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“…Dann haben wir immer mehr Songs geschrieben, EP’s aufgenommen, plötzlich ein Album rausgebracht…“
Paleface Swiss wurden 2017 in Zürich (Schweiz), erst unter dem Namen Paleface (Bleichgesicht) gegründet und der Vierer verfolgt einen musikalischen Ansatz, der von Fachkritikern oft dem Deathcore zugeordnet wird. Diese Typisierung wird dem Sound der Truppe aber nur indirekt gerecht, denn mit einer Vielzahl von melodischen Nuancen und sorgfältig ausgearbeiteten Harmonien, die ein ideales Umfeld für die Entwicklung von Texten schaffen, ist ihr Aufstieg in der Metalszene als raketenhaft zu bezeichnen. Lustigerweise scheint die Band gerade in ihrer Heimat am wenigsten bekannt zu sein.
Ein Thema, das sich schon länger durch die musikalische Welt des Landes zieht. Dennoch war 2025 das Jahr von Paleface Swiss mit der Veröffentlichung ihrer Kracherplatte «Cursed», der dazugehörigen Monstertour sowie der Vorankündigung ihrer EP am 2. Januar 2026. Dies war Grund genug, um endlich etwas Licht ins Dunkel zu bringen, und mit einer Band zu sprechen, die im eigenen Land noch nicht bei allen im Gedächtnis ist. Der Gitarrist, Yannick Lehmann, war für das Gespräch, in Mundart, ein angenehmer Zeitgenosse.
MF: Im Januar 2025 ist das aktuelle Album «Cursed» erschienen, das raketenmässig durch die Decke schoss. Dieser Erfolg kam aber nicht von heute auf morgen. Wie war der Anfang von Paleface Swiss (bitte die Kurzfassung)?
Yannick: Phuuu! (lacht) Da muss ich mich schon sehr anstrengen, um das zusammenzukriegen. Nein, grundsätzlich war es ziemlich einfach. Unser Sänger “Zelli“ (Marc Zellweger) hat mich einfach gefragt, ob ich Bock habe, ein paar Gitarrenriffs für sein Projekt aufzunehmen. Da habe ich natürlich zugesagt, und eines führte dann schliesslich zum anderen, sodass ich bald darauf bei dem Projekt eingestiegen bin. Dann haben wir immer mehr Songs geschrieben, EP’s aufgenommen, plötzlich ein Album rausgebracht und ja, nun stehen wir da, wo wir heute stehen (lacht).
MF: Also wirklich noch oldschool: von der Garage auf die Bühne?
Yannick: Absolut, das war bei uns genau so. Vom Proberaum auf die Bühne. Damals hatten wir in der Garage oder im Luftschutzkeller die erste Bandprobe… vom Luftschutzkeller auf die Bühne!
MF: Wie habt ihr eigentlich entschieden, dass ihr den Sound macht, den ihr heute produziert?
Yannick: Das war ein relativ langer Prozess, weil zu Beginn haben wir uns sehr dem Slamming Beatdown angenommen. Darin musste ich selber auch erst einmal wachsen und mich darin vertiefen, weil es etwas ganz Neues für mich war. Ich hatte bis dahin eher Modern Metal und Thrash Metal gespielt. Darum war das für mich Neuland, musikalisches Neuland. In diesen Stil habe ich stets meinen Metal-Einfluss eingebracht, und plötzlich klang es so, wie es jetzt klingt. Ich würde sagen, unser Sound ist nicht bloss 0815-Slamming Beatdown oder eben Deathcore, da ich diesen Einfluss vom Metal immer einbringe.
Bei «Fear & Dagger», unserem zweiten Album, haben wir wirklich angefangen, ein bisschen Neuland zu erkunden, weil wir einfach Bock hatten. Vor allem der “Zelli“ hört auch viel Rock, Pop und Hip-Hop. Er ist musikalisch sehr breit gefächert. Ich höre auch gerne gute alte Rockballaden oder mal einen Track ausserhalb des Metalgenres. So war ziemlich schnell klar, dass wir verschiedenes ausprobieren wollen. Auch dort führte wieder das eine zum anderen. Wir haben zuerst bei «Fear & Dagger» ausprobiert, dann bei «Cursed» noch mehr ausprobiert. Und dann, ja, da sind wir heute.
