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"…Im Rock'n'Roll sollte man nie zu weit vorausplanen…"
Wer hat an der Uhr gedreht? Diese Frage stellt man sich seit Corona öfters, weil man das Gefühl hat, dass die Tage, Wochen, Monate und selbst Jahre vorbeifliegen. So auch bei Fernando von Arb (Gitarre, Krokus), Dan Grossenbacher (Gesang, Bass, ehemals China), Deedee Kaufmann (Drums, ehemals Whole Lotta DC) und Pat Tschäppät (Gitarre, Brainholz). Zehn Jahre Bad Ass Romance. Zehn Jahre kernige Riffs und flotte Rhythmen. Zehn Jahre mitreissende Konzerte.
Ein Grund zu feiern oder doch eher ein weiterer Grund die Besucher mit Krokus und Cover-Songs zu begeistern? Fernando beantwortete nicht nur diese Frage, sondern schwenkte logischerweise auch zu Krokus hinüber. Immerhin war er derjenige, der für die grossen Hits verantwortlich ist und diese noch immer mit viel Leidenschaft, Hingabe, Feuer und einem breiten Grinsen im Gesicht zum Besten gibt.
MF: Feiert ihr zehn Jahre Bad Ass Romance?
Fernando: Wir waren überrascht, dass es schon zehn Jahre sind (lacht). Zugleich spielten wir in Dornach die zweihundertste Show. Wir erwähnen dies, feiern es aber nicht.
MF: Hast du erwartet, mit BAR so lange unterwegs zu sein?
Fernando: Im Rock'n'Roll sollte man nie zu weit vorausplanen (lautes Lachen). Der Groove in der Truppe war so gut, dass die Jahre wie im Flug vorbeigingen. Alles verlief im Schnellzugstempo. Es hat "geflutscht" und der Motor lief immer geschmierter. Wir waren noch nie so gut unterwegs wie jetzt. Es macht unglaublichen Spass.
MF: Wie würdest du die letzten zehn Jahre von Bad Ass Romance zusammenfassen?
Fernando: Die kann man in Perioden unterteilen. Zuerst starteten wir als Trio. Damals spielten wir bewusst keine Lieder von Krokus. Es folgte die COVID-Phase, da lief nicht viel. Wir spielten, bis die Auftritts-Verbote verhängt wurden und waren eine der ersten Bands, die wieder auf die Bühne stiegen. Zu der Zeit mussten die Leute die Konzerte teilweise noch maskiert besuchen. Dann kam der Teil, als wir einen zweiten Gitarristen ins Line-up nahmen.
Krokus hatten ihre letzte Show gespielt. Ich glaubte tatsächlich, das sei so (grinst) und Krokus werden keine Bühne mehr betreten (lacht). All die guten Songs, die ich für diese Truppe schrieb, was viele Leute nicht wissen, wollte ich bei Bad Ass Romance ins Set integrieren. Seit diesem Moment rattern wir mit zwei Gitarren durch die Clubs. Wir sind kein Blues Rock Trio mehr, sondern eine hart rockende Band mit ganz vielen Krokus Tracks, eben weil es meine Songs sind (grinst).
MF: Mit Pat Tschäppät und Mark Kohler habt ihr zwei Gitarristen in der Band. Wie wählt ihr aus, wann wer spielt?
Fernando: Geplant war im Ursprung, dass Mark unser zweiter Gitarrist sein sollte. Es stellte sich jedoch heraus, dass er selten Zeit hat (lacht). Wir probten mit zwei bis drei anderen Gitarreros und mussten uns eingestehen, das funktioniert nicht. Deedee hatte die Idee, Pat anzufragen. Er wurde zur absolut besten Kombination, ist engagiert, ein Profi-Musiker und hat Zeit, auch wenn er nebenbei andere Projekte am laufen hat. Dies ist die beste Lösung. Mit ihm auf der Bühne zu stehen ist "great fun"!
"…Jetzt steht da diese musikalische Panzerwand auf der Bühne…"
MF: Welchen Einfluss übt das auf dich aus, wenn Pat oder Mark mitspielen?
Fernando: Pat ist ein überzeugter Lead-Gitarrist. Zugleich hat er ein gutes Interplay mit mir. Wenn Mark auf der Bühne steht, kriege ich einen Flashback und weiss, jetzt steht da diese musikalische Panzerwand auf der Bühne (grinst). Da muss ich auf der Bühne nichts überlegen, sondern die Riffs erklingen wie in alten Tagen. Volle Kanne und geradeaus. Dagegen ist Mark nicht gewillt, seinen Mund zu öffnen und Backing-Vocals beizusteuern (lacht). Da muss man ihn immer antreiben. Er befindet sich in diesem klassischen Modus, hat aber auch schon seine Lead-Parts übernommen. Pat ist mehr Lead-Gitarrist und weniger ein Rhythmus-Gitarrero. Während Mark weit und breit der absolut solideste Hard Rock Rhythm Player ist. Ich kann da auf ein Fundament spielen, das ist sagenhaft!
