Livereview: Doro - Seven

27. November 2012, Pratteln - Z7
By Rockslave
Es war doch gefühlt gar noch nicht so lange her, seit die unangefochtene Metal Queen Doro Pesch ihr 25-jähriges Jubiläum feiern konnte. Freunde..., das war 2008 und das heisst, dass nächstes Jahr schon die dritte Dekade anbricht! Die Zeit rast wie im Fluge dahin und wir werden älter und älter. Was die Energie, Ausdauer und bedingungslose Zuneigung zu ihren Fans angeht, so spürt man bei der blonden Power-Frau allerdings noch keine Ermüdungserscheinungen. Zumindest nicht für die Zeit, wo die aktive Düsseldorferin auf der Bühne steht und nach wie vor alles gibt, selbst wenn sie angeschlagen ist. Ein Konzert wegen einem "ein bisschen" rauen Hals absagen, kommt nicht in Frage. Die Fans gehen Doro seit je her über alles und das wird entsprechend auch erwidert. Die Besuche im Z7 waren in den letzten Jahren konstant und meistens auch von neuen Alben begleitet. So auch dieses Jahr, wo man das neue Werk «Raise Your Fist» mit im Gepäck hatte. Der frische Deal mit Nuclear Blast beflügelte offenbar das Songwriting, da die aktuelle CD klar besser ist als die letzten zwei. Live ist Doro aber immer noch eine Bank und die diesjährige Setliste wiederum ein fetter Leckerbissen. Seit mein Fave «Fight For Rock» wieder live gespielt wird, sowieso. Als Support spielte die Band Seven aus Tschechien auf, die, obwohl auch aus der Nuclear Blast-Familie stammend, jedoch mehr Schatten als Licht verbreitete.

Seven
Einzig Gitarrist Honza Kirk Běhunek ist noch ein verbliebener Ur-Member von Seven, die ganz früher mal Blue Angels und vor dem aktuellen Namen kurz auch Johnny Brand hiessen. 1995 gegründet, wurden seither schon ein paar Alben veröffentlicht (darunter auch ein instru-mentales, eigentlich sogar deren zwei) und 2004 steuerte eine gewisse Doro Pesch (aha!) zu zwei Songs ihre Vocals bei. All das, vor allem bedingt durch ein instabiles Lineup, führte dennoch dazu, dass die Tschechen, zumindest in unseren Breiten-graden, bisher kaum bis gar nicht wahr genommen wurden. In der Zwischenzeit lernten die Jungs den Rage-Klampfer Victor Smolski kennen und schätzen. Dieser legte dann letztes Jahr als Produzent Hand an die aktuelle Scheibe «Freedom Call» und das dürfte letztlich wohl auch den Weg in den Blast-Stall geebnet haben. Freilich wird es nicht nur das gewesen sein. Vielmehr dürfte die Qualität der Songs den Ausschlag dafür gegeben haben. Davon sah und hörte ich beim ersten Auftritt im Z7 allerdings nicht wirklich viel. Die ganze Chose kam insgesamt viel zu gleichförmig, ja mitunter blutleer daher und litt auch ein wenig am Stageacting wie der Optik. Während Sänger LukᚠPísarík zwar fortwährend in Bewegung war, stimmlich aber keine Akzente setzen konnte, machte Mainman Běhunek, der (vom Aussehen her) irgendwie an eine Mischung aus Tom Araya (Slayer) und Chuck Billy (Testament) erinnerte, klar die beste Figur. Geradezu einschläfernd wirkte dagegen Bassist Thomas Kuchta und der altermässig jüngere Drummer LukᚠKuneš machte soweit seinen Job, passte optisch aber überhaupt nicht zum Rest der Truppe. Natürlich soll man eine Performance vornehmlich nicht am Äusseren fest machen, doch das gehört nun mal in diesem Business mit dazu und wenn der Rest dann auch nicht überzeugt, wirkt es sich eben doch auf den Gesamteindruck aus. Ich fand Seven schlicht strunzlangweilig und stand mit dieser Meinung aufgrund der (bis auf jeweils braven Song-Schlussapplaus) schwachen Anteilnahme des an sich zahlreichen Publikums offenbar nicht alleine da. Die audiomässige Heim-Nachlese überraschte dann aber, zumal das Material ab Konserve deutlich besser klingt. Somit haben Seven das gleiche Problem wie andere auch, nämlich dass man die überzeugende Studio-Chose auf der Bühne nicht umzusetzen vermag. Da nützten das für eine Supportband verhältnismässig grosse Backdrop und 45 Minuten Spielzeit nichts, um wirklich was reissen zu können. Nach dem letzten verklungenen Ton versanken die Tschechen darum erinnerungsmässig, inklusive dem billig bei Mr. Big abgekupferten Akkubohrer-Gimmick, sogleich wieder in der Bedeutungslosigkeit.

Setliste: «Wild In The Night» - «Freedom Call» - «Following You» - «Kájínek» - «The Whales Sing (Instrumental)» - «Get It» - «The Magnificent Seven» - «The Road» - «Lost Hero» - «Suicide Fall».

