Der Fünfer setzt zunächst auf Zurückhaltung und beginnt mit «Doom», einem eher verschwommenen Track, der den Schreien des Sängers Raum gibt, um einen schweren Rhythmus anzukündigen, der wiederum im riffigen und eingängigen «Evolve» mündet. Während der Metalcore den musikalischen Boden ausmacht, gesellen sich bei vielen Songs auch auffälligere Post Hardcore Elemente hinzu, wo klare Vocals vorübergehend die Schreie ersetzen. Trotz offensichtlicher Aggressions-Attacken gibt es ebenfalls fröhliche Einflüsse, wie zum Beispiel vor dem vernichtenden Break, der schliesslich zu «Crocodile Tears» führt, einem energiegeladeneren Track, der gesampelte Electro-Elemente in den Refrains bietet.
Das Karussell dreht sich unerbittlich weiter bis zu «Error», einem Track, der von Timo Bonner (Our Mirage) gesanglich unterstützt wird. Nahtlos geht es in das furiose «Nevermind» über, das äusserst effektive Oldschool-Einflüsse offenbart. Ein Knaller! «Detached» ist eine sanfte Blaupause, die zum Durchatmen oder Weiterdrücken einlädt. «Ivory Tower» ist dann wieder ein Schlag ins Gesicht, ein knapp zwei Minuten langer Track, der mit frenetischen Phrasierungen und Beatdown-Roots seine ganze Wut entfesselt.
Druckvoll schiebt sich die Post Hardcore Walze mit «Neon Fade» weiter, bis ein klassisches Gitarren-Solo den Rausschmeisser «Genesis» ankündet. Fans von Elwood Stray kommen mit diesem Album definitiv auf ihre Kosten, denn «Descending» bietet zehn Mal kurze, aber prägnante und direkte Songs, die ihre druckvolle Energie bis zum Ende beibehalten. Vielleicht ist das einzige Manko, dass der Longplayer mit knapp einer halben Stunde Spieldauer eben gar nicht so lang ausgefallen ist.
Oliver H.