MF: Spielst du heute lieber Leads oder Rhythmus?
Fernando: Ich spiele sehr gerne Riffs. Das ist die Essenz vom Rock'n'Roll. Der Rhythmus muss ein Fundament sein. Ich setzte jetzt zum Loblied an (grinst stolz). Die Rhythmus-Sektion bei Bad Ass Romance macht Spass ohne Ende (grinst zufrieden). Deedee und Dan, das greift wie gut geschmierte Räder ineinander und groovt wie Sau. Auf der Bühne ist es nur geil! Darum spiele ich so gerne mit diesen Jungs zusammen. Logisch liebe ich es auch Leads zu spielen! Mit dieser Rhythmus-Maschine zusammen aufzutreten, da kann ich nur glücklich sein.
MF: Du hast erwähnt dass du geglaubt hast, mit Krokus sei Schluss. Gab es Überlegungen Marc Stoarce (Sänger von Krokus) in die Band zu holen und ihn die Krokus Tracks singen zu lassen?
Fernando: Marc verfolgt seine Solo-Ambitionen. Er will sein Ding durchziehen, und ich meine Vorstellungen verwirklichen. Die Riffs, alles nach meinem Gusto arrangieren. Deswegen bin ich nicht der Diktator, sondern der "Musical Director". Das ist das Gute bei BAR. Jeder hat seine Aufgaben, die er zu erledigen hat. Wir sind ein kleines Team. Vier stehen auf der Bühne, Mike macht den Sound, Tom schiesst Fotos, steht zudem am Merch-Stand und hilft mir mein Equipment aufzustellen. Seit Jahren sind die gleichen Leute unterwegs. Jeder bringt sein Können ein. Bedenkt man was Dan, neben dem Bass-Spiel, noch für eine Sänger-Karriere hingelegt hat, ist das grandios.
MF: Du hast es gerade erwähnt, jeder hat seine Aufgaben. Wer macht was bei euch?
Fernando: Deedee ist unser Booker, Dan ist unser Kassier. Alles läuft simpel ab. Wir spielen die lockersten Soundchecks und sind für die Veranstalter eine der unkompliziertesten Bands. Das klingt alles mega-positiv (grinst), ist aber in der Tat auch so (lacht).
"…Dummerweise habe ich diese Weisung befolgt…"
MF: Welche Ziele habt ihr mit Bad Ass Romance verfolgt?
Fernando: Wir hatten keines (grinst). Die Grundidee stammte von Deedee, der dies mit Dan besprochen hatte. Ein Blues Rock Trio. Davor spielte ich in der Fernando Von Arb Band, die auch ein Trio war. Diese Truppe musste ich auflösen, weil es hiess, dass bei Krokus keine Seitenprojekte geduldet werden. Dummerweise habe ich diese Weisung befolgt. Als Deedee nochmals nachfragte, war ich ready. Ein konkretes, grosses Ziel bestand nicht.
Selbst wenn du von einer grossen Truppe kommst, bedeutet dies noch lange nicht, dass die Clubs aus den Nähten platzen, wenn du mit deiner neuen Truppe antanzt. Bloss weil einer von Krokus auf der Bühne steht. Spielen Krokus, dann tritt der Zirkus Knie in der Stadt auf (lacht). Die Leute wissen jetzt kommt diese Marke und das zieht viel mehr Leute an. Mit Bad Ass Romance bemerkten wir schnell, dass wir uns unser Publikum erspielen und von Beginn weg gut sein müssen. Darum probten wir wie die Gestörten und waren schon als Trio eine tighte Formation. Auch wenn wir bis anhin noch keinen Tonträger veröffentlich haben, besuchen uns immer mehr Leute an den Konzerten. Weil wir live überzeugen. Das ist das ganze Geheimnis hinter dieser Truppe (grinst stolz). "The good old style", voll auf die Glocke (grinst).
MF: Wenn wir gerade bei den Live-Auftritten sind. Bestehen auch Pläne im Ausland zu spielen?
Fernando: Man muss heute realistisch sein. Okay, ein Ziel hatten wir. Wir gehören nicht zu diesen Bands, welche rote Zahlen schreiben. Zu Beginn legten wir Geld zusammen. Mit den ersten Gagen haben wir diese Gelder an uns selbst zurückbezahlt. Die Truppe stand nie in den roten Zahlen! Wir spielen nicht im Ausland und legen drauf. Es war zum Schreien, dieser eine Gig in Deutschland (lacht). Beim Soundcheck war der Typ dort unfreundlich. Nach dem ersten Set fragte er uns: "Was wollt ihr trinken?"
