Was sofort auffällt, ist die enorme Beweglichkeit der Songs. Kaum hat man sich in eine melodiöse Passage eingelebt, wird man von einem kantigen Riff oder einem plötzlichen Tempowechsel aus der Komfortzone geschubst. Das wirkt aber nie willkürlich, sondern eher wie ein bewusst gesetztes Spiel mit Erwartungen. Die Band balanciert dabei konstant zwischen Zugänglichkeit und Härte – und fällt erstaunlich selten vom Seil. Im Zentrum steht die Stimme, die mühelos zwischen klaren, fast poppigen Linien und raueren, emotional aufgeladenen Parts wechselt. Genau dieser Kontrast ist der Klebstoff des Albums.
Die Hooks sind eingängig genug, um im Kopf zu bleiben, während die härteren Passagen dafür sorgen, dass es nie zu geschniegelt wird. Wer also dachte, Eingängigkeit sei ein Schimpfwort, wird hier eines Besseren belehrt. Musikalisch bewegt sich «Did You Ask To Be Free?» irgendwo zwischen Post Hardcore, Alternative Metal und modernem Rock – allerdings ohne sich brav in eine dieser Schubladen zu legen. Stattdessen nimmt sich die Band aus jedem Bereich, was gerade passt. Mal wuchtige Breakdowns, mal atmosphärische Flächen, mal fast schon radiotaugliche Refrains.
Klingt nach Identitätskrise? Eher nach Selbstbewusstsein. Inhaltlich geht es – passend zum Titel – um Selbstbestimmung, innere Konflikte und die Frage, wie frei man eigentlich sein kann, wenn man sich ständig selbst im Weg steht. Das wird nicht mit erhobenem Zeigefinger serviert, sondern eher wie ein innerer Monolog, der zwischendurch laut wird. Kleine Schwäche: In der zweiten Albumhälfte schleichen sich minimal vertraute Muster ein, bei denen man das Gefühl bekommt, den einen oder anderen Kniff schon mal gehört zu haben. Aber ehrlich – bei der Energie und Spielfreude fällt das kaum ins Gewicht.
Unterm Strich ist «Did You Ask To Be Free?» ein Album, das gleichzeitig nach vorne prescht und hängen bleibt. Clever geschrieben, dynamisch umgesetzt und mit genug Charakter, um sich vom Einheitsbrei abzusetzen. Oder kurz: kontrolliertes Chaos mit Ohrwurm-Garantie.
Roxx