Der Albumtitel stammt aus Beowulf, wo ‘sceaduhelm’ eine Art bedeckende Dunkelheit beschreibt. In ihrem Interview mit dem New Noise Magazine erklärt Justin Greaves, dies habe zwei Seiten: Einerseits werde die Welt immer enger, andererseits sei es aber auch eine Art, sich selbst zu schützen. Diese Idee zieht sich durch das Album, ohne allzu deutlich ausgesprochen zu werden – was zum Stil der Band passt.
Musikalisch bleiben Crippled Black Phoenix ihrem in den letzten Jahren entwickelten Sound treu: langsame Steigerungen, sorgfältige Überlagerungen und ein starker Fokus auf Atmosphäre, weniger auf Melodie. Es gibt eine klare Verbindung zu Pink Floyd, was die Art und Weise betrifft, wie sich die Songs entfalten, jedoch ohne deren Ausmass oder Showcharakter. Greaves hat einmal scherzhaft gesagt, sie seien eine ‘Gartenhäuschen-Version von Pink Floyd’ – und das passt tatsächlich, denn hier geht es um Textur und Stimmung, nicht um grosse Gesten.
«One Man Wall of Death» eröffnet das Album mutig mit unruhigen Samples und einer allmählichen Steigerung der Intensität und gibt damit einen Ton vor, der nie wirklich nachlässt aber auch kein Song im eigentlichen Sinn darstellt. «Ravenettes» ist einer der strukturierteren Tracks, angetrieben von einem stetigen Puls, der das Thema der Wiederholung und wiederkehrender Gedanken widerspiegelt.
«No Epitaph / The Precipice» dehnt die Dinge weiter aus, setzt auf minimale Veränderungen und lässt die Spannung langsam aufbauen.
«Vampire Grave» sticht hervor, da es seine Idee sehr klar präsentiert. Anstatt das Vampir-Thema als Dekoration zu nutzen, macht es diese zu einer Art Entscheidung: sich vom Leben abzuwenden, anstatt zu versuchen, es zu reparieren. Ryan Pattersons Gesang ist direkt und geerdet, während Belinda Kordic eine distanzierte, beinah geisterhafte Ebene hinzufügt, die die Atmosphäre vertieft, ohne sie zu überfrachten.
Andere Tracks wie «Colder and Colder» und «Hollow’s End» stützen sich stark auf Bass und zurückhaltende Melodien und erzeugen Gewicht, ohne zu dicht zu werden. «Tired to the Bone» ist einer der reduzierteren Momente und zeigt, wie wirkungsvoll die Band sein kann, wenn sie sich noch weiter zurückhält.
Die drei Sänger - Kordic, Justin Storms und Patterson - spielen eine Schlüsselrolle dabei, die Dinge interessant zu halten. Jeder von ihnen bringt einen anderen Klang mit, doch sie geraten nie aneinander oder ziehen das Album in unterschiedliche Richtungen. Stattdessen wirken sie wie verschiedene Perspektiven innerhalb derselben Grundstimmung.
Das Album ist lang und nicht jeder Track überzeugt mit derselben Kraft. Dennoch bleibt das Tempo konsistent und die Band vermeidet unnötige Umwege.
«Sceaduhelm» ist nicht auf schnelle Wirkung ausgelegt. Es entfaltet seine Wirkung am besten, wenn man ihm Zeit gibt - besonders für Hörer, die langsames, detailreiches Songwriting und eine dunklere emotionale Palette schätzen. Ich selbst bin ein bisschen enttäuscht von dieser Scheibe. Es fehlen mir die wunderschönen Melodien von früher, die bei Songs wie „No Epitaph – The Precipice” zwar kurz aufflackern, aber eben zu selten. Aber das ist immer noch Kritik auf höchstem Niveau, denn die Band liefert nach wie vor sensationelle Musik ab.
Lukas R.