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Als ich las, dass die Band aus Norddeutschland stammt, schweiften meine Gedanken zwischen trostlosen Küsten und seltsamen, halb vergessenen Geschichten umher – fast wie bei Timmy oder Fridoline, (je nach Quelle) dem in den kalten nordischen Gewässern verlorenen Wal, der die ganze Welt verückt macht. Dieses Bild trägt etwas Still-Existentielles an sich und passt gut zu ABKEHRs viertem Album.
"Existenz – Leben genannt, um Bedeutung vorzutäuschen..." – eine Zeile, die man leicht für ein Werk von Emil Cioran halten könnte und im Pressetext erscheint signalisiert, dass es sich hierbei nicht einfach um eine weitere Black Metal Veröffentlichung handelt, sondern um eine Meditation über Zusammenbruch, Sinnlosigkeit und das unbehagliche Fortbestehen des Lebens selbst. «...dem Willen zur Macht und dem Vergessen» entzieht sich einer einfachen Beurteilung. Es will nicht beeindrucken, sondern verunsichern.
Anstatt sich auf den für das Genre typischen aggressiven Vorwärtsdrang zu verlassen, konstruieren Abkehr eine dichte, nach innen ziehende Klanglandschaft. Die Gitarren verschwimmen zu wechselnden Texturen, das Schlagzeug pulsiert mehr, als dass es vorantreibt, und der Gesang wirkt weniger wie ein Angriff, sondern eher wie ein Druck, der sich von innen aufbaut. Das Album entfaltet sich wie ein fragmentiertes Theaterstück, wobei jeder ‘Akt’ das Gefühl des Zerfalls vertieft. Es gibt eine bewusste Weigerung, Spannungen aufzulösen. Momente, die sich schnell aufzubauen scheinen, brechen wieder in sich zusammen.
Dies schafft eine seltsam hypnotische Erfahrung: anspruchsvoll, gelegentlich erschöpfend, aber schwer, sich davon abzuwenden. Für Fans von klaren Strukturen oder wer eine kathartische Entladung erwartet, mag dies undurchdringlich wirken. Doch für diejenigen, die sich zu den eher introspektiven Randbereichen des Black Metal hingezogen fühlen, an der Schnittstelle von Doom, Ambient und existenzieller Philosophie, ist dies eine fesselnde, wenn auch beunruhigende Reise. Ich schliesse da mit Dürrenmatts Worten: "Die Welt ist aus den Fugen, und ich bin ihr Clown."
Lukas R.