Ob dies der Tatsache geschuldet ist, dass ein weiterer Gitarrist sowie ein neuer Bassist an Bord ist? Egal, denn die Einzigartigkeit dieser Platte zeigt sich bereits im allerersten Titel «Det Største Offer. Er ist ein neunminütiger Eröffnungs-Track, was an und für sich schon ein Statement ist. «Hævnen» enthält keine radiotauglichen Piratensongs oder schnellen Hit-Singles, denn die sieben Songs erzählen eine Geschichte, die in mehrere Abschnitte unterteilt ist, und dabei die gesamte Bandbreite der neuen Besetzung präsentiert.
Ein herausragendes Stück ist «Blodhæven», das mit orientalischem Flair beginnt und sich dann in todesmetallische Gefilde hochschaukelt, bevor es sich zu einem melodischen, aber dennoch mitreissenden Stück beruhigt, das mit leichten Tin-Whistle-Melodien schliesslich ausklingt. Auch «Truslen Fra Dybet» (Die Bedrohung aus der Tiefe) hat ein verlockendes akustisches Intro, das sich mit hypnotischen Percussion-Breaks und vielschichtigen Gesangs-Stimmen hochschaukelt, und wie der Ozean selbst, natürlich an- und abschwillt.
«Hævnen» ist ein Album darüber, seinen Standpunkt zu vertreten, auch wenn der Preis hoch ist. Damit die Erzählungen möglichst authentisch rüberkommen, sind alle Texte in dänischer Sprache verfasst. Andererseits entnimmt man diese Spannung, zwischen Absicht und Wirkung, auch der Gegenüberstellung von J. Asgaards rauen Growls und Line Burglins klarem Gesang. Ebenso hört man den Kontrast zwischen den harschen doppelten Gitarren-Riffs und Rikke Johansens Spiel auf traditionellen Volks-Instrumenten. Dadurch braucht die Zuhörerschaft kein einziges Wort zu verstehen, sie spürt, wie Emotionen, Schmerz und Ruhm den Raum durchfluten.
Vansind besitzen die Fähigkeit, das Rohe und Raffinierte zu einer puren klanglichen Eleganz zu verschmelzen, und sie brechen mit Konventionen, probieren neue Klangfarben aus und erkunden unterschiedliche Perspektiven, was sie stellenweise aus der Masse dieses Subgenres hervorhebt.
Oliver H.