Erneut verankert die Band ihr Werk in den Werken Jules Vernes - diesmal liess sie sich von Vernes weniger bekanntem Roman ‘Das Schloss in den Karpaten’ inspirieren. Was zunächst wie eine Nischen-Konzeptwahl erscheinen mag, entpuppt sich schnell als natürliche Erweiterung der künstlerischen DNA von Nautilus: ein immersives, weitgehend instrumentales Geschichtenerzählen durch Klang. Die Idee von Konzept-Alben hat etwas unmittelbar Fesselndes, besonders wenn sie mit Überzeugung umgesetzt wird.
Und hier wirkt die Verbindung zu Jules Verne nicht wie ein bequemes Etikett, sondern wie etwas Unvermeidliches. Nautilus hat ihre gesamte Karriere darauf aufgebaut, literarische Welten in Musik zu übersetzen, und diese langjährige Hingabe zeigt sich deutlich. Dies ist keine oberflächliche Hommage, sondern ein tief verwurzelter künstlerischer Ansatz. Für Hörer, die Musik geniessen, die sich wie eine Erzählung entfaltet, in der etwas passiert und in die man wirklich eintauchen kann, bietet dieses Album genau dieses Erlebnis.
Von den ersten Augenblicken an schafft «A Castle Full Of Secrets» eher ein Gefühl für einen Ort als eine Abfolge von Songs. Es lädt dazu ein, die Augen zu schliessen und in die Karpaten einzutauchen. Die für die Band typische Mischung aus melodischem Progressive Rock, Art Rock und elektronischer Musik entfaltet sich mit Geduld und Präzision. Synthesizer schaffen weitläufige, filmische Kulissen, während sorgfältig platzierte Gitarren-Linien, die oft an den ausdrucksstarken Stil von Mike Oldfield erinnern, emotionale Klarheit verleihen, ohne die Kompositionen zu überlagern.
Stilistisch bewegt sich Nautilus weiterhin in einem Raum zwischen der Berliner Schule der elektronischen Musik und dem klassischen Progressive Rock. Ihr seit 1998 kultivierter Sound verbindet fliessende elektronische Sequenzen mit organischer Instrumentierung auf eine Weise, die sich sowohl nostalgisch als auch zeitlos anfühlt. Was jedoch am meisten hervorsticht, ist die Ernsthaftigkeit der Absicht der Band. Dies ist Musik, geschaffen von Musikern, die ihr Handwerk und ihre Konzepte eindeutig ernst nehmen, ohne jemals prätentiös zu werden.
Der überwiegend instrumentale Charakter des Albums gibt den Kompositionen Raum zum Atmen. Die Stücke entwickeln sich langsam, beginnen oft mit zarten, beinah schwerelosen Texturen, bevor sie sich zu dynamischeren Passagen steigern. Dieser Ansatz macht das Hörerlebnis weniger zu einer sofortigen Befriedigung, sondern vielmehr zu einem Eintauchen in die Musik. Wer lange Kompositionen schätzt, wird dieses Album als besonders lohnenswert empfinden, denn seine ausgedehnten Stücke entfalten sich wie Kapitel und geben den Ideen den Raum, den sie benötigen, um sich vollständig zu entfalten.
Was dieses Album auszeichnet, ist sein Fokus auf Atmosphäre statt auf Effekthascherei. Obwohl die musikalische Leistung durchweg stark ist, wirkt sie nie wie eine Zurschaustellung technischer Fähigkeiten um ihrer selbst willen. Stattdessen dient jedes Element der Geschichte. Dezente, gesprochene Passagen und sorgfältig integrierte Soundeffekte bereichern die Erzählung, ohne davon abzulenken, und unterstreichen die literarische Grundlage des Albums. Letztendlich ist dies ein Album für Lauscher, die Tiefe, Geduld und Zusammenhalt schätzen.
Es spricht nicht diejenigen an, die nach sofortigen Ohrwürmern oder energiegeladener Intensität suchen. Für alle, die sich jedoch zu konzeptionellen Werken, detaillierten Klanglandschaften und Musik hingezogen fühlen, die dazu einlädt, sich in ihr zu verlieren, beweist Nautilus einmal mehr, warum sie einen so einzigartigen Platz innerhalb der progressiven Musik einnehmen. Ich glaube es ist ganz einfach: Ihr hört eine Minute rein, gefällt es Euch, seid Ihr im Uboot mit dabei; falls nicht, dann müsst Ihr auch nicht weiterskippen, um für den nächsten Song zu hoffen. Dann ist es einfach nicht Eures..., und nun bau ich an meiner "Nautilus" weiter!
Lukas R.