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Schweden zählt als sicherer Exportschlager, wenn es um knüppelharten und soliden Death Metal geht. Allerdings fehlt dem Soliden oftmals die Innovation. Überraschenderweise findet dies mit dem Debüt «2026» von RIKET ein Ende!
Von mittelschnellen Stomp-Rhythmen über heavy Harmonien bis hin zu maschinengewehrhaften Riffsalven: «2026» ist eine wohltuende Massage für das verwöhnte DM-Ohr. Mit ihrem Erstling präsentieren Johan "Flid" Fridell (v), Tobias Jakobsson (g), Jussi Niiranen (g), Micke André (b/bv) und Felix Wahlund (d) eine klangliche Zeitkapsel, die die Zuhörerschaft auf neun schonungslose und beunruhigende Reisen über menschliches Versagen und deren Folgen mitnimmt. Die Lyrics sind alle in schwedischer Sprache, wodurch die Platte fest im kollektiven Gedächtnis der Nation verankert ist, und aus Ereignissen schöpft, die eine dunklere Seite der schwedischen Geschichte zeigen.
«1867: Storsvagåret» thematisiert die grosse Hungersnot, in der Kälte und die raue Natur die Bevölkerung dezimierten, «1868: Sommar Vid Vinterviken» untermalt die Geschichte einer Fabrik-Explosion in Stockholm und «1948: Att Döda Ett Barn» ist von traurigen Melodien durchzogen und betrauert die Kindersterblichkeit auf schwedischen Autobahnen. So steigen die Jahreszahlen stetig an, zwar nicht in chronologischer Reihenfolge, und enden musikalisch im Jahr 2009. Ein Titeltrack, im herkömmlichen Sinn, findet sich nicht, aber auch für diesen hätte die Truppe bestimmt nicht lange suchen müssen.
Musikalisch nehmen Riket die Zuhörerschaft auf der Überholspur mit, im Kofferraum die Anleihen von At The Gates, Grave und Carcass, im Inneren jedoch modern und durchschlagend produziert. Aufgenommen wurde «2026» von Sverker Widgren, dessen Handschrift bei Alben von Mörk Gryning, Frantic Amber und Centinex lesbar ist. Die neun Tracks sind meist galoppierend, aber niemals gehetzt, und die messerscharfen Riffs geben stets den Ton an.
«2026» ist definitiv mehr als bloss ein weiteres Death Metal Album, und Riket sind definitiv mehr als bloss eine weitere Band, die gekonnt Schwedentod komponiert. Sie sind Gefässe der Erinnerung, düstere Boten, der Vergangenheit und der Gegenwart. Das Ergebnis ist ein Longplayer, der noch lange nachklingt, nachdem die letzte Note verstummt ist. «2026» ist verdammt gut, aufwühlend, authentisch und zeitlos!
Oliver H.