Livereview: Metaldays

21. & 27 Juli 2013, Tolmin - Slowenien
By Patricia L. & Tristan S.


Es gibt kein Metalcamp in Tolmin mehr. Nachdem die Veranstalter sich von Rock The Nation gelöst hatten, musste auch ein neuer Name her und so gibt es nun halt eine Woche „Hell Over Paradise“ mit dem Namen Metaldays. Neben einigen kleineren Änderungen (Prepaid Karten, ausgewogenere Küche) blieb aber vieles beim Alten: Eine ganze Woche Metal, dazu die wunderbare Lage zwischen zwei eiskalten Flüssen, welche für die nötige Abkühlung sorgten.



Montag, 22.07.2013
Die Österreicher von Calderah eröffneten das Festival um 13:45 in einem eher privaten Rahmen. So richtig zünden konnten die drei mit ihrer Mischung aus Metal und Hardcore aber noch nicht, die Bühne der Mainstage wirkte fast zu gross und die Stimme des Gitarristen ist doch ein wenig gewöhnungsbedürftig.  Überzeugender wirkten da eher Chronosphere (Foto rechts). Von Kopf bis Fuss auf die Achtziger eingestellt spielten die jungen Griechen bereits mit Vollgas, hüpften über die Stage wie von Hornissen gestochen und brachten die ersten Köpfe zum Nicken. Da müssen sich die Jungs von Enforcer in Zukunft in Acht nehmen, die Konkurrenz schläft nicht!

Die bosnische Symphonic Metal Band The Loudest Silence vermochte im Anschluss daran nicht zu überzeugen. Sängerin Taida Nazraic hat zwar keine schlechte Stimme, wirkte auf der Bühne aber eher blass und ausdruckslos. Der Bassist schien hingegen richtig Spass zu haben. Die gespielten Songs bewegten sich ausschliesslich im Midtempo-Bereich und waren wenig abwechslungsreich. Ein paar eingängige Melodien gab es durchaus, diese konnten den Gesamteindruck aber nicht merklich steigern. Weiter ging es mit der einheimischen Band Agan. Geboten wurde ein atmosphärischer Sound, welcher stark an Agalloch erinnerte. Zwar fehlt es noch etwas an Eigenständigkeit, aber wenn man bedenkt, dass die Bandmitglieder im Durchschnitt gerade mal sechzehn Jahre alt sind, kann man von den Herren noch einiges erwarten.

Beim Start von Soilwork hatte sich schon ein guter Haufen Fans angesammelt. Das Set startete mit einigen neuen Liedern, was bei den vordersten Reihen für ausgelassene Stimmung gesorgt hat, wobei die Bühnenpräsenz noch als verhalten bezeichnet werden musste. Spätestens bei ‚Stabbing The Drama‘ sang das Publikum bis zum Mischpult mit und die Hände gingen in die Höhe. Ein netter Auftritt, auch wenn die Menge wahrscheinlich mehr von den alten Songs hätte vertragen können. Noch etwas aktiver wurde das Publikum anschliessend bei Ensiferum (Foto links). Bei ausgelassener Stimmung sang und schrie man zu Songs wie ‚Iron‘ und dem aktuellen Hit ‚In My Sword I Trust‘ kräftig mit. Die Band hatte sichtlich Spass dabei und dankte es mit einer tollen Bühnenperformance.

Auch den gleich im Anschluss aufgetretenen In Flames merkte man ihre Erfahrung an, sie überzeugten auf der Bühne restlos. Sänger Anders Fridén erzählte von der dreizehn Stunden langen Reise, die sie auf sich genommen hatten und war der Meinung, dass sich dies absolut gelohnt hatte. Es wurden nebst neuen Songs wie ‚Ropes‘ natürlich auch ältere Titel gespielt, darunter ‚Pinball Map‘ , ‚Cloud Connected‘ und ‚Only For The Weak‘. Das Publikum war gut gelaunt und hüpfte zeitweise bis weit nach hinten mit. Zum Abschluss des ersten Abends trat schliesslich Pentagram auf. Das Set startete gleich mit ‚Sign Of The Wolf‘, welches vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Die Lieder kamen aus den unterschiedlichsten Etappen der Bandgeschichte, so fand auch ‚Target‘ seinen Platz und bei ‚Forever My Queen‘ grölten die Anwesenden lauthals mit. Bobby bewegte sich einiges mehr als beim Auftritt in Würzburg, spielte die Soli mit der Luftgitarre mit und verkörperte die Ursprünge des Heavy Metals mit jedem Atemzug.



