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Als ich Gary Arce einmal live in der Schweiz gesehen und getroffen habe, wurde mir sofort eines klar: Sein Gitarrenspiel scheint einer ganz eigenen Logik zu folgen. Sein Stil verfolgt einen natürlichen Fluss, der sich weniger wie Komposition und mehr wie Instinkt anfühlt. Strukturen entstehen, lösen sich auf und verwandeln sich in Echtzeit.
Derselbe Geist bildet den Kern von YAWNING BALCH – «Volume Four», auf dem sich Arce zusammen mit seinen restlichen Bandmitglieder von Yawning Man mit dem Fu-Manchu Gitarristen Bob Balch zusammentut, um eine der freigeistigsten Kooperationen des modernen Desert Rock fortzusetzen.
Dies ist kein Album, das sich um Songs im herkömmlichen Sinne dreht. Es gibt nur zwei Titel, die beide die 20-Minuten-Marke überschreiten und sich wie eine offene Strasse, die am Horizont verschwindet, entfalten. Anstatt nach eingängigen Hooks oder dramatischen Höhepunkten zu streben, setzt die Band auf Bewegung und Atmosphäre. Ideen tauchen ganz natürlich auf und verschwinden wieder, während Gitarrentexturen über Rhythmen schweben, die eher zu atmen scheinen als zu marschieren.
Was «Volume Four» von vielen Instrumental Psych oder Stoner Veröffentlichungen abhebt, ist das Fehlen von Ego. Man hat nie das Gefühl, dass jemand versucht, den Raum zu dominieren. Stattdessen hören die Musiker einander zu, reagieren und lassen die Musik organisch entstehen. Es fühlt sich weniger so an, als würden vier Musiker auftreten, sondern eher so, als würden vier Menschen gemeinsam eine Landschaft erkunden.
Entweder man liebt es oder man liebt es nicht. Entweder gehört diese Welt dir – oder eben nicht.
An alle Power-Rock-Fans, Heavy Metal Fans und reinen Death Metal Krieger da draussen: lest schon gar nicht mehr weiter, gebt die Mission auf und rennt weg. Aber meidet die Wüste – dort draussen könntet ihr ihnen begegnen… denn die Chancen stehen gut, dass ihr diesen Jungs irgendwo da draussen unter einem Joshua-Tree noch begegnet, wo sie immer noch denselben endlosen Jam spielen.
Aber wenn ihr ohne chemische Hilfe abheben wollt, wenn ihr es geniesst, den Alltag für eine Weile auszublenden, euer Gehirn auf eine Reise mitzunehmen und einfach durch Wellen aus Klang und Atmosphäre zu treiben, dann gebt dem hier eine Chance. Das ist keine Musik, die euch an der Gurgel packt. Sie zieht euch langsam an einen anderen Ort. Und wenn ihr es zulässt, merkt ihr vielleicht gar nicht, wie weit ihr gereist seid, bis die Reise schon vorbei ist.
Lukas R.