
Swiss Hard Rock and Heavy Metal Magazine since 1999
You can reach us via email or phone.
+41 (0) 79 638-1021
Metal Factory since 1999
"…"Holy shit" war seine Reaktion…"
Es gibt sie also doch noch – die Momente – in denen ich positiv überrascht werde. Dieses Mal mit einer neuen Truppe namens Lex Legion und alten Bekannten. Andy La Rocque (Gitarre), Pete Blakk (Gitarre), Hal Patino (Bass) und Mikkey Dee (Schlagzeug) spielten alle von 1988 bis 1990 bei King Diamond und waren für die Klassiker «Them» und «Conspiracy» zuständig. Nun, 36 Jahre später, kommen die Jungs zusammen mit Pagan's Mind Sänger Nils K. Rue ums Eck und präsentieren eine Scheibe, die nach mehr schreit und verlangt.
Klassischer Metal, mit vielen grandiosen Gitarrenparts, fantastischen Melodien und einer Rhythmus-Sektion in Bestform, das sind Lex Legion, ein Name, den man sich fett auf der Einkaufsliste aufschreiben muss. Wer die Truppe nicht sofort ins Herz schliesst, hat bis anhin den Zugang zum Metal nicht gefunden. Trotz aller Affinitäten hin zu King Diamond sind die Jungs eine Band, die sich von der Vergangenheit freischwimmen konnten, trotzdem immer wieder an diese erinnern, aber auf ihre ureigene Art. Doch lest selbst wie alles gekommen ist, welche Ziele die Jungs (im Zoom-Meeting waren Andy und Pete) verfolgen und mit welchem Spass sie unterwegs sind.
MF: Wann ist die Idee für Lex Legion entstanden?
Pete: 2008 haben Andy und ich ein paar Aufnahmen für Disaster/Peace gemacht. Danach war er sehr beschäftigt und somit hatten wir keine Zeit mehr an gemeinsamen Dingen zu arbeiten. Während des Lockdowns 2020 sass ich in den Staaten in meinem Keller und nahm einige neue Lieder auf. Es waren einfach Demo-Recordings mit einer Drum-Maschine, Gitarren und Bass. 2021 spielte ich die Tracks Mikkey vor.
Wir sassen beim ihm zu Hause und tranken Kaffee. Da hörte er meine neuen Ideen. "Holy shit" war seine Reaktion (grinst). Ich dachte nicht, dass er offen ist für etwas Neues, weil ich davon ausging, dass er mit den Scorpions zu beschäftigt sei. Mikkey meinte: "Lass uns Andy anrufen". "Ich dachte ihr zwei seid zu beschäftigt, denkst du wirklich, dass Andy daran interessiert ist?", war meine Antwort. Zwei Tage später rief mich Mikkey an und sagte: "Andy ist dabei" (grinst). Nun sind wir da (lacht).
MF: Was dabei herausgekommen ist, finde ich sensationell!
Andy: Oh vielen Dank, du hast dir schon das komplette Album angehört? Das ist die Reaktion aller Journalisten, mit denen wir schon sprachen. Es ist absolut verrückt (lacht) und wir sind so glücklich, dass dir die Scheibe auch so gut gefällt.
"...Ich kann dir sagen, das ist echt grossartig!..."
MF: Wie hat es sich angefühlt, wieder in der «Them» Besetzung zu spielen?
Pete: Ich kann dir sagen, das ist echt grossartig!
Andy: Wir anerkennen und akzeptieren die Verrücktheit, in der wir uns gerade befinden. Damals noch mehr wie heute. Es ist aber fantastisch, dass wir wieder zusammenarbeiten können, wie gute, alte Freunde. Daraus entsteht ein mitreissender Ritt guter Musik. Als Nils an Bord kam, war er die Kirsche auf der Torte. Es fühlt sich einfach wundervoll an, mit den Jungs wieder zu musizieren.
MF: Wie haben sich die Egos in den letzten 38 Jahren verändert?
Andy (lachend): Pete, da kannst du antworten…
Pete: …nun gut. Wir mussten nur akzeptieren, dass wir älter geworden sind (grinst), sonst ist alles beim Alten geblieben. Wir hatten nie Egos die uns hinderten oder im Weg standen. Es ist einfach eine supereinfache Angelegenheit, mit den Jungs wieder Musik zu machen. Ich denke, dass Mikkey bereits ein wichtiger Teil in der Vergangenheit war, mit seiner Art Schlagzeug zu spielen. Hör dir nur die Alben «Conspiracy» und «Them» an. Es waren aber auch unsere Markenzeichen, welche die Alben geprägt haben.