Dienstag, 23.07.2013
Unser Dienstagsprogramm startete mit Pet The Preacher (Foto links) aus Dänemark. Es ist wohl der Hitze zuzuschreiben, dass sich nur gerade rund einhundert Fans vor der Mainstage versammelt haben, denn was musikalisch geboten wurde, war astrein. Die Songs waren abwechslungsreich, mit gelungenen Wechseln zwischen langsamen und schnellen Parts und gekonntem Spiel mit Gitarreneffekt. Dies zusammen mit einer wirklich coolen Stimme machte den Auftritt zu einem ersten Highlight des Tages. Die gute Stimmung drohte Drakum auf der Secondstage danach aber gleich wieder zunichte zu machen. Geliefert wurde standardmässiger Pagan Metal, der zwar solide, aber ohne jeglichen Funken Innovation daherkam. Die Songs hatten zudem oft keine erkennbare Struktur und die Sounds der Keytar waren mehr schlecht als recht. Die Bandmitglieder sind noch ziemlich jung, da kann sich in den nächsten Jahren noch was tun.

Zurück bei der Mainstage versuchten Mustasch das immer noch recht spärlich vorhandene Publikum zu animieren, was trotz immer noch brennender Sonne recht gut gelang. Die ersten Fans schienen aus dem durch die Hitze verursachten Delirium aufzuwachen und gingen ordentlich mit. Mit den zwei Gitarren wirkte der Sound ziemlich fett und trotz einiger unnötiger Soli kam erstmals etwas Partystimmung auf. Alestorm scheiden wohl die Geister – entweder man mag oder man hasst sie. Einen gewissen Sinn für Humor kann man ihnen jedoch nicht absprechen. Den Soundcheck haben wir zwar nur vom Campinggelände aus gehört, aber wir konnten uns einige Lacher nicht verkneifen. Als Intro ertönte eine 8-bit Melodie und dann ging das knapp einstündige, feuchfröhliche Konzert erwartungsgemäss über die Bühne. Man munkelt, dass sich der Captain kurzzeitig mal von der Bühne verabschiedet hat, um den Krähen seinen Mageninhalt vorzuwerfen. So erstaunt es auch nicht, dass die Töne nicht immer so sattelfest gesessen haben.

Nach dem Auftritt von Alestorm kam es zum wohl grössten Publikumsaustausch auf diesem Festival, denn gleich im Anschluss stand Samael (Foto rechts) auf dem Programm. Das kurzzeitig wie verlassen erschienene Gelände vor der Mainstage, füllte sich bis zum Beginn der Show wieder bis etwa zur Hälfte. Als erstes fiel die unkonventionelle Zusammensetzung des Schlagzeugs auf, wenn man das überhaupt so nennen kann. So bediente der Herr neben einigen Trommeln auch Keyboards und andere Effekte und lieferte dazu eine mitreissende Performance. Die Fans bekamen insgesamt einen guten Mix zwischen alten und neuen Songs zu hören. Mit einer besseren Abmischung – den Gesang hörte man in der Mitte der Bühne überhaupt nicht - wäre das Konzerterlebnis sicher noch etwas intensiver gewesen. Mayhem (Foto unten) muss man weiter erklären. Die Norweger starteten ihren Auftritt mit ‚Deathcrush‘, wobei ganz viel Rauch und mehrheitlich rotes Licht die Atmosphäre gestalteten. Attila sprach immer wieder mit einem mitgebrachten Schädel, wobei seine Stimme das ganze menschenmögliche Spektrum von Schreien, Grunzen, Sprechen und Heulen annahm. Natürlich fehlten auch die Klassiker wie ‚Freezign Moon‘ oder das starke ‚De Mysteriis Dom Sathanas‘ nicht, welche die Nacht noch einiges finsterer gestalteten, als sie tatsächlich war.




Mittwoch, 24.07.2013
Am dritten Tag kam schliesslich der Regen. Nicht ein Regen, sondern der Regen. Das Wasser sammelte sich vor der grossen Bühne in einer Schlammpfütze, welche beim Auftakt von Inverted Pussyfix zur Spielwiese der Fans wurde. Die Band sorgte gleich zu Beginn für eine erste Überraschung. Wie am Namen unschwer zu erkennen ist, wurden die Gehörgänge hier mit Grindcore penetriert. Dieser gestaltete sich aber erstaunlich abwechslungsreich. Vor allem die Gitarren sorgten für einige Aufhorcher und die beiden Sänger, einer davon passenderweise mit Schweinchennase, gaben Vollgas. In strömendem Regen zockte man vor rund einhundert unverwüstlichen Fans durchs Set und es kam sogar ein erster kleiner Schlamm-Pit zustande.

