Zusammen mit Neusänger Derrick Green produzierten sie fröhlich weiter und seitdem sind weitere 30 Jahre vergangen. Nun scheint die Zeit für Sepultura allerdings reif, ihr letztes Kapitel aufzuschlagen. Mit über 40 Jahren Bandgeschichte, 14 Goldalben und Auftritten in mehr als 80 Ländern gilt die Truppe als Brasiliens kompromisslose Botschafterin auf der Weltbühne und als eine der einflussreichsten Metal-Bands der Gegenwart. Doch wie verabschiedet man sich nach so vielen Jahren würdevoll? Die Antwort ergab sich ganz natürlich: Indem sie einen letzten kreativen Moment einfangen und für die Nachwelt bewahren.
Im Jahr 2024 nahmen Sepultura, nach dem Abgang von Drummer Eloy Casagrande, den 23-jährigen amerikanischen Schlagzeuger Greyson Nekrutman in ihre Reihen auf. Als Ausnahmetalent mit einem breiten musikalischen Vokabular erwies sich Nekrutman schnell als starker Impulsgeber innerhalb der Band. Gitarrist Andreas Kisser fühlte sich dazu berufen, diese einzigartige Chemie zu dokumentieren, bevor er Sepultura endgültig in den Ruhestand schickt. So entstand die Idee für eine letzte EP. Das Ergebnis ist «The Cloud Of Unknowing», eine vielfältige und emotional bewegende Veröffentlichung.
Mit ihren vier Tracks dient die EP als bittersüsser Abschied und zeigt das gesamte Kreativ-Spektrum der Band. Von der direkten, treibenden Kraft von «All Souls Rising», die in Momenten orchestraler Pracht mündet, bis hin zur introspektiven Powerballade «Beyond The Dream». Mit ihren teilweise klaren Vocals, spiegelt die EP sowohl die Wildheit als auch die Tiefe wider, die das Vermächtnis von Sepultura ausmacht.
Der Vierer wählte die legendären Criteria Studios in Miami, einen historischen Ort, an dem bereits unzählige ikonische Aufnahmen aus allen Musikrichtungen entstanden sind, produziert von ihrem langjährigen Freund und Mitstreiter Stanley Soares. «The Cloud Of Unknowing» ist ein abschliessendes Statement, ungefiltert, furchtlos und zutiefst menschlich, das vielleicht nach 4 Dekaden Frieden bringt und endlich den Riss zu schliessen vermag.
Oliver H.