MF: Ich muss ehrlich gesagt zugeben, dass ich euch erst seit einem halben Jahr auf dem Schirm habe.
Yannick: Ich habe generell das Gefühl, die Schweizer Szene ist noch nicht so bewandert, was Paleface Swiss betrifft. Logisch, wir sind immer noch in der Schweizer Metalszene beheimatet und trotzdem sind wir vom Output her, glaube ich zumindest, international schon die grösste Schweizer Metalband momentan, wenn ich das so sagen darf. Trotzdem kennt uns nur die halbe Schweiz… habe ich zumindest das Gefühl, oder?
MF: Das ist eine interessante Feststellung, die sich über Jahre unter Musikern hartnäckig hält. Hast du 2025 noch immer das Gefühl, dass man als Prophet im eigenen Land nichts zählt?
Yannick: Ja, schon. Schweizer Musiker eben.
MF: Muss man sich noch immer im Ausland die Sporen abverdienen?
Yannick: Absolut! Also, in unserem Fall war das extrem. Ich weiss jetzt nicht, wie es bei anderen Bands aus der Schweiz ist. Ich weiss nicht, wie es damals bei Eluveitie war, da habe ich echt keine Ahnung. Aber ich glaube, dass auch Krokus und Coroner erst in Amerika und in Deutschland gross geworden sind, bevor sie für die Heimat interessant wurden. Ich denke, dass die Schweiz gar nicht genügend Ressourcen hat, um eine Band gross zu machen. Du musst nach Deutschland ausweichen. Das sehe ich momentan bei vielen Schweizer Newcomer-Bands, die es zu etwas bringen, dass sie in Deutschland anfangen, wie wir auch. Dort zu einem Management oder zu einem Label gehen, und erst da anfangen zu wachsen, bevor es wieder in die Schweiz zurückgeht.
MF: Ist sehr schade, dass es so ist, aber in diesem Zusammenhang: was bedeutet der Gig für dich, den ihr im Februar 2026 in der Halle 622 haben werdet?
Yannick: Phoa, das wird eine der grössten Shows für uns sein, vor allem in der Schweiz. Für mich als grosser Musikfan, der auch viel in der Halle 622 an Konzerte gegangen ist…, ich habe damals Slayer auf ihrer Abschlusstournee dort gesehen. Ich kann mich heute noch daran erinnern, wie geil das war, und jetzt werde ich plötzlich selbst, als performender Musiker da oben stehen. Das ist schon... krass! Ich glaube, dass ich es erst dann wirklich realisiere, wenn ich effektiv dort oben bin und auf der Bühne herumlaufe (lacht).
MF: Bei der Show in der Halle 622 steckt ihr bereits mitten in der grössten Europatournee eurer Bandgeschichte.
Yannick: Genau! Das ist schon relativ nahe. In einem Monat sind wir schon am Spielen, oder haben bereits einige Shows gespielt. Es geht bei uns kontinuierlich weiter, und wir haben nicht wirklich eine Pause. Auch wenn wir nicht gerade auf der Bühne stehen, geben wir Vollgas für dieses Projekt.
MF: Das merkt man euch an, aber gerade das Tourleben ist ja nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen.
Yannick: Das ist absolut so. Vor allem die ersten zwei Touren, die europäische Headliner- und gerade im Anschluss die Amerikatour. Es war wirklich so, dass wir Ende Januar (2025) die erste Show in Zürich gespielt haben und Anfang Mai wieder von Amerika nach Hause kamen. Dort spielten wir immer sechs Shows, einen Tag frei. Das ging von Ende Januar bis Anfang Mai. Das war schon krass! Das machen wir nicht mehr, denn das war wirklich “too much“.
MF: Gibt es anhand dieser Erfahrungen gewisse Vorbereitungen, die ihr auf Tour nun anders macht?
Yannick: Mehr Off-Days einplanen! Also mehr effektive Freitage. Das ist das Einzige, das du machen kannst, ehrlich gesagt. Und das geht auch mit der Band.
