New Music Reviews September 2019
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.   0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
TOOL - Fear Inoculum
RCA Records/Sony Music
Die Prog-Götter aus der Stadt der Engel, will schreiben Los Angeles, California, U.S.A., mit ihrem fünften Longplayer namens 'Fear Inoculum'. Ja, Tool sind schwere Kost, jedoch stets geniale Kost. 10 Songs voller Sehnsucht, Atmosphäre, theatralischem und opernhaftigem Musikkönnen, ein Eintauchen in unvorstellbare Klangwelten, in Universen und Sphären, von denen man nicht in den schönsten und ergeignisreichsten Träumen sich es je vorstellen konnte. Trotz vertrackten, verstrickten, abstrakten und an reichvollen Rhythmenwechsel, ein steter roter Faden ist aus dem kompletten Songkonstrukt stets herauszuhören und diesem auch problemlos - schlussendlich - zu folgen. Nun, was macht denn 'Fear Incoulum' so einzigartig? Well, es ist das komplette Package, welches hier zu Ohre getragen wird. Es ist Musik in seiner reinsten, vollkommensten und perfektesten Weise, wie beispielsweise bei Dream Theater, Symphony X und Konsorten. Ja, selbst Saga, Opeth und Rush können und dürfen hierbei schamlos etwas Röte ins Gesicht bekommen. Es ist Kunst, wie bei Malern, Architekten und allen sehr speziellen Menschen auf diesem Erdenreich und in diesem Universum. Es gibt nichts Perfekteres, wenn Bands, Musikerinnen und Musiker die Gabe besitzen, die geneigte Zuhörerin, den geneigten Zuhörer in das Musikverständnis und die -welt besagter Combo und Solokünstler zu entführen, die Zeit stehen und vergessen lassen zu dürfen, einfach nur den gespielten - und auch ungespielten - Noten zu zuhören, sich diesen Soundteppich in sich hinein ziehen lassen und einfach nur geniessen. Kann man das denn im Metal? Yep, und zwar tatsächlich öfters als man denkt, wenn man sich auch die Zeit dafür nimmt. So, genug weise geschlabbert, kommen wir zu den weiteren musikalischen Aspekten. Die Gitarre schnarrt, schnattert, riffelt, rockt, metallert, mal elektrisch, mal akustisch, dann wieder leicht Sitar-mässig genüsslich vor sich her, lässt jedoch dann durch verschiedene, ruckartige und abstrakte Wechsel in ein herrliches Varney-mässiges Shreddern aufhorchen. Auch die wundersamen Melodien lassen in unbekannte Sphären eintauchen. Der Bass ist ebenso virtuos wie der Saitenhexer, mal beinahe funkig groovend, dann wieder sehr fusion-jazz-lastig und schlussendlich doch sehr metal-mässig straight und sehr viel Boden gebend. Die Drums tänzeln nur so über das Bühnenparkett wie bei der Oper 'Schwanensee' von Peter Illjitsch Tschaikowski. Pattern an Pattern, mal heftig metallisch und doch dann wieder graziel wie eine Daunenfeder, eine Aurea Borealis, ein Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Es ist die vollkommene Rhythmussektion, welche Tool eben zu Tool macht, alle Musiker zusammen. Und eben, nicht zu vergessen, die charismatischen Sangeskünste, mal leise, mal vor sich hinplappernd, mal heftig und wütend singend und shoutend und doch sich in die Mosaiksteine des Gesamtwerkes hineingliedernd. Nein, nicht keusch, sondern auch mal wild, rebellisch und herausbrechend. Ja, es werden Geschichten, Abenteuer und Phantasien erzählt, untermalt mit hervorragenden, virtuosen Musikern. Kann man Tool denn überhaupt kategorisieren? Meiner persönlichen Meinung nach nicht, denn die musikalische Kompetenz dieser Combo ist grenzenlos und universell überschreitend in ungeahnte Sphären, Augenblicke, Momente und sie schreiben Geschichte, welche noch gar nicht geschehen ist. Sind es Visionäre? Yep, absolut. Ja, und nun denn, Musik ist Geschmackssache und ehrlich gesagt und geschrieben, ich habe Tool tatsächlich für mich persönlich entdeckt, speziell mit ihrem neuen Meisterwerk 'Fear Inoculum'. Es ist immer wieder erfrischend und erstaunend, wie gekonnt Tool die verschiedensten, musikalischen Facetten zu einem Gesamtwerk, einem Opus, zusammen schneidert. Ja, 'Fear Inoculum' ist kein einfaches Musikalbum, diese kann man nicht einfach so schnell im Plattenladen mal reinpfeifen, reinziehen und konsumieren. Es ist wie bei einem Wein oder Whiskey, der Reifeprozess macht den Unterschied, was bei 'Fear Inoculum' bei mir zwar sehr schnell vonstatten ging ich dabei jetzt schon weiss, dass ich bei jedem erneuten Anhören von 'Fear Inoculum' neue Dinge entdecken werde und darf. Eine Meisterklasse produktionstechnischen Könnens wie graphischem Artwork rundet und zeichnet Tool's neuesten Streich 'Fear Inoculum' aus. Metallische Meisterklasse mit viel und grenzenlosem, musikalischen Freiraum und Spektrum. Visionäres Meisterwerk.
Leopold 

Punkte: 10 von 10
VOICE OF RUIN - Acheron (CD)
Tenacity Music
Yes, fuckin' hell! Was für eine verdammt goile Scheibe kommt hier aus Helvetien? Genauer gesagt aus Nyon, und zwar als dritter Release namens 'Acheron' vom waadtländischen Fünfer Voice Of Ruin. Technischer und progressiver Death-Metal in seiner vollendetsten Form, was haben mich diese 11 Tracks positiv an Abwechslungsreichtum überrascht. Waren schon die zwei Vorgänger-Longplayer, die EP und zwei Demos ein stetes Wachsen in der Masterclass, so haben sich Voice Of Ruin mit 'Acheron' im Olymp besagter Stilrichtung verewigt. Da werden akustische Momente zelebriert, wie auch thrashige, deathige und blastende Momente. Ja, es sind melodiöse Momente vorhanden, doch die überwiegenden Momente sind die knallharten, deathigen wie auch thrashigen Momente, wo es einem, am Tag danach richtig, weh tut in der Nackengegend. Was für goiles Gefrickel, sowohl in den Rhythmussektionen als auch in den solodesken Parts der 11 Songs. Ein Songwriting, das nur so von Power und Abwechslung strotzt, einfach ganz grosses Kino. Die beiden Gitarren thrashen sich deathig in Ekstase, zelebrieren jeden Rhythmuswechsel, jedes Gefrickel bis zur Ekstase, kosten jedes technisch sehr versierte Solo bis zum letzten hörbaren Ton aus. Der Tieftöner ergänzt ebenfalls das gefrickelte Rhyhtmuspaket der Gitarren, mit seinem eigenständigen Gefrickel und untermalt wie unterstützt das rhythmische Treiben kraftvoll in die nächste Ekstasenwelle. Die Drums tanzen förmlich auf den verschiedenen, technisch hochstehenden Pattern, mal blastend, mal thrashig moshend, mal deathig Doublebass-mässig, mal ebenfalls frickelnd gepatternd, jedoch stets konstant und gewusst wie, wo und was eingesetzt. Ha, das war mal 'ne Erläuterung, was?! Anyway, der Gesang ist sehr vielseitig gehalten, mal gesprochen, mal gesungen, meist jedoch geshoutet, gescreamt und gegrowlt, alles in verständlicher Manier. Hervorragend! Nebst dem eben besagten leicht progressiv-technischen Death-Metal kommen auch Elemente des Thrash-Metals zum Zuge, was dem Gesamtsound auf 'Acheron' sehr gut zu stehen kommt, und, man hört teilweise auch leichte klassische Elemente, speziell in den Melodiebögen und den Soli. Ein geniales Cover-Artwork, welches absolut in die Ruhmeshalle kommt und eben besagter, druckvoller, sauberer Produktion ist 'Acheron' ein Meilenstein geworden. Diese Eidgenossen namens Voice Of Ruin werden noch viel Freude bereiten und sie sind ein hervorragender Beweis für exzellenten, technischen, progressiven, leicht thrashigen Death-Metal der Sonderklasse aus Helvetien. Für mich ein Album des Jahres, ohne Wenn und Aber. Hellyeah!
Leopold 

Punkte: 9.8 von 10
COGNIZANCE - Malignant Dominion  (LP)
Prosthetic Records
Die Engländer aus Leeds mit ihrem Debutalbum 'Malignant Dominion', 8 Tracks, die total vertrackten und abgefahren genial technisch versierten Death-Metal erklingen lassen. Nun, nach 3 EPs und 3 Singles der erste full-length Release des U.K.-Vierers. Versierter Technical-Death-Metal mit Schmackes, Melodie, Blasts, Soli und vieles mehr. Die Gitarre rifft in technischen Höchstgeschwindigkeitstempi durch die Tracks, gepaart mit vielen, kurzen Breaks, welches das Songwriting sehr progressiv auffallen lässt. Auch die melodiösen, teils technisch-versiert, geshredderten Soli eröffnen den technischen Aspekt und Reigen aller 8 Songs. Der Tieftöner greift gezielt sauber in die Linien, mal mittreibend, dann wieder sehr vertrackt und verschachtelt zusammen mit der Gitarre und startet die eigenen Hürdenläufe. Die Drums pattern sich durch das Vertrackte, stets Doublebass-lastig und groovend, mit Hinzunahme verschiedener Breaks, Rhythmuswechseln und Blasts. Meine Fresse, was für geniale Blasts, zusammen mit melodiösen und zeitgleich vertrackte Shreddersoli und sehr fusion-lastige Läufe und Riffs, sowohl vom Saitenhexer als auch vom Tieftöner. Der Gesang ist bösartig tief im Growl beheimatet, jedoch ist dieser Growl sehr verständlich dargebracht, was sich wiederum ebenfalls positiv auf den Gesamtsound auswirkt. Ein geniales Coverartwork für die Ahnengalerie, eine superbe Produktion, geniales Songwriting lassen 'Malignant Dominion' zu einem wahren debutalen Meisterwerk heranwachsen und hieft Cognizance definitiv in den Olymp des technisch-progressiven Death-Metals, fraglos. Fans von Ring Of Saturn, Burn Of Osiris, Inanimate Existence und Konserten werden jetzt schon emsig sabbern, Hände reiben und sich dieses Teil krallen. Ich werde dazu gehören, fraglos, hellyeah!
Leopold 

Punkte: 9.8 von 10
SINNER – Santa Muerte  (2 LPs)
AFM Records/Musikvertrieb
Mat Sinner hat mit seiner ersten Band immer wieder geiles Material veröffentlicht. Im Gegensatz zu Primal Fear schippern Sinner eher in der hart rockenden Schiene und überzeugt beim neuen Album gleich mit einer fetten Überraschung. Wird doch der Opener «Shine On» von Giorgia Colleluori gesungen. Die Sängerin hat eine unglaublich tolle Stimme und lässt Sinner in einem völlig neuen Licht erstrahlen. Mit der passenden gitarrentechnischen Unterstützung (Tom Naumann und Alex Scholpp) erklingt ein würdiger Eröffnungstrack, der von «Fiesta Y Copas» (mit Mat Sinner am Gesang) perfekt abgelöst wird. Erneut ist es ein typisches Sinner-Riff, das sofort in die Ohren geht und überzeugt. Ein richtiger Hit ist das Titelstück, das sich sofort festkrallt, bevor beim schnellen «Last Exit Hell» wieder Giorgia (zusammen mit Mat) ihr Talent unter Beweis stellt. Bei «What Went Wrong» wurde die Band erneut von Ricky Warwick (Black Star Riders) unterstützt. Absolut genial das mit Country-Elementen versehene «Death Letter». Die Hits sind «The Wolf» und das mit feinen Thin Lizzy-Doppel-Leads versehene «The Ballad Of Jack». Mit «Stormy Night» wird ein Album beendet, welches mit viel Abwechslung, tollem Handwerk und zwei unglaublichen Sängern verdammt viel bietet. Was für ein geiles Album, auch wenn Hits wie «Why» oder «Dying On A Broken Heart» fehlen, «Santa Muerte» ist ein Album für die Ewigkeit geworden.
Tinu 

Punkte: 9.8 von 10
ENTOMBED A.D. - Bowels Of Earth  (2 LPs)
Century Media/Sony
... Und spricht man vom Teufel, da ist er schon leibhaftig bei und vor Dir, hellyeah. Und somit geht die Post erneut ab und diesmal in originalem Schweden-Death, nämlich von Entombed A.D. und derer dritten Release namens 'Bowles Of Earth'. Yep, dieses scheppert halt noch was skandinavischer und erinnert mich doch an die erste Scheiben 'Left Hand Path', noch ohne den Zusatz 'A.D.' im Namen. Aber ja doch, es ist eine Weiterentwicklung des Sounds, of course. Aber ja doch, man kann in der Vergangenheit stehen bleiben, das passiert mir in letzter Zeit doch öfters, ohne weiteren Schaden zu nehmen, aber man soll auch in die Zukunft schauen, ins Ist-Und-Jetzt. 10 Tracks der 'Bowels Of Earth' werden der und dem geneigten Zuhörenden um die Ohren geprügelt, die Hirnmasse blutig zusammen geschlagen, zerschmettert, gematscht und durch den Wurster gedreht, und wisst ihr was? Das verdammte Grinsen ist einfach nicht aus dem Gesicht rauszukriegen. Ja, dieses Entombed A.D.-Scheibchen macht mich zurzeit sehr glücklich und ich bin überzeugt, dass es mich auf ewig glücklich machen wird, hellyeah! Warum? Ganz einfach, denn auf 'Bowels Of Earth' wird herrliches Songwriting zelebriert, Schweden-Death vom Feinsten. Die Klampfen wummern riffend dumpf, gemeinsam mit dem scheppernden Bass eine herrliche Ohrgangzeremonie. Sehr melodiöse und fein arrangierte Soli addieren sich zum riffenden Rhythmus. Die Drums treiben in bekannter und altbewährter Doublebass-Manier durch die 10 Songs, selbstredend auch mit den deathig-and-rölligen Patterns, sehr groovend. Und selbstverständlich die gutturale Zeremonie des Meisters L.G. Petrov. Yep, und so schliesst sich der Zirkel wieder und wir sind doch beim originalen Schweden-Death geblieben. Altbacken? Von wegen! Im neuen Gewand, ein gefestigtes Songwriting, was willst du da mehr? Sehr goile Produktion, satt, klar, druckvoll und mit einem herrlichen Cover-Artwork verziert. Schweden-Herz, was willste mehr? Eben!
Leopold 

Punkte: 9.5 von 10
CORELEONI – II  (Gatefold 2 LP Red Vinyl)
AFM Music/Musikvertrieb
«No Firedance?», fragt die kindliche Stimme, welche auf dem Debütalbum den Opener «Firedance» ankündigte. Statt dem Feuertanz folgt «Standing In The Light», auch keine schlechte Wahl! CoreLeoni gehen den eingeschlagenen, erfolgreichen Weg weiter und spielen die grossen Hits der ersten drei Alben von Gotthard. Mit Sänger Ronnie Romero hat Leo Leoni eine Wunderwaffe in den eigenen Reihen. Der Junge singt nicht nur bei Rainbow wie ein kleiner Gott, sondern lässt Steve Lee auch ganz schön alt aussehen. Leo kann endlich wieder die Songs spielen, die ihm am Herzen liegen, rifft sich in den rockigen Himmel und soliert sich die Finger wund, zusammen mit Jgor Gianola, dem ehemaligen U.D.O.-Gitarristen. Ab und zu werden die Lieder ein bisschen anders vorgetragen («Love For Money», «Angel»), sind aber oftmals einfach nur eine Offenbarung («Open Fire», «She Goes Down», «Make My Day»). Dass die Herren dabei auch auf eine alte Cobra-Nummer zurück greifen («I’m Your Traveling Man»), die von Ronnie unglaublich geil gesungen wird, überrascht ein bisschen. Der Track passt aber fantastisch auf die Scheibe. Die beiden eigenen, neuen Tracks, können sich neben den Gotthard-Hits durchaus sehen und hören lassen. Das flotte «Queen Of Hearts» und das treibende «Don't Get Me Wrong» lassen hoffen, dass ein mögliches drittes CoreLeoni-Werk mit mehr eigenen Songs aufwartet. Denn so langsam hat der Fünfer die Gotthard-Tracks durch. Grossartig bleiben aber «Mountain Mama» und das nur auf der Special-Edition zu hörende «Cheat & Hide». Ansonsten verdammt geiles Album einer noch geileren Truppe!
Tinu 

Punkte: 9.5 von 10
CRYPT SERMON - The Ruins Of Fading Light (LP)
Dark Descent Records
Wie ein Kollege der schreibenden Zunft im Infosheet richtig anmerkt, gab es im Doom Metal entsprechende Äras. Während die 80er Candlemass gross machten, zogen mitunter Solitude Aeturnus die Fäden in den 90ern und zum Beispiel While Heaven Wept legten den Teppich in die 2000er-Jahre rein. Letztere zwei genannten Combos kommen, wie Crypt Sermon, auch aus den Staaten. Dennoch siedelt man diesen Stil, zumindest bei uns, eher hier an, sprich neben Candlemass bietet oder bot Europa Alternativen wie Avatarium oder die leider in Vergessenheit geratenen Doomsword aus Italien. Selbst die Schweiz hat mit Pÿlon oder vor allem Wolf Counsel ein entsprechend heisses Eisen im Feuer. Crypt Sermon wurden erst vor sechs Jahren gegründet und haben sich dem Epic Doom Metal verschrieben. Obwohl Stilschubladen nicht immer gewünscht sind, bieten sie, wenn korrekt zugeordnet, eine entsprechende Hilfe im engmaschigen Dickicht von tausenden von Bands auf dem ganzen Globus. Der entscheidende Hinweis wird hier mit "Epic" geliefert und obwohl dies auch für Candlemass genannt wird, sehe oder besser höre ich da schon Unterschiede. «The Ruins Of Fading Light» ist nach «Out Of The Garden» (2015) der zweite Wurf der Amis aus Philadelphia. Wer sich den Opener «The Ninth Templar (Black Candle Flame)» zurecht legt, wird sich allerdings, wo denn hier das träge Moment des Dooms abgeblieben ist, da hier vergleichsweise ziemlich "schnell" aber hammergeil gezockt wird. Die Rettung naht jedoch bereits bei «Key Of Solomon», wo das Tempo genretypisch gedrosselt wird und auch bei «Our Reverend's Grave» wird die Handbremse nicht gelöst. Double-Bass Drums begleiten die zähen Gitarren von Steve Jansson und James Lipczynski. Das schon fast filmmusikmässige instrumentale Intro «Epochal Vestiges» leitet über zum genialen «Christ Is Dead», wo das Wort "Epic" nun seine definitive Wertschätzung erhält. Der mehrstimmige Gesang lässt hier einen kurzen Moment die Welt von Ghost aufblitzen, bevor ein töftes Guitar-Solo folgt. «The Snake Handler» ist mit 09:11 Minuten der längste Track auf dem Album und bietet alles, was man sich zu "Epic Doom Metal" vorstellen kann. Besser gehts kaum, und da eigentlich auch hier wiederholt zu hohe Tempi für Doom gefahren werden, lässt Crypt Sermon durchaus in einem etwas anderen Licht erscheinen. Da passen auch die kurzen Überleitungen «Oath Of Exile» und «Enslave the Heathens», beide unter zwei Minuten, zum Doom-Brocken «Beneath the Torchfire Glare» und dem grandiosen Abschluss und Titeltrack «The Ruins Of Fading Light», der kreisschliessend preisgibt, für was Crypt Sermon effektiv stehen: "Epic Doom Metal"!
Rockslave 