Zum Auftritt der Lichtensteiner Melo-Death Band Dark Salvation (Foto rechts) liess der Regen keineswegs nach, nein, es kamen regelrechte Bäche vom Himmel herunter. Die Temperaturen waren angenehmer, wodurch die Jungs auf der Bühne genauso bewegungsfreudig waren wie ihre Zuhörer. Die Gitarristen dürften noch mehr von ihren Instrumenten aufschauen, ansonsten merkte man der Band aber an, dass es nicht ihr erster Auftritt hier war. Die Songs kamen druckvoll und die Ansagen brachten das Publikum schliesslich zu einem Circle Pit im Schlamm, bevor die Bühne wieder geräumt werden musste.

Bei Orange Goblin schien sich der Schlamm in Staub zu wandeln. Zumindest wäre es für den Sound der Briten einiges passender gewesen. Der erdige und beissende Stoner Rock walzte sich über die Zuschauer, während ihr Frontmann Ben Ward zum Mitmachen anregte. Spätestens bei ‚Some you Win, Some You Loose‘ zuckten die Nackenmuskeln. Mit der Ausstrahlung eines echten Rockstars schüttelt er sein Haupt, spuckt Wasser rum und bedankt sich für das zahlreiche Erscheinen, trotz schlechten Wetters. Passend dazu standen ‚The Fog‘ sowie das abschliessende ‚Cities Of Frost‘ auf der Setlist, was Fans von älteren sowie neueren Songs zufrieden gestellt haben wird. Bei Turisas (Foto links) hatte sich kürzlich wieder mal das Besetzungskarussell gedreht und so standen sie nun mit neuem Keyboarder, neuem Schlagzeuger und neuem Bassisten da. Das Publikum schien neugierig zu sein, so zahlreich war es am heutigen Tag noch nie erschienen. Zu bekannten Titeln wie 'Battle Metal' und 'To Holmgard And Beyond' wurde kräftig mitgeschrien. Trotz einem kleinen Spannungsabfalls in der Mitte des Sets schaffte es die Band dann nochmals einen grossen Moshpit anzuzetteln.

Als Abschluss des Tages stand Black Metal aus Norwegen auf dem Plan. Taake begannen ihr Konzert mit ‚Nordbundet‘, wider Erwarten nicht mit Unterstützung von Niklas Kvarforth, der einen Tag später auch spielen würde. Hoest schien bester Laune zu sein, spielte mit dem Mikroständer und erschien mit der Norwegischen Flagge als Cape. Nach einer Reihe eiskalter Riffs folgte dann eine kurze Pause, in welcher Hoest dann doch noch einen Gast auf die Bühne holte. Mit Attila von Mayhem gaben sie den zweiten Teil von ‚Hordalands Dodeskvad‘ zum Besten. Die einzelnen Lieder gingen fliessend ineinander über, so passten sich auch die Lieder der neusten Platte wie ‚Du Ville Ville Vestland‘ nahtlos an Stücke der älteren Alben ein. Die Gänsehaut wollte nicht mehr schwinden, auch nach dem ‚Nattestid‘ das Konzert abschloss und das Publikum nach einer Zugabe schrie. Wortkarg verabschiedete sich Hoest mit: „Die Wahrheit ist, wir haben nicht mehr Lieder“ und verschwand hinter der Bühne.



Donnerstag, 25.07.2013
Am Donnerstag war der Regen wieder weit fort und die Hitze kam gnadenloser zurück, als je zuvor. Bei über 40 im Schatten legten Sólstafir (Foto rechts) kurz vor vier am Nachmittag los. Zum Glück beweget sich der Sound tempo- und stimmungsmässig in einem sehr gemächlichen Bereich und so wagten sich doch einige Fans vom Fluss hinauf zur Mainstage, um Songs wie ‚Fjara‘ und ‚Ljós í Stormi‘ zu lauschen. Herfst aus Belgien hatten leider nicht so viel Glück mit dem Mix, die Leadgitarre war viel zu leise und das Schlagzeug fast zu laut. Der melodiöse Teil ihrer Musik kam so nicht ganz so zu tragen, wie es auf ihren Aufnahmen klingt. Dennoch zeigen sie sich Bühnengewandt, so nahm der Sänger auch das Petruskreuz aus Bierdosen aus dem Publikum entgegegen.

