Melechesh haben schon immer einen einzigartigen Platz im Extreme Metal eingenommen. Sie greifen auf Black- und Thrash-Wurzeln zurück und lassen gleichzeitig Elemente des Nahen Ostens und des Mittelmeerraums in ihre Riffs, Rhythmen und die Atmosphäre einfliessen. Was diese Veröffentlichung so fesselnd macht, ist, dass sie immer noch unverkennbar nach Melechesh klingt, dabei aber unruhig wirkt, geschärft durch die Zeit, Rückschläge und eine neue Zielstrebigkeit. Am meisten fällt auf, wie direkt und greifbar diese Songs wirken.
Dies ist Metal, der auf Bewegung ausgelegt ist. Ashmedi selbst spricht von Metal als etwas Stammesbezogenem und Ritualistischem, und diese Idee zieht sich durch die gesamte EP hindurch. Die Grooves treiben nicht einfach nur voran, sondern sie kreisen, winden sich und ziehen den Zuhörer in einen ekstatischen Schwung hinein. Das Schlagzeugspiel zeichnet sich durch kontrollierten Drive statt blosser Geschwindigkeit aus, und der Bass spielt eine weitaus wichtigere Rolle, als es in diesem Genre üblich ist.
«In Shadows, In Light» erscheint wie eine Reise durch verschiedene Wahrnehmungs-Zustände aufgebaut, wobei sich die Stimmung ständig wandelt, ohne dass der Zusammenhalt verloren geht. Der Song bewegt sich zwischen Druck und Entlastung, zwischen dichter Schwere und etwas Zeremoniell. Dies spiegelt das lyrische Interesse an verborgenem Wissen, verändertem Bewusstsein und Realitäten jenseits des gewöhnlichen Blickfelds wider. Anstatt Mystik als Dekoration zu präsentieren, verwandeln Melechesh sie in musikalische Form.
Der Track fühlt sich gleichzeitig wie Abstieg, Konfrontation und Transformation an. «Raptors Of Anzu» hingegen trifft mit einem unmittelbareren Gefühl von Kraft. Er kanalisiert Mythos in Geschwindigkeit, mit wilden Riffs und einem geschärften rhythmischen Angriff, der dem Song einen zerstörerischen Schwung verleiht. Aber selbst in den härtesten Momenten wirkt der Song nie austauschbar. Die antiken Bilder des Konzepts werden von einem Sound begleitet, der sich sonnenverbrannt, majestätisch und gewalttätig anfühlt.
So als wäre Blackened Thrash im Schatten zerfallener Tempel und Sturmgötter neu geschrieben worden. Der Song ist sowohl wild als auch seltsam einprägsam. Aus einem Interview mit Ashmedis vom "Metal Chaos" geht ebenfalls hervor, dass er Musik nicht wie am Fliessband behandeln will. Er spricht von Aufrichtigkeit, Stimmung und der Notwendigkeit, aus dem Bauch heraus zu schreiben – und dieser Ansatz ist spürbar. Diese Songs wirken nicht, als wären sie in Eile entstanden, sondern als wären sie geformt, überarbeitet und durchlebt worden.
Für langjährige Fans ist diese EP eine lohnende Rückkehr. Neulingen bietet sie eine prägnante Einführung in eine Band, die immer noch einzigartig klingt. «Sentinels Of Shamash» ist kurz, besitzt aber Tiefe, Persönlichkeit und genügend Details, um wiederholtes Anhören zu rechtfertigen. Sie ist sehr hörenswert und für geneigte Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich zu Extreme Metal mit Intellekt, Atmosphäre und Identität hingezogen fühlen, leicht zu empfehlen.
Lukas R.