Punkte: 9.5 von 10
THE 69 EYES - West End  (White Vinyl)
Nuclear Blast/Warner
Die Tage werden wieder allmählich kürzer und die Nächte endlich wieder länger, ein klares Zeichen für unsere Lieblingsvampire aus Hell-sinki um ihre Gruft zu verlassen und die Strassen wieder unsicher zu machen! "West End" nennt sich der zwölfte Streich, zum 30. Geburtstag von The 69 Eyes, und geboten wird Horror-Vampire-Metal, der alles andere als blutleer ist. Der Reigen wird mit der coolen Hymne "Two Horns Up" eröffnet und als Gast kommt Dani Filth von Cradle Of Filth zu einem gelungenen Stelldichein. "27 & Done" ist ein unglaublich geiler Groover, wie er nur aus dem Hause The 69 Eyes kommen kann und mit einem unvergesslichen Refrain punkten kann! Ein Song, der nicht nur den Club rockt, sondern nach der grossen Bühne schreit! Ein weiterer Hochkaräter ist "Black Orchid", der mit einer zartbitteren Melodie überzeugen kann. Das Gitarrensolo ist Spitzenklasse und der Gesang von Jyrki 69 ist einfach nicht von dieser Welt und er hat bestimmt die geilste Stimme in diesem Genre! Romantisch mit einem Klavierintro beginnt "Chances" und bläht sich zu einer göttlichen Powerballade auf. Mit "Burn Witch Burn" kommen The 69 Eyes mit ihrem unverkennbaren Groove um die Ecke und man wird Zeuge des nächsten Meisterstückes aus der Feder der Helsinki Vampires! Zu "Cheyenna" gibt es nicht nur etwas auf die Ohren, sondern auch etwas für die Augen, mit dem dazu gehörenden Video! Der hohe Qualitätslevel wird auch bei diesem Song spielend gehalten und der Refrain hat eindeutig Ohrwurm-Potential. Mit einem unerwarteten Riffgewitter startet "The Last House On The Left" und in diesem Song wird die Gästeliste arg strapaziert, denn Dani Filth, Wednesday 13 und Calico Cooper, die Tochter von Alice Cooper, dürfen zum Gelingen des Songs beitragen. Aber ehrlicherweise muss gesagt werden, dass dieser Song auch ohne die namhaften Gäste ein Hit wäre! Das Eis lässt "Death & Desire" schmelzen und geht auch direkt ins Herz, denn dieser Song ist Gänsehaut pur. Auch King Elvis hättte diesen Song nicht besser gesungen. Hammersong! Ein solider Rocker ist "Outsiders", der eher unspektakulär aus den Boxen dahin flowt. Dafür macht "Be Here Now", mit seinem unwiederstehlichen Groove, den biederen Beginn wieder gut. Wie sich "Hell Has No Mercy" zu einer Groovewelle auftürmt, ist beeindruckend und somit ein würdiger Rausschmeisser dieses Bombenalbums! Für alle Fans von The 69 Eyes ist das sowieso Pflichtstoff und allen anderen sei geraten: Unbedingt antesten!!
Roolf   
Punkte: 9.3 von 10
OPETH – In Cauda Venenum (English Version - 2 Picture Discs)
Nuclear Blast/Warner
Mastermind Mikael Åkerfeldt kann endlich seinen langjährigen Wunsch, einen lateinischen Albumtitel zu verwenden, mit seiner dreizehnten Scheibe verwirklichen. Mit «In Cauda Venenum» wagen die Progressive Metal-Virtuosen einen total neuen Schritt in ihrer Karriere, nämlich die Veröffentlichung eines rein in Schwedisch gesungenen Werkes. Hammer! Natürlich gibt es auch eine englische Version (welche ich mir angehört habe), damit ihre Fans selbst entscheiden können, in welcher Sprache die neue Musik gerne gehört werden möchte. Letztendlich ist die Sprache auch nur ein ästhetisches Detail, denn was wirklich entscheidend ist, sind die unverwechselbaren und einzigartigen Kompositionen Mikael Åkerfeldt. Wieder einmal wird eine Stunde musikalisch hochwertiges, anspruchsvolles und faszinierendes Progy-Material vom Feinsten geliefert. Mit dem speziellen, aus Chorgesängen und Elektro-Einflüssen bestehenden Intro «Garden Of Earthly Delights» wird das Werk und die energiereiche Bombe «Dignity» eingeleitet. Der Song wiederspiegelt das heutige Opeth ausgezeichnet – ein Wechselspiel aus komplexen, verschachtelten Progy-Passagen und ruhigen, sinnlichen sowie beruhigenden Momenten. Das verworrene und fesselnde «Next Of Kin» überrascht gegen Ende mit passenden Streicher-Einlagen, welche den schwierigen Melodieabfolgen nochmals eine eigene Wirkung geben. Darauf folgt mit «Lovelorn Crime» eine sentimentale und ruhige Ballade, die von der eingängigen Klaviermelodie geleitet wird. Åkerfeldts unverwechselbare Clean-Stimme überzeugt immer wieder aufs Neue, bringt teils Einfachheit in die anspruchsvollen “Wellen“ und bildet so ein tolles Bindeglied zu den im Kontrast stehenden sanften, atmosphärischen Passagen. Zudem sind oft auffällige jazzige Elemente, insbesondere in «The Garroter», zu finden, was dem Verlauf von «In Cauda Venenum» nochmals einen interessanten Touch verleiht. Eins ist klar, diese Kompositionen sind nichts für nebenbei. Um die ganze Energie herauszufiltern braucht es Aufmerksamkeit, Hingabe und mehrmaliges Hören. Das Album Nummer dreizehn bringt, abgesehen von den Schwedischen Lyrics, musikalischen keinen Innovationen – Opeth führen ihren heutigen, einzigartigen Stil weiter und ziehen auch mit diesem Werk ihre Progy-Fans in ihren Bann.
Sina   
Punkte: 9.2 von 10
THE NEPTUNE POWER FEDERATION - Memoirs Of A Rat Queen  (LP)
Cruz Del Sur Music/Non Stop Music
Dass die australischen Psych / Okkult-Rocker The Neptune Power Federation anders sind, war mir schon nach den ersten Sekunden klar. Nur sind sie irgendwie „anders“ anders als die anderen. Verdammt, woran liegt das bloss, und wie soll ich das bloss zum Ausdruck bringen? Also, nach kaum einer Minute Reinhören zurück zum Start und „zack!“, ich hatte es. Es ist nicht der schräge Bandname, da gibt es ganz andere Stilblüten, es sind auch nicht die bescheuerten Pseudonyme der Musiker (Inverted Crucifox – Guitar, Search and DesTroy- Guitar, Jaytanic Ritual – Bass, Mr. Styx – Drums, Imperial Priestess Screaming Loz Sutch – Vocals. Möge David Edward Sutch aka „Screaming Lord Sutch“ Nachsicht walten lassen und in Frieden ruhen), und es ist keinesfalls das extrem auffällige Bühnenoutfit der letztgenannten, extrem schrillen Fronthexe. Es sind die Handclaps Leute, die herrlich altmodischen Handclaps im eröffnenden „Can You Dig?“, die ich zuletzt in dieser Intensität vor rund 45 Jahren bei Bands wie The Sweet, The Runaways, Suzi Quatro, T. Rex und vor allem Gary Glitter gehört habe. Und im Verlauf des Albums erweist sich die Band als echtes Juwel, welches das alles in sich vereint und mit einer ordentlichen Extraportion Power anreichert. Das ist schon ihr viertes Album! Wie konnte bloss solch ein musikalisch reaktionärer Haufen unbemerkt an mir vorbeirauschen? The Neptune Power Federation ist die absolut perfekte Symbiose aus Retro Rock heutiger Prägung mit einer Prise okkultem Brimborium und einer kräftigen Schippe Glamrock aus der Zeit, als dieser noch der ganz heisse Scheiss war, alles versehen mit Pop Appelal ohne verwässernder Wirkung und einem modernen Mix, der ganz schön Arsch tritt. Und was die Songs definitiv zum Sterben schön macht, sind die tödlich treffsicheren, mehrstimmigen Passagen von Imperial Priestess Screaming Loz Sutch. Wem dabei vor lauter Glückseligkeit nicht die Sonne aus dem Arsch scheint, dem ist echt nicht mehr zu helfen. Sowas geiles und eigenständiges habe ich schon sehr lange nicht mehr gehört. Ich wünsche mir eine Tournee von Ghost mit The Neptune Power Federation und Year Of The Goat im Vorprogramm, womit die potentielle Klientel von The Neptune Power Federation auch feststehen dürfte. Holt euch diese Scheibe! Oder lasst es sein, aber gebt mir danach nicht die Schuld am dadurch verpassten Genuss. Mein ganz persönlicher Sieger steht für diesen Monat jedenfalls fest.
Mirko B.   
Punkte: 9.2 von 10
MICHAEL SCHENKER FEST – Revelation  (Gatefold 2 LPs)
Nuclear Blast/Warner
Schaut man sich das neue Cover von MSF an, dann könnte man schon fast glauben, dass sich das Gitarrenwunder selber als den Gitarre spielenden Jesus sieht. Wird Michael doch an eine Flying V gehängt und gekreuzigt. Hört man sich dann noch die "selbstbeweihräuchernden" Lobhudeleien bei den Konzerten an, muss man schon fast beschämt wegschauen. Konzentrieren wir uns aber auf die musikalische Seite des neuen Albums, denn die kann sich sehen und hören lassen. Das schleppende «Rock Steady» eröffnet den Reigen, um von «Under A Blood Red Sky» abgelöst zu werden. Noch immer ist es das Gitarrenspiel des Deutschen, das über allem steht. Aber auch die gesanglichen Leistungen von Doogie White, Robin McAuley, Graham Bonnet und Gary Barden können sich sehen lassen. Die Songs sind typisches MSG-Futter, wie man es sich aus den achtziger Jahren gewöhnt ist. Dabei fällt kaum ein Track ab. Alles befindet sich auf einem sehr hohen Level, und man darf mit Freunden ein Album hören, das davon zeugt, von Spitzenkönnern ihres Faches eingespielt worden zu sein. Dabei trumpfen das schnelle «The Beast In The Shadows», das rockige «Behind The Smile», das böse und fetzige «We Are The Voice» und das tolle Instrumental «Ascension» gross auf. Klar sind es die Riffs und die Soli von Mister Schenker, die den Tracks das nötige Etwas verleihen, aber ohne seine Begleitmannschaft wäre der Gitarrenheld nichts. Ein cooles Album, das seinen Vorgänger übertrumpft und Freude auf kommende Konzerte macht. Hoffen wir dabei auf weniger Kommentare von Michael...
Tinu   
Punkte: 9.2 von 10
WORKSHED - Workshed  (CD)
Rise Above Records
Die beiden ehemaligen Cathedral-Musiker, Adam Levan (Vocals/Gitarre) und Mark Wharton (Drums), haben Workshed bereits 2014 gegründet hauen mit "Workshed" ihr Debut-Album auf dem Label von Lee Dorrian, ebenfalls Ex-Cathedral, raus. Und dieses Album hat es in sich. Motörhead werden ge- und verehrt, so zu hören in "The Windowpanes At The Levington". Mit einer gehörigen Portion Groove wird "If This How It Is" hingerotzt. Sehr viel Motörhead steckt auch in "Nowhere To Go" und ist eine weitere Granate von einem Song! Herrlich verzerrt geht es mit "Antropophobic" weiter, und es wird schleppender Groove-Metal fabriziert. Ein Monster von einem Song stellt "On Sticks Of Wood" dar und groovt ohne Ende. Einfach nur geil gezockter Metal! Mit einem gewaltigen Killerriff kommt "This City Has Fallen" um die Ecke und bietet eine Mischung aus Punk und Doom! Genial! Eine fiese Doom-Walze kommt mit "A Spirit In Exile" angerollt! Das ist der langsamste Song auf dem Album. "Saftey Behaviours" zeigt abermals die Stärken von Workshed auf: geiles Riffing, Groove ohne Ende und angepisste Vokills! Die Schlusslaterne heisst "It Doesnt Have To Be That Way" und gibt nochmals eine Tracht Prügel mit ganz viel Groove! Fans von Orange Goblin und Motörhead gilt: zugreifen!
Roolf   
Punkte: 9.2 von 10
ETERNITY - To Become The Great Beast  (LP)
Soulseller Records
Zum zweiten Mal lassen Eternity mit "To Become The Great Beast" den Boden erzittern, was aber nicht erstaunt, denn Eternity ist eine Black Metal-Supergroup! Garstig wird die Schlachtplatte mit "Sun Of Hate" viel versprechend gestartet. Gekonnt wird schneller Black Metal geboten, der direkt vom Ohr ins Hirn geht. "Bringer Of The Fall" ist genauso intensiv, und brutal wird alles zu Kleinholz verarbeitet, dass nur noch Sägemehl übrig bleibt! Hektisch und unglaublich schnell zieht "Te Nostro Deum Sathanas" im Schnellzugstempo vorbei. Direkt ins Gesicht geht "If Ever I Lived" und ist eine pures Gemetzel von einem Song! Die hohe Schlagzahl wird mit "Horror Vacui" beibehalten, und genau so muss für mich Black Metal klingen! Mächtig und erhaben gibt es mit "In Subspecies Aeterna" die Möglichkeit, ein wenig Luft zu holen. Trotz der Entschleunigung ist auch dieser Song einfach Hammer! Der Titelsong "To Become The Great Beast" prügelt wild um sich, wie eine Horde wildgewordener Hooligans! Gewaltätig ist nicht nur der Titel "Violator" des nächsten Songs, sondern der ganze Song an sich. Trotz dem hohen Aggressionspotentials verlieren Eternity nie den roten Faden, sondern erschaffen aus dem Strudel der Gewalt direkt ins Ohr gehende Hymnen! Vollgas voraus geht es mit "Empire" auf eine Formel 1-Strecke, um neue Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Eine wahre Hymne ist der letzte Song "Nine Magic Songs" und somit im Direktvergleich zu den anderen Songs richtig entspannt. Wie variabel Eternity sind, zeigen sie mit dem letzten Song, der ihnen ebenfalls sehr gut zu Gesicht steht und ein würdiger Abschluss eines hervorragenden Albums darstellt. Leute, die harschen, schnellen Black Metal auf ihrem Speiseplan haben, sollten sich dieses Festmahl nicht entgehen lassen, denn: Bist du zu schwach, sind sie zu stark!
Roolf   
Punkte: 9.2 von 10
ESSENCE OF DATUM - Spellcrying Machine  (CD)
Season Of Mist/Irascible
Schauen wir uns doch mal dieses technische, leicht progressive Death-Metal-Trio aus Minsk, Weissrussland, an bzw. hören uns diese sehr interessante und vertrackte Soundmatte uns an. Als erstes ist die Produktion sehr satt, sauber, druckvoll geraten und bringt das gefrickelte Etwas verdammt klar zum Tragen. Nun, nach kurzem Check - ehrlich geschrieben hat mir der Bandname nix, rein gar nix gesagt ... - veröffentlichen Essence Of Datum bereit den dritten Longplayer, und diesen nannten sie 'Spellcrying Machine'. Nun, da werden Erinnerungen an erste Alben von Atheist, Cynic und Konsorten wach, denn das weissrussische Trio zelebriert technischen und sehr atmoshpärischen Death-Metal, erinnert mich auch ein wenig an Irreversible Mechanism, den Landsmännern von Essence Of Datum. Nun, was der Clou an Essence Of Datum ist, es handelt sich um eine Instrumental-Band, will schreiben, dass es keinen Gesang gibt, es wird rein mit den Instrumenten gefrickelt, und man setzt sich dabei keine musikalischen Grenzen. Ja, wenn man technisch und spielerisch versiert ist, kann man auch instrumentalen, brutalen und leicht progressiven Death-Metal kreieren. Durch diese sehr variantenreiche Spiel und Können, ertönt auch 'Spellcrying Machine' sehr technisch, progressiv und Essence Of Datum verarbeitet darin mehr als nur den Death-Metal, da kommen auch thrashige, jazzig-fusionierte, speedige, power-metallische Elemente hinzu. Die Drums wirbeln und zwirbeln virtuos daher, mal mit Double-Bass, dann mit Blast, danach beinahe schon progressive-rock-mässig, jedoch stets den Grundstock legend. Der Tieftöner hat seine eigenen Wege, sehr virtuos und doch beinahe auch schon sehr jazzig-fusioniert unterwegs, jedoch stets immer selbständig untermalend. Die Gitarre rifft sich, teils sehr melodiös, durch die 7 Tracks, welche sehr ausführlich interpretiert werden. Mal halt mehr metallisch als deathig, doch der Grundstein ist im Death-Metal verwurzelt zu sein, aber mit öffnendem, musikalischen Visier zu anderen Stilrichtungen, was eine gewisse erfreute Abwechslung uns schenkt. Sehr virtuoses Gitarrenspiel, sehr intensiv geführte Soli, mal geshreddert, mal wundersam melodiös, ein hörbares Können am Sechssaiter. Ein geniales Cover-Artwork rundet diesen dritten Longplayer von Essence Of Datum erfolgreich ab. Ein Album, nicht unbedingt für die Masse, jedoch für jede und jeden Musikliebhaber/-in zu empfehlen.
Leopold   
Punkte: 9.1 von 10
BONES - Diseased  (CD)
Transcending Obscurity Records
Bones aus Chicago sind auf ihrem Debut-Album "Diseased" mit dreckigem Death Metal, der mit Crust-Anteilen versetzt ist, unterwegs. Der Starter heisst "Blood, Diarrhea, And Tears" und da wird der Tarif schon mal, von Beginn an, klar durchgegeben! Und das mit Death Metal im Schnellzug-Tempo, der schon fast in Grindcore-Gefilde abdriftet! "Mass Graves" bietet eine ausgewogene Mischung zwischen Überschall und Groove. Extrem geil gespielt und wie in den guten alten Tagen! Ein hyperspeediger Song ist dann "Carrion Crows", der im Moshpit für einige blutige Nasen sorgen wird! Wie ein Schützenpanzer auf dem Schlachtfeld rollt "Disease" über alles hinweg und hinterlässt nichts als Verwüstung. "Stench Of The Deceased" kriecht gemächlich aus den Boxen, groovt dafür ohne Ende! Ein Bass-Solo steht am Anfang von "No One Matters" an und dann wird aufs Heftigste geprügelt, ohne Rücksicht auf Verluste! Trotz hoher Geschwindigkeit verliert sich dieser Song nie im Chaos! Einlullend beginnt "Down" und zeigt Bones von ihrer romantischen Seite! Aber Bones gelingt es auch im unteren Tempobereich voll zu überzeugen. Punkig wird es mit "Boozer" und auch das hat seine Reize! Groovender Death Metal hat sich "Broken Wheel" auf die Fahne geschrieben. Im Hardcore ist "Crucifier" beheimatet und zugleich ein weiterer Hit auf diesem sensationellen Album! Leider geht das Album mit "The Future Is Now" bereits zu Ende und nochmals ist Hardcore angesagt. Ein sehr facettenreiches Album, das sehr viel Spass bereitet und einen klaren Kauftipp darstellt!
Roolf   
Punkte: 9.1 von 10
VITJA - Thirst  (Gatefold LP)
Arising Empire/Warner
Zum dritten Mal über die Langdistanz gehen Vitja mit "Thirst", und das mit einem neuen Sänger. Hochmelodischer Metalcore steht an, und so drückt "Light Blue" schon gewaltig auf die Tränendrüse, aber nicht, ohne mit einem Ohrwurmcharakter ausgestattet zu sein. Neu werden Vitja dieses Genre nicht erfinden, aber das was sie bieten hat auf jeden Fall Hand und Fuss! Richtig zur Sache geht "Silver Lining", und Carlo Knöpfel (Breakdown Of Sanity) darf sich noch mit einem Gastauftritt beweisen. Die altbekannte Rezeptur, die wie folgt heisst: Zuerst auf dicke Hose machen, und dann im Refrain mit dem Zuckerguss um sich schmeissen, zieht immer noch! Auch mit dem Knüppel aus dem Sack können Vitja überzeugen, und so zeigen sie eindrücklich die beiden Gesichter dieser Band. "Mistakes" ist von Anfang bis zum Ende mit dickem Zuckerguss überzogen. Was aber nichts am Hitpotential dieses genialen Songs ändert. Der Atem wird bei "Breathe" wirklich geraubt, und das auch, weil der Song nicht mal eine Minute dauert! Der Gesang ist bei "Instinct" so zart und süss, dass man wie Eis in der Sonne zu schmelzen droht. Gnadenlos melodiös, so gibt sich "Lost In You" als geiler Metalcore-Song zu erkennen. "Back" hat zwar sehr viel Pop-Appeal, macht aber trotzdem Spass. Er kann sogar auch noch mit Breakdowns dienen. "Silence" ist mit einem Hammer-Refrain gesegnet und ist ein weiterer Hit auf diesem Album. Die bewährte Formel wird auch bei "What's Next" angewandet, und das Ergebnis ist Metalcore-Pop in Reinkultur. Melodiös und mit den selben Zutaten wie sein Vorgänger, reiht sich "Those Years" in die Liste der Hits ein. Hart aber herzlich zeigt Vitja mit "Voices", dass sie auch harscher zu Werke gehen können. Ein gelungener Popsong ist "One", der direkt ins Ohr geht und sich dort zu einem Ohrwurm entpuppt. "Strangers" macht das Schlusslicht und gibt zum Schluss noch ein wenig Gas! Für Fans von Blessthefall und Bring Me The Horizon, ist dieses Album unbedingt empfehlenswert, denn Vitja ist mit Thirst" ein saustarkes Album gelungen!
Roolf   
Punkte: 9.1 von 10
BLACK STAR RIDERS - Another State Of Grace (Gold LP)
Nuclear Blast/Warner
Wenn im Vorfeld von neuen Alben so lobgehudelt wird, dass sich die Balken biegen, ist immer eine gewisse Vorsicht angebracht. Die quasi einzig legitime Nachfolge-Band von Thin Lizzy kocht seit dem Debüt «All Hell Breaks Loose» von 2013 ein eigenes Süppchen, das sich freilich von den übermächtigen Roots gar nicht erst freischwimmen oder gar trennen will. Wirklich?! Bevor die Riders jedoch gegründet wurden, war man mehr oder weniger in diesem Line-up noch unter der Flagge Thin Lizzy unterwegs. Frontmann Ricky Warwick (Ex-The Almighty) wollte aber, zusammen mit Ur-Gitarrist Scott Gorham, nicht nur der glorreichen Vergangenheit huldigen, sondern im Geiste der Kultband um den leider viel zu früh verstorbenen Mastermind Phil Lynott (v/b) neues Material schreiben. Gesagt getan, und nun sind seither, mit jeweils zwei Jahren Pause dazwischen, zwei weitere Alben erschienen, die grundsätzlich auf gute Resonanz der Fans gestossen sind. Gleichzeitig kann aber konstatiert werden, dass das Niveau zwar unbestreitbar hoch ist, aber die Varianz etwas darunter leidet, dass halt alles etwa gleich daher kommt. Das sehen freilich nicht alle gleich, aber während sich der Opener «Tonight The Moonlight Let Me Down» (weniger) und der Titeltrack (mehr) sich von diesem Korsett los lösen, trieft «Ain't The End Of The World» abermals nach Thin Lizzy. Dazu kommt, dass sich der gute Ricky je länger je mehr nach Phil anhört, was ja per se nichts Schlechtes ist. Einen Ausblick für den künftigen BSR-Sound bietet unter anderem «Underneath The Afterglow», wo es offenbar (inklusive Hammond-Einsatz) auch locker ohne die übermächtigen Roots geht und der Zacken mehr Härte im Geiste der The Dead Daisies mehr als nur gut zu Gesicht steht! Im gleichen Fahrwasser schwimmt das fluffige wie funkig angehauchte «Soldier In The Ghetto» und auch die tolle Halbballade «Why Do You Love Your Guns» weicht wohltuend vom Schema der Vergangenheit ab. Der Kommentar zu «Standing In The Line Of Fire» erübrigt sich umgehend, da auch hier mehr die Daisies als die Lizzies agieren und «What Will It Take» könnte glatt von Tom Petty & The Heartbreakers stammen. Ebenso gehörig rockt «In The Shadow Of The War Machine», und spätestens beim zehnten und letzten Track «Poisoned Heart» ist die Gewissheit da, dass «Another State Of Grace» die Zukunft der Black Star Riders absichert.
Rockslave   
Punkte: 9.0 von 10
KILLSWITCH ENGAGE - Atonement  (LP)
Columbia/Sony Music
Ja, Boston-Combo aus Massachusetts mit ihrem achten Longplayer namens 'Atonement'. Der Fünfer ist und bleibt stets filigran, und wer mag noch an den überarbeiteten und eigens intonierten Song namens 'Holy Diver', einer verdammt goilen Coverversion von Dio's niemals vergessenem Überhammer-Song? Nun, Killswitch Engage wird dem Metalcore zugeschrieben, obwohl die 11 Songs auf 'Atonement' sehr deathig ausgefallen sind. Klar, Melodien sind und waren stets ein treuer Begleiter der Amis, doch scheuen sie sich auch nicht davor, mal richtig heftig zu blasten und extrem zu thrashen. Oh ja, der Groovefaktor ist immer noch ein steter Begleiter von Killswitch Engage und ich bin ganz hin und weg von dem neuen Masterpiece, denn es wird sehr fleissig gefrickelt, gethrashed und gedeathed, jedoch für meinen Geschmack sehr wenig gecored, was mir sehr gut gefällt, denn wie schon bei der genannten Coverversion, steht der Metal den Jungs sehr gut. Wie geschrieben, mit oder ohne Metalcore, die 11 Tracks überzeugen gewaltig, denn alle Songs kommen sehr, sehr heftig daher und berühren selbstredend meine metallische Neigung zu organisiertem Bombast. Die Richtung auf 'Atonement' geht so Richtung Trivium, God Forbid, In Flames, jedoch stets die besagte Eigenständigkeitsfahne stolz und hoch im Winde zu tragen und wehen zu lassen. Und doch, die metalcorischen Wurzeln sind nie vergessen, stets präsent, auch wenn manchmal schwer zu finden in dem hervorragendem Songwriting. Die Gitarren sägen und schneiden sehr metallisch ins Holz, wundersame Melodiebögen, tragende Akkorde und geriffelte, kurze, prägnante Soli, jedoch nicht so ausufernd wie beim Dio-Cover. Auch ab und an ohne Soli, dafür mit viel melodischem Schmackes dargebrachte, halb verzerrt, halb akustisch intonierte Sangeskunst der Moderne. Der Tieftöner ackert derweil genüsslich in den tiefen Boden seine Spuren, konstant, virtuos, unisono und wild zu den beiden Klampfen, stets stampfend und moshend. Die Drums doublebassen ganz gewaltig, blasten, treiben stets die Gäule durch die schweren, tiefen Äcker voran, unbeirrt, unaufhaltsam, über Zombies wandelnd, diese genüsslich verstückelnd in den verschiedenen Patterns. Der Gesang ist teils klar, sehr viel Shouts and Screams, ab und an auch Growls, was den Songs eine sehr spezielle Note gibt, da alles stets verständlich aus den vibrierenden Stimmbändern herausgeholt wird. Nein, kein einziger Song fällt ab und ebenfalls nein, kein einziger Song klingt irgendwie abgeklatscht oder ausgelutscht. Ja, es ist ein richtig goiles Metalalbum mit sehr vielen Facetten, sehr vielen grenzüberschreitenden Herausforderungen des Metalbereiches geworden. Ein passendes, böses und aggressives Coverartwork wie auch die hervorragende Produktion runden den achten Longplayer dieser stets groovenden Metalcore-Death-Thrash-Combo perfekt ab. Ein Album, welches viele Sinnesgenossinnen und -genossen ansprechen wird, es hat für alle irgendwas. Ein Worldmusic-Metal-Album.
Leopold   

