körper als Gefäss nutzen, um im Hier und Jetzt spirituelle und intellektuelle Erleuchtung zu erlangen. Shibalba hilft. Bei der Produktion wurde der Fokus darauf gelegt, die Schwingungen der Natur-Instrumente möglichst präzise einzufangen, um das grösstmögliche Erleben zu garantieren. Auf der speziellen Vinyl-Version sollen diese nun besonders intensiv zu spüren sein. Ob sich einem dabei eine neue Dimension des Träumens eröffnet, muss jeder in einem empirischen Versuch herausfinden.
Patricia L.     
Punkte: 5.5 von 10
REPTIL – Throne Of Collapse
Razor Music
Na, was haben wir denn da? Klingt wie ein Bastard aus Marilyn Manson, Depeche Mode, Ministry und eventuell noch White Zombie – allerdings mit deutlich elektronischerer Schlagseite. Einen roten Faden kann man innerhalb der Songs kaum ausmachen, man mixt frisch fröhlich diverse Einflüsse zusammen, die mal besser, mal schlechter passen und dementsprechend das Gesamtbild beeinflussen. Ganz klar: Wer mit Industrial-ähnlichen Klängen nicht viel anzufangen weiss, der muss sich „Throne Of Collapse“ gar nicht erst antun. Wer aber auf düster-poppig-elektronische Sounds steht und sich gerne mal leichenblass geschminkt an die nächste Gruftie-Party wagt, der könnte mit diesen Klängen etwas anzufangen wissen. Für Genre-Freunde sicherlich empfehlenswert, mehr aber auch nicht.
Toby S.     
Punkte: 5.0 von 10
DIVE – Underneath
Out Of Line Music
13 Jahre ist es her seit dem letzten Lebenszeichen von Elektronik Pionier Dirk Ivens‘ Rhythm‘n‘Noise Projekt Dive. Der Belgier hat sich wie schon bei “Concrete Jungle“ Ivan Iusco mit ins Boot geholt und auch Rafael M. Espinosa vom Vorgänger “Behind The Sun“ ist wieder mit von der Partie. Entsprechend klingt der neue Silberling wie eine Mischung der beiden anderen Alben. Die Musik ist äusserst monoton und lebt und leidet von elektronisch verzerrten Klangteppichen, welche die Atmosphäre einer düsteren, kalten Maschinenwelt erwecken. Alles wird von einer Noise-Wolke überschattet, sodass sich die einzelnen, extrem minimalistisch gehaltenen Tracks kaum voneinander abheben und nahtlos ineinander übergehen. So fällt es auch schwer einzelne Highlights herauszupicken. Etwas aus dem Rahmen fallen das einigermassen melodiösere “Far Away“, das etwas leichtere “Let Me In“ oder das durchwegs brutale “Sacred Skin“. Die Musik hat irgendwie was Verstörendes an sich und geht tatsächlich unter die Haut – ein unangenehmes nervöses Wuseln wie bei Ameisen oder White Noise… Das war wohl auch das angestrebte Ziel!  Fazit: Wem die Vorgängeralben oder schlicht das Genre Rhythm‘n‘Noise im Generellen gefallen, der wird auch hier fündig werden. Für mich ist es schlicht zu minimalistisch, zu maschinell, zu elektronisch verzerrt und gefühlskalt – wobei ich mir sicher bin, dass genau das seine Anhänger in der Clubszene finden wird.
Patricia H.   
Punkte: 5.0 von 10
FERNDAL – Ferndal
Einheit Productions
Na da hat man aber mal grosse Worte in den Beipackzettel verpackt. Eine überladene Black Metal Szene, ja, ich sehe da gewisse Ansätze. Aber ganz ehrlich, wenn ich unter dem Aspekt Black Metal das Debüt der Deutschen anhöre, dann zählt selbiges zu den Gründen für diesen Überfluss. Ein Album wie das hier mit einem Corpus Christii oder Nightbringer zu vergleichen ist, als würde man Rosinen mit Pizza vergleichen. Nur weil man beides essen kann macht noch lange nicht beides satt. Pagan in Ansätzen, Neofolk oder was weiss ich wie man es nennen könnte, da sind die Harmonien und das Violoncello besser aufgehoben. Die Musik hat einen speziellen Anspruch an Ästhetik, daran ist nichts verkehrt. Für meinen Geschmack fehlt es dem Album aber an echten Emotionen, es klingt zu geplant und abgerundet, verzerrte Gitarren und Growls helfen da nicht. Und dann das ‚Klavierquintett in G-Moll-Arntor‘ mit den Melodien von Windir’s Arntor. Warum dieser verkopfte Titel, wen zur Hölle soll das interessieren? Bei ‚In die Freiheit‘ zieht ein Riff endlich an, aber dann folgt kurz darauf der typische Schunkelteil und spätestens beim Refrain landet die Hand auf der Stirn. Vorbei ist der Ansatz mit der einzigartigen Klangwelt (so wird die Platte beworben). Nein, nichts für mich, und leider kann ich auch nicht sagen wer die Zielgruppe hierfür wäre.
Tristan      
Punkte: 5.0 von 10
SARCASM – Within The Sphere Of Ethereal Minds
Dark Descent Records
Noch mehr Death Metal aus Schweden! Anders als bei Vampire kann ich hier mit der Gesamtpunktezahl nicht so hoch gehen, soviel sei vorab bereits verraten. Warum? Nun, Sarcasm zocken zwar auch old school-Death Metal, allerdings mit einem Sänger, der praktisch immer im gleichen Spektrum growlt. Keine Abwechslung, nichts, nada. Das wirkt sehr schnell sehr ermüdend. Da kann die Rhythmus- und Melodiefraktion noch so präzise sein oder sich um Abwechslung mittels eingeschobener Akustikparts bemühen – schlussendlich läuft’s immer auf dasselbe Scheme raus: Geprügel (mal schneller, mal ein wenig langsamer) und eben das sehr monotone Gegrowle. Fazit: Wer unbedingt alles aus der todesmetallischen Ecke haben muss, am besten mit dem Staub der Zeit versehen, der kann sich Sarcasm mal antun. Allen anderen empfehle ich: Sucht euch eine andere Band, die das Geld für eine Scheibe auch wirklich wert ist.
Toby S.      
Punkte: 4.5 von 10