Ich bin mir sicher, dass es nach unserem Ausstieg für diese Art von Musik ein grosses Loch gab, das niemand füllen konnte. Für Jahre konnte niemand solche Musik kreieren. Auch King nicht, der in eine bedeutend verspieltere Richtung ging. Das Ganze hörte sich eher wie ein sich gegenseitiges Übertrumpfen an. Wir versuchten nun, diese Lücke von damals zu füllen, mit der Art wie wir Musik spielen. Logisch klingen Lex Legion wie King Diamond aus der früheren Phase. Aus dem einfachen Grund, weil wir das sind, damals wie heute.
Es ist dieser musikalische Stil, der als Resultat ans Tageslicht kommt, wenn wir zusammen musizieren. Ich weiss, wie Mikkey Schlagzeug spielt und habe dies verinnerlicht. Das ergibt eine natürliche Energie, und diese gemeinsame Power hörst du auf dem Album. Das ist ehrlich. Wir setzen uns nicht hin und wollen wie dieses oder jenes klingen, sondern schreiben diesen Sound, weil es aus uns auf eine völlig natürliche Art und Weise herausfliesst. Ich hatte diese Ideen, spielte sie Mikkey vor, der völlig begeistert war. So kam alles ins Rollen und fügte sich auf eine frische und natürliche Art zusammen.
Andy: Es sind 35 Jahre vergangen, seit unserem letzten gemeinsamen Werk. Wir sind klüger geworden und nicht mehr so verrückt wie damals (lacht). Wir hatten eine wundervolle Zeit zusammen und ich hoffe, dass man auch hört, dass wir bessere Musiker geworden sind!?
"…Dabei versuchen wir so einzigartig wie möglich zu sein…"
MF: Interessanterweise hört sich das Album nicht danach an, dass 35 Jahre dazwischen liegen, sondern wie ein Nachfolgewerk zu «Them», «Conspiracy» oder «The Eye». Speziell auch wegen dem Gitarrenspiel von euch.
Andy: Das Spiel ist unser Stil. Wie auch die Art, wie wir zusammen Solos spielen. Wir wollten keine Kopie oder eine Weiterführung von damals sein. Es passierte viel in den 35 Jahren. Lex Legion sind eine neue Band, mit neuer Musik und dabei versuchen wir so einzigartig wie möglich zu sein.
MF: Wie lange habt ihr nach einem geeigneten Sänger gesucht?
Andy: Wir sprachen vielleicht sechs Monate darüber, hatten aber zu der Zeit noch nicht genügend Songs, um sie einem möglichen Kandidaten zu präsentieren. Viele Sänger hatten wir im Kopf, haben dabei aber nicht mit allen über Lex Legion gesprochen. Es gab einige Optionen, die wir diskutierten. Wir hätten uns für niemanden entscheiden können, mit dem wir nicht vorher gesprochen hätten. Ich erinnerte mich an einen Shouter, mit dem ich 2009 zusammengearbeitet habe. Das war Nils. Er hätte vielleicht eine gute Alternative für diesen freien Posten sein können.
Ich schickte ihn einige Songs zu und er meinte: "Ja, lass es uns versuchen". Wir wollten sehen, was er aus unserem Demos macht. Nach einigen Tagen sendete er uns wirklich grossartige Versionen der Tracks zurück. "Wow, das ist unser Mann!" (grinst), das ist die Stimme, die wir in der Truppe haben wollen. Wir haben Nils von Beginn weg gesagt, dass er seinen Stil einbringen soll. "Sei dich selbst und keine Kopie von jemandem!" Wir suchten nach dieser speziellen und eigenen Stimme.
MF: Wie entstand der Bandname?
Pete: Ich hatte die Idee mit dieser "Legion", die ich im Namen wollte. Es beschreibt uns. Wir sind eine Legion und kamen mit aller Kraft zurück. Mikkey fügte "Lex" dazu, und mit diesen beiden "L's", bekam dieses "Lex Legion" eine Bedeutung. Wenn du googelst, findest du folgende Erklärung: "Legion des Gesetzes" oder "Armee des Gesetzes". Das klingt powervoll, auch ein bisschen dunkel, magisch und mysteriös. Purer Metal (grinst). Das beschreibt uns bestens.
MF: Wie stark habt ihr es vermisst wieder ins Studio zu gehen und ein neues Album aufzunehmen?