Punkte: 9.0 von 10
CAPILLA ARDIENTE - The Siege  (Silver Vinyl)
High Roller Records/Musikvertrieb
“Generell erzählen Epen von großen Heldentaten, Sitten und Gebräuchen, Kämpfen von Göttern und Helden, aber auch von Liebe, Tod und Freundschaft.” (Quelle: www.studienkreis.de). Diese einfache literarische Lektion haben die Chilenen Capilla Ardiente bis zur Vollkommenheit verinnerlicht. In Anlehnung an ihr Debüt „Bravery, Truth And The Endless Darkness“ (2014) setzen sie die Geschichte ihres einsamen Helden fort, der in einem selbst gewählten Exil auf einer Insel lebt, diese erforscht und eines Tages von in der Ferne auftauchenden Schiffen überrascht wird, was ihn zur Erkenntnis führt, dass er in seinem Forscherdrang nicht alleine ist. So einfach sich diese Geschichte anhört, so komplex, vielschichtig und opulent wurde sie durch die Band umgesetzt. Vier überlange Songs lassen den Zuhörer knappe 46 Minuten lang in eine faszinierende Phantasiewelt voller Selbstreflexion tauchen. Und Capilla Ardiente machen es geschickterweise so, dass sie auf jegliche Demonstration ihrer technischen Fähigkeiten verzichten und ihr Können stattdessen voll und ganz in den Dienst des Songs stellen. Was dabei herausgekommen ist, ist viel vertontes Drama, das absolut nie an der Grenze zum Kitsch kratzt, Pathos verpackt in grosse Melodien und eine Atmosphäre, welche sich ständig abwechselnde Emotionen wie Schwermut, Verzweiflung und Zuversicht erzeugt. Über ihre Einflüsse, welche sie solch ausufernde Werke schreiben lässt, macht dabei die Truppe indes kein Geheimnis, Manowar, Candlemass, Solitude Aeturnus, Mercyful Fate und sogar Slayer (insbesondere „South Of Heaven“) werden freimütig als nie versiegende Inspirationsquellen genannt. Gemessen an den genannten Referenzen haben sich die fünf gestandenen Musiker viel vorgenommen, bei Konzeptalben kann der Schuss erfahrungsgemäss oft ganz brutal nach hinten losgehen. Aber diese Jungs haben den Kahn geschickt um die gefährlich scharfen Klippen der Überambition und der kitschig-pathetischen Plattitüde herummanövriert, indem sie vier epische Stücke geschrieben haben, in denen viel – aber nie zu viel passiert. Oft reichen kleine, einfache Überraschungen aus, um einem Song den letzten, edlen Schliff zu verleihen. Ein Paradebeispiel für diese Vorgehensweise ist der über dreizehnminütige Rauswerfer “Fallen Alphas And The Rising”. 20 Sekunden Solieren auf der Flamencogitarre und schon wird aus einem richtig guten ein grossartiger Song, einfach aber effizient. Für Epic Metal-Fans ist „The Siege“ ganz klar ein Pflichtkauf.
Mirko B.  
Punkte: 9.0 von 10
LIV SIN – Burning Sermons  (LP)
Despotz Records/Cargo
Wer noch immer Sister Sin nachtrauert, wird auch mit dem zweiten Liv Sin-Album keinen Ersatz finden. Während Sister Sin eher den arschtretenden Metal zelebrierten, hat sich die ehemalige Sängerin nun dem Metal in Form vom Leather Leone gewidmet. Geht dabei ab und zu auch leicht modernere Töne an, schreit sich aber mit viel Energie durch die Lieder und lässt den Metal und weniger den Hard Rock aufblühen. Daran musste auch ich mich zuerst gewöhnen, und als hätte es Liv gespürt, geht sie auf «Burning Sermons» wieder einige Schritte, oder Takte, zurück zur alten Stärke. So haut die Schwedin mit «Blood Moon Fever» und «Chapter Of The Witch» sehr geiles Material aus den Rillen. Noch immer ist es ihre unglaubliche Stimme, die den Hörer wie ein Panther anspringt. Alleine ein Hit wie «War Antidote» strotz vor Energie und roher wie wilder Brachialität. Neben der Stimme sind es die Gitarren, welche den Songs den Stempel aufdrücken und aus jedem Track einen kleinen Diamanten machen. «At The Gates Of The Abyss» darf dann zu Recht auch ein bisschen das Tempo drosseln und mit einem unglaublichen Refrain aufwarten. Ein ganz grosser Moment ist «Slave To The Machine», der mit seiner packenden Rhythmik keine Gefangenen macht. «The Sinner» erinnert schon fast an alte Tugenden, sprich könnte ein Vermächtnis aus alten Sister Sin Tagen sein. Böse, ganz böse erschallt «Death Gives Life Meaning». Was für eine Harke mit gespenstischen Keyboards! Auch ganz stark die Ballade «Ghost In The Dark». Ja, Liv hat sich wieder auf ihre alten Stärken zurückbesinnt. Trotzdem geht sie ihren Weg mit ihrer Solo-Truppe konsequent weiter und hat ein wirklich erfrischendes Album veröffentlicht.
Tinu  
Punkte: 9.0 von 10
TY MORN – ISTOR
Doc Gator Records
«ISTOR», das Debut des Melodic Power / Heavy Metal Projekts unter Aron Biale wurde schon mitte März in einer limited edition veröffentlicht und war schnell ausverkauft – zurecht! Jetzt wurde es im August wiederveröffentlicht und ist nun für jedermann zugänglich. Biale liefert mit seinen Kompositionen ein ergreifendes Album mit viel Power, epischen Melodien und treibender Kraft. Dadurch, dass verschiedene Einflüsse anderer Bands und Musikstile zu finden sind, ist das Werk abwechslungsreich gestaltet und macht richtig Spass. «Reign of the Hunter» eröffnet «ISTOR» mit einer etwas düsteren Streicher-Melodie, welches schnell zu einem reissendem Gitarrenriff im Judas Priest-Stil übergeht und mit einem eingehenden, melodiösen Refrain überzeugt. Biale setzt präzis symphonische Elemente (Streicher, Bläser etc.) im ganzen Werk ein – so, dass die Musik energiereicher, aber nicht kitschig wirkt. Manchmal fallen diese im komplexen Konstrukt erst gar nicht auf. Während wie zuvor genannt Einflüsse von Judas Priest, aber auch Iron Maiden oder Dio zu hören sind, erinnern die heroischen Melodien und der allgemeine Songaufbau insbesondere in «Die where we stand» oder «Fall on your Sword» an Sabaton, wobei letzteres ebenfalls Spuren von Accept aufweist und in der Bridge mit tiefen Bläser-Einlagen unter die Haut geht – eine tolle und komplexe Mischung. Klar, das alles immer noch im Aron Biale-Stil! Er kombiniert harte Gitarrenriffs und -soli mit düsteren oder heroischen Melodien, sorgt durch diverse Tempowechsel für Spannung und erzeugt mit der geladenen Energie eine hohe Wirkung auf den Hörer. Sänger Raphael Gazal (Leviathan, Bulletback) ergänzt die Kompositionen mit seiner kräftigen Stimme perfekt – er überzeugt mit jedem Lied aufs Neue und lässt das Gesamtwerk an nichts mehr fehlen. Als Kontrast zu den schnellen, härteren Songs steht beispielsweise «Kings of Dishonour», welches mit seinem schleppenden und düsteren Riff sowie Refrain eher in die Doom-Richtung geht, in der Strophe jedoch an eine verträumte Ballade erinnert. Ein wirklich beeindruckendes Album, welches Melodic Power Metal-Fans sowie Fans vom klassischen Heavy Metal nur zu empfehlen ist!
Sina  
Punkte: 9.0 von 10
MAGIC PIE - Fragments Of The 5th Element  (LP)
Karisma Records
Das fünfte Werk der Norweger verfolgt konsequent das, was die Jungs am besten können. Prog der 70er in einer fantastischen musikalischen Form. Schon der Opener "The Man Who Had It All" erinnert an Spocks Beard, Queen, ELO und Genesis. Herrlich, da zuzuhören. Trotzdem sind die Songs eingängig und glänzen mit tollen Chören und Gesangsmelodien, wie aus dem Lehrbuch wird hier musiziert. Auf sehr hohem Niveau, total verspielt und trotzdem rockig. Eirikur Haukssons Stimme ist perfekt für diese Art von Musik, passt wunderbar zu den Instrumenten, eine perfekte Harmonie also. Auch wenn's mal ruhiger wird wie beim total verspielten "Touched By An Angel" machen die Nordländer eine gute Figur. Hört euch nur das wunderbare Gitarren-Solo an zu Beginn des Songs. Hauksson singt zeitweise fast wie David Bowie hier. Zum Schluss gibt's dann noch das fast 24 Minuten lange "The Hedonist" auf die Ohren. Was für eine geiler Prog Rock-Perle, genauso will man das als Fan hören. Lasst euch wegtragen von dieser Nummer in den 70er Jahre Prog-Himmel. Hier hört man viel Spocks Beard und Genesis in der Musik der Nordmänner. Die Norweger kommen hier mit einem wirklich sehr starken Album, das sich kein Proggie entgehen lassen sollte, Hammer einfach nur geil!
Crazy Beat  
Punkte: 9.0 von 10
VITRIOL - To Bathe From The Throat Of Cowardice
Century Media/Sony
Nachdem schon ihre 2017er EP "Pain will define their death" ziemlich heftig die Szene aufgemischt hat, darf man das manische Trio aus Portland (USA) mit dem vorliegenden Debütalbum nun ohne schlechtes Gewissen zur Speerspitze des modernen Death Metals zählen. Die vier Lieder der EP scheinen nochmals neu aufgenommen und zum Teil überarbeitet worden zu sein und gehen mit den sechs Neukompositionen Hand in Hand. Vitriol geben es dir richtig hart, extremer Metal, brutal, gewalttätig, spürbar Gift und Galle speiend! Dabei sind sie aber bei aller Brutalität technisch verflucht versiert, melodisch und mit einem zwingenden Wiedererkennungswert ausgestattet. Fett. Die Produktion steht dem Gesamtkonzept in nichts nach, das Blut spritzt geradezu aus den Boxen, meine Anlage versprüht Testosteron, ein Sandsack mit lebendigem Inhalt taucht auf der Spontanwunschliste auf. Ein Album wie geschaffen zum schlitzen und betören. Einziger Wehrmutstropfen, die Coverzeichnung finde ich ja so richtig kacke. Darüber hinaus gibt es von meiner Seite aber nichts zu meckern. Hier wird die üble, hässliche Seite des Metal mit einer Macht zelebriert, welcher ich mich nicht entziehen kann, bitte mehr davon. Verpasst daher unter keinen Umständen am 17.09. im KIFF, Aarau das Killerpackage Nile, Hate Eternal, Vitriol und "unsere" Omophagia, gelobt sei was hart macht. Reinhören!!
Hardy  
Punkte: 9.0 von 10
DOLD VORDE ENS NAVN - Gjengangere I Hjertets Mørke  (LP)
Soulseller Records
Neuer, knackiger, norwegischer Black Metal, welcher an die frühen Neunziger erinnert, wie klingt das wohl? Dold Vorde Ens Navn zeigt es uns. Es geht rasant voran. Der Schreigesang klingt leicht gepresst doch auch voller Power. Das Ganze erinnert wirklich an die frühen Black Metal Alben, jedoch ganz wichtig: qualitativ viel hochwertiger! Das ganze Werk besteht aus vier Songs und zieht sich auf knapp 20 Minuten hinaus. Wo der erste Song „Den Ensomme Død“ noch etwas Rock n Roll`iger war, wird es nun im zweiten Song „Drukkenskapens Kirkegård“ doch definitiv düsterer. Die Riffs werden rasender, die Schreie sind höher und verzweifelter, das Album entwickelt weitere Facetten vom Black Metal. Weiter geht es mit „Vitnesbyrd“ welcher mit rasenden Gitarren startet, von wütendem Gebrüll unterstützt wird und mit Sprechgesang den letzten Schliff verpasst bekommt. Sehr langsame Zwischenteile geben noch das gewisse Etwas dazu. Ein echt gekonnt zusammengesetzt und gespieltes Stück! „Blodets Hvisken“ bewegt sich im Gegensatz zu seinen Vorgängern eher auf der ruhigeren Seite. Keine Sorge, auch hier gibt es noch reichlich „Lärm und Geschrei“, doch haben hier die melodiöseren Parts ganz klar die Oberhand, was meiner Meinung nach ein perfekter Abschluss für dieses Album bietet. Ganz klar, diese Künstler können etwas! Ich freue mich schon auf ihr nächstes Werk, welches hoffentlich etwas länger ist, denn kaum hat man sich in dieses etwas reingehört ist es auch schon wieder zu Ende.
Zoé 
Punkte: 9.0 von 10
HAMMERSCHMITT – Dr. Evil  (CD)
Massacre Records/Musikvertrieb
Die deutschen Heavy-Metaller Hammerschmitt wollen es wissen. Nach dem sehr starken "Still On Fire"-Album von 2016 legen sie heuer gleich mächtig nach. Sie sind aber nicht mehr ganz so zwingend wie damals. Vor drei Jahren fusste das erste Album der Band in Englisch zum Grossteil auf alten Archiv-Aufnahmen, die neu interpretiert wurden. Bei "Dr. Evil" ist jetzt alles neu. Geblieben ist die hervorragende Mischung aus treibendem Heavy Metal, Melodie und Hard Rock. Wobei diesmal gar ein wenig Doom dazu kommt wie zum Beispiel bei „Say My Name“. Hammerschmitt beherrschen ihr Handwerk und wissen, wie zu groven. So verwandeln sie jedes der zwölf Lieder in eine Granate. Und wenn bei „War“ ganz scheue Country-Elemente eingebaut werden, klingt das nicht erzwungen, sondern natürlich und passend. Party-Kracher wie „Saints Of Rock“ beweisen, dass die Band auch anders kann. Nimmt man die Qualität der Lieder und vergleicht man sie mit ähnlichen Bands, so bleibt mir rätselhaft, wieso Hammerschmitt nicht bekannter sind. Mit "Dr. Evil" könnte sich dies aber ändern. Auch wenn „Still On Fire“ für mich noch toller war, ist das neue Album weit davon weg, schlecht zu sein. Tut euren Ohren was Gutes und hört euch diese tolle Band an.
Roger W. 
Punkte: 8.9 von 10
DEAD KOSMONAUT - Rekviem  (LP)
High Roller Records/Musikvertrieb
Mattias Reinholdsson, seines Zeichens Bassist und Hauptsongwriter des schwedischen Fünfblatts, drückt im Begleitschreiben zu dieser EP genau das aus, was mir seit Jahren immer wieder durch den Kopf geht. Als der Metal noch in den Kinderschuhen steckte bzw. faktisch noch gar nicht existierte, orientierten sich die entsprechenden Musiker gezwungenermassen an dem, was vorhanden war, woraus eine ganz spezielle Vielfalt auf den Veröffentlichungen resultierte. Tatsächlich findet man auf den LPs der üblichen Genre-Vorreiter Songs, die ihre inspiratorischen Wurzeln eindeutig im Jazz, Blues, Acid – oder Progressive Rock haben. Genau dieser Ansatz schwebte Reinholdsson vor, als er Dead Kosmonaut gründete, handelte danach als er die Songs für das vor zwei Jahren erschienene Debüt „Expect Nothing“ schrieb, und setzt diese Linie auch jetzt konsequent fort. Mit „Frozen In Time“ beginnt der Rundling sehr klassisch, die Nummer erinnert durch die angenehm präsente Hammond Orgel und dem souveränen Gesang von (ansonsten) Nifelheim-Schreihals Pelle Gustafsson stark an Uriah Heep. Das darauf folgende „House of Lead (Nobody's Home)“ ist ein Remake des fast gleichnamigen Songs vom Debüt, welches am Ende praktisch nahtlos in das grandiose Instrumental „Skyhooks and Sound Mirrors“ übergeht. Dieses Doppelgestirn ist ein Paradebeispiel dafür, wie man in ein elegisches Stück Musik Spannung, Dynamik und energetische Steigerung einbaut, wer solche Tracks schreibt, darf sich ruhig auch mal selber auf die Schulter klopfen, ohne dabei der Hochmut zu verfallen. Das titelgebende Schlusslicht ist am Ende eine schleppende, tiefste Trauer verbreitende Epic Doom-Nummer, wie sie My Dying Bride oder Solitude Aeturnus nicht besser hinbekommen hätten, veredelt durch das gefühlvolle Cellospiel von Grand Magus-Basser Fox Skinner. Wenn diese fünf Schweden auch künftig dieses Niveau halten können, dann erwarten uns noch viele Momente wunderschöner Musik in der Schnittmenge zwischen Classic Rock, Heavy Metal mit proggigen Einschüben und epischem Doom, top!
Mirko B.  
Punkte: 8.9 von 10
STEVIE D. FEAT COREY GLOVER - Torn From The Page  (CD)
Mighty Music
Multiinstrumentalist Stevie DeAcutis, besser bekannt als Stevie D. hat sich hier mit Living Colour-Shouter Corey Glover zusammengetan. Hören wir doch mal rein, was uns da die beiden leckeres präsentieren. Der Opener "Your Time Has Run Out" beginnt mit fetten Orgeln und dann mit einem treibenden Gitarrenriff. Klingt schon mal gut. Dazu Glovers Stimme, die einfach klasse hat und fertig ist der melodiöse Hard Rock-Song. Fängt also gut an. "Wake Up Call" geht genauso ab. Klasse Riff und starker melodiöser Gesang, Stevie hat ein Gespür für gute Songs. Oder hört euch das geile "Final Resting Place" an, Hammer, genau so klingt ein cooler Rock-Song. Starke Gitarren von Keys untermalt und dazu Glovers Stimme, das macht Spass. Bei "Strung Out" kommt mir sofort Gary Moore in den Sinn und hört euch diesen Refrain an, einfach klasse. Auch "Haunted", "Now Or Never“, das ziemlich funkig klingt, oder "Outta My Head" das mit Bläser kommt überzeugen ausnahmslos. Natürlich kommt ab und zu etwas Living Colour auf, gerade beim funkigen "Faceplant" Auf jeden Fall macht dieser Rundling mega Spass, ist sehr vielseitig ausgefallen. Da scheinen sich echt zwei gefunden zu haben. Erfrischendes Album mit durchwegs starken Songs, sehr empfehlenswert.
Crazy Beat  
Punkte: 8.9 von 10
GRIM REAPER – At The Gates  (2 LPs)
Dissonance Productions
YES! Steve Grimmett hat nach der Infektion an seinem Bein und dessen Amputation ein neues Album in die Umlaufbahn geschossen. Das fünfte Album, seit dem Debüt «See You In Hell» aus dem Jahre 1983, zeigt die Truppe noch immer von ihrer stärksten Seite. Fette Riffs und nach wie vor eine begnadete Stimme von Steve manifestieren den guten Ruf, den die Band noch immer geniesst. Wenn auch nur in einer kleinen und feinen Fangemeinschaft. Die Riffs schneiden alles in feine Einzelteile, wie bei «Venom». Auch die Refrains fräsen sich schnell in die Gehörgänge und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Steve variiert auch immer wieder geschickt mit dem Tempo. So geht er bei «Rush» etwas schneller ans Werk, während «A Knock At The Door» ein richtig geiler Banger geworden ist. «Breakneck Speed» hat dann dieses gewisse Etwas, welches aus einem Song ein kleines Meisterwerk macht. Ja, Grim Reaper werden nie die grossen Massen erreichen, aber wer sich Judas Priest ins Herz gemeisselt hat, sollte zumindest einmal ein Ohr voll von dieser Scheibe nehmen. Alleine der Schlusstrack «Shadow In The Dark» weiss von Beginn weg zu überzeugen und hält die britische Metal-Flagge sehr hoch!
Tinu  
Punkte: 8.8 von 10
SONATA ARTICA – Talviyö  (Gatefold 2 LPs)
Nuclear Blast/Warner
Nach drei Jahren machen uns die Melodic (Power) Metal-Virtuosen ihr zehntes Studioalbum zugänglich. «Talviyö», übersetzt “Winternacht“, schliesst sich im Stil klar seinen beiden Vorgängern «Pariah’s Child» und «The Ninth Hour» an und hinterlässt im Verlauf mit seinen herzerwärmenden Melodien wahrhaftig den Eindruck einer Reise durch schöne Winterlandschaften. Tony Kakko lässt auch hier seinem Musikgenie freien Lauf – atmosphärische, komplexe Verläufe, epische und tiefsinnige Melodien und emotionale Wechselspiele prägen die elf Lieder im typischen Sonata-Stil. «Message From The Sun» als Opener ist ein typisch hymnischer Knaller, der gute Laune verbreitet und Sonata-Kennern ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. «Whirlwind» fährt sofort unter die Haut, mit seiner rockigen Strophe, der ausschlaggebenden Energie im Refrain und den Chören im Hintergrund wird ein typischer Hit geliefert. Mich persönlich hat insbesondere «The Last of the Lambs» an fünfter Stelle umgehauen – eine sinnliche, ernste Ballade, die berührt und mit der ausgestrahlten Kraft leicht an «The Worlds Forgotten, The Words Forbidden» von der «Unia»-Scheibe erinnert. Als Roter Faden wirkt Kakkos warme, kräftige und unverwechselbare Stimme, mit der er diverse Emotionen glaubhaft spiegeln kann und oftmals so wirkt, als würde er dem Hörer persönlich eine Geschichte erzählen. Aber auch Henkkas Können an den Keyboard-Tasten überzeugen wieder aufs Neue – ob tragende Melodien oder beiläufige, aber ausmachende Zusätze – es passt einfach immer ins Gesamtkonzept. Insbesondere in «Ismo’s Got Good Reactors», einer orientalisch angehauchten Bombe, kommt sein virtuoser Einsatz zur Geltung. Obwohl auch schnellere Songs auf «Talviyö» zu finden sind, fehlt mir (wie auch seinem Vorgänger-Album) mindestens ein wirklich harter, schneller Power-Track wie vergleichsweise «Don’t Say A Word», «Victoria’s Secret» oder «Abandoned, Pleased, Brainwashed, Exploited». Sonata Arctica haben damals mit «Pariah’s Child» klar eine stilistisch eher softere, weniger experimentelle Richtung eingeschlagen, ohne sich von ihrem unverwechselbaren Stil zu entfernen, und führen nun diese Schiene mit ihrem neuen Werk fort.
Sina  
Punkte: 8.8 von 10
DEAD VENUS - Bird Of Paradise  (2 LPs)
Non Stop Music Records
1. Meinung:
Dead Venus ist die neue Band von Seraina Telli, die ihre Stimme vorher Burning Witches leihte. Mit herkömmlichem Metal hat das Debut "Bird Of Paradise" herzlich wenig zu tun. Mit den genialen Mitmusikern André Gärtner (Bass) und Mike Malloth (Drums) werden die Grenzen spielend überschritten und sämtliches Schubladen-Denken ausgeschaltet. Die Bezeichnung Progressive Rock soll als grober Hinweis gelten. Mit einem wunderschönen Klavierintro beginnt das Album. Diese Intro heisst "Latitudinarian" und ist ein Instrumental. Beim Titeltrack "Bird Of Paradise" pumpt der Bass herrlich, bis ein smoothes Klavier einsetzt und Seraina Telli mit ihrem gefühlvollen Gesang zutiefst berührt. Einfach nur geniale Musik mit einer unvergesslichen Melodie! Wie die Stimme mit der Musik in "Kiss Of The Muse" eine untrennbare Legierung eingeht, ist fantastisch und jetzt zeigt Seraina doch noch ein wenig ihre Krallen. Nachdenklich und sehr zerbrechlich, so wirkt "Dark Sun" und zeigt eine mir unbekannte Facette von Seraina Telli. In diesem Song ist die Gänsehaut inklusive! Ruhig beginnt "Human Nature" und es ist beeindruckend, wie mit wenigen Mitteln, eine solche Atmosphäre erzeugt werden kann. Wie endlose Wellen im Meer, so baut sich der Song immer und immer wieder auf. "Valendiction" ist ein bezauberndes Klaviersolo, das ohne Gesang auskommt. Rockiger wird es mit "The Beauty", und man merkt einmal mehr, was da für geniale Musiker am Werke sind! Es werden verschiedene Parts aneinander geschweisst, und es entstehen trotzdem nahtlose Übergänge von einem Genre ins andere! Eine rockige Powerballade folgt mit "Redemptionless". "Dear God" ist einfach nur wunderschön und sehr gefühlvoll! Genial, wie Seraina Telli singt und sich immer wieder selber übertrifft. Rockig und doch sehr emotional geht es mit "The Sirens Call" weiter, und auch diese Powerballade hält, was sie verspricht, denn die Intensität nimmt stetig zu! "Alone" ist ein Mega-Groover, der es unmöglich macht, bewegungslos da zu sitzen. Instrumental und gesanglich ist das Königsklasse. Zur Abwechslung schreit sich Seraina Telli auch noch die Seele aus dem Leib! Eine Lektion in Stimmakrobatik gibt es mit "The Flying Soul" zum Schluss dieses genialen Albums. Also, alle Leute, die keine Scheuklappen haben und auch ruhigere Momente geniessen können, müssen dieses Album in den Einkaufskorb legen! Für mich ist "Bird Of Paradise" das Album des Monats!
Roolf 

Punkte: 9.4 von 10

2. Meinung:
Rückblende hin zum dritten Tag des diesjährigen "Sweden Rock" Festivals, respektive der 4Sound Stage, mittags um 11:30 Uhr. Angesagt waren Burning Witches, die Allgirl-Metalband mit schweizerischen Wurzeln, die mit ihrer Frontfrau Seraina Telli eine ausdrucksstarke wie talentierte Sängerin im Line-up stehen hatten. Ja..., hatten, denn was zumindest ein guter Teil der überaus ansprechenden Zuschauermenge erst mit der Zeit schnallte, wenn überhaupt, wussten wir von Metal Factory aus berufener Quelle schon in der Nacht zuvor! Eine sehr überraschende Tatsache, die zu dem Zeitpunkt aber schon einen entsprechenden Vorlauf hatte. Die Reaktionen in den Sozialen Medien gingen darauf eine Weile ziemlich steil ab und nun, gut drei Monate später, hat sich der Szene-Tsunami weitgehend wieder geglättet. Während sich Seraina's Nachfolgerin Laura Guldemond die Gunst der Fans wieder erarbeitet hat, widmet sich die ehemalige Hexe wieder mit Herzblut dem, was sie nämlich schon vor den Witches am Köcheln hatte: Dead Venus! Stilitisch ganz anders gepolt, sprich um einiges weniger heftig, aber nicht zwingend leiser, widmet sich das Trio, bestehend aus Seraina (Vocals, Piano, Acoustic Guitar), André Gärtner (Bass) und Mike Malloth (Drums) der eigenen Vision im musikalischen Universum des Progressive Rock. Bei der Instrumentierung fällt bald einmal auf, dass eigentlich ein Gitarrist, sprich dessen Instrument fehlt. Für Dead Venus, wie sich auf dem full lenght Debüt «Bird Of Paradise» überzeugend heraus stellt, überhaupt kein Manko, im Gegenteil! Um allfälligen Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen, wurde extra ein Sticker, respektive Aufkleber hergestellt, auf dem sinngemäss steht: "No Drum Samples, No Autotune, No Electric Guitars". Da ich dies zum Zeitpunkt des ersten Anhörens der Lieder nicht wusste, erkannte ich deshalb nicht, dass alles, was sich auch nur entfernt oder vermeintlich wie offensichtlich nach einer E-Guitar anhörte, unisono durch den Bass von André erzeugt worden ist. Das bedeutet dann aber gleichzeitig, dass die Liveperformance entsprechend aufwendiger wird oder ist. Die Rhythm-Section von Dead Venus ist technisch jedoch sehr versiert und deshalb kann hier erst das persönlich Live-Erlebnis für einen abschliessenden Eindruck dessen sorgen. Der einfachste Weg, sich diesem Album vorerst anzunähern, geht über gute Kopfhörer mit moderat eingestellter Lautstärke. Danach schliesst man am besten die Augen und versetzt sich mental in den Körper des «Bird Of Paradise», um sich danach auf die musikalische Reise zu machen. Der Flug durch das Paradies dauert knapp eine Stunde und lässt einen, sobald der letzte Ton verklungen ist, ergriffen zurück. Im Wissen darum, was Seraina schon bei Burning Witches ausgezeichnet hat, schält sich nun bei Dead Venus in vollendeter Art und Weise heraus. Die Varianz der Gesangsstimme ist schlicht atemberaubend und überzeugt auch in dieser Stilecke, inklusive der jazzigen Ausflüge.
Rockslave  
Punkte: 8.3 von 10

