Freitag, 15. Mai 2026

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Samstag, 02 Mai 2026 22:46

OpenHair Metal Festival 2026 in Balzers (FL) Empfehlung

01. und 02. Mai 2026, Balzers (FL) - Sportplatz
By Nemo

Vom "OpenHair Metal Festival" habe ich zum allerersten Mal in einem Video über kleine Metal-Festivals im deutschsprachigen Raum gehört. Der Anlass verspricht anderthalb Tage puren Metal-Genuss unter freiem Himmel am ersten Wochenende im Mai. Ein perfekter Start in den Festival-Sommer also?

Das Line-up hat es jedenfalls in sich: Neben vielen mir noch unbekannten Bands werden Fans auch mit prominenteren Leckerbissen wie Stillbirth oder Opal In Sky gelockt. Insgesamt erwarten einen fünfzehn Acts, verteilt auf zwei Tage.

Dass ich da hin muss, war mir sogleich klar, denn auch kleinere Events abseits des Mainstreams mag ich wirklich gerne, insbesondere wenn eine gesunde Portion Extreme Metal vertreten ist. Ausserdem war es sowieso wieder mal Zeit für eine Auslandreise. Ja, korrekt gelesen: Das "OpenHair Metal Festival" findet dieses Jahr bereits in der achten Ausführung in unserem kleinsten Nachbarsland statt, dem Fürstentum Liechtenstein!

Anreise und Location
Mit reichlich Gepäck im Kofferraum nehme ich die Ausfahrt Balzers. Der Weg zum Camping oder zum grossen, kostenlosen Parkplatz ist klar signalisiert. Von letzterem aus beträgt die Gehdauer zum Festival-Gelände circa eine Viertelstunde, wobei der Weg an einem Supermarkt und einer bedienten Tankstelle vorbeiführt, falls man noch etwas fürs Camping benötigt. Die Camping-Flächen befinden sich direkt neben dem Festival-Gelände und bieten Möglichkeiten zum Übernachten mit Camper oder Zelt.

Das Festival-Gelände selbst ist überschaubar und funktional gehalten. Es handelt sich dabei um den geteerten Parkplatz eines Sportplatzes, quadratisch umgeben von einem Festzelt mit Bar, einer Imbissbude, dem Merchstand, einem Plüschtier-Schiessstand, einem Bierwagen, Toiletten, der Bühne und natürlich dem Metal Factory Stand. Kostenloses WLAN wird ebenfalls angeboten.

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Die Bühne ist ebenso funktional gehalten wie das restliche Setup und erinnerte mich an eine grosse Voliere. Die Wände bestanden aus einem sonnendämmenden Netzmaterial und die Zugänge zur Bühne wirkten wie aufgerissene Löcher an den Seiten, wodurch man hinten das Gebüsch und die Büsslein der Bands erkennen konnte. Insgesamt ist die kleine Bühne bereits sehr voll mit Equipment, für mich als Fotografen eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle!

Flashtrack
Kaum hatte ich mich eingefunden, drangen bereits mellow-heavy Riffs und leidenschaftlich gesungene Vocals aus den Lautsprechern. Für mich bewegten sich Flashtrack irgendwo zwischen Hard Rock und Heavy Metal, mit einem modernen Touch, der stärker auf konstanten Groove als auf Extreme setzt.

Die Liechtensteiner hielten ihre Performance auf der noch von Sonnenlicht gefluteten Bühne ab. Die Gitarre kam gut durch, der Bass war sauber eingebettet und insgesamt wirkte das Set roh, direkt und energiegeladen.

Das Publikum war noch überschaubar und auch auf grosse Show wurde verzichtet. Stattdessen stand eine schnörkellose, professionelle Darbietung im Vordergrund.

Die Sets folgen konsequent einer Taktung von rund 25 bis 30 Minuten und dauern zwischen 30 und 75 Minuten. Viel Leerlauf gibt es also nicht, das Programm ist wirklich dicht und vollgepackt.

