New Music Reviews September 2020
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.   0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
STRYPER – Even The Devil Believes  (LP)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Sollte euch in den achtziger Jahren ein Typ mit einer Jeansjacke über den Weg gelaufen sein, auf welchem ein grosser Mercyful Fate- und Stryper-Batch zu sehen war... Das wäre meine Wenigkeit gewesen. Ich fand diesen Zirkus, dass man entweder auf der White Metal-Line lag oder sich die Texte von King Diamond aufs Kopfkissen sticken liess, immer äusserst lächerlich. Beide Truppen komponierten sensationelle Songs. Auch wenn der melodische Aspekt früher bei Stryper im Mittelpunkt stand und man sicher über das Bibelwerfen seine eigene Meinung haben durfte. Am Ende des neuen Testaments stand aber immer der Song, und da hatten Stryper einiges zu bieten. Wie auch auf den neuen Streich «Even The Devil Believes», ein Album, das erneut sehr hart aus den Boxen knallt und die Truppe mit dem Opener «Blood From Above» ihr eigenes «Blackout» (erinnert euch an die Scorpions) geschrieben hat. Ebenso fett knallt «Make Love Great Again» aus den Lautsprechern, das durch die Härte an Tracks aus der Toni Martin-Phase von Black Sabbath erinnert. Mit «Let Him In» fällt der Vierer um die beiden Sweet-Brüder keinesfalls in seichtere Gefilde ab. Während Robert erneut mit viel Hingabe sein Schlagzeug vermöbelt, singt Michael mit kräftiger Stimme. Keiner der Songs fällt ab und der neueste Streich ist ein verdammt (Sorry Jungs) geiles Metal-Werk geworden, bei dem alle Hörer ihre noch vorhandenen Scheuklappen ablegen sollten. Klar sind auch balladeske Momente zu hören, wie bei «This Is A Pray». Aber wenn eine ruhige Nummer mit dermassen viel Staub unter den Fingernägel vorgetragen wird und an Cinderella erinnert, dann kann man als Truppe nichts falsch machen. Mit einem Mitsinghit wie «Invitation Only», dem bärenstarken «For God & Rock’n Roll» und einem sich die Stimme aus dem Körper schreienden Michael sowie dem abschliessenden «Middle Finger Messiah», das einem Speed-Track gleichkommt, zeigt der Vierer sein vielseitiges, kompositorisches Können und lässt alle Zweifler und Lästermäuler verstummen. Stryper hat sich mit den letzten Alben von einer härteren Seite gezeigt, dies auch dank der Produktion. Und wer sich bis jetzt nicht mit dem Schaffen der Amis auseinandergesetzt hat, verpasst definitiv reine Musik-Kultur. Während beim nach wie vor Vorzeigewerk «To Hell With The Devil» die Refrains und Melodien auftrumpften, ist es auf «Even The Devil Believes» die Härte. Dies auch dank der tollen Leistung von Gitarrist Oz Fox und «Neu-»Bassist Perry Richardson (ehemals Firehouse). «No fillers, just killers»!
Tinu 
Punkte: 10 von 10
EXIST - Egoiista  (CD)
Prosthetic Records
Mit dem dritten full-length Album namens 'Egoiista', 9 hervorragend auf höchstem Niveau intonierten Tracks, überrascht uns Exist einmal mehr, die Band aus Baltimore, Maryland, U.S.A., die in perfekter Harmonie Death-Metal mit Prog-Metal und Fusion, wie auch brillianten, technischen Thrash-Metal kombiniert. Ja, da geht es in die Richtung von Cynic, Atheist, Fates Warning, Opeth und Meshuggah, kombiniert mit Fusion à la Allan Holdsworth. Wow, so erfrischend und mächtig, so virtuos und atmosphärisch-mystisch. Was für eine Neuentdeckung und wenn man an die Philosophie glaubt, dass jeweils das dritte Album wegweisend für die Zukunft ist, so sei Exist eine herrliche Zukunft prognostiziert, ohne Wenn und Aber. Das Quartett schreitet auf 'Egoiista' neue Wege, öffnet neue Türen in Sachen Prog-Metal, verbindet gekonnt groovend vertrakte Songstrukturen mit technischem Flair. Ja, es wird viel experimentiert und ja, es wird viel gejazzt, gemetalisiert, gefusioniesiert, gedeathed, gethrashed. Meine Fresse, herrliche fusion-metalartige Soli, vertraktes und doch straightes Riffing, ein tänzelnd-virtuoser Tieftöner, wechselnder Klargesang mit shoutigen Thrashvoices und gutturalen Sangeskünsten, wirbelnde Drumpatterns in allen Facetten, mal double-bassig, blastend, mal einfach tiefenentspannt groovend und verspielt, wie alle 9 Tracks auf 'Egoiista'. Eine hervorragende, saubere, druckvolle Produktion mit einem herrlichen Coverartwork für die Ruhmeshalle rundet dieses Album ab. Anspieltipps auch hier: Vom 1. 'Through Suffering He Paints The Universe' bis zum 9. 'Amongst The Trees' ein Musikgenuss par Excellence.
Leopold 
Punkte: 10 von 10
EN MINOR - When The Cold Truth Has Worn Its Miserable Welcome Out (LP)
Season Of Mist/Irascible
Oktett, Oktett, was willst du ausser dem oktettischen Zirkel? En Minor, beispielsweise? Was, du fragst noch? Here we go, mit dem Debut namens 'When The Cold Truth Has Worn Its Miserable Welcome Out', der Combo mit Phil H. Anselmo ..., aha, dem Pantera-Recken an den Vocals. Ja, und überraschenderweise zelebrieren En Minor leicht depressiven, avantgardistischen Rock, Hardrock, etwas Metal, viel Folk und ja, man hört Country heraus ... Kein Wunder, die Wurzeln sind tief in Louisiana, U.S.A., in New Orleans, im französischen Viertel, zuhause und so überrascht dies achtköpfige Combo mit einem wahrhaftigen, mystischen, kreolischen Soundteppich. Ja, die Stimme trägt ihren Reiz an den 11 Tracks sicherlich viel bei, doch die anderen Musiker stehen dem guten Phil in nichts nach. Herrliche Melodiebögen tragen die tiefe, sonore Stimme, gepaart mit melodiösem Riffing, der Hinzunahme von einem Cello, Percussion zu den Drums, Akustikgitarren, 6- wie 12-saitig, Keys und voilà, ein sehr interessanter, abwechslungsreicher Release. Man erinnere beispielsweise an Skyclad mit Violine, doch mit viel weniger Metal, sondern mit viel von Leonard Cohen, etwas Billy Idol und klar, auch Pantera, jedoch nur vocalsmässig. Denn muckemässig geht's sehr tiefenentspannt in die Cajuns, rockig, akustisch und leicht verzerrte Instrumente, kurzen Soli, welche sich in die Melodiebögen wieder entwirren, wie die vielen kleinen Flussverwindungen in den Cajuns. Und ja, dieses Album braucht Zeit und Musse, und ja, es ist ein zeitloses Werk geworden, welches einfach nur tiefenentspannt hervorragend auf die/den Zuhörenden wirkt. Eine sehr goile Produktion mit einem herrlichen Cover rundet dieses hervorragende Debut ab. Leute, ihr werdet überrascht sein, was für eine goile Mucke diese acht Herren loslassen und was für eine goile, beruhigend tiefe Stimme der gute Phil schwingt. Für mich ein Album für die Ewigkeit und welche Songs denn hörenswert sind? Alle! Von 1.'Mausoleums' bis 11. 'Disposable For You'. Reinpfeifen ist hier Pflicht, denn diese musikalische Offenbarung ist einfach zu goil, goil, goil, um es beiseite liegen zu lassen. Ja, weniger Metal, dafür mit viel Tiefenentspanntheit.
Leopold   
Punkte: 9.9 von 10
KATAKLYSM - Unconquered  (LP)
Nuclear Blast/Warner
Ja, es ist doch wahrlich so, da gibt es ganz wenige Bands im Musikbusiness, welche sich mit jedem neuen Album neu erfinden, ohne dabei sich zu verkrampfen. Ja, die Kanadier Maurizio Iacono, JF Dagenais, Stéphane Barbe und Oli Beaudoin, aus Montréal, Québec, in Form von Kataklysm, ist eben so eine Combo. Mit 'Unconquered', 9 Tracks, dem mittlerweile 14. Album. War das vorhergehende Album namens 'Meditations' doch eher im melodiösen Death zuhause, so schlagen Kataklysm mit 'Unconquered' erbarmungsloser zu, denn ever. So eine Wandlung habe ich nicht erwartet, somit sehr positiv. Ja, war das vorhergehende Album schon eine Wucht, ist 'Unconquered' eine satter Faustschlag in die Fresse, nämlich brutaler Death-Metal. Erinnert zeitweise etwas an The Black Dahlia Murder, Krisiun, Hypocrisy, Crytpopsy und Konsorten, sind Kataklysm seit 1991 konstant unterwegs und eben, stets für positive Überraschung zu haben. Viele Blasts, moshende Death-Parts, treibende Double-Bass-Attacken, groovig, satt riffend und immer mit etwas Melodie versehen, abwechselnde Melodylines und leicht gefrickelten Soli, ein beinahe schon fusionierter Bass à la Beyond Creation, Archspire. Die gesangliche Leistung reicht von sehr tiefen Shouts bis zu herrlichen, bösartigen Growls. Auch hier sei erwähnt, eine satte Produktion, ein sehr gelungenes Artwork für die ehrvolle Ruhmeshalle und Anspieltipps von 1. 'The Killshot' bis und mit 9. 'When It's Over', da reiht sich ein genialer Song nach dem anderen an und ja, gekonnt ist gekonnt, was Kataklysm hier abliefern.
Leopold   
Punkte: 9.9 von 10
HEATHEN – Empire Of The Blind  (2 LPs)
Nuclear Blast/Warner
Heathen sind für mich die gleichen tragischen Helden wie Fifth Angel oder Flotsam And Jetsam. Immer mit fantastischer Musik im Gepäck unterwegs, die aber nur von Wenigen quittiert und honoriert wird. Das liegt im Falle von Heathen vielleicht auch daran, dass die Jungs seit der Bandgründung 1984 bis heute erst drei Alben veröffentlichten. Alles schien damals bei Sänger David White, Gitarrist Lee Altus (bekannt von Exodus) und dem damaligen Zweitgitarristen Doug Piercy auf Sturm zu stehen, als das Debütalbum «Breaking The Silence» das Licht der Welt erblickte. Auch mit dem vier Jahre später erscheinenden «Victims Of Deception» konnte die Truppe die Erwartungen locker halten. Schneller Power Metal mit feinen Thrash-Anleihen und viel technischem Flair schien noch immer die Fans zu begeistern, bis diese sich der Grunge-Welle, oder der eigenen privaten Situation (man gründete eine Familie), beugen mussten und die Prioritäten sich bei vielen verlagerten. Es blieb lange still um das Quintett, bis David und Lee zusammen mit Kragen Lum (Gitarre, ersetzte Gary Holt bei Exodus, als dieser bei Slayer spielte), Jon Torres (Bass) und Darren Minter (Drums) 2010, 19 Jahre nach dem letzten Studio-Player, mit «The Evolution Of Chaos» ein neues Lebenszeichen präsentierte. Nun zehn Jahre danach, steht mit «Empire Of The Blind» das vierte Album in den Startlöchern. David, Lee und Kragen, der fast das komplette Material schrieb, sowie Jason Mirza (Bass) und Jim DeMaria (Schlagzeug), präsentieren 12 neue Lieder, die noch immer das grosse Potential der Truppe zeigt. Seien es das vertrackte «Sun In My Hand», der rasante Opener «The Blight», das thrashige «Blood To Be Let», das von den virtuosesten Gitarren dominierte Abrisskommando «In Black», das melodisch, verträumte «Shrine Of Apathy», der Speeder «The Gods Divide» oder das metallische «A Fine Red Mist». Mit dem Intro «This Rotting Sphere» und dem Outro «Monument To Ruin» wird das vierte Album perfekt eröffnet und beendet. Traurigerweise wird «Empire Of The Blind», wie auch seine Vorgänger, Heathen kaum die Taschen mit Euros, oder US-Dollars, füllen. Nein, das Imperium der Blinden kauft sich lieber die mittlerweilen austauschbaren Werke von Metallica, statt sich mit den wirklich herausragenden Veröffentlichungen abzugeben. Die Nicht-Blinden werden Heathen einmal mehr abfeiern, lieben und ehren. Dies zu recht, denn die Jungs haben erneut bewiesen, dass sie zu den Besten gezählt werden müssen!
Tinu  
Punkte: 9.8 von 10
NAPALM DEATH - Throes Of Joy In The Jaws Of Defeatism  (LP)
Century Media/Sony
Und die guten News hören immer noch nicht auf, den mit 'Throes Of Joy In The Jaws Of Defeatism' krönen sich die Grindcore-Götter Napalm Death mit ihrem mittlerweilen 16. full-lenght Album höher hinauf als es der Olymp den Göttern jemals offerierte. War schon die vorab veröffentlichte EP 'Local Ravaged By Brute Force' ein Überraschungshammer, so ist 'Throes Of Joy In The Jaws Of Defeatism' ein verdammt goiler Überflieger, gespickt mit Überraschungen und beinahe schon progressiver Grindcore, hellyeah! 12 Tracks der Band aus Birmingham, England, United Kingdom, die einfach sowohl grindcorig und blastend schnell sind, als auch eben deathig, leicht thrashig groovend daherkommen. Die Produktion ist glasklar und druckvoll, das Coverartwork stets genial und provozierend mit sozial-politischer Untermalung. Da wird heftigst gerifft und geshreddert, kurzen Melodiebögen und Gitarrensolishreds intoniert. Der Tieftöner herrlich klar untermauernd, die Drumpatterns reichen von grindcorigen, blastenden, double-bassigen bis zu wirbelnden, groovenden, moshigen und gar leicht progressiven Elementen. Die Growls sind herrlich tief, doch auch Shouts finden hin und wieder den Weg ans Mikrofon und so wird's eben richtig schön interessant. Ja, da ist was gegangen, bei den britischen Urgöttern des Grindcores, herrlich. Geht so in alte Carcass, Terrorizer oder Brutal Truth, wohl bemerkt, als vagen Anhaltspunkte genannt, denn Napalm Death sind Napalm Death. Punkt. Anspieltipps wären da 'Contagion', 'Fuck The Factoid', 'Fluxing Of The Muscle', 'Acting In Gouged Faith' und 'Backlash Just Because'.
Leopold  
Punkte: 9.8 von 10
HEXX – Entangled In Sin  (Red Vinyl)
High Roller Records
Hexx ist eine weitere Truppe aus der Bay Area, die ein noch brutaleres Schicksal tragen musste als Heathen. Mit ihrem traditionellen US-Power Metal, den man mit Omen vergleichen kann, veröffentlichte die Truppe die legendären «No Escape»- und «Under The Spell»-Scheiben. Selbst der gute Ruf der Talentschmiede Shrapnel Records (Keel, Griffin, Fifth Angel, Exciter, Racer X, Vicious Rumors) konnte der Band nicht zum verdienten Erfolg verhelfen. Die achtziger Jahre waren einfach ein Sammelsurium an (zu) vielen tollen und talentierten Combos, bei denen nur den Wenigsten den grossen Sprung gelang. Hexx löste sich 1995 auf, um 2013 wieder gemeinsam zu musizieren. Bandleader Dan Watson (Gitarre) hielt die Zügel immer fest im Griff, ausser zu «Morbid Reality»-Zeiten, bei dem sich starke Death Metal-Einflüsse bemerkbar machten. Mit dem Comeback-Album «Wrath Of The Reaper» kehrte Dan und sein Ensemble wieder zum Ursprung zurück und bot den Fans wieder das Kraftfutter, welches sich die Fans wünschten. Mit dem fünften Album «Entangled In Sin» spielt das Quintett genau die Mucke, welche die Halswirbel zum Glühen bringt und die Pommes-Gabel mit stolzer Brust getragen werden darf. «Beautiful Lies» ist einer dieser herausragenden Tracks, die von der Gitarrenpower (Dan und Bob Wright), der frech-fiesen und kräftigen Stimme von Eddy Vega (Rage Of War) und der energischen Rhythmusabteilung (Don Wood und John Shafer) lebt. Alleine die Soloarbeit in «Powerman» hat vieles, was damals in den Achtzigern den traditionellen Metal-Fans die Tränen in die Augen trieb. Das vertrackte und wilde «Internal Enemy» erinnert an die Iron Maiden-Tracks des Debütalbums und das bombastische «Strive The Grave» zeigt, wie einfach ein Song sein kann, der trotzdem überzeugt. Verspielt mit langsamen und vielen emotionalen (Gitarren-) Momenten beschliesst «Over But The Bleeding» das Album, bevor es dann zu den Bonustracks geht. Dabei stechen die beiden «No Escape»-Lieder hervor. «Night Of Pain» und «Terror» machen Laune auf die Frühphase der Amis, die in Form von «Under The Spell – 30th Anniversary Box Set» zusammen mit einer DVD und «No Escape» noch immer gekauft werden kann. Wer auf traditionellem Metal (Omen, Lizzy Borden, Heathen) steht, wird an Hexx nun hoffentlich nicht mehr vorbei kommen!
Tinu   
Punkte: 9.5 von 10
SEETHER - Si Vis Pacem, Para Bellum  (2 LPs)
Fantasy Records/Sony Music
Obschon nach dem Wandel vom Aggressiven zum eher Melancholischen schon einiges über die Band bekannt ist, so ist man doch immer wieder gespannt, was es diesmal sein wird. Die letzten drei Releases waren ganz klar melancholisch, und die alte Aggressivität liess sich nur in einzelnen Songs wieder blicken. Somit erfreut es mich sehr, dass auf dem neuesten Baby der ursprünglich südafrikanischen Band die guten alten Schreie und auch düsterere Textpassagen etwas zum Vorschein kommen. Das Negative zuerst: Die Spielzeit dieser Scheibe wirkt beim Hören extrem kurz. Kaum hat man die CD eingelegt, schon scheint sie fertig zu sein. Musikalisch schwanken Shaun Morgan und co. auf ihren üblichen Pfaden und wagen relativ wenig Neues. Als würde man die Stimmung der letzten beiden Alben mit ein Wenig des alten Zorns (z.B. auf "Disclaimer") würzen. Auch scheint mir die Scheibe generell fast etwas leicht im Vergleich zu den Vorgängern; Die Instrumentals wirken eher sanft auf mich. Ein Schrei Morgan's hier und da erinnert aber gekonnt an die guten alten Zeiten. Wer ein grosser Fan der alten Musik Seether's war und auch mit den letzten Releases nicht viel anfangen konnte, wird aber auch hier nicht vollumfänglich bedient. Die Mischung ist zu Ausgeglichen. Wer aber beide Seiten schätzt, bekommt möglicherweise das beste Album der Band bisher. Die drei Singleauskopplungen, welche auch mit passenden (Lyric) Videos veröffentlicht wurden, geben einen guten Überblick über die Stimmung von "Si Vis Pacem, Para Bellum" (lat. Willst du Frieden, bereite dich auf den Krieg vor). Mit recht düsteren Comic-Videos und recht destruktiven Texten, zu welchen man trotzdem einem Bezug findet, konnten die Herren uns Zuhörer sehr gut auf das Gesamtbild vorbereiten. Die Schwenker zwischen solidem Alternative und gefühlvoll klingenden Balladen wurde sehr elegant eingefädelt. Wie immer bei Seether sind die Texte nicht das, wonach es auf den ersten Blick auszusehen scheint. Man muss aber mehrmals zuhören und auch fühlen. Auch ganz standardmässig bei Seether bedarf es einer gewissen Einstellung zum Leben oder gewissen Erfahrungen, um die Texte interpretieren zu können. Kaufempfehlung für Freunde ehrlicher Musik, Melancholiker und Fans des Hard Rock / Alternative Metal.
Mona   
Punkte: 9.5 von 10
OCEANS OF SLUMBER - Oceans Of Slumber  (3 LPs)
Century Media/Sony
Holy Moly, was für ein Stimme von Cammie Gilbert, ohne dabei die anderen Bandmitglieder zu diskreditieren zu wollen. Da hörst du die ersten tonalen Verzückungen von Oceans Of Slumber und weisst sofort, dass da was ganz monumentales auf dich zureitet. Aber mal der Reihe nach, denn mit 'Oceans Of Slumber' ist der vierte Longplayer der gleichnamigen Band aus Houston, Texas, U.S.A., gepaart mit 12 Tracks voller deathig-progressiver Wehmut gespickt. Geht gewaltig in Richtung Opeth, Katatonia, In Mourning und Lacuna Coil, doch überwiegt auf 'Oceans Of Slumber' der melancholische Moment der Intonation, wohl eher Opeth-mässig angelehnt, doch stets eigenständig. Von sehr ruhigen Momenten, wo eine Akustikgitarre und die Klarvocals zu hören sind, bis zu heftigsten Momenten, wo Klarvocals, Growls, treibender Double-Bass-Death-Metal sich die Hände reichen, das Spektrum von Oceans Of Slumber kennt wohlweislich keinen musikalischen Grenzen, sondern reiht Horizont an Horizont, reibungslos, zeitlos markant. Sehr abwechslungsreich, melancholisch, leicht vertrakt, progressiv, melodic-death-like, atmosphärisch. Von akustischen wie gerifften, voll distortionerfüllten Tönen, herrlich virtuose Soli, melodiöse Bögen, sowohl von den Gitarren als auch vom Tieftöner intoniert, einem stets begleiteten, jedoch nicht aufdringlichen Keyboardteppich, wirbelnden, groovenden, double-bass-lastigen und ab und an blastenden Drumpatterns, mal abstrakt, dann wieder straight. Ein Wechselbad der Gefühle erreichen Oceans Of Slumber mit den femalen Vocals, der sehr klaren, starken Stimme, welche gepaart wird mit heftigst, bösen Growls. Die Produktion sitzt hammerhart, das Coverartwork lädt ebenfalls zum Träumen ein und ist ebenfalls klarer Anwärter für die Ruhmeshalle. Anspieltipps wären da 'Pray For Fire', 'The Adorned Fathomless Creation', 'The Sea' und 'I Mourned These Yellowed Leaves'.
Leopold   
Punkte: 9.5 von 10
DEAD LORD - Surrender  (LP)
Century Media/Sony
Die einzig legitimen Nachlassverwalter von Thin Lizzy, neben Black Star Raiders natürlich, sind Dead Lord aus Schweden. Früher hiess es: Aller guten Dinge sind drei, aber nach dem Genuss dieses Albums muss es neu heissen: Alle guten Dinge sind vier, denn "Surrender" ist das vierte Album von Dead Lord. Geboten wird Classic/Hard Rock in Perfektion mit göttlichen Twin-Gitarren. Mit Hakim Krim haben Dead Lord zudem einen Sänger, der über eine einzigartige Stimme verfügt und so erkennt man Dead Lord sofort unter diversen anderen Bands. Mit dem Song "Distance Over Time" wird schon mal sehr gut gestartet und man kann von Anfang an die Stärken, die unter anderem der einzigartige Gesang und das ausserordentliche Gitarrenspiel wären, gekonnt ausspielen. "Letter From Allen St." besitzt diese unverkennbare Thin Lizzy-Note und Dead Lord gelingt es, trotz augenscheinlicher Ähnlichkeit, ihre eigene Duftnote zu verströmen. Eine Hymne für die Ewigkeit! Energiegeladen geht es mit "Authority" im selben Takt weiter. Es gibt keine Zeit für eine Verschnaufpause. Kann man Classic/Hard Rock noch besser interpretieren? Nein, kann man nicht, und so legen Dead Lord die Latte sehr, sehr hoch! Ebenfalls eine Hymne vor dem Herrn bzw. Teufel ist "Evil Always Wins". Die Twin-Gitarren werden zum Glühen gebracht, und auch dieser Song setzt sich sofort in den Gehörgängen fest. Das geile Gitarrensolo muss unbedingt noch erwähnt werden. Locker und leichtfüssig tippelt sich "Messin Up" ins Gehör und zeigt Dead Lord von einer eher relaxten Seite. Hochmelodisch gibt sich "Dark End Of The Rainbow" die Ehre und zeigt Dead Lord von einer nachdenklichen Seite. Aber auch dieser Ohrwurm findet sein Ziel und lässt sich nur noch schwer entfernen. Das Energielevel ist wieder aufgeladen, und so strotzt "Bridges" nur so vor Energie. Ein weiterer Song mit unglaublichem Hitpotential. Die Gitarristen solieren sich um den Verstand. Zum Cruisen lädt "The Loner's Ways" ein, mit einen unwiderstehlichen Groove, dem man nicht entkommen kann. An Groove spart auch "Gonna Get Me" nicht und der Refrain lässt einen nicht mehr aus seinen Fängen. Keine Ermüdungserscheinungen zeichnen sich im letzten Song "Dystopia" ab, und so markiert dieser Song den letzten Höhepunkt dieses ausgezeichneten Albums. In meiner Liste zum Album des Jahres 2020 wird Dead Lord mit "Surrender" ganz weit vorne anzutreffen sein! Für alle Classic/Hard Rock-Fans ist "Surrender" ein absolutes Must-Have!