Mit Annihilator stand eine weitere Grösse des Thrash Metals auf der Bühne. Stilecht spielten die Kanadier vor einer riesigen Marshall-Wand, mehr Bühnenequipment braucht es nicht. Langweilig wurde einem beim Zuschauen nicht, die Gitarristen bewegten sich von hier nach da, wodurch auch die Fans mit der aufkommenden Dämmerung mehr und mehr zu Aktivität gebracht wurden. Gespielt wurden Lieder aus ihrer ganzen Schaffenszeit, wobei vor allem die ältesten Hits wie ‚Fun Palace‘ oder ‚Alison Hell‘ die Menge zum Toben brachte.  Enslaved (Foto unten) gehörten definitiv zu den Highlights des diesjährigen Festivals. Mit einem Song vom aktuellen Album „Riitiir“ startete man die Show, welcher auch die Herren von Sólstafir im Publikum beiwohnten. Der Platz vor der Secondstage war gut gefüllt. Es zeigte sich, dass auch die neusten Titel gut ins norwegische Black Metal-Outfit passen und live richtig wuchtig rüberkommen. Den gelungenen Abschluss bildete ein ganz alter Track aus den 90ern, welcher Erinnerungen an Taake hochkommen lässt.




Freitag, 26.07.2013
Graveworm konnten zu früher Stunde noch nicht so überzeugen. In den Ansagen ging es vor allem darum, dass der Sänger Stefan Fiori gerne Baden gehen möchte, da es ihm zu warm sei. Um die wenigen Fans abzukühlen, warfen sie Wasserflaschen ins Publikum und auch die Security bewässerte die Zuhörer. Mit dieser Erfrischung gelang beim letzten Lied zwar nicht wie gewünscht eine Wall of Death, aber immerhin ein kleiner Circle Pit. Französisches Black Metal hat seinen ganz eigenen Klang. Svart Crown haben mit ihrem Auftritt genau das bewiesen: Sterile Verzerrungen, verstörende Dissonanzen und ein erbarmungsloses Schlagzeug verwandelten den späten Nachmittag mehr und mehr in Finsternis. Die stampfenden Rhythmen brachten die Köpfe der treuen Fans in Bewegung, während die Band auf der Bühne den Takt vorzeigte. Da sollte der geneigte Hörer vielleicht einmal ein Ohr riskieren.

Weiter ging es mit Otargos, welche zwar das Tempo einiges erhöhten, von dem modernen Klang aber doch eindeutig in die gleiche Sparte schlugen wie ihre Landesmänner vorher. Das heisst mehr Blastbeats, schnellere aber dennoch unkonventionelle Riffs und eine Stimme wie von einem Dämon persönlich. Die Bühnenshow beschränkte sich auf Headbangen, dafür war das synchrone Tapping doch sehr eindrücklich.  Auf der Mainstage spielte während Otargos' Auftritt die irische Band Primordial (Foto rechts). Alan „Nemtheanga“ Averill zog die Zuschauer mit einer sehr ausdrucksstarken Gestik und Mimik in den Bann. Zu ‚As Rome Burns‘ liess er die Anwesenden die Worte „Sing to the slaves“ mitschreien. Eine im Paganhimmel sicherlich etwas unterschätzte Band hat hier hoffentlich ein paar neue Fans dazu gewonnen.

Das letzte Sonnenlicht viel auf die Bühne, als die letzten Norweger mit Corpsepaint auf der Bühne erschienen. Der Platz war gut gefüllt als Tsjuder ihre Maschinerie starteten, schade dass beim ersten Song das eine Mikro nicht funktionierte. Bassist und Gitarrist lösten das Problem aber professionell, indem sie halt einfach häufiger den Platz wechselten. Auch bei ‚Beyond The Grave‘ schien das eine Mikro zwischendurch auszusteigen, was sich die Band allerdings nicht anmerken lies und seelenruhig weiterspielte. Die Kälte in ihren Liedern scheint sich auch auf das Verhalten auszuwirken, selbst als das Gitarrenkabel ausgesteckt wurde zockten alle weiter, während der Sänger mit einem „Come On“ das Publikum zum Lärmen animierte. Das abschliessende ‚Sacrifice‘ liess die Masse nochmals durchstarten, schliesslich covert nicht jede Band die Genregrösse Bathory. Wortkarg, aber dennoch lässt sich der Charm nicht verleugnen.