Pete: Martin, wir haben schon fast unser zweites Album aufgenommen (lacht). Andy und ich arbeiten bereits wieder an neuen Songs. Wir beiden haben die Grundlagen für das erste Material geschaffen. Ich und Andy kamen mit Ideen an. Wir nahmen sie auf, dann arrangierten wir sie zusammen mit Mikkey. So kam ein Puzzleteil zum anderen und wir drei fügten alles zusammen. Die Drums wurden aufgenommen, dann der Bass von Hal, der in seinem Studio in Norwegen alles aufgenommen hat. Nils nahm den Gesang in seinem Studio auf.
Andy: Und ja, wir haben tatsächlich schon einige Ideen für das nächste Album. Bei dem wir aber noch nicht wissen, wann es veröffentlicht wird. Beziehungsweise, wann es fertig sein wird.
Pete: Es existieren bereits sechs Lieder?!
Andy: Korrekt.
"…Wir sind alles Oldschool-Musiker…"
MF: Andy, wie einfach war es für dich nach 2007 und dem bisher letzten Kind Diamond Werk «Give Me Your Soul… Please» wieder ins Studio zu gehen?
Andy: Dieses Mal war es sehr einfach, weil wir den passenden Sound fanden. Wir sind alles Oldschool-Musiker und wussten genau, was wir wollten. Speziell bei den Gitarren. Als Mikkey sein Schlagzeug aufnahm, war es für uns sehr einfach in diesen Groove zu fallen und den Grundstein zu legen, wie sich das Album nun anhört. Es war fantastisch, die Scheibe einzuspielen. Normalerweise wenn man in eine Produktion als Musiker und zugleich Produzent involviert ist, findest du dich in einem kopflastigen Konflikt wieder. Aber dieses Mal bekam alles ganz schnell sein Platz, auch der Bass von Hal und der Gesang von Nils. Alles fügte sich zusammen.
MF: Habt ihr Druck beim Komponieren verspürt?
Andy: Nicht wirklich, weil wir einfach Spass hatten. Alle von uns sind mit der Musik aus den Siebzigern und Achtzigern aufgewachsen. Die Art, wie wir geschrieben haben, kam auf natürliche Weise zu uns. Auf die gleiche Weise spielen wir auch Musik. Druck? Klar, wir wollten ein grossartiges Album veröffentlichen (grinst). Aber dass wir uns unter Druck fühlten etwas machen zu müssen, nicht. Wir sprachen immer über unsere Vorstellungen und Ideen, tauschten uns aus und jeder trug durch seine Art dazu bei, ein fantastisches Werk zu kreieren. Ich denke, jeder der involviert war ist der Meinung, dass es eine leichte Arbeit war (grinst zufrieden).
MF: Sind die Lieder auf «Lex Legion» alles neue Lieder oder stammen die Ideen von früher?
Andy: Alles wurde speziell für «Lex Legion» komponiert und stammte aus den Jahren 2020 bis heute. Abgesehen von «Far Away», da kam die Grundidee aus der 2008er-Session. Somit ist alles neu.
MF: Wie schwer war es für euch, wegen eurer Vergangenheit, nicht wie eine Kopie von King Diamond zu klingen und die eigene Lex Legion DNA zu kreieren?
Andy: Ich denke nicht, dass dies ein hartes Stück Arbeit war. Wir sind mit Lex Legion einen anderen Weg des Musizierens gegangen und versuchten, uns so weit wie möglich von der Vergangenheit zu entfernen. King Diamond sind King Diamond und Lex Legion sind Lex Legion. Natürlich hörst du einige Parts, die dich an «Them» oder «Conspiracy» erinnern könnten. Das war schon immer unser Weg, wie wir Musik geschrieben und gespielt haben. Aber wir sind eine einzigartige Truppe und stehen für uns allein.
MF: Wieso habt ihr keine längeren Songs auf dem Album…
Andy (lachend): …denkst du, dass alles zu kurz ausgefallen ist (mit einem schelmischen Grinsen)?
MF: Nein, aber eure Musik ist prädestiniert dafür!
Andy: Ich verstehe dich Martin (grinst noch immer), aber wir haben die Lieder bewusst kurzgehalten. Wir wollten sie zugänglicher machen, nicht zu kompliziert oder zu progressiv. Es sollte für die Fans einfacher zu konsumieren und zu hören sein. Die Tracks sind gegen vier Minuten, was meiner Meinung nach die perfekte Länge ist. Aber auch das hat sich ganz natürlich ergeben. Niemand von uns dachte, dass wir neunminütige Songs schrieben sollten. Warum auch? Wenn du nicht viele verschiedene Teile in einem Lied hast, musst du es auch nicht unnötig verlängern.
