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DISPYRIA Chefdenker Jürgen Walzer schafft mit «Redemption Part 1 - Twisted World» im Vergleich zum Vorgänger-Album von 2023 einen grossen Schritt vorwärts. Waren damals bereits einige Lieder gut, überzeugte das Werk leider als Gesamt-Paket nicht. Die Geschichte wirkte schlicht nicht stimmig und zusammenhängend. Beim neuen Album macht jetzt Walzer sehr vieles richtig.
Der erste von zwei angekündigte Teilen nimmt einem auf eine nachvollziehbare Reise voller Dramatik, die man auch dann fühlt, wenn man die englischen Texte nicht ganz entschlüsselt. Kommt dazu, dass die fiktive Geschichte, die im Promo-Schreiben beschrieben wird, auf mich sehr klischeehaft wirkt – aber das ist schlicht Geschmacksache. Wichtiger erscheint mir, dass auf «Redemption Part 1 - Twisted World» Gefühle transportiert werden - und das tut es. Wie beim Vorgänger-Album sind wieder Zak Stevens (Savatage) und Carsten Schulz (Anfang der 2000er-Jahre bekannt als Sänger von Domain und Evidence One) dabei.
Sie werden hier aber stimmiger als beim Vorgänger-Werk eingesetzt. Dazu kommen nun neue Stimmen wie etwa Rob Lundgren (unter anderem Mentalist) oder Dennis Ohler (Dragonsfire) und zwei bisher unbekannte aber hervorragende Frauen. Sie alle liefern Bestleistungen ab. Kompositorisch kann man das neue Disperya-Werk als eine gut gelungene Mischung aus Avantasia und Ayreon betrachten. Man findet also das Epische, den Heavy Metal, mal ruhige Teile und dann wieder abgefahrene Prog-Momente.
Neben schlicht schönen Liedern, darf es auch mal etwas schräg und herausfordernd klingen. Und genau Letzteres zeigt, dass Jürgen Walzer nicht nur auf Nummer sicher geht. Das ist es, was den grossen Reiz dieses Albums ausmacht. Das fehlte schlicht auf dem Vorgänger. In dieser Form musizieren Dysperia auf Augenhöhe mit Avantasia und Ayreon – und das ist trotz hochkarätiger Besetzung am Gesang alles andere als selbstverständlich. Denn ein Weltklasse-Sänger alleine macht noch nicht ein hervorragendes Album aus.
Das beweisen nicht zuletzt die unzähligen belangloseren Alben von All Star-Besetzungen. Und auch ein Zak Stevens konnte mit seiner eigenen Band Circle II Circle nur dann brillieren, wenn ihn seine Savatage Mitstreiter beim Songwriting unterstützten. Umso schöner, dass er auf diesem Album nun tolle Lieder einsingt. Gutfinder von Avantasia, Ayreon und (mit Abstrichen) von Savatage ist ein Antesten von «Redemption Part 1 - Twisted World» sehr empfohlen.
Roger W.