CROBOT – Motherbrain  (Purple/Pink LP & Digital Copy)
Mascot Records/Musikvertrieb
Hoppla! Nachdem sie drei Alben veröffentlicht haben, welche musikalisch noch ziemlich tief in den Hard Rock – Grosstaten der Siebzigerjahre verwurzelt waren, wagen die Jungs aus Pottsville, Pennsylvania diesmal einen regelrechten Ausbruch, der die Fangemeinde garantiert spalten wird. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass sie sich mit „Motherbrain“ regelrecht aufs Glatteis gewagt haben. Nicht, dass sie jetzt irgendwie weicher und glatter klingen würden, eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Nur geht der Wechsel zu mehr Härte mit der Abkehr vom typischen Pub Rock-Riffing vermischt mit der für diese Band so typischen Prise Funk einher. Die Songs sind grösstenteils düsterer, finsterer als alles bisher Produzierte, sind jedoch gleichzeitig oft von sanfteren Einschüben durchzogen, wie man es in dieser Form von Crobot bisher noch nicht kannte. Um es in einem Satz zu formulieren würde ich einfach sagen, die Band ist in der Gegenwart angekommen und hat ihre wahre Identität gefunden. Daran muss man sich erst mal gewöhnen, aber seien wir mal ehrlich: die hier festgestellten Veränderungen hatten sich bereits auf dem Vorgänger „Welcome To Fat City“ (2016) angekündigt, und da die Band damals für diese ersten zaghaften Schritte in eine neue Richtung keine Prügel einfangen musste, hat sie diesmal den grossen Schritt gewagt. Hat man sich zumindest teilweise daran gewöhnt (mit den leichten Schwenkern Richtung Grunge und Alternative Rock werde ich mich nie anfreunden können), bleiben unterm Strich auf dem neuen Langdreher immer noch genügend Songs, die genau diesen speziellen Höllengroove der Glenn Hughes'schen Schule liefern, für den ich diese Band so schätze. Im direkten Vergleich mit den Glanztaten aus der Vergangenheit fällt „Motherbrain“ etwas ab, bewegt sich aber gemessen an der Gesamtqualität immer noch im Kreis der erwerbenswerten Neuveröffentlichungen.
Mirko B.  
Punkte: 8.8 von 10
DARKEND – Spiritual Resonance  (CD)
Dark Essence Records
Wer schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, mag sich vielleicht an die Zeit erinnern, als Cradle Of Filth der richtig „heisse Scheiss“ war. Junge Männer haben sich voller Ehrfurcht auf die Knie geworfen und die Mädchen haben ihre Seele (und manche auch ihren Körper) der Blutgöttin geopfert. Sehen wir mal von Dimmu Borgir ab, so ist CoF wohl der kommerziell erfolgreichste Sprössling, der aus dem Schosse Satans entsprungen ist. Noch heute kann (zumindest bei meinem hoch geschätzten Kollegen Hardy) CoF die angestaubte Libido befeuern, was mir zugegeben immer ein Rätsel war, denn auf meiner persönlichen Hassliste steht die Band sehr weit oben. Der Grund dafür ist nicht etwa die Musik, sondern der für mich unerträgliche Schweinepriester-Gesang von Dani Filth, welcher mich mehr als einmal aus einem Konzertlokal flüchten liess. Wer sich nun fragt, was meine Einleitung über CoF mit Darkend zu tun hat, nun, die Italiener orientieren sich unüberhörbar an den Engländern, jedoch glücklicherweise wird gesanglich auf die Laute eines abgestochenen Schweines verzichtet. Darkend präsentieren Symphonic/Black Metal, welcher jedoch auf den ausufernden Bombast neuester Dimmu Borgir-Werke verzichtet und sich analog zu CoF mehr an einer rituellen Charakteristika orientiert und die durch das Promoschreiben auferlegte Bezeichnung „Extreme Ritual Metal“ wahrlich zutreffend ist. „Spiritual Resonance“ entfesselt eine Sogwirkung, die den Zuhörer mitten in eine Schwarze Messe transferiert, wo sich willenlose nackte weibliche Körper ausbreiten, welche unter den Klingen der Hohepriester ihr jungfräuliches Blut über den Altar der Nacht ergiessen lassen. „Spiritual Resonance“ ist wahrlich Breitwandkino, welches über eine sehr dichte Atmosphäre verfügt, vor der es kaum ein entrinnen gibt. Klar, wer auf rohen Black Metal abfährt, dem wird es die Zehennägel nach hinten rollen, denn treibende Kraft ist hier nicht der Hass oder die pure Verachtung der Menschheit, sondern eine all umfassende Dunkelheit, welche sich erhebt und alles unter sich begräbt. Dabei schrecken die Italiener auch nicht davor zurück, mal weiblichen Gesang, Hammondorgeln und überraschend harmonische Melodien zu verwenden, welche sich vorzüglich in das Geschehen einbetten, ohne dass dabei die musikalische Darbietung in den Kitsch abdriftet. Böse Zungen mögen behaupten, dass Darkend bloss ein CoF-Klon sei, ich jedoch würde Darkend mehr als Alternative sehen, die zumindest mit „Spiritual Resonance“ ebenbürtig zu den Engländern ist und mir persönlich sogar um einiges besser gefällt. Ich brauche hier auch keinen der sechs Songs explizit hervor zu heben, denn jede Nummer auf dem Album ist eine Ode an die Finsternis und muss schlicht angehört werden.
R.K.  
Punkte: 8.8 von 10
CRASHDIET – Rust  (White Vinyl)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Das Dreigestirn Martin Sweet (Gitarre), Peter London (Bass) und Eric Young (Schlagzeug) hat sich mit Sänger Gabriel Keyes zusammen getan und veröffentlicht zum ersten Mal in dieser Besetzung ein neues Album. Logisch sind die Herren noch immer im Sleaze Hard Rock verwurzelt. Logisch sind es noch immer die Refrains und die Rhythmen, die packen. Lieder wie «Into The Wild», «We Are The Legion» oder «Crazy» treten Arsch und machen Laune. Mit Riffs der Sorte «Parasite» gewinnt man bei den Fans grundsätzlich, und somit kann man doch von einem erfolgreichen Comeback sprechen. Ja und nein. Denn! Die Jungs lassen die wilde Power vergessen, welche noch Alben wie «Generation Wild» oder «The Savage Playground» ausgezeichnet hat. Ob es an den sechs Jahren seit dem letzten Album liegt oder daran, dass die Jungs einfach auch auf eine gewisse Art erwachsener geworden sind? Am Ende des Tages ist «Reptile» ein Hit, wie man sich ihn von den Schweden wünscht. «Rust» ist ein gutes Album geworden, das seine Höhepunkte besitzt, aber im Vergleich zu den anderen Alben ein bisschen hinterher hinkt. Trotzdem, wer auf guten, schwedischen Sleaze Rock steht, wird an dieser Scheibe nicht vorbeikommen!
Tinu   
Punkte: 8.7 von 10
PHIL LANZON (Uriah Heep) - 48 Seconds (2 LPs)
Phil Lanzon Ditties/Cargo Records UK
Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich frage, wann eigentlich vor allem live gut ausgelastete Musiker wie zum Beispiel Phil Lanzon die Zeit finden, um neben ihren Hauptbands noch eigenes Material aufzunehmen. Geht man vom bereits brillanten Debüt «If You Think I'm Crazy» (2017) aus, wo unter anderem vielleicht auch älteres Material mitverarbeitet wurde, liegt es nun zwei Jahre später eher näher, dass es sich hier um gänzlich neue Material handelt. Wie dem auch sei, für das Zweitwerk «48 Seconds», wo beim Titelsong am Schluss des Albums das Erdbeben von San Francisco im Jahre 1906 zum Thema der Lyrics gemacht wurde, liess Mr. Lanzon erneut nichts anbrennen. Der filmmusikmässige Opener «Azuras Theme» zitiert Alan Parson's Projekt, ehe «In The Rain» im Fahrwasser von Magnum und Asia schon für die erste Gänsehaut sorgt. Phil scharte für sein neues Werk einige Guests um sich und sicherte sich das Können von unteren anderem John Mitchell (v/Arena) und Richard Cottle (Additional keyb, Sax/Alan Parsons Projekt). Die Horn-Section und das Orchester schöpfen bei «Forty Line» aus dem Vollen und füllen den Raum mit wunderbarer Musik. Und wer beim Nachnamen Cottle die Augsbrauen hoch zieht, ist auf der richtigen Spur, denn der Mann, der beim Black Sabbath Hammer-Album «Headless Cross» (1989) den Bass im Studio eingespielt hat, ist in der Tat sein Bruder Laurence Cottle, ein sehr gefragter Studio-Musiker. Die Unterstützung aus dem Hause Cottle, ergänzt um noch einige andere Namen, wie die Sängerin Miriam Grey, sorgen für ein weiteres stimmiges Werk, wo sich einerseits der Maestro, wie bei «Look At The Time» entsprechend einbringt, und andererseits das Kollektiv neben sich ebenso glänzen lässt. Dass letzterer Song hie und da nach dem heimischen Herd klingt, stört keineswegs. Insgesamt dominieren aber liebliche Sounds, wie beim folkig untermalten «Road To London», obwohl gleich danach «You Can Make A Living» locker ein Bonustrack auf einem Album namens «Living The Dream» sein könnte. Bevor der fast zehnminütige Titeltrack den krönenden Abschluss von «48 Seconds» einläutet, sorgt die weiblich wie männlich besungene Pianoballade «Face To Face» für den nächsten Höhepunkt. Wer den sehr ähnlich gestrickten Erstling schon mochte, kann hier blind zuschlagen!
Rockslave   
Punkte: 8.7 von 10
DETRAKTOR – Grinder  (CD)
Violent Creek Records
Was passiert, wenn es ein Chilene, ein Brasilianer und ein in Kanada lebender Bulgare, aus allen möglichen Himmelsrichtungen nach Hamburg verschlägt? Im Fall von Detraktor hat man sich dazu entschlossen, in den dunklen, kalten norddeutschen Winternächten eine Band zu gründen. Die Band legte seinerzeit einen Blitzstart hin, veröffentliche 2015 ihre erste EP „Sunday Thrash“ und vertrat im Anschluss kurzerhand Deutschland beim weltenweiten Wacken Metal Battle. Nach ihrer zweiten EP „Size Matters“, bei der Dirk Schlaechter von Gamma Ray für die Basslinien verantwortlich war, wurden sie vom Metal Hammer als Newcomer der Jahres 2018 ausgezeichnet. Danach holten sich Henrique Queiroz (Drums/Vocals), Rafael Dobbs (Guitar) und Boris Pavlov (Guitar) den Bassisten Juan Orellana, ebenfalls aus Chile, als vierten Mann an Bord, der die Mannschaft komplettierte, um zusammen ihr erstes Full Length Album „Grinder“ zu produzieren. Somit steht bald das Debüt der Thrash- und Death Metal-Helden in den Regalen. Mit neun Knochenbrechern versüssen Detraktor die langweiligen Stunden des Tages und sorgen für ordentliche Stimmung in der Bude. Ihr Mix ist imposant und abwechslungsreich zugleich. Die heftigen Gitarrenriffs und die satten Drumsalven sind das Zugpferd ihres Sounds. Der Gesang von Henrique tut sein Übriges dazu, damit ihre Musik nicht wie viele andere Gruppen dieses Genres klingt. Mit „Grinder“ ist dem Vierer ein packendes Debüt gelungen, das auch nach mehrmaligem Reinhören extrem Spass macht.
Oliver H.   
Punkte: 8.7 von 10
NO BROS - Export Of Hell (CD)
Pure Steel Records/Musikvertrieb
Wie kann es sein, dass eine Rockband aus Österreich ihr 45-jähriges Jubiläum feiern kann, ohne dass einem die Gruppe No Bros jemals begegnet ist?! Nun, ganz stimmt diese Aussage nicht, da Mainman und Gitarrist Klaus Schubert gegen Ende der 80er mal eine gleichnamige Melodic Heavy Metal Truppe am Start hatte. Die haben zwischen 1990 und 1997 immerhin fünf Longplayer raus gehauen, die jedoch keine nennenswerte Resonanz hinterliessen. Das gilt auch für No Bros, die ab der Bandgründung 1974 erstmal eine halbe Dekade unter dem Namen "Target" figurierten. Wie man danach auf No Bros gekommen ist, geht wohl auf einen bierseligen Abend zurück. Zwischen 1982 und 2015 erschienen ebenso fünf Alben, von denen ich bisher dito keinerlei Notiz genommen habe. Allerdings gibt es eine aktuelle wie gleichzeitig direkte Verbindung zu Klaus Schubert's letztjährigem Projekt «Commander In Pain», denn der Song «Little Boy» mit Walt Stuefer an den Vocals, ist nun auf «Export Of Hell», dem sechsten Langeisen, als Bonustrack vertreten. Dies, nebst dem gemeinsamen Nenner Klaus Schubert auch deswegen, da Walt der Leadsänger von No Bros ist! Schaut man sich das eher beknackte Cover an, könnte man unwissend glatt von einer jungen Thrash-Combo ausgehen, doch die Herrenriege pendelt zwischen fünzig und sechzig Jahren. Da hält sie freilich nicht vom Rocken ab, und wer sich mal den Opener «This Is No Bros» akustisch einverleibt, wird mehr als nur überrascht sein, wie meine Wenigkeitkeit! Mit einer Prise Southern Rock Vibes und der bald einsetzenden Hammond Orgel könnte der Track glatt auch von Uriah Heep stammen. Interessant ist zudem, dass Fronter Walt Stuefer, wie zum Beispiel bei «Fade», sich wie eine Mischung aus Geoff Tate (weniger) und Carl Sentance (mehr) anhört. Derweil lässt es Master Schubert ordentlich krachen dazu und die von Andy J. Brunner prägnant eingesetzte Hammond sorgt so zu sagen für einen "Purple'schen wie Heep'schen Anstrich". Geil auch der Titeltrack, wo im Zwischenpart gar noch Rainbow durchschimmern. «Ripped To Pieces» entpuppt sich darauf als straighter Rocker, der hinten raus auch bestens bei Mick Box & Co. aufgehoben wäre. Da nicht nur die Hammond als Tasteninstrument eingesetzt wird, entstehen weitere Klangbilder, die sich insgesamt gut zum Ganzen einfügen, wie zum Beispiel beim instrumentalen Intro «Rainbows In The Dust», ehe «Theatre Of Pain» optimal in die Gänge kommt. Gelungen sind auch die Neueinspielungen von «Black Maiden» (1983) sowie «Holiday With HH» (1982). Vorgänger Freddy Gigele sang damals ziemlich ähnlich, aber die Wahl von Walt Stuefer ist ein Volltreffer. Wer auf Classic Hardrock der genannten Protagonisten steht, kommt nicht um «Export Of Hell» herum und sollte vor allem nicht durch das unpassende Cover abgeschreckt werden. Was zählt, ist primär der Inhalt, und der lohnt sich, inklusive dem Allstar Rausschmeisser «Thousand Years Of Austro Rock», besser spät als nie entdeckt zu werden.
Rockslave   
Punkte: 8.6 von 10
ECHO VOM AATHAL – Unsere schönsten Lieder  (CD)
recordJet/Edel
Alter Thrash Metal neu verpackt – Das kommt mir in den Sinn, wenn ich das CD-Cover mit dem Gehörten vergleiche. Dabei ist dieser Gedanke äusserst positiv gemeint. Zumal die Musik hochstehend und die Text sehr intelligent verfasst sind. In den drei Sennenmäntelchen kleiden sich die Überreste der Schweizer Thrash-Metaller Drifter. Namentlich sind es Gabor Szabo (Gesang, Bass), Peter Wollf (Gitarre) und am Schlagzeuger Roland Ribi. „Unsere schönsten Melodien“ ist ihre 5-Track-Debut-CD, in dem sie ihren Metal mit deutschen Texten vermengen. Ihr Thrash Metal hat Eier und hetzt mit headbanger-Riffs satt nach vorne. Wie stark das auf dem Cover zu sehende Alphorn im Bandgefüge eine Rolle spielt, bleibt aber rätselhaft. Zumindest fällt die Band damit auf. Zu hören ist es als Albumintro und beim fünften Lied „Hellhorn“ in einer ansprechenden Soundcollage. Man könnte dem Trio jetzt vorwerfen, dass sie nur auf Klamauk und Marketing setzen, dass sie auf der seit längerem durchs Land treibende Retro-Welle aufspringen und ihre Metal-Ideale verraten. Das könnte man – wenn sie ihre Musik dabei vernachlässigen würden. Hört man die fünf Lieder an, stehen aber ganz klar die Kompositionen im Vordergrund. Das Marketing kommt erst danach und beweist, dass man mit ein wenig Mut auffallen kann. Das wird hoffentlich Schule machen – sofern es so authentisch wie hier wirkt. Wobei ich das wohl einst ruhige Aathal zwischen Uster und Wetzikon eher mit Autolärm als mit Sennenromantik verbinde. Aber was solls. Das Echo vom Aathal verbindet hier Thrash Metal, deutsche Texte und Schweizer Folklore zu einem metallischen Ganzen. Reinhören lohnt sich.
Roger W.   
Punkte: 8.5 von 10
TUNGSTEN – We Will Rise  (LP)
Arising Empire/Warner
Diese Band wird ganz gross rauskommen – mit dem zweiten Album! Das Erstwerk legt aber bereits ein sehr gutes Fundament, auf dem hoffentlich aufgebaut wird. Aber der Reihe nach: Tungsten gehen auf Lieder zurück, die Karl und Nick Johansson ihrem Vater Anders (ehemaliger Schlagzeuger von HammerFall, Yngwie Malmsteen und aktuell Manowar) vorspielten. Begeistert von der Qualität der Songs bat Anders seine Söhne, ihn in der Band aufzunehmen. Es fehlte nur noch eine Stimme. Diese fand das Trio in Mike Andersson (Cloudscape, Ex-Planet Alliance, Fullforce). Die Begeisterung des Vaters ist auf "We Will Rise" für den Hörer durchaus nachvollziehbar. Hier wird ein erfrischender Mix aus Industrial Metal (z.B. Pain, teilweise Rammstein) mit Power Metal und Folk-Elementen geboten. Pop trifft auf schneidende Gitarren, flötende Keyboards, verzerrten und hohen Gesang und grosse Refrains. Ab und zu darf auch mal fröhlich gekeift werden. Insgesamt sind es aber durchwegs eingängige Melodien, die einem Sabaton- oder Beast In Black-Publikum gut gefallen dürfen. Aber auch Metal-Fans, die offen für Experimente sind, dürften ihre Freude haben. Und wer Pain mag, sollte ebenfalls nicht abgeneigt sein. Warum es trotzdem noch nicht zur Bestnote reicht? Weil sich die Ohren mit zunehmender Spieldauer ermüden. Das geschieht zwar bei manchen Alben, ist hier aber besonders schade. Vieles scheint plötzlich auf die folgende Formel rauzulaufen: Eine elektronische erzeugte Melodie leitet in ein tolles modernes Gitarrenriff, harter Gesang setzt ein und mündet in einem Bauschewatte-Refrain. Dabei sind auch im letzten Teil mit „Remember“ (trotz Kindergarten-Englisch) oder „Impolite“ noch Hits auszumachen. Vielleicht wird die Band sogar mit diesem Werk einen Volltreffer landen. Ich spekuliere aber auf das Zweitwerk. Das Potenzial von Tungsten ist riesig. Jetzt muss das Ganze nur noch richtig promotet werden. Der Deal mit Nuclear Blast ist die beste Voraussetzung dazu.
Roger W.   
Punkte: 8.5 von 10
ATLANTEAN KODEX – The Course Of Empire  (2 LPs)
Ván Records
«The Course Of Empire» ist das dritte full-length Werk der deutschen Heavy Metal und Epic Doom Metal Band Atlantean Kodex. Ja, diese Kombination hört sich eventuell grotesk an, sie stimmt aber wahrhaftig mit ihren Kompositionen überein. Rasende, energiereiche Gitarrenriffs und -soli prasseln nur so auf den Hörer ein und bilden die Eckpunkte ihrer Musik. Im Zwischenbereich wird mit epischen Melodien, diversen Tempowechsel und mitreissenden Rhythmen experimentiert. «The Alpha And The Occident (Rising From Atlantean Tombs)» wirkt mit dem ergreifenden Gitarrenriff als toller Opener, kristallisiert sich jedoch schnell als Intro für «People Of The Moon (Dawn Of Creation)» heraus, welches sich als neun-minütiger Knaller mit einem Wechselspiel aus typischem Heavy Metal und epischen, langsamen Passagen entpuppt. Das tolle daran ist, dass der Übergang vom Intro zum Song unbemerkbar ist – die Melodien werden einfach weitergesponnen. Dieser Trick wird mehrmals im Album angewendet – weshalb «The Course Of Empire» wie ein fliessendes Energiebündel mit Hoch- und Tiefpunkten wirkt. Der Doom kommt erstmals mit «Chariots (Descending From Zagros)» an vierter Stelle effektiv zur Geltung und schafft damit eine geniale Wendung im Gesamtwerk. Im Track-Verlauf wird wieder ein Umbruch durch schnelle, energiereiche Gitarrenmelodien hergestellt, was abermals Interesse und Spannung weckt. «The Innermost Light (Sensus Fidei)» wiederspiegelt die Mischung vom Heavy Metal und Epic Doom blendend – die schönen, heroischen Melodien werden schleppend verpackt; die Dynamik ist schwer und berührend zugleich. Im weiteren Verlauf des Albums kommen die Doom Elemente immer mehr zum Vorschein und gehen im typischen Atlantean Kodex-Stil unter die Haut. Zudem wird die starke Stimme Beckers oftmals durch Chöre unterstützt, was ebenfalls Abwechslung schafft und die Musik umso epischer erscheinen lässt. Abgesehen davon, dass Carolie Baier (Antipeewee) als neuer Lead-Gitarrist hinzugekommen und somit Michael Koch ersetzt hat, bringt das Quintett keine Erneuerungen mit sich und bleibt seinem Stil, insbesondere verglichen mit ihrem Vorgänger-Album «The White Goddess», treu. Tolles Album!
Sina   
Punkte: 8.5 von 10
ELVENKING - Reader Of The Runes – Divination  (Limited Fanbox)
AFM Records/Musikvertrieb
Beim siebten Album von 2012 war ich riesig begeistert von diesen italienischen Folk-Power-Metallern. Jetzt beim zehnten Werl bin ich immer noch ein „Gut-Finder“, vergiesse aber keine Freudentränen mehr. Vielleicht bräuchte dieses Werk aber schlicht mehr Zeit zum Reinhören. Diese fehlt mir, da ich die CD durch einen kurzfristigen Ausfall einer Kollegin übernommen habe. Das erste Dauerhören hinterlässt aber schon mal einen mehr als ordentlichen Eindruck. Die Italiener lassen sich immer noch nicht stilistisch verbiegen und mischen in ihren Power-Metal die Melodien ein, die gerade passen. Das kann mal ein Gekeife, Folk oder Elemente oder Klassik sein. Dazu kommen immer wieder ruhige Momente, die Zeit zum Verschnaufen geben. Potenzielle Partykracher sind ebenfalls zu hören. Komisch ist dabei nur, dass sie bei mir nicht beim ersten Hören zünden. Da herrscht bei den Italienern also noch Luft nach oben. Ansonsten ist aber alles in Butter. Wie der Titel andeutet, leitet das neue Werk eine neue Ära ein, die sich auf den nächsten Alben fortsetzen wird. Grundlage ist eine neu erdachte Welt mit Runen und Magie. Von dieser Geschichte bekommt man beim Nebenbeihören aber nichts mit. Dadurch wäre eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Texten notwendig. Diese liegen zum Reviewen aber nicht vor. Und auch Live wird das Konzept wohl kaum in Erscheinung treten. Spannend wird sowieso sein, wie die Band ihre Musik mit den vielen Klängen auf der Bühne rüberbringt. Immerhin verfügen Elvenking über einen festen Geiger, der dem ganzen wenigsten einen wahren Anstrich geben wird. Ansonsten werden sich Elvenking entscheiden müssen, ob sie mit diesem Album auf „richtig Live“ setzen oder doch ihre Sounds massiv per Playback unterstützen möchten. Auf was sie sich geeignet haben, wird man am 18. Januar bei ihrem Konzert zusammen mit Brothers Of Metal erleben können. Als Vorbereitung dazu ist dieses ambitionierte Album mit ihrem Potenzial für eine Langzeitwirkung sehr gut geeignet.
Roger W.   
Punkte: 8.5 von 10
DISILLUSION – The Liberation  (Gatefold Etched LP)
Prophecy Productions
Sehen wird mal von der Single „Alea“ (2016) ab, haben sich Disillusion weit über ein Jahrzehnt Zeit gelassen, um ihre Gefolgschaft mit neuen Klängen zu verwöhnen. So taucht „The Liberation“ praktisch aus dem Nichts auf und wirkt dabei alles andere als angestaubt. Im Gegenteil, „The Liberation“ ist ein modernes Stück Progressive Metal, welches zwar seine Melodic/Death Metal-Wurzeln nicht gänzlich verleugnet, jedoch weit über diesen Subgenre-Tellerrand hinaus geht. Ja „The Liberation“ ist anspruchsvoll, jedoch nicht so komplex, dass man erst ein Studium absolviert haben muss, um in die Musik eintauchen zu können. Das Kunststück, auf der einen Seite zugänglich zu sein und auf der anderen Seite doch anspruchsvolle Musik zu schreiben, gelingt den Deutschen sehr gut, zumal man die Scheibe nicht erst wochenlang rotieren muss, bis sie irgendwie hängen bleibt. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass Disillusion nicht bloss den Knüppel regieren lässt, sondern den Melodien und ruhigen Momenten viel Platz einräumt und so den Zuhörer vom ersten Augenblick an zu fesseln vermag. Herzstück auf „The Liberation“ sind die drei Nummern „Wintertide“, der Titeltrack sowie „The Mountain“, welche jeweils 12 Minuten Unterhaltung bieten, wobei gerade „The Mountain“ stark abschliesst, jedoch im Mittelteil etwas an Spannung verliert. „Wintertide“ und der Titeltrack „The Liberation“ können im Gegensatz zu „The Mountain“ jedoch über die gesamte Spielzeit überzeugen und sollten unbedingt angehört werden, wenn man ein Herz für modernen Prog hat. „The Liberation“ vermag zwar nicht unbedingt von Höhepunkt zu Höhepunkt zu reisen, jedoch ist es ein durchaus spannendes Werk, welches angenehm aus dem Einheitsbrei heraus sticht und eine gewisse Eigenständigkeit beweisen kann.
R.K.   
Punkte: 8.5 von 10
RELIQUIAE - Babylon   (Digipak)
Metalville
Mittelalterrock mal etwas anders. Bei diesem Genre bin ich vorsichtig, denn vieles empfinden meine Ohren als überkopiert. Umso erfreulicher ist es also, dass diese Scheibe mit Leichtigkeit mein Gusto anzusprechen vermag. Das typische und eigentlich schon recht ausgelutschte Gedudel wird hier bewusst reduziert, genauso dezent wird mit Streichinstrumenten gearbeitet - und genau das ist wahrscheinlich das Geheimnis hinter dem fantastischen Klang des Albums. Trotz klarer Anlehnung an die typischen Genrevorreiter erkennt man eine Eigenständigkeit die stark punktet. Knapp 40 Minuten lang werden die Ohren mit diese durch Crowdfunding finanzierten Werk beschallt und die Balance zwischen dem Medieval und dem Metal ist perfekt, die Gruppierung aus Osnabrück trifft den Nagel auf den Kopf. Auch textlich hat das Album Vieles zu bieten, eine gewisse Tiefgründigkeit ist klar zu spüren. Der Begriff Mittelalterrock ist eigentlich etwas irritierend, denn hört man wirklich hin, merkt man, dass es eigentlich Metal ist, Metal mit einem Touch Mittelalter. In diesem Genre also eher ein Ausreisser, was ich persönlich aber super finde. Eine der grösseren Überraschungen in Sachen Releases 2019 ist Babylon auf jeden Fall. Klare Kaufempfehlung.
Mona   
Punkte: 8.5 von 10
5RAND – Dark Mother  (Red Vinyl, 12" Maxi)
Time To Kill Records
Die italienischen Melodic Death-Metaller 5Rand kehren mit ihrem zweiten Album „Dark Mother“ zurück. Ihr leicht industrial angehauchter Sound lebt besonders von der Stimme der Sängerin Julia Elenoir. Ihr Wechsel zwischen Growl, Scream und Clean drücken der Musik einen besonderen Stempel auf. Die Langrille enthält elf druckvolle und powergeladene Tracks, die über Time To Kill Records veröffentlicht werden. „Dark Mother“ besticht mit einer ordentlichen Portion Doublebass („The Awakening“) oder groovigen Metaltiteln wie „Black Ocean“. Besonders die Refrains der einzelnen Songs haben dank Julias Melodiebögen Wiedererkennungswert. Eigentlich sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Der aus Rom stammende Vierer liess ihr Baby vom langjährigen Mitarbeiter Marco Mastrobuono (Fleshgod Apocalypse) im Kick Recording Studio und im Bloom Recording Studio produzieren, während das Mastering vom berühmten schwedischen Produzenten Jens Bogren (Kreator, Katatonia, Amorphis) in den Fascination Street Studios übernommen wurde. „Dark Mother“ überzeugt jetzt nicht mit unfassbaren Neuerungen, wie es zurzeit bei einigen anderen Bands Mode ist, bleibt aber ihrem abwechslungsreichen und eingängigen Stil mit neuer Frische treu! Der Rausschmeisser „Silent Spring“, der zwar der „gemütlichste“ Titel des Albums ist, enthält Arrangements von Francesco Ferrini, Keyboarder und Songwriter von Fleshgod Apocalypse, was für den Song von Vorteil ist. 5Rand macht Spass, stellt keine hohen Ansprüche und bringt jede Birne zum Schaukeln.
Oliver H.   
Punkte: 8.5 von 10
VINTERSEA - Illuminated  (LP)
M-Theory/Musikvertrieb
Dieser September ist musikalisch genauso spannend wie die bisherigen Monate des Jahres 2019. Aus dem US-Bundesstaat Oregon erhalten wir progressiven Melodic Death Metal der Meisterklasse geboten. Illuminated ist das zweite Studioalbum der überraschenden Truppe um Frontfrau Avienne Low und schlägt ordentlich rein. Der Mix zwischen starken Growls und dem feinen, femininen Gesang hört sich das ganze Album hindurch sehr angenehm und man vergisst die Zeit. Mystisch angehaucht und mit Liebe zum Detail präsentiert die Band 40 Minuten satten Sound, der zu entführen vermag, eine Art dunkles Märchen für das Ohr, konnte man sagen, die Landschaften Oregons scheinen da eine Art Inspiration gewesen zu sein. Spielereien mit Black Metal Elementen gestalten die Scheibe noch interessanter und bieten einen noch stärkeren Kontrast zu dem delikaten, cleanen Gesang. Der Mix kann dem einen oder anderen aber möglicherweise etwas zu experimentell rüberkommen, weshalb ich trotz persönlicher Überzeugung zum Reinhören rate.
Mona   
Punkte: 8.5 von 10
TRANSPORT LEAGUE - A Million Volt Scream  (Orange Vinyl)
Mighty Music
Wenn es um dreckigen, schweisstreibenden Rock'n'Roll und Heavy Boogie geht, sind die Schweden Transport League seit jeher ein Garant für vollwertiges Kraftfutter mit wenig Ballaststoffen. Aber wenn man über 20 Jahre lang unterwegs ist, möchte man irgendwann auch mal neue Wege beschreiten. Im Fall von Transport League bedeutet das, dass man sich auf Longplayer Numero 8 etwas experimentierfreudiger gibt als auch schon. In diesem Zusammenhang von Ballast im Sinne von Lückenfüllern zu sprechen, wäre allerdings schon etwas übertrieben. Ich würde es eher so formulieren, dass sich die Band auf dem aktuellen Rundling im Dienste grösserer Abwechslung vermehrt auf fremdes Terrain wagt, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. „1200 Goddamned“ ist eine sehr gelungene Mischung aus Clutch und Danko Jones, während man in „Vultures“ ziemlich deutlich hörbar White Zombie huldigt. “Monster Human” wiederum – man könnte es bei dem Titel schon beinahe erwarten – klingt wie aus der Feder von Mister Lordi, wobei die von Mastermind Tony Julien Jelencovich in Deutsch vorgetragenen Passagen unweigerlich auch an Rammstein denken lassen. Dazwischen liegt aber dann auch, wie schon angedeutet, der eine oder andere Track, für den ich mich einfach nicht erwärmen kann. Aber am Ende des Tages siegt dann doch die Erkenntnis, dass alles halb so schlimm ist, solange dieses teilweise fast zu bunte Sammelsurium zwischen gewohnten „Boogie from Hell“ – Krachern wie dem eröffnenden Titelsong, dem dämonischen „Greature Grunts“ und dem arschcoolen ZZ Top-Style – Boogie „Rabid Horizon“ eingepfercht ist. Dennoch haben die älteren Veröffentlichungen nach wie vor die Nase eindeutig vorn.
Mirko B.   
Punkte: 8.4 von 10
WAR OF AGES - Void  (Colored LP)
Facedown/Cargo
Holla, der amerikanische Fünfer War Of Ages, aus Erie, Pennsylvania, schiebt mit 'Void' bereits sein neuntes Werk nach. Was, War Of Ages? Nun, die Gläubigen unter uns kennen diese US-Truppe wohl schon länger, denn War Of Ages spielen christlichen Metalcore, will schreiben, keine satanischen Worte in den Texten zu 'Void'. Na, hört auf die Nase zu rumpfen, schlussendlich geht's doch beim Metal um gute Mucke, und eben besagte Mucke, tja, die zelebrieren War Of Ages ganz ordentlich. Ja, der Death-Metal-Freak wandelt auf christlichen Spuren und das ohne sich zu verraten, yep, heavenyeah! Nun, auf den 11 Songs wird gehörig gefrickelt für 'ne Metalcore-Combo, ja, man darf getrost sagen, da wird ordentlich geshreddert. Die Gitarren riffen sich leicht thrashig und deathig durch den Metalcore, teils brutal, teils melodiös und so wird's richtig schön abwechselnd und interessant gemuckelt. Die Soli sind kurz, prägnant, melodiös, shreddernd, gefrickelt. Der Tieftöner geht stolz seinen Weg und frickelt ab und an auch ganz mächtig mit den Klampfen mit, wohl bemerkt auch solimässig. Der Drummer schiebt ein progressives Pattern nach dem anderen hinterher, lockert alles mit Breaks auf, blasted, doublebasselt und schiebt die Walze konstant voran. Der Gesang ist sehr vielseitig, da leichtes growlen hörbar ist, doch meist wird im hardcorischen Bereich geshoutet, gescreamt und böse ... äh ... liebevoll böse gezetert. Alles in allem ist es ein recht abwechslungsreiches Werk, das sowohl thrashige, deathige, Pantera-like, hardcorige, deathcorige und eben viel Metalcore in sich beinhaltet. Ein sehr authentisches, starkes Cover-Artwork sowie die sehr druckvolle, saubere und hammermässige Produktion runden das neunte Werk gekonnt ab. Auch wenn mir der Bandname vorher nix sagte, ich werde mir da ganz bestimmt noch die älteren Werke zu Gemüte führen, denn es ist einfach verdammt heilige Scheisse goile Mucke. Heavenyeah!
Leopold   
Punkte: 8.4 von 10
LEE AARON - Power, Soul, Rock'n'Roll - Live in Germany
(CD & DVD - Digipak)
Metalville/Musikvertrieb
Während jüngere Rock- und Metalfans mehr auf Noora Louhimo (Battle Beast), Charlotte Wessels (Delain) oder Alissa White-Gluz (Arch Enemy) stehen, ist die mittlerweile 57-jährige Kanadierin halt den älteren Semestern wie mir ein Begriff. Bevor Doro Pesch (Ex-Warlock, Doro) den Titel der "Metal-Queen" zurecht erhielt, stand sie deswegen mindestens zwischen 1984 und 1985 mit Lee Aaron in Konkurrenz. Zwei Jahre später ging es mehr in die Richtung AOR/Melodic Rock, ehe in den 90ern dann Hardrock zelebriert wurde. Mitunter dank Nirvana verabschiedete sich die einstige Metal Queen ab der Mitte 90er aus der Wahrnehmung der Szene. Das jazzige Intermezzo des Jahres 2000 hinterliess ebenso keine Spuren mehr, ist aber in der Retrospektive dafür umso interessanter. Erst im Jahre 2011 horchte die Rockwelt wieder auf, als die damals 49-jährige Lee Aaron einen vielumjubelten Auftritt am "Sweden Rock" Festival absolvierte. Inzwischen zweifache Mutter geworden (Drummer John Cody ist bekanntlich ihr Ehemann und Vater der beiden Töchter), kündigte sie neues Material an, das dann jedoch erst 2016 mit dem ordentlichen Comeback-Album «Fire And Gasoline» erschien. Live war sie anschliessend 2017, unter anderem in Deutschland, unterwegs, wo sich auch ein Auftritt am BYH!!!-Festival ergab, der erneut für viel Freude sorgte, da sich Lee stimmlich wie optisch keine Blösse gab. Mit «Diamond Baby Blues» folgte letztes Jahr ein weiteres Studio-Album, das zwar keine grossen Stricke zerriss, da das Ganze insgesamt mehr Biss vertragen könnte. Live sieht das freilich etwas anders aus, und mit «Power, Soul, Rock'n'Roll - Live in Germany» erscheint nun ein Zusammenschnitt aus Balingen und Nürnberg von 2017, wo bereits auch der eine oder andere neue Song der aktuellen Scheibe zum Zug kam. Dazu gehört auch der Live-Opener «Mistreated», im Original natürlich von Deep Purple und später auch im Live-Set von Rainbow vertreten. Der wird von Miss Aaron zwar passabel intoniert, gehört hier aber keinesfalls an den Anfang! Vielmehr hätte der Balingen-Opener «Hot To Be Rocked» an diese Stelle gehört, der bei der ersten offiziellen Live-Scheibe an den Schluss gesetzt wurde. Letztlich viel wichtiger ist jedoch, dass Lee Aaron nach wie vor mit ihrem ausdrucksstarken Gesang punkten kann. Hier sind nach all den Jahren absolut keine Schwächen auszumachen, und nebst dem obligaten Klassiker «Metal Queen» verursacht vor allem «Barely Holdin On» eine wiederholt fette Gänsehaut! Die zusätzliche DVD enthält drei neue Videos der Songs «America High», «Diamond Baby» und «I'A Woman».
Rockslave
   
