Eigentlich nur als Side Projekt zu ihrer Hauptband Lone Wanderer gegründet, wurden Kerrigan vom Erfolg selber überrascht. Jetzt schiebt man also den Nachfolger «Wayfarer» nach, und diese Scheibe wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass die "Keep It True" Anhängerschaft Schnapp-Atmung kriegt. Alleine schon Sänger Jonas Weber jagt mir mit seinem Gesang eine Hühnerhaut nach der anderen den Rücken hinunter, und das Songwriting wie die Melodien sind einfach nur unfassbar gut.
«Torchbearer» eröffnet den Reigen dieser unvergesslichen Hymnen. Umgehend fällt auf dass Kerrigan, im Gegensatz zu vielen Bands, auch viel Wert auf melodiöse Strophen legen und nicht ihre ganze Arbeit nur in einen eingängigen Refrain setzen, wobei das nicht ausschliesst, dass dieser nicht packend ist. Das folgende, schnellere «Asylum» geht ebenso ins Ohr wie der Opener, doch mit der Single «The Ice Witch» haben sich Kerrigan gar selbst übertroffen. Das klingt nach den goldenen Achtzigern, natürlich nach der NWOBHM, und der Song transportiert dieses Gefühl direkt in dieses Jahrtausend.
Den Refrain kriege ich seit Tagen nicht aus den Ohren – «Surrender» holt mich ebenfalls schon vom ersten Ton ab. Hier sind, trotz deutlichem Speed Metal Grundgerüst, auch die Einflüsse von 80er Hard Rock zu hören. Der Titeltrack ist hält das Niveau locker, und was fehlt denn dann noch? Ach ja, ein vor Klischees triefender Heavy Metal Lob-gesang. «Blood And Steel» stillt den Hunger, bevor es mit «Dystopia» wieder etwas ernster und düsterer wird. Wohl dem, der eine Single an zweitletzter Stelle des Album platzieren kann, denn mit «Fighter» holen Kerrigan nochmals zum Rundumschlag aus, fetter Refrain inklusive.
Als Abschluss wird es mit «Red Light Tower» wiederum etwas epischer und komplexer, aber alles immer noch absolut stimmig zum Rest der Scheibe komponiert. Die Baden-Württemberger haben es also geschafft, denn «Wayfarer» ist tatsächlich noch mal eine Ecke besser als der schon starke Vorgänger. Was bitteschön ist das denn für ein Jahr? Wir haben erst einen Viertel vorbei und Bands wie Hellripper, Triumpher, Greyhawk, Leatherhead, Tailgunner, Kreator, Megadeth und nun eben Kerrigan liefern solche Götter-Alben ab. Wahnsinn!
Rönu
