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ANNISOKAY haben sich, zum Grossteil ihrer Karriere, nie in eine Schublade stecken lassen. Sie haben sich an Electronic-Core versucht, mit Post Hardcore Elementen experimentiert und dabei stets die Metalcore-Grundlage beibehalten.
«Abyss: The Final Chapter» ist die Zusammenfassung beider Hälften ihres «Abyss»-Konzepts, die 2023 und 2025 als zwei separate EPs veröffentlicht wurden. Obwohl dieser Ansatz gut zum heutigen Musikkonsum passt, in der digitale Plattformen kürzere Veröffentlichungen bevorzugen und die Hörer daran gewöhnt sind, Musik in kleinen Portionen zu konsumieren, haben sich die Deutschen dazu entschlossen, beide EPs in einer Veröffentlichung zusammenzufassen. Auch wenn das im ersten Moment wieder einmal nach Abzocke der Fans klingt, wenden wir uns den drei neuen Songs zu, die als Bindeglied zwischen Part I und II dienen.
Das Midtempo-Stück «Silent Anchor» beschreibt das langsame Ersticken der Apathie. Musikalisch spiegelt es dieses Gefühl wider, indem es Aggression mit Melodie ausbalanciert, nie vollständig explodiert, aber auch nie stillsteht. «Splinters» folgt und verlagert den Fokus von Ersticken auf Reue. Christoph Wieczoreks Gesang bringt die emotionale Anspannung an die Oberfläche, und fängt den Schmerz des Festhaltens an zerbrechlichen Erinnerungen ein. Rudi Schwarzer taucht gegen Ende auf und verleiht dem emotionalen Zusammenbruch zusätzliche Tiefe.
«My Effigy» bricht dann hervor und vollendet diese innere Reise. Es ist gewalttätig, kathartisch und fühlt sich wie die notwendige Verbrennung an, die diesen Bogen aus drei Songs schliesst. Nach diesen Übergangs-Stücken beginnt Teil II und Annisokay schliessen den Kreis insofern, dass sie die Dunkelheit integriert haben, anstatt ihr zu entfliehen. Trotz der Tatsache, dass 80% dieses Albums bereits veröffentlicht wurden, hebt sich «Abyss: The Final Chapter» von den meisten modernen Metalcore-Alben ab. Dies scheint der Bereitschaft der Band geschuldet, mit Atmosphäre und Dynamik zu experimentieren.
Oliver H.