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Ruin Rising
Das Vorarlberger Quartett brachte einen deutlichen Stilbruch mit sich: melodischer, tiefer, geladener. Als symphonische Deathcore-Vertreter setzen sie auf Synths, Chöre und weitere Elemente, die die Härte im Vergleich zu reinem Deathcore etwas abrunden. Ganz neu wirkt der Sound allerdings nicht, viele Elemente des modernen Metalcore sind klar hörbar, und wer sich die neuste Single «O Sleeping Death» anhört, wird kaum überhören, dass einige Passagen wohl von Lorna Shore inspiriert sind, auch wenn man sich hier eher an deren Stil orientiert, als technisch in vergleichbare Regionen vorzudringen. Die Breakdowns fügen sich dabei nahtlos ein und wirken nicht erzwungen.

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Zwar legte sich der von den letzten Sonnenstrahlen geblendete Sänger ordentlich ins Zeug, dennoch blieb die Bewegung auf der Bühne für Deathcore eher verhalten. Umso erfreulicher war es zu sehen, dass sich ein grosser Teil der noch überschaubaren Crowd zu einem Circlepit hinreissen liess, ein Bild, das hängen bleibt.

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Sublind
Nach dem Motto "von Kleinstaat zu Kleinstaat" übernehmen die erfahrenen Thrasher aus Luxemburg die Bühne. Erstmals an diesem Tag sind nun zwei Gitarristen simultan im Einsatz und produzieren einen modernen, energiegeladenen Thrash-Sound, der die Grenzen zum Death Metal spürbar aufweicht, getragen von treibendem Drumming, druckvollen Gitarren und rauen, gegrowlten Vocals.

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Auf die Stage-Performance die nun folgte, war ich nicht vorbereitet. Die Band überzeugte mit einer Bühnenpräsenz, die selbst viele prominentere Acts in den Schatten stellen könnte. Interaktionen auf der Bühne wirkten sehr organisch und professionell, etwas, das sich auch in den entstandenen Bildern klar widerspiegelt.

Der Sänger stand dabei barfuss auf der Bühne und schleuderte zwischendurch seine Birkenstocks durch die Gegend, ein kleines Detail, das den ohnehin schon energiegeladenen Auftritt zusätzlich unterstrich. Mich hat die Band jedenfalls vollends überzeugt und die Messlatte für die beste Bühnen-Performance war nun gesetzt. Songempfehlung: «Metalmorphosis»

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Ruins Of Perception
Kaum hat die Dunkelheit eingesetzt, kriegen wir es nun zum zweiten Mal heute mit Ruinen zu tun. Auch die Berliner Ruins of Perception spielen Symphonic Deathcore, unterscheiden sich musikalisch aber deutlich von Ruin Rising. Verfolgt wird hier ein traditionellerer Deathcore; dieses Metalcore-Feeling von zuvor bleibt zugunsten eines originelleren Mixes aus. Stattdessen wird auf Härte, starke Kontraste in den Vocals und ein Wechselspiel zwischen tiefen Riffs und melodischen Gitarren-Linien gesetzt. Eingespielte Pianotracks und Chöre begleiten die Musik, nehmen aber nie überhand.

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Dass Gitarrist Maximilian Gaube am längsten dabei ist, merkt man daran, dass er viele der Ansagen übernahm und nebst den Backing-Vocals auch etwas wie ein zweiter Frontmann wirkte. Immer wieder forderte er Circlepits, doch die Reaktion aus dem Publikum blieb darauf grösstenteils aus. Schade eigentlich, denn die Musik hätte allen Anlass dazu gegeben.