MF: Ihr habt alles richtig gemacht. «Lex Legion» klingt nach den Achtzigern, besitzt aber diese unglaubliche, zeitlose Qualität.
Andy: Vielen Dank Martin! Das ist genau, was wir hören wollen (lacht), nicht wahr Pete? Ich stimme dir zu 100 % zu.
Pete: Es hat sich alles so ergeben, ohne uns verbiegen zu müssen, auf eine ganz normale Art. Andy eine Scheibe produzieren, mischen und mastern zu lassen, ist wundervoll. Wir haben nicht gross darüber nachgedacht, wie wir klingen wollen, sondern haben aus dem Herzen heraus geschrieben.
Andy: Martin, zeitlos, das ist ein sehr schönes Wort. Wenn du denkst es ist zeitlos, ist dies ein wundervolles Kompliment. Auch ich bin der Meinung, dass es zeitlos ist. Mit einer moderneren Produktion. Das ist eine sehr gute Kombination, denke ich.
MF: Als ich mir das Album zum ersten Mal anhörte, dachte ich: "Das ist eines dieser Alben nach denen ich suchte, als ich jung war". Diesen Sound wollte ich hören.
Andy: Wow, das ist ja richtig cool und schön zu hören, vielen Dank.
Pete: Ja, vielen Dank!
Andy: So was zu hören macht uns richtig glücklich, wenn wir die Freude an diesem Album mit dir teilen können.
"…Er hatte absolut freie Hand zu kreieren, was er wollte…"
MF: Wer hat die Texte geschrieben?
Andy: Das war Nils. Er hatte absolut freie Hand zu kreieren, was er wollte. In der Vergangenheit schrieb er viele Science Fiction Texte. Auf «Lex Legion» hat er sich aber an spirituelle Themen herangewagt und auch Erfahrungen aus unserem Leben verarbeitet. Es ist definitiv kein Konzept-Album geworden. Ich denke, Nils hat einen grossartigen Job gemacht. Seine Texte verschmelzen förmlich mit den Melodien.
MF: Ist es für euch heute schwerer mit Lex Legion zu starten als damals mit King Diamond?
Andy: Das komplette Business hat sich definitiv verändert. Auf eine gute, aber auch schlechte Art. Es ist jedoch schwer zu sagen, ob es komplett anders ist als damals. Wir haben ein fantastisches Label und ein ebensolches Management, die uns unterstützen. Sie geben uns eine grossartige Starthilfe, was uns wiederum hilft, bekannter zu werden. Sie wissen wie mit der veränderten Voraussetzung umzugehen ist (lacht). So können wir uns auf die Musik fokussieren und einen guten Job abliefern.
Pete: Am Ende des Tages müssen wir mit der Musik überzeugen. Wäre die nicht gut, würden wir jetzt nicht mit dir sprechen. Ich arbeite schon lange in der Musikindustrie. Wie auch Andy, der als Produzent sein Geld verdient. Mikkey schickte zwei Songs unserem Management, welches früher für Motörhead die Stricke zog. Todd (Singermann) sendete die Tracks zu Scott Givens (MNRK), der nun unser Labelmanager ist. Scott arbeitete bei Roadrunner und kannte uns von früher. Er war damals schon ein Fan von King Diamond. Als er unsere Lieder hörte, flippte er aus.
MF: Was sind die Pläne für die Zukunft?
Andy: Am 28. November werden wir die erste Show in Göteborg spielen. Viele Journalisten werden vor Ort sein. Kürzlich waren wir beim "Sweden Rock Festival" und standen als komplette Band der Presse zur Verfügung. Dann arbeiten wir an weiteren Shows und dem zweiten Album (grinst zufrieden). Es besteht die grosse Chance, dass wir uns 2027 bei einem Konzert sehen werden, Martin (grinst). Der Fokus liegt auf Lex Legion, von uns allen.
MF: Ich danke euch beiden herzlich für das Gespräch und die Zeit. Es war ein grosses Vergnügen und eine Ehre, mit euch sprechen zu können.
Andy: Wir haben dir zu danken, Martin und hoffentlich bis bald.
Pete: Danke dir! Wir sehen uns.