Livereview: T’r - Abinchova

27. Oktober 2012, Sursee - Kulturwerk 118
By Natalia N.
Es ist kein Wunder, dass so eine eigenständige und auffällige Band wie T’r ausgerechnet auf den Färöer-Inseln entstand, denn dank der kleinen Fläche und Isoliertheit sind da normannische Traditionen und Färöisch, das als eine der archaischsten Formen der skandinavischen Sprachen gilt, erhalten geblieben. Es stand auch noch der Auftritt der Schweizer Folk/Death Metal-Band Abinchova aus Luzern bevor. Diese sind mittlerweile nicht nur inner- sondern auch ausserhalb der Heimat ziemlich bekannt. Kurz und gut, es stand ein interessanter Abend auf dem Menüplan.

Abinchova
Um halb zehn kamen nacheinander die Band-Mitglieder von Abinchova auf die Bühne. Man spürte, dass sich die Musiker dank dem Auftritt am Heimatort sehr wohl auf der Bühne fühlten. Die ersten Riffs von «Hörensagen» hoben gleich die Stimmung der Zuschauer. Abinchova wurden lautstark abgefeiert. Natürlich starrten alle zuerst auf die Sängerin/Geigerin Nora. Der zweite Sänger Arnaud war auch sehr auffällig, verhielt sich sehr ausdrucksvoll und heizte das Publikum auf. Nora hatte eine Korsage mit weissen Musterungen an und hob sich dadurch gegenüber ihren Mitmusikern hervor, die eher wie Vertreter einer jungen Metalcore Band aussahen. Wie ich später heraus fand, hatte dieser Kontrast eine entsprechende Bedeutung (wer den Clip zu «Wegweiser» kennt, versteht den Sinn). Ich muss beifügen, dass der Sound in der Halle so eingestellt wurde, dass die Gesangsstimmen leider in den Hintergrund gemischt und somit schlecht zu hören waren. Vermutlich wollten die Techniker dadurch mehr die Rhythm-Section akzentuieren, wie man es traditionsgemäss bei Death Metal Konzerten macht. Im Folk Metal Genre sind die Gesangs-Parts jedoch vor grosser Bedeutung, da sie der Musik den eigentümlichen Charme verleihen. Es ist bekannt, dass neben den Chören der a appella Gesang als höchst urtümlicher und authentischer Gesang gilt. Ebenso wäre es wünschenswert, dass auch die Pianoklänge, die zweifellos als Schmuckstück dieser Musik gelten, hörbarer gewesen wären.

Die Band nutzte ihren Auftritt dazu, die neu heraus gegebene 7" Vinyl Single «Handgeschrieben» vorzustellen. Das Publikum durfte sich die Lieder von dieser Single nun live anhören. Diese Songs rückten ins Rampenlicht durch ihre Neuausrichtung hin zur Folkmusik. Eher merkwürdig hörte sich hingegen die folkartige Melodie an, die mit Samples gemixt wurde (was im Metalcore an sich typisch ist). Aus dem neuem Album spielten Abinchova nur zwei Lieder, nämlich «Wegweiser» und «Wandlung». Diese kamen bei Fans sehr gut an. Ganz zu schweigen von den alten Songs, die mehrmals auf Folkfest-Spielen und Konzerten aufgeführt wurden. Der Hit «Abendteuer» war besonders schmissig. Vor dem letzten Lied «Pestfinger» setzte der Sänger zu einer One-Man Show an. Er erzählte dabei eine furchterregende Geschichte von einem Bauern, der ein schwarzes Geschwür, als Zeichen einer tödlichen Krankheit, am Finger trug. Der Arzt des Mittelalters empfahl ihm nichts anderes ausser einer Fingeramputation. Arnaud begleitete seine Narration durch Gesten und Elementen der Mimik. Als Folge davon tobte ein Sturm des Beifalls durch den Saal.

Setliste: «Hörensagen» - «HundertRaben» - «Eule» - «Wegweiser» - «Wandlung» - «Abenteuer» - «Heimatlos» - «Pestfinger».



T’r
Der Soundcheck des Headliners dauerte ziemlich lange. Heri Jonsen sang Chansonetten aus «Regin Smišur», in färöischer Sprache und ohne Instrumentalbegleitung. Es war sehr interessant, ihn dabei zu beobachten. Es ist erfreulich, dass die Band mit Aufführungen solcher Art nicht geizte und nicht nur «Regin Smišur», sondern auch «Tróndur Í Gųtu» und «Sinklars Vísa» zum Besten gab. Bemerkenswert ist dabei, dass der Live-Gesang solcher Lieder einen besonders starken Eindruck hinterlässt, denn es bestehen keine Zweifel, dass die Lieder auch von den Normannen in dieser Art und Weise gesungen wurden. Auch die anderen Musiker sangen mit Heri mit. Die hohe Gesangsstimme des Bassisten Gunnar H. Thomsen war auch hörbar und bildete so eine harmonische Ergänzung zu Heri. Man muss noch anmerken, dass T’r nicht nur dank ihrer Herkunft und Authentizität einzigartig sind. Diese Band durchlief auch eine interessante Entwicklung und erfand am Beginn ihrer Karriere ihren eigenen einzigartigen Sound, der bis heute von den Musikkritikern nicht ganz verstanden wird. Zuerst spielte die Gruppe gemässigte Stücke, die ab und zu an Black Sabbath erinnerten. Aus der Frühphase ihres Schaffens spielten T’r die zwei Lieder «Dreams» und «Wings Of Time». Ich bin der Band sehr dankbar dafür, dass sie ihren Wurzeln treu blieb. Meiner Meinung nach sollten die Nordländer aber auch progressive Kompositionen wie zum Beispiel «Alive» spielen. Keine Ahnung, warum sie diese Seite ihres Backkataloges auslassen. Natürlich legte man den Schwerpunkt auf das letzte Power/Heavy Metal Album «The Lay Of Trym», das die Zuschauer blitzschnell mit Energie auflud. Wie immer, durften die Fans das wunderbare Gitarren-Duo Terji Skibenaes und Heri Jonsen geniessen. Für mich stellt diese Band die am besten eingespielte Mannschaft unter den neueren Bands dar. Dank der genialen Gitarren-Arbeit gelangen auch die Covers von «I» (Black Sabbath) und «Stargazer» (Rainbow) besonders gut. Leider trauen sich die Musiker noch nicht, diese Klassiker auf Konzerten aufzuführen.

Setliste: «Flames Of The Free» - «Shadow Of The Swastika» - «Hall Of Freedom» - «Northern Gate» - «Regin Smišur» - «Dreams» - «Wings Of Time» - «Evening Star» - «Sinklars Vísa» - «Tróndur Í Gųtu» - «Hail To The Hammer» - «Take Your Tyrant» - «Hold The Heathen Hammer High» - «By The Sword In My Hand» -- «The Lay Of Thrym».