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Metal Factory since 1999
Zwei Jahrzehnte nachdem EF mit ihrem Debüt-Album «Give Me Beauty … Or Give Me Death!» den skandinavischen Post-Rock stark geprägt haben, kehrt das Ensemble aus Göteborg zu dem Album zurück, mit dem alles begann - jedoch nicht mit einem Remaster oder aus Nostalgie heraus, sondern mit einer kompletten Neuaufnahme. Diese zeigt, wie weit EF gekommen sind, ohne das zu verlieren, was sie von Anfang an besonders gemacht hat.
EF haben sich schon immer durch Zurückhaltung ausgezeichnet: grossflächige Crescendos, schmerzende Melodielinien und diese unverkennbare skandinavische Melancholie, die sich sowohl windgepeitscht als auch intim anfühlt. Was diese 20th-Anniversary-Edition hinzufügt, ist Tiefe - im wörtlichen, emotionalen und orchestralen Sinne. Das Original wurde wie ich gelesen habe in drei hektischen Tagen mit geliehenem Equipment und vorbeirauschenden Strassenbahnen vor Daniel Julines Fenster aufgenommen. Diesmal wollten sie, wie Schlagzeuger Niklas Åström es ausdrückt, ihrem "kostbaren Erstgeborenen - ein strafferes, dramatischeres und bombastischeres Make-over verpassen - einen sanften Hauch der heutigen EF".
Dieser "Hauch" kommt in Form von raffinierten Arrangements, Bläser- und Streichersätzen, die den harmonischen Raum öffnen, sowie einer klaren Produktion, die jedes Zittern hörbar macht. Tracks wie «Ett» und «Hello Scotland» entfalten sich nun langsamer; ihre Bögen sind so gestreckt, dass jedes Motiv eher unvermeidlich als instinktiv wirkt. Der neue Bonustrack «Noll» fungiert dabei als Brücke: Er blickt auf ihre jugendliche Dringlichkeit zurück und verankert sich gleichzeitig bei den heutigen EF.
Am auffälligsten ist, wie ausgereift die Darbietungen wirken. Die Band hat in zwanzig Jahren und Hunderten von Shows gelernt, dass "weniger mehr sein kann" – und diese Ausgabe beweist es. Die Gitarren kämpfen nicht mehr um Raum, die Percussion dient mehr, als dass sie dominiert, Crescendos blühen auf, anstatt zu explodieren. Wobei hier kommt auch mein Kritikpunkt, für mich ist es alles ein wenig blutleer. Im Vergleich zu Spurv oder Mono können EF meiner Meinung nach nicht mithalten.
Trotzdem, dies ist keine einfache Jubiläums-Veröffentlichung. Es ist ein Akt der Verantwortung - ein Album, das mit Sorgfalt, Klarheit und Zuneigung neu gestaltet wurde. Langjährige Zuhörer werden einen alten Freund wiederfinden, der neu geworden ist. Neulinge werden ein Debüt-Album zum Anhören bekommen, das zu dem poliert wurde, was die Band EF schon immer sein wollte. Es ist unverkennbar Schönheit, niemals Tod.
Lukas R.