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Achtung, dies ist kein Metal und auch nicht mal ein Heilung Ersatz! Manche Alben versuchen durch Intensität zu beeindrucken, andere entfalten sich langsam und versetzen die Zuhörer in einen anderen Geisteszustand. «Acou», das fünfte Album des russischen Gothic Folk Ensembles MOON FAR AWAY, gehört eindeutig zur letzteren Kategorie.
Anstatt auf dramatische Crescendos oder eingängige Hooks zu setzen, konzentriert sich das Album auf Atmosphäre und Kontemplation. Es schafft eine Klangwelt, die von Ritualen, Folklore und der Faszination für die Idee geprägt ist, dass der Klang am Ursprung der Schöpfung liegt. Die Songs auf «Acou» kreisen um die Idee, dass Klang und Sprache am Ursprung der Welt stehen, und verbinden dieses Motiv mit poetischen Bildern aus Natur, Mythologie und kosmischen Zyklen. Die Texte werden überwiegend auf Russisch gesungen, teilweise ergänzt durch liturgische oder symbolische Wortfragmente.
Dadurch entsteht eine ritualhafte, philosophische Reflexion über Schöpfung, Zeit sowie die spirituelle Kraft von Klang und Worten. Bereits mit dem kurzen Eröffnungs-Stück «Acou (Prelude)» gibt das Album den zeremoniellen Ton an. Die sparsame Instrumentierung und die mehrstimmigen Gesänge vermitteln das Gefühl, ein schwach beleuchtetes Heiligtum zu betreten, in dem alte Echos in der Luft hängen. Der Titeltrack vertieft diese Stimmung mit einer hypnotischen Mischung aus Folk-Melodien, entfernten Percussion-Klängen und den feierlichen Gesängen von Count Ash und Leda.
Ihre Stimmen ergänzen sich wunderbar: Die eine ist geerdet und erzählerisch, die andere ätherisch und fast liturgisch. Auf dem gesamten Album balancieren Moon Far Away archaische Einflüsse mit subtilen modernen Akzenten aus. Tracks wie «Steel, Light, Love» und «Soulofkey» (stark) verweben akustische Instrumente, Chor-Arrangements und zarte elektronische Texturen. Das Ergebnis ist Musik, die sich sowohl uralt als auch zeitgenössisch anfühlt. Stücke wie «To Count Her Names» und «Turquoise» unterstreichen dabei die Begabung der Arkhangelsken für melancholische Melodien.
Dies derart, während «How Do The Moons Walk On Grain» weiter in experimentelles Terrain vordringt und Textur wie Stimmung gegenüber der Struktur in den Vordergrund stellt. Was «Acou» von vielen anderen Dark-Folk-Veröffentlichungen unterscheidet, ist sein Sinn für kulturelle Verwurzelung. Die Musik greift auf nordrussische Traditionen zurück, klingt aber nicht museal. Stattdessen werden diese Elemente in eine lebendige, sich entwickelnde Klanglandschaft verwandelt, die eher spirituell als nostalgisch wirkt.
Das Anhören ist dabei weniger wie das Kredenzen eines herkömmlichen Albums, sondern eher wie die Teilnahme an einem stillen Ritual. Fans von atmosphärischem Folk, neoklassischer Musik oder Künstlern, die Spiritualität mit Sound-Design verbinden, werden dieses Werk wahrscheinlich sehr zu schätzen wissen. Es ist kein Teil für das gelegentliche Konsumieren im Hintergrund, aber für diejenigen, die bereit sind, sich auf sein meditatives Tempo einzulassen, bietet «Acou» eine zutiefst lohnende Erfahrung.
Lukas R.