Durch die einsetzende Dunkelheit kam die Produktion allmählich besser zur Geltung. So konnte man durch die Flammen hindurch den einen oder anderen diabolischen Blick vom Sänger erhaschen, der perfekt zur dargebotenen Musik passte. Songempfehlung: «Shinigami»

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XONOR
Mit der Truppe aus St.Gallen kehrte der Thrash auf die Bühne zurück. Die sich selbst als "Thrashcore" bezeichnenden Schweizer betraten diese zunächst mit Sturmhauben, wobei man dabei nicht gerade von ikonisch sprechen kann, da dies inzwischen viele Bands machen. Musikalisch solide und energiegeladen wirkte der Auftritt insgesamt etwas weniger natürlich und organisch als noch bei Sublind, dafür aber deutlich inszenierter und verspielter.

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Die Band tritt bewusst mit einer provokanten "Bad-Boy" Attitüde auf, wobei deren Drummerin gleichzeitig die einzige Dame auf der Bühne an diesem Festival war. Immer wieder wurde betont, dass hier alles in Do-it-yourself-Regie passiert. Passend dazu etwa der Song «DIY Or DIE». Unterstützung gab es zudem von einem als Gorilla verkleideten Begleiter auf der Bühne, ein Detail, das den Auftritt zusätzlich auflockerte.

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Im Verlauf des Sets fielen schliesslich auch die Masken, während die Lichtshow bis dahin die intensivste des Tages war. Passend dazu war das Publikum hier erstmals spürbar aktiver und ging deutlich mehr mit als bei den vorherigen Acts und liess sich auch vom augenzwinkernden Chaos auf der Bühne gerne mitreissen.

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Opal In Sky
Wer wie ich regelmässig Videos zum Thema Metal auf YouTube schaut, dem wird diese kanadische Band, die einzige aus Übersee an diesem Festival, bestimmt ein Begriff sein. Die Zwillingsbrüder Dylon und Tyson Opalinsky, deren Nachname auch den Bandnamen prägt, wurden durch ihre "Fun metal things" Shorts über Metal-Musik und Szene-Klischees weit über ihr eigenes Subgenre Metalcore hinaus bekannt. Ich würde ihre Texte als aussergewöhnlich friedliebend und ihre Musik als eine Art "Feel-Good-Metalcore" bezeichnen. Aufgrund neulicher Veränderungen im Line-up übernahm der schwedische Gitarrist Joel Truelsen von Solar Guitars als Gastmusiker die Gitarrenrolle.

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Die Headliner-Show wurde ihrem Ruf alle Ehre. Sie vermochten das inzwischen deutlich zahlreicher erschienene Publikum voll zu überzeugen. Das vokale Wechselspiel zwischen den beiden Brüdern war perfekt abgestimmt, und die Zuschauer kamen in den Genuss eines unterhaltsamen, energiegeladenen Auftritts mit viel Bewegung und Humor. Dabei schien eine Motte den einen Bruder regelrecht in ihren Bann gezogen zu haben, da er sie immer wieder erwähnte und ihr nachblickte. Damit die Zuschauer nicht verdursten, wurden sie zwischendurch immer wieder aufgefordert, "stay hydrated!", während die beiden mal munter über die Bühne hüpften, mal im Schneidersitz auf dem Boden sassen. Songempfehlung: «Reflection»

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Ein gelungener Abschluss für den ersten Tag, wie ich finde. Erste Zwischenbilanz: Wie erwartet handelt es sich beim "OpenHair Festival" um etwas Besonderes. Nicht nur ist es wohl die einzige grössere Metal-Sause des Fürstentums mit rund 40'000 Einwohnern. Es wird einem schnell klar: Wer hier ist, ist entweder ein hart eingesottener Fan des Genres, ein Liechtensteiner oder ein grosser Fan einer der auftretenden Bands. Laufkundschaft, Mainstream-Fans oder experimentierfreudige Besucher waren hier, so zumindest mein Eindruck, kaum vertreten.

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Während dies für die Veranstalter womöglich eine Herausforderung darstellen dürfte, schafft es im Publikum eine sehr familiäre Atmosphäre. Bereits nach dem ersten Tag hat man das Gefühl, viele Gesichter wiederzuerkennen. Die Grenzen zwischen Fan und Band verschwimmen: Musiker schauen sich gegenseitig zu, unterhalten sich mit dem Publikum und bewegen sich ganz selbstverständlich über das Gelände. Man fühlt sich wie zu Hause, und genau so sollte es sein.