MF: Ihr habt ein recht cooles Band-Package, mit dem ihr unterwegs sein werdet. Ist das mit den geplanten Off-Days kein Problem für die anderen Bands?
Yannick: Nein, das ist eigentlich nie ein Problem, wenn du Headliner bist. Du buchst erst deine Tour und nachher, wenn die Tour steht, gehst du zu den Support-Bands und fragst sie an, ob sie Bock haben, dabei zu sein. Erst wächst alles auf unserem Mist, bis wir damit rausgehen.
MF: Bleiben wir noch kurz beim Touren. Zu meiner Freude habe ich gesehen, dass ihr am kommenden Wacken Openair spielt…
Yannick: Jawoll… (lacht)
MF: Wie reagiert man als Band auf diese Einladung? Erstarrt man in eurer Generation noch vor Ehrfurcht oder ist der “Holy Ground“ auch nicht mehr das, was er einmal war?
Yannick: Also für mich persönlich ist das mega. Wow! Ich besuche seit neun Jahren als Gast das Wacken Openair. Ich war wirklich fast jedes Jahr dort. Das ist natürlich ein Bubentraum, der für mich in Erfüllung geht. Und sonst generell, ich sage jetzt mal, bandintern ist es schon gut angekommen, ein Teil vom Wacken zu sein, aber es ist nicht für alle gleich “wow“, da wir schon..., fast auf jedem grossen Festival, das sie in Deutschland haben, spielen durften. Aber für mich ist diese Teilnahme das absolute Highlight vom nächsten Jahr und ich freue mich extrem darauf.
MF: Euer Sound ist ab Platte technisch hochentwickelt. Ist das manchmal eine Challenge, das live auch rüberzubringen?
Yannick: Nein! Wir könnten dies wohl im Schlaf. Wenn ich auf die Tour zurückschaue, in der wir sechs Shows in Serie gespielt haben, musste alles getaktet sein. Es ist wie, wenn du bei einem Film “Play“ drückst. Wir gehen auf die Bühne und es ist eigentlich immer identisch wie der Vortag. Jede Pause ist gleich, jedes gesagte Wort ist in etwa gleich. Wir können das im Schlaf. Das ist schon ziemlich cool. Niemand muss bei uns studieren, was als nächstes kommt. Es passiert einfach. Es ist ein natürlicher Ablauf.
MF: Trotz der Sicherheit, die es euch bei Auftritten gibt, seid ihr bekanntlich keine Technik-Nerds, die gerne tüfteln.
Yannick: Also, wie soll ich das sagen? Wir sind zwar keine Fans der Technik, aber unser Live-Set, unsere Live-Show ist vollgepumpt mit Technik. Die Bühnenbilder, die Produktion, die Lichtshow, auch das In-Ear-Monitoring, es ist alles auf Klick, es ist alles auf die Sekunde genau getaktet. Aber du musst das einfach machen heutzutage, um eine fette Produktion zu bringen. Für eine Band, ich sage jetzt mal, wenn wir eine Hardcore-Band wären, dann wäre das nicht so schlimm. Mit einer Band aber, die eine Bühnenshow bringt, die Licht bringt, die die Show will, um ein Erlebnis zu kreieren, die muss einfach mit Technik arbeiten.
MF: Dann ist es gut zu wissen, die richtigen Leute dafür zu haben, oder?
Yannick: Oh ja, wir sind froh, dass wir eine sehr geile Crew dabeihaben, die wirklich technisch hochversiert ist und komplett versteht, was da abläuft. Ohne sie würde es nicht funktionieren. Wir mögen den ganzen Firlefanz nicht, aber wir machen es, weil es einfach dazugehört. Ist eben so.
MF: Gut, dann kommen wir doch noch zu eurer EP «The Wilted». Ich bin oft etwas zynisch, wenn es ums Thema EP’s geht. Vieles ist heutzutage Geldmacherei! Warum macht man als Musiker eine EP?