Roolf   
Punkte: 9.5 von 10
LIK - Misanthropic Breed  (LP)
Metal Blade/Sony
Heilige Kamelscheisse, wie goil ist das denn!?! Dachte erst, ich höre Entombed in Urfrische aus den Boxen quillen. Nein, es ist Lik aus Schweden, genauer geschrieben aus Stockholm, der Vierer, der mit dem dritten full-length 'Misanthropic Breed' dort weitermachen, wo Entombed oder gar Dismember erwartet worden wäre. Nein, 'Misanthropic Breed' ist kein Abklatsch besagter zwei Bands, Lik verstehen es gekonnt, in brutaler Manier die Fäden zu ziehen, weiterzuspinnen, so dass eben Lik dabei herauskommt. So, jetzt hat sich der Schreiberling also doch noch den Ausgang gefunden, als dass er sich um Kopf und Kragen geschrieben hätte. 11 Tracks zieren 'Misanthropic Breed', auf welchem gekonnt zelebriert wird, dass auch skandinavischer Death-Metal zeitlos daherkommt und eben auch ordentlichen, straighten Blast verträgt. Klar erkennbar der Schwedensound, gepaart mit Blasts, hyperschnellen Double-Bass-Patterns, groovigen und moshenden, leicht thrashigen Midtempo-Parts. Der Tieftöner wummert so bekannt schwedisch-deathhig und serviert den beiden extrem distortionierten Klampfen eine herrliche Vorlage, so dass diese in bester Judas Priest-Manier unisono Gitarrenläufe zelebrieren, herrlich virtuos solieren und shreddieren, die Riffs sich rasend schnell in die Hirnmasse reinsägen und zu guter letzt die bösartigsten Growls einem um die offene Schädeldecke herumprallen und sich die ausladenden Hirnmasse und Gedärme wurmartig reinfressen. So, eine goile, satte Produktion mit einem schlicht genialen Coverartwork, voll in die Ober- und Unterkante der Beisserchenhalter reinpoliert. Herrliche Scheisse, genüsslich verdauend und mit Anspieltipps à la 'The Weird', 'Funeral Anthem', 'Female Fatal To The Flesh', 'Flesh Frenzy', 'Morbid Fascination' und 'Wolves'.
Leopold   
Punkte: 9.5 von 10
SKELETOON - Nemesis  (CD)
Scarlet Records
SkeleToon stehen für soliden Power Metal. Auch wenn die Fangemeinde hierzulande nicht ganz so riesig scheint, so müsste sich dies meiner bescheidenen Meinung nach bald ändern. Viel energetischer im Vergleich zu den Vorgängeralben in ihrer eigenen Metal-Saga präsentiert sich "Nemesis" als sehr solides Album, welches einen dazu einlädt, die Repeat-Taste gleich mehrmals zu gebrauchen. Dies aber auch nur relativ, immerhin waren die anderen Alben sehr energetisch. Doch hier scheint es (mir persönlich), als hätten die Herren noch einen Zahn zugelegt. Fast eine Stunde lang beglücken uns die Italiener mit ihrem fantasievollen Sound. Sie selber bezeichnen sich als "The Nerd Metal Superheroes", und während mich solche Bezeichnungen normalerweise an die überladen wirkenden Shows der Grailknights erinnern, so weckt dies hier nebst Schmunzel auch eine gewisse Sympathie. Die Musik wirkt tatsächlich sehr comicmässig, doch dies nur zum Vorteil. Da dürften sich andere nerdige Bands auch gerne was abschauen. Stil haben muss es eben schlussendlich doch. Ein weiterer Punkt für SkeleToon. Powerkehle Tomi Fooler und seine Jungs geben ordentlich Gas und schffen es somit mit Leichtigkeit auf meine persönliche Favoritenliste des Jahres 2020. Gute Laune ist vorprogrammiert. Musikalisch betrachtet entdecke ich jetzt keine Neuerfindung, doch das ist bei Weitem nicht schlecht. Besonders haften bleibt mir der Titeltrack, wenn auch die restlichen Songs ihren Reiz haben. Zwar kann ich nicht beurteilen, was den italienischen Metal so anders macht, aber auf mich wirkt es. Stark, mitreissend und zum Tanz anregend, so würde ich es kurz umschreiben. Kaufempfehlung? Ja, was denkst denn? Für mich auch ein klarer Fall eines zukünftigen Konzertausflugs.
Mona   
Punkte: 9.5 von 10
SKELETAL REMAINS - The Entombment Of Chaos  (2 LPs)
Century Media/Sony
Der kalifornische Vierer aus Whittier präsentiert mit 'The Entombment Of Chaos' den vierten full-length Longplayer, und zwar in ganz heftigster Form reinen Death-Metals. 11 Tracks, inklusive eines Intros, da passt der sehr sauber gespielte und stets groovige Death-Metal bestens. Die Produktion ist sehr druckvoll, das Coverartwork reif für die Ahnengalerie in der Ruhmeshalle. Ja, da sind doch einige technische Raffinessen auf dem Präsentierteller zu finden, wonach es die Scheibe 'The Entombment Of Chaos' sehr in Richtung Monstrosity, Pestilence, Death, Obituary, Malivolent Creation und Morbid Angel zieht, um einige Aspekte als Vergleich zu schaffen. Ja, und stets die thrashigen Grooveparts im satten, brutalen Death-Metal, die jeden Höllenboden aufreissen und mit einem Lächeln Meister Ziegenfuss begrüssen lässt. Erfrischend lassen Skeletal Remains den Boden erzittern. Satte deathig-thrashige Killerriffs, gepaart mit ultraschnellem Riffing und groovenden Momenten, dazu herrliche Soliattacken in höllischer Herrlichkeit. Der Tieftöner tänzelt zwischen den höllischen Walking Lines und Virtuosität. Die Drums blasten, double-bassen heftigst, mit der Hinzunahme von groovend-moshigen Parts, was dann einfach ein hellish Crossfire-Pattern-Attack eröffnet, welche mit den etwas Pestilence-lastigen Growls und Shouts, welche vorzüglich passen, das ganze Machwert perfekt abschliesst. Anspieltipps wären da 'Illusive Divinity', 'Tombs Of Chaos', 'Dissectasy' und 'Stench Of Paradis Burning'.
Leopold   
Punkte: 9.4 von 10
RAVEN – Metal City  (Blue Vinyl)
Steamhammer/Musikvertrieb
Eine weitere tragische Combo, neben Heathen und Hexx, kommt mit einem neuen Album um die Ecke. Dabei haben die Engländer Raven aber mehr Scheiben veröffentlicht, als Hexx und Heathen zusammen. Nämlich deren 14, zählt man «Metal City» dazu. Als erstes fällt das Comic-artige Cover auf. «Wir sind alle Wahnsinnige und wären alle gerne Superhelden», erklärt das Trio. Zusammen mit der Produzentenlegende Michael Wagener (Scorpions, Dokken, Great White, Bonfire, Alice Cooper, Skid Row, White Lion, Extreme) passt auch der Sound hervorragend zu den nach wie vor «wilden» und «ungestümen» Liedern von Sänger/Bassist John Gallagher, seinem Bruder Mark an der Gitarre und dem nicht mehr ganz so neuen Trommler Mike Heller, welcher den etatmässigen Mann hinter der Schiessbude Joe Hasselvander, der aus gesundheitlichen Gründen «pausieren» muss, ersetzte. Mit dem Opener «The Power» legt das Trio furios los und erinnert locker an die grandiosen ersten drei Scheiben, welche den «New Wave Of British Heavy Metal» nachhaltig beeinflusste. Noch immer sind es diese leichten, punkigen Metal-Tracks, die schnörkelos aus den Boxen knallen und die durch die krächzende Stimme von John ihren Stempel aufgedrückt bekommen. Wie auch bei «Top Of The Mountain» oder dem leicht schleppenden Titelsong. Es scheint, als hätten die Jungs den Schalter wieder auf die richtige Seite gelegt, oder nach «ExtermiNation» dem Ganzen noch die richtige Würze verpasst. «Metal City» ist ein reinrassiges und tolles Raven-Werk geworden. Ohne Wenn und Aber! «Battlescarred» bringt es locker auf den Punkt, was ein toller Metal-Song braucht. Ein cooles Riff, genügend Power und ein mitreissender Refrain. Oder ganz einfach mit 250 über die Autobahn brettern und dazu «Motorheadin‘» hören. Die Polizei und die Höhe des Strafzettels werden vor Freude grinsen. Das nicht immer alles «Not So Easy» ist, besingen die Herren, aber wenn man sich den Track anhört, ist es relativ schnell geschehen und der Song packt den Hörer. Vorausgesetzt, man steht auf die Geburtsstunde des Metals und Raven. Am Ende des Albums will man «Metal City» nochmals hören, und dies ist und bleibt eines der besten Gütezeichen für eine neue Scheibe.
Tinu   
Punkte: 9.4 von 10
SELBST - Relatos De Angustia  (LP)
Debemur Morti Productions
Wie eine chilenische Band auf einen deutschen Namen wie Selbst kommt, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. So bringen Selbst mit "Relatos De Angustia" ihr zweites Album auf den umkämpften Markt. Der Start erfolgt mit "Praeludium", einem düsteren Intro, das einem in einen stockdüsteren Wald hinein versetzt. Düster und dunkel bleibt es mit "Deafing Wailing Of The Desperate Ones" und geboten wird sensationeller, rasend schneller Black Metal, der aber immer mit einer genialen Melodie aufwarten kann! Rasend schnell geht es mit "The Depths Of Selfishness" weiter, und trotz des hohen Tempos artet der Song nie in ein wahlloses Chaos aus. Black Metal genau nach meinem Geschmack. Wie ein zorniger Hornissenschwarm auf der Suche nach einem Opfer, fällt "Silent Soul Throes" über die werte Hörerschaft her. Sensationell wie die einzelnen Soundfäden zu einem reissfesten Soundnetz verknöpft werden, dass manche Spinne vor Neid erblassen würde. Trotz sieben Minuten Spieldauer gibt es keinen Moment, der von Langeweile geprägt ist! In der Spannungsspirale dreht sich "Sculpting The Dirtiness Of Its Existence" schwungvoll nach oben und so wird von dissonantem Geplänkel in den Sperrfeuermodus gewechselt. Das geschieht aber, ohne auf eine majestätische Melodie zu verzichten. Durch die diversen Breaks bleibt die Suppe so schön am Dampfen. Verstörend und latent dissonant kommen Selbst mit "Let The Pein Run Through" zum Schluss. Dieser Koloss von einem Song bannt sich schön langsam seinen Weg direkt ins vegetative Nervensystem. Selbst können also nicht nur rasend schnell sondern auch langsam und brachial. Selbst gelingt es, in den neun Minuten Spieldauer, keine Ermüdungserscheinungen zu zeigen, und so wird dieses geniale schwarze Machwerk mit einem krönenden Abschluss versehen. Mit "Relatos De Angustia" haben Selbst ein gewaltiges Black Metal-Monster erschaffen, und dieses Album sollte dringenstens auf die Einkaufsliste aller Black-Metaller und Black-Metallerinnen!
Roolf   
Punkte: 9.4 von 10
CROWN OF GLORY – Ad Infinitum  (2 White Vinyl)
Fastball Music
Wer über ein Album einer Band schreiben darf, die er bereits seit Jahren lose begleitet, der hat bei seinem Review eigentlich zwei Möglichkeiten: A) Das Werk schlecht schreiben, weil man ihm sonst Parteilichkeit vorwerfen könnte. B) Es in den Himmel loben, aufgrund von möglichen Repressionen durch die Band. Ich wähle Weg C) und lasse (wie immer) meine Gefühle schreiben. Und damit: Ja, «Ad Infinitum» ist schlicht ein geniales Werk, welches das Potenzial hat, Fans sämtlicher Rock- und Metal-Stilrichtungen Respekt abzuringen. Einziger Grund dafür: Die zwölf Kompositionen sind schlicht mitreissend. Wo ich bei gefühlten 80 Prozent der Reviews einen Spannungsabbau im zweiten Teil der Alben und ein anständiges, aber insgesamt zu schwaches Songwriting attestieren muss, sind hier nur Volltreffer auszumachen. Das betrifft auch das etwas unscheinbare Eröffnungslied «Emergency». Dieses lässt einem durch seine melancholischen Melodien etwas Luft holen, bevor es mit «Something» richtig zur Sache geht. Hier glänzt nicht nur ein hervorragender Refrain, sondern auch ein geniales Zusammenspiel zwischen Sänger Hene und Dead Venus/Ex-Burning Witches-Sängerin Seraina Telli. Dabei handelt es sich nicht mal um eine Ballade. Eine der grössten Stärken von «Ad Infinitum» ist die grosse Abwechslung. Crown Of Glory bieten hier einen unberechenbaren Mix aus klassischem Power Metal, Heavy Metal, Hard Rock, Prog und Sleaze Rock. Für letzteres höre man sich nur mal den Refrain von «Let's Have A Blast» an. Und gar Industrial Metal ist beim «Emporium Of Dreams» zu vernehmen. Dieser setzt zum Schluss sogar mit opernchorartigen Melodien, gesungen von Jean-Marc Viller, einen drauf. Natürlich laufen Crown Of Glory damit Gefahr, es zu übertreiben. An dieser Stelle setzt es dem Lied aber die Krone auf, was den Mut der Band belohnt. Wem nach weniger Bombast ist, kann sich bei einer Ballade entspannen. Danach folgt mit «Infinity» der nächste Höhepunkt. Hier gibt es in bester Prog-Manier beim Refrain kurzfristig eine ehrfürchtige Verbeugung vor der genialen End-90er-Jahre-Phase von Stratovarius, bevor der Melodien-Fluss abrupt mit einem Riffgewitter gestoppt wird. Auch das muss man sich zuerst mal trauen. Damit aber nicht genug: Textlich erinnert das nächste Lied «Glorious Nights» an den Uraltsong «Crown Of Glory». Es ist ein Stinkefinger gegenüber all jenen, welche Crown Of Glory jemals abgeschrieben haben und ein Dankeschön an die treuen Fans. Die «Nein-Sager» werden dabei mit einem schneidenden Riff und hartem Gesang vertont, bevor hymnische Klänge ertönen. Als wiederum leicht sleaziger Stampfer zum Mitsingen entpuppt sich «Master Of Disguise», bevor mit «What I Made Of» eine Art Pop-Metal-Hit gelungen ist. In ähnlicher Manier, aber diesmal von Hammond-Orgel-Klängen begleitet, schliesst «Say My Name» ein Album ab, das keine Wünsche offen lässt. Kennt man nur Ansatzweise die Umstände, unter denen «Ad Infinitum» entstanden ist (unter anderem ist Gründungsmitglied und Keyboarder Philipp ausgestiegen) ist es ein Wunder, dass man dieses Album überhaupt jetzt hören kann. Dass es derart stark klingt, kann man als wunderbaren Zusatz nehmen. Das wird das Sextett hoffentlich motivieren, noch unzählige Jahre weiter zu machen. Nach vielen Worten gibt es nur eine einzige Schlussempfehlung: kaufen, hören, abfeiern.
Roger W.  
Punkte: 9.3 von 10
THE OCEAN - Phanerozoic II: Mesorzoic / Cenozoic  (LP)
Metal Blade/Sony
Aus der Hauptstadt Berlin kommen die Post-Metaller von The Ocean her, die früher mit dem Namen The Ocean Collective unterwegs waren. Das neue Album "Phanerozoic II: Mesorzoic / Cenozoic" ist die Fortsetzung von dem letzten Album "Phanerozoic I" aus dem Jahre 2018. Mit "Triassic" wird der Reigen von genialen Post Metal-Hymnen eröffnet. So haut dieser Song schon mal heftig auf den Putz, wenn auch immer mal auf die Bremse gestanden wird. Die Überlänge des Songs gehört zu dieser Spielart des Metal, und so dauert schon der erste Song über acht Minuten. Sehr intensiven und in allen Belangen genialen Post Metal bietet " Jurassic / Creaceous". Dieser Song entfaltet in 13 Minuten sein ganzes Potential. Gekonnt wird der Spannungsbogen stramm durchgedrückt, und so führt ganz viel Abwechslung durch dieses Monstrum von einem Song. Da wird komplexe Tonkunst in Perfektion fabriziert. Was einige Bands in ihrer ganzen Karriere an Stilvielfalt verarbeiten, verwursten The Ocean in einem einzigen Song und der Song ist trotzdem nicht überladen. Heftig wie ein Herbststurm fegt "Palaeocene" übers Land hinweg. Nach heftigem Beginn wechseln The Ocean, wie aus dem Nichts, in den Chillout-Modus. Da bei The Ocean nichts von Dauer zu sein scheint, endet der Song mit einem heftigen Böe. Entspannt und gefühlvoll, in Sachen Musik und Gesang, zieht uns "Eocene" in seinen Bann. Bei diesem Song handelt es sich um eine wunderschöne Ballade. Weiter geht es in der Wohlfühlzone mit "Oligocene", denn jetzt heisst es die Yoga-Matte ausrollen und mit dem Yoga-Workout beginnen. In diesem Song genehmigt sich der Sänger mal just eine Pause. "Miocene / Pilocene" ist ein Slow Mo-Rocker, der aber im Verlauf diverse Male die Richtung ändert und so nur vor Abwechslung strotzt. Bemerkenswert, wie die Cleanvocals dem Song ihren Stempel aufdrücken. Triumphal marschiert "Pleistocene" von dannen und ist ein geiler Rocksong mit Cleanvocals, der aber ab und zu mit harschen Growls durchgerüttelt wird. Garstig und bedrohlich beendet "Holocene" dieses Post Metal-Album der Spitzenklasse. Für die superben Cleanvocals haben sich The Ocean Extrapunkte verdient, und so ist dieses Album, zusammen mit den Alben von Fleetburner und Posthumanbigbang, das Beste, was der Post Metal-Jahrgang 2020 bisher ausgespuckt hat!
Roolf   
Punkte: 9.3 von 10
TORCH – Reignited  (LP)
Metalville
Ja, wir hatten das schon, dass zu Beginn eines Albums sich die Nadel auf das Vinyl setzt. Hört sich hier aber bei Torch sehr authentisch an, da die Jungs bereits 1982 mit ihrer ersten EP auf sich aufmerksam machte (gegründet 1980, aufgelöst 1984). Die Schweden haben noch mehr Accept und Judas Priest unter den Fingernägeln als ihre Landsmänner von HammerFall. Das beweist schon der Opener «Knuckle Duster» und manifestiert «Collateral Damage». Hier gehe ich sogar soweit, zu behaupten, dass Accept keinen solchen Track mehr geschrieben haben seit Udo Dirkschneider nicht mehr bei der Solinger Stahlschmiede kreischt. Hier passt alles, der Songaufbau, die fetten Gitarren, der leicht kreischende Gesang, der Refrain und der alles niederwalzende Rhythmus. Selbst die Kosaken-ähnlichen Chöre kommen zum Einsatz. «All Metal, No Rust» geht den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Ja, die Jungs sind wirklich nicht eingerostet, und mit dem Paukenschlag «Feed The Flame» kredenzt die Band eine alte Tugend. Man weiss schon bei Eröffnungsriff, in was für einen Track das münden wird. Mit viel PS in den Saiten wird die Flamme gefüttert. Auch die ruhigen Passagen, die in einen harten Track übergehen (erinnert ihr euch an «Neon Nights» von Accept) werden hier zelebriert und auf den Namen «In The Dead Of The Night» getauft. Das «Too High To Get It Right» ertönt hier als «Cradle To Grave». Ja, vieles erinnert an Accept, aber besser gut geklaut als schlecht selber gemacht. Gottesgleich auch «Snake Charmer», das mit einer Talk-Box garniert wird. Mit dem schleppenden «Intruder» und dem schwerfälligen «To The Devil His Due» wird ein Album beendet, mit dem ich in dieser Stärke nicht gerechnet hätte. Unglaublich, wie die Jungs in fast Original-Line Up noch immer zu überzeugen wissen. Wer auf traditionellen German Metal steht, kommt an Torch nicht vorbei.
Tinu   
Punkte: 9.2 von 10
FLEETBURNER - Fleetburner  (2 LPs)
Butler Records/Bertus
Die niederländische All Star-Truppe namens Fleetburner, die aus ehemaligen von In Flames, Dark Tranquility und Shining besteht, bringt mit dem selbstbetitelten Album ihr Debüt unters zahlende Volk. "The Lnd" beginnt mit einem Piano-Intro und mit dem Einsetzen von Gesang und der Abteilung Instrumente wird Prog Metal geboten. Als Anhaltspunkt kann Opeth heran gezogen werden. Wie ein Soundtrack beginnt "The Beach" und ist progressiv bis in jede einzelne Haarspitze! Musikalisch strotzt dieser Song vor Genialität und der Sänger kann mit seiner Performance spielend mithalten! Feine Tonkunst bietet "The Breakwater" an, der ein weiterer Höhepunkt darstellt. Wellenförmig wird die Intensität von zart bis hart ausgewogen fein justiert. Rockig geht es mit "Open Water" weiter, ohne aber den Prog-Faktor zu vernachlässigen. Reduziert kommt "The Fleet" nur ganz langsam in die Gänge, wächst dann mit einer unvergesslichen Melodie über sich hinaus. Da sind absolute Prog-Profis am Werk. In Richtung Halbballade geht "The Passanger" und ist ein zuckersüsser Song, der die Verliebten zum Kuscheln einlädt und natürlich auch alle Anderen! Das ist eine ganze Wagenladung Gefühle, die da frei Haus geliefert wird. Halbballade, die Zweite heisst es mit "The Deck". Ein hochdramatischer Song, der einfach nur bezaubernd ist. Durch das Tal der Tränen kämpft sich "The Course". Von den beiden Vorgängern unterscheidet sich dieser Song nicht wesentlich. Für mich dürften Fleetburner nun mal wieder das Bremspedal mit dem Gaspedal tauschen! Dramatisch öffnet sich, mit "Below The Waves", der Vorhang zu einer weiteren Vorstellung im Prog-Theater. Und jetzt sind Fleetburner aus ihrem Dornröschen-Schlaf aufgewacht und spielen sich förmlich ins Prog-Nirwana. Genauso geht es mit "The Deep" im gleichen Takt weiter und stellt ein weiteres Prog Metal-Highlight dar. Sensationell ist auch, wie die Gitarristen sich um den Verstand solieren. Furios zeigen sich Fleetburner mit "The Endless" schon wieder in Höchstform! Ich würde behaupten, dass dieses Debüt ein absolutes Highlight ist und sich auf der selben Stufe befindet wie die Alben von Opeth und Konsorten. Ein sensationelles Album von Fleetburner, und man darf gespannt sein, wie die Geschichte dieser Band weitergehen wird!
Roolf   
Punkte: 9.2 von 10
UADA – Djinn  (2 Silver LPs)
Eisenwald
Jeder der Uada kennt, kann bestimmt schon erahnen, was auf ihn zu kommt. Denn Uada bleiben sich treu. Düstere Klänge ertönen aus den Boxen, dämonischer Gesang erklingt. Sie sind wieder da. Die Band hat seine Zuhörer noch nie enttäuscht, seit 2014 haben sie sich hochgeangelt in der Welt des Melo-Black Metals und sind mittlerweile zu einem Namen geworden, den jeder kennt, der sich in dieser Szene aufhält. Ihr neustes Werk besteht aus sechs Songs, wohlgedacht aufgebaut und hammermässig komponiert. Geniale Riffs begrüssen die Hörer, begleitet von rasenden Drumms. Eine gewisse Melodie ist natürlich nicht wegzudenken, welche eine melancholische Seite des Albums hervorbringt. Aber niemand soll behaupten, dass «Djinn» ein feines und weiches Album ist, dafür sorgt der dämonische, brutale Gesang.  Es gibt gar nicht viel zu sagen, es ist einfach so genial, wie man es von Uada erwarten kann. Die Songs reissen mit und verfügen wie gewohnt über ein sehr breites Spektrum von abwechselnden Parts, so dass es nie langweilig zum zu hören wird. Kann ich wirklich nur empfehlen!
