Bereits die ersten Takte von «Rotting Eternal» lassen keine Spekulationen zu: der Sound ist pure Extremität, die mit Absicht so ausgeführt wird, und Bridget Lynchs Gesang ist vermutlich die Waffe des Albums. Garstige Kehlkopflaute tauchen in abgrundschwarze Tiefen, bevor sie in fast unmenschliche, knirschende Kadenzen übergehen. Während Stabbings ältere Arbeiten von ursprünglicher Wildheit geprägt waren, wirkt «Eon Of Obscenity» wie eine Weiterentwicklung dieses Chaos. «Masticate The Subdued» und der Titeltrack wirken erstmal bloss unerbittlich schnell, aber in diesem Gemetzel verbirgt sich auch ein ausgeprägtes Gefühl für Struktur.
Die Riffs von Gitarrist Marvin Ruiz sind erstickend präzise und fügen sich perfekt in die Schlagzeugparts von Aron Hetsko ein. Ein eher überraschender Moment der Platte ist das Instrumentalstück «Ruminations». Statt einer Verschnaufpause gibt es textlos Dresche, die das wachsende technische Selbstbewusstsein der Band unterstreicht, indem wechselnde Taktarten und mehrschichtige Riffs miteinander verwoben werden. Ein weiterer Höhepunkt der elf Songs ist «Nauseating Composition», mit freundlicher Unterstützung von Suffocation Sänger Ricky Myers. Ein Song, der einen Kreis zwischen den beiden Bands schliesst, denn als Myers auf der "Ancient Unholy Rising Tour" mit den Co-Headlinern Incantation krank wurde, war es Bridget Lynch, die einsprang, damit keine Konzerte abgesagt werden mussten.
Klanglich profitiert «Eon Of Obscenity» von einer bewusst zurückhaltenden Produktion, die im "Southwing Audio" in Houston aufgenommen wurde. Gemischt und gemastert von Chris Kritikos (Oceans Of Slumber, Cryptic Void), ist das Album roh, aggressiv und jeder Blastbeat, jedes Riff und jeder Gesangs-Einsatz kommt klar und deutlich zur Geltung. «Eon Of Obscenity» bewahrt den Geist und die schmutzige Ehrlichkeit, die das Genre in den 90er Jahren geprägt hat. In einem Genre, das auf Exzesse setzt, haben Stabbing einen Weg gefunden, noch einen Schritt weiterzugehen und die Innovation vorwärtszutreiben.
Oliver H.