Weiter geht es mit Tag 2!

Echo vom Aathal
Der Einstieg in den zweiten Tag hätte kaum ungewöhnlicher ausfallen können. Die Wetziker lieferten einen überraschend heavy Auftakt auf Züridütsch und machten mit ihrem Zitat "Schwermetall ist das Geilste, was es gibt" auch gleich klar, wohin die Reise geht.

Besonders in Erinnerung bleibt der Frontmann im roten Alphorn-Outfit, der gleichzeitig Gitarre spielte und ins Alphorn blies. Das verzerrte Alphorn klang stellenweise wie eine extrem übersteuerte Gitarre und verlieh dem Ganzen eine ziemlich eigene Note.

Zur Mittagszeit war das Publikum noch überschaubar, viele waren wohl noch beim Essen, während bei sommerlicher Wärme und leichtem Wind ein entspannter Start in den Tag gelang.

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Unbekannte Täterschaft
Die Liechtensteiner, nach eigenen Angaben die unprofessionellste Band des Landes, sind ein Zusammenschluss von sechs Freunden, die gemeinsam Musik mit liechtensteinischen Vocals machen, für mich irgendwo zwischen Baseldeutsch, Bündner Dialekt und schwäbischen Einflüssen.

Mit drei Gitarristen war die Kapazitäts-Grenze der kleinen Bühne praktisch überschritten, wodurch einzelne Instrumente nicht mehr klar herauszuhören waren. Choreografie und das Schwingen eines alten Toasters durch den Frontmann sorgten dennoch für einige unterhaltsame Momente.

Zwei der Mitglieder fielen mir besonders auf, da sie auch bei vielen anderen Acts mit am härtesten mitfieberten, Gesichter, die mir bereits beim Bodysnatcher-Konzert im KiFF in Aarau als echte Die-hard-Fans aufgefallen waren.

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Cardiac
Mit der Band aus Genf wurde der Gesang auf der Bühne spanisch. Zu Beginn wirkten Cardiac noch etwas wie Aussenseiter, das Publikum schaute eher abwartend zu. Vor allem der Frontmann zog die Aufmerksamkeit jedoch schnell auf sich und vermochte die Zuschauer zu begeistern.

Seine Performance erinnerte mich stellenweise fast an einen Rapper, sowohl in der Art, wie er sich bewegte, als auch im Umgang mit dem Publikum. Die Bühnen-Präsenz war entsprechend stark und trug den Auftritt spürbar. Musikalisch wusste die Band ebenfalls zu überzeugen, insbesondere das druckvolle Drumming blieb hängen.

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Heria
Mit der einheimischen Gruppe Heria stand erneut eine Band aus Liechtenstein auf der Bühne. Musikalisch konnte mich der Auftritt weniger abholen. Die Songs wirkten stellenweise etwas gleichförmig und langgezogen, wodurch auch die Energie nicht wirklich auf das Publikum überspringen wollte. Ob es vielleicht an der Hitze in der Sonne lag? Während sich einige Zuschauer im Schatten sammelten, blieb es vor der Bühne eher ruhig, die einzige Bewegung war hie und da ein Schluck kühles Bier.

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Brutal Sphincter
Dass die fünf Belgier ein politisches Statement setzen wollen, daraus machen sie von Anfang an kein Geheimnis, denn Brutal Sphincter stellen sich so ziemlich gegen jede Form gesellschaftlicher Ausgrenzung. Ihre Kundgabe erfolgt durch satten Goregrind mit satirischen Elementen, wie man unschwer an Merch, Lyrics und dem Backdrop erkennen konnte, sowie sehr viel Interaktion mit dem Publikum. Wirkte es während Heria noch eher wie an einem Regional-Bahnhof um sechs Uhr morgens, ging die Post nun endgültig ab und es herrschte eine tolle Stimmung.