Zoé  
Punkte: 9.0 von 10
OST+FRONT – Dein Helfer in der Not  (Digipack)
Out Of Line Music
Seit 2008 bestehend veröffentlichen Ost+Front, der Neuen Deutschen Härte zugehörig, nun ihr fünftes Studioalbum «Dein Helfer in der Not». Der Albumtitel ist spezifisch auf die heutige Situation bezogen – “Das Album soll dir die Hand reichen und dich wieder aufbauen“, so Sänger Hermann Ostfront. Stilistisch balancieren sie zwischen Rammstein, Oomph, Deathstars, Saltatio Mortis und in den oft auftretenden schönen, hellen Passagen erinnern sie stark an Mono Inc. So… Ein total spannendes, bizarres Konzept wird hier präsentiert. Ost+Front üben mit ihren deutschen Texten starke Gesellschaftskritik aus – dies wird teils explizit, teils in Geschichten verpackt umgesetzt. Sie wechseln durchgehend zwischen harten, dumpfen Riffen und herzerwärmenden Melodien, die berühren. So entsteht ein spannender Verlauf des Albums, der von Stimmungswechseln und überraschenden Wendungen dominiert wird. Die Refrains bleiben als Ohrwürmer hängen und verleiten sofort zum mitsingen. Die Texte passen jedoch nicht immer zur Stimmung, was genau diesen bizarren, grotesken Effekten auslöst, die Ost+Front auszeichnen. Hierfür ist «Honka Honka» das beste Beispiel – die brutalen Lyrics werden mit einer lustigen, aufmüpfigen Melodie kombiniert. Textlich, wie wahrscheinlich angenommen, bewegen sie sich ebenfalls im Stil Rammsteins und Oomphs. In der Vergangenheit haben sie explizit Rammstein-Texte und Lieder adaptiert; auf diesem Album erscheint beispielsweise «Was einmal war» als eine Abwandlung von Rammsteins «Mutter». Die harten Riffs, meist mit Keyboard und Streichern begleitet, reissen sofort mit. Gesanglich wechselt Sänger Ostfront zwischen Sprech- (Rammstein, Deathstars) und melodiösem, lieblichem Gesang, passend zu den Stimmungswechseln. Ehrlich – zu «Dein Helfer in der Not» könnte als Review ein Roman veröffentlicht werden, in dem jedes einzelne Lied in Musik, Lyrik und Wirkung besprochen wird. Das Album verblüfft mit jedem Track aufs Neue, macht Freude, regt zum Nachdenken an und ja, es baut den Hörer, dem dieser Musikstil gefällt, definitiv wieder auf. Obwohl ihre Musik konstant an andere Künstler erinnert, kombinieren Ost+Front alle Elemente zu einem eigenen, faszinierenden Style. Jeder, der Fan von Rammstein, Oomph, Saltatio Mortis, Mono Inc., Industrial Metal oder allgemein der Neuen Deutschen Härte ist, der sollte sich dieses Album definitiv anhören!
Sina   
Punkte: 9.0 von 10
VRIMUOT – O Tempora, O Mores!
Prophecy Productions
Vrimuot, ein deutsches Musikprojekt, bringt sein Debutalbum «O Tempora, O Mores» diesen September raus. Es erwartet die Hörer sechs Musikstücke, präzise aufgebaut und mit viel Geschick aufeinander abgestimmt. Ruhige Instrumentals begleiten den tiefen, melodiösen Gesang, im Hintergrund ist fein die Perkussion zu hören. Die Lyrik ist komplett in Deutsch gehalten, so dass man auch ohne grosse Konzentration versteht, was der Künstler T.S. seinen Zuhörern mitteilen will. Das gibt meiner Meinung noch ein komplett anderes Bild in das Album. Faszinierend ist meiner Meinung nach auch, wie T.S. mit seiner blossen Stimme so viel Bedeutung in seine Lieder bringen kann. Sei es etwas kratziger, aggressiver oder dann wieder zitternd, verletzlich. So viele Facetten, so einfach hervorgebracht. Ein klares Zeichen, wie viel Können, dieser Mann in sich trägt. Die ruhige, melancholische Stimmung in den Liedern, zieht sich pro Song auf plusminus acht Minuten hin, ein weiterer Pluspunkt, ich hasse diese Songs, welche kaum haben sie begonnen auch schon wieder fertig sind. Ich kann «O Tempora, O Mores» wirklich weiterempfehlen, und bin gespannt darauf, was wir in der Zukunft von Vrimuot hören werden.
Zoé   
Punkte  9.0 von 10
COMANIAC - Holodox (LP, Red Vinyl)
Metalworld
Das Jahr 2020 hat doch so gut und "normal" wie immer begonnen, heisst im Januar gleich die erste Dröhnung beim "ICE ROCK"-Festival im Emmental, Purpendicular (mit Ian Paice) in der Mühle und Dream Theater in der Samsung Hall. Gegen Ende Februar gönnte sich der Rezensent einen spontanen Kurztrip nach Kopenhagen, der mit einem Besuch bei Michael Denner (Ex-Mercyful Fate) in seinem Plattenladen endete. Tja, und so hätte es doch wunderbar weiter gehen können, ja müssen, und im Frühling wären auch Comaniac aber sowas von ready gewesen, ihr drittes full lenght Album «Holodox» auf die Menschheit los zu lassen. Doch es kam anders, und die Welt wurde seither und "dank" diesem unsäglichen Scheissvirus definitiv eine andere. So mussten die Aargauer (Technical) Thrash Hopefuls, wie die ganze Szene auch, ziemlich hartes Brot essen und alles um Monate raus schieben. Nun ist das Kind aber definitiv geboren und wurde kürzlich beim Outsider-Shop in Olten mit einer Signing Session gewürdigt. Seit dem Demo, das Ende 2012 aufgenommen wurde, sind nun bald acht Jahre ins Land gezogen, und heuer ist nur noch ein Mohikaner von der ehemaligen Truppe übrig geblieben: Leadsänger und Gitarrist Jonas Schmid! So könnte man nun hingehen und konstatieren, dass Jonas alleine die Band Comaniac ausmacht. Könnte ja zum Beispiel wie bei Ironflame so sein, wo Andrew D'Cagna komplett alles selber einspielt. Könnte, aber Comaniac 2020 sind eine bockstarke echte Band, die neben Mastermind Jonas noch Gitarrist Valentin Mössinger, Schlagzeuger Stefan Häberli und Neuzugang Joel Strahler am Bass beherbergt, der den Ur-Basser Raymond Weibel ablöste. Fand ich zwar schade, aber das Leben geht weiter.

Hört man sich den Opener «1, 2, Rage» vom Debüt «Return To The Wasteland» (2015) an, werden massig Vibes der alten Metallica heraus gekehrt, die auf dem zweiten Werk «Instruction For Destruction» immer noch da, aber spürbar zurück gebunden wurden. Diese Arrangements bahnten letzlich den Weg für das heutige Songwriting, das nun «Holodox» ziert. Der gleichnamige Titeltrack figuriert als Opener und hält zunächst die Fahne der alten Thrash-Tage hoch, inklusive kultigem Tom Araya "Gedenk-Scream" aufrecht. Spätestens beim einsetzenden Guitar-Solopart hört man erste Sounds, die man einer anderen Kult-Band zurechnet: Megadeth! «The New Face Of Hell» nimmt durch verschiedene Tempi und variables Drum-Spiel vorweg, was oben vor "Thrash" in der Klammer steht und nach dem letzten Ton zweifelsfrei fest steht, nämlich dass Comaniac die frühere einfache Thrash-Formel verlassen, sprich erweitert haben. Das nennt man im Dunstkreis des oft wegweisenden dritten Albums eine klassische Reifeprüfung, und diese wird vollumfänglich erfüllt. «Head of The Snake» lässt mich teilweise noch an die grossartigen, aber leider verblichenen Nevermore erinnern, und auch hier ist eigentlich nix mehr von Hetfield & Co. auszumachen. Die Bridge inklusive Guitar-Solo, wo sogar akustische Töne zu vernehmen sind, würde ich nun definitiv als Trademark von Comaniac bezeichnen. Die Laustärke des Leadgesangs, der vor allem beim Vorgänger eher zu weit vorne platziert war, ist nun besser im Gesamtsound eingebettet. Der Mix von Tommy Vetterli (Coroner) ist druckvoll wie zeitgemäss und passt wie Arsch auf Eimer. «Narcotic Clan» und das so nicht erwartete «Bittersweet» zählen zu meinen Faves. Weiter so!
Rockslave   
Punkte  9.0 von 10
PAIN OF SALVATION - Phanter  (2 LPs & CD)
InsideOut Music
David startet in das neue Album mit modernen Prog Sounds, etwas sperrig, düster und mit unverkennbar gefühlvollem, etwas traurig klingendem Gesang, echt starker Anfang in den neuen Rundling. Das folgende, schwere, zu Beginn stampfende "Unfuture" gefällt nicht weniger, vor allem durch den Wechsel ins ruhigere, bedrohlich wirkende, Daniel zeigt schon nach zwei Songs, dass er den Status als Vordenker und unangepasst fortschrittliche Band im wahrsten Sinn des Wortes konsequent weiterführt. "Restless Boy" beginnt sehr ruhig und verwandelt sich in der Mitte des Tracks in einen wütenden Song, um sich später wieder zu beruhigen, klasse, wie die band das umsetzt. "Wait", eine ruhig beginnende Klavier-Nummer, die von einer klassischen Gitarre unterstützt wird, kommt mit sehr viel Gefühl, auch im Gesang, wunderschön. "Keen To Fault", eine typische Gildenlöw-Prog-Nummer, so, wie nur er sie schreiben kann, sehr lebendig und anspruchsvoll. Die Titelnummer "Phanter" kommt sehr modern mit elektronischen Einlagen und mit harten Gitarren dazwischen, etwas gewöhnungsbedürftig. Zum Schluss noch die 13-Minuten-Nummer "Icon". Ein auf und ab der Gefühle und musikalischen Stile, typisch halt. Wie gewohnt schert Daniel auch auf diesem Album in diverse musikalischen Gefilde aus. Spannend, auf hohem Niveau, und sehr hörenswert. Daniel Gildenlöw ist nicht nur ein hervorragender Musiker und Songschreiber, sondern auch ein Künstler.
Crazy Beat  
Punkte: 8.9 von 10
FINNTROLL – Vredesvävd  (LP)
Century Media/Sony
„Aus Zorn gewoben“, wie die neue Platte „Vredesvävd“ frei übersetzt heisst, ist der Titel von Finntroll’s siebtem Streich. Ebenso viele Jahre mussten sich die Fans gedulden, um neues Studiomaterial ihrer Folk-Metal Helden zu Gehör zu bekommen. Beim neuen Album könnte man schon fast von einem Comeback der Band sprechen, das sich an den Alben „Ur Jordens Djup“ und „Blodsvept“ orientiert. Henri „Trollhorn“ Sorvali setzt als Hauptsongwriter folglich weniger auf den Soundtrack-Charakter, den er Alben in der Vergangenheit in dominantem Mass verliehen hat, sondern mehr auf kompakte Songs im klassischen Sinn. Trotzdem lässt die Truppe keine musikalischen Wünsche offen. Anteil daran hat nach Aussage der Band auch Neu-Trommler Heikki „mörkÖ“ Saari, der mit seinem Einstand bei der Gruppe für frischen Wind sorgt. Sänger Mathias „Vreth“ Lillmåns ist mit seinem einseitig heiseren Geschrei nach wie vor der „Schwachpunkt“ des Oktetts, nur dass dies bei den einfach strukturierten Kompositionen nicht negativ auffällt. Das Album zeichnet sich durch überwiegend flotte und aggressive Songs aus. „Vredesvävd“ ist zwar weniger innovativ als zuletzt aber die Scheibe steigert sich im Verlauf zusehends. Die skandinavischen Kobolde fackeln nicht lange und machen alles richtig, indem sie sich während zehn Songs unmittelbar zurück ins Herz der Szene spielen. „Vredesvävd“ ist kompositorisch überdurchschnittlich stark ausgefallen und gehört ohne weiteres unter die Top-Drei der Diskografie dieser Band, die offensichtlich noch eine Menge zu sagen hat. Welcome back, Finntroll!
Oliver H.    
Punkte: 8.9 von 10
THE PROGRESSIVE SOULS COLLECTIVE - Sonic Birth (Digipack)
Metalville Records
Florian Zepf hat hier ein ziemlich besonderes Prog-Album am Start. Wenn man sich seine Besatzung mal genauer ansieht verwundert das nicht. Hat sich doch der Junge Derek Sherinian an die Keys geholt. Und dazu noch Tony McAlpine-Drummer Aquiles Priester. Dann noch Haken-Bassist Conner Green und den serbischen Sänger Vladimir Lalic von Organized Chaos. Für die Loops und das Programming holte sich der Gitarrist noch Kevin Moore ins Boot. Da rummst es mal musikalisch wie bei Dream Theater, man höre sich nur die Prog-Nummer "Killing True Beliefs" an, vom feinsten, was die Jungs hier abdrücken. Oder der Aufbau von "Fractional Emotion", unglaublich spannend. Etwas gemächlicher geht’s zu bei "A Formula For Happiness", hier glänzt Vladimir mit seiner Stimme, grandios, was der Junge stimmlich drauf hat. Aber auch hier sind DT allgegenwärtig, toll gespielt. Dem entgegen steht das schon fast simple, poppige "Inner Circle", klasse Gegensatz. Auch die Ballade fehlt natürlich nicht, hier in Form von "You And Me Alone" bei der Vladimir im Duett singt mit einer mir unbekannten weiblichen Stimme, sehr schön. Das Herzstück aber ist das 15 Minuten lange "Destiny Inc". Hier bringen die Ausnahme-Musiker ihre Einflüsse zusammen. Ein wirklich grosser Prog-Song ist den Jungs damit gelungen. Vor allem Drummer Aquiles tobt sich hier gnadenlos aus, herrlich da zuzuhören. Dieser Song lebt vom Auf und Ab, Breaks, Tempowechseln, Stakkatos und Vladimirs variabler Stimme, brachiale Sounds treffen auf atmosphärische Klänge, einfach grandios. Stark, was diese Truppe hier abliefert, dürfte wohl jedem Proggie gefallen.
Crazy Beat  
Punkte: 8.9 von 10
INCANTATION - Sect Of Vile Divinities  (LP)
Relapse Records
Mit dem mittlerweile 12. Album namens 'Sect Of Vile Divinities' zelebrieren die Urgötter Incantation astreinen Death-Metal, schwer, düster, heftig riffend und leicht doomig, eben, Incantation-like. 12 Tracks befinden sich auf 'Sect Of Vile Divinities' der vier US-Amerikaner aus New Jersey, aktuell Pennsylvania (Johnstown). Für dijenigen, die Incantation noch nicht kennen, so sounden sie à la Immolation, Atuopsy und Konsorten, denn als Urgötter stehen sie selbstredend für den besagten und berüchtigten Incantation-Death-Metal, und dies hat sich bis heute grundlegend nicht geändert, ausser das sie virtuoser, abwechslungsreicher und brutaler geworden sind, was jedoch ebenfalls selbstredend ist, denn seit dem Gründungsjahr 1989 wird gemuckt und gezockt. Ja, die doomigen Elemente sind dem Incantation-Sound auch treu geblieben, nebst den blastenden Momenten, den death-thrashigen Hyper-Blast-Attacken. Die Soli sind virtuos und sehr melodiös gehalten, wobei ab und an doch ordentlich in Lichtgeschwindigkeit auch geshreddert wird. Der Tieftöner entspricht dem wahrlichen Tief, die Drums blasten und double-bassen, wie auch doomig schleppend durch die Patterns und der Gesang ist bekanntlich bösartig growlig gehalten. Die Produktion steht wie eine Wand, zieht sich gewaltig aus den Boxen in die Gehörgänge, unverhinderbar. Das Artwork ist ebenfalls ruhmeshallenwürdig, keine Frage, da passt jedes Mosaikstein, vom Songwriting bis zum Look. Anspieltipps sind da 'Ritual Impurity (Seven Of The Sky Is One)', 'Guardians From The Primeval', 'Shadow-blade Masters Of Tempest And Maelstrom' und 'Furys Manifesto'.
Leopold  
Punkte: 8.9 von 10
TYGERS OF PAN TANG - Ambush (LP, Orange Vinyl, Re-Issue)
Mighty Music
Die Wiederveröffentlichung einer alten Scheibe geht meistens mit einem Jubiläum einer, doch beim Album «Ambush» von 2012 findet man auf den ersten Blick eigentlich nur heraus, dass dies vor acht Jahren das zehnte Studiowerk der Briten markierte. Für den aktuellen Frontmann Jacopo Meille, der seit 2004 an Bord ist, war es nach «Animal Instinct» erst die zweite Beteiligung. Und wenn wir schon beim Thema "Band-Personal" sind, dann soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass «Ambush» für Gitarrist Dean Robertson Endstation bedeutete, während Bassist Gav Gray hierbei seinen Einstand gab. Wer sich bei metal-archives.com mal einklinkt, sieht dann entsprechend, warum diese an sich hammergeile Band letztlich erfolgsmässig scheiterte, ja scheitern musste! Immerhin liess sich Ur-Mitglied und Gitarrist Rob Weir nie von seinem Weg abbringen und bescherte der Metal-Welt mitunter dieses Juwel, das dem verstorbenen Produzenten Chris Tsangarides gewidmet ist, der 2018 leider zu früh verstorben ist. Das ist aber nicht der wahre Grund dieser von Henrik West remasterten Zweitauflage. Somit steckt was dahinter? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht, und es ist auch völlig schnuppe, denn diese um vier Bonustracks angereicherte Hammerscheibe, wenn nicht die Beste der Tygers in der Neuzeit, gehört in jede gut sortierte CD- und Plattensammlung. Die Vinyl-Fans werden dabei mit einer limitierten Auflage in Orange erfreut.
Rockslave  
Punkte:
keine Wertung
MASTER CHARGER - Origin Of The Lugubrious  (CD)
Stoned Rocka Recordings
Aus den englischen Midlands kommt das Trio von Master Charger und ist in jeder Beziehung VERY BRITISH! Das dritte Album "Origin Of The Lugubrious" bietet Doom Metal, der mit diversen zusätzlichen Beilagen angereichert wird. Mit dem gleichnamigen Titeltrack "Origin Of The Lugubrious" startet dieses Album mit Vinylknistern aus längst vergessenen Tagen. Das Vinylknistern wird danach von Doom Metal abgelöst, und spätestens jetzt gibt es keinen Zweifel mehr betreffend der Herkunft von Master Charger. Übrigens war der Sänger im ersten Song noch nicht präsent, so darf er seinen Einstand mit "Embers Of The Sun" gebührend geben. Die heiser gekrächzte Stimme passt wie Arsch auf Eimer zu dem Song. Grooviger Doom im Old English-Style wird gekonnt dargeboten. Als Vergleich bieten sich, die ebenfalls aus England kommenden, Orange Goblin an, die sich auch mehrheitlich im selben Mid Tempo-Bereich aufhalten und nicht im ultralangsamen Bereich operieren. In diesem Song wird auch noch eine regelrechte Jam-Session veranstaltet. Weiter im rockigen Kontext geht es mit "Blood Send". Dieser Song gewinnt durch die schleppenden Riffs gewaltig an Groove. Die Effektgerät der Gitarristen laufen in diesem Song auf Hochtouren. Nur wird dieser Song ein wenig zu fest in die Länge gezogen. "Who The Hell Are You" präsentiert die rockige Seite von Master Charger und hat mit Doom eigentlich nichts am Hut! Den Innovationspreis 2020 gewinnen Master Charger definitiv nicht, aber die Mucke ist einfach nur sehr geil gezockt! Das Ganze hört sich wie eine improvisierte Jam-Session an. Mit schleppendem und zugleich dumpfem Doom kommt "Buried By Time And Dust" aus den Boxen und beweist, dass Master Charger auch eine sehr kauzige Seite haben! Das ist sicher keine Musik für die Allgemeinheit, sondern für ausgesprochene Liebhaber des britischen Stils. Die Feststellung, dass neben dem Bremspedal auch ein Gaspedal existiert, wird mit "Our Time Has Come" von Master Charger gemacht, auch wenn jetzt keine unbändige Raserei zu erwarten ist. Der geile Refrain ist mehr als gelungen und die Gitarrenarbeit ist ebenfalls voll in Ordnung. Den Abschluss darf "EarthBound Hellbound" übernehmen. Nicht mehr ganz so rockig, dafür schreit der Sänger, wie wenn es um sein Leben gehen würde. Der Song wird mit einem ultimativen Megariff gekrönt! Wer auf rockigen Doom oder doomigen Hard Rock nach very britischer Art steht, sollte dieses Album von Master Charger unbedingt antesten!
Roolf  
Punkte: 8.9 von 10
MESSIAH – Fracmont  (Gatefold Neon Violet Viny)
High Roller Records
Wer mich kennt, der weiss, dass ich beim Schweizer Quartett von Messiah etwas voreingenommen bin – ich mag die Jungs! Sie haben keine Allüren sondern einfach Spass bei dem was sie tun. Bis auf einen neuen Song von der EP „Fatal Grotesque Symbols – Darken Universe“, die letzten Monat erschienen ist, gab es seit 26 Jahren kein neues Material der schweizer Death Thrasher mehr zu hören. Mit „Fracmont“ ist der Moment gekommen, auf den langjährige Fans gehofft haben – ein neuer Silberling! Schon die ersten Töne von „Fracmont“ verraten dem Kenner, dass sich Messiah über all die Jahre treu geblieben sind und keine neuen musikalischen Wege beschreiten. Allerdings wirkt die Platte schon von Beginn an strukturierter und die Songs klingen eingängiger und ausgereifter als auch schon. Mit dem provokativen Intro „Sacrosanctus Primitivus“ und dem Titeltrack „Fracmont“ geht es von Sekunde Null an heftig zur Sache und erst nach zwölf Minuten wechselt die Anzeige am Player auf „3“. „Morte Al Dente“ ist dann druckvoll, etwas rhythmischer als der Vorgänger und „Singularity“ ist ein Nackenbrecher vor dem Herrn. Der Song feuert heftig ab und dürfte auch für „Speed-Freaks“ ein Genuss sein. Der Sound lebt aber auch von der unverkennbaren Front-Stimme Andy Kainas, die über die tonlosen Jahre erstaunlich wenig an Volumen und Kratzbürstigkeit eingebüsst hat. Tracks wie „Miracle Far Beyond Disaster“ oder „Dein Wille Geschehe“ gehören mit zu den Besten, die Messiah je produziert haben. Mit dieser Platte könnte ihnen sogar der Anschluss beim jüngeren Publikum wieder gelingen.
Oliver H. 
Punkte: 8.8 von 10
IN FLAMES – Clayman (20th Anniversary LP)
Nuclear Blast/Warner
Zum 30jährigen Geburtstag von In Flames und dem 20jährigen Jubiläum von „Clayman“, hat die Band ihren Klassiker noch einmal von Ted Jensen (Pantera, Deftones, Gojira) remastern lassen. Es wäre doch arg verwunderlich gewesen, hätte man diesen Termin im Hause Nuclear Blast verstreichen lassen. Neben dem Standard-Geburtstagspaket bestehend aus einem frischen Cover und einem kompletten Remaster haben die Melodeath-Pioniere um Anders Fridén sich ein Instrumentalmedley und Versionen von Fanfavoriten wie „Only For The Weak“ und „Pinball Map“ neu zur Brust genommen. Ein mutiger Schritt, mit einem Ergebnis das längst nicht jedem gefallen dürfte, denn - „Clayman“ ist und bleibt ein Klassiker! Ein wenig bitter fällt deshalb gerade der Vergleich von den Neuaufnahmen von „Bullet Ride“, „Pinball Map“, „Only For The Weak“ und „Clayman“ zu den Originalen aus, um den man aber einfach nicht drum herum kommt. Wer In Flames über die letzte Dekade verfolgt hat, dem dürfte ein gewisser Wandel im Sound der Schweden nicht entgangen sein. Die Tatsache, dass von der „Clayman“-Besetzung lediglich Björn Gelotte und Anders Fridén übriggeblieben sind, spricht alleine für sich. Und leider klingen die grössten Hits des vielleicht grössten In Flames-Albums 2020 genauso steril, genauso lieblos wie das, was die Band mindestens seit „Siren Charms“ produziert. Und dann ist da noch „Themes And Variations In D Minor“, ein Streichermedley der bekanntesten „Clayman“-Melodien, das zeigt, was alle schon wussten: Diese Melodien sind unsterblich, In Flames sind es nicht. Es bleibt wohl wieder einmal mehr den Fans überlassen, sich ein Urteil über „Claymann 2020“ zu bilden.
