Im Kern bewegt sich Ritual Arcana an der Grenze zwischen Doom, Hard Rock und etwas Älterem, das sich nicht genau benennen lässt. Die Riffs bewegen sich langsam, aber entschlossen, niemals aufgebläht, niemals nachsichtig. Hier herrscht Schwere, aber auch Schwung – das Gefühl, dass sich ein Rad dreht, statt dass ein Stein sinkt. Tracks wie «Occluded» und «Road Burnt» schreiten mit zeremonieller Schwere voran, während «Free Like A Pirate» und «Summon The Wheel» den Kreis aufbrechen und Luft, Bewegung und einen Feuerblitz zulassen.
Was dieses Album auszeichnet, ist seine Struktur - oder vielmehr seine Weigerung, das Erwartete zu liefern. Diese Songs folgen nicht der üblichen Strophe-Refrain-Liturgie. Stattdessen entfalten sie sich wie Beschwörungen, geleitet von Basslinien, die Richtung und Spannung vorgeben. Die Gitarre folgt nicht als Meister, sondern als "Klang-Bildhauer", der Textur, Melodie und plötzliche Erleuchtung in den bereitgestellten Raum einritzt. Soli kommen nur dann zum Einsatz, wenn sie notwendig sind und um zu offenbaren.
Die wahre Achse des Rituals ist jedoch die Stimme. SharLee LuckyFree tritt nicht im traditionellen Sinne auf, sondern sie spricht. Ihre Rezitation bewegt sich von zurückhaltender Befehlsgewalt zu spektraler Befreiung und verkörpert eher Transformation als Erzählung. Dies ist kein Untergang, der in Klage gesungen wird, sondern in Erklärung. Hier liegt Autorität vor - der Klang von jemandem, der den Namen kennt, der ausgesprochen wird. Die Produktion ist klar, ohne steril zu sein; sie ist schwer, ohne übertrieben zu sein.
Jedes Element ist hörbar, beabsichtigt und sorgfältig platziert, was dem Album eine Kohärenz verleiht, die wiederholtes Anhören belohnt. Je mehr man sich diesem Album hingibt, desto klarer wird es. «Ritual Arcana» wird vor allem bei Zuhörern Anklang finden, die Atmosphäre über Nostalgie und Intention über Genre-Treue stellen. Es ist wohl nicht für jedermann geeignet – und genau darin liegt seine Stärke. Wer bereit ist, sich auf dieses Album einzulassen, wird es als fesselndes, sorgfältig ausgearbeitetes Werk empfinden, das Zeit und Geld wert ist. "Fiat sonus. Fiat mutatio. Fiat libertas".
Lukas R.