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Dienstag, 07 April 2026 21:34

Blues Pills – DeWolff in Pratteln Empfehlung

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07. April 2026, Pratteln - Z7
By Rockslave

In der heutigen Zeit werden Tour-Billings nicht mehr aus den gleichen Gründen wie früher geschürt. Schickte man einst verstärkt und nachvollziehbar Label-Mates zusammen auf Konzert-Reisen, schürt man aktuell viele Dreier- bis gar Vierer-Pakete, um möglichst viele Leute anzulocken. Ein Unterfangen, das immer schwieriger wird und zunehmend zeigt, dass selbst solche Konstellationen schon länger nicht mehr für volle Locations im mittleren Segment bürgen. Das Momentum auf ihrer Seite haben derzeit Power und True Metal Combos der Währung All For Metal, Warkings, Brothers Of Metal oder Battle Beast und Konsorten.

Mit deutlich grösserer Kelle richten in dieser Ecke schliesslich Powerwolf oder Sabaton an, doch es geht erfreulicherweise auch anders. Die Kombination aus dem souligen Blues Rock der Blues Pills und dem psychedelischen Hammond-Orgel-Sound von DeWolff ist aktuell wohl eines der stimmigsten Pakete, die man im -Bereich des Retro Rock finden kann. Man merkt einfach, dass beide Bands eine ähnliche Energie und Spielfreude teilen. Besonders der Kontrast zwischen Elin Larssons kraftvoller Stimme und den ausufernden Jams der drei Niederländer macht das Ganze zu letztendlich gleicher Spielzeit so abwechslungsreich.

DeWolff
Der Bühnenaufbau verriet ziemlich schnell, dass das Trio aus dem Land der Tulpen und Windmühlen als Opener fungieren wird. Das gesetzte Motto "Double Bill Tour" gewährt beiden Bands auf dieser Tour einen Headliner-Auftritt von rund 75 Minuten, und deshalb spielte es eigentlich keine Rolle, wer zuerst dran war. Die Premiere als Support für TOTO erlebte ich auch hier in Pratteln, nämlich im Juli 2022, anlässlich des "Summer Nights Open-Air". Fast vier Jahre später kriegte man das Gefühl, dass die Bandmembers in den Jungbrunnen des Lebens gefallen sind, so jugendlich, wie sie nach aussen wirkten. Das galt vor allem dem Brüder-Paar van de Poel mit Luka am Schlagzeug (Jahrgang 1994) und Pablo an der Gitarre wie Leadgesang (JG 1991) sowie Keyboarder Robin Piso (JG 1990).

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Kaum auf der Bühne legte die spielfreudige Band den Hebel um und zelebrierte ab den ersten Klängen eine Musikalität der Oberliga. Der schon im Studio völlig analog gehaltene Sound wurde so auch heute Abend erzeugt, heisst nichts Drahtloses, sondern eben oldschoolmässig mit Kabeln. Pablo nahm zu Beginn das Gesangs-Mikro fest in die eine Hand, performte so die Leads, während die Griffhand teilweise zum Einsatz kam. Da sah auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig aus, war aber definitiv gewollt. Folgten Sing-Parts mit dem Solieren und Riffen zusammen, war das Mic dann fixiert. Da DeWolff seit dem Debüt 2009 schon einige Studio-Alben veröffentlicht haben («Fuego», das aktuelle Werk, stammt von 2025), stellte sich die Frage, welche Songs dass kommen.

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Rein vom vorhandenen Material her hätten die Niederländer locker über drei Stunden durchziehen können, aber das ging leider nicht. Interessanterweise wurden dann aber keinerlei neue Tracks gezockt, sondern «Love, Death & In Between» (2023) stach zum Beispiel gleich mit drei Nummern heraus. Dazu gehörte mitunter der Album-Opener «Night Train», der das Konzert einläutete, gefolgt von «Natural Woman» ab «Muscle Shoals (2024) und dem Little Feat Cover «The Fan». Was die Truppe alleine schon bis hierhin mit einer grenzenlosen Leichtigkeit aufs Parkett legte, war schlicht zum Niederknien, einfach nur geil. Letzteres war ein Longtrack, worin eh die grosse Stärke von DeWolff besteht, heisst das Publikum immer auf Trab zu halten. Das gelang mühelos und die Zeit zerrann zu schnell.

