Ihre drei Studio-Alben verschmelzen bereits alles von weltlichen Poly-Rhythmen und Science-Fiction-Konzepten bis hin zu monströsen Growls, brutal technischen Riffs und mitreissenden Refrains. Doch trotz ihrer bereits beeindruckenden Diskografie lieferten Alkaloid im Sommer 2024 den Supergau! «Bach Out Of Bounds» war ein Auftritt der Band, die faszinierende Parallelen zwischen ihren unvergleichlichen Kompositionen und dem verehrten Komponisten Johann Sebastian Bach zieht.
Die Performance war so bahnbrechend, zusammen mit einem preisgekrönten Ensemble aus Sängern, Akkordeonisten und Streichern, dass dieses Konzert für die Nachwelt aufgezeichnet wurde. «Bach Out Of Bounds» soll belegen, dass die Musik von damals, heute noch genauso aktuell ist. Um dies bestätigen zu können, sollte man doch über ein gewisses "bachsche" Grundwissen verfügen, denn das neue Werk bringt drei Klassiker des Komponisten mit der Underground-Kunst in Dialog.
Die sakrale Arie «Agnus Die» wird originalgetreu aufgeführt, verziert durch die Sopranistinnen Rianne Wilbers und Chrysa Tsaltampasi. Die neuen Gitarristen der Band, Max Blok und Justin Hombach, spielen harmonisch mit den Violinisten Julija Hartig und Oene van Geel durch das monumentale «Allegro». Marieke Hopmans traurige Akkordeon-Klänge begleiten die langsame und traurige Prozession von «Adagio - All Is Vanity». Für die weiteren Songs nutzte Morean Bachs Techniken, um einen Alkaloid-Song zu schreiben.
So enthält das Album noch erweiterte Interpretationen der aktuellen Fan-Favoriten «A Fool's Desire» und «The Fungi From Yuggoth», ganz zu schweigen von zwei brandneuen Songs. Das aktuelle Material ist keine leichte Kost. Was im Original bereits schwer verdaulich ist, wird hier nicht leichter. Mit einer Affinität hin zu Klassik und Metal lässt sich den acht Songs sicherlich etwas abgewinnen. Zur musikalischen Unterhaltung beim Kochen taugt die Scheibe derweil nicht! Mit «Bach Out Of Bounds» liefern Alkaloid eine klassisch-innovative Performance ab, wie sie nur ein wahrer Maestro bieten und vermutlich auch verstehen kann.
Oliver H.