Oliver H.  
Punkte:
keine Wertung
VANISHING POINT - Dead Elysium (CD)
AFM Records/Phonag
Auf eine gewisse Art und Weise ist es noch krass, wie eine Band, die schon mehrfach als Support in der Schweiz zu sehen und zu hören war, mehr oder weniger in der Masse untergeht. Vanishing Point sind da allerdings in bester Gesellschaft mit dutzenden anderen Kollegen auch. Die Melodic Progressive Metaller aus Melbourne sind nämlich seit genau einem Vierteljahrhundert am Start und haben zwischen 1997 und 2014 fünf durchwegs gute Alben raus gehauen, wo jedes nachfolgende eine Schippe drauf legte. Und trotzdem spricht man in dieser Stilecke überwiegend von Dream Theater, Queensrÿche, Fates Warning, Threshold oder Ayreon, Pagan's Mind et cetera. Dabei beweisen die Australier auch auf ihrem sechsten Longplayer während fast einer ganzen Stunde, dass sie es eigentlich ebenso faustdick wie ihre Konkurrenten zu bringen vermögen. Wie zum Beispiel bei Pagan's Mind ist nach wie vor eine ordentliche Grundhärte vorhanden, die den Songs, zusammen mit der hammermässigen Gesangsstimme von Silvio Massaro (der überwiegend auch für die Lyrics verantwortlich zeichnet), mächtig Dampf verleiht. Als Opener legt der Titeltrack schon mal opulent vor, gefolgt von weiteren Glanzstücken wie «To The Wolves» oder «The Fall», die keine Gefangenen machen. Heraus streichen muss man zudem das brillante Gitarrenspiel des kongenialen Axt-Duos Chris Porcianko und James Maier. Das klare Markenzeichen von Vanishing Point ist jedoch der markige Gesang von Master Massaro und die stets dezent eingesetzten Keyboards, die aktuell nicht auf das Konto eines separat genannten Band-Members gehen. Nichtsdestotrotz ist «Dead Elysium» ein Must für die Zielgruppe!
Rockslave 
Punkte: 8.8 von 10
FACELESS BURIAL - Specification  (CD)
Dark Descent Records / Me Saco Un Ojo Records
Nur schon der Recordlabelname ist die halbe Miete, 'Me Saco Un Ojo Records', hellyeah ... Anyway, mit 'Specification' präsentieren uns Faceless Burial aus 'Down Under', genauer gesagt aus Melbourne, Victoria, Australia, brutalen, leicht progressiven Death-Metal. 6 Tracks zieren den zweiten Longplayer, welche gepaart von fleissigen, ineinanderfliessenden Tempiwechseln und Breaks dennoch sehr straight, moshend und groovend deathig daherschreiten. Bin bereits geneigt zu schreiben, dass hierbei fleissig auch technisiert-progressiv gezockt wird, was das Songwriting sehr interessant, etwas progressiv in den Fokus wirft, jedoch ohne dabei den berühmt-berüchtigten roten Faden zu verlieren. Auch hier wird virtuos gezockt, mit wirbelnden, blastenden und moshenden Drums, virtuosen und vertrakten Riffs, herrlichen Soliausflügen, einen sehr virtuosen und schlagkräftigen Bass und untermalt mit heftigstem, gutteralen Sangesakrobatiken. Well, erinnert etwas an Suffocation, Immolation, Morbid Angel und Freunde. Sehr gute und klare Produktion, ein goiles Artwork, perfekt so. Anspieltipps wären 'Worship', der Titeltrack 'Speciation' und 'Ravished To The Unknown'.
Leopold 
Punkte: 8.8 von 10
CJSS – World Gone Mad (Re-Release CD)
Divebomb Records
Das Debütalbum von CJSS erstrahlt in neuem Glanz. Mit der gleichen Besetzung wie bei Zweitling «Praise The Loud» verfügte «World Gone Mad» über eine unglaubliche Power. Diese überfährt den Hörer schon mit den Opener «Hell On Earth». Die Frage, wieso CJSS nie den Erfolg bekam, der ihnen genau gleich wie Metal Church, Riot, Vicious Rumors oder Yngwie Malmsteen zustand, kann wohl nur damit erklärt werden, dass David auf zu vielen Hochzeiten tanzte. Chastain, seine Solowerke, CJSS und dann noch sein Leviathan-Label. Schade, denn in den achtziger Jahren lag das Hauptaugenmerk der Fans noch auf einer Truppe, bei der sich das Line Up am liebsten nie verändern würde. Loyalität und Bandliebe wurde noch grossgeschrieben und kam einem Ehrenkodex gleich. Und da sich CJSS immer in der gleichen Besetzung präsentierte und die Musik perfekt in die damalige Zeit passt, waren alle Grundvoraussetzungen gegeben. «World Gone Mad» war damals eines diese Debütwerke, das für Aufsehen sorgte und das man gerne seinen Kumpels unter die Nase gehalten hat, um damit zu prahlen, die kommende Superband schon früh gekannt zu haben. Mit dem Led Zeppelin-Cover «Communication Breakdown» zeigt besonders Sänger Russel, welch begnadeter Shouter er war. Daneben sorgten die kraftvollen Heavy-Tracks für Aufsehen, speziell der Hit «World Gone Mad», den viele sicher kennen werden, aber nicht wissen, woher er stammte. Der Speedbolzen «The Gates Of Eternity», das schwerfällige, Bass-betonte «World Of Damnation» und das fetzige «Living In Exile» sind Metal-Tracks, die man zumindest einmal im Leben gehört haben muss. Danach ist man eh angefixt und infiziert von CJSS. Mit vier Demo-Bonus-Tracks wird der Re-Release aufgewertet. Alleine der Thrash-Hammer «Wild In The Street» beweist auf eindrückliche Weise, zu was die Truppe fähig ist! Kaufen!
Tinu  
Punkte:
keine Wertung
TERRA ATLANTICA – Age of Steam  (CD)
Pride & Joy Music
«Age of Steam» ist das zweite Studioalbum der deutschen Symphonic Power Metal Band Terra Atlantica. Damit wird ein Werk voller Energie, Dynamik, Abwechslung und Kitsch auf den Markt gebracht, welches gute Laune und Freude bereitet. Beim Durchhören entsteht durch den Stil der Musik der Eindruck, als würde man einer heroischen, spannenden Geschichte zuhören. Dies ist auch auf lyrischer Ebene der Fall – Terra Atlantica bleiben sich treu, indem sie auch ihr zweites Album der Atlantis-Saga widmen. «Age of Steam» erzählt die Geschichte des auftauchenden Atlantis, wie die Stadt im 19. Jahrhundert zur Konkurrenz Grossbritanniens wird und wie die Grossmacht versucht, die Stadt zu eliminieren, um ihre Herrschaft über die Sieben Meere zu sichern. Während sie ihr Konzept weiterziehen, stellt das Quartett Julian Prüfer als neuen Bassisten und Freddie Akkermann als neuen Gitarristen vor. Der Line-up-Wechsel hatte zur Folge, dass Gründungsmitglieder Nico Hauschildt (Drums) und Tristan Harders (Gesang, Gitarre) das Werk überwiegend alleine komponiert haben. Musikalisch kombinieren Terra Atlantica schnelle, melodiöse Gitarrenklänge mit symphonischen Elementen, wobei grösstenteils Bläser und Streicher dominant wirken. Ihre Lieder sind von Tempo- und Stimmungswechsel durchzogen, die dem Verlauf Spannung und Abwechslung verleihen. Es wird eine heroische, epische und eben teils sehr kitschige Atmosphäre geschaffen, die bei Gefallen für Freude und gute Laune sorgen. Der heroische Eindruck wird besonders durch die Mehrstimmigkeit und das Einsetzen von Chören in Refrains und ausgewählten Passagen erzeugt. Teilweise klingt es, als würde hier ein Metal-Musical auf die Beine gestellt werden. Insbesondere in «The Treachery of Mortheon» wird dieser Eindruck durch Gastopernsänger Oleg Rudych (Magistarium), durch Chöre und den epischen, erzählenden Melodien geschaffen. Zudem ist auch Gabriel Tuxen (Seven Thorns) als Gast zu hören und Gitarrist/Sänger Alex Hunzinger (Aeternitas) ist für die orchestralen Einlagen verantwortlich. Terra Atlantica befinden sich auf einem Kontinuum zwischen Power und Symphonic Metal, auf dem sie regelmässig hin und her fahren und so auch stilistisch für Abwechslung sorgen. Ihre melodiösen, energiereichen Refrains bleiben im Ohr hängen – insbesondere «Mermaids» an zweiter Stelle bleibt, zumindest bei mir, als Ohrwurm zurück. Terra Atlantica erinnern teilweise an eine Mischung aus Serenity und Twilight Force. Obwohl «Age of Steam» musikalisch ziemlich kompliziert und abwechslungsreich ist, kann doch mit der Zeit der Kitsch etwas verleiden. Dies ist jedoch einfache Geschmackssache – wer auf melodiösen, energiereichen Metal steht, ist bei Terra Atlantica richtig.
Sina 
Punkte: 8.8 von 10
ACE FREHLEY – Origins 2 (Compilation - 2 LPs)
eOne/Musikvertrieb
Space Ace ist mit seinem zweiten Cover-Album zurück und drückt seinen musikalischen Einflüssen den ureigenen Ace-Stempel drauf. Ob dabei Led Zeppelin («Good Times Bad Times»), Deep Purple («Space Truckin‘»), die Rolling Stones («Jumpin’ Jack Flash»), The Kinks («Lola»), oder Jimi Hendrix («Manic Depression») intoniert werden, oder das bereits von Aerosmith gecoverte «I’m Down», welches in der Urversion von The Beatles stammt, Ace spielt noch immer verdammt gut auf seiner Gitarre. Gesangtechnisch erkennt man den ehemaligen KISS-Gitarristen sofort. Das Gute an diesem Album ist, dass Ace immer sehr nahe beim Original ist und trotzdem der Track als mögliche Ace-Eigenkomposition zu erkennen ist. Dafür sind die Leads von Mister Frehley zu bekannt und berüchtigt. Wie auch die Stimme von Lita Ford, die bei «Jumpin‘ Jack Flash» mitsingt. Als Bonustrack kommt «She» zu Ehren. Ein KISS-Klassiker, welcher auf dem 1975-Album «Dressed To Kill» zu hören war. Rockiges Cover-Werk eines Gitarristen, der unzählige seines Faches beeinflusste und noch immer mit seinem Spiel aus Tausenden von Saitenderwischen zu erkennen ist.
Tinu  
Punkte:
keine Wertung
CULT OF LILITH - Mara  (Digipack)
Metal Blade/Sony
In etwa so abwechslungsreich wie die zauberhafte Landschaft von Island, so abwechslungsreich ist das Debütalbum "Mara" der isländischen Band Cult Of Lilith ausgefallen. So wähnt man sich mit "Cosmic Maelstrom" in einer Death Metal-Oper. Da muss als Vergleich natürlich zwingend Fleshgod Apocalypse hinhalten, die eigentlich nur noch als Plus mit einer Opernsängerin aufwarten können. So trifft auch bei Cult Of Lilith derber Death Metal auf filigrane klassische Musik, wobei der Härtegrad konstant hoch gehalten wird. Einstieg mehr als geglückt und schon mal Daumen hoch! Mystisch startet "Purple Tide", um dann in einem wilden Death Metal-Gemetzel, inklusiv konstantem Klassik-Touch, zu enden. Geiles Wechselbad der Gefühle und die Mischung der verschiedenen Stile ist perfekt abgeschmeckt. Mit Death Metal-Geballer aus sämtlich verfügbaren Rohren zaubert uns "Enter The Mancubus" eine neue Fön-Frisur auf den Kopf! Dieser Song ist eigentlich im Tech/Death Metal zu verorten und auch auf diesem Parkett bewegen sich Cult Of Lilith einwandfrei. Atmosphärisch ruhig und mit Clean Vocals gibt es in "Atlas" schon wieder eine neue Seite an Cult Of Lilith zu entdecken. Die Clean Vocals wechseln sich im Verlauf des Songs mit Gegrowle ab. Sehr geil gespielt und zu keinem Moment langweilig. "Comatose" ist Tech/Death Metal mit Spuren von Prog Metal. Von den anfänglichen vorhandenen Klassikzitaten ist in diesem Song nichts vorhanden. Mit mehr Klassik kann "Profecta Paloma" dienen, aber nur am Rande, denn der Death Metal hält das Zepter fest in der Hand. Sehr aussergewöhnlich ist auch die Flamenco-Einlage in der Mitte des Songs. Death Metal mit ganz viel Groove ist im Song "Zangano" Trumpf und es wird noch dazu ein geniales Gitarrensolo gekonnt eingestreut. Da sind wirklich sehr gute Musiker und auch Songwriter am Werk. Der letzte Song "Le Soupir Du Fantome" ist eigentlich Klassik pur, aber mit Death Metal als Begleitung. Dieses Debütalbum von Cult Of Lilith ist wirklich eine sehr interessante Angelegenheit und für Fans der speziellen Mischung von Death Metal und Klassik ist dieses Album sicher ein Kauftipp!
Roolf  
Punkte: 8.8 von 10
TONY MITCHELL – Church Of A Restless Soul  (CD)
AOR Heaven
Der Sänger, Gitarrist, Keyboarder und Songwriter Tony Mitchell ist seit den Neunzigern aktiv. Mit Kiss Of The Gypsy konnte er damals durchaus Achtungserfolge verbuchen. Über die Jahre arbeitete er mit illustren Musikern wie Alice Cooper, Jon Anderson und Alan Parson zusammen. 2016 erschien sein erstes Soloalbum „Beggars Gold“, das ein positives Echo verursachen konnte, über Insiderbekanntheit aber nicht herauskam. Nun legt er mit „Church Of A Restless Soul“ nach. Dass aus 28 Stücken die besten 13 ausgewählt wurden, wirkt sich äusserst positiv aus, nämlich dadurch, dass man eigenliche Füller vergebens sucht. Weiter bietet uns der gute Tony aber viel mehr als der Labelseitig definierte Stil Melodic Rock. Die Scheibe ist extrem vielschichtig. Die erwähnten Melodic-Facetten schimmern zwar praktisch konstant durch, vielmehr wird aber knackiger Hard Rock und satter Metal geboten. Das Ganze gipfelt in brachialen Gitrarrenriffs und modernen Gesangseffekten. Diverse verschiedene Aspekte homogen unter den Melodic-Hut zu bringen ist schlichtweg ganz hohe Kunst. Die eingängige Meolodieführung mit diversen grossen Refrains sind ein weiterer Baustein, der zum hochqualitätiven Resultat führt. Musikalisch wurde der Gitarre das Feld überlassen, dem Keyboard wurde aber trotzdem Raum zugesprochen. Dieser wurde aber bloss songdienlich zur Aufwertung der Tracks genutzt, wobei vor allem die intensiven Balladen davon profitieren. Mr. Mitchell ist ein unerwartet starkes Album mit Herz und Seele, aber auch mit Charisma und Power gelungen, das zwingend Gehör finden muss.
Chris C.   
Punkte: 8.8 von 10
STORMBURST - Highway To Heaven (CD)
AOR Heaven/Non Stop Music
Die Truppe aus Schweden ist seit 2014 am Start und rekrutierte sich im Wesentlichen aus den Vorbands Six Feet Under (natürlich sind hier nicht Chris Barnes und seine Rabauken gemeint!) Keen Hue und Steam. Das Debüt «Raised On Rock» erschien 2017 und hinterliess bei unserem Hardrock- und AOR-Spezi Chris C. schon mächtig Eindruck. Richtig bemerkte er, dass man Stormburst zunächst eher als amerikanische denn skandinavische Band deuten würde. Das trifft auf den wiederum sehr stimmigen Zweitling «Highway To Heaven» ebenso zu. Obwohl die Jungs nicht zu heftig ans Werk gehen, bleibt genug Raum für prägnante Melody-Lines, knackige Riffs wie griffige Soli. Und dass Sänger Lars-Åke "Plåtis" Nilsson in den Leads durchaus etwas nach Klaus Meine klingt, macht die Sache nicht schlechter, im Gegenteil. Dazu bratzt die Gitarre von Thomas Hansson deutlich mehr als das songdienliche Orgel- und Keyboardspiel von Peter Östling. Diese Kombination ergibt eine dufte Rockscheibe, die auch bei der Produktion fast keine Kompromisse macht. Im Gegensatz zu vielen anderen Combos verstehen es Stormburst vorzüglich, die tausendfach ausgelutschte Stilecke mit einer weiteren Perle zu bestücken. Bei den schnelleren Tracks schimmern auch Vibes von Rainbow zu Zeiten von Joe Lynn Turner durch, ohne in diesen grossen Fussstapfen zu versinken. Am besten legt man sich «Highway To Heaven» gleich zusammen mit dem Vorgänger als überaus wertiges Doppelpack zu.
Rockslave  
Punkte: 8.5 von 10
SOULBOUND - Addicted to Hell  (2 CDs)
Metalville Records
Deutscher Gothic-Sound ist weltweit beliebt, doch durch das grosse Interesse, gibts eine Art Überfluss an Bands. Da etwas Spezielles zu finden ist manchmal eine Kunst. Doch mit Soulbound muss man glücklicherweise nicht lange suchen. Alles, was das Industrial-Genre benötigt, aber nicht abgedroschen, das bekommen wir mit dem neuen Longplayer der Jungs, und auch die dystopisch-gesellschaftskritischen Texte generieren weitere Pluspunkte. Zwar hat die Band andere Wurzeln, doch diese Aufmachung spricht einfach von A bis Z an. Anregende Texte über die Abgründe der menschlichen Psyche, starke Synths und solide Riffs verschmelzen zu einem wunderbaren Ganzen. Insgesamt erhalten wir mit der limitierten Erstauflage 91 Minuten Material, denn es wurden noch akustische Liveaufnahmen und Remixes draufgepackt. Für mich persönlich geben die Acoustics den grössten Abzug, die Stimmung, welche so gekonnt aufgebaut wurde, verschwindet ins Nichts. Das hätte man ruhig separat veröffentlichen können. Nichtsdestotrotz kann ich mit gutem Gewissen behaupten, dass Soulbound eine der besseren Industrial-Projekte ist, welches ich in den letzten Jahren kennenlernen durfte. Klare Kaufempfehlung und ein Fall für meine Favortenliste 2020.
Mona  
Punkte: 8.5 von 10
BEHEMOTH – And The Forests Dreams Eternally (2020 Reissue - 2 LPs)
Metal Blade/Sony
Es wird dreckig, dämonisch und Qualitativ so, als ob es in einem Schuhkarton aufgenommen wurde. An alle, deren Herzen für die frühzeitigen Behemoth-Alben schlagen, jetzt ist eure Zeit. Die polnische Black Metal Band hat sich nämlich dazu entschieden, ihre Debut EP «And The Forests Dream Eternally» neu aufzugreifen. Obwohl neu aufgreifen wohl der falsche Begriff dafür ist, denn die Charakteristik der Musik ist gar nicht wie der heutige Stil der Band, sondern ist beinahe identisch mit der Musik, die sie vor 25 Jahren gemacht haben. Na gut, die Aufnahmequalität wird etwas besser sein. Aber wirklich nur ein klein wenig. Aber das gehört schliesslich zum Feeling dazu, schätze ich.
Es hämmert, reisst und schreddert. Nergals dämonischer, kratzender Schreigesang darf natürlich auch nicht unerwähnt bleiben. Für alle Fans, die etwas auf Konzertfeeling stehen und vor allem in der jetzigen Zeit, da alle etwas an Konzertmangel leiden, gibt es die Songs noch als Live-Version. Und weil das noch nicht genug sein kann, das selbe auch noch in der Rehearsal-Edition. Fans von Behemoth, die etwas absolut Spezielles von der Band hören möchten? Hier habt ihr es!
Zoé
   
Punkte:
keine Wertung
LANDFALL – The Turning Point  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Persönlich finde ich Vergleiche mit Rock-Giganten immer gefährlich. Wie in diesem Fall, wenn Landfall mit Dokken, White Lion und Extreme verglichen und Sänger Gui Oliver als Nachfolger von Steve Perry (Journey) gehandelt wird. In diesem (Land-)Fall darf man aber sagen, dass die Vergleiche gar nicht so falsch sind. Musikalisch ist aber sicher zu den erwähnten drei Combos noch TNT und Night Ranger zu nennen. Dabei geht der Vierer nicht als blosse Kopie durch, sondern überzeugt mit einer grossen Portion Eigenständigkeit. Was hier so amerikanisch aus den Boxen schallt, kommt ursprünglich aus Brasilien und beweist einmal mehr, welches Potential aus diesem südamerikanischen Land kommen kann. «Jane’s Carousel» hat diese Abwechslung aus packenden Momenten, die mit melodischen Parts verbunden werden und dabei immer härtegradtechnisch über dem gewohnten AOR-Sound liegen. Dies verbindet Landfall kaum mit Dokken oder den weissen Löwen, zeigt aber den Willen, den eigenen Weg zu gehen. Fantastisch der Aufbau von «Across The Street», den man eigentlich nur von einer erfahrenen Truppe erwarten dürfte. Die Mischung aus gefühlvollen Momenten und einem guten Refrain macht Laune auf mehr. Wenn Landfall richtig rockt («Taxi Driver», «Roundabout», «Sound Of The City») gefallen mir die Brasilianer am besten, finden aber mit melodischeren Parts, die sich steigern («Distant Love») immer wieder den Weg in mein Herz. Cooles Album einer Band, die man sich merken sollte. Hier hat Frontiers Music wieder einmal ein geschicktes Händchen bei der Bandauswahl gehabt.
Tinu 
Punkte: 8.5 von 10
JEFFERSON STARSHIP - Mother Of The Sun (Digipak)
Golden Robot Records
Den älteren MF-Lesern wird diese amerikanische Woodstock Rock-Ikone noch unter dem einstigen Bandnamen Jefferson Airplane bekannt sein. «We Built This City», einer der grössten kommerziellen Hits, kam allerdings erst zwei Dekaden nach der Gründung (!), sprich 1985 und unter dem gekürzten Namen "Starship" zu Chart-Ehren. Im gleichen Jahr zog «Sara» ebenso erfolgreich nach, gefolgt von «Nothing's Gonna Stop Us Now» (1987). Diese drei Songs standen in den Staaten jeweils auf Platz 1 und gehören mitunter zum Besten, was die 80er in Sachen Mainstream-Pop her gaben. Das alles hatte freilich nicht viel mit dem zu tun, was davor, also in den 60ern und 70ern stattfand und danach, sprich ab 1992, als Ur-Member Paul Kantner (v/g) das alte Vehikel unter dem Banner von "Jefferson Starship – The Next Generation" wieder belebte. Im Verlauf der Jahre änderte das Line-up immer wieder mal, aber vor allem spielte man oft live auf, und dies auf allen fünf Kontinenten. Die aktuelle Besetzung mit David Freiberg (v), Donny Baldwin (d), Cathy Richardson (v), Chris Smith (keyb) und Jude Gold (g) war bis zum Tode von Paul Kantner 2016 unterwegs mit ihm. Die Live-Aktivitäten wären auch heuer zahlreich gewesen, wurden aber von Corona jäh ausgebremst.

Dafür kommen Jefferson Starship mit einer unerwartet coolen EP ums Eck, wo einerseits Ur-Member Pete Sears auf drei Songs den Bass einspielte und es bei zwei Songs Co-Writer Credits von Marty Balin (R.I.P.) und der längjährigen Sängerin Grace Slick festzuhalten gilt. Schon der sackstarke Opener «It's About Time» zeigt Stadionrock-Qualitäten in der Liga von Bruce Springsteen auf. Das nachfolgende «What Are We Waiting For» lässt den Gesang des Duos Freiberg/Richardson in hellstem Licht strahlen, während «Setting Sun» eine fluffige Country-Rocknummer abgibt. «Runaway Again» geht anschliessend als wunderbare Halbballade durch. «Embryonic Journey» ist ein instrumentaler Live-Track, der das Können des jungen Gitarristen Jude Gold in den Vordergrund stellt. Bei der Piano-Ballade «Don't Be Sad Anymore» gibt sich Sänger David Freiberg die (Solo-) Ehre und beendet damit den offiziellen Part der EP. An letzter Stelle steht die "Extended Version" von «What Are We Waiting For», wo der Schlusspart etwa eine Minute ausgedehnt wurde. Nimmt man die ersten vier Songs zum Massstab, könnte man vom Niveau her glatt die Höchstnote zücken. Bleibt zu hoffen, dass wir bald mehr von Jefferson Starship kriegen, und das studio- wie livemässig.
