Livereview: Marilyn Manson - Amazonica

23. November 2017, Zürich - Samsung Hall
By Mona M.
Beliebt-Berüchtigt ist der Fürst der Dunkelheit. Manche sagen, live hätte man nichts zu sehen, die anderen schwören auf die Konzerte - fast wie bei einem Kult. Nun, egal ob man den Antichristen der Musikindustrie mag oder nicht, eins muss man ihm lassen, er weiss es immer noch, die Menschheit neu zu schockieren, und er lässt sich niemals zensieren. Schonungslos hält er, wie immer, den Spiegel vor die Gesichter der Menschheit und nimmt kein Blatt vor den Mund. Nach der Veröffentlichung der neuen Platte ist meine Vorfreude auf das Konzert sehr gross. Nicht schlecht staune ich beim Abholen des Medienpasses, denn ich erhalte einen Sitzplatz. Nun gut, vielleicht ist es ja auch besser so..., immerhin bin ich trotz meines meistens dominierenden Optimismus ein Wenig kritisch eingestellt. Desaster auf der Bühne sind bei diesem speziellen Künstler ja keine Ausnahme.

Amazonica
Diesmal wird ohne Vorband gespielt, der Abend wird von DJane Amazonica eröffnet. Mit wasserstoffblonder Helmfrisur, stylischem Outfit und einem Mix aus elektronischer Musik und verschiedenen Rock- und Metal Hits leitet sie den Abend ein. Die Begeisterung des Publikums hält sich in Grenzen. Praktisch ist allerdings, dass diejenigen, die erst später erscheinen können, keine Vorband verpassen. Die Mehrheit steht deshalb draussen und geniesst Trank und Speis aus der überteuerten "Küche" der Dübendorfer Samsung Hall.

Viel zu fotografieren gibt es nicht: ein gut gelauntes Girl, welches das Publikum anzuheizen versucht, steht auf der sehr hohen Bühne hinter ihrem DJ Pult. Nachdem ich mich um ein paar Shots bemüht habe, begebe ich mich wieder raus aus der Konzerthalle und studiere das neue Merchandise. In der Tat gibt es eine gute Auswahl.

Marilyn Manson
un, Zeit für den Hauptact des Abends. Während die meisten meiner Kollegen der Show eher pessimistisch entgegensehen, spüre ich eine gewisse Hoffnung. Endlich ist es soweit. Auf einem gothischen Thron von Rollstuhl kommt der als Marilyn Manson bekannte Brian Hugh Warner auf die Bühne und bringt von der ersten Sekunde an eine gigantische Party. Mit ziemlich guter Laune und Motivation bereitet er allen einen unvergesslichen Abend. So wie man immer hört, ist er öfters miesepetrig drauf und die Shows seien teils katastrophal (Wacken, remember?). Nun, mein Glück liess ich mich nicht davon abschrecken. Nicht nur besser als seine letzte Clubshow in der Schweiz (11.11.2015 im Xtra), diese Show reisst echt vom Hocker. Die gute Laune sprichwörtlich ausstrahlend und immer wieder grinsend, erweckt der selbsternannte "God of Fuck" einen ganz tollen Eindruck, der griesgrämige, leichenbleiche Grufti weicht einem sympathischen Kerl und ich bemerke, wie mir sein Auftritt ein freches Lächeln ins Gesicht zaubert. Ob es wohl am gebrochenen Knöchel liegt? Der Unfall scheint eher ein Glücksfall zu sein. Das gut durchmischte Set scheint wie im Fluge zu vergehen. Natürlich muss noch eine Portion Provokation in die Show eingebaut werden. So kommt das Gespräch natürlich auf Charles Manson, dessen Nachnamen der Shock-Rocker als Teil seines Künstlernamens übernommen hat. Selbst ein Cover eines seiner Lieder kommt auf die Liste. Auch die Show an sich hat was zu bieten. Eine "Psychologenliege", als Ärzte/Chirurgen verkleidete Statisten..., das Image soll ja auch gepflegt werden! Oh Wunder, die altbekannte "Mikrofonfliegerei" hält sich in Grenzen, das Sitzplatzpublikum wird Opfer kleinerer, nicht ganz freundlicher Bemerkungen. Im Grossen und Ganzen war dies ein fantastischer, überraschender Abend. So würde ich Herrn Manson gerne nochmal sehen. Ich erlaube mir, ihm den schauspielerischen "Hals- und Beinbruch" zu wünschen.

Setliste: Intro; The End (The Doors Song) - Revelation #12 - This Is The New Shit - Disposable Teens - mOBSCENE - Sick City (Charles Manson Cover) - Kill4Me - Deep Six - The Dope Show -1 - Sweet Dreams (Are Made Of This) (Eurythmics-Cover) - Tourniquet - We Know Where You Fucking Live - Say10 - The Beautiful People