Punkte: keine Wertung
CRIMSON MOON - Mors Vincit Omnia  (CD)
Debemur Morti Productions
Crimson Moon sehen ihr neues Album als Hommage an Azrael, den Engel des Todes. Was hat das für Auswirkungen auf den Sound? Mit Kirchenglocken wird dieses unchristliche Werk mit "Vanitas" eingeläutet, und dann wird harscher Black Metal geboten! Was extrem cool ist, sind die immer wiederkehrenden Männerchöre. Majestätisch und erhaben kommt "Altars Of Azrael" aus der Gruft und tönt wie Immortal zu ihren besten Tagen. Mystisch wird es mit "Godspeed Angel Of Death". Stimmungsvoll baut sich dieser Song auf und es ist ungewiss, in welche Richtung er sich entwickeln wird. Aufgesattelt und ab die Post mit "Upon The Pale Horse" natürlich! Rasend schneller Black Metal wird geboten und blass ist nur das Corpsepainting, das die Band auf den Fotos zur Schau stellt! Durch Mark und Bein gehende Chöre stimmen "Parcae -Trinity Of Fates" ein und eine weitere Lektion in Black Metal der Güteklasse 1A wird von Crimson Moon geboten. Eiskalte Atmosphäre versprüht der Titeltrack "Mors Vincit Omnia"! Bei diesem Tempo kommt man fast nicht mehr mit! Aufgelockert wird dieser Song wieder durch die Männerchöre. Direkt aus der Gruft kommt "Funeral Begotten" und ist Black Metal, wie er sein sollte! Das Gekeife des Sängers ist erwähnenswert. Die Kirchenorgel hallt in "Tempus Fugit" nach, leider folgt nachher nur noch eine ungeniessbare Soundcollage. Leider ein unrühmlicher Abschluss eines geilen Black Metal-Albums, das aus diesem Grunde einen Abzug in der B-Note erhält!
Roolf  
Punkte: 8.4 von 10
AWAKE THE DREAMER – Damaged Souls  (CD)
Arising Empire/Warner
Das Debüt von Awake The Dreamer steht erst vor der Veröffentlichung und dennoch wird das Quintett bereits als Thronerbe von skandinavischen Melodic Metalcore/Post-Hardcore Bands wie Adept oder In Flames angepriesen. Die Jungs aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm, sind diesen Herbst bereit, mit „Damaged Souls“ die Welt zu erobern. Sie haben sich die Vorschusslorbeeren auf etlichen Touren in aller Welt, einschliesslich Grossbritannien, Europa, Japan und China redlich erspielt. Zu kaufen gibt es bis anhin nur eine Eigenveröffentlichung namens „Believe“, die im Juni 2018 herausgebracht wurde. Das wird sich diesen September definitiv ändern, denn die Skandinavier präsentieren nun endlich den lang ersehnten Debüt-Longplayer „Damaged Souls“. Die Platte wartet mit zehn Metalcore-Geschützen der Extraklasse auf. Weg von den 08/15 Phrasen dieses Genres und doch Bewahrer alter Klangtraditionen. Eine Mischung, die passt und ihrem Erfolg recht gibt. Sänger Max Andrén sagt dazu: „Ich bin wirklich von all der Unterstützung die wir schon erhalten haben überwältigt. Sowohl von Leuten mit denen wir gearbeitet haben, als auch von Fans überall auf der Welt. Die letzten zwei Jahre waren grossartig, aber das ist erst der Anfang und wir können es nicht erwarten, unsere neuen Songs mit euch allen da draussen zu teilen.” Es scheint sich zu lohnen, dran zu bleiben. Das ist erst das erste Kapitel.
Oliver H.  
Punkte: 8.3 von 10
ENDSEEKER - The Harvest  (LP)
Metal Blade/Sony
Yep, Schweden-Death ... Nein! Hamburger-Death! Yep, Teutonen-Death, hellyeah, als wären es die unehelichen Söhne von Entombed, Dismember, Unleashed, Grave und Konsorten. Mit 'The Harvest' bringt es der Hamburger Fünfer die 10 Tracks voll auf die Matte, will sagen, eine astreine Punktelandung. Mit dem Zweitling geht diese Reise sehr wohl, wohlwollend und gewollt weiter. Klar, auch hierbei, die genannten Anleihen zu den Bands dient zur vagen Orientierung, denn schlussendlich entscheidet ihr alle selbständig, was ihr mögt oder eben halt nicht, will es einfach noch erwähnt gehabt haben. So, schreiten wir voran, denn die zwei Klampfisten raffeln ihre Klampfen heftig mit einem typischen, schweden-behafteten Death-Metal, auch die zeitweise kurzen, leicht melodiösen und runtergeratterten Soli geben den Schweden-Geist ein Gesicht, nämlich Endseeker. Nun, der Tieftöner blubbert ebenfalls im besagten Stile und trägt zum Gesamtsound bei, banddienlich. Die Drums treiben mal Doublebass-mässig und dann wieder im simpleren Groove-Stil, unter der Zunahme vom Ride, heftig nach vorne. Tja, und dann der Sänger, der einem gewissen L.G. Petrov ausnahmslos das Wasser reicht, will schreiben, da wird in den bösestens, fiesesten und tiefsten gutturalen Stimmbänderwege gegrowlt, aber nochmals, klar unterscheiden sich die beiden Ausnahmeshouter voneinander, keine Frage. Auch sind die Growls bei Endseeker doch eher auch shoutend und screamend gegrowlt, also in sprachlich doch verständlicher Ansatzart und -weise. Ein geniales, düsteres Albumcover sowie die sehr gute und druckvolle, klare Produktion machen 'The Harvest' zu einem unvergesslichen Hörerlebnis.
Leopold  
Punkte: 8.3 von 10
ARK ASCENT - Downfall
Ascent Records
Prog aus UK, mit dem Ex-Shadowkeep-Sänger Rogue Marechal, DGM-Bassist Andrea Arcangeli, Sirenia-Drummer Michel Brush und -Gitarrist Jack Kirbi. Die Jungs spielen musikalisch viel mit der Dynamik, was man schon gut hört beim abwechslungsreichen "Point Of No Return". Wobei man gut die Dream Theater Einflüsse hören kann. "Sanctuary" beginnt mit starkem Synthie-Einsatz und steigert sich dann zur Doublebass-Nummer. Und über allem die starke Gesangsmelodie sehr gut gesungen von Shouter Marechal, der glänzt hier auf dem ganzen Album mit seiner kräftigen, variablen Stimme. "Darkest Hour" beginnt mit einem Hammer-Gitarrenriff, voll in die Fresse. Beim Refrain wird man dann sehr melodiös, wieder so ganz in DT-Manier, wirklich sehr gut, was die Briten hier abliefern. Mit der kurzen Klavierballade "Farewell" hat man Zeit etwas zu verschnaufen, bevor es dann wider schneller abgeht. Auch der Titeltrack wieder eine gut gelungene Prog-Nummer. Dann die Ballade mit akustischer Gitarre beginnend, steigert sich dann mit einem fetten Riff in eine Powerballade. "The End Of Time", ein 13 Minuten langer Prog Metal-Track, ist dann der absolute Höhepunkt dieses Albums. Von ruhig bis Hart ist alles dabei. Klavier, oder Hammer Riffs, krasse Breaks, ala Dream Theater. Atmosphäre und Doublebass. Und natürlich grossartige Vocals. Ich denke, das Debüt der Briten dürfte keinen Prog Metal-Fan kalt lassen.
Crazy Beat    
Punkte: 8.2 von 10
ONE HOUR HELL - Voidwalker  (2 LP Deluxe Edition)
ViciSolum Productions
Da kommt heftiger, thrashiger und deathiger Metal auf uns zugerollt und überschüttet dich mit genialem Songwriting. Der schwedische Fünfer lässt es ordentlich krachen, mit dem dritten Release namens 'Voidwalker'. Da kommt interessant gestalteter, thrashiger Death-Metal auf uns zu, jedoch nicht im besagten Schweden-Death-Style, sondern knallhart, so à la Soreption oder gar Spawn Of Possession, um den Soundteppich genauer zu umschreiben. 9 Songs, die zwei Gitarren haben, welche riffig brettern, welche mal akustisch, mal mit Melodiebögen, mal kurzen Soli uns umgarnen. Der Tieftöner kommt klar und deutlich daher, somit bildet er mit den zwei Quetschbalken eine solide Soundwand, und durch die druckvolle und saubere Bassproduktion erscheinen die Track sogar noch tighter und brutaler. Die Drums ballern, blasten, doublebassen und grooven nur so göttlich daher und treiben wohl jedem Zuhörenden das Nackengewebe und -geknöche in Wallung, will schreiben, ins Headbangen. Der gutturale Gesang ist sowas von brutal growlig, evil-mässig und tief, höllisch tief und es lässt die Brutalität des Songwritings emporsteigen. Ja, ab und an wird dieser Growl durch etwas höheren, sreamigeren Voices untermalt und machen es somit mehrstimmig, wie im technischen als auch progressiven Death-Metal oftmals eingesetzt und gebraucht. Nun, das Cover-Artwork ist hervorragend gelungen, die Ahnengalerie ruft ebenfalls, denn die Produktion von 'Voidwalker' ist extrem hart und kompromisslos gereift und lässt an Brutalität und Härte nichts zu wünschen übrig. Ein in allem hervorragendes, gar untypisches Schweden-Werk und überzeugt vollends.
Leopold    
Punkte: 8.2 von 10
TEMPLE OF DREAD - Blood Craving Mantras  (LP)
Testimony Records
Das ostfriesische Trio Temple Of Dread mit ihrem Debut 'Blood Craving Mantras' zelebrieren den guten, alten Death-Metal, yep, eben der Old-Schoolige. 8 Tracks haben sich auf den Erstling eingefunden und so wird dem Death-Metal alter Schule, so à la Benediction, Morgoth, Assorted Heap, Pestilence (Anfangstage), Death (ebenfalls Anfangszeiten), aber auch so an Venom und eben besagte Death, irgendwie durch die extrem shoutenden Vocals, nicht unbedingt gegrowlt, erinnert mich diese Mucke. Stets vorwärts peitschender Death wie das brandende Meer, wie die brennenden Wolken über die Geköpften ziehen, so präsentiert sich uns der Dreier. Die Gitarre sägt und rifft sich bizarr schneidend ihren Weg, untermalt mit schnellen und rasenden Soli, mal etwas melodiöser, doch meist einfach Slayer-mässig schnell. Viele Rhythmuswechsel balancieren das Monotone ins hörbare Lot. Yep, und deshalb ist der Vergleich mit 'Scream Bloody Gore' von Death oder 'Resurrection Absurd' von Morgoth auch nicht an den Haaren herbeigezogen. Dabei kommt auch der stets sauber und präzis eingesetzte Bass hervorragend zu der Gitarre zum Tragen und diese Kombination hält das Songkonstrukt sich stets ergänzend gut beisammen. Dann kommen auch die Doublebass-lastigen Drums daher, die mit thrashigen Patterns ausgestattet wurden, eben teils sehr monoton getrommelt - herrlich straight - sehr gut zur Geltung und setzen der Rhythmusfraktion eine hervorragende Konstante. Der Gesang erinnert tatsächlich an Chuck Schuldiner, manchmal auch an Cronos von Venom. Es ist screamender Gesang, nah' an der Grenze zum Growl, jedoch ist es kein gutturaler Gesang oder gar extremer Growl, eben old-school-mässig. Ein goiles Cover passt ebenfalls zur gezockten Mucke und die Produktion ist bretterhart und druckvoll gelungen. Ein Debut, das sich sehen lassen darf und verdammt viel Lust auf mehr macht. Herrlich!
Leopold     
Punkte:
8.1 von 10
HELLSINGLAND UNDERGROUND - A Hundred Years Is Nothing  (LP)
Wild Kingdom/Non Stop Music
Solche Musik kann nur aus Schweden kommen. Schon der Opener "Carnival Beyond The Hills" bestätigt das. Startet der Song noch als cooler 70er Jahre Rock-Song, wird er als Proggie/Samba-Track beendet, sehr cool gespielt. Macht sofort Lust auf mehr. Wer denkt, es geht so weiter, irrt sich hier. Es ist nicht so einfach, diese Band in ein Muster zu packen. Zu vielseitig ist ihre Musik. "Criminal Summer" zum Beispiel ist eine Ballade, die Spocks Beard auch nicht besser hingekriegt hätte, so aus der Nick D`Virgilio Sänger Phase. Uriah Heep-Klänge hört man dann im bluesigen Gewand bei "The Blessing & The Curse", herrliche Mischung. Und dazu eine klasse Klavierarbeit. "Rainbow`s Gold" dann eine starke Singer/Songwriter-Nummer mit schöner Gesangsmelodie, sehr locker gespielt. Country Rock gibt’s mit dem tollen "Elephant". Gefühlvoll mit Klavier startet "A Hundred Years Is Nothing" dann, ein wunderbares Gitarrensolo, mit sehr viel Gefühl, dazu die Snare betonten Drums, sicher ein Highlight auf diesem Rundling. Dem folgt das flotte "I Win You Lose I Guess" ganz starke Nummer. Bei "Pig Farm" kommt dann Country-Feeling auf, mit wunderbar gefühlvollem Gesang. Am Ende gibt’s musikalisch noch eine tolle Symbiose aus Pink Floyd und Procol Harum. Eine unglaublich schöne Nummer mit fantastischer Sologitarre. Wer 70er Jahre Rock mag, der musikalisch gesehen auf alle Seiten ein wenig ausbricht, dem dürfte das Album der Schweden ganz sicher gefallen.
Crazy Beat
     
Punkte:
8.1 von 10
BLOCK BUSTER – Losing Gravity  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Finnischer Hard Rock auf dem Hause Frontiers Music. Kann ja nicht schlecht sein, aber auch nicht ein neues super Highlight. Gut gemachter Gitarrenrock mit vielen Hummeln im Hintern und der nötigen Hitdichte servieren uns Block Buster. Dazu kommen auch ein paar moderne Akkorde («Gone By The Morning»), die aber nicht gross stören, sondern die Jungs mit einer weiteren Facette zeigen. Auch leicht funkige Elemente («Back From The Shadows») werden ins Ganze integriert. Und wenn wir schon in Finnland sind, dann darf ein Querverweis zu Reckless Love nicht fehlen. «Sweet Mary Jane» könnte der kleine Bruder einiger Tracks der Band um Sänger Olli Herman sein. Reckless Love darf man auch als Anhaltstipp sehen, denn Block Buster sind in einem ähnlichen Schnittmuster zu Hause. Es sind die Refrains, die sofort ins Ohr gehen («Would You Do It Again») und die fetzigen Rhythmen sowie die immer krachigen Riffs, welche aus «Losing Gravity» ein wirklich gutes Debütalbum machen. Tolle Leistung, aber sicher kein Meisterwerk, und darum bleibt es abzuwarten, was aus den Jungs nun werden wird. Eine Tour muss her!
Tinu     
Punkte:
8.0 von 10
NETHERBIRD – Into The Vast Uncharted  (CD)
Eisenwald
Ich wage mal zu behaupten, dass Netherbird nicht bei sonderlich vielen Leuten (inklusive mir) ein Echo auf dem Radarschirm geworfen haben. Obwohl die Schweden bereits seit 2004 aktiv sind und schon einige Werke veröffentlicht haben, kam die Truppe nie aus dem Schatten in das grelle Licht der Öffentlichkeit heraus. Ob sich das mit dem 5. Album „Into The Vast Uncharted“ ändern wird, bleibt abzuwarten, jedoch könnte der Aspekt, dass nun Fredrik Andersson (Ex-Amon Amarth) erstmals die Trommeln bedient und Dan Swanö die Geschichte gemastert hat, ein wenig das Rampenlicht auf sich ziehen. Geboten wird auf „Into The Vast Uncharted“ eine Mischung aus Melodic/Black und Death Metal, welche den Fokus klar auf Melodie und Atmosphäre legt, wer also die pure Brutalität und bedingungslosen Hass sucht, wird hier nicht fündig. Auch Leute, die auf einen Amon Amarth-Klon scharf sind, wären enttäuscht, denn Netherbird klingen glücklicherweise komplett anders, dies liegt einerseits klar am Black Metal-Einschlag, andererseits sind auch die Melodien viel feiner und weniger auf die Bierhalle getrimmt. Netherbird betätigen sich also definitiv nicht als Hit-Schmiede für den Trinkhorn schwingenden Met-Liebhaber, sondern gehen viel dezenter ans Werk, liefern viel Atmosphäre und ein paar richtig tolle Gitarren-Soli ab. Ich würde dabei so weit gehen und die Behauptung aufstellen, dass „Into The Vast Uncharted“ das bislang stärkste Album der Herren wiederspiegelt, auf dem verflucht viel stimmt, sofern man nicht eindimensional auf ein Subgenre fixiert ist. Liebhaber nordischer Melodien werden hier bestens bedient und man findet grundsätzlich schon beim ersten Durchlauf den Zündstoff, will bedeuten, dass „Into The Vast Uncharted“ kein Werk komplexer Strukturen oder irren Wendungen inne hat. Mit dem schnellen Opener „Saturnine Ancestry“ und dem folgenden Mid Tempo-Stampfer „Harvest The Stars“ gewinnt man schnell den Überblick, was auf dem Album zu erwarten ist, und wenn sich dabei das schwarze Herz erwärmt, darf bedingungslos zugegriffen werden.
R.K.     
Punkte:
8.0 von 10
BLACKRAIN – Dying Breed  (LP&CD)
Steamhammer/Musikvertrieb
Die Franzosen veröffentlichten schon fünf Alben und gehen nun mit «Dying Breed» ins Rennen. Der Titeltrack, als Opener gewählt, geht leider völlig baden, denn erst mit dem zweiten Song «Hellfire» zeigen die Jungs, was sie wirklich können. Fetzig zu rocken und mit einer gehörigen Portion Sleaze. Als kleinen Quervergleich darf man Crashdiet oder Crazy Lixx heran ziehen, bei denen auch die Melodie, das Riff und der Refrain im Zentrum stehen. Auch «Blast Me Up» hat diese in die Beine gehenden Momente, die keine Gefangenen machen und dank des Refrains zu einem Ohrwurm wird. «Nobody Can Change» lässt dann die punkigen Skid Row aufleben, und die Ballade «All Angels Have Gone» überzeugt mit softeren Momenten. Der Hit hört auf den Namen «We Are The Mayhem». Als würden Casanova, Mad Max und BlackRain einen Song zusammen spielen. «A Call From The Inside» könnte sich gut als Live-Granate entwickeln, und wer sich bis jetzt nicht mit BlackRain beschäftigte, sollte dies auf jeden Fall mit «Dying Breed» nachholen. Feinster Sleaze Rock mit vielen tollen Melodien und den entsprechenden Riffs lassen nichts anbrennen, sondern überzeugen von..., vom zweiten Song an.
Tinu     
Punkte:
8.0 von 10
BLOOD RED THRONE - Fit To Kill  (Transparent LP)
Mighty Music
Was darf man von einer Band nach 21 Jahren Bestand und acht Alben eigentlich noch erwarten? Alle Antworten bis auf "ein neuntes Album" sind aber rein subjektiv, denn über Musik lässt sich nur sehr begrenzt diskutieren. Fakt ist, dass bei Blood Red Throne noch immer die Flagge des skandinavischen Death Metals im Wind knattert und keinerlei neumodische Ausbrüche zu befürchten sind. Grooviger, eher midtempolastiger old school Norweger-Death mit Herz und Seele, immer wieder kleinen "twists und turns" welche die neun Songs auflockern, charmanten Soli und stabilem Gegrunze/Geschreie. Die Produktion ist modern aber homogen und verfügt über diesen speziellen Funken Magie welcher eigentlich nur Bands aus Norwegen oder Finnland hinkriegen, cool. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, aber Qualität sollte immer geschätzt und unterstützt werden. Reinhören.
Hardy     
Punkte:
8.0 von 10
EXCALION – Emotions  (CD)
Scarlet Records
Emotions ist bereits das zweite Album der finnischen Power Metaller Excalion nach einer fast sieben jährigen Pause bis 2017. Ihre Musik hat das Potenzial gross rauszukommen, wenn sie Live genügend präsentiert wird. Aus der Masse stechen die zehn Lieder trotzdem nicht heraus. Dafür klingen sie trotz ihrer Klasse zu austauschbar. Das war aber bereits vor 2010 das Problem der Finnen. Eigentlich schade, denn Lieder wie „Sunshine Path“, „Solitude“ oder „The Golden Horde“ sind alles andere als schlecht. Auch die Wahl auf den Sänger Marcus Lang war 2015 ein Glücksgriff. Er nervt nicht, sondern bringt den Liedern genau das, was sie brauchen. Wohltuend vermeidet er es, die ganze Zeit sein Melodien in Höhen zu singen, die er nicht beherrscht. Das macht Emotions zu einem kurzweiligen 54-minütigen Album, das man gut am Stück hören kann und immer wieder gerne in den Player reinlegt. Mit dieser Eigenschaft haben sie bereits 90 Prozent der Konkurrenz überflügelt. Was jetzt noch fehlt, sind drei oder vier Überhits, die Excalion an sie Sperrspitze der Szene katapultieren. Das Potenzial ist da. Und wer weiss, vielleicht schaffen sie das tatsächlich mit Konzerte. Auch wenn auf ihrer Webseite zurzeit noch keine Daten bekannt sind.
Roger W.     
Punkte:
8.0 von 10
FRANTIC AMBER - Bellatrix  (LP)
GMR Music Group
Wieder was Neues aus Schweden? Na dann spitz' ich mal die Lauscher. Die internationale Band aus Stockholm bringt ein weiteres Melodic Death Werk und die gewohnten Growls, die fast schon als Gefühlvoll empfunden werden können, umgarnen die Ohren gekonnt. Bellatrix (Lat. Kriegerin), so heisst die neue Scheibe und soll ein Tribut an vergessene Heldinnen sein. Diesmal gibt sich die Band um Frontgrowlerin Elisabeth Andrews recht brutal und der Begriff Frauenpower bekommt eine neue Bedeutung. Jeder Song behandelt eine andere vergessene, starke Frau/Kriegerin und die musikalischen Elemente entsprechen auch der Herkunft. Dies wird besonders beim Track Joshitai hörbar, wo japanische Musik auf Black Metal Elemente stosst. Da muss man erstmal drauf kommen und es dann auch noch umsetzen können. Das Konzeptalbum hat sich gegenüber dem Vorgänger insofern verbessert, als dass die Lieder nicht mehr so ähnlich klingen. Wer Melodic Death mag, wird also an Bellatrix Gefallen finden. Kaufen ist klar angesagt.
Mona     
Punkte:
8.0 von 10
INTO THE UNKNOWN - Breaking The Silence  (CD)
Vigilante Records
Irgendwie noch spannend - die Truppe schafft es echt, auf jedem Track sehr ähnlich, aber dennoch wieder anders zu klingen. Da paart sich Theatralik mit Rock, eine erst säuselnde, dann krächzende, schreiende, erzählende und beinahe weinerliche Stimme mit Keyboards, alles irgendwie aufgezogen wie eine Theatervorstellung, man kommt sich vor wie in einem entsprechenden Stück mit Akten, Szenen und einem wandelhaften Bühnenbild. Ist echt noch schwierig zu beschreiben, was für eine Art Sound Into the Unknown erschaffen, aber es lässt sich treffend im Bandnamen wiederfinden. Man taucht jedesmal in etwas Unbekanntes ein, und dennoch findet man immer etwas, das einem bekannt vorkommt. Hört selbst rein und entscheidet, das einzige, was ich mit Sicherheit sagen kann, ist: Standart und Einheitsbrei könnt ihr hierbei vergessen!
Toby S.     
Punkte:
8.0 von 10
GALLOWS POLE – This Is Rock
Pure Rock Records
Wer in dieses Album nur ein einziges Mal reinhört, der verliert. Denn was beim Erstkontakt langweilig wirkt, entfaltet von Mal zu Mal mehr Wirkung. Spannend dabei ist, dass es bereits beim Vorgängeralbum vor drei Jahren sehr ähnlich war. Gallows Pole veröffentlichten zwischen 1983 und 1989 zwei Alben. Jetzt sind sie seit elf Jahren aktiv. "This Is Rock" ist ihr sechstes Werk der neuen Ära. Der Name des neuen Albums ist dabei Programm. Gallows Pole sind nicht zwingend Metal, nicht zwingend Doom, nicht zwingend Hard Rock, sondern schlicht Rock. Dabei klingen sie oft ein wenig verträumt. Neu dazu gestossen ist Sängerin Dina Höblinger. Diese ergänzt Sänger und Bassist Alois Martin Binder auf wundersame Weise und ist definitiv eine Bereicherung im Gallows Pole-Universum. Teilweise singt sie auch die Leadstimme. Gallows Pole machen auf "This Is Rock" alles richtig. Die neun Lieder schaffen eine wunderbare Atmosphäre und lullen einen richtiggehend ein. Wer seine Ohren mit ruhiger Rock-Musik verwöhnen will, die trotzdem eine gewisse Härte aufweist, ist mit diesem Werk sehr gut aufgehoben.
Roger W.     
Punkte:
8.0 von 10
STARBORN – Savage Peace  (CD)
Iron Shield Records
“Nun ist Starborn bereit für die Welt, die Macht des Riffs sei mit euch!“ – so steht’s im Info-Sheet und mit dieser Aussage liegt man gar nicht so falsch. «Savage Peace» ist das erste full-length Album des Heavy / Power Metal-Quintetts aus Newcastle, England. Mit rasanten, ratternden, energiereichen Gitarrenriffs, -melodien und -soli, die oftmals an Judas Priest erinnern, wird der rote Faden durch «Savage Peace» hergestellt, welcher den Hörer in den Bann zieht und gute Laune verbreitet. Schnell wird klar, dass Starborn den Fokus ihrer Musik auf abwechslungsreiche, virtuose und powerreiche Gitarrenklänge gerichtet halten. Die Titellängen bewegen sich zwischen fünf und zehn Minuten, was für den typischen Heavy Metal eher überdurchschnittlich ist. Jedoch gibt es den Gitarristen Christopher A. Foley und Sean Atkinson einen grossen Spielraum, ihre Soli zu vertiefen, die Motive weiterzuentwickeln und die Energie aufzubauen. Oftmals sind in den Soli-Höhepunkten Einflüsse aus dem Progressive Metal zu finden, da sie sich teils so komplex, verworren und überwältigend entfalten. Sänger Bruce Turnbull bringt mit seiner kräftigen, hohen Stimme abermals Energie in das Gesamtbild Starborns ein und ergänzt somit die treibenden Rhythmen. Zudem wird sein Gesang mit Chor-ähnlichen Rufen und Einlagen unterstützt und akzentuiert. Also ja – ein Heavy Metal-Album, das Spass macht und in seiner Härte und Dynamik überwältigt. Definitiv was für alle Menschen da draussen, die sich gerne energische, verworrene und ergreifende Gitarrenklänge anhören!
Sina
    