Rockslave 
Punkte: 8.5 von 10
MARILYN MANSON - We Are Chaos  (LP)
Loma Vista Records/Concord Music
Nach der im Dezember 2019 veröffentlichten Single God's Gonna Cut You Down (Cover) war ich mir ziemlich sicher, dass die neue Scheibe auch etwas mehr Fokus auf die akustische Gitarre legen wird. Schon mit dem ersten Song merke ich, dass dies eine gute Entscheidung war. Diesmal von Manson persönlich und mit Hilfe von Shooter Jennings produziert, klingt die Scheibe weniger nach dem John Wick Soundtrack (die letzten beiden Alben wurden vom Komponisten der Soundtracks, Tyler Bates produziert). Der Stilwechsel hört sich aber angenehm und schon fast etwas leicht an. Rein instrumental betrachtet kommt man bei so manchem Song nicht sofort drauf, dass es sich um den Antichristen handelt. Die beinahe "Sanftheit" stimmt mich als Zuhörerin aber sehr positiv. Die Vocals bleiben aber unverkennbar die Marilyn Manson's. Der bluesige Vibe von Pale Emperor scheint mit den älteren Werken zu verschmelzen. Der elfte Longplayer schafft es wie seine zwei Vorgänger mühelos, mich in eine musikalische Trance zu entführen. Der exzentrische Künstler schafft es wie immer, den Ton zu treffen und die markante, kaputt klingende Stimme ist mal wieder das reinste Hörvergnügen. Persönlich könnte ich mir vorstellen, auch in Zukunft eine solche Facette des düsteren Musikers zu geniessen. Kaufempfehlung versteht sich von selber.
Mona 
Punkte: 8.5 von 10
LAUGHING STOCK – The Island  (LP)
Apollon Records Prog
Das dritte Album dieses norwegischen Trios braucht etwas Zeit zum Wirken. Lässt man sich darauf ein, taucht man in wunderbare schwelgerische Melodien ein, die das ganze Spektrum des Prog Rock abdecken. Oft verträumt, aber auch mal aggressiv, ist es sicher nichts für beinharte Heavy Metal-Fans. Wer aber mit Pink Floyd warm wird, wird wohl auch einen Zugang zu Laughing Stock finden. Auf «The Island» sticht nicht ein einzelnes Lied heraus. Vielmehr ist es das Gesamtkunstwerk, das aufhorchen lässt. Dazu muss man aber immer wieder sehr genau hinhören. Denn oft sind die Melodien sehr zurückhaltend instrumentalisiert. Dazu kommt eine Stimme, die teilweise schon fast etwas düsteres, doomiges hat. Die Norweger geben ihren Lieder Zeit sich zu entwickeln. Entsprechend bewegen sie sich immer wieder über der 6-Minuten-Marke. Damit ist Laughing Stock ein kleines Meisterwerk gelungen, das Prog Rock-Fans unbedingt antesten sollten. Wer aber den Prog nur in seiner Heavy Metal-Form mag, für den wird «The Island» wohl deutlich zu ruhig sein. Dieses Album wird definitiv seine Liebhaber finden, auch wenn das nicht die grosse Masse sein wird.
Roger W. 
Punkte: 8.5 von 10
SCORGED - Scorged  (CD)
El Puerto Records
Der Fünfer namens Scorged stammt aus Zweibrücken, aus dem Saarland, Germany, und veröffentlicht mit 'Scorged' das Debutalbum. 10 Tracks à la Lamb Of God, good old Pantera, oder etwas Kataklysm, Satyricon und Slipknot. Aha, ein weites Spektrum, was auch die Songs dementsprechend abwechslungsreich erhört werden lassen. Doch stets in die Vollen gehauen, die Tracks, treibend, double-bass-lastig, kurz blastend, anständig geriffelt-raffelt, bös geshoutet, stets groovig moshend und treibend nach vorne gepeitscht. Gesanglich besteigt man die extremen Shouts, welche allesamt leicht im growligen Bereich kratzen. Die Klampfen reiten moshige, thrashige, deathige Riffs, gepaart mit herrlichen, sehr melodiösen Soli, welche perfekt zum knallharten Riffing passt. Der Tieftöner hat was vom N.Y.C-Crossover, klar und sehr treibend wie teppichlegend. Die Drums variieren von Blasts zu treibendem, death-thrashigem Double-Bass, doch immer stets im groovenden, moshenden Bereich sich hin- und herbewegend. Die Produktion ist satt und klar, das Coverartwork verbreitet exakt den Sound, der auf 'Scorged' zu hören ist, somit alles paletti. Anspieltipps wären 'Hell Glows Hot', 'Deep Contempt' und 'Vengeance'.
Leopold   
Punkte: 8.4 von 10
CJSS – Praise The Loud (Re-Release CD)
Divebomb Records
Fast zeitgleich wie Chastain ging der Supergitarrist David Chastain mit seiner zweiten Truppe CJSS ins Rennen. Unterstützt wurde der Ami von Russel Jinkens (Gesang), Mike Skimmerhorn (Bass) sowie Les Sharp (Schlagzeug) und ging in Vergleich zu seiner gleichnamigen Truppe bei CJSS metallischer und verspielter ans Werk. War es bei Chastain eher die schweren und harten Klänge, behauptet sich CJSS mit schnelleren und virtuoseren Momenten. Für mich trumpfte damit CJSS immer ein bisschen höher als Chastain, auch wenn dort Leather Leone einen wahrlich fantastisch Job ablieferte. Aber auch Russel kreischt sich herrlich durch die hier vertretenen neun Lieder und vier Bonustracks. Wer sich bis jetzt noch nie mit CJSS auseinander gesetzt hat, der sollte sich «Don’t Play With Fire» anhören. Hier vermischen sich die virtuose Gitarrenarbeit von David mit den abwechslungsreichen Schlagzeugparts von Les, dem Löcher füllenden Bassspiel von Mike und dem kraftvollen Gesang von Russel. Neben dem starken Choruspart steigert sich der Track am Schluss fast zu einem übergreifenden Gitarrenorkan, wie auch beim Titelsong. Dieses Album, das zweite von CJSS, war typisch für die mittleren Achtziger. Wie auch der arabisch anmutende Teil bei «Citizen». Dass David nicht nur filigran seine Finger übers Griffbrett wandern lässt, ist auf «Danger» zu hören. Ein Song, der langsam beginnt und sich zu einem Mid Tempo-Lied steigert. Am ehesten kann man CJSS mit den alten Vicious Rumors vergleichen, und darum sollten alle US-Power Metal-Freunde hier unbedingt rein hören. Aber auch jene, die sich damals an den sich übertrumpfenden Gitarrenhelden nicht satt hören konnten (hier unbedingt «Thunder And Lightning» antesten). Übrigens: Die Booklets der beiden CJSS- wie auch der Chastain-Scheiben sind sehr schön geworden und wurden mit vielen Zusatzinformationen angereichert.
Tinu   
Punkte:
keine Wertung
ZHAKIAH – Where The Light Will Thread  (CD)
Melodic Passion Records
Zhakiah wurde 2018 von Jani Stefanovic - dem Metal-Mastermind ins Leben gerufen. Seit den frühen 2000er war er an über 30 Experimental-Veröffentlichungen beteiligt, unter anderem mit Divinefire, Solution 45, Miseration, Crimson Moonlight, Mehida, Essence of Sorrow, um hier nur einige zu nennen. Stefanovic gehört zu den produktivsten Metal Musikern des Planeten und zählt ausserdem zu den Wegbereitern des New Wave Of Scandinavian Metal. Mit Zhakiah hat er noch einen Zacken zugelegt und sich den Elementen des Extreme Metal bedient. Dies geschieht aber immer im Einklang mit majestätischen Gitarrenmelodien. Somit resultiert eine Mischung aus Melodic Death Metal, einer Prise aggressiver Thrash und ein Doublebass Gewummere, das wunderbare melancholische Melodien unterstreicht. Während neun Songs werden Fans von At The Gates, den frühen In Flames, Nevermore oder Arch Enemy glücklich gemacht. Mit „Where The Light Will Thread“ veröffentlichen Zhakiah ihr Debütalbum, das die momentane Weltordnung auf Korn nimmt. Es ist der Versuch, durch Musik seinen „Platz des Friedens“ zu finden und dadurch zur inneren Ruhe zu gelangen. Zhakiah bietet mit „Where The Light Will Thread“ einen Killer ohne Füller. Das Album braucht ein paar Anläufe aber dann macht es richtig Spass.
Oliver H.   
Punkte: 8.4 von 10
DISILLUSION - Between (Vinyl-EP)
Prophecy Productions
Die deutschen Progressive Metal-Götter von Disillusion bringen mit der streng auf 500 Stück limitierten Single "Between" zwei Songs raus, die in dieser Form bis anhin nicht erhältlich waren. "Between" ist ein exklusiver Bonustrack, den nur die Leute bekommen hatten, die die Patreon-Kampagne mitfinanziert haben. Und tatsächlich ist dieser Song viel zu gut, um nicht veröffentlicht zu werden. Geboten wird ruhiger und melancholischer Prog Metal, der gewaltige Bilder ins Kopfkino projiziert. Das ist ein wunderschöner Song! Der zweite Song "Time To Let Go (Video Edit)" ist vom letzten Album "The Liberation", aber er ist noch nie in dieser Version veröffentlicht worden. Sehr viel Atmosphäre wird auch bei diesem Song en masse geboten. Wer diese wunderbare Single sein eigen nennen möchte, muss sich ran halten, denn dieses Teil wird bald ausverkauft sein!
Roolf   
Punkte:
keine Wertung
FIGHT THE FIGHT – Deliverance  (CD)
Indie Recordings
Die norwegischen Metaller Fight The Fight sind ein perfektes Beispiel für Sandkastenfreunde, die eine Band gründen wollten um die Welt zu bespielen und zu bereisen. Das 2017 erschienene Debüt „Fight The Fight“ bestach schon durch jede Menge Power, strotzte vor unbändiger Energie und harten Grooves. Dies öffnete ihnen während der letzten Jahre viele Tore, um mit Bands wie Avenged Sevenfold, Ministry, Kvelertak, Hatebreed, Devin Townsend Project oder August Burns zu touren. All diese Erfahrungen fliessen ins neue Werk „Deliverance“ ein, das nun eine Kombination aus poppigen Songstrukturen, melodischen Gitarrenlinien und prügelnden Drumparts darstellt. „Deliverance“ hat die stumpfe Power von Slipknot’s härtesten Songs, die groovigsten Elemente von Lamb Of God, ein Hauch Devin Townsend und über allem liegt das schmetternde, leicht Rammstein angehauchte Soundgewand. Alle zehn Songs haben ihre individuellen Eigenschaften, kleinen Details und Arrangements und machen Fight The Fight dadurch zu einer der frischesten und innovativsten Metal Bands der heutigen Tage. Nicht nur ihre Musik ist Metal pur, die Truppe hat ebenfalls ein authentisches Rock’n’Roll Image, das in Songs wie „Turbo Sex“ klar zum Vorschein kommt. Der englische Metal Hammer nannte die Band eine „catchy, atmospheric, punk-rock racket“ und sie hätten es nicht besser beschreiben können.
Oliver H. 
Punkte: 8.4 von 10
NUCLEAR WARFARE – Lobotomy  (CD)
MDD Records
Die Süddeutschen Thrasher Nuclear Warfare treiben seit 18 Jahren ihr Unwesen in der Metallandschaft und präsentieren mit „Lobotomy“ ihre sechste Langrille. Auch auf diesem Werk gibt es keine Überraschungen, denn die Truppe hat sich konsequent dem Thrash Metal der 80er Jahre verschrieben und bietet eine gnadenlose Hommage an die Helden der Bay Area und schafft es dabei noch dem Ergebnis ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Hut ab! Während neun Songs werden wieder etliche Nackenmuskeln gequält bis der Halswirbel knackt. Aufgenommen wurde diesmal im Oversonic Studio in São José dos Campos (Brasil) unter der Leitung von Friggi Mad Beats. Im Gegensatz zum Vorgänger „Empowered By Hate“ ist „Lobotomy“ von der Produktion her deutlich gitarrenlastiger geworden, worauf die Band diesmal explizit wert gelegt hat und auf das Ergebnis ziemlich stolz. Von den Arrangements her präsentiert sich das Trio auf ihrem neuen Silberling nochmals einen Zacken ausgereifter, doch keine Angst, wo Nuclear Warfare drauf steht ist auch Nuclear Warfare drin. Das Cover-Artwork vom brasilianischen Grafiker und Tattoo Künstler Edu Nascimentto rundet die Scheibe optisch ab und macht das Gesamtergebnis zu einem „must have“ für jeden Fan thrashmetallischer Klänge! „Lobotomy“ ist für die Band sicher ein weiterer Schritt, ihren Ruf als Aushängeschild dieses Genres zu untermauern.
Oliver H.  
Punkte: 8.3 von 10
CHASTAIN – For Those Who Dare (Re-Release CD)
Divebomb Records
David T. Chastain ist der Mastermind hinter Chastain. Sein Lebenswerk ist vielfältig, und neben Chastain war der Gitarrist auch mit CJSS und als Solist unterwegs. Oft dabei: Sängerin Leather Leone, die mit ihrer ausdrucksstarken Stimme das musikalische Bild des Saitenvirtuosen mitbestimmte. Das fünfte Studioalbum von Chastain, «For Those Who Dare», wird wiederveröffentlicht und beglückt alle US-Power Metal-Fans, die sich auch an den Soloausflügen des Namensgebers erfreuen können. Mit viel Power erklingen die zwölf Tracks, bei denen die zwei Bonusstücke «Play Their Games» (schnell) und «I Cast No Shadows» (bodenständig und hart) das eh schon sehr gute Bild von «For Those Who Dare» abrunden. «Night Of Anger», das bösartige «Set Us Free», das wilde «Secrets Of Damned», das melodisch, sanfte, sich steigernde «Light In The Dark» und die Heart-Coverversion «Barracuda» sind heute wie damals kleine Diamanten, die es zu geniessen gilt. Klar muss man die kräftige, kratzende und sehr dominante Stimme von Leather mögen und sich auch mit den wilden, solistischen Ausflügen Davids anfreunden können. Aber seien wir ehrlich, solche Alben gibt es heute nicht mehr, und genau aus diesem Grund sollte man sich «For Those Who Dare» entweder jetzt kaufen oder aus der CD-Sammlung hervorholen und genussvoll die Ohren zwischen die Boxen klemmen. Was 1990 an Power und Kraft versprüht wurde, kann heute nicht sein Flair verloren haben. Power Metal, wie man ihn liebt und schätzt.
Tinu     
Punkte:
keine Wertung
VENOMOUS CONCEPT - Politics Versus The Erection  (Yellow LP)
Season Of Mist/Irascible
Grindcore in humorvoller Art, gepaart mit einer Prise sozialkritischpolitischer Natur schwappt uns auf 'Politics Versus The Erection' von der Grindcore-Combo Venomous Concept entgegen, welche nebst dem Grindcore doch auch sehr dem Hardcore und Crossover zugetan ist. Aus Chicago, Illinois, U.S.A., stammend, präsentiert uns der Fünfer mit dem vierten full-length Album 'Politics Versus The Erection' und den darauf enthaltenen 13 Tracks eben besagten Soundmix, was nebst Heroen wie Napalm Death, S.O.D., D.R.I. auch The Exploited auf den Plan ruft, denn Venomous Concept blasen einen grindcorigen, hardcorigen und punkigen Crossover aus den Boxen. Da schepperts noch kultig zwischen den gespielten Noten. Geshoutet aus vollster Inbrust durch die Kehle, leicht auch ab und an growlend, doch meist hardcorig wütend und heftig. Die Quetschbalken schrammeln in Windeseile durch die Songs, um dann herrlich moshend und groovend zu stampfen und stets virtuos dabei ein kurzes, heftiges Soligewitter niederprasseln zu lassen. Der Viersaiter wummert klar und heftig durch die Tracks, stets nach vorne gepeitscht durch die blastenden, double-bass-lastigen, thrashend-speedigen Patterns, welche dann oft kurz und auch länger in die Moshparts des Drums zurückfallen. Heftig und nackenbrechend goil. Die Produktion ist druckvoll, das Cover lässt einen Schmunzeln und das Skateboard ist am Pogen. Das Artwork besticht aus einer Mischung von MAD, dem Satiremagazin, als auch unser Uncle Donald, nein, nicht der Duck, sondern getrumpetet. Anspieltipps wären da 'Hole in Ground', 'Elemiate', 'Septic Mind' und 'Broken Teeth'.
Leopold
   
Punkte:
8.3 von 10
HELL IN THE CLUB – Hell Of Fame  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Die Jungs haben sich bei mir zu einem Geheimfavoriten gemausert. Mit ihrem fünften Werk geht der Vierer zu Beginn etwas melodischer ins Rennen als sonst, nimmt mit dem zweiten Track «Worst Case Scenario» aber Fahrt auf und lenkt diese mit dem Sleaze-Rocker «Here Today Gone Tomorrow» in die Bahnen, die man von den Italienern aus den letzten Alben kennt. Allerdings macht sich bei den Herren eine Spur «Moderne» und «Symphonik» bemerkbar, welche bei mir einen leicht faden Beigeschmack hinterlassen und bei denen ich hoffe, dass dies nur ein kleiner Tanz mit dem Teufel, Sorry, der eigenen Kreativität ist. Erwartungsgemäss sind die Ballade «Lullaby For An Angel», das fett rockende «No Room In Hell», das balladeske «Tokyo Lights», der Rocker «Lucifer’s Magic» und das lockere «The Joker» die Lieder, welche man sich von Hell In The Club erhofft. Tracks, welche den traditionellen Hard Rock mit den schwedischen Sleaze-Elementen würzt und die «Stiefelbewohner» aus der Masse der ansonsten, aus Italien angesagten dramatischen Symphonic Metal-verseuchten Szene positiv abhebt. Eine Steigerung zum letzten Album «See You On The Other Side» ist die neue Scheibe nur bedingt geworden. Nicht, dass «Hell Of Fame» ein schlechtes Werk geworden ist, aber mit den neuen Nuancen habe ich so meine liebe Mühe. Ja, ich gestehe, ein alter Rocker lässt sich ungern seine Pizza mit neuen Gewürzen verändern.
Tinu
     
Punkte:
8.3 von 10
ZAKK SABBATH – Vertigo  (CD&DVD)
Magnetic Eye Records
Am Freitag 13. Februar 1970 erschien über Vertigo Records das selbstbetitelte Black Sabbath-Debüt. Anlässlich des fünfzigsten Erscheinungsjahres dieses unbestrittenen Meilensteins hat Saitenhexer Zakk Wylde zusammen mit seinen Sidekicks Bassist Blasko (Ozzy Osbourne, Rob Zombie) und Drummer Joey Castillo (Danzig, Queens Of The Stone Age) das gesamte Album neu aufgenommen. Um der rohen, ursprünglichen Atmosphäre des Originals gerecht zu werden, wurde das Ganze live im Studio innert 24 Stunden eingespielt, wobei man sich bei der Songauswahl an die nordamerikanische Edition gehalten hat, d.h. an die Stelle des auf der europäischen Ausgabe enthaltenen Crow-Covers „Evil Woman“ wurde das Sabbath-Frühwerk „Wicked World“ gesetzt. Die Umsetzung an und für sich würde ich als absolut gelungen bewerten. Einerseits haben sich die Jungs weitestgehend an die Originale gehalten, andererseits liegt es in der Natur der Sache, dass jeder Musiker der etwas auf sich hält, einem Cover den eigenen Stempel aufdrückt. Man kann dabei Songs kreieren, die schon fast als Eigenkompositionen durchgehen, so wie es oft bei Type O Negative der Fall war, man kann dabei den ursprünglichen Vibe der Originale völlig zerstören und vertonte Rohrkrepierer produzieren (hierzu nenne ich lieber keine Namen), oder man kann so wie hier Zakk Sabbath sehr behutsam mit dem Vermächtnis jenes Quartetts umgehen, welches in seiner Frühphase den Heavy Metal beeinflusst hat wie keine andere Band zuvor. Einzig Herr Wylde kann es nicht lassen, beim einen oder anderen Solo seine Finger in etwas übertriebener Manier über das Griffbrett flitzen zu lassen, aber schlussendlich gibt er sich wirklich Mühe, sich an die Originalleads von Tony Iommi zu halten, und so bleiben seine Frickel-Einlagen im angemessenen Rahmen. Zu haben ist diese hübsche Reminiszenz in gelbem Vinyl, als Digipak CD oder, für jene, welche die Vollbedienung wollen, als Hardcover Artbook inklusive CD und einer Making Of-DVD.
Mirko B.     
Punkte:
keine Wertung





THE STRIDES - Out Of The Blues  (CD)
Sliptrick Records
Schweden können auch anders, hier kommt das Debüt-Album von The Strides. Ihr mögt Led zeppelin, Slade, Rival Sons und The Who? dann mögt ihr auch die Musik der Schweden. Neun rockige, bluesige, melancholische Tracks, die an eben oben erwähnte Bands erinnern. Verspielt wie das an Zep erinnernde "Move On" gefallen ebenso wie das bluesrockige "Closer To The Sun". In die gleiche Kerbe schlägt das etwas mehr bluesige "Whole Lotta Lovin", starke Nummer mit tollem Guitar Slide-Solo. Der Retro-Sound der Schweden hat Biss, Blues, Rock und erinnert an die guten alten 70er, als die Musik noch wild und zum Glück noch nicht so überproduziert war. Echt, ehrlich und gerade in die Fresse. Gut zu hören bei Nummern wie "Bag Full Of Bones" und "Rock`n`Roll Star". Aber auch bei ruhigeren Tönen überzeugen die Nordländer. Hört euch nur das schöne "Dandelion" an. Eine mit akustischer Gitarre gespielte Led Zeppelin "like" Nummer, hier singt Sänger Victor Gustafsson mit sehr viel Gefühl. Und mit "Hellhound Blues" taucht man musikalisch sogar etwas in die 60er ab, da kommt sogar ab und zu The Doors-Feeling auf, klasse gespielt. Und so legen die Schweden hier ein interessantes Debüt vor, das ein Stück musikalische Vergangenheit in die Gegenwart transportiert. Starkes Album.
Crazy Beat     
Punkte:
8.1 von 10
SILENTIUM - Motiva  (CD)
Out of Line Music
Symphonisch und Finnland, das klingt doch schon nach einer gelungenen Kombination. Der gothische Sound mit gefühlvollen Vocals und ansprechenden Gitarren verzaubert und entführt den Zuhörer gekonnt. Die Frontfrau Riina Rinkinenn kommt mir mit der Gefühlsdosierung in ihrem Gesang auch sehr ehrlich rüber, was die teils schwierigere Thematik der Texte (etwa Depression oder Schuldgefühle) authentisch unterstreicht. Ehrliche Musik ist eben die beste Musik. Melodische Passagen wie aus einem Winterzauber treffen auf starke Riffs, die Kombination kann nur aus Finnland kommen. Einziger Minuspunkt in meinen Augen (oder eher Ohren) ist, dass keiner der Songs besonders raussticht. Diese Scheibe ist wohl wirklich nur als Ganzes gedacht. Dies kann aber auch sehr gut sein. Die Melancholie trifft genau richtig und macht "Motiva" zu einem sehr entspannenden Werk, welches zum Zurücklehnen einlädt.
