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Freitag, 17 April 2026 21:05

Monkeys On Mars – Monkey3 – Mars Red Sky in Lausanne Empfehlung

17. April 2026, Lausanne - Les Docks
By Lukas R.

An diesem Abend wurde in Les Docks nicht einfach ein Konzert gespielt – es wurde eine Reise inszeniert. Zwei Bands, die für sich bereits eigene Klangwelten erschaffen, trafen aufeinander, um etwas Neues entstehen zu lassen. Was folgte, war kein klassischer Gig, sondern ein dreistufige Reise: Erst ging es in die Tiefe, dann in den Orbit und schliesslich weit darüber hinaus.

Mars Red Sky - Druck von unten
Mars Red Sky eröffneten den Abend mit einem Sound, der nicht auf unmittelbare Wirkung abzielte, sondern das Publikum vielmehr zum Eintauchen in die Musik einlud. Von den ersten Augenblicken an erfüllte Verzerrung den Raum - nicht chaotisch, sondern dicht und kontrolliert. Der Bass, gespielt von Mathieu Gazeau, war die wahre Anziehungskraft. Er drang tief in den Körper ein und war in seiner Präsenz fast körperlich spürbar. Darüber stand Julien Pras fast regungslos und formte mit bedächtiger Ruhe Ton für Ton, umgeben von einem kleinen Arsenal an Effekten.

Die Band beeilte sich nie. Jede Note fühlte sich platziert und abgewogen an und durfte nachklingen. Jimmy Kinast hielt einen stetigen, beinah ritualistischen Puls aufrecht, der zeitweise an etwas Stammesartiges erinnerte und die ansonsten schwebenden Texturen erdete. Die Musik rief seltsame Bilder hervor: Fragmente alter Filme, weite Landschaften, sogar etwas, das seltsam an einen verlorenen Soundtrack erinnerte - subtile Echos, die dem Set eine filmische Qualität verliehen.

Und dann, gerade als die Geduld der Klanglandschaft bis an ihre Grenzen gereicht hatte, brach sie. Das Tempo stieg, das Schlagzeug beschleunigte und die gesamte Struktur entlud sich in etwas weitaus Aggressiveres - eine verdiente, nicht erzwungene Explosion. Schwer, ja - aber niemals übertrieben. Immer kontrolliert, immer beabsichtigt.

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Monkey3 - Vom Gewicht zum Raum
Der Übergang zu Monkey3 war ebenso fliessend wie symbolisch. Einer nach dem anderen erschienen die Mitglieder: Zuerst dB, der bereits Texturen webte, während Mars Red Sky noch spielte. Plötzlich teilten sich alle sieben Musiker die Bühne. Für einen kurzen Moment wurde der Klang fast überwältigend: brachial, dicht, einheitlich.

Setliste: «Arcadia» - «Collector» - « Apex III» - «Maps of Inferno» - - «The Final Round» - «The Light Beyond» - «Réflection»

Dann trat Mars Red Sky beiseite
Was folgte, war eine Verschiebung nicht nur im Klang, sondern auch in der emotionalen Ausrichtung. Monkey3 – bestehend aus Walter am Schlagzeug, Jalil am Bass, Boris an der Gitarre und dB an den Keys und Sounds - öffneten die Musik nach aussen. Wo zuvor Druck geherrscht hatte, war nun Raum. Timing, Melodie und ein Sinn für Erzählung übernahmen die Führung.

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Im Kern von Monkey3 liegt eine Rhythmus-Gruppe, die sich weniger wie Unterstützung, sondern vielmehr wie Antrieb anfühlt. Jalil am Bass folgt nicht einfach, sondern treibt die Musik mit knallharten, kraftvollen Linien voran und strahlt dabei eine ansteckende Energie aus. Sein ständiges Lächeln widerspiegelt die pure Freude hinter jeder Note. Hinter ihm verankert Walter am Schlagzeug den gesamten Sound mit bemerkenswerter Präzision und wechselt mühelos zwischen tribalem Puls und kontrollierter Beschleunigung. Sein Spiel ist nicht nur präzise, sondern auch auffallend vielfältig in der Textur. Er schöpft aus einer breiten Palette von Drum-Sounds, die jeder Passage ihren eigenen Charakter und ihre eigene Tiefe verleihen. Zusammen bilden sie einen dynamischen Motor – präzise, ausdrucksstark und unerbittlich lebendig - der es Monkey3 ermöglicht, sich von langsamen, immersiven Aufbauten zu gewaltigen, kraftvollen Eruptionen zu entfalten, die sich ebenso körperlich wie emotional anfühlen.

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dB wirkt am Keyboard wie ein Klangzauberer, der weitläufige Atmosphären webt, die wie ein sich ständig wandelnder Teppich unter der Band fliessen. Seine Texturen – Wind, Raum, subtile Impulse – verleihen Monkey3 ihre unverwechselbare Tiefe, binden alles zusammen und verwandeln Riffs in Landschaften.

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Und dann ist da noch Boris, einer dieser seltenen Gitarristen, die nicht nur spielen, sondern den ganzen Raum zum Schwingen bringen. Seine Soli wirken nicht wie eine Demonstration seines Könnens, sondern wie Einladungen – zum Fliegen, zum Strahlen und dazu, sich in der schieren Schönheit des Klangs zu verlieren. Mit einem Ton, der sowohl aufsteigen als auch weinen kann, verwandelt er jede Note in etwas Lebendiges und versetzt das Publikum in einen Zustand zwischen Euphorie und Ehrfurcht.

