Das Ganze fliesst derart eingängig und scheinbar logisch ineinander, dass man zwar irgendwie wahr nimmt, dass das ziemlich progressiv ist, es aber nie aufgesetzt wirkt. Exist scheinen nicht progressiv zu sein, um der Welt aufzudrücken wie toll sie als Musiker sind, sondern weil es schlicht ihren Liedern dient. Emotionen ist hier das passende Stichwort. Und davon transportieren Exist viele auf diesem Album. Gerade weil sie mit grossen Gegensätzen arbeiten. Klar ist das Konzept "harter Rhythmus unter liebliche Klänge gelegt" nicht neu. Hier steigt es aber eine ganz andere Dimension auf. Kommt dazu, dass «Hijacking The Zeitgeist» klingt, als sei es live, aber ohne Publikum eingespielt worden.
Es atmet und wirkt nicht zu perfekt. Eine Warnung ist aber für Freunde von Prog Metal wichtig: Exist musizieren zwar unter dem Etikett Prog Metal. Wer darunter Lieder im Stile von Dream Theater, Symphony X, Threshold oder Ayreon erwartet, wird hier massiv enttäuscht. Die Chose hat damit nur wenig zu tun, und selbst das verträumte «Funeral Toll» klingt eher modern als klassisch. Dass die Truppe gar noch Jazz Metal drauf hat, beweisen sie in «A Path To Nowhere», bevor wieder Blastbeats einsetzen. «Hijacking The Zeitgeist» ist ein Album, das Fans von richtig hartem Prog Metal begeistern kann. Es wirkt eingängig, aber für die Masse wohl trotzdem ziemlich sperrig. Mir gefällt es.
Roger W.