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NOVEMBREs «Words Of Indigo» wirkt ein bisschen wie ein geduldiges Ausatmen. Mit diesem Album setzt die italienische Band ihren langen Bogen atmosphärischen Doom/Death fort - diesmal jedoch mit deutlich ruhigerer Hand am Ruder. Die Identität des Albums basiert auf Kontrasten: Samtige Melodien, die an grobe Verzerrungen grenzen, und eine emotionale Spannung, die sich langsam entfaltet, ähnlich wie sich Tinte in Wasser verteilt.
Die Klang-Palette neigt zu weitläufigen Schichtungen. Die Gitarren galoppieren selten, stattdessen ergiessen sie sich in echoüberlagerten Arpeggios und harmonischen Überlagerungen, die eher an Post-Rock als an Death Metal erinnern. Die abgerundeten und bewusst gewählten Basslinien verankern die Songs, ohne um Aufmerksamkeit zu konkurrieren, während das Schlagzeug gemessenes Tempo gegenüber Effekthascherei bevorzugt.
Carmelo Orlandos Gesang schwankt zwischen gemurmelter Introspektion und plötzlichen Ausbrüchen rauer Intensität. Seine Darbietung ist unvollkommen menschlich, beinahe gesprächig, wodurch Intimität entsteht, aber gelegentlich auch die Klarheit der Texte verwischt. Was dieses Album in seinem Genre auszeichnet, ist seine Ablehnung von Dringlichkeit. Viele Doom-Alben sind schwer, aber nur wenige lassen die Songs allmählich ausklingen.
Tracks wie «Sun Magenta» und «Neptunian Hearts» entfalten sich in Zeitlupe und tauschen Schwere gegen Atmosphäre ein. «House Of Rain» wird dank der Gastmusikerin Ann-Mari Edvardsen, deren Stimme eine leuchtende Kühle vermittelt und die nebelverhangene Ästhetik der Band ergänzt, zum emotionalen Höhepunkt des Albums. Das Album fühlt sich weniger wie Doom/Death an, sondern eher wie eine kontemplative Meditation über Nostalgie, Zerbrechlichkeit und stille emotionale Schwere.
Für Zuhörerinnen und Zuhörer, die Stimmung mehr schätzen als Dynamik - Fans von nächtlicher Atmosphäre, langen Herbst-Spaziergängen oder gedämpft beleuchteten Kopfhörern - ist dieses Album ein Gewinn. Es lohnt sich, es anzuhören und zu besitzen, wenn euer Geschmack eher zu emotionaler Tiefe und sich entwickelnden Texturen als zu maximaler Schwere tendiert. Novembre beweist, dass Langsamkeit eine Form emotionaler Präzision sein kann, auch wenn nicht jede Idee zündet.
Lukas R.