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Mit «Hulders Ritual» setzen SLAGMAUR ihre eigene Interpretation des norwegischen Black Metal fort. Das stark konzeptorientierte Album wirkt wie ein fortlaufendes Ritual.
Anstelle dichter Riff-Wände verwendet General Gribbsphiiser hauptsächlich schnelle, sich wiederholende Einzeltöne auf der Gitarre. Diese ziehen sich durch fast jeden Song, sind rhythmisch und melodisch zugleich und oft überraschend hell im Klang. Der Effekt ist hypnotisch - manchmal fesselnd, manchmal ermüdend, da sich die Idee selten ändert, im Fachjargon nennt man diese Technik auch "melodic tremolo-picked single-note-ostinato-riff".
Zur Promotion des Albums inszenierte Slagmaur ein vorgetäuschtes Verschwinden in einem norwegischen Wald, komplett mit erfundenen lokalen Nachrichten-Berichten, zusätzlichen "Sichtungen" und immer detaillierteren Angaben über Fallen und eine weitere vermisste Person. Die Geschichte verbreitete sich, bevor aufmerksame Leser Unstimmigkeiten auf der Website bemerkten. Die Band gab später bekannt, dass es sich um ein geplantes künstlerisches Experiment handelte.
Dieses stand mit dem Folklore-Thema des Albums, der übernatürlichen Entführung, in Verbindung – weniger ein einfacher Marketing-Gag, als vielmehr eine Erweiterung der Erzählung in die Realität. Der Gesang ist für das Genre ungewöhnlich. Dr. Von Hellreich schreit nicht im herkömmlichen Sinne, sondern er spricht, rezitiert und betet. Bei «Ritual Dogs» wirkt es fast wie eine Predigt, die sich an die Zuhörer richtet. «Wildkatze» und «Huldergeist» sind die klarsten Einstiegspunkte.
Der Nebel lichtet sich früh und die Gitarre trägt die Struktur. Gaststimmen von Haake's Hoest, D.G. und Maria Charlotte Lund sorgen für Kontrast und mehr Persönlichkeit. Dimmu Borgirs Silenoz' Gitarren-Beitrag bei «Rathkings» verdichtet den Sound, ohne den Kern-Charakter zu verändern. Mit «Hexen Herjer» wechselt das Album die Stimmung: Das Stück entwickelt sich langsam vom Klavier zu Gesängen und Klanglandschaften, anstatt ein traditionelles Lied zu sein.
Hier wird die Atmosphäre kalt und unbehaglich. «Warlok» behält dieses distanzierte Gefühl bei, als würde man die Musik von hinter einem Vorhang hören, während die wiederkehrenden, gebetsartigen Vocals und die laufende Gitarren-Linie konstant bleiben. Die inszenierte «Lost In The Forest» Promo passt gut zum Konzept, welches sich um norwegische Sagen über Waldgeister (Huldra) und Entführungen handelt.
Bei dieser Platte geht es eher um Folklore, Suggestion und Erzählung als um musikalische Variation. Wenn dann «Rathkings» orchestraler wird, hat einen die Wiederholung entweder in ihren Bann gezogen oder musikalisch erschöpft. Das Album ist interessant für Zuhörer, die rituellen und theatralischen Black Metal mögen, aber es erfordert Geduld. Die Vinyl kommt da sogar noch mit bösem Poster daher. Kaufgrund? Die meisten Punkte erhält die Band von mir für das coole Marketing-Konzept.
Lukas R.