Musikalisch bleibt das Album fest in der Spur des Heavy-Blues-/Stoner-Rocks von Hermano, aber mit einer Lockerheit, die nur aus Vertrauen entsteht. Die Gitarren sind dicht, ohne in Fuzz zu ertrinken, und bevorzugen gewichtige Midrange-Riffs und geduldige Phrasierung gegenüber übermässiger Verzerrung. Die Rhythmus-Gruppe legt sich in tiefe, swingende Grooves, die den Songs einen geerdeten, beinah menschlichen Puls verleihen. Nichts ist gehetzt, nichts zieht sich hin – alles rollt. Ein Highlight ist John Garcias Gesangsleistung. Seine Darbietung ist selbstbewusst und abgeklärt und strahlt Autorität ohne Zwang aus.
Er dominiert den Mix nicht, lässt die Songs atmen und zieht dennoch die Aufmerksamkeit auf sich. Diese Balance ist entscheidend dafür, warum dieses Set so lebendig wirkt. Was «Clisson, France», von anderen Live-Alben unterscheidet, ist sein Sinn für Struktur. Die Setliste fliesst wie eine sorgfältig erzählte Geschichte, wechselt zwischen härteren Stücken und ruhigeren Momenten, hält aber die Energie durchwegs hoch, ohne das Publikum zu ermüden. Die Fans sind zu hören, aber nie aufdringlich, sodass es die Atmosphäre eher verstärkt als von der Musik ablenkt.
Es gibt keinen bestimmten Songtext, der das Album "erklärt". Stattdessen untermauert die Art und Weise, wie Hermano Wiederholungen, Zurückhaltung und unverblümte Zeilen einsetzen, die Kernaussage der Rezension: Diese Musik funktioniert durch Groove, Vertrauen und gemeinsamen Instinkt, nicht durch grosse Statements. Für Fans authentischer Heavy-Musik ist dieses Album absolut hörenswert. Für all diejenigen denen Melodie und Inhalte wichtiger als pure Energie sind, wohl eher weniger.
Lukas R.