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Dazu kam, dass ein Bassist in Fleisch und Blut (je nach Tournee spielt Levi Vis als regelmässiger Live-Gast von den Dawn Brothers mit) nicht zu sehen, wohl aber zu hören war. Wer nun dachte oder gar zu wissen meinte, dass dieses Instrument ab Band eingespielt wird, lag völlig auf dem Holzweg, denn wenn man dem Spiel von Hammond-Virtuose Robin aufmerksam zusah, respektive folgte, sah man, wie das Ganze zustande kommt. Dabei war es faszinierend anzusehen, wie unterschiedlich die Parts für die jeweilige Hand waren. Zu meinen persönlichen Highlights gehörten das Hammond-lastige «Will O'The Wisp» und der Groover «Restless Man», wobei das fluffige «Rosita» leider ohne Bläser und Background-Sängerinnen auskommen musste. Nichtsdestotrotz blieb nur ein Fazit: Weltklasse!

Setliste: - «Natural Woman» - «The Fan (Little Feat Cover)» - «Will O'The Wisp» - «Tired Of Loving You» - «Restless Man» - «Rosita» -- «Nothing's Changing»

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Blues Pills
Nach dem grandiosen Einstieg war die leider sehr überschaubare Anzahl an Konzertbesuchern, die etwa bei geschätzten 400 - 450 Leuten lag (was aber immer schwer einzuschätzen ist, wenn es nicht bekannt ist), nun heiss auf den zweiten Teil des Abends. Als es um 21:45 Uhr losging und sich die Fotographen im Pit verteilten, stand ich ganz links und sah dann zu meinem Verblüffen nicht die Rhytm-Section, die ich erwartet hatte. Das hatte aber seine guten Gründe, denn anstelle des langjährigen Bassisten Kristoffer Schander trat seit Anfang dieses Jahres Agnes Roslund an seine Stelle. Dann sollte eigentlich der etatmässige Drummer André Kvarnström hinter den Kesseln sitzen, aber musste unfallbedingt passen, und die vakante Stelle wurde mit Hingucker Lina Anderberg bestückt.

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Während solche Geschehnisse noch oft zu einzelnen Absagen bis hin zu kompletten Tour-Ausfällen führen können und auch mehrfach vorkamen, stand das bei Blues Pills nicht zur Debatte. Das bescherte den Fans hingegen eine musikermässige Konstellation, die oftmals einmalig ausfällt und (s)einen besonderen Reiz trägt. Das betraf in erster Linie das nun rein weibliche Rhythmus-Duo, wobei Lina nicht nur ein nettes Antlitz besass, sondern als hochgelobte Session- und Live-Schlagzeugerin gilt, die sich besonders in der internationalen Pop- und Rock-Szene einen Namen gemacht hat. Dass sie dann ausserdem noch eine Landsfrau von Frontfrau Elin Larsson und wahrscheinlich auch Agnes ist, setzte dem Ganzen erst recht die Krone auf. Im Zentrum stand aber ganz klar Wirbelwind Elin!

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Als ich sie das letzte Mal am "Sweden Rock Festival" 2023 hochschwanger über die Bühne flitzen sah, wäre niemand überrascht gewesen, wenn ihr Sohn schon frühzeitig auf die Welt gekommen wäre. Die Geburt fand schliesslich in der ersten Jahreshälfte 2024 statt, und das Ereignis war für die Band auch künstlerisch von grosser Bedeutung. Das letzte im August 2024 veröffentlichte Studio-Album trägt passenderweise den Titel «Birthday». Auf dem Album-Cover ist Elin nach wie vor mit ihrem dicken Bauch zu sehen, und sie nahm den Gesang für die Platte teilweise bis in den neunten Monat ihrer Schwangerschaft hinein auf! Davon ist natürlich längst nichts mehr zu sehen, sprich das stets quirlige Power-Paket zeigte sich wieder drahtig wie eh und je, ganz zur Freude der Fotographen!

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Ein wirklich gutes Foto von Elin braucht dabei Geduld und Glück gleichermassen. Der Rest der Band zeigte sich da nahbarer, und die neue oder besser einmalige Konstellation zeigte sich von der besten Seite. Ein Blick auf die Setliste offenbart, dass mehr als die Hälfte des Sets mit je vier Songs auf das Konto des selbstbetitelten Debüts von 2014 und eben «Birthday» gehen. In dieser Dekade hat sich einiges ereignet bei Larsson & Co., und nicht wenige dachten nach dem Live-Album «Lady In Gold - Live in Paris» (2017) dass es das künstlerisch wohl gewesen sei. Dass dem definitiv nicht so ist, verdeutlichte das heutige Konzert, das keine Wünsche offen liess und zurecht lautstark abgefeiert wurde. Als weiteren Höhepunkt konnte man sich das Tour-Vinyl von «Birthday Live» krallen.

Setliste: «Intro/High Class Woman» - «Bliss» - «Proud Woman» - «Piggyback Ride» - «Top Of The Sky» - «Black Smoke» - «Doom Transit» - «Song From A Astralplane» - «Birthday» - «Don't You Love It» - «Lady In Gold» - «Low Road» - «Bye Bye Birdy» -- «Little Sun» - «Devil Man»

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