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Ich war schon immer der Meinung, dass Instrumental-Musik eine grössere Herausforderung darstellt – sowohl beim Komponieren, als auch beim Anhören – da es keine Texte oder Gesang gibt, die einen durch das Stück führen. Man ist allein mit dem Klang und muss sich den Rest selbst vorstellen. Genau darin liegen die Stärken von Syberia auf «Quan Tot S'apagui».
Die Band schreibt nicht einfach nur Songs, sondern erschafft ganze Klangwelten, die sich fremd anfühlen, beinah jenseitig, als würde man ohne klare Richtung durch unbekannte Räume treiben. Die in Barcelona ansässige Band bewegt sich im vertrauten Rahmen des Post Metal – vielschichtige Gitarren, donnernde Drums und ein ständiges Wechselspiel zwischen Zurückhaltung und Ausbruch – doch was sie auszeichnet, ist ihr Gespür für den narrativen Fluss. Jeder Track entfaltet sich geduldig, baut Spannung auf und entlädt diese dann in Wellen von erdrückender Schwere oder zerbrechlicher Melodie.
Das Ganze besitzt eine filmische Qualität, als würde der Zuhörer durch weite, unerforschte Räume treiben, nur vom Instinkt geleitet. Dennoch ist dies kein leichtes Hörerlebnis. Das Album bewegt sich stark in emotionalen Gefilden, tauscht erhebende Crescendi gegen Introspektion und Unbehagen ein. Während einige Genre-Kollegen (Spurv, Mono) ein Gefühl von Triumph oder Transzendenz hervorrufen, bewegen sich Syberia oft in die entgegengesetzte Richtung und ziehen die Zuhörer nach innen. Ich persönlich fand mich in einem eher melancholischen Zustand wieder: weniger beschwingt, nachdenklicher, sogar leicht verunsichert fast schon wütend.
Diese Komplexität ist zugleich die Stärke und die Grenze des Albums. Während die Tiefe und der Zusammenhalt des Albums unbestreitbar sind, spricht sein düsterer Ton vielleicht nicht jeden an. Zuhörer, die nach Katharsis oder Leichtigkeit suchen, könnten sich distanziert fühlen, auch wenn sie die handwerkliche Qualität bewundern. Letztendlich ist «Quan Tot S'apagui» ein fesselndes und sorgfältig konstruiertes Werk, das Geduld belohnt. Es wird einen nicht unbedingt trösten, aber es wird Euch im Gedächtnis bleiben.
Lukas R.