Yannick: Also, geplant ist es nie gewesen, vor allem, weil wir erst «Cursed» veröffentlicht haben vor einem Jahr. Normalerweise, sag ich jetzt, bringt man als Band alle zwei Jahre ein Album raus, oder? Aber wir haben..., wir waren so inspiriert von diesen Touren und den Shows, dass wir an den Off-Days auch Musik gemacht, weitere Songs geschrieben haben und dabei sind eben die vier Songs entstanden. Wir haben uns gedacht, wenn wir schon so weit sind, ziehen wir es durch: produzieren, aufnehmen und nochmals auf Tour gehen.
Das hat in unseren Augen einfach Sinn gemacht und ja, es ist sozusagen die Fortsetzung von «Cursed». Ganz organisch entstanden, ohne irgendeinen Hintergedanken. Klar, ich verstehe auf jeden Fall den Gedanken, dass vieles auch Geldmacherei sein kann. Verstehe ich komplett, aber die, die uns folgen und wissen, wie es bei uns abläuft oder abgelaufen ist, die wissen, dass die EP eine echte Herzensangelegenheit von uns ist.
MF: Auf «The Wilted» ist auch alles neu. Oftmals gibt es EP’s mit schlechten Live-Mitschnitten oder alte Songs, bloss neu vertont, und das ist…
Yannick: Nein, nein, das machen wir nicht. Das ist nicht unser Stil.
MF: Gut zu wissen! Die ersten drei Tracks klingen, gerade vom Gesang her, nochmals eine Spur aggressiver, und «Everything Is Fine» besticht zum Schluss mit einer grossen Portion Melancholie. Würdest du sagen, dass dies die Nachwehen der vergangenen Tour sind?
Yannick: Absolut! Die vier Songs sind effektiv “on the road“ entstanden. Neben Headline-Shows, neben den ewigen, langen Busfahrten durch Amerika und durch Europa sind sie der Output unserer Emotionen während der Tour. Das sind nicht nur schlechte Emotionen, es sind nicht nur gute Emotionen; wirklich alles Mögliche ist in diesen Songs verpackt. Für mich persönlich ist es cool zurückzuschauen, auf ein krasses Jahr mit “Ups und Downs“, und mit den vier Songs. Wenn ich sie höre, dann kommen so viele Emotionen hoch, kommen mir so viele Orte in den Sinn, wo wir diese Songs geschrieben haben. Zum Beispiel, das Riff XY habe ich in Albuquerque in New Mexico geschrieben. Dann das Anfangsriff von «Everything Is Fine» zum Beispiel, das habe ich in Leipzig geschrieben, am Valentinstag.
MF: Das ist etwas, das man als Aussenstehender nicht sieht, und teilweise zu Unrecht kritisiert:
"...wenn der Sound nicht dem gewohnten Stil entspricht..."
Yannick: Ja genau. Für mich sind alles einzelne Fotos. Weisst du, was ich meine? Ich sehe Fotos. Wenn ich ein Lied höre, sehe ich klare Bilder. Ich weiss dann, wo ich es geschrieben habe und wie ich mich damals gefühlt habe. Das ist mega.
MF: Mir ist aufgefallen, dass ihr euch bei «Cursed» für die aggressive Single «Hatred» entschieden habt, und bei «The Wilted» ist «Everything Is Fine» das Aushängeschild. Welche Einflüsse spielen für euch eine Rolle, was die Auswahl einer Single angeht?
Yannick: Das kann alles Mögliche sein. Ich kann dir das nicht klar beantworten. Es ist einfach ein natürlicher Ablauf, der irgendwann passiert. Oder ein Gefühl, das irgendwann kommt: „das muss die erste Single sein“. Bei «Instrument Of War» ist es so geil, wie wir die Kollaboration mit Stick To Your Guns an den Start gebracht haben. Da wir mit ihnen in den Staaten getourt sind, haben wir einen gemeinsamen Song geschrieben. Es hat einfach Sinn gemacht, den Song als Erstes rauszubringen. Erstens um die Freundschaft zu feiern, für etwas Gutes zu spenden, plus noch die anstehende Tour zu promoten. Macht Sinn, oder?
MF: Absolut. Wenn ich richtig informiert bin, seid ihr noch immer ohne Label. Dies aber ganz bewusst, oder?