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Die Band vermochte das Publikum regelrecht in ihren Bann zu ziehen. Im ausgerufenen Circlepit der Frauen fiel schnell eine ältere Dame auf, die sich mit unglaublicher Energie am Geschehen beteiligte, eine Szene, die wohl keiner der Besucher so schnell vergessen wird. Wer sich also Sorgen macht, zu alt für Metal und Festivals zu sein, tut gut daran, sich von dieser "Legende von Liechtenstein" inspirieren zu lassen, wobei ich nur nebenbei aufschnappte, sie stamme wohl aus Chur. Wie sich später herausstellen sollte, hatte die gute Dame an diesem Tag noch einiges vor. Was bei mir aufgrund der satirischen Natur anfangs noch etwas Skepsis auslöste, erwies sich letztlich als wirklich solider und sehenswerter Live-Act.

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Causam
So wie der Tag bereits reich an Gegensätzen und Kontrasten war, ging es auch weiter. Nach der wilden Welt von Brutal Sphincter zogen dunklere Wolken über der Stage des OHM auf, und die Ziegenschädel mit darin brennenden Fackeln liessen bereits erahnen, was als Nächstes kommen würde.

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Mit Corpsepaint vom Feinsten setzten die Berner direkt zu ihrem postapokalyptischen Black Metal an. Klanglich erinnerte mich das Ganze an äusserst melodischen und epischen Black Metal, allerdings deutlich gemächlicher, als man es vom Genre her üblicherweise kennt. Der daraus resultierende Sound wirkt fetter, melodischer und moderner als klassischer Black Metal. Die Grund-Melodien besitzen stellenweise definitiv Ohrwurm-Charakter. Gutes Songbeispiel: «Abandon». Auch wenn sich die Songs untereinander etwas wenig Varietät boten, vermochten mich die Truppe und ihre Musik dennoch sehr zu überzeugen.

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Stillbirth
Trotz fehlendem Headliner-Status war klar, dass sie es für viele im Publikum irgendwie trotzdem waren, was sich anhand der zahlreichen Shirts kaum übersehen liess. Ganz in ihrem ikonischen Surferlook war auch die Bühne gehalten: schlicht, aber in grellem Gelb-Grün, mit Surfbrettern und einer aufblasbaren Bong.

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Ohne viel Zögern ging es gleich weiter mit den wohl bewegungsreichsten fünfzig Minuten des Festivals. Die Show war geprägt von pausenlosem, synchronem Headbanging und Herumspringen der Mitglieder. Dabei bewegte sich der Frontmann stets so nahe an der Sicherheitslinie der Flammenwerfer, dass man den kompletten Verzicht auf deren Einsatz gerne in Kauf nahm. Die Show war auch so schon hammermässig gut und explosiv.

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Dieser Meinung war auch die ältere Dame von früher, die energisch mittanzte. Dies entging Sänger Lukas natürlich nicht, und Sekunden später stand er neben ihr, während die beiden eine ganze Weile in Tandem tanzten. Ein Anblick, den man sich so kaum vorstellen kann. Dass Stillbirth musikalisch in meine Ecke fallen, ist wohl kaum überraschend, und alleine schon für diesen genialen Act hat sich der Besuch für mich absolut gelohnt.

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Cytotoxin
Im Hinblick auf Cytotoxin aus Deutschland wusste ich nicht ganz, was mich erwarten würde. "Tschernobyl Death Metal" – Was es nicht alles gibt, dachte ich mir, als ich mir einige Tage zuvor im Auto eine Hörprobe der Band gönnte. Einzuordnen sind sie irgendwo im modernen Techdeath neben Namen wie Archspire, Inferi oder Cryptopsy. Ihre Produktion wirkt dabei allerdings deutlich weniger puristisch und beinhaltet viele eingespielte Elemente wie Geigerzähler-Knistern, apokalyptische Geräusche oder Röcheln. Persönlich sagte mir dieser Anteil beim Playback weniger zu.

