Bereits im ersten Takt von «Traveler» balanciert die Band Schwere und Leichtigkeit aus. Die Riffs sind dicht, aber nicht erdrückend, getragen von Elias Schutzmans kraftvollem und dennoch flexiblem Schlagzeugspiel. Das gesamte Album vermittelt ein Gefühl von Bewegung: Grooves dehnen sich aus, brechen nach innen zusammen und blühen dann wieder auf. «Death & Co.» und «Savior» neigen zu einem körnigen Stoner-Crunch, doch subtile melodische Wendungen verhindern, dass die Songs vorhersehbar werden.
Die titelnahe Single «Forever Beyond Me» zeichnet sich durch ihre perkussiven, dicht gewundenen Fuzz-Riffs aus, die kompakt und druckvoll sind. Dadurch kann sich David Cavaliers raue, bluesige Stimme (die mir sehr gut gefällt) mit Dringlichkeit passend durchsetzen. Mit «Border Hoarder» gibt es schon eine Fast-Ballade die auch im Schweizer Radio spielen könnte. Was «Forever Beyond Me» von vielen anderen Alben des Genres unterscheidet, ist seine texturale Ambition.
Mellotron, Synth-Flourishes, Bouzouki-Akzente und sogar ein Cello – insbesondere in «Follow» - erweitern die Klangpalette, ohne die Schwere zu verwässern. Die politische Unterströmung des Albums, die sich mit Entfremdung, Manipulation und der Verführung durch autoritäres Denken befasst, verleiht ihm zusätzliche Schwere. Black Lung vermeiden es jedoch, zu moralisieren. Stattdessen wird Frustration zum Antrieb. Man kann eine Anti-Trump-Haltung heraushören - aber sie ist atmosphärisch und ideell, nicht plakativ oder direkt benannt.
Mit nur sieben Titeln ist das Album prägnant und vielschichtig und lohnt es sich, ihm aufmerksam zuzuhören. Fans von Heavy Psych, Modern Doom und riffbetontem Rock mit emotionaler Tiefe werden es zu schätzen wissen. «Forever Beyond» ist nun nicht die Neuerfindung dieses Genre aber es gelingt der Band durchaus zu verfeinern und personalisiert es jedoch mit Überzeugung. Das macht es zu einem lohnenswerten Hörerlebnis und zu einem starken Beitrag zum sich weiterentwickelnden Katalog von Black Lung.
Lukas R.