Yannick: Richtig, wir machen alles selber. Deshalb arbeiten wir auch Tag und Nacht! Auch wenn wir nicht auf Tour sind, arbeiten wir wie blöd für dieses Projekt (lacht).
“…Es ist schon sehr, sehr persönlich, niemand hat uns reingequatscht, es sind alles unsere Entscheidungen und ehrlicher geht es gar nicht...“
MF: Ich habe die Frage bewusst gestellt, da oftmals Labels mitentscheiden, welche Single denn nun als erste ausgekoppelt wird, aber bei euch scheint dies eine reine Gefühlssache zu sein.
Yannick: Genau, also wirklich, das habe ich vorhin noch vergessen zu sagen: die vier Songs, so ehrlich sind wir noch nie gewesen mit uns selber. Wenn du einen Abdruck vom letzten Jahr machen würdest, dann wäre es die EP «The Wilted». Es ist schon sehr, sehr persönlich, niemand hat uns reingequatscht, es sind alles unsere Entscheidungen und ehrlicher geht es gar nicht. So, jetzt habe ich es: Ehrlicher geht es nicht!
MF: Sehr cool. Euer Debüt ist erst 2020 rausgekommen und vier Jahre später seid ihr nun an dem Punkt, an dem ihr heute steht. Hast du eine Erklärung für den raketenhaften Aufstieg?
Yannick: Welche Erklärung? Schwierig… einfach immer durchziehen (lacht). Wie soll ich sagen? Es klingt jetzt blöd, wenn ich sage, versuche immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber irgendwie haben wir es geschafft, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Natürlich, wir waren so viel als möglich auf Tour und haben alles Mögliche gespielt. Wir waren wirklich überall, einmal um die ganze Welt. Vor allem dieses Jahr und dem davor. Wir haben auch immer viel Social Media-Output gehabt, stets viel Präsenz. Ich bin auch überzeugt, dass die geile Musik, die wir schreiben, dazu beiträgt, die es in der Form bis dahin nicht gegeben hat. Klar gibt es alles schon, aber in dieser Konstellation nicht. Gerade die markanten Vocals vom
“Zelli“ sind ein Gamechanger und das Ass im Ärmel von uns.
MF: Bands von früher erzählen gerne ihre Geschichten, wie sie als Support begannen, und erst nach Jahren der «Drecksarbeit» in den Genuss als Headliner kamen. Ihr habt aber bereits nach drei Jahren mit Headline-Touren in den USA begonnen. Habt ihr das selbst organisiert?
Yannick: Das sind auch wieder so Sachen, die uns einfach immer in die Karten gespielt haben. Wir haben damals angefangen, mit einem Booking-Agenten aus Amerika zu arbeiten, und der hat die Fühler für uns ausgestreckt. Durch unseren Social Media-Output in den Staaten waren wir superbekannt, bevor wir überhaupt das erste Mal da waren. Dank Social Media sind wir für eine Support-Tour angefragt worden, und bereits vor dieser Support-Tour konnten wir schon die nächste Amerika-Tour zusagen…
MF: Krass!
Yannick: Und dann, während wir die erste Support-Tour in Amerika gespielt haben, ist von der zweiten geplanten Amerika-Tour der Headline-Act abgesprungen. Die Tour stand, und wir überlegten uns erst abzusagen, doch unser Booker meinte, dass wir einfach headlinen sollen. Dann haben wir es gemacht. Sind ein bisschen ins kalte Wasser gesprungen, und es war ein absoluter Riesenerfolg. Weil wir zu dem Zeitpunkt bereits dort waren, die nächste Tour schon gebucht war, gab es um uns einen Riesenhype in Amerika. Kurz nachdem wir nach Hause kamen, gaben wir die nächste Headline-Tour bekannt. Es sind alle komplett durchgedreht. Auch diese Tour war zu 80% ausverkauft, glaube ich. Ja, das ist krass. Solche Sachen haben uns extrem in die Karten gespielt.
MF: Das ist eine beachtliche Leistung, und ihr habt euch nie auf dem Erfolg ausgeruht, sondern immer weitergemacht.