Doro
Der Headliner hatte natürlich statusgerecht ein, im Vergleich zu vorher, riesiges Backdrop aufgezogen, worauf eigentlich nur die auf ewig jung, knackig und faltenlos getrimmte Frontfrau etwas überzeichnet dargestellt wurde. Ansonsten wirkte bereits das Bild mit dem Motiv der neuen Pladde «Raise Your Fist» gewaltig und liess einen schon vor dem Beginn des Konzertes in diese Fantasy-Welt eintauchen. Wie aus berufener Quelle zu erfahren war, fühlte sich Frau Pesch am heutigen Abend ordentlich fit und so durfte man sich auf einen wiederum beherzten Auftritt der Frohnatur freuen. Dazu war der Opener «Hellraiser» gerade richtig, und schon beim nachfolgenden Live-Klassiker «I Rule The Ruins» hatte Doro ihre Fans in den ersten paar Reihen locker abgeholt, doch während die Band fortlaufend warm, sprich wörtlich heiss lief (göttlich: «Fight For Rock»), fühlte sich der hintere Teil der wirklich gut gefüllten Halle bislang nur zu anerkennendem Applaus verpflichtet. Während mich dieses Phänomen schon länger zunehmend befremdet, wenn nicht gar immer mehr richtig ärgert, lässt sich eine Doro und ihre Hintermannschaft von sowas nicht beeindrucken und bei «Raise Your Fist In The Air» fruchteten dann die Bemühungen, das ganze Z7 ins Geschehen mit einzubeziehen. Untermalt durch fettes Licht und massig Trocken-eis, kam nun auch der stimmige Bühnenaufbau vollumfänglich zur Geltung, was sich später auf meinen von hinten gemachten Fotos bestätigen sollte. Mit einer guten Mischung aus eher älteren Songs trieb die tight aufspielende Band den Set unermüdlich weiter voran und lieferte als Kollektiv eine Top-Leistung ab. Allen voran natürlich die ruhelose Doro Pesch, die ihr Publikum immer wieder von Neuem antrieb und Drummer Johnny Dee, der seine Künste auch noch solo zeigen durfte und bekanntlich, wenn auch seltener, ebenso noch die Felle seiner einstigen Stammkapelle Britny Fox bearbeitet. Dazu der grossgewachsene Bassist und Linkshänder Nick Douglas (einstmals übrigens auch mal Mitglied bei den Cycle Sluts Of Hell), der eh immer eine Mordsshow bietet. Die beiden Gitarreros Luca Princiotta und Bas Maas liessen es ebenfalls amtlich krachen, wobei Letzterer bei einigen, vor allem langsameren Parts hörbare Patzer ablieferte! Nichtsdestotrotz konnte das den guten Gesamteindruck nicht wirklich schmälern, wobei es immer wieder die unermüdlich agierende Doro war, die alles zusammen hielt.

Garantierte Gänsehaut war dann beim unverwüstlichen «Für Immer» (wie zuvor schon bei «Engel») angesagt, wo der Text mehr denn je zu unserer oberflächlichen und kaltherzigen Welt passt. Das gedämpfte blaue Licht sorgte für die entsprechend richtige Stimmung. Das Pulver war zu dem Zeitpunkt aber noch längst nicht verschossen, denn nebst guten neuen Songs wie «Revenge» und «Hero», folgten weitere altbekannte Stampfer der Marke «Burning Up» oder der Alltime-Smasher «All We Are». Immerhin hatte sich die anfängliche Lethargie der heutigen Z7-Besucher erfreulicherweise vom Acker gemacht, aber von einer kochenden Halle konnte nicht, respektive nie die Rede sein. Trotzdem gab es natürlich Zugaben und davon gleich eine ganze Menge. «Metal Tango» und auch «East Meets West» klangen, trotz einigen Jahren auf dem Buckel, immer noch frisch und keinesfalls angestaubt. Im zweiten Zugabenblock folgte mit «Unholy Love» ein selten gehörter und deshalb unerwarteter Song der kultigen, selbstbetitelten Scheibe von 1990, die ja ein gewisser Gene Simmons (Kiss) damals produziert hat und leider etwas in Vergessenheit geraten ist. Zu Unrecht, denn diese Scheibe ist auch heute noch ein echtes Juwel, das es spätestens mit den Re-Releases vom kommen-den Januar wieder neu zu entdecken gilt! Auf den Schluss hin folgte mit «Herzblut» der dritte auf Deutsch gesungene Song des Abends und es gibt keine andere Band oder besser gesagt keine Frau in dieser Szene, die ihre aus tiefstem Herzen ehrlich gemeinte Botschaft so glaubhaft wie Doro Pesch rüber bringen kann. Da ist keine Spur von Heuchelei oder Effekthascherei auszumachen und dafür wird die kleine Düsseldorferin mit der grossen Stimme von ihren echten Fans wirklich geliebt und sucht Seinesgleichen. Allerdings wären ein paar dieser "echten Fans" mehr erwünscht gewesen, denn die Resonanz auf diesen blitzsauberen zweistündigen Metal-Gig war unter dem Strich einfach zu schwach. Ich will jetzt niemandem auf den Schlips treten und vertrete hier in erster Linie meine Meinung, aber das, was heute Abend erneut passiert ist, grassiert schon länger und ich verstehe es nicht wirklich. Als Frage des Alters kann man dies generell nicht abtun und sollten (Metal-) Konzerte nur der blossen Unterhaltung wegen besucht werden, läuft eindeutig was falsch! Das war vor zwanzig bis dreissig Jahren anders..., und ich weiss, wovon ich spreche!

Setliste: «Hellraiser» - «I Rule The Ruins» - «Burning The Witches» - «Fight For Rock» - «The Night Of The Warlock» - «True As Steel» - «Engel» - «Raise Your Fist In The Air» - «Metal Racer» - «Earthshaker Rock/Drumsolo Johnny Dee/Earthshaker Rock (cont.)» - «We Are The Metalheads (Wacken Hymne)» - «Für Immer» - «Breaking The Law» - «Revenge» - «Hero» - «Burning Up» - «All We Are» -- «Warrior Soul» - «Metal Tango» - «East Meets West» --- «Unholy Love» - «Herzblut» - «Beyond The Trees».