Doch nun ist Frank weg - zumindest von den Snakes - und hat sich der überlebenden Grossvater-Generation des Punk bei den Sex Pistols angeschlossen, um der legendären, aber alternden Institution etwas dringend benötigte Jugend zu bringen. Die Frage bleibt also: Gibt es derzeit jemanden, der dieselbe Mischung aus Gefahr, Charisma und unvergesslichen Songs liefert?
DEATH LENS versuchen es auf jeden Fall. «What's Left Now?» steckt voller moderner Punk-Zutaten: Frustration, soziale Spannungen, emotionale Erschöpfung, gewaltige Refrains und genug Rohheit, um schweisstreibende Club-Shows anzuheizen. Die Band aus Los Angeles kombiniert Punkrock, Post-Hardcore und Alternative-Einflüsse in Songs wie «Am I A Drug To You» zu einem Sound, der eindeutig in der Gegenwart verankert ist, statt einfach die Vergangenheit zu recyceln.
Das Problem ist nicht die Energie. Die Wut ist da. Das politische Bewusstsein ist da. Auch die musikalische Qualität ist solide. Aber im Vergleich zu Frank Carters bestem Material fehlt etwas, vor allem in Bezug auf Persönlichkeit und Songwriting. Frank Carter hatte immer diese gefährliche Selbstsicherheit und emotionale Unberechenbarkeit, durch die selbst schwächere Songs noch seine unverkennbare Präsenz trugen. Im Vergleich dazu wirken Death Lens oft kontrollierter und austauschbar innerhalb der heutigen Post-Punk- und Alternative-Punk-Landschaft.
Es gibt hier starke Momente. «Debt Collector» trifft hart, «Power» hat echten Drive und die persönlicheren Tracks verleihen dem Album emotionale Tiefe. Doch allzu oft bleiben die Songs knapp davor stehen, wirklich unvergesslich zu werden. Man geniesst das Album, während es läuft, doch nur wenige Momente bleiben einem danach wirklich im Gedächtnis.
Dennoch ist «What's Left Now?» ein respektables, modernes Punk-Album, das sich durch genügend Authentizität und Dringlichkeit von einem Grossteil der überpolierten heutigen Szene abhebt. Es erreicht vielleicht nicht das Charisma oder die Songwriting-Brillanz von Frank Carter & The Rattlesnakes auf ihrem Höhepunkt, beweist aber, dass im zeitgenössischen Punk noch Leben steckt.
Lukas R.