Mona     
Punkte:
8.1 von 10
KENZINER – The Last Horizon (Re-Release CD)
Pure Steel Records
Die Neoclassic / Progressive Power Metal Band Kenziner haben dieses Jahr ihr viertes Studioalbum «Phoenix» veröffentlicht. Dafür sind sie zu Pure Steel Records gewechselt. Nun veröffentlichen sie unter dem neuen Label abermals ihr drittes Studioalbum «The Last Horizon» in neu abgemischter Form. Dieses Werk erschien damals im Jahre 2014 bei Prog Power, nachdem die Finnen eine fünfzehnjährige Pause eingelegt hatten. Mit «The Last Stand» feierten sie ein Comeback der glorreichen Sorte – das Album ist ein Meisterwerk ihres Genres und eigenen Stils. Kenziner wissen, wie Stimmung, Energie und Kraft musikalisch erzeugt wird. Im Vergleich zum letzten Album sind die symphonischen Elemente auf «The Last Horizen» noch mehr präsent als auf «Phoenix». Und auch hier sind Vergleiche zu Sonata Arctica, Stratovarius und Symphony X unabdingbar. Ihr Stil ist hochkomplex, vielfältig und dynamisch. Sie erschaffen bei jedem Track eine eigene Klangwolke, die in den Bann reisst – mal düster, mal aufmüpfig und mal melancholisch – sie beinhalten und verarbeiten alles. Auf «The Last Stand» ist noch der ehemalige Sänger Markku Kuikka und Keyboarder Jukka Karinen (beide Status Minor) zu hören. Was das Remastering anbelangt, wurde hierbei ein super Job gemacht. Das Album klingt ausgeglichener und kompakter – alle verschiedenen musikalischen Ebenen sind im Einklang miteinander und ergänzen sich super. «The Last Stand» ist sicherlich ein tolles Einsteigeralbum, um Kenziner kennenzulernen. Die Band ist ein Highlight ihres Genres und musikalisch brillant, anders kann es nicht gesagt werden.
Sina     
Punkte:
keine Wertung
THE TANGENT - Auto Reconnaissance  (2 LPs & CD)
InsideOut Music
Andy Tillison und Jonas Reingold sind wieder da mit ihrem neuesten Tangent Werk. "Life On Hold", eine typische flotte Prog Rock-Nummer mit Yes-Charakter beglückt den verwöhnten Zuhörer gleich zu Beginn dieses Rundlings. Weiter geht’s mit der Jazz-angehauchten, knapp 17 Minuten langen Nummer "Jinxed In Jersey". Andy singt auf diesem Album alles selber. Dieser Song ist sehr gewöhnungsbedürftig, wechselt oft die Richtung und verliert sich manchmal etwas. Rockiges wechselt sich mit elektronischen Parts, Gesang mit Sprechpassagen, das Ganze ist musikalisch etwas verwirrend. „Under Your Spell“ kommt mit den Sax-Parts recht jazzig rüber, etwas störend sind die zum Teil künstlichen Drums. „The Tower Of Babel“ dann wieder eine coole Prog-Nummer, die etwas mehr Tempo mitbringt. Der zweite Long Track „Lie Back & Think Of England“, satte 28 Minuten, ebenfalls nicht leicht verdaulich, aber um einiges spannender als „Jinxed In Jersey“. Eine echt anspruchsvolle Prog-Nummer. Auch das folgende „“The Midas Touch“, wieder eine typische Tangent-Nummer mit Yes-Anleihen. Am Ende folgt noch der dritte Long-Track „Proxima“ mit 12 Minuten Länge. Eine ruhige Instrumental-Nummer, man könnte schon fast sagen Meditationsmusik. Das neue Album der Proggies kann das hohe Niveau der Vorgänger-Alben nicht ganz halten und schwächelt mit ein, zwei Songs, ist aber immer noch ein tolles Prog-Werk im Gesamten gesehen, man kann damit gut leben.
Crazy Beat   
Punkte:
8.0 von 10
LONEWOLF – Division Hades  (Digipack)
Massacre Records/Phonag
Dieses Album dürfte jedem Fan von Grave Digger und Running Wild gefallen. Denn die Franzosen Lonewolf bieten klassischen Heavy Metal zwischen True, Power und Thrash Metal. Das führt mal zu zwingenderen, mal zu belangloseren Melodien. Dieses sind aber immer treibend und eignen sind hervorragend zum Headbangen. Allerdings verpassen etliche Lieder knapp den Dreh, der aus einem guten Song einen Klassiker macht. Damit will ich die zehn Lieder des regulären Albums aber nicht «schlechtschreiben». Mit der Zeit ermüde ich schlicht beim Hören. Da wäre noch mehr Abwechslung oder Klasse nötig gewesen. Erstaunlich für eine französische Band ist, dass das Intro auf Deutsch gesprochen wird. Die ersten fünf Lieder danach können begeistern, bevor sich das berühmte Gefühl von «genug» einstellt. Da es sich bei «Division Hades» um das zehnte Album handelt, haben sie diesem Werk noch eine weitere CD beigelegt. Darauf sind die Höhepunkt der letzten neun Alben neu eingespielt worden. Dabei bestätigt sich der Eindruck des aktuellen Werkes. Denn auch hier fehlen trotz aller Klasse sie entscheidenden Aha-Effekt. Irgendwie schade. Ein Anschluss an die vermeintlichen Vorbilder bleibt den Franzosen damit verwehrt. Bleibt zu hoffen, dass sich der Durchhaltewillen von Lonewolf auszahlt. Irgendwann müsste doch einfach noch mehr kommen. Denn wirklich viel fehlt nicht mehr.
Roger W.    
Punkte:
8.0 von 10
SAPIENCY – For Those Who Never Rest  (CD)
Massacre Records
Sapiency melden sich mit ihrem dritten Album „For Those Who Never Rest“ zurück! Beeinflusst durch diverse Wechsel im Line-up wurden immer wieder neue Ideen in die Band gespült, was sich in den Songs und ihrem neuen Album niederschlägt. Der rote Faden der Modern Melodic Death Metaller geht auf „For Those Who Never Rest“ nie verloren, auch wenn die Truppe gerne in diversen Genres grast. Auf der aktuellen Platte präsentieren sich Sapiency massiver, kraftvoller, transparenter und bieten brutale und abwechslungsreiche Riffs, ohne dass Melodie und Tiefe zu kurz kommen. Der Sechser hat auch in Sachen Geschwindigkeit eine ordentliche Schippe drauf gepackt und stellt somit ihr bis dato schnellstes Album vor. Die Songs sollen eine Quelle der Motivation für die Schwachen sein, stark zu werden; für die Rastlosen, Unterstützung zu finden und positive Energie an diejenigen zu übertragen, die ihre Augen, Ohren und Gedanken für die Texte und die Musik von Sapiency öffnen. Alle 13 Songs auf diesem Album sind jenen gewidmet, die sich Sorgen machen und sie sollen ermutigt werden, niemals aufzugeben. Oder einfach – Sapiency schreiben Songs für alle, die nicht zur Ruhe kommen.
Oliver H.    
Punkte:
8.0 von 10
YEAR OF THE KNIFE - Internal Incarcreation  (LP)
Pure Noise Records
Heftiger Noisecore, gepaart mit deathigen, hardcorigen und heftigen Anleihen folgen von Year Of The Knife, einer Combo aus Newark, Delaware, U.S.A., welche seit dem 2015 im besagten musikalischen Umfeld wütet. 'Internal Incarcreation' ist der zweite full-length Output des Fünfers, nach dem Debut 'Ultimate Aggression'. Well, 13 Tracks haben sich auf dem zweiten Longplayer eingefunden, welche sehr wütend und heftigst dargebracht werden. In bester Grindcore- und kompressierter N.Y.C.-Crossover-Manier treiben sich die 13 Songs stets an, ohne eine Verschnaufspause zu generieren, denn die braucht's auch nicht, einfach volle Pulle in die Fritte reinschieben. Etwas Biohazard, etwas Terrorizer, Napalm Death, etwas heftiger Schweden-Death à la Entombed oder Lik. Geht heftig ab! Stets treibende, blastende, double-bassende, schnelle Drumpatterns. Ein Tieftöner, der herrlich wummert und den Boden füllt. Die Gitarren, welche sich gegenseitig tief ins Fleisch schneiden mit den scharfen Riffs, kurze, noisige Soli rattern, meist im Hyperbereich, ab und an auch im MidTempo sich bewegen. Die Vocals brutalst shoutend im Extrembereich, so wütend, hasserfüllt und böse, da selbst ein tiefer Growl keine Chance mehr hat, hier jedoch sich der Ball wie im Ping-Pong konsequent hin- und herbewegt. Die Produktion ist heftig dirty und druckvoll. Das Artwork passt sich dieser Gegebenheiten nahtlos an. Anspieltipps: 'Virtual Narcotic', 'Final Tears', 'Sick Statistic' und 'Eviction'.
Leopold    
Punkte:
7.9 von 10
DEMOLIZER – Thrashmageddon  (CD)
Mighty Music
Demolizer haben sich 2014 formiert und sie spielen knochenbrechenden, ungefilterten Thrash-Metal. Ihr Sound peitscht förmlich ins Gesicht, dass man sich nach ihrem Debüt „Thrashmageddon“ fühlt, als würde man seine Zähne mit gebrochenen Fingern im Pit zusammensammeln. Die vier Youngsters sehen sich als grossen wütenden Mittelfinger, der gezielt auf das Establishment abzielt. 2018 haben sie mit der EP „Ghoul“ erstmal auf sich aufmerksam gemacht aber ihr Jahr war eindeutig 2019. Da erspielten sie sich beim dänischen W:O:A-Metal Battle einen Finalplatz, produzierten ein Demo plus Single – alles in Eigenregie. Des Weiteren absolvierte das Quartett Touren in Dänemark und Russland und während den Pausen, werkelten sie fleissig am neuen Album. Herausgekommen ist schliesslich ein Silberling, der der dänischen Metalszene bis dahin gefehlt hat. 100% intensive und aggressive Musik ohne Schnörkel oder unnötige Spielereien. Die Tracks sind gespickt mit Riffs und eingängigen Hooklines, die im Gehirn hängen bleiben wie ein weicher Kaugummi unter dem Turnschuh. Demolizer donnern harten, schnellen und heftig thrashigen Sound aus den Boxen. Wer Bands wie Slayer, Exodus oder Municipal Waste mag, der wird auch am Vierer aus Dänemark seine helle Freude haben.
Oliver H.
   
Punkte:
7.9 von 10
THE DEATH WHEELERS - Divine Filth  (CD)
RidingEasy Records
Das musikalische Konzept dieses kanadischen Instrumentalquartetts klingt schon mal recht interessant. Imagetechnisch auf den 1973 erschienenen, ziemlich absurden Biker/Horror B-Movie „The Death Wheelers“ (auch bekannt unter dem Titel „Psychomania“) aufbauend, schaffen sie das vermeintlich Unmögliche und vermählen den Rotz von Motörhead mit dem morbiden Flair kranker Psychobilly-Acts wie Banane Metalik, Demented Are Go oder Nekromantix sowie der legendären Surfgitarre von Dick Dale. Zunächst befürchtete ich, das Konzept würde sich im Laufe des Albums etwas abnutzen, aber mitnichten. Die vier Musiker zeigen viel Mut zu Dynamik einerseits und musikalischer Offenheit andererseits, auf diese Weise bleibt das Interesse des Zuhörers über die gesamte Spiellänge der Scheibe wach und die Skip-Taste dementsprechend unberührt. Einzelne Songs, welche zuweilen in ihren Titeln den schrägen Humor der Band widerspiegeln („Ditchfinder General“, „DTA (Suicycle Tendencies)“, „Lobotomobile“), werden im Stil eines Hörspiels durch teilweise recht derbe Ausschnitte („If you wanna fuck with the living, you gotta learn to fuck with the dead.“) aus irgendwelchen Trash-Movies eingeleitet, was die für die Sixties und Seventies so typische Atmosphäre ununterbrochen aufrecht erhält. Nebenbei zocken die Jungs in gleicher Formation noch in der Doom/Stoner Band Strange Broue, was sich selbstredend auch noch im Sound von The Death Wheelers niederschlägt und schlussendlich zu diesem interessanten, hochenergetischen Mix beiträgt. Eine interessante, durchschlagskräftige Scheibe mit hohem Spassfaktor!
Mirko B.    
Punkte:
7.8 von 10
LAW OF CONTAGION - Woeful Litanies From The Nether Realms (CD)
Moribound Records
Lusithanien, besser bekannt als Portugal, zelebriert auch hier als One-Man-Band der Mastermind namens Ishkur satten Death-Metal mit gelegentlichen Ausflügen in die Black-Metal-Ecke. Ja, 'Woeful Litanies From The Nether Realms' ist ein gelungenes Debutalbum mit 7 Tracks, welche so in die Ecke à la Beherit, Necromantia, Moruary Drape und Mystifier tendieren, ohne dabei das Okkultige je zu verlieren. Yep, unter der Flagge von Law Of Contagion wird hier roh und heftigst gebläcked-deathed. Sägende Riffattacken, melodiösen Läufen, kurzen, heftigen Soli, einem wummernden Viersaiter und blastenden wie auch double-basslastigen, speedigen, ab und an doomigen Drumpatterns sind die Zeremonienzutaten, nebst heftigen, tiefen und doch blackigen Growls als satanische Weihgabe. Ein ganz böses, farblich perfekt abgestimmtes Artwork (black/red), ganz hervorragende produktionstechnische Finalissima runden dieses Debutalbum trotz der depressiven Schwere in einer Art erfreulicher Depression ab. Anspieltipps wären da 'Heralding The Insane', 'Blood Vindication' und 'Cult Of The Damned'.
Leopold     
Punkte:
7.8 von 10
ATLAS – Parallel Love  (CD)
AOR Heaven
Von der Britischen Insel erreicht uns das Zweitwerk „Parallel Love“ der Formation Atlas. Dabei entschied man sich, ein paar Scheite mehr ins Feuer zu werfen, was der Scheibe eine deutlich härtere Ausrichtung bescherte als das Debüt „In Pursuit Of Memory“. Die Meldic- und AOR-Wurzeln bleiben dabei trotzdem dominant, man hat dem Werk aber einen angenehmen, wenn auch dezenten, metallischen Anstrich verliehen. Das Songmaterial lässt zwar manchmal die eingängigen Refrains aussen vor, diese sind aber auch durchaus vorhanden und lassen diesbezüglich z.B. bei „Human Touch“ oder „Falling Out Of Love“ aufhorchen. Das Manko kann man aber mit viel Drive wettmachen. Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind die vielen kreativen Melodien und die zahlreichen Hooks, die den Tracks Charisma und Identität einhandeln. Obwohl im Line Up keine grossen Namen auftauchen, überzeugt die Formation durch eine äusserst homogene und satte Instrumentalisierung. Vor allem Sänger Craig Wells begeistert durch eine starke Gesangsleistung und eine Stimme mit Wiedererkennungswert. Ebenso lässt die Produktion von Keyboarder James Thorley in Sachen Power und Intensität keine Wünsche offen. Unter dem Strich kein eigentliches Highlight, aber ein erfrischendes Album von einer Band mit Potenzial.
Chris C.    
Punkte:
7.8 von 10
ORPLID – Deus Vult  (CD & Buch)
Prophecy Productions
Nach zwölf Jahren melden sich die deutschen Musiker Orplid zurück. Mit einem Album, welches aus 18 Songs auf 72 Minuten Spielzeit besteht. Dann hören wir mal hinein. Die Band die sich selbst als Neofolk bezeichnet erinnert hier jedoch auch sehr an etwas, was Richtung Dark Wave geht. Das, durch die vielen elektronischen Einlagen in den verschiedenen Songs. Anders, als der Albumtitel vermuten lässt, bezieht sich das Album aber nicht (nur) auf die Zeit der Kreuzritter, sondern handelt auch von Themen, die stark vom 20. Jahrhundert handeln. Durch das Album durch zieht sich der dunkle Gesang des Sängers. Die Ausnahme macht «Dunkle Stunde», bei dem die deutsche Rock Sängerin Katrin Lindner den Part des Gesanges übernimmt. Eine willkommene Abwechslung, jedoch auch etwas enttäuschend, da etwas mehr Emotionen oder eine etwas fetzigere Stimmung bestimmt nicht geschadet hätte. Auch im gesamten ist das Album sehr schwer einzuschätzen, da es aus so vielen verschiedenen Arten von Songs besteht, die als Einzelstück ja ganz in Ordnung sind, jedoch als Gesamtbild etwas seltsam daher kommen. Natürlich kann ich jetzt das Album nicht als schlecht abstempeln, da mir vereinzelte Songs doch sehr zusagen, jedoch werde ich mit dem grossen Gesamten nicht so warm. Vielleicht hätten es die Hälfte der Songs auch getan, die dann aber so richtig zueinander gepasst hätten. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden…
Zoé
   
Punkte:
7.8 von 10
EVOKE - Seeds Of Death  (LP)
Pulverised Records
Uff, blackiger Thrash-Speed-Metal in old-schooliger Schrittweise aus Oslo, Norwegen, vom Trio namens Evoke und die präsentieren auf 'Seeds Of Death', ihrem Erstlingswerk, gnadenlose Rohheit wie in den Tagen à la Sodom, Destruction, Venom, Kreator in den Anfangszeiten. Die 7 Tracks jagen von einem Speed in den anderen, schnell geriffelt und gefrickelt mit kurzen, rasanten Soli, einem herrlich und klar wummernden Tieföner und speedig-thrashigen Double-Bass-Attacken, sowie shoutenden Voices. Rasantes und speediges Debutmachwerk, welches durch eine hervorragende und klare Produktion glänzt, welche unvermindert die guten, alten Tagen und Zeiten mit der jetzigen, modernen Zeit verknüpft, nahtlos, wohlbemerkt. Ein herrliches, eher blackiges Coverartwork, welches den leicht punkig-speedigen Black-Thrash-Metal in die Höhen hievt. Goiles Moschwerch, einfach voll in die Fritte rein, so à la Unterkiefer vorstellen, mit Bier volltanken, zurückschieben und lass' raus die Sau-Manier. Anspieltipps wären da 'Souls Of The Night', 'Leviathan's Victory' und 'Satanic Rebirth'.
Leopold    
Punkte:
7.7 von 10
NASTY – Menace  (LP&CD)
Century Media/Sony
Nasty, welche bereits seit 16 Jahren die Hardcore-Welt unsicher machen, bringen in diesem Jahr ihr lang erwartetes, siebtes Album heraus. Das Werk trägt den Titel „Menace“ und repräsentiert die erste Zusammenarbeit mit Century Media, ein Label, das den meisten Freunden der verzerrten Gitarrenklänge ein Begriff sein sollte. Der Opener „Ultimate“ macht unmissverständlich klar, in welche Richtung die Platte geht. Es ist ein roher, fast unerwartet harter Titel. Nach einem sehr rohen Breakdown wird in „Bulletrain“ alles in die Waagschale geworfen und nach einer knappen Minute ist die Raserei vorbei. Der Longplayer ist eine Achterbahnfahrt, die permanent steil bergab geht. „Be Careful“ zeigt schön auf, zu welchen stimmlichen Variationen Sänger Matthi fähig ist und mit welcher Leichtigkeit die Band den Wechsel zwischen melodischen und beinharten Passagen meistert. Auch lyrisch nehmen die Jungs wieder einmal kein Blatt vor den Mund und sprechen direkt aus, was sie denken. Gesellschaftskritisch, unangenehm und politisch wie eh und je machen Nasty ihr Ding und vereinen Message und Musik perfekt. „Menace“ ist wieder ein Schritt in Richtung ihrer Wurzeln zurück. Anfangs stark im Beatdown vertreten, konnten die Jungs in den letzten Jahren eine steile Aufwärtskurve ihrer Karriere verzeichnen. Ihre Musik wirkt vielschichtiger und experimenteller, was allerdings auch nicht jedem gefallen wird. Aber wie so oft, bestimmt auch nur hier der Geschmack über Top oder Flop. Sicher bis jetzt eine der Überraschungen des Jahres 2020.
Oliver H.    
Punkte:
7.7 von 10
DRAGHKAR - At The Crossroads Of Infinity  (CD)
Unspeakable Axe Records
Holla die Waldfee gekotzt ... Draghkar aus den U.S. of A., aus der Engelsstadt am St. Andreas-Graben, mit ihrem ersten full-lenght Album namens 'At The Crossroads Of Infinity' und 6 Tracks, welche sogleich an eine skandinavische Combo erinnern mögen, doch auch teutonische Outputs aus den Mitte-80er-Jahren erinnernd, als an eine floridianische Todesblei-Entdeckung. Will schreiben, es 'bläckt' so richtig herrlich durch die Songs des Quintetts aus Los Angeles. Nun gut, es 'bläckt' nicht nur auf 'At The Crossroads Of Infinity', sondern es 'deathed', 'thrashed' und 'speeded' wie auch 'blasted' recht punkig-blackig durch die Songs. Doch nebst den skandinavischen Death- und Black-Metal-Anleihen shreddern sich die Klampfenmeister recht virtuos und teils heftig lange durch die Songs. Gerifft wird richtig holprig und straight, ja eben punkig straight, wo sowohl die Drum-Patterns und die Bassläufe feuchtdüster mitfrickeln. Nebst viel Melodielinien zum düsteren, guttural-shoutigen Gesang ergeben die 6 Tracks eine interessante Zusammenstellung von Ideenmosaiken, welche in einen gebündelten Todesstrahl in den Laser übertragen werden und diese dann durch die Membranen der Lautsprecher in die Welt hinaus gepunked-blacked-deathed werden. Amorphis, Sentencend, Autopsy, SepticFlesh, etwas Hellhammer und Celtic Frost, Venom, Bathory und weitere Konsorten lassen grüssend die Einflussfetzen hängen. Dementsprechend ist die Produktion ausgefallen, sauber und so richtig 'old-schoolig', gepaart mit einem interessant-progressiven Cover-Artwork. Anspieltipps wären da 'Seeking Oblivion', 'At The Crossroads' und 'The First Death'.
Leopold    
Punkte:
7.7 von 10
THE HAWKINS – Silence Is A Bomb  (LP)
The Sign Records
The Hawkins stehen bereit, mit ihrem sehr rock n‘ rolligen 60er-70er-Gitarrenrock so manches Wohnzimmer zu beschallen. Wer an dieser Stelle jetzt denkt, alles was Alternative Rock zu bieten hat bereits zu kennen, werden mit „Silence Is A Bomb“ vielleicht doch noch ein wenig überrascht. Die Schweden bieten eine recht bunte Mischung aus leichten, frischen Tracks, die sich trotz der lockeren Spielweise mit sehr ernsthaften Themen beschäftigt. Hinter den eingängigen Refrains und luftigen Gitarrenriffs verbergen sich Lyrics, die sich mit emotionalen und psychischen Themen befassen und gleichzeitig ein kritisches Auge auf die Gesellschaft werfen. Der namens gebende Opener startet unscheinbar ruhig und ist mit seinem gesanglichen Minimalismus die Einleitung zur Scheibe. Dann ist mit „Roomer“ Vollgas angesagt, denn der zweite Track schmettert reichlich Groove aufs Parkett. Das liegt den Schweden scheinbar. „Silence Is A Bomb“ ist einfach gesagt, gut gemachter Feel-Good-Rock à la The Hives oder Jet. Das Album erlaubt sich keine Schwächen, besticht aber auch nicht durch epische Rockhymnen. Das würde der Truppe aber auch nicht zu Gesicht stehen, denn sie halten sich eher an kurz-gehaltene Songs mit einer Prise Punk-Attitüde. Mit „Minuette“ gibt es unter den Worten „Give Me A Minute Now“ zum Beispiel genau das: 1 Minute vollgestopft mit satten Rockgeknüppel. Ein herrliches, kurzes Intermezzo. Darin liegt der Beweis dafür, dass diese Platte viele Schichten hat, die es zu entdecken gibt. Mal ruhiger, mal schneller und lauter aber immer mit einer angenehm angerotzten Note.
Oliver H.

Punkte:
7.6 von 10
BLOODRED - The Raven's Shadow  (Digipack)
Massacre Records
Mit 'The Raven's Shadow' folgt der zweite Longplayer, nach 'Nemesis' und der EP 'The Lost Ones' von der One-Man-Band um Mastermind Ron Merz aus Oberrstenfeld, Baden-Württemberg. Und diese 9 Tracks gehen ganz gut ab, vermischt zwischen Black- und Death-Metal, mit einigen soundtechnischen Überraschungen, was dann selbstredend die Songs auch interessant erklingen lassen. Mal hymnenhaft, mal bonanzamässig, mal mystisch, mal blastend, mal thrashig, mal speedig, mal heftig blackig, mal deathig, mal doomig, mal einfach 'Metal'. Produktionstechnisch sehr sauber und druckvoll, gepaart mit einem herrlichen Cover-Artwork. Ja, der Grundstock des Songwritings basiert auf, wie es Bloodred auch treffend verkünden, blackened Death-Metal. Schneidende Riffs, melodiöse Parts, mal hymnenhaft oder dann auch akustisch intoniert, mal so richtig moshende, catchige Momente, blastende und double-bassige Drums. Tiefe Shouts, welche am gutturalen Gesang kratzen, ein solider Tieftöner, passend zu den sägenden Gitarrenriffs. Solomässiges Shredding wird auf dem Album in kurzen, heftigen Varianten durchgepeitscht, doch wird auf ein herrlicher Soundteppich auf 'The Raven's Shadow' wert gelegt. Stilistisch etwas von Svart Crown und Crematory, etwas Grave und Immortal, etwas In Flames und Insomnium. Anspieltipps wären da 'Hör den Tod', 'Shadow Warrior', den Titeltrack 'The Raven's Shadow', 'Blood On Thy Hands' und das epische 'The North Star Whispers To The Blacksmith's Son'.