Es hat genügend Clubs in der Schweiz um festzustellen, dass wir hier Fuss fassen können. Es ist heute ein brutaler Kampf, wer in den Schweizer Clubs seine Auftritte absolvieren kann. Du musst zusammenbleiben, dabei nicht immer mit einer neuen Bandkonstellation ans Tageslicht kommen, sondern durchhalten! Das ist das Geheimnis. Durchhalten und immer ein gewisses, spielerisches Niveau halten. Dann hast du dein Following.
MF: Was ist euer Erfolgsrezept, warum ihr immer in der gleichen Besetzung auf der Bühne steht?
Fernando: Von Beginn weg bestand eine gesunde Ausgewogenheit. Wir haben keine Ahnung (lacht), wieso. Keiner von uns fühlt sich als Superstar. Wir behandeln uns freundlich und keiner hat Flausen im Kopf. Es ist "easy going". Stehen wir auf der Bühne, geben wir stets alles. Das ist unser Hauptanliegen.
"…Wenn die Band groovt, ist die Welt im Lot…"
MF: Wenn du heute auf der Bühne stehst, was hat sich für dich gegenüber den frühen Achtzigern verändert?
Fernando: Nicht viel, ich bin älter geworden (lacht). Ich fühle mich erschöpfter nach einem zweieinhalb Stunden Gig. Vor zehn Jahren war das noch anders. Ansonsten ist es noch immer die gleiche Spielfreude. Wenn die Band groovt, ist die Welt im Lot oder wenn der Sound gut ist. Es gibt Auftritte, da merken wir, dass es eine sperrige Angelegenheit ist. Bei uns kommt nichts ab Band. Wir spielen mit den Umständen und dem Bühnenboden, mit dem was da ist. BAR sind eine "oldfashioned original band". Da singen wir die Backing-Vocals noch selbst (lacht). Auch die kommen nicht ab Tape.
MF: Welchen Rat würdest du dem jungen Fernando heute geben, wenn er mit der Musik starten wollte?
Fernando (überlegt): Im Nachhinein bist du immer schlauer. Es ist immer das Gleiche im Rock'n'Roll und die Geschichte wiederholen sich im gleichen Masse auf tragische Art und Weise. Junge Musiker die enthusiastisch sind laufen, wenn sie Pech haben, schwindligen Managern in die Hände. Dann werden sie gnadenlos ausgenommen. Ich lese gerade das Buch von Bill Wyman. Die Rolling Stones waren nach zehn Jahren eine gebrochene Band. Sie hatten kein Geld, da ihnen alles abgenommen worden ist, was sie durch Konzerte und Plattenverkäufe einnahmen. Das passierte unzähligen Truppen. Überlebst du dies, kannst du dich neu orientieren und organisieren. Dann hast du die Möglichkeit mit der Erfahrung, die du selbst erlebt hast, effektiv Geld zu verdienen.
Es gab Combos, die dermassen verbittert und verschuldet waren, dass sie jämmerlich auseinanderbrachen. Von diesen Dramen erfährt man selten etwas, weil die neuen und jungen Truppen hintenanstehen, respektive deinen Platz einnehmen wollen. Das grosse Glück hast du nur dann, wenn du auf jemanden triffst, der zu dir schaut. Der dich unterstützen und nicht ausnehmen will. Er, der nicht in die Managertasche schaufelt. Krokus gingen damals nach Amerika. Hätten wir gewisse Dinge gewusst, wären wir sie anders angegangen. Wir waren dermassen unerfahren und hatten keine Ahnung, was da abgeht. Nenne mir eine Truppe, die aus einem kleinen Schweizer Städtchen rüber nach Amerika ging, um dort die Welt zu erobern. Ich möchte diese Erfahrung trotzdem nicht missen, weil ich so unglaublich viel lernen konnte.
Aber es kam der Moment, an dem ich aus diesem Business austeigen musste, weil ich Musik aus einem anderen Beweggrund machen wollte. Was hinter den Kulissen abgeht, ist grauenhaft und hat mit der Musik nichts am Hut. Ausnahmsweise meine ich damit nicht die Partys (grinst). Die haben wir immer genossen (lautes Lachen). Aber Manager und Business, diese Spiele, Intrigen und das gegenseitige Bekämpfen, davon hatte ich die Schnauze gestrichen voll. Ich wollte von diesem Geschäft nur noch weg, einfach meine Ruhe haben. Das geschah bei mir 1988. Dieser Break war nötig, da ich kraftlos war.
MF: Schön, dass du aber wieder den Spass an der Musik gefunden hast und den Besuchern mit Bad Ass Romance nach wie vor mit ganz viel Leidenschaft und Hingabe, zusammen mit deinen Jungs, einen mehr als glückseligen Moment bescherst. Danke für das Interview und weiterhin alles Gute.
Fernando: Danke dir Tinu, es hat, wie immer, mega Spass gemacht.