Livereview: Persistance Tour 2005
8. Dezember 2005 im Kofmehl, Solothurn
By: Sven M. & Leandra J.     All Pics by: Sven M.
Ab 18:00 Uhr kamen Menschen aus allen Richtungen auf's Kofmehl zu und versammelten sich vor dem Zaun. Eine halbe Stunde später war die Menge schon ziemlich zahlreich, doch ansonsten deutete noch nichts darauf hin, was bald hier abgehen würde. Nur das "Ausverkauft"-Schild teilte mit, dass es später wahrscheinlich eng werden würde...

Full Blown Chaos
Es waren noch nicht alle Besucher eingetroffen, als die erste Band die Bühne enterte. So war massig Platz vorhanden für ein paar Tanzwütige, deren Raum füllende Bewegungen für leicht fragende Blicke sorgten. Aber Full Blown Chaos waren damit sehr zufrieden und schmetterten eine Hardcore-Bombe nach der anderen in den Raum. Der typische New Yorker Stil erklärte auch gleich ihre Herkunft und kam beim Publikum recht gut an. Allgemeines Headbangen überall, doch Sänger Ray wollte noch mehr. "Wenn ihr irgendjemanden seht, der sich NICHT bewegt, dann nehmt euren Schuh und seht zu, dass dieser Zustand geändert wird!" Glücklicherweise spielten Full Blown Chaos zum ersten Mal in der Schweiz und hatten deshalb noch nicht so viel Einfluss, dass dem Befehl Folge geleistet wurde. Nach sechs Songs war ihr Set beendet und die Nackenmuskeln der Leute gerade angewärmt. Als erste Anheizer hatten die New Yorker einen super Job abgeliefert, nächstes Mal gern länger. (Lej)

The Red Chord
Aus dem Land der unbegrenzten Müglichkeiten durften sich als zweite Band an diesem Abend, die fünf Herren aus Massachusetts behaupten. Mit einer lauten Mischung aus Grindcore, Death Metal und Hardcore, stürmten sie die Bühne. Unearth-Drummer Mike Justaine hämmerte einen riesen Druck in die Köpfe der Zuschauer, die diesen mit einem Tanz, der den Bewegungen paarungsreifer Paviane glich, wieder raus liessen. Auf der Bühne selbst, war das Gesamtbild nicht viel anders. Bassist Adam hatte verblüffende Ähnlichkeit mit Ryan Dunn, einem der Zurückgebliebenen aus der MTV-Show Jackass. Nach 20 Minuten war der einigermassen gute Krach vorbei und uns wurde eine weitere Erholungspause gegönnt. (Svn)


Bleed The Sky

Die "Tanzfläche" war schon ziemlich zusammengeschrumpft, als Bleed The Sky ihren Gig begannen. Die Musik zündete sofort, nur war der Sänger nicht zu hören - jedenfalls vor der Bühne nicht. Der weitere Verlauf des Abends würde aber noch zeigen, dass man im hinteren Bereich des Raums soundtechnisch oft besser bedient gewesen wäre. Die Leutchen vor der Bühne liessen sich von solchen Kleinigkeiten nicht die Laune verderben und moshten fröhlich umher. Auch auf der Bühne wurden die Halswirbel strapaziert, schliesslich sind die sechs Jungs aus Orange County/Kalifornien in wichtiger Mission unterwegs. Im November war ihnen ihr Anhänger mit ziemlich viel Equipment gestohlen worden und nun sind sie unterwegs, das Geld dafür wieder einzuspielen. Auf ihrer Website kann man übrigens auch spenden und ab 50 Dollar gibt's auch ein Geschenk zurück. Auf der kleinen Bühne des Kofmehl waren den Jungs ihre Sorgen jedoch nicht anzumerken und jeder Song kam ziemlich tight rüber. Des Keyboarder's Shirt sprach aber eine andere Sprache: "Fuck you, you fuckin' fuck" war mit grosser Wahrscheinlichkeit für den Dieb des Anhängers gedacht. Wie auch immer, mit ihrem Auftritt hatten sie jedenfalls bewiesen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen und weiterhin Arsch treten werden. (Lej)