Leopold

Punkte:
7.6 von 10
METALLICA - S&M2   (4 LPs &  Digital Copy)
Blackened Records/Universal Music
Darum gerissen habe ich mich nicht, aber da die zweite Ausgabe von "Symphony And Metallica", kurz eben «S&M» betitelt, mit viel Getöse beworben und weit herum besprochen wurde, kommen wir nicht umhin, auch was dazu zu sagen. Zwingend war das Ganze nicht, da die erste Ausgabe von 1999 einerseits zwar speziell war und auf der anderen Seite aber keine wirklich grossen Stricke zerriss. Dies auch deshalb, weil im Verlauf der Jahre diverse andere bekannte wie grosse Combos mit dem gleichen Konzept vor allem versuchten viel Kohle daraus zu ziehen. Doch wie die Akustik-Welle inzwischen mächtig abgeebbt ist und an allgemeinem Interesse verloren hat, krähte die grosse Masse ebenso nicht mehr nach solchen Dingern wie «S&M». Doch Udo Dirkschneider (Ex-Accept, U.D.O.) foutierte sich darum und schoss ausgerechnet dieses Jahr mit «We Are One» den Spartenvogel ab und legte, wirklich überraschend, das Masterpiece schlechthin hin! Somit konnten selbst die übermächtigen Metallica nichts mehr dagegen halten, da «S&M2», verglichen mit dem Vorgänger zwar produktionstechnisch nachlegte, aber letztlich bloss alten Wein in neuen Schläuchen am Start hat. Immerhin gab es ein paar Wechsel in der Setliste, aber da zeigten sich U.D.O. mit komplett neuen Songs wesentlich frischer. Mag ja durchaus sein, dass «S&M2», über fette Anlagen gespielt, dennoch punkten kann, doch bei mir das schnieke Digipak bald das gleiche Schicksal wie die erste Ausgabe erleiden, nämlich nur noch Staub ansetzen, während zwischendurch mal Udo's Orchesterwerk erklingt.
Rockslave
Punkte:
7.5 von 10
PERFECT PLAN – Time For A Miracle  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Herausragend bei Perfect Plan ist die Stimme von Kent Hilli und das Gitarrenspiel von Rolf Nordström. Das Quintett darf als Schnittmenge aus The Strom und Giant angesehen werden, aber mit ein paar Härtegraden mehr. Dabei stehen die Refrains und die sofort ins Ohr gehen Melodien stets im Mittelpunkt und wissen von der erste Sekunde an zu gefallen. «Better Walk Alone» ist einer dieser Beweisstücke, die man unbedingt gehört haben sollte. Wie auch die wunderschöne Ballade «Fighting To Win», die mit Klavier und Gesang brutal unter die Haut geht und ein Hühnerfell erster Güteklasse garantiert. Was machbar ist, mit Klavierklängen und fetten Gitarren zeigen nicht nur Night Ranger, sondern hier auch «What About Love». Wie auch das an Survivor erinnernde «Nobody’s Fool» und die Halbballade «Just One Wish». Der Hit auf diesem Album nennt sich «Don’t Blame It On Love Again» und rundet ein gelungenes Werk ab, das sicherlich die Thrash- und Metal-Fans kaum hinter dem Ofen hervorlocken wird, aber die Melodic-Fans die eine oder andere Freudenträne in den Augen wegdrücken werden.
Tinu
Punkte:
7.5 von 10
THE CASANOVAS - Reptilian Overlord  (LP)
Bad Reputation
Och nee, bitte keine Glam-Schminkmichzutode-Glitzerglitter-Band, welche auf Rockabilly macht und dabei kläglich scheitert. Nun, Glam haben wir hier nicht, und Rockabilly eher im Verschnitt zusammen mit Rock'n'Roll. Doch, lässt sich hören, zumal auch der Sänger ein ganz anständiges Organ vorzuweisen hat. Wirkt zumindest authentisch (und vermutlich augenzwinkernd, wenn man den Titel sowie den dazugehörigen Rausschmeisser bedenkt). Doch, kann man sich geben, ist jetzt nicht bretternd wie Sau, aber ganz angenehm, und hat zwischendurch seine Momente, wenn die Gitarren passend jaulen, kurz, dann wieder zurückdrehen und dem Gesamtsound Platz lassen. Ordentlich!
Toby S.
Punkte:
7.5 von 10
BIFFY CLYRO - A Celebration Of Endings  (LP)
Warner Music International
Alternative / Indie Rock mit gelegentlicher härterer Schlagseite - warum auch nicht? Allerdings ist für mich persönlich der Anteil an zu ruhigem Sound viel zu hoch, wenn die Jungs aber mal etwas aufdrehen, kommen Erinnerungen an alte Theory Of A Deadman, teilweise auch Bloodhound Gang, Seether, Skillet oder Nerf Herder hoch. Das reicht für mich jetzt nicht aus, um die Scheibe in Dauerrotation laufen zu lassen, aber so für Zwischendurch ist das ganz ok. Wenn man nicht allzu viel erwartet (oder generell auf der Alternative-Schiene fährt), dann kann man mit "A Celebration Of Endings" nicht allzu viel falsch machen. Unauffällig.
Toby S.  
Punkte:
7.5 von 10
VERITAS – Threads of Fatality  (CD)
Veritas Rocks LLC
Veritas ist eine Progressive Hard Rock / Metal Band aus Kansas City, die sich 2012 gegründet hat. Auf ihre erste EP, die 2018 veröffentlicht wurde, folgt nun mit «Threads of Fatality» ihr Debut. Das Werk beginnt mit «Prelude To Toe Sacrament», einem düsteren, melancholischen Intro, das Lust auf mehr erweckt. Darauf folgt «Frail», ein Stück, das mir eher als fade, fast überhörbar eingefahren ist. Obwohl ein cooles Gitarrenriff den Stil Veritas eröffnet und im 80er Stil hingerattert wird, bleibt das Lied oberflächlich und nicht greifbar. Daher hatte ich zuerst das Gefühl, dass «Threads of Fatality» wieder ein Album ist, das qualitativ grundsätzlich gut ist, jedoch nichts markantes, ausschlaggebendes beinhaltet. Dieser Eindruck erwies sich jedoch im Verlauf des Albums als nichtig. Mit jedem Track macht die Scheibe mehr Spass und eröffnet neue, interessante Seiten der Band. Ergreifende Gitarrenriffs, geile Rhythmen und ausgefallene Gitarrensoli offenbaren sich. Mit «Love and Burn» und «Far away» werden tolle, fesselnde Refrains präsentiert, die Freude machen. Mit «Morbid Stale» geht es erstmals in die härtere Richtung, «Starlight» überrascht mit dumpfen, schweren Gitarrenklängen und mit «Masquarade» wird nochmals komplett Schub gegeben. Im Verlauf des Albums wird eine Energie aufgebaut, die nicht abnimmt und ihre Musik erscheint immer komplexer und detaillierter. Insbesondere in den Schlagzeug-Rhyhtmen sind die Progressive-Einflüsse präsent – es lohnt sich, Mark Zonder (Warlord, Spirits of Fire, Fates Warning) genau zuzuhören. Was der im Hintergrund an komplizierten Kombos und Fillers kreiert, ist unglaublich und faszinierend! Auch die Gitarrensoli werden immer virtuoser und energiereicher. Teilweise sind Parallelen zu Queensrÿche zu hören. Hingegen Denny Anthony am Mikrophon erinnert mit seiner Stimme überwiegend im höheren Bereich an Ozzy Osbourne. «Threads of Fatality» bleibt durchgehend auf der eher düsteren, melancholischen Seite, was weitgehend den tiefen Begleittönen zu verdanken ist. Das Album braucht meines Erachtens mehrere Durchhör-Gänge, um von diesem oberflächlichen Eindruck wegzukommen und die Raffinesse dahinter zu erkennen.
Sina  
Punkte:
7.5 von 10
SPELLBOOK - Magick & Mischief  (LP)
Cruz Del Sur Music
Ist das Kreieren des stärksten Materials in der Bandhistorie wirklich Grund genug, um gleich den Bandnamen zu ändern? Jedenfalls scheint dies bei diesem Quartett aus York, Pennsylvania der Fall zu sein, kann es doch schon drei Alben vorweisen („Forsaken Remedies“ (2012), „Nocturnity“ (2015), „Otherwordly“ (2018)), welche noch unter der alten Bezeichnung „Witch Hazel“ erschienen sind. Nun nennt man sich halt SpellBook (in genau dieser Schreibweise), und haut mit „Magick & Mischief“ eben mal ein Scheibchen raus, das in der Tat mehr als nur ganz nett klingt. Die sieben Tracks offenbaren die Affinität der Truppe zum Proto Metal in jeder Hinsicht. Da wäre erst mal die stilistische Vielfalt, welche Doom Rock – Elemente ebenso zulässt wie Bausteine aus dem Classic Rock sowie dem Heavy/Blues Rock und sich im finalen Longtrack „Dead Detectives“ sogar einen Moment ins weitläufige Gebiet des Jazz wagt, bevor sich dieser in der Folge in eine düstere, beklemmende Rocknummer wandelt, welche nicht unwesentlich von der zigfach gecoverten Beatles-Nummer „I Want You (She's So Heavy)“ inspiriert sein dürfte. Wenn man genau hinhört, entdeckt man auf dem Langdreher Spuren von frühen Iron Maiden, Blue Öyster Cult, Thin Lizzy, Pentagram und natürlich Black Sabbath, und zwar in jeder Nummer in völlig unterschiedlicher Gewichtung. Genau dies macht diese Scheibe so interessant und unterhaltsam, wie auch die Tatsache, und das ist der zweite Punkt, dass der Sound sehr organisch, ungeschliffen und analog klingt, so als ob die letzten 50 Jahre Fortschritt in der Aufnahmetechnik nicht wirklich stattgefunden hätten. Wer also auf authentischen Vintagesound steht, sollte hier unbedingt mal ein Ohr riskieren, und gleiches gilt umso mehr für Leute, welche die späten Siebziger immer noch für die relevantesten in der Geschichte der Rockmusik halten.
Mirko B.  
Punkte:
7.2 von 10
GOLDRAY - Feel The Change  (CD)
Akashic Records/Cargo Records UK
Rein äusserlich sieht man der Psych Rock-Truppe rund um die Turteltäubchen Kenwyn House (Gitarre) und Leah Ray Rasmussen (Gesang) das britische Selbstverständnis sofort an, wirken die Interpreten doch auf den Promo-Fotos so, als kämen sie direkt von einer Shopping-Orgie in der Londoner Carnaby Street der Sechzigerjahre zurück. Musikalisch hat der bunte Haufen glücklicherweise einiges mehr zu bieten als eine schrille Fashion-Hörigkeit gegenüber längst verblichenen Zeiten. Auf dieser Ebene hat sich das Duo (mit wechselnden Mitstreitern) eine starke Identität erschaffen, welche prägende Elemente des Psychedelic – und Space Rock in sich vereint, das Ganze zusammengehalten durch den ätherischen aber zugleich kraftvollen Gesang von Leah Ray Rasmussen. Was nun „Feel The Change“ vom Debüt „Rising“ abhebt, ist die Tatsache, dass diesmal die Songs zugänglicher und rockiger wirken, und diesen kleinen Schritt weg vom allzu abgehobenen Psych Rock hin zu etwas erdigeren Sounds im Fahrwasser von Bands wie Lucifer oder Blues Pills kann ich nur begrüssen. Ich würde tatsächlich so weit gehen und behaupten, dass es die Band streckenweise sogar schafft, den einmaligen Spirit von Übermutter Grace Slick zu ihren besten Zeiten bei Jefferson Airplane wiederaufleben zu lassen. Damit lehne ich mich weit zum Fenster hinaus, aber punkto Originalität und Leidenschaft sitzt die Truppe dermassen fest im Sattel, dass sie sich dieses Kompliment gerne ans Revers heften darf. Wer gerne in der Frühzeit der offenherzigen, experimentierfreudigen Rockmusik verweilt, kommt um dieses Album fast gar nicht herum.
Mirko B. 
Punkte:
7.1 von 10
KAT - The Last Convoy  (LP)
Pure Steel Records
Das 40te Jubiläum feiern die Polen schon! Die Heavy- und Thrash-Veteranen kommen mit einem Album zurück, welches sowohl eigene Songs als auch Cover (Deep Purple, AC/DC, Scorpions) enthält. Man hört auf Anhieb, dass sich diese Herren in der Welt des Metal auskennen. Seinerzeit eine relativ grosse Nummer, jetzt eher weniger bekannt - oder zumindest hierzulande. Wer gepflegten Heavy Metal mag, wird auf jeden Fall spitzenmässig bedient. Abzug gibt's von mir allerdings wegen der Dynamik des Albums. Irgendwie wirkt diese nicht ganz so harmonisch auf mich, muss an den Covern liegen. Eine Scheibe mit eigenen Songs besser geworden wäre. Die paar Coversongs scheinen etwas zu stören. Sieht man drüber hinweg, erhalten wir ein sehr angenehmes Album. Auch der Gastsänger Tim "Ripper" Owens trägt ein Wenig dazu bei. Die 40 Minuten Material würden um einiges überzeugender auf mich wirken, trotzdem kann ich es den Fans der alten Schiene nur empfehlen.
Mona 
Punkte:
7.0 von 10
BYFIST – In The End (Re-Release LP)
Pure Steel Records
Pure Steel Records graben wieder einmal eine uralte US-Heavy Metal-Gruppe aus. «In The End» ist das erste Album überhaupt der zwischen 1987 und 1991 und seit 2000 wieder aktiven Gruppe. Dabei hört man guten, aber nicht überragenden, treibenden Heavy Metal, der sich zwischen True, Power und Thrash Metal einordnet. Der Gesang ist in den Refrains oft hoch und wird beim Eröffnungslied «Universal Metal» durch «Gebelle» angereichert. Ansonsten nehmen uns Byfist auf eine Reise zwischen rumpligem, mal langsamerem und mal schnellerem Heavy Metal mit. Das ganze hat Klasse und ist für eingefleischte Underground-Fans ein Genuss. Für die grosse Masse fehlen aber die eingängigen Melodien und das Zwingende. Damit ist «In The End» «nur» ein gutes Album, das trotz seiner vielen guten Momente wohl im Untergrund bleiben wird. Das soll die Leistung der Amerikaner nicht schmälern. Kommt hinzu, dass die Stimme etwas an King Diamond erinnert. Wer damit was anfangen kann, wird dieses Album wahrscheinlich besser bewerten. Für mich bietet «In The End» aber Musik, die ich von ähnlichen Bands bereits gut kenne. Wenige machen es sogar viel besser und sind entsprechend weltbekannt. Wer gefallen an diesem Werk findet, dem sei dies aber herzlich gegönnt.
Roger W. 
Punkte:
keine Wertung
BLACK SUN – Silent Enemy (EP CD&Blu-ray)
Rockshots Records
Ich bin immer wieder überrascht, mit welchen Bands neue Truppe in den Bios verglichen werden. Black Sun wird dabei mit Judas Priest, Helloween, Gamma Ray, Stratovarius und Iron Maiden ins gleiche Boot gesteckt. Wobei die neuen Stratovarius noch am ehesten mit Black Sun etwas gemeinsam haben. Unzählige Gastsänger, wie Lordi, Tony Kakko (Sonata Arctica), Noora (Battle Beast), Rasi Rantanen (Thunderstone) oder Henning Basse (ehemals Firewind) geben sich das Mikrofon in die Hand, um das Trio aus Ecuador zu unterstützen. Somit berauben sich die drei Herren von Black Sun gleich mal der eigenen Identität. Ein Sänger drückt nun mal einer Combo den Stempel auf, und wenn bei jedem Track ein anderer Shouter ins Mirko röhrt, dann hat das Ganze eher etwas eines Projekts denn einer Band. Wer sich trotzdem Black Sun anhören will, sollt in «Dark Mirror», «Still Alive» oder «Resist» anhören. «Silent Enemy» geht eher als EP durch, denn von den sieben Liedern sind derer drei eher Intros denn richtige Songs. Eigentlich schade, dass man sich nicht einen fixen Shouter ins Studio holte, denn die Tracks entwickeln gutes Potenzial.
Tinu 
Punkte:
keine Wertung
NIGHT - High Tides, Distant Skies  (LP)
The Sign Records
Als mir vor fünf Jahren die zweite Night-Scheibe „Soldiers Of Time“ zum Frass vorgeworfen wurde, fand ich diese eher semitoll, zu eintönig, zu wenig originell waren mir die stark an die NWOBHM angelehnten Songs, zudem hatte ich meine liebe Mühe mit der schrillen Stimme von Frontkasper Oskar Andersson. Obschon ich auch diesmal nicht in schiere Begeisterung ausbreche, muss ich eingestehen, dass die Band in der Zwischenzeit hörbar gereift ist. Kompositorisch bewegt man sich mittlerweile praktisch ausschliesslich auf Classic Rock – Terrain, und der gute Oskar hat scheinbar eingesehen, dass er deutlich besser klingt, wenn er nicht versucht, die schwedische Ausgabe von Kai Hansen zu sein. Die stilprägenden Paten des neuen Rundlings heissen Blue Öyster Cult, Thin Lizzy (das war ja irgendwie logisch) und frühe Scorpions während der Uli Jon Roth – Phase. Mit „Crimson Past“ hat man sich sogar getraut, sich knietief vor Dire Straits zu verneigen. Fans der britischen Überflieger mögen solch ein Wagnis zwar kritisch beäugen, aber meines Erachtens ist es den Schweden gut gelungen, das für Dire Straits so typische Element der latent melancholischen Leichtfüssigkeit zu reproduzieren. Insgesamt kann ich der Band also guten Gewissens attestieren, dass sie an Substanz, Konsistenz und Abwechslung gewonnen hat, was sie aufgrund der musikalischen Ausrichtung vor allem für Fans von Truppen wie Horisont und Dead Lord interessant machen dürfte.
Mirko B. 
Punkte:
7.0 von 10
R.I.P. - Dead End
Riding Easy Records
Tjaha, hier kann man gerne den Stempel 'old school as fuck' darauf pappen - Heavy Metal im Stile von Motörhead, dumpfer, überverzerrter Gitarrensound, kreischende Soli, ein schreiender Sänger, keine Verschnaufpause (mal abgesehen vom intrumentalen "Buried Alive"), keine Ballade, nix - also, da braucht's gar nicht viele Worte: Wer auf die erwähnte Band steht, kann praktisch nix falsch machen. Allen Fans von generell typisch dumpf-stumpfem Heavy Metal ohne Schnörkel empfehle ich ein Reinhören, kann nicht schaden. Rödelt!
Toby S. 
Punkte:
7.0 von 10
RISING STEEL – Fight Them All  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Es sind nicht nur die bekannten achtziger Helden, welche bei Frontiers Music eine neue Heimat finden, sondern auch neue und junge Truppen bekommen eine Möglichkeit sich dem Heer an Hörer zu präsentieren. So auch Rising Steel aus Grenoble (Frankreich). Unser Nachbarland ist nicht gerade gesegnet mit vielen Metal-Bands, aber dafür haben die Wenigen ihre Fussstapfen dick in den Boden gerammt. Man denke nur an Sortilège, Warning, oder die völlig unterbewerteten Attentat Rock. Rising Steel ist sicher nicht in der gleichen Qualitäts-Liga anzufinden wie die oben genannten Combos, hinterlassen aber einen sehr guten Eindruck und liegen dabei irgendwo zwischen Iron Maiden und leichten Einflüssen von Nevermore. Eine interessante Mischung, die aber auch Gefahren mit sich bringt. Nämlich, dass die Erwartungshaltung (zu) hoch ist. Auch wenn die Gitarren fett riffen und die Rhythmusmaschine ohne Wenn und Aber vorwärts marschiert, den Songs fehlt am Ende noch ein bisschen der Wiederkennungsgrad und das Potential zum Hit. Selbst beim Titeltrack, bei dem die solistischen Momente an die neueren Accept erinnern. Mit einer druckvolleren Produktion wäre «Steel Hammer» ein Kult-Track geworden, der sich nicht hinter Metal Church zu verstecken braucht. Wie auch das schwerfällige und harte «Black Heart», das man mit neueren Saxon-Liedern vergleichen kann. Als Schreiberling hängt man immer ein bisschen in den Seilen. Ist man nun ehrlich mit der Review, oder «nett» und versucht die guten Ansätze über alles zu stellen. Rising Steel hat ein interessantes, reinrassiges Album veröffentlicht, bei dem die Metal-Heads sicher nicht falsch liegen, wenn sie sich ein Ohr voll gönnen. Die Matte kann problemlos zu «Metal Nation» oder «Lead By Judas» gekreist werden, und «Pussy» darf dabei als gekonnte Stimmungserweiterung gesehen werden.
Tinu 
Punkte:
7.0 von 10
THE DEVIL'S TRADE - The Call Of The Iron Peak  (Clear Vinyl)
Season Of Mist/Irascible
The Devil's Trade ist das Projekt des ungarischen Singer-Songwriter David Mako, der mit "The Call Of The Iron Peak" seinen Einstand bei Season Of Mist gibt. Geboten wird eine Melange aus Folk und Metal. Sehr, sehr ruhig beginnt dieses Album mit "The Iron Peak" und die Musik wird vom wehklagenden Gesang passend begleitet. Stimmige Musik für Regentage sozusagen. Melancholisch ist "DeadSister" und dazu pure Roots-Musik. Mit Metal hat das überhaupt nichts zu tun. Bei "III" handelt es sich um ein kurzes Zwischenspiel, das alles in allem sehr nichtssagend ist! Mit "No Arrival" wird weniger in die Folk-Kerbe gehauen, sondern mit Dark Metal gepunktet. Ein gewisse Nähe zu Danzig ist auszumachen und zwar vor allem wegen des Gesangs. Auch dieser Song wirkt eher wie Valium als Taurin! Als Hauptsubstanz kommt Valium auch bei "Expelling Of The Craft Ape" zum Einsatz. Langsam döse ich ins Reich der Träume weg...! Dieser Sound ist so unaufgeregt und beruhigend wie Baldrian-Tropfen! Ein weiteres Zwischenspiel ist ""IIIIIIIIIII", das genau so unnötig wie sein Vorgänger ist. Leider weckt mich auch "Harom Arva" nicht auf, sondern lässt mich weiter dösen! Meditativ geht es mit "Eyes In The Fire" in die nächste Runde weiter. Dieser Song besitzt die ganze Energie eines leeren Handyakkus! Ein unnötiges Zwischenspiel zum Dritten bietet "IIIIIII". Mit "Dreams For The Red" bekommen wir den längsten Song auf dem Silbertablett serviert. Intoniertes Wehklagen wird für über sieben Minuten geboten, und war es bis jetzt nur bewölkt, dann ist es jetzt stockduster! Der Titelsong "The Call Of The Iron Peak" beendet dieses Album genauso still und ruhig, wie es begonnen hat. Wer den optimalen Soundtrack für eine stille Andacht sucht, wird mit The Devil's Trade sicher bestens bedient. Dieses Album ist auch ein probates Mittel, ohne chemische Substanzen, den wohlverdienten Schlaf zu finden!
Roolf 
Punkte:
6.8 von 10
ATTIC DEMONS – Daytime Stories, Nightmare Tales  (CD)
ROAR! Rock Of Angels Records
Ach du meine Güte. Beim ersten Schrei von Artur Almeida fliegen mir gleich sämtliche Füllungen aus der Gebissstube. Noch immer geschockt von diesem Ur-Schrei mogle ich mich durch den Opener «The Contract». Ja, die Portugiesen spielen auf dem dritten Album reinrassigen Metal, der aber in meinen Ohren kaum hängenbleibt. Da helfen auch die Iron Maiden-artigen Doppel-Leads, wie man sie seit der Wiedervereinigung von Bruce Dickinson und Steve Harris immer wieder von den Engländern um die Ohren gehauen bekommt, nicht viel. Vage kann man den Sound aus einer Mischung zwischen Manowar und Metal Church bezeichnen. Mit viel Power, ungezügelter Energie und brachialen Riffs zieht Attic Demons ins Gefecht. Mit balladesken Moment, die sich steigern, kommt «Renegade» um die Ecke und lässt sich durch die Geschwindigkeit von «The Revenge Of The Sailor King» und dessen Tempowechsel nicht beirren. Man darf den Herren bescheinigen, dass sie versuchen, mit viel Abwechslung («Hills Of Sadness») ins Rennen zu gehen und dass die neueren Iron Maiden mehr als nur eine kleine Inspiration war. Am Ende fehlen aber die Eigenständigkeit (sorry) und der Song, an den man sich nach dem ersten Hören erinnert.