Yannick: Du kannst dich gar nicht ausruhen, wenn du DIY unterwegs bist. Du hast kein Label, das dir den Rücken stärkt. Du musst wirklich alles selbst erarbeiten. Ja, absolut, ja.
“…Das letzte Jahr war für uns alle eine Challenge, dies mental durchzustehen, und immer 120% auf der Bühne zu geben...“
MF: Jeder Erfolg bringt bekanntlich auch negative Elemente mit sich.
Yannick: Also bei uns gibt es nichts Konkretes, was ich dir sagen kann, aber es ist Fakt, dass du mental schon relativ gut gestrickt sein musst. Das letzte Jahr war für uns alle eine Challenge, dies mental durchzustehen, und immer 120% auf der Bühne zu geben. Vor allem die vielen Shows, die waren für mich persönlich, mental sehr anstrengend. Ich habe ein strenges Jahr hinter mir. Ich bin aber an mir selber gewachsen, und ich bereue überhaupt nichts. Wenn ich allerdings etwas anders machen könnte, würde ich schon schauen, weniger Shows am Stück, mehr Zeit, um auszuruhen. Aber jetzt bin ich da, wo ich bin und ich bin froh, dass Paleface Swiss da sind, wo wir gerade sind. Ich glaube, dass wir mit dem vergangenen Jahr eine gute Vorlage gelegt haben, für die nächsten Jahre als Headline-Band.
MF: Was steht nächstes Jahr für Paleface Swiss noch so an?
Yannick: Auf jeden Fall die nächste Headline-Tour. Dann sind wir im Gespräch, wieder in die Staaten zu gehen, dort ist aber noch nichts fix. Eigentlich ist es für uns logisch, dass wir einmal im Jahr in die Staaten gehen, weil das ungelogen unser grösster Markt ist. Dann sicherlich die Sommerfestivals und zwischendurch vielleicht wieder mal zwei, drei neue Songs schreiben. Wer weiss! Konkret ist nichts geplant, aber wer uns kennt, der weiss, dass wir uns nie lange auf unseren Lorbeeren ausruhen.
MF: Es klingt alles sehr spannend, was du erzählst, und ich glaube, dass ich es doch noch irgendwie in die Halle 622 schaffen muss im Februar (lacht).
Yannick: Das wäre natürlich toll! Wir haben den Schweiz-Termin extra so gelegt, dass er an einem Samstag ist. Du kannst dich auf etwas freuen. Die neue Produktion, die wir auffahren, schon die Bühne allein, ist nochmals ein riesiger Step-up zum letzten Mal. Also die Leute können sich definitiv auf etwas freuen, würde ich jetzt mal behaupten (lacht).
MF: Zum Abschluss muss ich noch eine blöde Zusatzfrage stellen. Was hat es mit “Tommy Lee“, dem Namen eures Bassisten auf sich?
Yannick: Das ist sein eingetragener Name.
MF: Aber das hat er erst im Erwachsenenalter beantragt oder bereits seine Eltern?
Yannick: Sein Papi ist grosser Mötley Crüe-Fan. Jawohl! Der ist effektiv so eingetragen.
MF: Das habe ich nicht erwartet! Ich dachte, dass er der Einzige ist, der einen Künstlernamen hat.
Yannick: Nein, ist wirklich so. Du bist übrigens einer der ersten, die mich das persönlich gefragt haben. Ob er selbst viel gefragt wurde, das weiss ich leider nicht. Das hat er mir nie gesagt. Ist doch cool… finde es irgendwie geil (lacht).
MF: Ja gut, dann scheint wirklich alles geklärt (Gelächter). Wir haben alles abgegrast, einmal Querbeet und Sachen zusammengefasst, die du nicht schöner hättest sagen können.
Yannick: Gut danke! Also, danke vielmals. Ich habe jetzt erstmal zwei, drei Stunden Pause, dann geht es weiter.
MF: Besten Dank, geniesse deine Pause und ich hoffe, man sieht sich.
Yannick: Danke, schönen Abend noch, mach's gut. Bis dann, tschüss!