Punkte:
8.0 von 10
ARISES - System  (CD)
Feel The Voice / SAOL
'System', das neue und erste Werk des kroatischen Fünfers. Was zelebrieren die Jungs auf 'System'? Nun, da gibt es viel Melodie, Thrash-Metal, jedoch auch speedige und powervolle Elemente kommen darin vor, gepaart mit akustischen Einlagen lassen die 9 Tracks sehr abwechslungsreich erklingen, zeitweise mit Elementen aus kroatischen Folksweisen, selbstredend intoniert in die metallische Spielweise von Arises. Sehr hymnenhaft, heroisch und druckvoll kommen die Songs rüber. Interessant ist auch der Umstand, wieviele verschiedene Stilrichtungen sich im Sound von Arises wiederfindet, denn auch etwas Modern Metal ist vorhanden, auf jeden Fall ist der Faktor Melodie ein tragendes Element auf 'System'. An was erinnert uns der Sound? Gute Frage, denn es hat sowohl was für Fans der härteren Fraktion, jedoch auch etwas für Fans des hymnenhaftigen Power-Metals. So, und nun kommen noch etwelche Synthesizer- und Keyboard-Elemente mit in den Sound hinein, was es auch noch leicht progressiv erscheinen lässt. Nun, die Maschine lässt den Synth-Sound erklingen, denn es gibt keinen Keyboarder im Line-Up. Kein Problem, da die komplexen Songstrukturen mich wundern lässt, wie Arises es live umsetzen wird. Nein, nicht einfach 'Knöpfchen' drücken, aber das soll nicht mein Problem sein und um wie immer ehrlich zu sein, diese Synthesizer-Einschiebsel kommen dem Gesamtsound sehr gut zu stehen, öffnet viele Türchen in den Bombast, also richtig heftige, atmosphärische Schwingungen. Nun, die Gitarren riffen sich doch eher thrashend durch die 9 Songs, mal wieder speedend, mal gepowert und gepfeffert, gepaart mit herrlichen Soli, die mal sehr virtuos shreddend als auch melodiös erklingen. Dann folgt da der Bass, der ebenfalls sehr virtuos die tiefen Noten betont und sich durchwühlt. Die Drums sind gefüllt von vielseitigen Patterns, doch auch die straighten, speedigen, thrashigen und power-metallischen Elementen kommen dabei nicht zu kurz. Der Gesang wandelt hauptsächlich im thrashigen Metier, betontes Shouten, gepaart mit teils sehr melodiösen Gesangsparts. Und dann - bei nicht allen Tracks - eben die untermalenden und füllenden Synth-Einsätze. Nun, um noch einen weiteren Anhaltspunkt zu geben, so erinnert 'System' etwas an Trivium, Gothic Slam, Pantera, Lazarus A.D. und Konsorten, wie ihr bemerkt, ein sehr weitreichendes Betätigungsfeld und es könnten noch einige Bands mehr dazugenommen werden. Dennoch, Arises sind stets eigenständig, keine Frage. Ein - schreiben und sagen wir mal - sehr typisches Artwork für den druckvollen Metal rundet zusammen mit einer ebenfalls sehr powervollen Produktion ein gelungenes Debut ab, ein Album, welches grenzüberschreitend in den Metalbereichen Gehör finden wird.
Leopold     
Punkte:
8.0 von 10
PIRANHA - First Kill (Digipak)
Ozmosis Records/Non Stop Music
Wenn man den den Bandnamen "Piranha" bei metal-archives.com eingibt, werden für die Schweiz gleich zwei Thrash-Combos ausgegeben, wobei die Ostschweizer Kapelle mit Ex-Battalion Klampfer Clode Hürrlimann ausser einem schon fast zehnjährigen Demo noch nichts veröffentlicht hat. Anders sieht das hingegen bei der Aargauer Version von Piranha aus! 2013 gegründet, fanden sich André "Squaller" Ellenberger (v), George "Skullshredder" Hauser (g/v), Oz "Atom Smasher" (g/v) und Reto "La Bestia" Hunn (d) zusammen. Nach dem Demo «My Revenge» von 2015 wurden vorab mal nationale Bühnen geentert. Am Bass half dabei Ralf W. Garcia (Wolf Counsel, Poltergeist) aus. In der Zwischenzeit bis heute reiften nun die Songs heran, die auf dem brandneuen full lenght Debüt «First Kill» zu hören sind. Da man offenbar gewillt ist, mindestens für eine gute Weile Gas zu geben, wurde das Line-up mit Dave "The Stack" C. Gugelot komplettiert. Der ehemalige Bassist von Killer und Lovechild hat definitiv wieder metallisches Blut geleckt. Auf dem Album ist er jedoch noch nicht zu hören. Die nötigen Bassspuren steuerten George und Oz bei. Insgesamt wurden zehn Thrash-Keulen eingehämmert, die der Stil-Schublade "Heavy Power Thrash with lots of melodic sparkels" zugeordnet werden können. Klingt so schon mal interessant, und der Opener «Chain Reaction» fällt dabei gleich mit der Türe ins Haus. Im Schmelztiegel von ordentlich thrashigem Heavy Metal mit deutlichen Shermann/Denner (Mercyful Fate) Gedächtnis-Gitarren fressen sich Piranha zerstörerisch durch den Fischteich. Interessant ist das Verschmelzen der Thrash-Grundroots mit metallischen Versatzstücken, die plötzlich mal kurz nach Savatage klingen und dann, wie bei «Turning Point», auch Slayer leicht streifen. Mercyful Fate in Reinkultur offenbart vor allem der Beginn von «For Your Own Security», ehe es nachher zunächst eine thrashige Bridge absetzt, um gleich anschliessend feinstem Heavy Metal zu huldigen. Die etwas krächzigen Vocals von André Ellenberger erinnern teilweise an einen gewissen Olve Eikemo alias Abbath und dürften insgesamt variantenreicher daher kommen. Positiv dem gegenüber stehen dafür die Backing Vocals der Kollegen. Auf jeden Fall passt das Gesamtpaket, das auf «First Kill» geschnürt wurde, optimal zusammen. Dabei schält sich deutlich mehr Heavy und Power als Thrash Metal heraus, was Piranha angenehm aus der Masse heraus ragen lässt. Die Reminiszenz hin zu King Diamond's erster Wirkungsstätte mögen nicht alle so empfinden wie ich, aber gerade weil der Sound vergleichsweise etwas flach geraten ist, wird damit die perfekte Brücke hin zu den 80ern geschlagen. Wer also voll auf die oldschool Heavy-Schiene abfährt, wird das Aargauer Brett «First Kill» vor allem auch live sehr wohl zu schätzen wissen!
Rockslave    
Punkte:
8.0 von 10
SONS OF APOLLO - Live With The Plovdiv Psychotic Symphony
(3 CDs + DVD + Blu-ray)
InsideOut Music
In der Live-Review zum Konzert von Deadland Ritual im Z7 erörterte ich das Thema rund um "Supergroups" und nannte dabei unter anderem The Dead Daises und Flying Colors. Wenn man sich nun das Line-up von Sons Of Apollo anschaut, nämlich Mastermind Mike Portnoy (Drums, Vocals/The Winery Dogs, Ex-Dream Theater), Derek Sherinian (Keyboards/Black Country Communion, Ex-Dream Theater), Billy Sheehan (Mr. Big, The Winery Dogs), Ron "Bumblefoot" Thal (Guitar/Ex-Guns n' Roses) und Jeff Scott Soto (Vocals/S.O.T.O, Talisman, Ex-Journey), hätte man diese Truppe auch locker aufführen können, ja eigentlich müssen. 2017 veröffentlichte das Quintett ihr Debüt-Album «Psychotic Symphony» und die anschliessende Tour, die mitunter auch in die Schweiz führte, erhielt überaus gute Kritiken. Der zeitweise etwas düster gehaltene Progressive Metal besitzt mit Sicherheit seine grösseren Momente, aber wirklich warm wurde ich mit dem Allstar-Ensemble bisher nicht wirklich, sprich ich verspürte kein Bedürfnis, mir diese Mucke regelmässig anzuhören, und da ich auch beim Schweizer Konzert nicht zugegen war, hatte ich Sons Of Apollo schon bald nicht mehr auf dem Radar, bis jetzt! Auf dem Tisch liegt ein monumentales, fast dreistündiges Live-Dokument, das am 22.09.2018 in Plovdiv (Bulgarien) in einem altehrwürdigen römischen Amphi-Theater aufgenommen wurde. Speziell war nicht nur der Auftrittsort, sondern dass erstens und insgesamt, jedoch in anderer Reihenfolge, gleich das ganze Debüt-Album durchgespielt (!) und zweitens im zweiten Teil ein komplettes Symphonie-Orchester mit Chor miteinbezogen wurde. Dieses durfte dann zusammen mit den Söhnen Apollos einige bekannte Rock-Covers untermalen, die zuvor über eine Befragung unter den Fans ermittelt wurden. Master Portnoy wählte davon diejenigen aus, die gut zum Orchester passten, das in Anlehnung an den Album-Titel des Erstlings in "The Plovdiv Psychotic Symphony" umgetauft wurde. So enthält der erste Teil des Sets überwiegend eigene Songs, während im zweiten Teil die Covers die Oberhand haben. Wie schon erwähnt, klingt vieles etwas sperrig, aber nicht alles. Ein Track wie «Alive» geht dank melodischem Refrain echt gut ins Ohr. Daneben lässt es sich Billy Sheehan, wie schon bei Mr. Big, auch bei den Sons nicht nehmen, seine Fähigkeiten am Bass anzupreisen. Etwas später kriegen dann Derek und Ron auch noch Gelegenheit dazu. Jeff Scott Soto mimt derweil den Zeremonienmeister mit Bravour und erfreut die bulgarischen Fans unter anderem mit lokalem Gesangsgut, eingebettet in ein gut antizipiertes Mitsingspiel. Der Reigen der Covers wird mit Led Zeppelin's «Kashmir» eröffnet und wandert mitunter über «Dream On» (Nazareth), «Diary Of A Madman» (Ozzy Osbourne), «Comfortably Numb» (Pink Floyd) oder «The Show Must Go On» (Queen) bis hin zu Van Halen mit «And The Cradle Will Rock», wo "Bumblefoot" beweist, dass er das Spiel von Eddie van Halen verdammt gut drauf hat. Obwohl Mr. Soto ein begnadeter Sänger ist, reisst einen längst nicht alles vom Hocker. Ausserdem gehe ich davon aus, ohne es aber zu wissen, weil ich das Videomaterial nicht erhalten habe, dass das Ganze am Bildschirm besser abschneidet. Hat man es sich mal am Stück angeschaut, reicht das für eine Weile bis womöglich gleich für immer.
Rockslave  
Punkte: keine Wertung
THE OKLAHOMA KID - Solarray  (CD)
Arising Empire/Warner
Nun denn, wohl an, ihr Recken. 'Solarray', der erste Longplayer der deutschen Modern-Metal-Recken, nach zwei EPs, kracht wohlwollend in die heiligen Redaktionshallen und mittlerweile quollend aus den Boxen. 11 Songs haben den Weg auf 'Solarray' gefunden und der alemannische Fünfer lässt es hierbei ordentlich in 'amerikanischer' Art und Weise krachen. Doch auch deathcorige Elemente finden den Weg auf 'Solarray', gepaart mit hardcorigen Pushes. Der typische, hämmernde Bass ziert sich mit kräftigen Einsätzen nicht, um auch dem Gesamtsound die Note draufzudrücken. Der Tieftöner wummert prächtig durch die Songs. Die beiden Gitarren raffeln und riffeln, dass die Späne nur so krachen. Aufgelöst wird es mit akustischen Parts, Melodiebögen und kurze Soli, welche nicht auf jedem Stück zu finden sind, wohl eher Melodiebögen. Der Gesang ist voll am Anschlag, es wird geshoutet, gescreamt und bös geschrien. Nein, ein Growl ist nicht dabei, es geht nicht in die gutturale Gesangesgruft. Die Drums treiben mal schleppend, mal Doublebass-mässig, meist jedoch in abgestoppten Patternbreaks durch. Ja, es gibt viele Breaks, welche dann die Rhythmusrichtung auch ankündigen. Es ist typischer, moderner Metal, der an ältere Bullet For My Valentine, Carnifex (teilweise), Stick Your Guns, Evergreen Terrace oder auch etwas an Hatebreed erinnert. Die Produktion kommt verdammt klar und doch druckvoll rüber, das Artwork lässt ebenfalls jubeln, denn es ist eher ungewohnt im Metalbereich, lässt jedoch die Vielseitigkeit der kompletten Mucke aufblitzen. Solides Werk, welches Fans von The Oklahoma Kid in Ekstase versetzen wird und sicherlich neue Fans dazu gewinnen wird.
Leopold    
Punkte:
7.9 von 10
BLACK MOOD - Toxic Hippies II  (CD)
Black Sunset/MDD
'Toxic Hippies II', eine Remineszenz an die bereits erschienene EP 'Toxic Hippies'? Nein, es ist eine eigenständige Fortführung und die dritte, longplayerische Veröffentlichung der genannten EP, ja, das Duo zieht gereifter die Sludge-Metal-Kehre und gibt auf den Geraden vollen Stoff. Ohkeh, live holen sie sich noch einen Bassisten auf die Bühne, doch es bleibt dabei, zwei Brüder sind Black Mood, aus Thüringen, die sich dem Sludge- und Doom-Metal sich eingeschrieben haben, jedoch mit Einflüssen aus dem Modern Metal- und Hardcore-Bereich. Soundtechnisch sind Einflüsse von Crowbar, Pantera oder Down zu nennen, hört man auch, doch auch hier ist wiederum die Eigenständigkeit an vorderster Front zu hören. 7 Tracks sind auf dem gesamten, vierten Output enthalten. Etwas kürzere, knackige und powerträchtige Songs, die mit viel Groove intoniert werden. Die Drums schreiten und peitschen fordernd stets straight to the point, gepaart mit einigen auflockernden Patterns, jedoch immer stets groovend. Die Gitarre ist schwer, sehr schwer, tief gestimmt, riffelt und raffelt die Riffs und Raffs konstant böse haltend, zusammen mit den groovenden Drums eine Fraktion und Union. Ja, es gibt auch akustische Momente mit feinen, kurzen, melodiösen Soli, jedoch ohne den ausufernden Soliakrobatiken anderer Instrumentalbeherrscher/-innen, will schreiben und sagen, Soli sind ansonsten nicht zu suchen wollend, was aber auch nicht weiter tragisch ist, denn die Macht der zwei Brüder lässt dies vollends locker ausblenden. Der Gesang geht ins shoutend Screamende, mit wütenden Hardcore-Gesangselementen verziert. Ein düsteres Coverartwork sowie eine sehr druckvolle Produktion rundet das interessante Werk namens 'Toxic Hippies II' ab, und Fans besagter Bands und Stilrichtungen werden ihre düstere und freudige Erwartung in diesen 7 Songs erlangen und erhalten.
Leopold 
   
Punkte:
7.8 von 10
GRAVEYARD - Hold Back The Dawn  (LP)
War Anthem Records
Hellyeah, die spanischen Graveyards mit ihrem mittlerweile vierten Longplayer, nebst diversen releasten EPs und Singles. Nun, Graveyard sind auch seit 12 Jahren mit von der Partie, somit bereits 'alteingesessen'. Nun, zelebriert wird auf 'Hold Back The Dawn' old-schooliger Death-Metal mit grossen Black-Metal-Anleihen, was die 8 Songs stark prägt und auszeichnet, will schreiben, eine interessante Mischung. Ja, es erinnert zeitweise auch wieder an die nordischen Bands, wie beispielsweise Carnage, Unleashed, Grave, Entombed oder Dismember, doch sind die Gitarren und der Gesamtsound hierbei nicht so dumpf wie bei den Skandinaviern, sondern geht dann schon in Richtung Autopsy oder Bolt Thrower. Die Drums prügeln leicht blastend stets nach vorne, Doublebass-mässige Patterns folgen unentwegt aufeinander. Die beiden Gitarren lassen schweres, leicht blackiges Riffgewitter über die 8 Songs prasseln, untermalt mit herrlichen Melodiebögen und melodischen Soli. Der Bass wummert in den Tiefen der Hölle, herrlich und wundervoll zu den beiden Gitarren und dennoch sticht er markant heraus. Der Gesang geht eher in den blackigen Bereich, jedoch ist er nicht typisch schrill, sondern eher dem deathigen Growl zugewandt. Auch das Cover-Artwork geht wohl gut in den Black-Metal-Bereich, somit wiederspiegelt es den Gesamtsound von Graveyard. Die Produktion ist sehr fett ausgefallen, druckvoll, wie es im deathigen Bereich so gang und gäbe ist. Nun, der spanische Fünfer aus Barcelona zelebriert den old-schooligen Death-Metal, wo die Grenzen zum Black-Metal verwischt werden, im positiven Sinne, es wird zu einer death-blackigen Angelegenheit zusammen gefügt und geschweisst, eine Walze, die unaufhörlich auf einen zurollt.
Leopold
 
Punkte:
7.8 von 10
ACID REIGN – The Age Of Entitlement  (CD)
Dissonance Productions
Die britischen Hardcore-Trasher von Acid Reign bringen ihre vierte Platte mit dem Titel „The Age Of Entitlement“ auf den Markt. Zwischen dem letzten und dem aktuellen Werk liegen sagenhafte 29 Jahre. Die Band um Howard H. Smith löste sich nämlich nach erfolgreichen Touren mit Dark Angel, Exodus oder Flotsam & Jetsam 1991 komplett auf. 2015 hatte Smith wieder Hummeln im Hintern und erneut Bock, Musik zu machen. Das Ergebnis findet sich nun mit völlig neuem Line-Up, Pete Dee (Bass), Paul Chanter (Gitarre), Marc Jackson (Drums) & Cooky (Gitarre) auf dem vorliegenden Silberling. Seit der „Wiedervereinigung“ haben sich Acid Reign einen Ruf als fantastische Live-Band erspielt. Ein hohes Mass an Energie wird freigesetzt, das die Fans zum Stagediven und gemeinsamen Moshen einlädt. Stimmlich ist Smith irgendwo zwischen Mike Muir (Suicidal Tendencies) und Bryan „Dexter“ Holland (The Offspring) einzuordnen, was die Scheibe sicherlich nicht zu einer meiner Favoriten macht. Dennoch besticht die Scheibe durch reichlich Druck und Power, was Songs wie „Sense Of Independence“ oder „Within The Woods“ zu geilen Mitspring-Hymnen macht. Auch die restlichen neun Songs haben mit Sicherheit an Qualität zugelegt, was auch den heutigen technischen Möglichkeiten zu verdanken ist. „The Age Of Entitlement“ ist vermutlich kein Album, das in der Metallandschaft riesige Spuren hinterlassen wird, dennoch im Kleinen Freude und ordentlich Spass bringen kann.
Oliver H. 
Punkte:
7.8 von 10
SAINT DEAMON – Ghost  (2Silver LPs)
Ram It Down Records
Nach zehn Jahren Pause veröffentlichen die schwedischen Powermetaller Saint Deamon ihr Drittwerk. Dieses offenbart ein ansprechendes Songwriting, zerstört dieses aber durch einen schwierigen Gesang, der mir Rätsel aufgibt. Denn: Bin ich, was Sänger betrifft, heikler geworden? Saint Deamon sind neben den Italienern Starbynary bereits die zweite Band in diesem Monat mit einem Shouter, der in meinen Ohren Schmerzen verursacht. Versuche ich das Gehörte zu analysieren, fällt mir auf, dass Jan Thore Grefstad die Töne ziemlich stark presst und dadurch arg an seine stimmlichen Grenzen kommt. Würde er anders singen, würde meine Bewertung wohl deutlich positiver ausfallen. Denn das Songwriting von Saint Deamon ist zwar nicht überragend, aber bewegt sich doch deutlich über dem Mittelfeld. Lieder wie „Captain Saint D“, „Limelight Dreams“ oder „Break The Sky“ bieten innerhalb des Heavy-/Power-Metal-Universums genügend Abwechslung, um auch über längere Spieldauer zu unterhalten. Mit diesem Gesang wird es bei mir aber zur mittelgrossen Tortur. Wer guten Power Metal hören möchte, kann hier gerne zugreifen, sollte aber vorher unbedingt reinhören. Denn schlecht ist anders, überragend aber auch.
Roger W.   
Punkte:
7.5 von 10
ROBERT TEPPER – Better Than The Rest  (CD)
AOR Heaven/Non Stop Music
Der Songwriter hat viele Lieder für Filme («Rocky 4», «Cobra») geschrieben und gehört zu den besten Sänger des AOR. In diesem Bereich findet sich auch «Better Than The Rest» wieder, das mit vielen Melodien, unterstützt von den Keyboards, Lieder bietet, die sofort ins Ohr gehen. Metal-Freaks und Hard Rock-Fetischisten werden dabei kaum auf ihre Kosten kommen. Trotzdem sollten tolerante Rock-Hörer hier ein Ohr wagen und sich Tracks wie «All That We Never Had», «My Yesterday» und «I Don’t Want To Make You Love Me» anhören. Cooles AOR-Futter mit einer sehr geilen Stimme vorgetragen, geht nicht nur zu einer Cabrio-Fahrt.
Tinu    
Punkte:
7.5 von 10
WHITE WARD - Love Exchange Failure  (CD)
Debemur Morti Productions
"Love Exchange Failure" ist das zweite Album der ukrainischen Band White Ward. Mit dem Titeltrack "Love Exchange Failure" nehmen uns White Ward auf eine sehr, sehr experimentelle Reise mit. Als Vergleich kann man Bohren und der Club Of Gore heran ziehen, denn hier geben Klavier und Saxophon den Ton an. Aber nur, bis aus dem Nichts ein Black Metal-Gewitter, inklusive Gesang, einsetzt. Ruhig und verträumt beginnt "Poisonous Flowers Of Violence", aber diese Ruhe ist nur von kurzer Dauer, denn jetzt ist hochmelodischer Black Metal angesagt. "Dead Heart Confession" greift auf die selben Stilmittel wie seine Vorgänger zurück und bietet nichts Neues. In der Hälfte des Songs darf sich die Saxophon-Abteilung ein wenig austoben. Mit einem unspektakulären Klavierintro startet "Shelter", und leider muss man das Geklimper zusammen mit einem nervenden Pfeifton über fünf endlos lange Minuten aushalten! Experimentell wird es mit "No Cure For Pain", und nun wird zu Beginn Loungemusik geboten, um nachher mit Vollgas abzugehen. Wie ein ruhiger Rocksong beginnt "Surfaces And Dephts" und ist wie sein Vorgänger in der Lounge-Ecke angesiedelt. "Uncanny Delusions" könnt als neuer Soundtrack zum nächsten James Bond-Film durch gehen, aber es folgen wieder heftige Ausbrüche, und so wird das Tempo immer mal wieder erhöht. Dieses Muster wenden White Ward in jedem Song an. Dieses Album hat seine interessanten Seiten, aber leider gibt es auch sehr viel Füllmaterial!
Roolf
  