Tinu 
Punkte:
6.7 von 10
TRISHULA – Time Waits For No Man  (CD)
AOR Heaven
Mit „Time Waits For No Man“ wird die Britische Melodic Band Trishula vorstellig. Nach dem Debüt „Scared To Breath“, das Anfang 2019 erschien, versucht man es also bereits einenhalb Jahre später zum zweiten Mal. Die Gruppe ist das gemeinsame Projekt von Gitarrist und Songwriter Neil Fraser, der schon bei Rage Of Angels, Ten und Tony Mills in Lohn und Brot stand und Vocalist Jason Morgan, der ausser bei Orangefall und als Magnum-Backingsänger noch nicht relevant in Erscheinung getreten ist. Musikalisch harmonieren die beiden hervorragend und werden treffend von Magnum-Keyboarder Rick Benton unterstützt. Das Songmaterial überzeugt aber nur sehr bedingt. Die klassichen AOR-Tracks basieren mehr als einmal auf kreativen Ideen, verlieren sich aber immer wieder in der Belanglosigkeit. Der Wiedererkennungswert bleibt gering. Es fehlen Hooks, die einen aufhorchen lassen. Zudem hätte auch ein bisschen mehr Drive sicher nicht geschadet. Interessant bleibt somit nur die satte und voluminöse Produktion von Sheena Sear, die sich auch schon mit Magnum einen Namen machen konnte. Explizite Melodic-Fans dürfen selbstverständlich ein Ohr riskieren.
Chris C. 
Punkte:
6.7 von 10
TANNA – Storm In Paradise  (CD)
AOR Heaven
Aus Tanna wurde Prayer und aus Prayer wieder Tanna. Wichtig? Kann sein, denn angeblich hat Tanna die erste Tour mit vielen Pyros und Tänzerinnen abgeschlossen. Klingt alles nach den geliebten Achtzigern. Wenn man aber kaum was von den Finnen wahrgenommen hat, dann fragt man sich, wie gross die Truppe tatsächlich war, ausserhalb der eigenen Heimat? Dann stürzen wir uns mal in den neuesten Streich der Band um Tapani Tikkanen. Mit viel Keyboard-Einsatz klingt einiges nach einer Mischung aus Europe zu «The Final Countdown»-Zeiten und an Stage Dolls. Genau dort darf man die Truppe auch sehen, als guter Nachfolger von Stage Dolls. Feine Melodien («Silhouettes», «Mysterious Fire»), balladeske Momente («Run Like Hell Tonight», «On The Backstreet», «The Last Mile») und AOR-geprägte Einflüsse («Like Kim Kardashian», «Nights On The Road»). Richtig gerockt wir selten («This Town Ain’t Big Enough», «Old And Grey»). Dieses Album könnte dem Mainstream passen. Jenes, das heute AC/DC hört und morgen Helene Fischer. Für Metaller und Hard-Rocker nur bedingt zu empfehlen.
Tinu
 
Punkte:
6.5 von 10
DEAD QUIET - Truth And Ruin (LP)
Artoffact/Cargo
Was die Kanadier da verbrochen haben, lässt sich echt schwer in Worte fassen. Uralt-Heavy Metal in Verbindung mit Doom-Ansätzen, progressiv wirkenden Einschüben, Classic Rock-Retro-Einsprengsel, ein Sänger, der klingt, als würde er aus den späten 80ern kommen... Eine vergleichbare Band zu finden ist echt schwer, deswegen lasse ich das gleich sein. Für mich persönlich ist die Chose zu unverdaulich, als dass ich sie mir nochmals antun würde. Ich finde weder einen roten Faden, noch kann ich selbst bei sehr aktivem Zuhören grossartig ausmachen, wo ein Song aufhört und ein anderer beginnt. Wer auf eher vertracktere Sachen steht und die Retro-Einsprengsel gut findet, der sollte sich Dead Quiet effektiv mal antun. Schwierig!
Toby S. 
Punkte:
6.5 von 10
DEFECTO – Duality  (CD)
Black Lodge Records
Gegründet wurde Defecto 2011 in Kopenhagen. Die Dänen spielen mit dem neusten Album eine kräftige Art modernen Metals, der mit herunter gestimmten Gitarren und fiesem, kräftigem Gesang versucht, Aufsehen zu erregen. Mit den melodischen Parts werden die Fans angesprochen, welche sich den nächsten Ohrwurm suchen. Diese werden sich erschrocken abwenden, wenn bei «The Univited» hässliches und böses Gegrowle durch die Boxen gejagt wird, um im nächsten Moment mit einem melodischen Gitarrensolo versucht wird, die Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen. Also will man nun einen Circle-Pit, oder doch lieber nur tanzen? Ich weiss es nicht, und die Jungs, so vermute ich, auch nicht. Abwechslung finde ich spannend und gut. Aber nicht in der Form, wie in Defecto abliefert. Diese Mixtur erinnert mich an neuere Kissin‘ Dynamite-Tracks, mit denen ich auch meine Mühe hatte. Sprich es gibt viele Parts, die ich unglaublich toll finde und genau gleich viele andere, die spurlos an mir vorbeigehen. Schade.
Tinu 
Punkte:
6.0 von 10
BLAZON RITE – Dulce Bellum Inexpertis (EP Vinyl))
Gates Of Hell Records
Die Corona-Krise kneift das Musikbusiness fest in die Eier. Man fragt sich, wie lange es noch gut gehen kann und wann die ersten Booker, Konzerthallen, Bands und Labels das Zeitliche segnen. Wird sich dabei die Qualität durchsetzen? Oder der vom Geld bestimmte Trend? Seien wir ehrlich, es gab zu viele talentierte Bands, die gottesgleiche Songs schrieben und trotzdem nie einen Krümel des Kuchen abbekamen. Es gab aber auch Truppen, bei denen abzusehen war, dass sie nie auch nur einen Fuss auf den Boden setzen werden können und solche, bei denen man lächelte und sie wurden über Nacht zu grossen Stars. Ja auch diese Trends gab es im Metal- und Hard Rock-Bereich. Was dies mit der EP von Blazon Rite, den Jungs aus Pennsylvania, zu tun hat? Epischer Metal hatte schon immer einen schweren Stand, und das wird das Quartett auch zu spüren bekommen. Die Jungs könnten zu einem Geheimtipp bei den Fans von Manilla Road und Cirith Ungol werden. Könnte, denn dazu müssen sich die Freunde dieser Truppe zuerst mit den vier Tracks auseinandersetzen. «Diamond Daggyr» mit seinem sanften Start, der in einen schnellen Track übergeht und dann gleich wieder gebremst wird, zeigt die musikalische Statur und gilt als Anspieltipp. Antesten.
Tinu 
Punkte:
keine Wertung
SEASON OF DREAMS – My Shelter  (CD)
Pride & Joy Music
Ich hätte viel darauf gewettet, dass bei Season Of Dreams Henning Basse (ehemals Firewind, Metallium) singt. Aber es ist Johannes Nyberg (Zonata). Die Band besteht daneben aus Johannes' Bruder John und Multiinstrumentalist Jean-Michael Volz. An dem Ganzen klebt die Projekt-Etikette, und es fällt mir ehrlich gesagt schwer, etwas Herausragendes zu finden. Vieles erinnert an die bekannten und momentan aktuellen Power Metal-Bands (Mischung aus Nightwish und Battle Beast), welche diesen Titel eigentlich nicht tragen dürften... Symphonische Momente wechseln sich mit cleanen Vocals ab und werden durch typische, finnische Gitarrenparts ergänzt. Einmal mehr, man hat alles schon gehört, ob nun besser oder nicht. Aber Eigenständigkeit hört sich anders an (ich weiss, ein viel zitierter Spruch von mir!).
Tinu 
Punkte: 6.0 von 10
AIRFORCE – Strike Hard  (CD)
Pitch Black Records
Die NWOBHM-Band Airforce unter ex-Iron Maiden Drummer Doug Sampson, seinem Bruder Sam am Mikrophon, Gitarrist Chop Pitman und Bassist Tony Hatton hatten sich bereits 1989 gegründet. Nach diversen Line-up-Wechseln und folgend getrennte Wege gründete sich die Band Jahrzehnte später 2016 wieder neu und veröffentlichten im selben Jahr endlich ihr Debut, welches ihre Songs der vergangenen Jahrzehnte zusammenfasst. Nach den dazwischen veröffentlichten zwei EP’s folgt nun mit «Strike Hard» ihr zweites Studioalbum. Die Band besteht heute wieder aus drei der vier Gründungsmitgliedern – heute ist Flávio Lino als Sänger zu hören. Airforce produzieren den allbekannten, typischen Heavy Metal der 80er Jahre. Markante Gitarrenriffs, tiefes Gitarrenrattern und ausgefallene, virtuose Soli definieren ihre Musik. Nur sind Airforce in die allbekannte Gefahr hineingetappt und ich muss es hier nun böse formulieren – Airforce ist ein Abklatsch von Iron Maiden. «Strike Hard» klingt effektiv wie die alten Maiden-Zeiten, qualitativ super, machen Spass und reissen mit. Sänger Lino klingt praktisch gleich wie Bruce Dickinson – ehrlich, anfangs dachte ich, es sei er. Und damit ist das Album auch komplett beschrieben… Sie sind so nahe an Iron Maiden, dass sie super klingen, jedoch zu weit von ihnen entfernt, um im Ohr hängen zu bleiben und wirklich zu überzeugen. «Strike Hard» ist kein schlechtes Album, es ist lediglich nichts neues und irgendwie nichts eigenes. Dennoch, wenn es angehört wird, macht es Spass.
Sina 
Punkte: 6.0 von 10
BROADSIDE - Into The Raging Sea  (CD)
SharpTone Records/Warner
Alternative Pop und Pop Punk sind normalerweise nicht ganz so meine Schiene, weshalb ich recht überrascht bin, wie easy sich die neue Scheibe der jungen Band aus Virginia hört. Für mich persönlich macht es eben schon einen Unterschied, ob man die Musik aus Überzeugung und Seele schreibt, oder nur, weil das Genre beliebt ist. Leider zu poppig, um in in meine CD-Sammlung einzuziehen, aber definitiv nicht kitschig und auch nicht so stereotyp-radiomässig wie andere Vertreter des Alternative. Inspiriert von seiner recht schwierigen Jugend schrieb Sänger Ollie Baxxter die Scheibe - und sie überzeugt. Alternative Rock-Fans dürften trotz der sehr poppigen Aufmachung Gefallen an dieser Scheibe finden. Die Instrumente werden auch recht gut bedient, hört sich nicht wirklich nach einer Garagen-Band an, wie dies normalerweise bei solcher Musik der Fall zu sein scheint (oder zumindest die Bands, die ich schon hören durfte). Die Stimme Ollie's wirkt auch recht entspannend, was das Hörerlebnis entspannend macht. Alles in Allem sehr nice. Rock- und Metal-Fans würde ich aber zu härterer Kost raten.
Mona 
Punkte: 6.0 von 10
SELENSEAS – The Outer Limits  (CD)
Rockshots Records
Für Fans von Edguy, Lost Horizon und Sonata Arctica steht in der Bio und trifft den Nagel ziemlich gut auf den Kopf. Allerdings würde ich Edguy aussen vor lassen. Aus Moskau stammt die Truppe und hat mit dem zweiten Album «The Outer Limits» ein Werk am Start, das sich Freunde von Almanac unbedingt anhören sollten. Die Gitarren wirbeln frech und unverbraucht und weisen einen leicht Klassik beeinflussten Touch aus. Das Unschöne an «The Outer Limits» ist, dass die Lieder eigentlich was Spannendes haben, aber trotzdem neben mir «runter fallen». Auch wenn «Asgard» mit Tempowechseln und Thin Lizzy-beeinflussten Momenten aufhorchen lässt, sobald die Stimme und die Chöre einsetzen, wird dem Song die Luft zum Atmen geraubt. Freunde der erwähnten Combos können bedenkenlos reinhören.
Tinu 
Punkte: 5.5 von 10
SINSID – Enter The Gates  (LP)
Pitchblack Records
Uh, schon fast frech wird der Titelsong bei Metallicas «Creeping Death» geklaut. Oder anders gesagt, Metallica treffen auf Powerwolf. – Genau jetzt wird unser Rockslave laut aufheulen – Viele schleppende und harte Parts treffen auf eine Stimme, die höllisch krächzend aufschreit. Aber so richtig packend geht anders. Auch wenn die balladesken Momente bei «Point Of No Return» etwas Spannendes aufweisen, irgendwie lässt mich das alles völlig kalt. Seien wir ehrlich, wenn man an die achtziger Jahre zurückdenkt, dann hatte das zweite Album schon eine gewisse Magie. Man denke nur an «Killers» (Iron Maiden), «Wheels Of Steel» (Saxon), «Hotter Than Hell» (KISS), «7800° Fahrenheit» (Bon Jovi), «Shout At The Devil» (Mötley Crüe) oder «Wings Of Tomorrow» (Europe). Davon sind SINSID (sehr) weit entfernt.
Tinu 
Punkte: 5.5 von 10
TIM BOWNESS - Late Night Laments  (2 LPs)
InsideOut Music
Der englische Singer/Songwriter Tim Bowness beehrt uns hier mit seinem 6. Studio-Album. Neun zum Teil sehr ruhige Songs mit sehr wenig Gitarren, dafür Klavier, Synthies, Drum-Computer und einige elektronische Klänge bietet uns der Brite hier auf seinem neuen Rundling. Gemixt hat das ganze sein No Man-Kumpel Steven Wilson. Tim singt mit sehr viel Gefühl, gut zu hören bei "Darkline" zum Beispiel. "We Caught The Light" lebt von wunderschönen akustischen Gitarren und Keyboards. Oft driftet man auch etwas ins Pop-Gefilde ab, wie beim sehr ruhigen "The Hitman Who Missed". Ich muss zugeben, dass mit der Zeit etwas Langeweile aufkommt, man hofft, dass Tim vielleicht dann doch noch mal etwas Schnelleres, Lebendigeres spielt. Aber die softe Welle, das geht manchmal schon fast in die Meditations-Musik über, bleibt so bis zum letzten Song "One Last Call", welcher auch der langsamste und der langweiligste ist. Ich weiss nicht, warum Tim hier auf diesem Album nur Balladen geschrieben hat. Hier fehlt es eindeutig an Abwechslung und Spannung. Und das ändert sich auch nicht nach mehrmaligem Durchhören. Leider nicht so empfehlenswert, das neue Album des Briten.
Crazy Beat 
Punkte: 5.5 von 10
ESKIMO CALLBOY - MMXX (EP CD)
Century Media/Sony
Diese Jungs sind irgendwie schon eine Kategorie für sich. Nach einem steilen Start am Anfang ihrer Karriere, so scheint es mir, haben sich die Jungs eher dem Fun verschrieben als der Musik. Ist per se nichts Schlechtes, die Qualität der Musik dürfte jedoch nicht darunter leiden. In diesen schwierigen Zeiten wollte EC sich dem widmen, was ihnen Spass bereitet. An sich gut, doch nicht ganz so gelungen. Der Opener-Track "Hypa Hypa" vermiest mir die Laune schon recht. In der Tat passend zu einer Band, bei welcher die Members sogar in Reality Shows teilnehmen. Während die Liveshows zumindest packend sind und Laune machen, so präsentiert sich dieser Einstieg, trotz der Partylaune, so ziemlich platt. Nicht ganz so ambitiöse Texte dürften ja nicht überraschen. Mit jedem weiteren Song präsentiert sich die Band musikalisch zwar ein Bisschen besser. Immerhin finde ich die Mischung aus Core und Trance an sich ganz ansprechend. Schlecht ist "MMXX" nicht, wirklich gut aber auch nicht. Nett zum Hören, würde man den ersten Track komplett auslassen. Ohne die Texte zu beachten ganz nett. Mit den Texten ein klarer Flop für mich. Pluspunkte gibts für die geilen Screams und die Tanzbarkeit der Melodien.
Mona   
Punkte:
keine Wertung
THE WAYMAKER – The Waymaker  (CD)
Melodic Passion Records
Habe ich schon mal erwähnt, dass ich diesen skandinavischen Misch-Metal ziemlich langweilig finde, auch wenn ich den jeweiligen Bands durchaus musikalische Fähigkeiten attestiere? Ich fand bereits Narnia, Wisdom Call oder Divinefire mittelmässig. Bei diesen Truppen sang Christian Liljegren, der eine Teil von The Waymaker. Jani Stefanovic ist der andere Part. Was hören wir? Gross aufgebaute Chöre, die alles andere zerschlagen. Ebenso mächtige Keyboardwände sind zu vernehmen. Mit metallischen Grundstrukturen versehen und symphonischen Gegenparts tingelt «The Waymaker» durch die Weltmeere. Unterstützt von Katja Stefanovic werden auch die Nightwish-Fans abgeholt. Sorry, überhaupt nicht meine Baustelle. Und um Alice Cooper wieder einmal zu zitieren: «... zu viele Bands schreiben keine Songs mehr!» Dem ist hier nichts mehr beizufügen - ausser, dass die Coverversion von Strypers «Soldiers Under Command» schon fast einer Gotteslästerung gleichkommt.
Tinu
Punkte: 5.5 von 10
REWS - Warriors  (CD)
Marshall Records
Aus dieser Frauentruppe bin ich echt nicht schlau geworden - da packt man doch relativ harte Tracks, welche an Joan Jett And The Blackhearts, Vixen, Girlschool und Konsorten erinnern, neben andere Songs, welche komplett aus dem Pop-versuchten Radio-Sumpf des Mainstreams stammen könnten und auch dementsprechend keinerlei brauchbare Aussage transportieren. Ich kann diese Scheibe zu knapp 50% empfehlen, da man nur knapp zur Hälfte erkennen kann, dass man echt gut rocken könnte. Den anderen Teil kann man getrost sein lassen, ist vernachlässigbar. Nicht zwingend qualitativ, klar, aber vom Feeling her auf jeden Fall. Zwiespältig.
Toby S.  
Punkte: 5.0 von 10
CREEPER - Sex, Death & The Infinite Void  (LP)
Roadrunner Records/Warner
Alternative Rock / Brit Rock mit deutlicher Pop_Schlagseite, so würde ich dieses Album von Creeper beschreiben. Zwischendurch streut man immer wieder differenzierende Elemente ein, wohl, um die Mischung etwas aufzulockern (Country-Guitar-Slides, Queen-ähnliche Gesänge mit viel Keyboard, zwischendurch tieferer Gesang anstelle der doch recht hohen Stimmlage etc.). Nun, mir persönlich ist die ganze Sache zu seicht, zu wenig Ecken und Kanten, als dass sich da wirklich eine eigenständige Persönlichkeit entwickeln könnte. Wer auf eher leichtere Unterhaltung zum nebenbei Hören steht, der ist mit Creeper recht gut beraten. Geschmackssache.
Toby S.   
Punkte: 5.0 von 10
FREAKS AND CLOWNS - Justice Elite
Metalville/Musikvertrieb
Nimmt man meine eindeutige Reaktion auf das letztjährige, respektive selbstbetitelte Debüt als Massstab, dann könnte diese Review ähnlich schlecht ausfallen. Doch das Kind soll ja bekanntlich nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden, und so stürzen wir uns wagemutig in den Zweitling, der den Titel «Justice Elite» trägt. Der Opener wie Titeltrack haut riffmässig passabel rein, und der entfernt an Hell Hofer (Bullet) erinnernde Gesang von Shouter Chrille Wahlgren hält sich soweit mal wacker, aber schon beim nachfolgenden «Man With The Power» fängt es bereits wieder damit an, dass dieses Genöle schlicht und einfach nicht geht. Wenn man hier genau hin hört, dann klingt das Ganze eigentlich so, wie wenn der originale Astral Doors Frontmann Nils Patrik Johansson seine Klöten gequetscht kriegt! Echt fürchterlich, und dieses nervende Geschrei übertönt beinahe den immer noch düster gehaltenen Heavy Sound. Dass es auch etwas anders geht, beweist «Guardian Angels» zumindest teilweise, da Chrille hier stellenweise cleane Vocal-Parts am Start hat. Insgesamt sind die Songs eine Spur eingängiger als noch beim Erstling, aber das Problem besteht überwiegend bei Mr. Wahlberg und dessen "Gesangskunst". Ich muss praktisch alle Songs vorzeitig abbrechen. Nur die Halb-Ballade «The End Song» lässt eine partielle Verschnaufpause zu, und der Rest, vor allem das total grenzwertige Rumgeturne in den oberen Regionen bei «I Am The One Or The Victim» ist der reinste Audio-Horror! Leute, sucht euch einen anderen Sänger, denn so wird das nie was!
Rockslave  
Punkte: 4.5 von 10
THE OBSESSED - Live At Big Dipper
Blues Funeral Recordings
Zeit ist heutzutage ein kostbares Gut, ich werde mich also kurz fassen. Bei diesen Aufnahmen handelt es sich um den Mitschnitt eines Gigs im Jahr 1983, zu diesem Zeitpunkt existierten von The Obsessed erst ein paar Demos und bestenfalls die EP „Sodden Jackal“. Die Band war noch in ihrer Urbesetzung, und der Auftritt fand im Big Dipper in Hagerstown in ihrem Heimat-Bundesstaat Maryland statt, man kann also durchaus von einem Heimspiel sprechen. Über den Kultstatus von The Obsessed und die Qualität der Songs brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber so einen Schrott wie diesen hier als vollwertiges Album zu verticken, ist eine absolute Frechheit, dagegen ist im direkten Vergleich sogar das 1980er quasi Rip Off „Live At Last“ von Black Sabbath eine High End-Produktion (das Album wurde damals ohne Kenntnis und Erlaubnis der Band veröffentlicht, die Aufnahmen waren den Herren Iommi & Co. dafür einfach zu schlecht). „Live at Big Dipper“ wurde offensichtlich entweder von irgendeinem Fan oder einem Crew-Mitglied mit einem Kassettenrecorder aufgenommen, und so klingt die Sache dann auch, verwaschen und hoffnungslos übersteuert. Schade um die musikhistorische Bedeutung dieses Auftritts, aber in Anbetracht der Tatsache, dass man sogar auf YouTube bessere Liveaufnahmen von The Obsessed findet, auch aus der Frühphase der Band, ergibt diese Veröffentlichung nicht wirklich Sinn. Einzig die vier angehängten Demosongs, welche die frühe Nähe der Band zum Punk und Hardcore zeigen, reissen die Sache noch knapp raus. „Live at Big Dipper“ ist nur etwas für knallharte, schmerzfreie Fans, die aus Prinzip einfach alles von The Obsessed haben müssen. Allen anderen rate ich dringlich, die Finger davon zu lassen und sich die Studioalben der Band zuzulegen.
Mirko B. 
Punkte:
keine Wertung
STRIKE FIRST - Wolves
Rebellion & Stolen Stereo / Cargo
Wie bei ihren Genre-Kollegen Stealers kann ich Strike First schlichtwegs nicht Ernst nehmen - Pseudo-Punk, welcher direkt aus irgendwelchen x-beliebigen Hollywood-Teeny-Streifen stammen könnte, gibt mir schlichtwegs nix. Da gab und gibt es durchaus andere Bands, welche wirklich noch Punk oder Artverwandtes zum besten gegeben haben, und die auch authentisch wirken. Nicht so bei Strike First. Unnötig.
Toby S.
Punkte: 3.0 von 10
STEALERS - Never Enough
Rebellion & Stolen Stereo / Cargo
Erinnert irgendwie an so Bands wie Blink 182, Killerpilze, The Ramones, Offspring oder ähnliche, nur um Längen schlechter. Sich ständig zu wiederholen, egal, ob in der Melodie oder im textlichen Bereich. Ich kann mir nicht helfen, diese Band bringt mir rein gar nichts. Alles wirkt extrem aufgesetzt, gespielt, künstlich, ohne Ecken und Kanten - eben genau so, wie es Punk-Bands im eigentlichen Sinne ganz sicher nicht sein wollten. Anyway, wer unbedingt Pseudo-Punk braucht, bekommt ihn mit den Stealers. Unnötig.
Toby S.
Punkte: 3.0 von 10
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