Trotz des Artworks, das auf den ersten Blick an einen fantastischen, ja sogar tolkienesken Drachenmythos erinnert, entfaltet sich hier eine Klangvision, die eher an Hieronymus Bosch erinnert: grotesk, ritualistisch und beunruhigend gelassen. Von den ersten Augenblicken an bewegt sich das Album in einem bedächtigen, beinah erstickenden Tempo. Dies ist kein Black Metal, der von Aggression oder Geschwindigkeit angetrieben wird. Stattdessen bewegt er sich wie eine Prozession vorwärts.
Die Riffs wiederholen sich mit hypnotischer Absicht, sorgfältig übereinandergeschichtet, sodass mit jedem Durchgang das Gefühl der Unruhe wächst, anstatt Erlösung zu bieten. Tracks wie «Sacrificium» zeichnen sich durch chantartige Strukturen aus, die an klösterliche Liturgien erinnern, jedoch zu etwas weitaus Unheilvollerem verdreht wurden. Die ausschliessliche Verwendung lateinischer Texte verstärkt diesen Effekt und verwandelt die Stimme in ein Instrument des Rituals statt der Erzählung.
Gesanglich liefert Broberg eines der prägenden Merkmale des Albums. Seine Darbietung wechselt zwischen tiefen, höhlenartigen Growls und feierlichem, beinah zeremoniellen Gesang. Prominent abgemischt fungieren diese Vocals als Wegweiser durch die bedrückende Atmosphäre des Albums und ziehen die Hörer weiter in dessen Abgrund, anstatt sie von ihm wegzustossen.
Was «Daemonium Regni» besonders fesselnd macht, ist seine Zurückhaltung. Es gibt nur wenige plötzlichen Ausbrüche von Chaos, keine konventionellen Höhepunkte, sondern nur einen stetigen Abstieg. Es ist auf seltsame Weise meditativ und in seiner Trostlosigkeit sogar beruhigend, wenn auch stets mit dem Gefühl, sich an einem Ort verirrt zu haben, an dem man nicht sein sollte.
Dies ist kein leichtes Hörerlebnis und soll es auch nicht sein. Fans des frühen Bathory oder der dunkleren Seiten des ritualistischen Black Metal werden hier viel zu schätzen wissen. Andere wiederum werden es als undurchdringlich empfinden. Doch wer sich auf das Tempo von «Daemonium Regni» einlässt, erlebt eine seltene Art von immersiver Dunkelheit, die noch lange nachklingt, nachdem die letzte Note verklungen ist.
Lukas R.
