Das Album behält die Dringlichkeit ihrer besten Werke bei und schärft gleichzeitig Melodien und Schärfe zu etwas, das mit überraschender Präzision trifft. Klanglich gibt sich «Empty Hands» nicht damit zufrieden, in einer Spur zu bleiben. Zackige Gitarren und maschinenartige Rhythmen prallen auf Momente mit hochfliegenden, emotionalen Hooks. Tracks wie «Public Domain» und der Titelsong verkörpern diese Spannung. Sie rasseln mit industrieller Schärfe und lassen Poppys einzigartige Stimme das Schiff steuern – mal eindringlich, mal mit kathartischer Intensität schreiend. Das ist kein Genre-Cosplay, sondern eine instinktive Fusion, die die unruhigen, eklektischen Tik-Tok Ohren der Konsumenten von heute durch ihre Pods anspricht.
Was Poppy von vielen ihrer Zeitgenossen unterscheidet - man denke an moderne Rockfiguren wie Yungblud, die eine ähnliche Mischung aus jugendlicher Hoffnung und Rebellion verkörpern - ist ihre Bereitschaft, sowohl musikalische als auch emotionale Konventionen zu durchbrechen. Ihre Arbeit ist eine Herausforderung für starre Kategorisierungen: teils Punk-Verachtung, teils Metalcore-Brutalität, teils echte Verletzlichkeit. Zeilen wie "Fuck your ignorant opinions, maybe you ain't got a reason to live" sind nicht nur Schock-Taktiken, sondern der Aufschrei einer Künstlerin, die ihre Zuhörer dazu auffordert, über die gängigen Genre-Klischees hinauszuschauen.
Beim ersten Anhören - insbesondere nachdem ich Poppy letztes Jahr live als Support von Babymetal gesehen hatte - war ich überrascht, wie beeindruckend ihre Stimme war: atemberaubend in ihrer Bandbreite und Präsenz, die sie mit Überzeugung untermalt. Diese Live-Energie überträgt sich auf die Platte: Sie wirkt unmittelbar, performativ und authentisch, statt bearbeitet oder sicher. Für Zuhörer, die schwere Riffs, unvorhersehbare Arrangement-Wendungen und emotionale Unmittelbarkeit mögen - und für alle, die es leid sind, in Playlists eingeordnet zu werden, die alle gleich klingen - ist die Scheibe absolut hörenswert. Es ist nicht nur eine weitere Metalcore-Variante, sondern eine sich entwickelnde wie künstlerische Identität mit einer ehrlichen Botschaft.
Wenn Ihr Poppy live erleben möchtet, haben sie im Jahr 2026 zwei Termine in der Schweiz: Am 17.03.2026 treten sie als Headliner ihrer "Constantly Nowhere Tour" im Komplex 457 in Zürich auf (mit Ocean Grove und Fox Lake). Tickets für diese Show sind derzeit im Verkauf. Später im Jahr werden sie auch an der Europa-Tournee von Evanescence teilnehmen und diese am 29.09.2026 im Hallenstadion in Zürich unterstützen. «Empty Hands» ist keine sichere Wahl, aber Poppy haben noch nie auf Nummer sicher gespielt. «Empty Hands» ist ein Album, das provoziert, hinterfragt und dazu einlädt, neu darüber nachzudenken, was Heavy Metal sein kann.
Lukas R.