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Der Auftritt war gewissermassen auch historisch relevant, denn genau vierzig Jahre und sechs Tage zuvor ereignete sich in der damaligen Sowjetunion die Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl, dem zentralen Motivgeber der Band.

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Als Cytotoxin loslegten, war das Publikum, mich eingeschlossen, sofort mitgerissen. Die Bühnen-Show war für das Festival mit Abstand die ausgeklügeltste, und das Publikum kam den Aufrufen des Sängers nach “Circlepitonium” gerne nach. Dessen Leidenschaft ging dabei stellenweise so weit, dass der Sänger sich das Mikrofon gleich komplett in den Mund schob. Glühende Fässer und sehr viel direkt gerichtetes Licht machten die Show zu einem fantastischen Erlebnis, und dass die Musiker ihr Handwerk überdurchschnittlich gut beherrschen, merkte man sofort. Für mich sind Cytotoxin wieder einmal ein gutes Beispiel für eine Band, die man live gesehen haben muss, um sie wirklich zu verstehen.

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Messiah
Nach einigen Startschwierigkeiten mit den Tontechnikern legten auch Messiah zum Abschluss los. Nach der Action der vorherigen Acts wirkten viele der Zuschauer etwas mitgenommen, wobei es ja auch bereits fast Mitternacht war. Die Energie kam stattdessen von den Ikonen selbst, deren Show erstmals seit Sublind wieder spürbar von Interaktionen zwischen den Bandmitgliedern geprägt war, während das Publikum eher beobachtend dastand und händisch mitfieberte. Die Metal-Oma hatte sich inzwischen in der vordersten Reihe eingefunden, um auch hier nochmals mit vollem Einsatz dabei zu sein. Genial.

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Die Show wirkte insgesamt deutlich klassischer und fokussierter als viele der vorherigen Acts, lebte aber genau deshalb von der Erfahrung und Bühnen-Routine der Band. Ein würdiger und atmosphärischer Abschluss für einen langen, abwechslungsreichen Festivaltag. Erst nachdem der letzte Applaus verklungen war, realisierte ich, dass das Festival nun auch schon wieder vorbei war.

Im Nu waren danach die Leute weg, bis auf einige Verweillustige, die sich noch im Festzelt versammelt hatten, um gemeinsam nachzufeiern und lautstark zu Chop Suey! mitzusingen.
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Fazit: Klein aber fein? Nun ja, das möchte ich etwas relativieren. Ein paar spannende Zahlen: Das Festival dauerte insgesamt 17 Stunden und 40 Minuten, wovon 11 Stunden und 35 Minuten reine Bühnenzeit waren, verteilt auf fünfzehn Bands. Aufgerufen wurden dafür CHF 50.- Pro Stunde Livemusik macht das gerade einmal rund CHF 4.32, inklusive Parking, Camping, WLAN und einer familiären Atmosphäre, die man so nur selten antrifft. Für heutige Verhältnisse ist das ehrlich gesagt fast schon unschlagbar. Dazu war alles wirklich gut organisiert. Auch die musikalische Balance war top, für alle war etwas dabei, insbesondere für Extreme Metal Fans.

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Persönlich hat mich das "OpenHair Festival" vollends überzeugt und steht für mich sinnbildlich dafür, dass Metal abseits der ganz grossen Bühnen eine eigene Klasse für sich ist.

Für mich waren diese zwei Tage gleich doppelt besonders: Einerseits wegen des Festivals selbst, andererseits, weil dies zugleich mein erster Einsatz für Metal Factory war. "OpenHair" bleibt mir als ein Ort in Erinnerung, an dem die Grenzen zwischen Band und Publikum sowie jung und alt irgendwie gar keine Rolle spielen. Ein Festival, bei dem man einfach zusammenkommt, um gemeinsam geile Musik zu erleben.

Eines ist jedenfalls klar: Ich weiss bereits, was ich am nächsten, ersten Mai-Wochenende vorhabe. Ihr auch? Ciao, man sieht oder liest sich!

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