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Samstag, 10 Januar 2026 21:12

MetaLaken Volume 1: A Small District – Beyond Dystopia – Deaf in Interlaken Empfehlung

10. Januar 2026, Interlaken – Jungfrau-Park
Text & Pics by Oliver H.

Na, wer sagt’s denn? Erich von Däniken (R.I.P.) hat es mit dem Mystery-Park versucht, Investoren mit dem Jungfrau-Park, und dennoch ist die Anlage nie wirklich über ein komisches Gebilde mit Spielplatz hinausgekommen. Nun kam wieder Bewegung in die Sache, zumindest im ägyptischen Teil. Um der Öde einer konzertlosen Region zu entfliehen, haben sich sechs Freunde zusammengeschlossen, um selbst eine Konzertreihe aus dem Boden zu stampfen. Die Pyramide wurde kurzerhand als Location auserkoren, um Punks und todesmetallischen Jüngern ein künftig kuscheliges Winterquartier zu bieten. Am Samstag, den 10.01.26 feierte "MetaLaken Volume 1" im Jungfrau-Park Premiere. Als Oberländer und Metal Factory Schreiberling Grund genug, um mir diese Sause etwas näher anzusehen.

Deaf
Die vier Brienzer Punk-Rocker Deaf hatten die Ehre, die erste Ausgabe der Konzertreihe "MetaLaken", die übrigens restlos ausverkauft war, zu eröffnen. Mit dreckig lautem Mundart-Punk machten Bruno Laternser (v), Marco Rodi (g), Simon Gerber (b) und Daniel Ernst (d) auf die Schräglage unserer Welt aufmerksam. Stets mit einem Augenzwinkern bedacht und dennoch voller Wut, schleuderten sie ihre Texte in "Briensertiitsch" einem noch etwas zurückhaltenden Publikum entgegen. Manche Besucher mussten erst mental in der Location ankommen, und diese nahmen auf der Treppe der altehrwürdigen Pyramide im Jungfrau-Park (ehemals Mystery-Park) Platz.

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Ohne grosse Lichtshow oder künstliche Spezial-Effekte rockte der Vierer sein Set laut und schnell durch. Die stehende Menge kam immer besser in Schwung, und zum Ende des Deaf-Gigs verkürzte sich der Abstand zwischen Bühne und Publikum immer mehr. Dies sehr zur Freude von Sänger Laternser, der mittels Gesang in der Menge zwischenzeitlich versuchte, die Leute möglichst nahe heranzulocken. Nach einer knappen Stunde kündeten sie ihren letzten Song an, der schliesslich ebenso schonungslos wie dreckig das abendliche Set beendete. Ein gelungener Einstand für einen gelungenen Konzert-Abend.

Setliste: «Nachbar» - «Normahl» - «Chliin Ma» - «Nuttä» - «Dr Wäg Id Hell» - «Scheisse» - «Mensch» - «Kannibal» - «Nei» - «Strahlemann» - «Frankäjunkie» - «Schrottstar» - «Wahrheit»

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Beyond Dystopia
Der Mittelpart des Abends gehörte den Lokal-Matadoren Beyond Dystopia. Das Interlakener Trio, das sich musikalisch eher progressiverem Alternative Metal verschrieben hat, zog vermutlich die meisten Zuschauer an. Das Line-up um die Gebrüder Basil und Xaver Aemmer (v,g / d) und Samuel Fischer (b), Ersterer auch Mitbegründer des neu gegründeten Vereins "MetaLaken", hatte das Publikum von Beginn an fest in der Tasche. Ihre Songs mit brachialen Riffs und harten Drums lassen sich bis heute nicht wirklich in einer deutlichen Metal-Ecke verorten. Mal beinahe sanft melodisch, dann wieder straight und brutal. Die Songs von Beyond Dystopia leben von der Abwechslung und steten Tempowechseln, dem Kontrast zwischen melodischen Passagen und knallhartem Riffing. Auch die einheitliche, schlicht elegante Bühnenkleidung hat der Dreier bis heute beibehalten. Konzentriert manövrierte die Truppe vor heimischem Publikum durch den Set, der aus bekannten und noch nie live gespielten Songs bestand.