DUST IN MIND – Oblivion
DarkTunes
Death Metal, vermischt mit Metalcore? Growls in Kombination mit weiblichen, cleanen Vocals? Kennt man doch von irgendwo her… Mir persönlich fällt da sehr spontan die Kiddie-Band Sonic Syndicate ein (gut, die Bassistin war damals mehr Blickfang als Sängerin, aber der Rest passt, da einer der Sänger auch gut in höhere Lagen kam). Anyway: Dust in Mind provozieren äh produzieren hier auf ihrem Zweitwerk „Oblivion“ eben obengenannte Mischung und hämmern prinzipiell immer drauflos wie die Bekloppten, mal abgesehen vom Track „Mrs Epilepsy“, der komplett in quasi Ambient-Sound gehalten ist und mit cleanen Vocals auskommt. Aber sonst: Modernes Geprügel mit viel Gegrowle/Gekeife, das meiner persönlichen Meinung nach einfach keinen wirklichen Anhaltspunkt bietet, um auf sich aufmerksam machen zu können. Wer aber auf genannte Sonic Syndicate und ähnliche Truppen steht, kann ja mal reinhören. Allen anderen empfehle ich, sich bessere Mucke zuzulegen.
Toby S.       
Punkte: 3.5 von 10
CD Reviews Archiv
Juli 2000  August 2000  September 2000  Oktober 2000
November 2000  Dezember 2000  Januar 2001  Februar 2001
März 2001  April 2001  Mai 2001  Juni 2001  Juli 2001  August 2001
September 2001  Oktober 2001  November 2001  Dezember 2001
Januar 2002  Februar 2002  März 2002  April 2002  Mai 2002
Juni 2002  Juli 2002  August 2002  September 2002  Oktober 2002
November 2002  Dezember 2002  Januar 2003  Februar 2003
März 2003  April 2003  Mai 2003  Juni 2003  Juli 2003  August 2003
September 2003  Oktober 2003  November 2003  Dezember 2003 
Januar 2004  Februar 2004  März 2004  April 2004  Mai 2004
Juni 2004  Juli 2004  August 2004 September 2004 Oktober 2004
November 2004  Dezember 2004  Januar 2005  Februar 2005
März 2005 April 2005 Mai 2005 Juni 2005  Juli 2005  August 2005
September 2005  Oktober 2005  November 2005  Dezember 2005
Januar 2006  Februar 2006  März 2006  April 2006  Mai 2006

Juni 2006  Juli 2006  August 2006  September 2006  Oktober 2006
November 2006  Dezember 2006  Januar 2007  Februar 2007
März 2007  April 2007  Mai 2007  Juni 2007  Juli 2007  August 2007
September 2007  Oktober 2007  November 2007  Dezember 2007
Januar 2008  Februar 2008  März 2008  April 2008  Mai 2008
Juni 2008  Juli 2008  August 2008  September 2008  Oktober 2008
November 2008  Dezember 2008  Januar 2009  Februar 2009
März 2009  April 2009  Mai 2009  Juni 2009  Juli 2009  August 2009
September 2009  Oktober 2009  November 2009  Dezember 2009
Januar 2010  Februar 2010  März 2010  April 2010  Mai 2010 
Juni 2010  Juli 2010  August 2010  September 2010  Oktober 2010

November 2010  Dezember 2010  Januar 2011  Februar 2011
März 2011  April 2011  Mai 2011  Juni 2011  Juli 2011  August 2011
September 2011  Oktober 2011  November 2011  Dezember 2011
Januar 2012  Februar 2012  März 2012  April 2012  Mai 2012  Juni 2012
Juli 2012  August 2012  September 2012  Oktober 2012  November 2012
Dezember 2012  Januar 2013  Februar 2013  März 2013  April 2013
Mai 2013  Juni 2013  Juli 2013  August 2013  September 2013 
Oktober 2013  November 2013  Dezember 2013  Januar 2014
Februar 2014  März 2014  April 2014 
Mai 2014  Juni 2014  Juli 2014

August 2014  September 2014  Oktober 2014  November 2014
Dezember 2014  Januar 2015  Februar 2015  März 2015  April 2015

Mai 2015  Juni 2015  Juli 2015  August 2015  September 2015
Oktober 2015  November 2015  Dezember 2015  Januar 2016
Februar 2016  März 2016  April 2016  Mai 2016  Juni 2016  Juli 2016
August 2016  September 2016  Oktober 2016 November 2016
Dezember 2016  Januar 2017  Februar 2017  März 2017  April 2017