Powerwolf (Foto links) sind im Moment nicht zu bremsen, das zeigt auch der Auftritt an den diesjährigen Metaldays. Bereits vor Konzertbeginn stimmte die grosse und treue Fanschar erste Chöre an. Während der Show wurden schliesslich sämtliche Lautstärkerekorde gebrochen, welche das Publikum am Festival bisher aufgestellt hatte. Mitsinghymnen wie ‚We Want Blood‘ und ‚Werwolfes Of Armenia‘ wurden frenetisch abgefeiert. Solch eine treue Anhängerschar wünscht sich wohl so manche Band. Atilla fragte, nein er sang zum Schluss „Did You Have Fun?“ und zwar einmal chromatisch die Tonleiter hoch, bis in Höhen, welche dem Power Metal mehr als gerecht werden. Der Mann ist wahrhaftig mit einem grossen Stimmorgan gesegnet.

Wenn eine Band klingt wie Celtic Frost zur Zeit von Morbid Tales, dann kann das nicht grundsätzlich schlecht sein. Die Mischung aus rohem Black Metal und Thrash Metal mag vielleicht keinen Innovationspreis mehr gewinnen, aber Aura Noir gibt es ja auch nicht erst seit gestern. Der Sound fegte satt und wuchtig durch die Menge, bis ein Stromausfall dem ganzen ein Ende bereitete. Die Fans erwirkten als Überbrückung ein Drumsolo, aber der eigentliche Gig ging erst nach zwanzig Minuten weiter. Die Zeit reichte aber immer noch für ‚Black Metal Jaw‘ und ‚Conqueror‘, wobei es nochmals zu einem kurzen Ausfall kam. Genau wie bei Aura Noir, wurde der gleichzeitig stattfindende Auftritt von Wintersun (Foto rechts) durch grössere Pannen mit der Elektrizität überschattet. Mit 25 Minuten Verspätung startete man mit ‚Sons Of Winter And Stars‘, der nach wenigen Minuten bereits wieder durch einen lauten Knall und darauffolgende Dunkelheit unterbrochen wurde. Nach Behebung des Problems blieb gerade noch eine halbe Stunde zu spielen. Die sehr zahlreich erschienenen Fans liessen sich die Laune nicht verderben und genossen jede Minute. Auf einen neuen Song vom zurzeit in Arbeit stehenden Album Time II wartete man jedoch vergeblich.


Als grosser Headliner zählte dieses Jahr King Diamond (Fotos links). Die Bühne verwandelte sich dafür in eine alte Kapelle, in derer Mitte ein grosses Pentagramm inklusive Ziegenkopf leuchtete. Hinter dem Schlagzeug befand sich ein Weg, von welchem der King bei fast jedem Song hinunter stieg. Durch die ständig wechselnde Beleuchtung ergab sich der Effekt, als ob er immer tiefer in die Kapelle wandern würde, während verschiedenen Schauspielerinnen passend zu den Liedern die Stimmung unterstützten. So kam beispielsweise bei ‚Voodoo‘ eine Zombietänzerin auf die Bühne, während der King zu ihr sang und Befehle erteilte. Sehr eindrücklich, wie die Dänen es schafften, Lieder aus den unterschiedlichsten Alben zu einer einzigen Geschichte zusammen zu setzen. ‚Come To The Sabbath‘ und ‚Evil‘ aus der Zeit bei Mercyful Fate zählen da auch dazu. Wer die Chance kriegt, sollte sich King Diamond nicht entgehen lassen! Solche Shows sieht man höchstens noch bei Alice Cooper.



Als letzte Band des Festivals durfte Candlemass (Foto unten) die Woche abschliessen. Nachdem nicht mehr Robert Lowe am Mikrofon ist, haben die Legenden des Doom mit Mats Levén (Therion) jemanden gefunden, der stimmlich die Lieder gut präsentieren kann. So wurden alte Lieder wie ‚Bewitched‘ genauso druckvoll und emotional vorgetragen wie das neue ‚Waterwitch‘, welches live genauso überzeugt wie auf Platte. Die Ansagen dagegen wirkten eher platt, wenngleich die textliche Anpassung bei ‚At The Gallows End‘ von Humor zeugten. So standen die Galgen plötzlich nicht mehr in Tyburn, sondern halt in Tolmin. Auch der Rest des Sets lies kaum Platz für Wünsche, und mit dem abschliessenden ‚Solitude‘ wurde der Vogel endgültig abgeschossen. Die Zuschauer sangen kräftig mit oder schüttelten ihre Köpfe im gemächlichen Tempo des wohl bekanntesten Songs der Band. Ein durchaus gelungener Abschluss für eine anstrengende Woche.