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Die lokalen Fans waren deutlich an ihrer Kleidung (BD-Pullis, Shirts) und besonders der Textsicherheit beim Mitsingen auszumachen. Diese unterstützten den Gesang von Aemmer/Fischer lautstark, sodass sich die beiden Musiker ein gelegentliches Grinsen nicht verkneifen konnten. In den Rängen lichteten sich die Reihen, während sich der Platz vor der Bühne kontinuierlich füllte. Übergrosse, schwarze Beyond Dystopia Ballone sorgten zwischenzeitlich für einen Balanceakt unter den Fans, wer nicht aufpasste, hatte plötzlich einen am Kopf. Auch für die Lokalhelden kam nach knapp einer Stunde das Ende ihrer Spielzeit und sie räumten unter Applaus und "Zugabe"-Rufen die kleine Bühne, die zum Schluss noch ziemlich voll werden sollte.

Setliste: «Facing Reality» - «The Void» - «Hold Your Last Breath» - «Silver Linings» - «Slave» - «Relief» - «Stockholm Syndrom» - «Escape» - «Child Of The Sun» «Peace In My Mind» - «Haunted» - «Myselves» - «Silence» -- «Virus»

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A Small District
Die letzte Truppe des Abends nämlich, A Small District, füllte die Bühne mit fünf Personen ziemlich aus. Die 2012 gegründete Band spielte druckvollen Nu Metal mit Alternative Rock Anleihen, der beim Publikum einschlug wie eine Bombe. Vom ersten Takt an wurde vor der Bühne gehüpft, geschubst, getanzt und gemosht. Die Combo aus Bern, wovon vier Musiker eigentlich aus Thun stammen, genoss das Treiben sichtlich. Ihr grooviger Sound liess keinen Zuschauer kalt. Sogar die Musiker der Vorbands zeigten sich solidarisch und feierten mit der Menge ihre Mitmusiker-Kollegen vollends ab.

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Es stellte sich innert Kürze heraus, dass A Small District einen Zacken lauter, klarer, druckvoller und grooviger waren als ihre Vorgänger, aber von Neid der Vorgruppen keine Spur. Gemeinsam wurde geschwitzt und die Haare flogen, während der Sänger Björn Krebs seinen Rap-Gesang zum Besten gab. Unterstützt wurde der 2-Metermann von Adrian Wasser (b), Mischa Kernen (g), Avishna Moser (d) und Remo Dal Farra (g), die einen kraftvollen Nu Metal Sound lieferten, der mit harten Riffs und dynamischen Rhythmen aufwartete. Elektronische Elemente verliehen ihrem Sound zusätzlich eine moderne und breite Klanglandschaft.

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Ihr Sound ist eine Mischung aus aggressiven Klängen und atmosphärischen Momenten, die von roh bis experimentell reichten. Ohne Pause oder grosse Ansprachen spulte der Fünfer seinen Set ab, ohne jedoch lustlos oder gelangweilt zu wirken. Im Gegenteil, die Pyramide kochte über vor Euphorie und guter Laune, was definitiv auch dem professionellen Auftritt von A Small District geschuldet war. Bei der Ankündigung des letzten Songs machte sich unter den Zuschauern Protest breit, was allerdings nur bedingt Früchte trug. Nach zwei weiteren Tracks war definitiv Schluss und die Band verliess die Bühne unter frenetischem Jubel.

Setliste: «Back In The Game» - «I Don’t Care» - «SCDEM» - «I Freed Myself» - «Closer» - «Glowing Ashes» - «Let Go» - «Changing Faces» - «No Control» - «Guilty» - «The Thin Line» - «Break Out» - «Bring It Back» -- «Givin’ Up»

Im Anschluss durften die Besucher den Abend noch zur Playlist des "MetaLaken" Vorstands ausklingen lassen. ”MetaLaken Volume 1” war eine familiäre Veranstaltung unter Gleichgesinnten, die nur einem Zweck diente, wieder grandiose Konzerte in der Nähe zu erleben. Nebst der tollen Stimmung und den herzlichen Betreibern sei an der Stelle auch die reibungslose Organisation erwähnt. Man darf gespannt sein, was "Volume 2" zu bieten hat.


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