Normalerweise bis sehr oft geht meine Anwesenheit an einem Konzert mit einer Akkreditierung für den betreffenden Anlass einher, worauf zuerst Fotos entstehen und hinten raus dann ein Live-Bericht verfasst wird. So weit so gut, aber für meine persönliche Live-Premiere mit der Ellis Mano Band und dann erst noch in der Mühle, stand dies primär nicht im Drehbuch des heutigen Abends, sondern vielmehr ein chilliger Konzertbesuch mit gekauftem Ticket.
Das war zumindest der Plan, doch bereits nach dem kraftvollen Opener «Whiskey» war klar, dass ein ganz besonderer Abend bevorstand! Obwohl zu Hause schon relativ gut mit EMB-Tonträgern bestückt, fehlte bisher die Zeit, sich intensiver mit deren Songs zu beschäftigen. Bis auf den Psychedelic-Hit «A Lifetime» hatte ich kaum einen weiteren Song auf dem Radar. Höchste Zeit also, diese Lücke ein für alle Male zu schliessen! Gut an der Stelle war auch, dass keine Vorgruppe vorgesehen war.
Ellis Mano Band
Kurz nach 20:00 Uhr wurde das illustre Quintett, bestehend aus Chris Ellis (Gesang), Edis Mano (Gitarre), Lukas Bosshardt (Keyboards/Hammond-Orgel), Severin Graf (Bass) und Nico Looser (Schlagzeug) angekündigt. Gut 250 Leute fanden den Weg nach Rubigen, heisst die Location war somit zur Hälfte gefüllt. Da der Bereich vor der Bühne ordentlich belegt war, fühlte sich die Mühle besser besucht an. Mit dem Opener «Whiskey», der auch das offizielle Live-Album «Live - Access All Areas» eröffnet, legte die Truppe furios los. In die gleiche Kerbe schlug anschliessend «For All I Care», wo die Vibes hin zu Deep Purple noch offensichtlicher sind. Tastenmann Lukas entlockte dabei Master Jon Lord (R.I.P.) mit Sicherheit ein anerkennendes Nicken und Winken auf seiner Wolke.
Ebenso voll im Element zeigte sich Frontmann Chris, der mich von seinem Timbre her oft an Joe Cocker erinnern lässt und etwas später im Set, auch musikalisch, gar David Bowie huldigt. Die grenzenlose Musikalität dieser Hammer-Band brachte anschliessend auch die ruhige und balladeske Nummer «Only With You» zum Strahlen. Dabei blitzte das filigrane wie einfühlsame Spiel von Edis auf, der beim Solieren praktisch nie aufs Griffbrett schaut, ein Meister seines Faches. Davon profitierte auch «The Horrible Truth» ungemein. Nach der zweiten Zucker-Ballade «Goodbye My Love», wo man etwas die Dire Straits heraushört, driftete die Psychedelic Rock-Nummer «Badwater» hintenraus bös ins kultige Album «Ummagumma» von Pink Floyd (1968) ab, einfach herrlich und zeitlos!
Das begeisterte Publikum spendete lautstarken Applaus, was Chris mehrfach anerkennend zu Protokoll gab und sich, zusammem mit seinen Kollegen, mächtig darüber freute, nach einigen Konzerten im Ausland wieder mal in der Heimat aufspielen zu können, und dann wieder in der Mühle. Auch die zweite "Knopfler" Nummer «Keep It Simple» war nichts als Balsam auf geschundene Seelen, einfach wunderbar! Bei «Countdown To Nothing» kam schliesslich der bereits erwähnte Herr Bowie zum Tragen, garniert mit weiteren Gitarren-Perlen aus dem Hause Mano. Diese geilen Tunes veredelten nachfolgend auch den «Bad News Blues», wo nur die Bläser-Einsätze fehlten, die im Studio miteingespielt worden sind. Aber eigentlich lebte auch dieser Track von Edis' fantastischer Gitarren-Arbeit!
Letzterer stellte dann auch seine Truppe stolz vor, und Chris liess es sich nicht nehmen, den heute Abend gekommenen Fans nochmals von Herzen zu danken. Die Zu Beginn angekündigten zwei Stunden Musik wurden zwar nicht ganz erreicht, aber das Gebotene war derart beeindruckend, dass am Schluss nicht nur mir die Worte fehlten. Selbst das Verpassen des Einsatzes zu Beginn von «A Lifetime» auf der Gitarre (Edis konnte es kaum glauben!) und ein kurzer Texthänger von Chris konnten die Magie dieses denkwürdigen Konzertes schmälern, im Gegenteil! Vielmehr standen geerdete Vollblut-Musiker auf der Bühne, denen man das locker verzieh. Kurz nach dem Gig bewies die ganze Band allürenlose Fannähe und signierte zu lockerem Smalltalk und gemeinsamen Fotos alles mit stoischer Ruhe.
Setliste: «Whiskey» - «For All I Care» - «Only With You» - «The Horrible Truth» - «Goodbye My Love» - «Scars» - «Badwater» - «20 Years» - «Keep It Simple» - «Countdown To Nothing» - «Bad News Blues» -- «Ballroom» - «A Lifetime»