Cataract
Nun endlich waren meine Götter Fedi, Greg, Michi, Ricky und Simon an der Reihe. Riesen Andrang vor der Bühne, keiner hatte mehr Platz um sich zu bewegen, bis auf die zahlreichen Fans im Moshpit hinter uns. Mit "Killing tool" wurde der sehnlichst erwartete Tornado zum Wüten gebracht. Bald mussten wir schmerzlichst feststellen, dass es mit dem Geniessen dieses Mal nichts werden würde. Stagediver, die im Sekundentakt die Bühne stürmten und mit hohem Tempo und den Füssen voraus, wieder in die Menge sausten, verdarben uns den Spass an der Sache. 2 Securities am Bühnenrand hätten wirklich nicht geschadet. Trotz allem liessen wir uns nicht entmutigen und brachten, so gut es eben ging, die Köpfe zum Rotieren. Immer auf der Hut vor den Intelligenzbestien, die auf uns herab stürzten. Die Show, die unsere Landsleute da hinzauberten, war, für die kurze Dauer, ziemlich geil. Sänger Fedi, der gut gelaunt das Mikrophon auch mal den Fans reichte, sowie der Rest der Band machten ihrem Ruf sicherlich keine Schande, das Gegenteil war eher der Fall. Metalcore vom Feinsten. (Svn)

Born From Pain
Nach einem endlosen Soundcheck kamen wir dann in den Genuss der holländischen Version von Metalcore. Aufgrund dieser ellenlangen Klangtesterei hätte man eigentlich bessere Qualität erwarten können aber die Fans schien das nicht gross zu kümmern. Der Platz vor der Bühne war arg knapp geworden und ab und zu musste man sich wieder vor Stagedivern in Acht nehmen. Die Band zeigte nicht nur Freude am Spielen, sondern auch daran, die Bühnenbretter mit Spucke zu bedecken. Als zweiten Song brachten Born From Pain mit "Rise or die" einen ihrer Hits und liessen die Temperatur im Kofmehl ansteigen. Der Bassist trug ein Shirt von Cataract und das war vielleicht mit ein Grund, warum Mitglieder dieser Band, genauer gesagt die Saitenfraktion, am Bühnenrand stand und ihren niederländischen Kollegen zuschauten. Es herrschte ein kleiner, aber feiner Moshpit und nach "Reclaim the crown" sprach der Sänger den Leuten auch noch eine Extraeinladung zum Stagediven aus. Ihr wurde nicht mehr entsprochen als bisher, denn zu "The new hate" ist es einfach Pflicht, die Nackenwirbel kreisen zu lassen. Insgesamt ein guter Auftritt, wobei der Sound zwar nicht glasklar war, jedoch Jeden im Saal erreichte und ermattet zurück liess. (Lej)

Napalm Death
Drittletzte Band an diesem verschneiten Donnerstag war der legendäre Urstein des Grindcore, Napalm Death. Dass die Engländer den Grindcore erfunden und, wenn man das so sagen kann, salonfähig gemacht haben, muss man wohl keinem erzählen. Sänger Mark 'Barney' Greenway glich auf der Bühne einem tollwütigen Hund, der wild umher sabbernd seinen Knochen sucht und dabei rumbellt. Trotz einer Verletzung am rechten Knie, hatte er das Publikum 40 Minuten lang unter Kontrolle. Es war gerade zu anständig, gerade mal zwei Leute sprangen in die Menge, was relativ wenig war..., im Vergleich zu den Stagedivern bei den anderen Artists. Die fünf gaben volles Programm auf den Brettern, Gitarrist Mitch Harris bemerkte noch nicht einmal, dass ein T-Shirt eines Fans am Kopf seiner Gitarre hing. Bei den geschätzten 30C, die im Saal herrschten, bemerkte ich voller Erstaunen die Gänsehaut an Barney's Beinen. Keine Ahnung, welch kalter Schauer ihn da durchfuhr. Vielleicht war es der Anblick der überfüllten Tribüne des ausverkauften Kofmehls, wer weiss. Die Grindcore/Death Metal Mixtur kam auf jeden Fall gut an und auch ihre Punk-Wurzeln waren spürbar. (Svn)

