Das Album entfaltet sich Track für Track wie ein dicht geschriebenes Kapitel eines modernen Punk-Dramas. Ich war mir auch sicher dass diese Jungs aus den UK sind, aber ganz falsch; Bremen. «Black Hole» eröffnet das Album mit unmittelbarer physischer Kraft. Dichte Gitarren und ein unerbittlicher rhythmischer Drive ziehen die Hörer:innen direkt in das Universum der Band hinein. Die kurze Pause in der Mitte des Songs fühlt sich an wie ein angehaltener Atemzug, bevor die Spannung noch stärker zurückkehrt und die Kerndynamik des Albums etabliert wird. Druck, Entspannung und erneute Wirkung.
«Fat White Families» folgt mit schärferen Kanten. Rhythmisch drängend und melodisch direkt trägt er eine unverkennbare politische Schärfe. Die Wut ist hier eher kontrolliert als chaotisch und wird in einem nachhallenden Refrain vermittelt, ohne die Botschaft abzuschwächen. «Disappointed» verlagert den Fokus nach innen. Der geschriene Refrain wirkt kathartisch, beinah reinigend, als würde die Frustration verbrannt statt nur ausgedrückt werden. Der Groove sitzt fest und macht den Song zu einem der unmittelbarsten und befriedigendsten Momente des Albums.
«The League» verlangsamt das Tempo und lässt Unbehagen aufkommen. Die Melodien treten stärker in den Vordergrund und die Spannung wird psychologischer. Der zurückhaltende Aufbau des Tracks verstärkt dessen thematische Bedeutung und beweist, dass Dramatist Dringlichkeit auch ohne konstante Lautstärke vermitteln kann. «Glasgow Nights» zeichnet ein düsteres, urbanes Bild. Die Gitarren klingen regennass, der Gesang distanziert und angestrengt, als würde er durch leere Strassen hallen. Es ist einer der cineastischsten Titel des Albums, der eher von Stimmung als von offener Aggression geprägt ist.
«Unknown Hero» bietet einen seltenen Moment kollektiver Befreiung. Seine Mitsingbarkeit verwässert die Dunkelheit nicht, sondern formuliert sie neu und suggeriert eher Widerstandsfähigkeit als Flucht. «Loathing» lässt die Spannung wieder zunehmen: Getrieben und unerbittlich. Bevor der letzte Track «Go» sich nach aussen ausdehnt. Zunächst zerbrechlich und zurückhaltend, wächst er langsam zu einem sechsminütigen Abschied, der alle emotionalen Fäden – Wut, Zweifel und Entschlossenheit – zusammenführt und zu etwas Still-Bejahendem erhebt.
Insgesamt wirkt «Wasting Words» sorgfältig zusammengestellt und zielgerichtet. Jeder Song spielt eine bestimmte Rolle, sodass man das Album am besten als Ganzes erlebt. Für Zuhörerinnen und Zuhörer, die Intensität mit Tiefe schätzen, ist dies ein Debüt, in das es sich wirklich lohnt einzutauchen.
Lukas R.