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Mit «Necropalace» setzen WORM aus Florida ihre stetige Wandlung von einer Kultband hin zu einer festen Grösse innerhalb des Extreme Metal fort. Anstatt modernen Extrem-Trends hinterherzujagen, konzentriert sich die Band mehr auf Atmosphäre, Tempo und eine dekadente Düsternis, die sorgfältig kuratiert wirkt.
Musikalisch bewegt sich «Necropalace» an der Schnittstelle zwischen doomlastiger Schwere, BlacK Metal Frost und Anklängen an klassische Heavy Metal Virtuosität. Die Riffs entfalten sich oft langsam, sodass die Melodien nachklingen und "verrotten" können, bevor sie sich in etwas Schärferes verwandeln. Die Leads kommen sparsam, aber einprägsam zum Einsatz und greifen eher auf ein OlD-School-Gefühl für Dramatik als auf technischen Exhibitionismus zurück.
Die Produktion schafft eine Balance zwischen Klarheit und Dunkelheit und verleiht dem Album ein greifbares Raumgefühl – weniger eine Klangwand als vielmehr eine riesige, hallende Kammer. Was «Necropalace» auszeichnet, ist Worms Bekenntnis zur Stimmung. Das Album wirkt wie aus einem Guss, beinahe filmisch, als wäre jeder Track ein weiterer Korridor in derselben verwunschenen Struktur. Der Gesang bleibt eindringlich, aber zurückhaltend, und setzt auf Präsenz.
Die Rhythmus-Gruppe verankert alles in einem langsamen, rituellen Puls. Selbst wenn das Tempo anzieht oder die Melodien heller werden, bleibt eine unterschwellige Melancholie, die nie ganz nachlässt. Wiederholtes anhören offenbart ein Album, das Geduld belohnt. Es basiert nicht auf sofortigen Hooks, sondern auf Immersion. Fans von Doom-, Black-Metal und Gothic-angehauchter Extremität werden es wahrscheinlich zu schätzen wissen, dass Necropalace Atmosphäre und Identität über reine Aggression stellt.
Das mag manchmal etwas übertrieben wirken, ist aber eindeutig beabsichtigt. Darum beschreibe ich hier auch nicht Song für Song. Gegen Ende des Albums setzt Marty Friedman mit seinem Gast-Solo ein bewusst gesetztes Glanzlicht: weniger als virtuoser Fremdkörper, sondern als geschmackvolle, fast elegische Erweiterung von Worms Klangwelt, die dem Finale eine unerwartet emotionale Tiefe verleiht, ohne die düstere Grundstimmung zu verwässern.
Letztendlich sollte man «Necropalace» eher als Gesamt-Erlebnis betrachten als eine Sammlung herausragender Titel. Für Zuhörer die bereit sind, sich in seine schattenhafte Eleganz zu versenken, bietet es eine reichhaltige und unvergessliche Reise – eine Reise, die sich weniger wie eine Wiederbelebung der Vergangenheit anfühlt, sondern eher wie ein bewusster, selbstbewusster Schritt in Worms' eigenes, dunkles Reich. Ich selbst wünschte mir eine alternative Version dieses Album mit einer Dio-nesken Stimme.
Lukas R.