Punkte:
7.4 von 10
MADDER MORTEM - Mercury (20th Anniversary Edition) (Re-Release)
Dark Essence Records
Die Norweger hatten nicht gerade Fortuna an ihrer Seite. Als dieses Album 1999 veröffentlicht wurde, machte kurz darauf ihre damalige Plattenfirma pleite und 3 Bandmitglieder verliessen die Band. Nun, 20 Jahre später kommt das Teil wieder an die Öffentlichkeit. Geprägt wurde die Musik der Norweger sicher durch die melancholische Stimme von Sängerin Agnete M. Kirkevaag. Das Ganze klingt durchwegs etwas depressiv und traurig, eine Mischung aus Gotik, Dark und Doom Metal. Egal ob "He Who Longed For The Stars" langsam und Doomig, "These Mortal Sins" Dark Metal, oder die Gothik Nummer "The Grinding Silence", über allem thront die mystische, traurige Stimme von Agnete. Kann einen ganz schön runterziehen, wenn man diese Musik zur falschen Zeit reinzieht. Etwas aus dem Rahmen fällt das abwechslungsreiche "Loss", hier geht’s auch mal etwas flotter zu. Dem entgegen steht das schleppende, doomige "Misty Sleep". Zum Schluss gibt’s noch drei neue Nummern, die allesamt nicht mehr so depressiv sind und dazwischen mit definitiv härteren Gitarren punkten. So sieht man, dass sich die Norweger in der Zwischenzeit sehr weiterentwickelt haben, definitiv in eine positive Richtung. Diese CD muss man nicht unbedingt haben, da die Norweger ja noch ein paar andere Alben am Start haben.
Crazy Beat  
Punkte: keine Wertung
SNOW BURIAL – Ostrava  (CD)
Prosthetic Records
Die Tinte auf dem Vertrag mit Prosthetic Records ist kaum getrocknet, schon bringen Snow Burial mit „Ostrava“ ihr zweites abendfüllendes Album raus. Während neun Tracks ist die Kollision von Schönheit und Terror des Weltgeschehens Thema. Ihre Wurzeln hat das Trio in der Heavy Metal-Szene von Chicago. Mit ihrem Debüt „Victory In Ruin“ haben sie sich bereits einen Namen unter den Fans gemacht. Das Album entstand unter anderem beim Experimentieren zuhause und auf Tour, die ständig neue Inspirationen bereithielt. Triumph und Niederlage, Feier und Trauer oder Isolation und Familie. Diese ständige Balance zu finden ist schwer und als Musiker wissen sie ganz genau, von was sie da berichten. Die Komplexität von modernem Lebensstil und heutiger Politik wiegt schwer und diese Last drücken Snow Burial in gebündeltem Post-Metal aus. Jeder Song ist stimmig und wirkt verdammt echt. Die Jungs lassen Gedanken zu Musik werden. Verzweiflung und Wut sind spürbar, besonders in den Songs („Sever The Bloodline“), die über verschiedene Tempiwechsel verfügen. Der Gesang ist sehr vielseitig, auch wenn er stellenweise etwas geknödelt klingt. Zum Headbangen bieten sich aber mehrere Stellen sehr gut an. „Ostrava“ bietet einen Mix aus aggressiven Melodien, doom- und sludgelastigen Parts sowie echten Rock n Roll Phrasen. Offenheit wird von den Hörern gefordert, wird aber mit Snow Burial auch belohnt.
Oliver H.  
Punkte:
7.4 von 10
THE BLACK WIZARDS – Reflections  (LP)
Kozmic Artifactz/Raging Planet
Der Opener “Imposing Sun” von The Black Wizards drittem Album ist schon mal eine klare Ansage nach Mass, wenn es um epischen Stoner Rock geht, der sich noch deutlich hörbar aus dem Honigtopf des Proto Heavy Rock längst vergangener Tage nährt. Dass die Portugiesen das Gestrige lieben aber dennoch nicht von gestern sind, offenbart sich zwar im zeitgenössischen Sound von „Reflections“, damit wäre jedoch die Affinität des Quartetts zur Moderne schon wieder ziemlich ausgeschöpft. Die Band zeigt auf der ganzen Scheibe eine grosse Vorliebe für ausufernde Songs im hypnotisierenden Acid Blues-Gewand, in denen sich Sängerin Joana Brito so richtig austoben kann und dabei mit ihrer leidenschaftlichen Performance gefährlich nahe an Übergöttin Grace Slick (Jefferson Airplane) herankommt. Ich hätte mir zwar deutlich mehr flotte Titel wie den eingangs Erwähnten gewünscht, aber „Reflections“ bleibt auch so, wie es ist, ein wertiges Produkt, denn die oft vorkommenden Ausflüge in die Welt der psychedelischen Musik sorgen für viel Bewegung und unerwartete Spannungsbögen. Natürlich sind sporadisch auftauchende Ähnlichkeiten zu unkaputtbaren Göttern der Schlaghosenfraktion fast unvermeidlich, z.B. Led Zeppelin in „56th Floor“ oder Black Sabbath im geradezu einlullenden Valium – Blues „Starlight“, aber die Band umschifft diese Klippen geschickt und souverän, indem sie einfach genügend eigene Elemente in die entsprechenden Songs einbaut und ihnen dadurch den eigenen, unverkennbaren Stempel aufdrückt. Wenn ich noch rauchen würde, würde ich es jetzt ernsthaft in Erwägung ziehen, mir einen Joint zu bauen, das will was heissen Leute. Hier ist der perfekte Soundtrack für Menschen, die schummriges Licht, Lavalampen und Patchouli-Räucherstäbchen lieben.
Mirko B. 
Punkte:
7.1 von 10
GRANDE ROYALE - Take It Easy  (LP)
The Sign Records
1. Meinung:
Auch wenn mir die ganze Angelegenheit hier etwas zu glattgebügelt ist, hat der Good Times Rock mit dem leichten Pop-Appeal von Grande Royale etwas an sich, das mich durchaus anspricht. Es könnte der sporadische Einsatz von Bläsern sein, der den entsprechenden Nummern eine flotte Swing-Note verleiht, es könnte der deutliche Abstecher in Richtung Southern Rock sein („Sweet Livin'“), der mich an die besten Momente von Truppen wie Little Ceasar oder The Four Horsemen erinnert, oder es könnten die Backgroundsängerinnen sein, welche dem Ganzen immer wieder Seele einhauchen. Es könnte aber auch der Einsatz von Sängerin Tove Abrahamsson sein („Hands Up“), der die Scheibe noch abwechslungsreicher macht, als sie eh schon ist. Oder liegt es am Ende doch an der astreinen Produktion, welche die tollen Songs in Hochglanz präsentiert, und an den omnipräsenten good Vibes, welche das Album sowieso konstant versprüht? Wahrscheinlich ist es die Summe aller genannten Faktoren. Tatsache ist jedenfalls, dass mich „Take It Easy“ gefesselt hat, weil die gelungene Symbiose aus (gemässigtem) schwedischem Schweinerock und feinstem, amerikanischem Southern Rock einwandfrei funktioniert. Wenn der Kopf von Anfang an mitnickt und der Rundling nach dem dritten Durchlauf immer noch nicht langweilt, dann ist das Verdikt eigentlich klar. Wer The Black Crowes, (flottere) Rolling Stones, The Answer und Southern Rock im Allgemeinen zu seinen Glücksbringern zählt, sollte sich das vierte Album der Schweden unbedingt zulegen.
Mirko B.   
Punkte: 8.8 von 10

2. Meinung:
Schweden und Rock'n'Roll geht eigentlich immer. Nun, Grande Royale spielen prinzipiell nichts Weltbewegendes, die 70er lassen grüssen, aber man merkt, dass sie den Sound wirklich lieben, das spört man aus jeder Note raus. Mein persönlicher Knackpunkt, wie fast immer, ist der Sänger - mir ist die Stimmlage einfach viel zu hoch, zu clean, zu angepasst. Vielleicht täusche ich mich ja auch, kann sein. Aber ich hätte hier gerne eine kratzigere Stimme gehabt, so bleibt mir einfach der Eindruck, man hätte es hier mit einer weiteren gesichtslosen Indie-Band zu tun. Einfach wegen dem Gesang. Wenn man aber diesen Punkt nicht so stark gewichtet wie jetzt ich, hat man ein ordentliches Rock-Album vor sich, das keinem weh tut, schön vor sich hin rockt und beispielsweise bei einer längeren Autofahrt für entspannte Atmosphäre sorgt.
Toby S.   
Punkte: 5.5 von 10
DOOMED TIMELINE THEORY – Outerwhite
Eigenvertrieb
Die lieben Klischees... Ausgerechnet aus dem Tessin, der Sonnenstube der Schweiz, erreicht uns dieses brachiale, finstere Stück Musik. Und wenn ich mir dann noch die fünf Musiker so anschaue, dann entsprechen auch sie nicht im Geringsten dem Ferienprospekt – Bild des heiteren Tessiners, das sind definitiv nicht die Kerle, mit denen man sich anlegen möchte. Mag der Modern Metal der Jungs, der zumindest teilweise von Pantera beeinflusst sein dürfte, auch nicht unbedingt zum Zeug gehören, das ich mir täglich reinziehe, muss ich ihnen zugestehen, dass sie ihr Handwerk verstehen und durchaus dazu in der Lage sind, ihrem Sound genügend verschiedene Facetten beizufügen, der ihn schlussendlich auch für einen alten, konservativen Knochen wie mich interessant macht. „Mourn“ ist ein gutes Beispiel hierfür, 03:37 kurze Minuten pure, tiefschürfende Meditation, wie ich sie auf so einer Scheibe nicht erwartet hätte. Das eröffnende „Canvas“ dagegen bewegt sich während ausgedehnten Passagen ausschliesslich auf dem tiefen C, welches lediglich durch rhythmische Variationen von Bass und Gitarre die nötige Portion Spannung erhält, wodurch ein Fundament entsteht, auf dem sich der Gesang wunderbar ausbreiten und austoben kann. Und der abschliessende Titelsong hätte durchaus auf das letzte Black Sabbath-Album „13“ gepasst, ohne dabei negativ aufzufallen, obwohl (oder gerade weil?) am Ende das furiose Finale durch eine typische Pink Floyd featuring Syd Barret – Passage eingeleitet wird. Signori, was erwartet ihr jetzt von mir? Dass ich schreibe, „Outerwehite“ sei der nächste heisse Scheiss, den sich jeder Metaller unbedingt zulegen muss? Das werde ich mit Sicherheit nicht machen. Aber für einen herzlichen Gruss aus der Nordwestschweiz ins Tessin reicht es allemal, begleitet von der Bemerkung, dass uns auch aus dem vermeintlichen „Metal-Brachland“ Tessin knackige und harte Klänge erreichen können, die absolut dem Zeitgeist entsprechen und über genügend Eigenständigkeit verfügen, um zumindest im nationalen Bereich bestehen zu können. Gut gemacht!
Mirko B.
 
Punkte:
7.1 von 10
VISCERAL DISGORGE - Slithering Evisceration  (Digipak)
Agonia Records
Das Debütalbum "Ingesting Putridity" kam 2011 heraus. Die folgenden acht Jahre tourte sich die Band den Arsch ab, spielte wahrscheinlich auf jedem "XY Deathfest" und etablierte eine loyale internationale Anhängerschaft. Und das mit einem einzigen Album. Jetzt erscheint der offensichtlich heiss ersehnte Nachfolger... aber auch nach fast 30 Jahren in den Fängen extremer Musik begreife ich dieses Brutal/Slam-Death-Untergenre immer noch nicht, scheisse aber auch. Umso schlimmer da sich die aktuellen Kritiken mit Lob und Sympathiebekundungen geradezu überschlagen, ich aber nur eine "okaye" Band höre, welche zwar viel Wert auf Rhythmus legt und ausgefeilte Saitenarbeit präsentiert, aber mit dem eintönigen Krümmelmonstergekrächze, den kunterbunten, augenkrebsverursachenden Shirtdesigns und der bierseligen "Metal macht Spass!"-Attitüde schlichtweg nicht meinen musikalischen Nerv trifft. Ich möchte das Können der Ami-Truppe keinesfalls schlecht reden, ist einfach ums verrecken nicht meine Baustelle. Die Zielgruppe wird sich aber auch ohne mein peinliches keine-Ahnung-Geschwurbel auf "Slithering Evisceration" freuen, der Rest darf ungeniert auch mal reinhören.
Hardy 
  
Punkte:
7.0 von 10
HOLY SERPENT – Endless  (LP)
RidingEasy Records
Dass Juliette Lewis (amerikanische Schauspielerin, u.a. „Cape Fear“, „Natural Born Killers“, „From Dusk Till Dawn“ u.v.m.) das zweite Album der australischen Doom-Rocker richtig toll findet, mag ich dem Quartett von Herzen gönnen. Sie muss es ja wissen, ist sie doch selber nebenbei (oder inzwischen schon fast hauptamtlich) seit gut 20 Jahren noch mit ihrer Combo Juliette And The Licks als Rocksängerin unterwegs. Ihr knappes Urteil „Sweet Meditative Apocalypse Sounds“ sagt jedenfalls über „Endless“ sehr viel mehr aus als die oft nichtssagenden Floskeln der Plattenfirmen, welche Neuveröffentlichungen beiliegen. Holy Serpent bewegen sich musikalisch im dicht vernebelten Gelände der schwermütigen, melancholischen Riffs. Diese tragen sie mit einer schon fast stoischen Brachialität vor, was im krassen Kontrast zur sanft vor sich hernölenden Stimme von Frontmann Scott Penberthy steht. Das Konzept „Fuzz–Orgie vs. Klagegesang“ geht an und für sich auch auf, nutzt sich aber im Verlauf des Albums doch etwas ab, was der Band wohl auch bewusst ist. So versucht Penberthy beispielsweise in „For No One“ etwas aggressiver zu klingen, was ihm aber aufgrund der nun mal naturgegebenen, limitierten Stimme nicht wirklich gelingt. Aber sei's drum, der Band gelingt es allemal, die Hochzeit zwischen melodischer Elegie und wuchtiger Härte zu vollziehen, was aus „Endless“ unterm Strich für all jene ein wertiges Doom – Statement macht, die offensichtlich auch an sonnigen Tagen den Kopf gerne hängen lassen.
Mirko B.
  
Punkte:
7.0 von 10
DRIVING FORCE - All Aboard
Eigenvertrieb
Hard/Heavy Rock made in Switzerland? Wird einen schweren Stand haben, das haben schon andere Combos wie Grey Monday erfahren müssen. Nun, mit "All Aboard" veröffentlichen die Herren ihr drittes Album, und ja, man rockt sich sehr ordentlich durch die Botanik, das gefällt. Was jedoch der ganze grosse Knackpunkt, wie bei so vielen Bands, ist die Stimme. Und hier haben Driving Force einen Sänger am Start, der seine Sache zwar gut macht - jedoch einfach zu vorsichtig, zu bedacht. Dabei hört man nur schon im Opener "Dog House" heraus, was da noch drin liegen würde, wenn der gute Herr aus sich heraus kommen würde. Zu so einem Sound gehört meiner Meinung nach einfach eine kratzig-rauhe Rockröhre, welche den Dreck und das Flair der Strasse beinhaltet. Driving Force könnten sicherlich weit oben mitmischen, aber mit dieser zurückhaltenden Stimme wird das leider nichts. Das ändert nichts daran, dass "All Aboard" generell gesehen eine gute Rockscheibe ist, einfach mit viel Luft nach oben. Getraut euch, ihr könntet es nämlich, davon bin ich überzeugt!
Toby S.
  
Punkte:
7.0 von 10
SUM 41 – Order In Decline  (CD)
Hopeless Records
Die Zeiten, in denen Deryck Whibley & Co. im Blink 182-Style über den Campus hüpfte und sinnloses „Blabla“ Inhalt seiner Texte war, ist lange vorbei. Ihr Debüt „All Killer No Filler“ hievte die Band damals in den Pop-Punk-Olymp. Es folgten seither fünf Alben, eine schmerzhafte Trennung und ein künstliches Koma. Statt über Mädels, Skateboards und Bier singen Sum 41 jetzt über Liebeskummer, Widerstand und Politik. Schon vor der Veröffentlichung der siebten Platte „Order In Decline“ präsentierte die Band die EP „45 (A Matter Of Time)“, in der das Quintett seine politische Ausrichtung deutlich macht. Die aktuelle Regierung kitzelt auch den letzten Tropfen Wut aus den Kanadiern, die sich in ihrer Kritik wohl eher auf Amerika als auf den Nachbarstaat beziehen. Musikalisch entfernen sich Sum 41 jedenfalls immer mehr vom Pop-Punk alter Tage und verteilen stattdessen Rise Against-Vibes auf der Platte. Mit Billy Talent-Gitarrenriffs, tightem Drumming und energiegeladener Hooklines toben sich Sum 41, während zehn Songs deutlich aus. Sie erfinden das Rad dabei keineswegs neu, sind wild und werden aber mit „Order In Decline“ langsam erwachsen. Als Beweis dienen die Titel „Turning Away“ und „The People Vs...“ Ein Grund dafür ist Schlagzeuger Frank Zummo, bei dessen Fills in „Eat You Alive“ man schlicht fassungslos ist: schnell, ideenreich aber immer dem Song dienend. Die zahlreichen rasanten Gitarrensoli gehen im Vergleich dazu unter, wie ein torpediertes U-Boot, und sie nerven. „Order In Decline“ ist kein Meisterwerk à la „Chuck“ geworden, aber unterhaltsam ist es allemal.
Oliver H.
  
Punkte:
7.0 von 10
NOEKK – Waltzing In Obscurity  (LP)
Prophecy Productions
Das Progressive / Doom Rock Zwei-Mann-Projekt, bestehend aus den Empyrium-Mitgliedern Markus Stock (Schlagzeug, Gitarre und Bass) sowie Thomas Helm (Gesang, Keyboard und Gitarre), veröffentlicht mit «Waltzing In Obscurity» ihr viertes full-length Album. Nach einer elf-jährigen Pause (ausgenommen einer in 2018 veröffentlichten EP) geht es mit ihrer sehr speziellen, atmosphärischen und fast schon unübersichtlichen Musik weiter. Unübersichtlich, weil die Lieder Noekks nicht wie üblicherweise eine Struktur enthalten, sondern weder Strophe oder Refrain noch irgendeine andere Form einer Unterteilung zur Orientierung erkennbar ist – das sieht dem komplexen Thema Progy ähnlich. Ihre Musik ist als sanft, verträumt, manchmal fast schon schläfrig zu beschreiben, obwohl teils auch groovige Riffs, rockige Zwischenparts und plötzliche Übergänge zu finden sind. Dennoch ist die Grundstimmung, die mit «Waltzing In Obscurity» übermittelt wird, düster, melancholisch und teils fast schon grotesk. Der Albumtitel ist daher perfekt gewählt. Die schweren, schleppenden Melodien werden mit ausgefallenen Rhythmen im typischen Progy-Stil begleitet, ohne dem erzeugten Nebel-Eindruck seine Wirkung zu nehmen. Das Keyboard spielt in ihren Kompositionen eine tragende Rolle, insbesondere, weil durch und durch mit unterschiedlichen Effekten gespielt wird – von reinen Klavierklängen bis hin zu skurrilen Elektro-Begleitungen. Durch das ganze Album hindurch sind mir mehrere Passagen aufgefallen, die stark an das typische Pink Floyd-Keyboard erinnern. Helms gebildeter und edler Gesang, der auch ruhig, schleppend und fast schon “im Trance“ wirkend ausfällt, passt gut zu den hoch komplexen Melodien und Rhythmen. Hier muss jedoch gesagt werden, dass seine Stimme durch die nicht vorhandene Struktur eher wie ein weiteres Instrument im Gesamtsound wirkt und der Liedtext nicht in den Fokus gesetzt wird. Ein sehr schwieriges Album, musikalisch gut, aber definitiv nicht jedermanns Sache.
Sina  
Punkte: keine Wertung
WARISH - Down in Flames  (LP)
RidingEasy Records
Früher mal, vor etwas über 40 Jahren, da mochte ich Punk. Aber als meine Idole von damals (The Clash, The Damned, Sex Pistols, The Stranglers etc.) zunehmend entweder in die seichten Gewässer der gefälligen Popmusik – oder der schrägen Alternativklänge (PIL…) abdrifteten, wandte ich mich sehr schnell gelangweilt von dieser Szene ab. Wäre „Down In Flames“ in dieser Lebensphase erschienen, dann wäre ich womöglich noch etwas länger am Ball geblieben, denn diese Scheibe versprüht genau jene dreckige Räudigkeit, die mich damals am Punk dermassen fasziniert hatte. Aber da das Leben erstens im Konjunktiv nicht funktioniert und zweitens jene bestraft, die zu spät kommen (frei nach Michail Sergejewitsch Gorbatschow), kann mich heute so eine Scheibe nicht mehr wirklich in ihren Bann ziehen. Natürlich kann man dem eben Gesagten entgegentreten, indem man Warish einfach zur topaktuellen Indie – oder Grunge Band deklariert (rein optisch hätte ich die drei Jungs auch hier verortet) und das Label „Punk Rock“ ganz aussen vor lässt, aber in meinen Ohren klingt dieses Album nicht grossartig anders als der schnoddrige Krach, den Ende der Siebziger Truppen wie Buzzcocks, Angelic Upstars, Sham 69 oder Cockney Rejects produziert haben. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass es das Trio meisterlich versteht, den rebellischen Spirit von damals authentisch zu reproduzieren, was einfacher klingt als es in Wirklichkeit ist. Wer auf dreckigen Punk steht, völlig frei von klebrig-süssen Happy-Pink-Punk-Bubblegum – Sounds und dafür vermischt mit dem kranken Horror – Flair von Misfits, The Cramps & Konsorten, der findet hier sein Glück. Nicht (mehr) mein Ding, aber trotzdem wirklich gut gemacht.
Mirko B.  
Punkte:
6.9 von 10
MAGNOLIA - Ta Tjuren Vid Hornen  (LP)
Transubstans Records
Ungeschickte Namenswahl, offensichtlich gibt es weltweit unzählige Combos, die sich nach dem allseits beliebten Ziergehölz benennen, nur diese eine hier scheint im World Weird Web einfach nicht präsent zu sein. Und da sich Magnolia aus Schweden nicht dem Metal sondern ganz und gar dem Siebzigerjahre Heavy Rock verschrieben haben, gibt nicht mal die sonst so wertvolle Wissensquelle Encyclopaedia Metallum was her. Dann muss ich mich eben auf die extrem karge Info von Transubstans Records und auf die von der Band vorgetragenen Musik berufen. „Ta Tjuren Vid Hornen“ ist bereits das siebte Album der 1994 gegründeten Truppe, die sich auf Einflüsse wie Cream, Mountain und deren quasi Supergroup – Kollaboration West, Bruce and Laing beruft. Und genau dies ist der Punkt, an dem ich einhake. Man bemüht sich zwar redlich, aber das Trio erreicht zu keinem Zeitpunkt der rauen Charme und die phasenweise ausbrechende schiere Energie der grossen Originale. Dazu fehlt es Magnolia erstens an den grossen Hooklines, die sich auf immer und ewig im Gehör festfressen, und zweitens am Mut zu furiosen Jams. Die Ansätze dazu sind zwar da, man höre beispielsweise das sehr schöne Orgelsolo im Opener „Tidsresenär“, aber genau dann, wenn man erwartet, dass der instrumentale Sturm losbricht, kehrt die Band zum Song zurück und man hat unweigerlich den Eindruck, hier sei eine Chance verpasst worden. Das ist sehr schade, denn die Attitüde und die genetischen Anlagen zur Schaffung kerniger Rocksongs im Stil der oben genannten Vorbilder sind offensichtlich vorhanden, das beweist ein Track wie „Sandslott“ eindrücklich. Die Band müsste einfach ein bisschen wagemutiger sein und ihre kompositorische Zurückhaltung ablegen. Dann könnte auch ein sehr gutes Album entstehen; dieses hier ist zwar absolut gut und hat durchaus seine Lichtmomente, die jeden Retro – Fan mit Freude erfüllen werden, aber meiner Meinung nach hätten die Jungs mehr aus sich herausholen können.
Mirko B.  
Punkte:
6.9 von 10
VOKONIS - Grasping Time  (CD)
The Sign Records
Das schwedische Heavy/Prog Metal-Trio, kommt hier mit ihrem dritten Album daher. Wild und rau kloppen die Nordmänner ihre Songs aus den Instrumenten. Zwischendurch streut man ruhige, fast Pink Floyd-artige Parts in die einzelnen Songs ein wie bei "Antler Queen" Auch beim fast 10 Minuten langen "Sunless Hymnal" ist das so, wenn’s dann laut wird sind vor allem die Drums sehr laut und wild. Immer dabei viele laute Cymbals, die das Ganze noch kräftiger und wilder erscheinen lassen. Auch schräge und tiefer gestimmte Gitarren prägen die Songs. Viel Distortion ist da zu hören. Strange Gesänge machen das Ganze oft gewöhnungsbedürftig. Keine einfache Kost, die uns da die Schweden präsentieren. Auch hört man ein paar Mal Black Sabbath-artige Riffs raus. Der Prog-Anteil hält sich in Grenzen, man setzt oft eben auf schwere Riffs und massig Drums, die dominieren meistens, sind fast etwas zu weit im Vordergrund. Die schwere Musik der Nordländer ist sicher nicht jedermanns Musik, ich würde vor dem Kauf unbedingt mal reinhören.
Crazy Beat  
Punkte:
6.9 von 10
FOREST FIELD – Seasons  (Digipak)
Rock Company
Das hier ist das fünfte Album der Progressive-Truppe Forest Field. Was schon mit dem Opener «Delta Hours» auffällt, ist, dass die Herren sehr viel Wert auf Melodien legen. Das wird mit «Change The World» weitergeführt. Dominierend sind die Keyboards, die vom Holländer Peter Cox eingespielt wurden, wie alle anderen Instrumente auch. Unterstützt wird er dabei von Sänger Phil Vincent. Das Duo hat auf «Seasons» sicherlich interessante Tracks veröffentlicht, aber einen Nicht-Proggie wie mich lässt das Material kalt. Es sind diese alles übertrumpfenden Keyboards, die alles in Grund und Boden stemmen und mit der Zeit für meine Ohren zu viel des Guten sind. Wer aber auf Bands wie Genesis und Marillion steht, sollte hier vielleicht einmal ein Ohr wagen...
Tinu  
Punkte:
6.9 von 10
FIREBREATHER - Under A Blood Moon  (LP)
RidingEasy Records
Wenn sich drei bärtige, schwer tätowierte Schweden zusammentun, um zu musizieren, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass das Resultat nach „Hello Kitty auf dem Ponyhof“ klingen wird. Zur Bestätigung dieser These schicken uns die Leute von RidingEasy Records diesen Monat u.a. die zweite Scheibe von Firebreather aus Gothenburg. Erwartungsgemäss liefern darauf die drei Waldschrate mit dem vielsagenden Credo „Riff Worship“ wüsten Schlechtfühl – Doom mit einer ganz heftigen Sludge – Kante. Wer es also in Sachen Doom eher verträumt-melancholisch mag, kann hier gleich aufhören zu lesen und sich wieder Truppen wie Avatarium zuwenden. Alle anderen können versuchen, diesen Brocken zu verdauen, es wird aber nicht ganz einfach sein. Den Hörer erwartet ein nicht enden wollendes Riffgewitter, das nur sehr selten durch etwas ruhigere Passagen an Dynamik gewinnt und durch das konstant angepisste Gebelle von Gitarrist Mattias Nööjd schnell wieder ins gewohnt stürmische Fahrwasser zurückfindet. Positiv am der ganzen Geschichte ist allerdings, dass die Jungs Heavyness nicht mit Schwerfälligkeit gleichsetzen, womit die meisten Nummern im mittleren bis angehobenen Tempo angesiedelt sind und schleppende Passagen eher punktuell eingesetztes Mittel zum Zweck sind. Wessen Herz bei der Musik obskurer Truppen wie Ocean Chief, Nonsun oder CHRCH Freudensprünge macht, kann bei dieser etwas flotteren Variante bedenkenlos zugreifen.
Mirko B.  
Punkte:
6.9 von 10
SUN’N STEEL – Wheel Of Time
Eigenvertrieb
Dunkel erinnere ich mich noch an eine Schweizer Truppe, die mit dem Debütalbum «Writings On The Wall» 1998 auf sich aufmerksam machte. Allerdings verlor ich die Jungs aus Schaffhausen aus den Augen. Nun dreht sich die dritte Scheibe der Helvetier in meinem Player, und ich bin gespannt, was ich zu hören bekomme. Guten Hard Rock, der geprägt wird von den Keyboards und der prägnanten Stimme von Sänger Walter Schutz. Die Keys sind mir aber zu stark im Mittelpunkt und Vordergrund. Mit mehr Gitarren im Gepäck würden die Songs garantiert eine Spur kantiger und eckiger klingen. Was die Herren fabrizieren klingt sicher spannend, aber kann leider mit dem internationalen Standard nicht mithalten. Ausser «Line Of Fire», die Ballade «Rain Of Tears» und «Russian Roulette» bleibt nicht viel hängen. Wer aber CH-Bands eine Chance geben will, liegt mit Sun'n Steel nicht falsch. Gut gemachter Hard Rock hatte noch immer seine Berechtigung.
Tinu  
Punkte:
6.8 von 10
ANOXIA – To The Lions  (CD)
Mighty Music
Von den Dänen Anoxia habe ich bis dato noch nie etwas gehört, obwohl es die Truppe immerhin schon seit 1996 gibt. Das vorliegende Album „To The Lions“ ist also eine absolute Premiere. Ihr Debüt „Melanchollision“ stammt aus dem Jahre 2003, der Zweitling „A Lapdance For The Devil“ aus 2010 und nun folgt 2019 der dritte Streich. Musikalisch bewegt sich die Band irgendwo zwischen Melodic Metal und klassischem Metal. Ab und zu wird auch an der Schwelle zum melodischen Thrash gekratzt („These Chains“). Spielerisch wirken Anoxia sehr fit, sie sind auch bemüht, all zu platte Songschemata zu vermeiden, verschonen den Hörer mit Schunkel-Refrains und bauen lieber mal den einen oder anderen Break mehr ein. Rein musikalisch kann sich das alles hören lassen und klingt vor allem weder kitschig noch angestaubt, sondern durchaus zeitgemäss. Was für mich allerdings ein Problem darstellt, ist oft die Stimme des Sängers. Wenn die nicht gerade in chorale Passagen gepackt ist, klingt das ganze Paket irgendwie... nach nichts. Dünn und ohne Ausdruck, was sich auch auf die Musik niederschlägt. Das Cover von „To The Lions“ kann dieser Kritik ebenfalls angehängt werden. Ich persönlich finde es immer etwas gefährlich, wenn die Promosheets „ für Fans von... “ propagieren, denn mit Stimmgewalten wie Rob Halford (Judas Priest) oder Bruce Dickinson (Iron Maiden) hat das Organ von Lars Frederiksen wirklich nichts gemeinsam. Dabei handelt es sich aber nur um meine bescheidene Meinung und tut der guten Musik des Albums natürlich keinen Abbruch.
Oliver H.  
Punkte:
6.8 von 10
ECSTATIC VISION - For The Masses  (LP)
Heavy Psych Sounds Records
Bewusste Irreführung oder schnöder Eikettenschwindel? Denn dieser Rundling ist alles, was man will, ausser „For The Masses“ im Sinn von massenkompatibel. Die Amis wildern auch auf ihrer dritten Scheibe völlig hemmungslos im weiten Universum der verdrogten Klänge herum, was in einem Sound resultiert, der wie ein ziemlich kaputter Bastard aus Hawkwind und Monster Magnet kombiniert mit kleinen MC5-Schlenkern („Like A Freak“, „Grasping The Void“) klingt. Keine Ahnung, was man sich an natürlichen und synthetischen Substanzen so alles einverleiben muss, um solche Songs zu produzieren, aber Fakt ist, dass diese 35 Minuten musikalischen Eskapismus' etwa gleich intensiv sind, wie wenn man während der gleichen Zeitspanne in ein sich unaufhaltsam drehendes Kaleidoskop hineinglotzen würde. Und die Tatsache, dass verschiedene Bandmember neben den obligatorischen Schlag- und Saiteninstrumenten auch noch Exoten wie Orgel (geht ja noch), Flöte und Saxophon beherrschen und diese selbstredend auch einsetzen, macht die Sache nicht unbedingt leichter zugänglich. Wie auch immer, für Fans, die sich gerne mal das Hirn mit repetitiv vorgetragenen Riffs, sphärischen Keyboardklängen und stellenweise schon fast schamanischem Gesang wegblasen, ist diese Truppe mit Sicherheit eine interessante Angelegenheit. Natürlich ist die Heirat aus Space Rock, Stoner Rock und Psychedelic Rock mittlerweile alles andere als innovativ, dennoch habe ich den Eindruck, dass Ecstatic Vision mit ihrem etwas orthodoxeren Ansatz, bezogen auf die völlig unbekümmerte Experimentierfreude der Genre-Urväter, der eh schon kunterbunten Welt des Heavy Psych einen weiteren Farbtupfer hinzugefügt haben. „For The Masses“ ist genau das Richtige für Menschen, die ebenso verrückt und ausgeflippt sind wie die Musiker dieser Band selbst.
Mirko B.  
Punkte:
6.8 von 10
VORTEX - Them Witches  (CD)
Gates Of Hell Records
Bei dieser Veröffentlichung hatte ich ein Déja vu. Auf der Suche nach mehr Hintergrundinformationen stiess ich auf YouTube auf den Videoclip „Open The Gate“ zum gleichnamigen Titelsong des zweiten Albums der Heavy Metal-Veteranen aus Holland. Irgendwann während meiner Sturm und Drang – Phase in den frühen Achtzigern muss ich dieses filmische Kleinod schon mal gesehen haben, denn den verfilmten Schenkelklopfer mit hohem Fremdschämfaktor kann man eigentlich fast nicht vergessen, ausser man versucht das Gesehene zu verdrängen. Nun ja, ich will ja mal nicht zu sehr übertreiben, waren halt noch andere Zeiten damals, und die Musik zum Clip ist eigentlich nach wie vor ganz passabel. Dass allerdings „ganz passabel“ nicht gleichbedeutend mit „gut“ oder gar „toll“ ist, erklärt gleichzeitig die Tatsache, dass ich damals Landsleuten wie Bodine oder Picture den Vorzug gegeben habe, daran wird auch dieses „neue“ Album nichts ändern. „Them Witches“ besteht aus Demosongs, die eigentlich für eine dritte LP vorgesehen waren, welche 1987 hätte erscheinen sollen, was aus mir nicht bekannten Gründen offensichtlich nicht geklappt hat. Die Tracks wurden jetzt digital aufgearbeitet bzw. kurzerhand neu aufgenommen und bieten eine gute Idee davon, wie damals guter aber auch durchschnittlicher Heavy Metal aus Kontinentaleuropa klang. Das heisst, im Ansatz wären durchaus wirklich gute Ideen vorhanden gewesen, aber bei der Umsetzung hätte man noch an den Details herumfeilen dürfen, zumal der natürlich auch in die Jahre gekommene Frontmann öfter mal neben der Spur liegt. Irgendwie erinnert mich das Ganze ein Bisschen an die damaligen Szenen in Österreich und Italien, welche zwar durchaus wertige Truppen hervorgebracht hatten (Maniac, No Bros., Vanadium, Steel Crown…), die aber gemessen an der internationalen Konkurrenz nur verlieren konnten, weil die musikalischen Vorbilder (Saxon, Judas Priest, Iron Maiden) vor allem kompositorisch die Nase stets vorn hatten. So bleibt denn auch „Them Witches“ ein zwar musikhistorisch interessantes Exemplar, das unter den Liebhabern und Nostalgikern seine Abnehmer finden – aber ansonsten in der heutigen Flut der Veröffentlichung untergehen wird.
Mirko B.
 