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dB stand diesmal im Mittelpunkt auf dieser grossen Bühne und lenkte die Atmosphäre mit seinen Klang(ge-)schichten – spoken Words, sprudelnde Texturen, subtile Bewegungen – während Boris Gitarren-Linien spielte, die nicht nur technisch beeindruckten, sondern auch eine zutiefst ausdrucksstarke Qualität besassen. Sein Ton weinte, bog sich, verweilte. Walters Schlagzeug wurde Tribal-lastiger, die Strukturen weitläufiger und die Stimmung driftete in etwas Melancholisches und doch seltsam Erhebendes ab. Und Jalil verlieh dem Ganzen die Härte und Tiefe und Intensität.

Das Publikum reagierte nicht mit Chaos, sondern mit Verbundenheit. Es bewegte sich gemeinsam, subtil und fast unbewusst. Lausanne fühlte sich hier wie zu Hause an. Nicht nur geografisch, sondern auch emotional. Dies war eine Band, die für ihr eigenes Publikum spielte.

Setliste: «Collapse» - «Mass» - «Kali Yuga» - «Rackman»

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Monkeys On Mars - Ignition
Als Mars Red Sky zurückkehrte, begann die letzte Verwandlung. Sieben Musiker, nicht mehr zwei Bands.

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Die Zusammenarbeit  als "Monkeys On Mars", fühlte sich nicht wie eine einfache Überlagerung von Stilen an. Es fühlte sich an wie ein neuer Organismus, der sich in Echtzeit formte. Zwei Schlagzeuger schufen ein kraftvolles, fast hypnotisches Rückgrat. Die Bassfrequenzen verflochten sich und prallten aufeinander. Die Gitarrentöne reichten von tiefem Knurren bis zu hochfliegenden, beinah vokalen Ausdrucksformen.

Der zweite Titel des Sets wirkte wie eine Startsequenz: langsamer Aufbau, steigender Druck und schliesslich der Abhebe-Moment. Der Klang dehnte sich massiv aus, als würde sich der gesamte Veranstaltungsort vom Boden lösen. In späteren Momenten wurde alles wieder auf Bass und Tasten reduziert, bevor erneut in ein volles Inferno eingetaucht wurde – dynamisch, unvorhersehbar und doch stets zusammenhängend.

Es gab Abschnitte, die fast schon kakophonisch wirkten, jedoch nie ohne Zweck. Jeder Ausbruch fühlte sich wie ein Höhepunkt an. Jede ruhige Passage wie der Atemzug davor. Am meisten stach die Einheit hervor. Die Musik wurde direkter, manchmal sogar singbar: einfache Motive und gesangartige Phrasen, die aus den dichten Klanglandschaften hervortraten. Das Publikum erkannte sie und reagierte sofort: Jubel bei vertrauten Momenten und lautere Reaktionen, wenn Lieblings-Passagen auftauchten. Es waren nicht mehr zwei Identitäten, die verschmolzen, sondern es war eine gemeinsame Sprache.

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Auf ihrem Höhepunkt überschritt die Performance jede klare stilistische Grenze. Es war nicht nur Space Rock, Psychedelic oder Progressive – es fühlte sich interstellar an. Der Raum selbst schien sich zu bewegen, als würde er in die Umlaufbahn gehoben.

Das letzte Stück näherte sich fast trügerisch: Es war einfach und fast zugänglich aufgebaut und lud mit einem eingängigen Motiv zum Mitmachen ein. Dann kehrten nacheinander alle Elemente zurück. Mit voller Kraft. In voller Einheit. Jeder Musiker war voll dabei, lächelte und trieb den Klang zu seinem letzten Höhepunkt.

Als Zugabe gab es etwas ganz Besonderes: eine Neuinterpretation von «Spiel mir das Lied vom Tod». Ein ohnehin schon von Erinnerungen geprägtes Stück, das hier in ein gewaltiges, emotionales Schlussstatement verwandelt wurde. Es war keine Cover-Version, sondern eine Neuinterpretation – langsam, intensiv und zutiefst bewegend.

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Fazit: Das war nicht nur ein Konzert. Es war eine Demonstration dessen, was passiert, wenn zwei ohnehin schon eigenständige und kraftvolle Bands sich dafür entscheiden, keine Kompromisse einzugehen, sondern zu expandieren.

Nach ihren bereits legendären Planetarium-Shows in Luzern bewiesen Monkey3 einmal mehr ihre Fähigkeit, Erwartungen neu zu definieren. Zusammen mit Mars Red Sky schufen sie etwas Seltenes: eine Performance, die sich lebendig, unvorhersehbar und ganz und gar eigen anfühlte. Kein Retro. Nicht auf ein Genre beschränkt. Einfach kraftvolle, relevante und erstaunliche Musik, gespielt von Musikern, die genau wissen, wie weit sie den Klang treiben können und wie tief er nachhallen kann.

Als wir uns vor dem Konzert mit Jalil unterhielten, waren wir uns einig: So kraftvoll und mitreissend diese Zusammenarbeit auch ist, bleibt doch die besondere Vorfreude darauf, Monkey3 wieder in ihrer reinen, eigenständigen Form zu erleben. Dieser Moment rückt bereits näher – wenn sie am 02.07.2026 in Augusta Raurica die Bühne betreten und als Vorgruppe für Apocalyptica auftreten. Es sind noch Tickets erhältlich – verpasst nicht die Gelegenheit, dabei zu sein.

Setliste: «Through The Desert» - «Seasonal Pyres» - «Hear The Call» - «Strong Reflection» -- «Once Upon A Time In The West»

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