«Architects Of A New Weave» ist bereits Album Nummer 15. Wer die Band kennt, wird sich sofort zuhause fühlen. Tom S. Englunds markante Stimme, die melancholische Grundstimmung, die Mischung aus Härte und Melodie – all das ist vorhanden. Gleichzeitig wirkt die neue Scheibe etwas direkter und zugänglicher als manche ihrer Vorgänger. Songs wie «The Shadow Self», «The World Is On Fire» oder «Leaving The Emptiness» gehen schnell ins Ohr, ohne dabei ihre Tiefe zu verlieren. Der progressive Anteil ist nach wie vor da, steht aber nicht im Vordergrund. Statt verschachtelter Instrumentalpassagen konzentriert sich die Band stärker auf starke Refrains und eingängige Songstrukturen.
Die personellen Veränderungen innerhalb der Band machen sich kaum negativ bemerkbar. Das Schlagzeug wirkt druckvoll, die Gitarren liefern die gewohnte Mischung aus Schwere und Atmosphäre, und die Keyboards sorgen immer wieder für jene Klangflächen, die seit Jahren zum Evergrey-Sound gehören. Nicht jeder Song zündet sofort. Einige Stücke brauchen mehrere Durchläufe, bevor sie ihre Wirkung entfalten. Das war bei Evergrey allerdings schon oft so. Die Band schreibt keine Musik, die nach einem einzigen Hördurchgang alle Karten auf den Tisch legt.
Ein Highlight ist das Duett mit Mikael Stanne auf «A Burning Flame». Auch «Longing» und der Schlusspunkt «The Prophecy» setzen emotionale Akzente und sorgen dafür, dass das Album gegen Ende nochmals an Intensität gewinnt.
«Architects Of A New Weave» wird vermutlich nicht für jeden Fan das neue Lieblingsalbum der Band werden. Dafür fehlt vielleicht der ganz grosse Überraschungsmoment. Aber erneut liefern Evergrey eine starke Sammlung von Songs ab, die sich nahtlos in ihre Diskografie einfügt.
Fünfzehn Alben später gibt es immer noch keinen echten Ausrutscher. Allein das ist bereits eine beachtliche Leistung.
Lukas R.