Agnostic Front
Über diesen Auftritt wird für einmal nicht von vorderster Front berichtet. Nachdem im Laufe des Abends ein Stagediver meinen Kopf mit einer Absprunghilfe verwechselt hatte, zog ich es vor, Agnostic Front von der Treppe an der hinteren Wand aus zu geniessen. Dort bot sich mir der Anblick eines erschreckend unbeteiligten Publikums. Wahrscheinlich waren die Leute nach sechs Bands schon ziemlich alle und wollten sich den letzten Rest Kraft für Hatebreed aufsparen. Dabei boten die alten Haudegen (Bassist Mike Gallo sah mit seinen Zöpfen wie ein Wikinger aus) von Agnostic Front eine super Show. Routiniert und versiert durchs Band wurde druckvoller Sound ins Kofmehl geschleudert, der eigentlich jeden Nacken zur Bewegung hätte zwingen müssen. Gegen die Mitte des Sets gaben einige der Besucher ihre Zurückhaltung auf und fingen an, wild herumzuhüpfen. Irgendwann stand plötzlich ein weiblicher Fan auf der Bühne. Als sie sich weigerte, ihren Oberkörper zu entblössen, wurde sie kurzerhand von Roger Miret gepackt, über die Schulter geworfen und ins Backstage transportiert. Weitere Details sind nicht bekannt. Miret kam jedenfalls wieder zurück und sang "Crucified", was ziemlich eingängig gelang. Bei "Gotta go" wurde dann sogar eifrig mitgesungen und für einige Minuten fühlte sich mancher so richtig nach "NYHC". Danach war die Darbietung leider bald zu Ende. Für mich persönlich war es eine der Besseren dieses Anlasses, nur schade, dass diese Tatsache den meisten Besuchern erst später aufging. (Lej)

Hatebreed
Nach einer ewig langen Wartezeit dann endlich die ersehnten Headliner. Das Licht wurde dunkler, Sean Martin krallte sich seine Gitarre, Matt Byrne setzte sich an die Kessel, Chris Beatty schnallte sich den Bass um, Jamey Jasta nahm das Mikro in die Hand und dann fegten sie, mit "Tear it down", die ersten beiden Reihen um. Der Druck ganz vorne war gewaltig, alle wollten so nahe wie möglich bei den Hardcore Kings aus den Staaten sein. Nach dem zweiten Song, bereits der erste Unterbruch infolge einer Stromstörung, die die Instrumente lahm legte. Eine junge Frau nutzte die Gelegenheit, um sich auf der Bühne bestaunen zu lassen. Das Publikum sowie die Band wollten mit der Aufforderung "show your tits" etwas Haut sehen, was dann aber doch nicht geschah, denn es ging bereits wieder weiter. Mit Knallern wie "Live for this", "This is now" und "Smash your enemies" wurde das Kofmehl zum Hexenkessel der Musik, Aggression und Schweiss. Danach wieder kurzer Stromausfall, wieder Unterbrechung. Das hielt aber komischerweise niemanden davon ab, trotzdem auf die Bühne zu klettern, um sich danach in der Masse zu versenken. Wie schon bei Cataract wartete ich vergebens auf einige Securities. Aber mit der Zeit setzen wir uns selbst zur Wehr und spielten ein wenig "triff die Nuss". Ein Coversong war auch am Start, und zwar "Refuse/Resist" von Sepultura. Heftiger Applaus war ihnen sicher, die Show war spitze, und die beeindruckende Zahl von bis jetzt 200'000 verkaufter Platten, wird in Zukunft sicherlich noch weiter steigen. Nach einer Stunde brutalem Mosh war auch für die Helden des Abends Schluss. Leider bettelten wir völlig vergebens um eine Zugabe, was danach mit Buh-Rufen betont wurde. Um ein Uhr gingen im Kofmehl die Lichter aus, bis zum nächsten Event, der hoffentlich genau so geil wird wie die Persistance Tour 2005. (Svn)