Punkte:
6.7 von 10
RAM - The Throne Within (Gatefold, Poster, LP + Digital Copy)
Metal Blade/Sony Music
Eines gleich im Voraus und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier wohl mehrheitlich bei den jüngeren Lesern und Metalheads unbeliebt mache, aber mit RAM konnte ich bisher noch nie wirklich was anfangen. Der Vergleich mit Judas Priest mag vom Sound her seine Berechtigung haben, aber was das Songwriting angeht, besteht da ein himmelweiter Unterschied, den man nun auf das 20. Bandjubiläum hin mit dem sechsten Longplayer unter dem Titel «The Throne Within» dezimieren will. Frontmann Oscar Carlquist würde dabei wohl gerne wie Rob Halford performen können, doch auch hier gibt es Defizite, die vor allem live nicht zu kaschieren sind. Von der Instrumentierung, respektive den technischen Fähigkeiten her, gibt es allerdings nichts zu mäkeln und die Produktion geht auch in Ordnung. Nach dem ersten Durchlauf bleibt bei mir aber erneut kaum was hängen. Der Opener «The Shadowwork» ist dabei schon mal ziemlich schwach und schlicht langweilig ausgefallen und auch «Blades Of Betrayal» markiert bloss metallische Dutzendware ohne echte Earcatcher-Qualitäten. Einzig das Anfangsriff von «Fang An Fur» verspricht Besserung, die unter dem Strich jedoch ebenso wenig eintritt. Was soll ich hier also noch gross dazu ausführen Leute? Die Reminiszenzen an Judas Priest sind, wie schon (fast) immer, wiederum im Übermass vorhanden, aber die Qualität der Songs hinkt auch nach zwei Dekaden gewaltig hinterher. Der von RAM zelebrierte Heavy Metal besitzt definitiv zu wenig Eier, um wirklich nachhaltig was vom Stapel reissen zu können. Darum braucht der Slave jetzt dringend wie zwingend den «Sinner» der Priester in der Live-Version von 1982, damit meine Gehörgänge überhaupt wieder aufnahmefähig werden!
Rockslave 
Punkte: 6.5 von 10
STARBYNARY - Divina Comedia – Purgatorio  (CD)
Art Gates Records
Hier trifft unkontrollierte Kreativität auf eine nervende Stimme. Zumindest fühlt sich für mich dieses Album so an. Diese italienischen Progressive/Heavy-Metaller hauen seit der Gründung 2013 ihr drittes Album raus. Auf stolze 70 Minuten bringen es die zwölf Lieder. Und spätestens ab der Hälfte stelle ich mir zwei Fragen: Habe ich aus Versehen den Repeat-Modus eingeschaltet - und wann hat diese Qual endlich ein Ende? Ich lese daraus: 1. Die Stimme von Sänger Joe Caggianelli verursacht bei mir Ohrschmerzen. 2. Auch ohne diese Stimme wären die Lieder schlicht zu langweilig arrangiert. Versuche ich den Gesang auszuklammern, höre ich eine äusserst einfallsreiche Band, die auf hohem Niveau musiziert. Die Italiener scheuen sich nicht davon, Frauen- und Gekeif-Stimmen einzubauen und neben Englisch auch immer wieder Italienisch zu singen. Auch die Wechsel von Heavy Metal, zu Elementen aus der Klassik und härteren Metal-Spielarten zeugen von einer grossen Experimentierfreudigkeit. Die Voraussetzungen für grossartige Lieder wären also gegeben. Was fehlt ist jemand, der dieses überbordende Ideenreichtum in stimmige Lieder umwandelt. Für mich sollte zudem der Sänger seine Frequenzen ändern. Da er allerdings noch genau so klingt wie auf den 2005er- und 2007er-Alben seiner früheren Band Derdian, dürfte das schwer werden. Also wäre doch ein Wechsel am Gesang die bessere Variante. Aber klar: 1. Habe ich die Erfahrung gemacht, dass es bei Prog entweder klickt macht oder nicht, und man, 2. einen Sänger gut oder schlecht findet. Wer also ein Ohr riskieren möchte: nur zu. Ich werde mir dieses Stück Musik aber sehr lange nicht mehr anhören.
Roger W. 
Punkte: 6.5 von 10
UNRULY CHILD – Big Blue World  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Sie tummeln sich noch immer im soft/hart rockenden Universum. Unruly Child, die Band um Sängerin Marcie Free. Die ersten Scheiben fand ich noch sehr interessant, während mit den letzten Releases ein bisschen das Flair verloren ging. Logisch schreiben die Herren noch immer gutes AOR/Hard Rock-Material, aber so richtig "kicken" kann mich das neue Zeugs nicht mehr. Gute Ansätze werden schnell durch bekannte Strickmuster ergänzt und lassen in mir eine gewisse Langeweile aufkommen. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn die Songs mit einem erdigeren Sound versehen würden. So besitzt dieses Album, das durchaus seinen Reiz hat, aber auch seine eher "belanglosen" Momente.
Tinu 
Punkte: 6.5 von 10
VAK - Loud Wind  (CD)
Indie Recrdings/Irascible
Während ich mir diese Scheibe anhörte, kamen mir immer wieder Ghost Brigade in den Sinn. Vom Feeling her sind VAK den Herren gar nicht unähnlich und spielen auch sehr gerne mit den Post/Ambient-einflüssen herum, bis eine apokalyptisch-endzeitliche Stimmung vorherrscht. Passt ja auch zum langsam aufziehenden Herbst. Gesungen wird nicht sehr viel, wie es sich halt für den Post-Bereich gehört, aber wenn, dann in einer Art Schreigesang, der meiner Meinung nach zu fest in den Hintergrund gemischt ist und sehr viele Phrasen beinahe Mantra-artig repetiert. Kann man machen, für mich persönlich ist die Chose zu abgefuckt, zu sehr auf ach-so-endzeitlich getrimmt. Wer jedoch mit dem Post-Genre genrell was anzufangen weiss, der könnte mit VAK doch noch seine Freude haben.
Toby S. 
Punkte: 6.5 von 10
PANDEMONIUM - Monuments of Tragedy  (CD)
Black Lodge Records/Non Stop Music
Der Blackened Death Metal aus Schweden wird durch ein dramatisches filmmusikmässiges Intro eingeleitet. Na wenn das nicht vielversprechend anfängt. Grandiose Eröffnung, doch danach scheint sich innerhalb des Songs schon eine Monotonie zu entwickeln. Wieder ein interessanter Auftakt beim nächsten Song, diesmal bleibt es etwas interessanter. Die Bezeichnung Doom Metal ist ganz und gar nicht fehl am Platz. Ebenso kann man bei einzelnen Songs weitere Elemente feststellen, ein Bisschen Industrial, etwas 70er Prog Rock... Mit all Diesen Einflüssen ist ein spannendes Album eigentlich vorprogrammiert. In Wirklichkeit erhalten wir aber ein Werk, welches zwar Potential hat, den Hörer aber trotz allem ermüdet. Der gekonnte Einsatz eines jeden einzelnen Instruments reicht da leider nicht aus. Trotz genügend Abwechslung und immer wieder mal einer kleinen Überraschung bin ich am Ende froh, dass es vorbei ist. Woran es liegt kann ich nicht sagen. Unter Fans des Death Metal werden sicherlich einige Freude an dieser Scheibe finden, allerdings empfehle ich, vor dem Kauf mal reinzuhören. Einzeln gehört machen sich die Lieder super in der Playlist. Das ganze Album am Stück ist aber leider etwas zu viel des Guten.
Mona 
Punkte:
keine Wertung
VICE – 3 Fingers Up  (CD)
Pride & Joy Music
Mir gefiel damals die «Made For Pleasure» der Münchner Vice. Auch wenn die Melodien sehr stark im Mittelpunkt standen. «Second Excess» war dann schon nicht mehr so nach meinem Geschmack, und nun höre ich das vierte Album um Gitarrist Chris «Yps» Limburg (ehemals Bonfire). Mit «The Jerk», der Joan Jett-Coverversion «I Hate Myself For Loving You», «3 Fingers», «Name The Game» und der Neueinspielung von «Made For Pleasure» kann das Album auf sich aufmerksam machen. Wenn wir aber ehrlich sind, gibt es in diesem Genre viele Alben, die doch mit mehr Hits aufwarten. Und hört man sich die Coverversion von Joan Jett an, weiss man, dass sich die Band nicht unbedingt einen Gefallen damit getan hat, denn das Original knallt ohne Ende und hat mit Joan eine verdammt geile Sängerin am Start. Ja, schön seid ihr zurück, gut gespielt, aber irgendwie... Es gibt (zu) viele bessere Alben...
Tinu 
Punkte: 6.5 von 10
URAL – Just For Fun  (LP)
Violent Creek Records
Ja, es ist alles gut gespielt, ja der Thrash mit leicht punkigem Einschlag und Crossover-Parts vermag zu gefallen. Aber brauchen wir das heute in der Form wirklich noch? Die Italiener scheinen Spass an dem zu haben, was sie machen und tun dies mit voller Hingabe. Spielen auch akustische Parts («Crossearth»), aber am Ende des Tages hatten wir auch dies alles schon bedeutend besser und mit erhöht aggressiverem Spasspotenzial. Muss nicht sein, darf man sich aber anhören.
Tinu 
Punkte: 6.0 von 10
ALTERED STATE – Altered State (Vinyl) (Compilation)
Pure Steel Records
Sagt Euch der Bandname Deadly Blessing noch was? Deren Sänger Ski fand nach seinem Abgang eine neue Heimat bei Altered State. Hier werden nun die ersten Demos auf Vinyl wiederveröffentlicht. Viel Weltbewegendes ist das nicht, was es hier zu hören gibt. Das haben unzählige Truppen vorher um einiges besser gemacht. Nennen wir da nur Seven Witches, Helstar, New Eden oder Distant Thunder. Alleine der hohe Gesang von Ski reisst das Material nicht aus dem sumpfigen Mittelmaas. Auch wenn «Winter Warlock», oder «Another Meaningless Death» gute Songs sind, wirklich tolles Material hat der Fünfer nicht zu bieten.
Tinu 
Punkte: 5.8 von 10
CULTED - Vespertina Synaxis - A Prayer For Union & Emptiness (EP)
Season Of Mist/Irascible
Nach zwei Langspielern und einer EP sind Culted zum zweiten Mal mit der EP "Vespertina Synaxis -A Prayer For Union & Emptiness" wieder über die halbe Distanz am Start. "A Prayer For Union" präsentiert eine Mischung aus Industrial, Spoken Words und ein wenig Gitarrengeschrammel. Obwohl der Song sich über fast fünf Minuten hinzieht, würde ich diese Geräuschekulisse als langes Intro betiteln. "Dirt Black Chalice" ist eine langsam alles zermalmende Dampfwalze, die monoton ihre Kreise zieht. Dieser Song ist oversized mit zehn Minuten, von denen aber die letzten beiden nur noch eine undefinierbare Geräuschkulisse darstellen. Der längste und auch schon der letzte Song hört auf den Namen "A Prayer For Emptiness". Am Anfang wähnt man sich in einer Produktionshalle für Maschinen, und die industrielle Revolution ist nicht fern! Das Gehämmer und Geschepper zieht sich, wie ein Kaugummi in endlose Längen und ist nicht nur langweilig, sondern auch nervend! Die Ausbeute dieser EP, mit einem guten Song und zwei überflüssigen Songs, ist mehr als mager und deshalb lässt man besser die Finger bzw. die Ohren von dieser EP!
Roolf 
Punkte:
keine Wertung
HAWK EYES - Advice
Drakkar Entertainment
Hmm... Also irgendwie hat die Scheibe ja ganz ordentlich angefangen, Rockmusik halt, nichts wahnsinnig Spezielles, aber ganz ok. Brit Rock, würde man dem wohl sagen. Aber je länger ich die Mucke laufen lasse, desto weniger interessiert sie mich. Das mag einerseits am Sänger liegen, der mich trotz variablem Einsatz seines Organs einfach nicht mitzureissen vermag, andererseits aber auch am Sound, welcher doch recht generisch und einfach nur vorhersehbar ist. Dazu kommt, dass man je länger je mehr versucht, mit elektronischen Spielereien (verzerren der Stimme, Noise-Einschübe etc.) Abwechslung zu erschaffen. Kalppt zumindest bei mir nur bedingt. Deshalb fällt mein persönliches Urteil auch sehr verhalten aus: Wer Alternative/Indie Rock modernerer Prägung mag, könnte Hawk Eyes gut finden. Allen anderen kann ich nur den 'advice' geben, sich andere Mucke zu besorgen.
Toby S.   
Punkte: 5.0 von 10
CAIN – Cain (Re-Release)
Rise Above Records
Cain aus Birmingham rödelten anfangs der Neunziger ziemlich wüst durchs Gehölz der verzerrten Stromgitarrenmusik. Und ziemlich experimentell noch dazu, denn das Gebräu aus Doom Marke Pentagram, Trouble und Saint Vitus ergänzt durch Elemente aus der Welt des Noise, Psych, Industrial und der Samples ist vor allem ab der zweiten Albumhälfte echt gewöhnungsbedürftig. Wenn man dann noch den gelangweilt vor sich herjammernden Gesang von John Pickering (aka John Doom) hinzunimmt, dann wird es streckenweise sogar recht mühsam. Aber das war nun mal Teil des ganzen Konzeptes, das in dieser 1993 veröffentlichten CD gipfelte, die sich zwar ganz ordentlich verkauft haben soll aber das Auseinanderbrechen der Band am Ende des gleichen Jahres doch nicht verhindert hat. Lee Dorrian (Ex-Napalm Death, Ex-Cathedral, With The Dead etc.) muss dennoch Gefallen an dieser 72-Minütigen Tour de Force gefunden haben, denn nun erscheint das selbstbetitelte Album neu über sein Rise Above Label. Die Scheibe wiederspiegelt chronologisch korrekt und ziemlich radikal die Entwicklung der Band vom reinen Doom über Noise hin zu extrem experimentellen Psych-Sounds und unheimlichen Klanglandschaften. Soll es mögen wer will, aber würde man das Album auf das Wesentliche reduzieren und die sich endlos wiederholenden Elemente radikal kürzen, dann würde es keine 20 Minuten Spielzeit mehr erreichen. Am ehesten sehe ich den Dreher noch als geeigneten Soundtrack für einen Splatter-Film, aber wer den aufgesetzt sinnentleerten Lärm von Philip H. Anselmo & The Illegals oder das Gejaule von Yoko Ono für künstlerisch wertvoll hält, sieht das sicherlich anders.
Mirko B. 
Punkte:
keine Wertung
TENEBRAE IN PERPETUUM – Anorexia Obscura  (CD)
Debemur Morti Productions
Tenebrae In Perpetuum, übersetzt heisst das soviel wie „ewige Finsternis“. Einfach typisch Black Metal oder die Grundeinstellung der Band? Denn gross verändern wollen sie ihre Musik über die Jahre nicht und es ist auch schon ewig her, seit ihr letztes Werk erschienen ist. Zehn Jahre, auf den Punkt genau. Nun ja, ich werde nicht so ganz warm mit der neusten Scheibe der zwei Italiener. Viele gute Alben müssen erst einige Male durchgehört werden, damit sie in ihrer ganzen Pracht ankommen können aber hier sitze ich irgendwie auf dem Trockenen. Black Metal ist es, das ist ganz klar aber ich behaupte mal, mittlerweile ist die Tontechnik in den Studios soweit, dass man nicht mehr den allzu bekannten Garagen Black Metal aufnehmen muss. Solche Klassikerstücke sollte man dann doch den „Klassikern“ überlassen, die den ganzen Stil überhaupt ins Leben gerufen haben. Die einzelnen Instrumente klingen gar nicht mal so übel, wenn man sie auseinander pflückt, jedoch übertönt sich jedes gegenseitig wenn man auf das Gesamtbild blickt. Viele Parts wiederholen sich und so lassen die Künstler gar nichts von dem eigenen Potential hervorscheinen, über welches sie eigentlich verfügen würden. Schade, denn meiner Meinung nach könnten diese Musiker weit mehr als Gitarren, welche den Gesang übertönen und Gesang, welcher zu wenig im Hintergrund ist, um die Gitarren hervorscheinen zu lassen.
Zoé    
Punkte: 4.0 von 10
THE NEW DEATH CULT - The New Death Cult
Indie Recrdings/Irascible
Nun ja... Selbst nach mehrmaligem Hören kann ich dieser Truppe schlicht und einfach nichts abgewinnen. Mag es am grausam aufgeblasenen Info-Schrottblättchen liegen, das den Sound von The New Death Cult mit dem Begriff "Heavy Rock Music" umschreibt (kleiner Geheimtipp: es ist schlicht und einfach 70er-angehauchter Rock), oder an den bescheuerten Pseudonymen der Musiker (Alpha, Beta, Gamma, Delta) oder dem beschepperten Bandnamen. Ich kann mich da nicht wirklich entscheiden. Es ist einfach keine Mucke, die irgendwie speziell oder einzigartig ist oder eigenständige Merkmale besitzt, alles war schon mal da, und das meiner Meinung nach auch besser. Stellt euch Kiss in sehr schlecht vor, dann habt ihr circa eine Vorstellung des 'neuen Todeskultes'. Wie dem auch sei, ich kann diese Scheibe nicht weiterempfehlen, da hilft auch die ordentliche Produktion nichts.
Toby S.    
Punkte: 2.5 von 10
CD Reviews Archiv
Juli 2000  August 2000  September 2000  Oktober 2000
November 2000  Dezember 2000  Januar 2001  Februar 2001
März 2001  April 2001  Mai 2001  Juni 2001  Juli 2001  August 2001
September 2001  Oktober 2001  November 2001  Dezember 2001
Januar 2002  Februar 2002  März 2002  April 2002  Mai 2002
Juni 2002  Juli 2002  August 2002  September 2002  Oktober 2002
November 2002  Dezember 2002  Januar 2003  Februar 2003
März 2003  April 2003  Mai 2003  Juni 2003  Juli 2003  August 2003
September 2003  Oktober 2003  November 2003  Dezember 2003 
Januar 2004  Februar 2004  März 2004  April 2004  Mai 2004
Juni 2004  Juli 2004  August 2004 September 2004 Oktober 2004
November 2004  Dezember 2004  Januar 2005  Februar 2005
März 2005 April 2005 Mai 2005 Juni 2005  Juli 2005  August 2005
September 2005  Oktober 2005  November 2005  Dezember 2005
Januar 2006  Februar 2006  März 2006  April 2006  Mai 2006

Juni 2006  Juli 2006  August 2006  September 2006  Oktober 2006
November 2006  Dezember 2006  Januar 2007  Februar 2007
März 2007  April 2007  Mai 2007  Juni 2007  Juli 2007  August 2007
September 2007  Oktober 2007  November 2007  Dezember 2007
Januar 2008  Februar 2008  März 2008  April 2008  Mai 2008
Juni 2008  Juli 2008  August 2008  September 2008  Oktober 2008
November 2008  Dezember 2008  Januar 2009  Februar 2009
März 2009  April 2009  Mai 2009  Juni 2009  Juli 2009  August 2009
September 2009  Oktober 2009  November 2009  Dezember 2009
Januar 2010  Februar 2010  März 2010  April 2010  Mai 2010 
Juni 2010  Juli 2010  August 2010  September 2010  Oktober 2010

November 2010  Dezember 2010  Januar 2011  Februar 2011
März 2011  April 2011  Mai 2011  Juni 2011  Juli 2011  August 2011
September 2011  Oktober 2011  November 2011  Dezember 2011
Januar 2012  Februar 2012  März 2012  April 2012  Mai 2012  Juni 2012
Juli 2012  August 2012  September 2012  Oktober 2012  November 2012
Dezember 2012  Januar 2013  Februar 2013  März 2013  April 2013
Mai 2013  Juni 2013  Juli 2013  August 2013  September 2013 
Oktober 2013  November 2013  Dezember 2013  Januar 2014
Februar 2014  März 2014  April 2014 
Mai 2014  Juni 2014  Juli 2014

August 2014  September 2014  Oktober 2014  November 2014
Dezember 2014  Januar 2015  Februar 2015  März 2015  April 2015

Mai 2015  Juni 2015  Juli 2015  August 2015  September 2015
Oktober 2015  November 2015  Dezember 2015  Januar 2016
Februar 2016  März 2016  April 2016  Mai 2016  Juni 2016  Juli 2016
August 2016  September 2016  Oktober 2016 November 2016
Dezember 2016  Januar 2017  Februar 2017  März 2017  April 2017
Mai 2017  Juni 2017  Juli 2017  August 2017  September 2017
Oktober 2017  November 201
7  Dezember 2017  Januar 2018

Februar 2018  März 2018  April 2018  Mai 2018  Juni 2018  Juli 2018
August 2018  September 2018  Oktober 2018  November 2018 
Dezember 2018  Januar 2019  Februar 2019  März 2019  April 2019 
Mai 2019  Juni 2019  Juli 2019  August 2018